Brief Nr. 92 · 10. März 1932

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn

211

92

L.L.!

Ich danke dir für alle Nachrichten und trauere, daß es nun morgen nichts sein soll. Es wird dann allerhand zu erzählen sein von dem Herrenleben, das wir hier führen und das nun bald und gern wieder anderen Daseinsformen das Feld räumen wird. Außer Fräulein Eymael1 und allenfalls Fräulein Schimmelpfennig v. d. Oye2 war in der ersten Serie kaum eine erfreuliche Gestalt, und auch in der heute angetretenen scheinen ihrer nur wenige zu sein. Fast alle bekennen sich in ihren Lebensläufen zu Weber3, Pfennigsdorf4 (!) etc. und machen |212 nun bei Sch.5, W.6 und mir nicht gerade ihr Glück. Wölflein7 ist ein schneidiger und doch auch sonst recht erfreulicher Mann. …

Alles Weitere ein anderes Mal. Ja so is es.

Dein
K.

Sachfußnoten

1
Waltraud Eymael (1908–1988), im März 1932 erstes theologisches Examen, danach Vikariat in Köln-Riehl und Mönchengladbach, im Oktober 1934 zweites theologisches Examen in der BK Rheinland, 1937 Eintritt in das Mutterhaus Sarepta in Bethel, 1945-1978 tätig in der Krankenpflege, Frauen- und Altenhilfe in Dahle bei Altena (Sauerland) und in Beckum (Westfalen).↩
2
Marta Schimmelpfennig von der Oye (geb. 1908), 1927-1931 Studium der Theologie in Bethel, Tübingen, Marburg und Bonn, im März 1932 erstes theologisches Examen, 1932-1934 Studium der Kunstgeschichte in Berlin, 1936 Dr. phil., seit Winter 1935 Mitarbeit im «Kunstdienst».↩
3
Siehe oben S. 209, Anm. 21.↩
4
Emil Pfennigsdorf (1868–1952), 1913-1940 Professor für Religionsphilosophie, Praktische Theologie und Apologetik sowie Universitätsprediger in Bonn, wirkte seit 1933 «als Deutscher Christ publizistisch und fakultätspolitisch» sehr aktiv «in Gremien der in den ersten Jahren des Kirchenkampfes ausgesprochen deutschchristlich geleiteten rheinischen Provinzialkirche mit» (Meier I, S. 317 📖).↩
5
K. L. Schmidt.↩
6
Ernst Wolf.↩
7
= Ernst Wolf.↩