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Barth an v.K. in Bonn
Verwundert über die Wege des Schicksals, aber gefaßt und getrost finde ich mich
also auf einmal in einer Pension von Berlin W oder Charlottenburg und warte der Dinge, die da kommen
sollen.1
Hesse mußte gleich
weiter aufs Kirchenbundesamt
und wird mich von dort aus, wenn Not an Mann kommt, anrufen. Der Gute ist der
Kirchenpolitik im
bisherigen Stil müde, will mit den D. Chr.2 nichts mehr zu schaffen haben, hat auch genug von Freund G.
(Niebuhrstr.)3, und nun soll ich ihm gewissermaßen als theologisches Korsett
dienen. Ich will mein Bestes tun – wenn es überhaupt etwas zu tun gibt! Denn
noch kann es sehr wohl so sein, daß die braven Kirchenonkels von den erbosten
Ketzern einfach angeschnaubt und nach Hause geschickt werden. Andererseits
erzählt man sich [eben kam ein erstes Telephon meines Chefs4!]5, daß infolge energischer Einwirkungen auf Hind[enburg] und Hitl[er] Alles auch noch ziemlich anders laufen könnte. Den Schluß
von Bodelschwinghs6 Brief7: «Gott wird
sich so verhal|295ten, daß du dich wundern wirst»8 deutet man in Berlin nüchtern dahin: er meine, daß er (nachdem er
damals «das innere Ja»9 gehört) endlich und zuletzt doch noch Bischof werde. Es scheint hier wirklich Alles ein wenig
wüst zugegangen zu sein und noch zu gehen. Aber ich will es mir nun einmal aus
der Nähe betrachten. Hesse meldete mir übrigens soeben, daß der Reichsinnenminister Frick10 das Dreimän|296nerkollegium11
(im Gegensatz zu der Auflösungsordre von Müller12) als
noch bestehend anerkenne. – H[esse] und ich haben uns heute erst in
Hamm getroffen. Wir haben im
Speisewagen gut gespiesen, und ich bin so fröhlich und erquickt, als man es auf
so seltsamem Weg nur sein kann. Morgen früh höre ich hoffentlich von dir. Grüße
Nelly, die Kinder, Träublein und alle guten Menschen.
Dich grüßt