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Barth an v.K. in Bonn
Ich kam gestern in St. Andrews
nicht zum Schreiben, aber nun bietet sich hier gleich zu Beginn ein ruhiges
Stündlein, das ich schnell benutzen will. Meine Erlebnisse in diesem fernen
Land gehen weiter wie auf einem Film. So kam ich also gestern
vormittag nach St. Andrews, einer
wirklich malerisch auf einer Halbinsel gelegenen alten Stadt mit einer kleinen
Universität, dem Ursprungsort der schottischen Reformation. Prof. Duncan1 (für N. T.) und seine Frau (er ist so alt wie ich und seit
einem Jahr verheiratet) holten mich im Auto (alle Theologieprofessoren scheinen
hier Autos zu haben!!) ab, wieder ein sehr munterer
Scottish-man! Ich lernte seine wenigen Kollegen kennen, und am Nachmittag kam es
in einem Kreis von etwa 15 Pfarrern und Professoren zu der üblichen (ich habe
nun wirklich schon Übung!) Redeschlacht (you ask and I answer). Sie zog sich bis tief in die
Nacht hinein, und ich war zuletzt sehr müde. Sehr erfreulich war
es, daß ich nun meinen vortrefflichen Porteous2 zur Seite hatte
(und |136 auch hier haben werde!). Auch der Verfasser jenes Artikels
«This dynamic personality»3 war zugegen und ein
amerikanisch-schottischer Professor, mit dem ich hart aneinander geriet. Und noch schlimmer mit
dem Dogmatiker von St. Andrews,
Principle Galloway4, einem alten Herrn Ritschlscher Schulung. Es vollzieht sich aber
Alles in sehr loyalen und freundschaftlichen Formen, und ich habe offenbar hier
in Schottland einige
sehr gute Vertreter, so daß ich dieses Land, was jetzt auch
noch komme, mit guter Hoffnung verlassen kann. Hier wird es
jetzt nämlich sofort wieder losgehen mit etwa 30 Leuten von allen Kalibern. Ich
bin heute morgen mit Porteous
herübergekommen. An einer Station begrüßte uns kurz seine Frau, die
in Wirklichkeit viel besser aussieht als auf dem Bilde. Hier wurde ich wieder im
Auto abgeholt und dann sofort rund um die Stadt herumgeführt. Edinburgh ist ein sehr
eindrucksvoller Ort inmitten von felsigen Hügeln, die das Bild angenehm
rauh und kräftig machen. Ich wohne bei Professor Curtis5 (ebenfalls N. T. und
daneben unheimlich international-christlich interessiert). Denk, hier ist es die
halbe Nacht fast taghell, um 11 Uhr etwa so wie in Bonn um 8 Uhr, so nahe bin ich nun dem
Nordpol!! Und die Autos weichen sich links aus! Und noch viel
Anderes ist anders als bei uns. Und nun denke ich daran, daß dort meine
Mutter
angekommen ist und daß du vielleicht nicht leichte Zeit hast. Ach du,
ich freue mich ja so, wieder heimzukommen, und weiß auch genau,
warum und auf wen ich mich freue. Ich habe mir auf der ganzen Reise …
allerhand gedacht. It could be so niceful, when …
137Strenggenommen könnte ich morgen schon heimfahren, weil
heute die letzte Diskussion
ist. Aber Prof. Curtis will mich noch einen Tag in seinem Auto spazierenfahren im
Lande des Walter Scott, und
weil ich vielleicht nicht so bald wieder hieher komme («I hope that you will
come back!», wird mir zwar überall zugerufen), habe ich vor, bei dem Plan zu
bleiben, am Sonntag morgen hier abzufahren. Dann komme ich aber in raschem Lauf
und werde viel zu erzählen haben.
Was das Englische betrifft, so
geht es eigentlich immer besser. Wahrscheinlich bezeichnenderweise für mich kann
ich viel besser reden als verstehen. Aber nach und
nach gelingt auch das Letztere.
Die «Siólotschi» will gleich wieder anfangen. L. L. … du weißt schon.
Dein K. (
a dynamic personality)
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Bitte grüße: Nelly, meine Mutter, die Kinder, Berthi7. Ich komme nun bald wieder!