Brief Nr. 131 · 14. September 1933

Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern

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Lieber Karl –

nur damit du das Grüßlein morgen hast. Ich sitze im Stübli, lesend, strickend und mit Gerty plaudernd, nachdem ich eben drüben im Törli die Koffer gepackt und noch einmal Abschied genommen habe.1 Ob du reiten konntest? Ich warte auf dein Telefon. An Eduard konnte ich doch nicht schreiben. Aber ich denke viel daran. Der «Kirchenbericht» in der heutigen Basler2 kann einen wahrhaftig auch nachdenklich machen. – Heute nacht war ein starkes Gewitter; ich saß lange an Joggelis Bett, der friedlich schlief unter grellen Blitzen. – - Morgen früh brechen wir auf. Mit Gerty hatte ich gestern abend noch ein langes Gespräch (bis 1 Uhr), das uns in Frieden zurückließ. Ich konnte ihr einmal ein wenig Alles sagen, was da zu sagen war, und auch sie hat ihrem Herzen ein wenig Luft gemacht. Es waren auf beiden Seiten keine tragischen Dinge. –

Diese Drucksache3 für dich kam ohne Absender aus Frankfurt am Main. ­-

Zwei Stunden später. Nun ist das Telefon vorüber. Ich bin so froh, daß es gut ging und du einen guten Tag gehabt hast. Ich bin ein bißchen traurig. Schreib mir bald bitte.

Deine
L.

Gute Nacht, lieber Karl. Jetzt fahren wir nach Zürich.
Joggeli ist sehr sehr lieb. –

Sachfußnoten

1
Von Kirschbaum war im Begriff, mit Hans Jakob Barth nach München zu reisen.↩
2
Offensichtlich ist der «Tagesbericht» der Basler Nachrichten, Jg. 89, Nr. 251 vom 13.9.1933, S. 1, gemeint, der unter der Überschrift «Kirchenreform in Preußen» 📖 einen Bericht «aus protestantischen Kreisen Deutschlands» wiedergibt, in dem es etwa von der Gruppe «Evangelium und Kirche» heißt: «Sie stellte sich vernünftigerweise auf den Boden der Tatsachen, die nicht mehr zu ändern waren: daß die Herrschaft in der Kirche nunmehr bei den Deutschen Christen steht. Sie brach daher den kirchenpolitischen Kampf ab, der zwecklos geworden war, und bot im Interesse des Friedens in der Kirche die Hand zur Verständigung, die von den Deutschen Christen auch angenommen wurde.»↩
3
Nicht ermittelt.↩