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Barth an v.K. in Bonn
Eine Zwischenmeldung! Wie ich denn augenblicklich zwischen allerhand
Möglichkeiten bin: wartend auf einen Telephonanruf von Hesse oder von Dibelius oder von beiden. Eben ist drüben wieder
Sitzung. Mein Aufenthalt
hier ist auf alle Fälle nützlich, das merke ich jetzt doch. Ich
habe mit Bonhoeffer1 zu Mittag gegessen, und dabei
konnte Vieles bereinigt werden hinsichtlich der J. Ref.2
[Im Neben|305zimmer wohnt eine Sängerin, die eben in
lang hinrollenden Klängen das Largo von Händel ertönen läßt!]3 Und nun habe
ich mich eben bei Dibelius
angemeldet. Die Zeit wird also gut benützt. Aber wie lange wird sie dauern? Wenn
es nötig wird, werde ich dir eben rechtzeitig telephonieren, daß eventuell auch
die zweite Hälfte der Woche abzusagen ist. Weißt du, man kann es ja auch als ein
Stück unfreiwilliger Vor-Ferien betrachten. Denn die Luft ist hier wirklich
besser als in Bonn! Daß ich das Zimmer
mit dem guten H[esse]
teilen muß, ist ja ein bißchen bedrängend – es ließ sich technisch nicht anders
machen –, dafür sehe ich schadenfroh zu, wie er am Morgen im Hemd Turnübungen
macht, um nicht allzu vollschlank zu werden. – Eben kommt deine
Sendung, die ich nun an den «alten Herrn»4 weitergebe. Man
weiß ja wirklich noch immer nicht, ob nicht dies alles für die Katze ist, weil
es irgend einer neuen «Welle» gefällt, Alles kaputt zu machen. Und wenn ich
sehe, daß es für mich zu blöd wird, weiter mitzutun, fahre ich mit dem nächsten
Zug ab. Aber noch ist’s nicht so weit. Kommt denn gar keine Post für mich? Und
warum hast du deiner Sendung so gar kein herzliches Wort beigelegt? Ich bin doch
so allein. Aber ich gehe sehr
sicher über die gefährlichen Straßen… Möchte ich doch Alles so tun, daß du an
meiner Stelle es auch gutheißen könntest! Grüße Alle, Alle! Und erzähle mir ein
wenig, was sie machen und wie es dort aussieht. Heil Hitler!5