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Barth an v.K. auf dem Bergli
Dem l. K. selbst vorangehend kommt hier eine kleine Sendung, hauptsächlich wegen
des Briefleins an N.1, das du, die du mit den Briefen deines l. K.
nicht immer einverstanden bist, nachprüfen und je nach Ergebnis zurückhalten
oder umgehend zur Post befördern sollst – vielleicht unter Mitgabe einiger
Zeilen auch von dir? N. hat mich ja offenbar halb und halb schon heute erwartet und wird
jedenfalls auf Post etwas gespannt sein.
Der in unserem gestrigen Telephon angekündigte kritische Satz deines
Briefleins2 ist wohl
der Zuruf, euer Zuruf, ich solle ein Mann sein etc. Ich habe das in
der Tat etwas weniger gerne gelesen, einerseits weil «Männlichkeit» nun doch
bestenfalls etwas ist von dem, was ich jetzt nötig habe, andererseits weil
gerade die «Männlichkeit» eines Mannes offenbar irgendwie bedroht zu sein
pflegt, wenn sie ihm von Frauen (und wenn die liebste Frau darunter wäre) so
geradeswegs zugerufen wird. Ich halte mich also lieber an andere Sätze deiner
Feder und deines Mundes.
K. L. S. hat doch auch
eine Art Dämönlein! Warum mußte er nun auf seine erste Ansicht über mein
Vorgehen zurückkommen und diese törichte Frage aufwerfen?3 Meine Mutter hat das ganze Kon|292volut4
ebenfalls gelesen und über K. L. S.ens Mentalität erstaunt den Kopf
geschüttelt. Teilweise hängt es gewiß auch mit der allgemeinen Nervosität
zusammen, der sie draußen5 jetzt ein wenig Alle zu verfallen scheinen und deren wir uns gewiß selber
zu erwehren haben werden, wenn wir erst wieder draußen sind.
Georg hat mir äußerst seltsam
geschrieben! Ich bringe seine Briefe dann mit.6 Vielleicht gelingt mir bis morgen noch eine Antwort.7 Es |293 rächt sich jetzt eben, daß es im Herbst nicht gelang,
Ordnung zwischen uns zu schaffen und im Anschluß daran ein offenes Wort über
meine politische Stellung auch
in ZdZ zu sagen.8 Wie gut wäre es, wenn man jetzt darauf
verweisen könnte.
Was für Zeiten! Es vergeht doch kein Tag, an dem die Zeitung nicht irgend eine
neue Bestätigung dafür brächte, daß da draußen eine Clique von offenkundig
Wahnsinnigen am Regimente ist. Heute die Nachricht, daß an Hitlers Geburtstag schulfrei gegeben wird. Aber
gerade in Georgs Briefen keine
Spur von der Einsicht, daß Narrheit Narrheit ist. Wie wird’s werden, wenn diese
ganze Illusion einmal so oder so zusammenkracht? Wird es dabei anders als immer
noch närrischer zugehen können?9 Was kann der gute Georg meinen, wenn er mir zuruft, ich und meine Söhne (!) müßten uns
nun eben «zum deutschen Schicksal bekennen»?
Ja, nun ist dies doch fast ein langer Brief geworden, und kurz nachdem du ihn
empfangen hast, werde ich ja schon selber dort sein. Zunächst 1555 in Zürich. Ich freue mich. Ach ja, ich freue mich. Wenn dir nur das
Leben an meiner Seite auf die Länge nicht zu bedrückend wird.