Brief Nr. 129 · 4. Juli 1933

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn

297

129

L. L.!

Ja, da sitze ich nun eben inmitten des großen aufgeregten Berlin, sollte und möchte dir erzählen und erklären, bin auch ganz voll von Eindrücken und weiß doch kaum wo anfangen. Meine «konkrete Situation» ist die, daß ich hier in dieser Pension sitzend oder ab- und zugehend, immer wieder für Hesse bereit sein muß zu allerhand Verständigungsgesprächen. Es würde mich ja wohl jucken, auch direkt eingreifen zu dürfen, aber es ist gewiß besser so; denn ich sehe deutlich genug, was für eine klebrige versuchliche Sache die eigentlichen Verhandlungen sind. Gestern abend war ich bei Jacobi2 mit Fricke, Niemöller, Bonhoeffer u. A. zusammen und vernahm auch dort allerhand. Ich will dir einige bisherige Ergebnisse zusammenstellen, die du ruhig auch an K. L. S., Fritz Lieb und wer immer nachfragen darf, als authentisch weitergeben magst.

1. Der Widerstand gegen die Maßnahmen der letzten Woche3 scheint in ganz Preußen (aber in der Mitte und im Osten viel stärker |298 als [am] Rhein!) sich sehr lebhaft geregt zu haben. Es ist am letzten Sonntag zu allen möglichen mehr oder weniger würdigen und klugen Oppositionshandlungen gekommen.4 Hier ist ein Pfarrer zwischen Predigt und Abendmahl von einem SA-Standartenführer verhaftet worden, mußte aber abends 6 Uhr auf Befehl von Hindenburg wieder entlassen werden.5 Die J. R. sind ganz systematisch am Werk6, und |299 auch Dibelius hat ein richtiges «Büro». Natürlich droht dem allem Unterdrückung, aber die Regierung scheint zurückhaltender zu werden in der Unterstützung der D. Chr. angesichts der Fülle von Widerspruch. Ein hiesiger, sonst ganz unbedeutender kl[einer] ­Pfarrer hat es mit Erfolg riskiert, Hitler inmitten seiner Garde in einem Hausflur anzureden: «Herr Reichskanzler, geben Sie der evangelischen Kirche ihre Freiheit wieder!» und ihn 20 Minuten lang im Gespräch festzuhalten.7 Es passiert überhaupt allerhand Tapferes und Gutes, und man kann im Blick darauf nur nach allen Seiten mahnen: Aushalten! Die Gleichschältlinge8 werden das Feld schwerlich behaupten und sicher zuletzt mit Unehre dastehen. [K. L. S. kannst du melden, daß er in seine Sammlung von Gleichgeschalteten |300 auch die Namen Erich Seeberg9 und Leonhardt Fendt10 aufnehmen könne.]11

2. Dem Brief von Hindenburg an Hitler kommt doch vielmehr Bedeutung zu, als man von Weitem meinte.12 «Der alte Herr» sei in gewaltiger Aufregung, lese die ganzen Stöße von Telegrammen, die ihm zugehen, alle persönlich, greife je und je auch ganz direkt ein (so in dem Fall jenes Pfarrers), und es seien letzte Möglichkeiten zu erwarten, wenn man nicht auf ihn hören wolle. Ebenso scheint Hitler in dieser (nur in dieser?) Sache zu den Gemäßigten zu gehören. Meine Briefe13 |301 (und auch die Broschüre14) waren also ziemlich kairosgemäß15. Die Sendung an Hindenburg mache ich auf dringenden Rat von Hesse, obwohl ich mir nicht arg viel davon verspreche.16

3. Die rechtliche Situation hat sich insofern verändert, als der Reichsinnenminister Frick die Kirche, d. h. konkret das Dreimännerkollegium, wieder offiziell als Verhandlungspartner neben den D. Chr. anerkannt hat und getrennt mit diesen zwei Gruppen verhandelt.17 Damit ist der merkwürdige Monismus18 Staat = Kirche = D. Chr., wie er letzte Woche bestand, wieder aufgelöst, und es ist wenigstens wieder Luft da und die Möglichkeit, den Mund aufzutun.

4. Unter den D. Chr. selbst scheint allerhand Unstimmigkeit zu bestehen zwischen der radikalen Gruppe (Hossenfelder19) und einer |302 zahmeren (Müller).20 Die letztere macht seltsame Versuche, sich mit den J. Ref. anzuschmusen. Das gelang bisher nicht.21 Doch sollen dabei nach dem, was sowohl Hesse als die Leute gestern abend sagten, die Brüder Heckel eine sehr zweideutige Rolle spielen.22

Du kannst dir ja denken, in welcher Richtung ich in allen diesen Dingen am Rad zu drehen versuche, soweit mir dies in meiner seltsamen indirekten Teilnahme möglich ist. Immerhin: ich habe gestern abend beim Nachtessen bei Bratwurst und Bier Hesse eine kleine Ansprache über hl. Schrift, Tradition, Natur und Geschichte eingeprägt, die er dann (während ich zu Jacobi ging) dem Beauftragten der Regierung und dem Dreimännerkollegium gehalten hat, und wiederum habe ich bei den J. Ref. dreingefunkt, was das Zeug hielt, und bekam bald den Beistand von Fricke23 und Bonhoeffer und auch von Jacobi. Es ist also vielleicht (mehr kann man ja unmöglich sagen) schon sinnvoll, daß ich da bin. Wann ich zurückkomme? Ja, wenn ich |303 das wüßte! Ich sagte H[esse] eben, er müsse mich entlassen, sobald ich entbehrlich erscheine, bloßer Schlachtenbummler wolle ich auf keinen Fall sein. Bitte sieh doch die Lutherpredigten und den ­Calvinkommentar über Luk. 6,36–42 nach und notiere mir das Wichtige, damit meiner Predigt für Sonntag24 etwas vorgearbeitet ist. – Und vielleicht schreibst du aus diesem Brief das sachlich Wichtige ab für Eduard, Rudis und meine Mutter. – Wie mag’s an der Siebengebirgstraße aussehen? Ich denke sehr wohl an Alles, woran zu denken ist, und plötzlich bin ich dann wieder dort. Aber es scheint wirklich der Wille des Himmels zu sein, daß ich nun für eine Weile hier bin.

Rust hat 1925 den Römerbrief gelesen, und darum hat er mich im Frühjahr gehalten.25 O weh, wie wenig merkte man letzten Donnerstag von dieser Lektüre!!26

Du kannst auch den Studenten etc. über das, was ich dir hier schreibe, ruhig berichten. Grüße sie alle und grüße das ganze Haus.

Grüß Gott, Lollo!

Dein
K.

Eben kommt dein Brieflein27 samt dem von Klingemann28. Unser Stoltenhoff29 und Gen. Sup. Weirich30 von Westfalen halten sich auf|304fallend schlecht. Man sollte sich am Rhein schon klarmachen, daß der Osten viel mehr Schneid hat!!

Sachfußnoten

1
Abdruck in: Briefe 1933, S. 275–277 📖; Teilabdruck in: Bw.Th.III, S. 445–448 📖.↩
2
Gerhard Jacobi (1891–1971), 1930-1954 Pfarrer an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und später Oberkirchenrat in Berlin, Mitglied des Bruderrates des Pfarrernotbundes und des Rates der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, 1933-1939 Präses der Bekennenden Kirche in Berlin, Teilnehmer der Bekenntnissynoden der Deutschen Evangelischen Kirche 1934/35, 1934 Mitglied des Reichsbruderrates, ab 1954 Bischof in Oldenburg.↩
3
Über die «Maßnahmen der letzten Woche» berichtete ausführlich die «Junge Kirche» in Nr. 4 vom 17.7.1933 (S. 47-50) 📖: Am 24.6.1933 war der Nationalsozialist und Deutsche Christ August Jäger in das Kultusministerium berufen und zum Staatskommissar für sämtliche evangelische Landeskirchen Preußens ernannt worden. Daraufhin ließ er sofort alle gewählten Kirchenvertretungen in den preußischen Landeskirchen auflösen und beurlaubte fast den gesamten Evangelischen Oberkirchenrat der altpreußischen Union. Er besetzte die freigewordenen Stellen «sämtlich kommissarisch mit führenden Mitgliedern der Deutschen Christen. Zugleich ernannte er für alle Provinzen Kommissare, die ebenfalls sämtlich aus den Reihen der Deutschen Christen entnommen waren» (a.a.O., S. 48). Zum Präsidenten des altpreußischen Oberkirchenrates wurde der «deutsch-christliche» Friedrich Werner (1897–1955) bestellt, zum geistlichen Vizepräsidenten J. Hossenfelder. Nach diesen Maßnahmen wurde der Reichspräsident mit Protesten und Eingaben bestürmt, woraufhin sich von Hindenburg am 1.7. in einem öffentlichen Brief an Hitler wandte, in dem er die Besorgnis über die kirchliche Lage zum Ausdruck brachte und Hitler die Einleitung von Verhandlungen zu einer schnellen Befriedung der kirchlichen Situation nahelegte (vgl. Meier I, S. 100-103 📖). – August Jäger (1887–1949), 1933 Amtswalter für evangelische Angelegenheiten in der Reichsleitung der NSDAP und Leiter der Kirchenabteilung im preußischen Kultusministerium, 24.6.-14.7.1933 Staatskommissar für den Bereich sämtlicher evangelischer Landeskirchen Preußens, 1.7.1933-29.10.1934 Ministerialdirektor, 12.4.-29.10.1934 «Rechtswalter der Evangelischen Kirche», 1933/34 Teilnehmer der Deutschen Evangelischen Nationalsynoden (vgl. Scholder II, S. 353f. 📖).↩
4
Für Sonntag, den 2.7.1933, waren alle Pfarrer in der altpreußischen Kirche durch einen amtlichen Erlaß dazu verpflichtet worden, sämtliche Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser «‹außer mit der Kirchenfahne mit der schwarz-weiß-roten und der Hakenkreuzfahne zu beflaggen› und den Gottesdienst an diesem Tage ‹in Dank und Fürbitte festlich auszugestalten›». Dagegen hatten die abgesetzten Generalsuperintendenten und renitenten Mitglieder des Oberkirchenrates protestiert, indem sie zu einem Bußgottesdienst aufforderten (s. Scholder I, S. 458f., vgl. S. 461f.469f. 📖).↩
5
Der Pfarrer in Berlin-Steglitz, Otto Großmann (s. dazu Bw.Th. III, S. 446, Anm. 10 📖).↩
6
Die «Jungreformatorische Bewegung» hatte sich durch ihren «Aufruf zur Sammlung» am 9.5.1933 konstituiert. Sie wußte sich mit den «Deutschen Christen» eins im radikalen Reformwillen, unterschied sich aber von ihnen durch die Ablehnung aller politischen Gesichtspunkte. Sie sah vor allem ihre Aufgabe in der «Neugestaltung der Kirche aus dem Wesen der Kirche heraus», so daß sie aufgrund dieser Zielbestimmung geschlossen für die Wahl Fr. von Bodelschwinghs zum Reichsbischof eintrat. Ihr Hervortreten wurde «zunächst als Unterstützungsaktion für die Arbeit des Dreimännerkollegiums verstanden». Siehe die Denkschrift der Jungreformatorischen Bewegung über ihre Stellung zur Reichsbischofsfrage, in: JK, Jg. 1 (1933), S. 1-6 📖; vgl. P. Neumann, Die Jungreformatorische Bewegung (AGK 25), Göttingen 1971 📖, zur straffen Organisation der J. R. vgl. a.a.O., S. 47-49.↩
7
Der Berliner Pfarrer Erich Backhaus hatte Hitler zufällig im Verwaltungsgebäude des Vereins deutscher Zeitungsverleger getroffen und ihm entgegengerufen: «‹Herr Reichskanzler, bewahren Sie die evangelische Kirche vor Zerspaltung und Vergewaltigung.» In dem darauf folgenden Gespräch konnte Backhaus den Standpunkt der kirchlichen Opposition darstellen (die Aufzeichnung des Gespräches vom 28.6.1933 ist abgedruckt in: Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches, Bd. I: 1933, bearbeitet von C. Nicolaisen, hrsg. von G. Kretschmar, München 1971, S. 94-98 📖; vgl. Scholder I, S. 464 📖; Bw.Th. III, S. 441f., Anm. 4 📖).↩
8
Zur Herkunft dieses Begriffes vgl. Büchmann, S. 483 📖: «Das geflügelte Wort von der ‹Gleichschaltung› entstand im Laufe des Frühjahrs 1933 und wurde gleichsam legalisiert durch das ‹Vorläufige Gleichschaltungsgesetz› vom 31.3.1933 […], das das Verhältnis der Länder und Landesvertretungen zum Reich und der Reichsregierung regelte.» So erklärte z. B. Fr. Werner in seinem Referat über «die Rechtsgrundlagen der kommenden Reichskirche» auf der ersten Reichstagung der Deutschen Christen Anfang April 1933 in Berlin: «Erst die Gleichschaltung von Staat und Kirche kann die unerhörte Kraftsteigerung hervorbringen, deren die Nation zur Erreichung ihrer Ziele bedarf.» (Gauger I, S. 71 📖) – Aus der Sicht Barths enthielt dieser Begriff die Forderung an die Kirche, «ihre christliche Verkündigung und Ordnung» der «Weltanschauung» des totalen NS-Staates «innerlich und äußerlich anzupassen» (K. Barth, Der deutsche Kirchenkampf als Frage an den schweizerischen Protestantismus, in: Karl Barth zum Kirchenkampf. Beteiligung ­- Mahnung ­- Zuspruch [ThExh N. F. 49], München 1956, S. 61-66, dort S. 62 📖).↩
9
Erich Seeberg (1888–1945), Sohn von Reinhold Seeberg, 1913 Privatdozent in Königsberg, 1920 a. o. Professor in Breslau, 1920 o. Professor in Königsberg, 1924 in Breslau, 1926 in Halle (Saale), 1927 Professor für Kirchen- und Dogmengeschichte in Berlin.↩
10
Leonhardt Fendt (1881–1957), 1918 von der katholischen Kirche konvertiert, seit 1927 Prediger in Berlin mit großer Wirkung auf gebildete Kreise, 1931 habil., 1934-1945 o. Professor für Praktische Theologie in Berlin, ab 1945 Lehrer an der Missionsschule Liebenzell.↩
11
Eckige Klammern im Original.↩
12
Siehe oben S. 297f., Anm. 3.↩
13
Im Begleitschreiben zu dem am 1.7.1933 an Hitler gesandten Exemplar der Theologischen Existenz heute! 📖 erklärte Barth: "Es ist mir klar, hochgeehrter Herr Reichskanzler, daß die scharfe Ablehnung der sogenannten ‹Deutschen Christen›, auf die der Leser dieser Schrift an bestimmter Stelle stößt, Ihrer Auffassung und Ihren Überzeugungen nicht entsprechen kann. Evangelische Theologie muß auch im neuen Deutschland unerbittlich und unbekümmert ihren eigenen Weg gehen. Ich bitte Sie um Verständnis für diese Notwendigkeit." (Briefe 1933, S. 268 📖) – Im Begleitschreiben zu dem ebenfalls am 1.7. an Kultusminister Rust gesandten Exemplar erklärte Barth bezugnehmend auf den früheren Schriftwechsel (s. oben S. 290, Anm. 5): "In Ausübung und im Rahmen meiner Lehrtätigkeit ist mir nun die Abfassung und Veröffentlichung der beiliegenden, wesentlich an die deutschen evangelischen Pfarrer sich richtenden Schrift zur unabweisbaren Pflicht geworden. Sie werden sich leicht davon überzeugen können, daß ich mit dem, was ich in dieser Schrift sage und will, den Rahmen meiner Lehrtätigkeit tatsächlich nicht überschritten habe." Er verlasse sich darauf, «daß es mir nicht nur erlaubt, sondern geboten sei, innerhalb des theologischen Bereichs positiv und kritisch nach wie vor so vorzugehen, als ob es daselbst keine von der Staatsregierung bevorzugte und gewünschte theologische Richtung gebe» (Briefe 1933, S. 268f.). ­- Am 1.7. ging die Schrift auch an den Beauftragten des Preußischen Staatskommissars Jäger für die Rheinische Provinzialkirche, Landrat G. A. Krummacher, den Barth bat, sich «über das, was ich zu ihrem Erscheinen den Staatsbehörden gegenüber zu bemerken habe», aus den beigelegten Kopien der Briefe an Hitler und Rust «zu unterrichten» (Briefe 1933, S. 270).↩
14
Einen Tag nach der Einsetzung des Staatskommissars, am 25.6.1933, schloß Barth sein Manuskript der Broschüre Theologische Existenz heute! 📖 ab (s. Scholder I, S. 556 📖), die vom 1.7.1933 an ausgeliefert wurde.↩
15
Eine Anspielung auf den von Paul Tillich in den zwanziger Jahren in die theologische Diskussion eingeführten geschichtsphilosophischen Begriff «Kairos», der den «Wendepunkt in der Geschichte, in dem das Ewige das Zeitliche richtet und umwandelt», bezeichnet (vgl. P. Tillich, Kairos I, in: ders., Der Widerstreit von Raum und Zeit. Schriften zur Geschichtsphilosophie, Gesammelte Werke, Bd. VI, Stuttgart 1963, S. 9-28, dort S. 24 📖).↩
16
Der Eingang des Heftes wurde am 7.7.1933 im Namen des Reichspräsidenten von Ministerialdirigent Dr. Heinrich Doehle bestätigt (vgl. Bw.Th. III, S. 445, Anm. 7 📖).↩
17
Unter dem Vorsitz Fricks kam es am Abend des 4.7.1933 zu einer Unterredung zwischen Müller und dem «Dreimännerkollegium» (vgl. oben S. 296, Anm. 11), wobei die «Vollmachten von Seiten der Reichsregierung und dem Wehrkreispfarrer Müller anerkannt» wurden (Schneider, S. 140 📖).↩
18
«Unsinn oder Monismus» im Abdruck in Briefe 1933, S. 277 📖, ist als Versehen zu korrigieren.↩
19
Joachim Hossenfelder (1899–1976), seit 1929 Mitglied der NSDAP, 1931 Pfarrer an der Berliner Christuskirche, 1932 Mitbegründer sowie erster Reichsleiter der «Glaubensbewegung Deutsche Christen», Verfasser der DC-Richtlinien, Mai 1933 Hilfsreferent im preußischen Kultusministerium, DC-Bischof von Brandenburg, 27.9.-29.11.1933 Geistlicher (unierter) Minister in der Reichskirchenregierung, Dezember 1933 Enthebung von allen Ämtern, Pensionsempfänger, 1939 Pfarrer in Potsdam.↩
20
Das wohl schon «belastete Verhältnis zwischen Müller und Hossenfelder war durch die neuerlichen Verbindungen Müllers mit Hitler, die Hossenfelder nicht verborgen bleiben konnten, sehr nachhaltig gestört worden» (Schneider, S. 105 📖; vgl. Bw.Th. III, S. 448, Anm. 16 📖).↩
21
Am 3.7.1933 waren Vertreter der Jungreformatorischen Bewegung (W. Künneth, M. Niemöller und der Direktor des Centralausschusses für die Innere Mission W. Jeep) mit Müller und seinen Beratern K. Fezer, H. M. Müller und E. Vogelsang zu einer Besprechung zusammengekommen, bei der sich die Vertreter der Jungreformatorischen Bewegung bereit erklärten, unter bestimmten Voraussetzungen mit Müller zusammenzuarbeiten (vgl. Schneider, S. 150, Anm. 205 📖).↩
22
So hatte z. B. Johannes Heckel, der kirchenrechtliche Berater des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, nach dem Rücktritt von Bodelschwinghs am 24.6.1933 die Anregung gegeben, «ob es nicht möglich wäre, dafür zu sorgen, daß Müller als unser Bevollmächtigter [d. h. als Bevollmächtigter der Lutheraner] herausgestellt wird» (Schneider, S. 136 📖). – Johannes Heckel (1889–1963), Dr. iur. D. theol., 1928 o. Professor für Öffentliches Recht (insbesondere Kirchenrecht) in Bonn, 1934-45, 1948-1957 in München, 1933 Gastteilnehmer der Deutschen Evangelischen Nationalsynode. – Theodor Heckel (1894–1967), 1928 Lic. theol., seit 1928 Oberkonsistorialrat in Berlin, 1932-1934 Auslandsreferent im Kirchenbundesamt, Mitglied der DC, ab 1934 Bischof und Leiter des Kirchlichen Außenamtes (von Reichsbischof Müller ernannt), ab 1950 Dekan in München.↩
23
Paul Fricke (s. oben S. 65, Anm. 13), seit 1930 Vikar bzw. Pfarrer in Berlin.↩
24
Predigt über Luc. 6,36–42, gehalten im Universitätsgottesdienst in der Schloßkirche zu Bonn am 9. Juli 1933, in: ZZ, Jg. 11 (1933), S. 289-296 📖, wieder abgedruckt in: Pr. 1921-1935, S. 287–295 📖.↩
25
Siehe oben S. 290, Anm. 5.↩
26
Am 29.6.1933 gab Kultusminister Rust in einer vom Rundfunk übertragenen Rede auf einer Massenversammlung der DC in Berlin «eine sehr scharfe Stellungnahme gegen die Kirchenleitung, die Generalsuperintendenten und die Pfarrerschaft» ab (s.JK, Jg. 1 [1933], S. 49 📖).↩
27
Nicht erhalten.↩
28
In seinem Schreiben vom 3.7.1933 bedankte sich Klingemann für die Zusendung von Theologische Existenz heute! 📖, über die er sich «mit voller Zustimmung gefreut» habe (KBA 9333.427). – Karl Viktor Klingemann (1859–1946), 1913-1928 Generalsuperintendent der preußischen Rheinprovinz.↩
29
Der rheinische Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff war am 21.6.1933 mit der Verwaltung der Präsidentenstelle des Evangelischen Oberkirchenrates der APU beauftragt worden (vgl. Meier I, S. 268 📖). Aufgrund dieser Beauftragung kam es zu dem preußischen Kirchenkonflikt (s. oben S. 297, Anm. 3). Neben Wehrkreispfarrer L. Müller, Staatskommissar Jäger u. a. unterschrieb Stoltenhoff am 1.7. «die Kirchenverfassung der DEK und die Verordnung zur Einführung der DEK für die altpreußische Kirche» (Meier I, S. 270).↩
30
Wilhelm Weirich (1879–1954), Generalsuperintendent der Provinzialkirche Westfalen, war im Juni gemeinsam mit den übrigen altpreußischen Generalsuperintendenten beurlaubt worden. Er sollte als Probst für das neugeschaffene Bistum Merseburg-Naumburg «abgefunden» werden. Weirich verzichtete schließlich darauf und trat der BK bei (vgl. Die Provinzialkirche. Monatsblatt für die Vertreter der Kirchgemeinden der Provinz Sachsen, Jg. 1933, Nr. 11, S. 125f., und Nr. 12, S. 133 📖).↩