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Barth an v.K. in Berlin
11.3.1933 - an Bord der «Kalundborg»
Ich schwimme auf dem Meer zwischen Seeland und Jütland und trinke nach einem
guten dänischen Frühstück (= Mittagessen) schwarzen Kaffee. Daß du doch auch hier
wärest!! Der gestrige Tag |257 war sehr ereignisreich. Ich
habe die «Barthianer»1
(O. Larsen etc.)
kennen gelernt; aber das sind Fanatiker der Ironie (lauter kleine Kierkegaards!)2, die mir gar nicht gefielen und die mich ihrerseits des «Pietismus»3 verdächtigten!!
Nachher hatte ich an einem feierlichen Essen der theologischen Fakultät
teilzunehmen, bei dem ich nun freilich auch wieder heimatlos war. Und dann ging
also der Vortrag in
Szene vor etwa 1200 Menschen4, worunter der Bischof5 und der Bürgermeister6 von Kopenhagen. Daran schloß sich wieder (!! die Dänen
essen ununterbrochen) ein Festessen an, bei dem die solennsten
Reden auf mich gehalten wurden («Er ist nicht nur ein gewandter Dialektiker,
nicht nur ein Mann der Bibel, sondern auch der liebenswürdigste Mensch, den man
sich denken kann»!!!).
Ich bin dann auch noch zum 3. Mal gezeichnet und zum 6. Mal photographiert
worden und habe mindestens 100+xmal mein «Autogramm» geben müssen. Es ist alles
sehr anders als in Deutschland,
aber die Menschheit ist
überall dieselbe. Jetzt fahre ich mit dem netten P. Gadeberg nach Aarhus
(man |258 sagt: Orheus), und bald, bald nachher
komme ich dann zu dir. Wie mag es dir gestern ergangen sein?!7 Ich habe erst spät in der Nacht daran denken können und hoffe
nun Nachricht von dir in Aarhus
vorzufinden. Ob du heute in Wahlitz8 bist? Und wie
mag es Gertrud gehen? Wie dem auch sei … ich komme und freue mich. Gelt,
du sch…st dann nicht gleich wieder? Aber wenn du willst, darfst du
ja! Grüße Gertrud!
(Dienstag9 1012 Berlin an!)