1. Juni 1933 – 30. Juni 1933

Theologische Existenz heute!

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THEOLOGISCHE EXISTENZ HEUTE!

1933

Am 27. Juni 1933 – zwei Tage nach Abschluss des Manuskripts – schrieb Barth an Eduard Thurneysen: «Ich hätte noch im Frühjahr nicht gedacht, dass ich noch einmal so in den Strudel der Geschichte geraten würde, wie es jetzt der Fall ist, wo wirklich eine Nachricht und Entscheidung die andere jagt und jeder Tag auch irgend etwas abschließend Klotziges bringen könnte.»1 Im Juni 1933 hatte sich die kirchenpolitische Situation derartig zugespitzt,2 dass sich Barth gedrängt sah, seine bis dahin geübte Zurückhaltung gegenüber einer öffentlichen Stellungnahme zu den Vorgängen aufzugeben.

An der – wegen der noch ausstehenden Verabschiedung der Reichskirchenverfassung rechtlich anfechtbaren – Wahl Friedrich von Bodelschwinghs zum Reichsbischof am 27. Mai 1933 und der im Gegenzug massiv bekräftigten Nominierung Ludwig Müllers durch die Deutschen Christen hatte sich der eigentliche «Kirchenkampf» entzündet. Die großangelegte Kampagne gegen Bodelschwingh und die ihn tragenden kirchlichen Kräfte, bei der die Deutschen Christen auf die Unterstützung durch den Apparat der NSDAP bauen konnten, sorgte für massive Unruhe bis in den letzten kirchlichen Winkel und beherrschte die Diskussionen in der evangelischen Kirche.3 Überall dominierte die Frage «Müller oder Bodelschwingh».4 Als dann am 8. Juni auch noch Hermann Kapler, der Präsident des preußischen Oberkirchenrats und entscheidende Mann im «Drei-Männer-Kollegium», das die Verfassung der Reichskirche erarbeiten sollte,5 sein Abschiedsgesuch einreichte und daraufhin am 21. Juni der rheinische Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff 6 zum kommissarischen Nachfolger berufen wurde, war für den Staat der Vorwand zum Eingreifen gekommen. Die Neuwahl eines Nachfolgers Kaplers hatte der |272 preußische Kirchensenat in der kirchenpolitisch brisanten Situation vermeiden wollen, um die im preußischen Staatskirchenvertrag für diesen Fall vorgesehenen Abstimmungsmodalitäten mit dem Staat zu umgehen. Der preußische Kultusminister Bernhard Rust7 unterstellte aber nun erst recht eine Vertragsverletzung und statuierte einen Notstand, was ihm die Handhabe bot, am 24. Juni den neuen Leiter der Kirchenabteilung in seinem Ministerium, August Jäger 8, als Staatskommissar für die evangelischen Kirchen in Preußen einzusetzen. Am Abend des gleichen «kritischen 24. Juni 1933»9 erklärte von Bodelschwingh auf der Sitzung des Kirchenausschusses des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, nachdem insbesondere die lutherischen ­Bischöfe signalisiert hatten, seine Kandidatur nicht länger zu unterstützen, unter Verweis auf die jüngste Entwicklung seinen Rücktritt von dem ihm übertragenen Amt des Reichsbischofs, das er faktisch vier Wochen lang wahrgenommen hatte.10

Barths Entscheidung zu einem «Wort zur Lage» deutet sich in den erhaltenen Briefen erstmals am 11. Juni an.11 Charlotte von Kirschbaum erwähnt Barths Absicht, das nächste Heft von ZZ mit einem solchen Wort «allein füllen» zu wollen.12 Der gleiche Plan taucht vier |273 Tage später in einem Brief Charlotte von Kirschbaums an Barths Mutter auf: Sein «Wort zur Lage» solle im nächsten Heft von ZZ erscheinen, das nur mit Beiträgen Barths bestritten werden solle: «seinem Kopenhagener Vortrag, seinen Thesen über Kirche und Staat (seiner Ethik entnommen und überarbeitet), den Düsseldorfer und Elberfelder Thesen und eben jenem ‹Wort zur Lage›, das nun in mühsamer Arbeit (mühsam darum, weil ziemlich unaufhörlich Unterbrechungen kommen) entstehen muss. Es wird im Wesentlichen bestehen in einem Appell an die Theologen unter den Zeitgenossen, jetzt ihre theologische Existenz nicht preiszugeben».13 Auch die im Eingang der Schrift erwähnte Frage mancher ehemaliger Hörer und anderer seiner Arbeit verbundener Zeitgenossen, ob Barth zu den alle seit Monaten beschäftigenden kirchlichen Sorgen und Problemen nicht auch etwas zu sagen habe, findet durch diesen Brief eine Erklärung. Charlotte von Kirschbaum berichtet nämlich davon, dass am Abend des 13. Juni Wilhelm Vischer 14, Fritz Lieb15 und «ein junger Pfarrer aus Bochum»16 zu Barth gekommen seien, «um mit diesem über die Frage ‹Bodelschwingh› zu diskutieren. Alle drei waren durchaus der Ansicht, dass jeder kirchlich denkende Mensch sich jetzt unbedingt hinter diesen |274 Namen stellen müsse, wenn nicht die Existenz der deutschen Kirche überhaupt in unheilvoller Weise bedroht werden solle».17 Im Verlauf eines langen Gesprächs habe Barth verdeutlicht, was ihn an dieser Auffassung erschrecke «und wie stark in diesem Denken die ‹Kirche› in ‹Kirchenpolitik› aufgelöst sei».18 Barths Argumentation muss die Gesprächspartner mindestens nachdenklich gestimmt haben. Denn, so Charlotte von Kirschbaum weiter, «Vischer war der Ansicht, dass gerade das jetzt einmal laut und offen gesagt werden müsse, und als dann auch der Bochumer Pfarrer im Namen vieler Anderer es aussprach, wie sehnsüchtig sie Alle auf ein Wort von Karl Barth warteten in dieser allgemeinen Verwirrung und Haltlosigkeit, da entschloss Karl sich, dieses Wort zu schreiben».19

Es handelte sich bei diesem Gespräch um «den letzten Anstoß zu dem Entschluß, öffentlich das Wort zu ergreifen».20 Die Zahl der Barth um ein wegweisendes Wort Bittenden war indes wesentlich größer.21 Auch eine längere briefliche Auseinandersetzung mit Georg Merz, der zu Barths Enttäuschung den Aufruf Wilhelm Zoellners zum Zusammenschluss der Landeskirchen auf der Basis von Schrift und Bekenntnis22 befürwortet und dann für die Kandidatur Bodelschwinghs und die Jungreformatorische Bewegung Partei ergriffen hatte, dürfte einen bestärkenden Einfluss auf Barths Entscheidung für eine klärende prinzipielle Äußerung und theologische Standortbestimmung ausgeübt haben.23 Schließlich war noch zu bedenken, dass Barths Zurückhal|275tung in der Weise missverstanden werden konnte, als habe er keine Meinung oder wolle der kirchenpolitischen Dramatik jener Tage mit souveränem Desinteresse begegnen.24

Barth hat die Schrift keineswegs in einem Atemzug am 24. und 25. Juni niedergeschrieben, wie man lange Zeit auf Grund der in ihr enthaltenen beiden Datumsangaben angenommen hat. Nach Hinrich Stoevesandts Rekonstruktion der unmittelbaren Entstehungsgeschichte25 dürfte Barth nach dem Gespräch am Abend des 13. Juni, höchstwahrscheinlich also am 14. Juni, mit dem Schreiben begonnen haben. Der ursprüngliche Titel «Von der Kirchenpolitik zur Kirche!» – dann von Barth durchgestrichen und durch «Theologische Existenz heute!» ersetzt26 – knüpfte direkt an jenes Gespräch an. In den darauffolgenden Tagen war Barth, zumindest sporadisch, mit der Niederschrift beschäftigt. In einem Brief vom 17. Juni schreibt Charlotte von Kirschbaum: «Angesichts der zunehmenden Aufgeregtheit und Ängstlichkeit nahezu aller theologischen Freunde (es gab über diesen Punkt besonders mit Georg Merz sehr heftige Auseinandersetzungen) in der Bischofsfrage, hat er sich auf Ansuchen einiger Pfarrer nun doch entschlossen, in Z.d.Z. das Wort zur Lage zu ergreifen. Die Arbeit an diesem ‹Wort› beschäftigt ihn jetzt in den leider nur zu kurzen Zwischenpausen, die die Vorbereitung der Vorlesungen und Übungen und die jetzt sehr zahlreich zu führenden Gespräche lassen [...].»27 In diesen Tagen muss auch der anfängliche Plan zu einem nur mit Barths Arbeiten bestückten Heft von ZZ aufgegeben worden sein.28 Albert |276 Lempp begrüßte nämlich bereits am 19. Juni Barths Ankündigung, «eine Broschüre zur kirchlichen Lage herausbringen [zu] wollen».29

Bevor Barth das Manuskript am Abend des 25. Juni zum Verlag nach München sandte, hatte der Text eine dreifache Bearbeitung durchlaufen.30 Nachdem die erste Fassung des Manuskripts, das bereits den neuen Titel trug, abgeschlossen war, las Barth es seinen Hausgenossen Charlotte von Kirschbaum und Hellmut Traub31 am 23. oder dem Vormittag des 24. Juni vor. Da beide sehr erschrocken auf die Schärfe des Tones reagierten und Barth dringend ersuchten, seine Polemik zur Vermeidung von denkbaren Repressalien abzumildern, entschloss sich Barth – wenn auch unwillig – zu einer partiellen Überarbeitung. Im Laufe des 24. Juni hat er an drei – möglicherweise auch nur an zwei – Stellen in den Text eingegriffen, «indem er [...] Teile des Manuskripts von unterschiedlichem Umfang mit der Schere eliminierte und die zweite (bzw. erste32) der getilgten Textpartien durch eine wesentlich längere, die dritte (bzw. zweite) durch eine etwa gleich lange neue ersetzte».33 Die eliminierten Textteile sind verloren. Es kann aber ausgeschlossen werden, dass sie – was ihren Inhalt und ihre Stoßrichtung angeht – andere Aussagen enthielten als die überarbeitete Fassung, die dann die Zustimmung der beiden besorgten Zuhörer fand.

Die zweite und die dritte Bearbeitung wurden durch die sich überschlagenden Ereignisse des «kritischen 24. Juni» ausgelöst. Vermutlich am Nachmittag oder frühen Abend erfuhr Barth aus dem Radio von |277 der Einsetzung des staatlichen Kirchenkommissars in Preußen. Wenig später, möglicherweise auch erst am Morgen des 25. Juni, muss ihn die Nachricht vom Amtsverzicht Bodelschwinghs erreicht haben. Damit hatte sich die Situation, auf die hin Barth argumentiert hatte, grundlegend verändert. Während die durch die Einsetzung Jägers ausgelösten Änderungen und Ergänzungen als Bleistifteintragungen identifizierbar sind – die wichtigste besteht in eben jener eingefügten Datierung: «ich schreibe dies am Abend des kritischen 24. Juni 1933» –, fanden die weitaus umfangreicheren Textänderungen der dritten ­Bearbeitungsstufe, zu denen Barth sich durch die Nachricht vom Rücktritt Bodelschwinghs gezwungen sah, keinen Niederschlag mehr im handgeschriebenen Manuskript. Sie werden vermutlich beim Diktat der nur fragmentarisch erhaltenen maschinenschriftlichen Druckvorlage vorgenommen worden sein. Neben einigen Korrekturen, Streichungen und Ergänzungen waren vor allem Tempus und Modus aller auf die Wahl und das Bischofsamt Bodelschwinghs bezogenen Äußerungen zu ändern. Selten wohl ist ein theologischer Autor noch während der Endredaktion seines Manuskripts von den Zeitereignissen so stark zu aktualisierenden Eingriffen herausgefordert worden wie Barth an jenem dramatischen Wochenende im Juni 1933.

Innerhalb der folgenden Woche wurde die Schrift in beispiellosem Tempo gesetzt, im Drucksatz korrigiert, broschiert und ausgeliefert. Sie erschien als Beiheft 2 zu «Zwischen den Zeiten» 📖. Bereits am folgenden Samstag, dem 1. Juli, war sie in Münchner Buchhandlungen zu erhalten. Am gleichen Tag sandte Barth je ein Exemplar an Minister Rust, an Hitler und an den Beauftragten des Preußischen Staatskommissars für die Rheinische Provinzialkirche, Gottfried Adolf Krummacher.34 Im Brief an Hitler hieß es: «Evangelische Theologie muss auch im neuen Deutschland unerbittlich und unbekümmert ihren eigenen Weg gehen. Ich bitte Sie um Verständnis für diese Notwendigkeit.»35

278 Die erste Auflage von 3000 Exemplaren war nach zwei Tagen vergriffen; innerhalb der ersten 14 Tage wurden vier Auflagen mit insgesamt 12 000 Exemplaren verkauft. Bis zu ihrer Beschlagnahme durch die Bayerische Politische Polizei im Juli 193436 waren 37 000 Exemplare gedruckt worden. Von der achten Auflage im Oktober 1933 an, mit Barths Aufkündigung der Mitarbeit an «Zwischen den Zeiten», wurde aus dem Beiheft das erste Heft der neuen, von Barth und ­Thurneysen herausgegebenen Schriftenreihe «Theologische Existenz heute».37

Die nunmehr dieser Reihe ihren Namen gebende Schrift, die in den kirchenpolitischen Wirren und Desorientierungen ihrer Zeit wie ein klärendes Manifest gewirkt hat, gehört zweifellos zu den wichtigsten theologischen Texten des 20. Jahrhunderts. Stellvertretend für das große Echo, das sie auslöste,38 mögen drei Äußerungen stehen. Heinrich Scholz schrieb Barth am 13. Juli 1933: «[...] in der Stunde der größten Gefahr sind Sie der Theologe gewesen, der uns vom Ersticken gerettet und auf das Wort zurückgeführt hat, das schon zur Kreuzigung bestimmt zu sein schien».39 Hans Asmussen erinnerte sich im Jahr |279 1936: «Als wir das lasen, kam eine große Ernüchterung über uns, und mit der Ernüchterung kam die Zuversicht, daß uns unsere Sache auch hindurchtragen würde».40 Eine dritte Äußerung stammt von einem Nichttheologen, dem Schriftsteller Thomas Mann. Nach der Lektüre von Barths Schrift vermerkte er in seinem Tagebuch: «Las abends mit außerordentlicher Sympathie die Schrift von Karl Barth, ‹Theologische Existenz heute›. Was für ein unerschrockener, braver und frommer Mann! Und wie symbolisch, wie nicht-nur-theologisch ist alles, was er sagt! Seine ironische Höflichkeit gegen die deutschen Führer ist geradezu amüsant».41 Und einige Tage später heißt es: «Der Einzige Trost im Anblick all dieses Auf dem Bauch liegens ist die Schrift des Theologen Barth. Ein anderer, Dibelius, nimmt immerhin, bei größerer Nachgiebigkeit, den Protestantismus ebenfalls gegen Staat und Nationalsozialismus in Schutz. Nur in dieser Sphäre und von dieser Seite hier [sic] scheint ein gewisser Widerstand, ein gewisses Sich aufrecht halten möglich».42

Von den Vorarbeiten Barths ist das Manuskript vollständig erhalten (KBA 10037). Es besteht aus 22 Einzelblättern, die an vier Stellen (Manuskriptseiten 3, 8, 12, 16) querseitige Schnitt- und Klebstellen aufweisen. Barth schrieb mit schwarzer Tinte, vorwiegend auf den Rückseiten von Blättern des Typoskripts des ersten KD-Bandes 📖, der 1932 erschienen war. Dabei handelte es sich um eine für Barth gebräuchliche Weiterverwendung nicht mehr benötigter Skripte; die sieben erhaltenen Seiten des als Druckvorlage dienenden Typoskripts von Theologische Existenz heute! finden sich ebenfalls auf Rückseiten zweier anderer Manuskripte Barths.43

280 Dem Abdruck liegt die Textfassung der von Hinrich Stoevesandt besorgten Neuausgabe (Th.Ex.h., S. 26–87 📖) zugrunde. Die Herausgeber knüpfen dankbar an die dort geleistete Arbeit an. Die textkritischen Anmerkungen der Neuausgabe sind in den – deutlich erweiterten – Apparat eingeflossen. Offenbar schon während der ersten Niederschrift erfolgte, meist am Rand vermerkte handschriftliche ­Ergänzungen sind durch ˹ ˺ kenntlich gemacht. Die den Text erläuternden Fußnoten wurden auf die Usancen der Gesamtausgabe ­abgestimmt und unter Berücksichtigung des bei Stoevesandt dokumentierten Materials neu verfasst. Die zwischen senkrechten Strichen eingefügten Seitenzahlen sind die des Erstdrucks.

Theologische Existenz heute!a

Mir ist in einer zuletzt nicht mehr zu überhörenden Weise zugerufen worden, dass manche unter meinen ehemaligen akademischen Zuhörern und auch manche Andere von den an meiner theologischen Arbeit Beteiligten sich längst fragten, ob ich zu den uns alle nun seit Monaten beschäftigenden kirchlichen b-Sorgen und Problemen-b nicht auch etwas zu sagen haben möchte.44 Ich möchte dazu zunächst dies bemerken dürfen: das Entscheidende, was ich heute zu c-diesen Sorgen und Problemen-c zu sagen versuche, kann ich darum nicht zum Gegenstand einer besonderen Mitteilung machen, weil es sehr unaktuell und ungreifbar einfach darin besteht, dass ich mich bemühe, hier in Bonn mit meinen Studenten in Vorlesungen und Übungen nach wie vor ˹und˺ als wäre nichts geschehen – vielleicht in leise erhöhtem Ton, aber ohne direkte Bezugnahmen – Theologie und nur Theologie zu treiben.45 Etwa wie der Horengesang der Benediktiner im nahen Ma|281ria Laach46 auch im Dritten Reich zweifellos ohne Unterbruch und Ablenkung ordnungsgemäßd weitergegangen ist. Ich halte dafür, das sei auch eine Stellungnahme, e-jedenfalls eine kirchenpolitische und indirekt sogar eine politische-e Stellungnahme! Und f-ich erwarte, dass-f dieses Wort ohne besondere Worte von einigen g-der mir anvertrauten-g Studenten so gut gehört und verstanden werde, als es inmitten der mannigfaltigen Aufregungen unserer Tage möglich sein mag. Ich habe Gründe, mir an diesem Reden und Gehörtwerdenh innerhalb der Schranken meiner Berufung genügen zu lassen.47 Sie wurden auch |282 damit nicht überschritten, dass ich mich auf ˹ergangene˺ Einladungi an der Ausarbeitung zweier der Öffentlichkeit vorgelegter theologischerj Erklärungen meiner reformierten Bekenntnisgenossen beteiligte.48 Man hat gerade meine Beteiligung an dieser Sache sehr richtig verstanden, ˹man hat diesen Erklärungen m. E. das schönste Lob erteilt,˺ indem man ihnen Mangel an Aktualität bzw. an Existentialität, k-d. h. an konkreter Bezugnahme auf die Probleme des Tages-k vorgeworfen hat.49 Soll ich mich nun dennoch unterwinden, das von mir erwartete «Wort zur Lage»50 zu reden, liebe fernere und liebe nähere theologische Freunde, so kann es inhaltlichl wirklich nur in der Frage bestehen: ob es nicht der Kirche und uns Allen besser wäre, wenn wir jetzt gerade nicht «zur Lage», sondern 4 nun erst recht, ˹ein Jeder in den Schranken seiner Berufung,˺ «zur Sache» reden bzw. die Voraussetzungen bedenken und bearbeiten würden, deren es bedarf, um Tag für Tag m-«zur Sache» zu reden-m, wie es heute – nicht erst heute, aber auch heute! – von uns gefordert ist?51 Eine kleine Erläuterung dieser Frage |283 kann allein der Sinn dessen sein, was ich, da man es denn hören will, zu den uns bewegenden Dingen zu sagen habe.

Das, was jetzt unter keinen Umständen geschehen darf, ist dies, dass wir im Eifer für irgend ˹etwas, was wir für˺ eine gute Sache ˹halten,˺ unsere theologischen Existenz verlieren. Unsere theologische Existenz ist unsere Existenz in der Kirche, und zwar als berufene Prediger und Lehrer der Kirche.

In der Kirche ist man sich einig darüber, dass es in der ganzen Welt keinen dringlicheren Anspruch gibt als den, den das Wort Gottes darauf hat, verkündigt und gehört zu werden; diesem Anspruch muss Genüge getan werden, koste es, was es wolle, und werde aus der Welt ˹und aus der Kirche selbst˺, was da aus ihnen werden möge. In der Kirche ist man sich einig darüber, dass das Wort Gottes Alles und Jedes aus dem Felde schlägt, was ihm widerstehen mag, dass es darum über ˹uns und über˺ alle seine ˹anderen˺ Feinde siegen wird, weil es – «gekreuzigt, gestorben, begraben, am dritten Tage wieder auferstanden, sitzend zur Rechten Gottes des Vaters»52 – schon ein für allemal über und für uns und alle seine anderen Feinde gesiegt hat. In der Kirche ist man sich darüber einig, dass Gott ˹durch eben dieses sein Wort˺ alle Dinge trägt o-(Hebr. 1,3)-o, auf alle Fragen Antwort gibt, allen Anliegen Gerechtigkeit widerfahren lässt, Alles, was er geschaffen hat, p-erhält und-p zu seinem eigensten Ziele führt, dass aber auch kein Ding in der Welt ohne sein Wort bestehen und gedeihen kann. In der Kirche ist man sich darüber einig, dass es dem Menschen gut ist und dass ihm ˹in Zeit und Ewigkeit˺ nur dies Eine gut sein kann, dem Worte Gottes anzuhängen von ganzem Herzen, ˹von ganzer Seele,˺ von ganzem Gemüt und von allen seinen Kräften [Mk. 12,30; vgl. Dtn. 6,5]. In der Kirche ist man sich darüber einig, dass Gott q-für uns-q nirgends da ist, in der Welt ist, in unserem Raum und in unserer Zeit ist |284 als in diesem seinem Wort, dass dieses sein Wort r-für uns-r keinen anderen Namen ˹und Inhalt˺ hat als Jesus Christus und dass Jesus Christus s-für uns-s in der ganzen 5 Welt nirgends zu finden ist als jeden Tag neu in der heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes. Darüber ist man sich in der Kirche einig, oder man ist nicht in der Kirche.

Und wir als Prediger und Lehrer der Kirche insbesondere sind uns in Furchtt˹, aber auch in Freude˺ darüber einig, dass wir berufen sind, durch unsere Predigt und Lehre u-dem Worte Gottes in der Kirche und in der Welt-u zu dienen, dass wir mit der Erfüllung dieser Berufung nicht nur selbst stehen und fallen, sondern auch ˹schlechterdings˺ Alles, was uns in dieser Welt wichtig, lieb und groß sein mag, stehen und fallen sehen, dass uns also keine Sorge dringlicher und keine Hoffnung bewegender sein kann als die Sorge und Hoffnung unseres Dienstes, ˹kein Freund lieber als der, der uns hilft in diesem Dienst, und kein Feind verhasster als der, der uns v-in diesem Dienst hindern-v will.˺ w-Wir sind uns darüber einig,-w dass wir neben diesem Ersten ˹als Sinn unserer Arbeit und unserer Ruhe, unseres Ernstes und unserer Gelassenheit, unserer Liebe und unseres Zornes˺ kein Zweites kennen, sondern alles Zweite und Dritte˹, das uns auch bewegen mag˺ x-und muss-x, in diesem Ersten eingeschlossen und aufgehoben, von ihm her gerichtet und gesegnet sehen. Darüber sind wir uns einig, oder wir sind nicht Prediger und Lehrer der Kirche. Und dies ist’s, was ich unsere «theologische Existenz» nenne: dass uns inmitten unserer sonstigen Existenz (z. B. als Männer, als Väter und Söhne, als Deutsche, als Bürger, als Denker, als Besitzer eines allzeit unruhigen Herzens usf.) das Wort Gottes das sei, was es nun einmal ist und was nur es uns sein kann,53 und insbesondere unsere Berufung als Prediger |285 und Lehrer uns so in Anspruch nehme, wie nur sie uns in Anspruch nehmen kann und darf.

Diese unsere theologische Existenz, d. h. y-unsere Bindung an das Wort Gottes-y und die Geltung unserer besonderen Berufung z-zum Dienst am Wort Gottes-z kann uns heute verloren gehen. Anders gesagt: Wir können heute versäumen, uns jetztaa erst recht und mehr als je in ab-dieser Existenz-ab zu behaupten. Noch anders und besser gesagt: es kann sein, dass sie uns heute nicht mehr geschenkt wird, wie sie uns jeden Tag neu geschenkt werden müsste, weil wir vergessen, darum zu ac-bitten und uns danach auszustrecken, wie es jetzt mehr als je geschehen müsste, damit-ac sie uns geschenkt werde. Denn das ist die kräftige, in allen möglichen Gestalten auftretende Versuchung dieser Zeit: dass wir 6 über der Macht anderer Ansprüche die ad-Intensität und-ad Exklusivität des Anspruchs des ae-göttlichen Wortes-ae als solche nicht mehr und damit af-dieses Wort sofort-af ag-überhaupt nicht-ag mehr verstehen. Dass wir in der Ängstlichkeit vor allerhand Gefahren der Gewalt des Wortes Gottes nicht mehr so ganz trauen, sondern ihm mit allerhand Veranstaltungen zu Hilfe kommen zu müssen meinen und damit unser Vertrauen ˹auf seinen Sieg˺ ah-ganz und gar-ah wegwerfen [vgl. Hebr. 10,35]. Dass wir bestimmte Dinge besser anderswoher als aus und durch Gottes Wort meinen beantworten, lösen, schaffen zu können und damit beweisen, dass wir es faktischai in keinemaj Ding als den Schöpfer, Versöhner und Erlöser zu würdigen wissen. Dass wir unser Herz teilen zwischen dem Wort Gottes und allerlei Anderem, was wir ˹ausdrücklich oder stillschweigend˺ neben ihm mit der Herr|286lichkeit des Göttlichen umkleiden, und damit zeigen, dass wir unser Herz ak-gar nicht-ak beim Worte Gottes haben. Dass wir unter dem stürmischen Eindruck gewisser «Mächte, Fürstentümer und Gewalten»54 Gott noch anderswo suchen als in seinem Wort und sein Wort noch anderswo als in Jesus Christus und Jesus Christus noch anderswo als in der heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes und eben damit solche sind, die Gott al-gar nicht-al suchen. Das Alles, obwohl man sich in der Kirche über das Gegenteil einig ist! Wie sollten wir aber dann in der Kirche sein? Und das ist die besondere Form dieser Versuchung für uns Prediger und Lehrer der Kirche: dass es uns in den Sinn kommt, zwischen unserer Berufung am-in der Kirche-am und dieser und jener ˹davon verschiedenen˺ Berufung könnte so etwas wie Konkurrenz möglich und wirklich sein, in der Weise, dass wir uns gedrungen und gezwungen fühlten, diese und jene sonstige Berufung gegen unsere kirchliche Berufung ˹oder doch neben ihr˺ auszuspielenan oder unsere kirchliche Berufung von dieser und jener anderweitigen Berufung her zu interpretieren ˹und zu gestalten˺. Dass wir uns selbst und die Menschen, an die wir gewiesen sind, unter ganz anderen Bedingungen stehen und fallen sehen als unter der Bedingung, dass unser Dienst recht ausgerichtet werde. Dass uns das Zweite oder Dritte, das wir in dem Ersten wohl aufgehoben wissen müssten, faktisch das Erste wird, mit dem Ersten zusammenfließt und endlich an die Stelle des Ersten tritt. Womit uns dann das wirklich Erste und unsere Berufung selbst hoffnungs7los verloren gehen. Obwohl wir uns doch als Prediger und Lehrer der Kirche in ganz anderem Sinne einig waren! Wir sind dann nichtao mehr Prediger und Lehrer der Kirche. Wir sind dann Politiker und Kirchenpolitiker. Es ist kein Schimpf, ˹sondern es hat seine besondere Ehre,˺ Politiker oder auchap |287 Kirchenpolitiker zu sein. Es ist aber etwas anderes,aq Theologe zu sein. Es kann immer den Verlust derar theologischen Existenz bedeuten, wenn ein Theologe Politiker oder Kirchenpolitiker wird. Es scheint heute in ganz besonderer Weise das bedeuten zu wollen. Und dann ist es an der Zeit, dies zu sagen: dass wir unter keinen Umständen unsere theologische Existenz verlieren, unser Erstgeburtsrecht gegen ein Linsengericht vertauschen sollten [vgl. Gen. 25,29–34]. Oder positiv: dass wir jetzt Mann für Mannas in der Kirche, wie sie uns geboren hat durch das Wort Gottes,55 und in dem unvergleichlichen Raum unserer Berufung bleiben at-oder in die Kirche und in diesen Raum unserer Berufung zurückkehren-at müssen: unter allen Umständen, unter Hintanstellung aller anderen Rücksichten und Anliegen, um jeden Preis.

288 au- Ich darf das, was ich meine, beispielsweise an drei von den uns bis heute – ich schreibe dies am Abend des kritischen 24. Juni 193356 – beschäftigenden Fragen klar zu machen versuchen. Es trifft sich vorzüglich, dass diese Fragen einzeln und in ihrem Zusammenhang mit den heute gefallenen Entscheidungen: der Einsetzung eines staatlichen Kirchenkommissars und seinen ersten Verfügungen,57 in ein |289 ganz neues Stadium getreten sind. Ich möchte ja wirklich nicht «zur Lage», sondern «zur Sache» reden, und ich werde darin vielleicht nur umso besser verstanden, nachdem die Problematik, an der ich meinen Satz illustrieren möchte, av-durch diese Entscheidungen-av zwar sicher nicht erledigt, aber doch in ihrer bisherigen Gestalt sozusagen geschichtlich geworden ist.-au

Als die politische Bewegung dieses Jahres die entscheidenden ersten Etappen ihres Sieges bereits hinter sich hatte, da vernahm man auf einmal von verschiedenen Seiten den Ruf, es müssten nun auch die deutschen evangelischen Kirchen zu einer umfassenden Neuordnung ihrer äußeren Verhältnisse schreiten.58 Entsprechende Schritte sind dannaw, begleitet von einer mannigfaltigen, in Spruch und Widerspruch sich ergehenden Teilnahme 8 der Theologen und Gemeinde|290gliederax, getan worden.59 ay-Die Initiative und Führung in dieser Neuordnung ist der Kirche durch das, was az-am heutigen Tage-az geschehen ist, aus der Hand genommen.60 Gerade für ihre Auseinandersetzung mit der nun entstandenen Situation dürfte es unerlässlich sein, nachträglich die Frage aufzuwerfen-ay, wie es denn eigentlich damals mit der Legitimität jener ba-Aufrufe zur Kirchenreform-ba gestanden habe.

Der Satz dürfte zu wagen sein: bb-auch eine zunächst die äußere Gestalt betreffende-bb Kirchenreform muss aus der inneren Notwendigkeit des Lebens der Kirche selbst˹, sie muss aus dem Gehorsam gegen das Wort Gottes˺ hervorgehen, oder sie ist keine Kirchenreform. Wir werden uns nun jedenfalls eingestehen müssen, dass wir alle, die wir am Leben der Kirche einigen Anteil zu haben meinten, bc-zwar um die ernstliche Verbesserungsbedürftigkeit so mancher kirchlichen Verhältnisse und auch um allerlei aus älterer und neuerer Zeit in der Luft liegende Verbesserungspläne wussten, aber doch-bc noch am Anfang dieses merkwürdigen Jahres keine Ahnung hatten von bd-einer so akuten-bd Notwendigkeit, be-zur Tat zu schreiten,-be d. h. einerseits von dem Vorhandensein von Fragen und Nöten des kirchlichen Lebens, die bf-so brennend gewesen wären, dass sie jetzt eben nach einer so umfassenden Tat gerufen hätten-bf – andererseits von dem Vorhandensein der tiefen Einsichten und der großen Kräfte, die |291 bg-dieses Unternehmen gerade jetzt als verantwortlich und hoffnungsvoll hätten erscheinen lassen-bg. Wir meinten damals einen als Gottes Wort an uns ergehenden Befehl zu bh-solcher Tat-bh jedenfalls noch nicht zu kennen. Ist das dann bi-im Frühjahr und seit dem Frühjahr-bi auf einmal anders geworden, und wenn ja, wie ging das zu? Die seither über die ˹sogenannte˺ Reichskirche und was damit zusammenhängt, gepflogenen Verhandlungen sindbj weder sehr rasch vorangekommen, noch sehr ˹zielbewusst,˺ entschlossen und einmütig geführt worden, noch bk-– wie das durch das folgenschwere Ereignis des heutigen Tages grell beleuchtet wird –-bk sehr ertragreich gewesen. Hätte eine wirklich um brennender Not willen und dann auch mit zureichender Kraft unternommene˹, eine durch das Wort Gottes erzwungene˺ Kirchenreform bl-in ihrer Entwicklung während der vergangenen Monate nicht-bl ein ganz anderes Gesicht zeigen müssen? bm-Ich möchte die Schuld daran, dass dem nicht 9 so war, nicht etwa den Persönlichkeiten der beteiligten Kirchenmänner61 zuschreiben!-bm Man bn-sage aber auch-bn nicht zu rasch, dass es in der evangelischen Kirche als einer «Kirche unter dem Kreuz»62 nun einmal nicht anders als ˹offenkundig˺ menschlich allzu menschlich zugehen könne auch in ihren größten bo-Zeiten und dass also die offenkundige Schwäche der bisherigen Aktion sozusagen als eine normale Erscheinung zu betrach|292ten sei. Die-bo wirkliche Kirche unter dem Kreuzbp ist auch die Kirche des heiligen Geistes, deren Handlungen in aller Schwachheit und Torheit des Menschlichen doch immer auch etwas ˹zutiefst˺ Freudiges und Friedliches, etwas Sonntägliches, ja Festlichesbq an sich haben müssenbr. bs-Ein unscheinbares, aber überzeugendes Licht pflegt wirklich geistlichen Entscheidungen der Kirche nie ganz abzugehen: das Licht eines guten Gewissens und der Verheißung der Vergebung der Sünden in aller Schwachheit des Fleisches. Dieses Licht ist doch wohl in den bisherigen kirchlichen Reformverhandlungen nicht sichtbar gewesen. Niemand hätte sich des Werks von Loccum und Berlin63 schließlich auch nur einigermaßen freuen können.-bs Diese Feststellung bt-weist aber doch wohl darauf hin, dass es damals im Frühjahr-bt, als man auf einmal nach dieser Reform meinte rufen zu sollen, vielleicht nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen ist.

bu-Fragt man sich aber-bu, inwiefern es damals˹, als man diesen Turm zu bauen beschloss [vgl. Lk. 14,28–30],˺ nicht ganz mit rechten Din|293gen zugegangen bv-sein könnte-bv, dann bw-stößt man, wie mir scheint, an entscheidender Stelle auf eine-bw merkwürdige bx-und verhängnisvolle, weil höchst grundsätzliche-bx Unklarheit˹, nämlich auf die Unklarheit˺ des Verhältnisses zwischen der Ereignis gewordenen politischenby-Revolution und dem, was angesichts dieses Ereignisses die Kircheby meinte wollen und tun zu müssen. ˹Wir fragen:˺ Ging der Entschluss zu diesem Wollen und Tun aus der Kirche selbst, d. h. aus dem bz-von der Kirche-bz gehörten Wort Gottes hervor? ca-Oder war er ein innerlich nicht notwendiger-ca, sondern eincb der politischencc Begeisterung oder auch der politischencd Klugheit entsprungener ˹und also, obwohl in der Kirche und von der Kirche gefasster, ein wesentlich unkirchlichercd1˺ Entschluss? Wenn man die erste Frage nicht klar und mit gutem Gewissen bejahen kann, dann ist die Unfreudigkeit und Unfriedlichkeit ce-der bisherigen Ausführung dieses Entschlusses-ce kein Rätsel. Man kann aber die erste Frage leider nicht klar und mit gutem Gewissen bejahen. 10 Wenn ich gerade die wichtigsten der in jener Zeit des Entschlusses und nachher ergangenen ˹offiziellen und privaten˺ kirchlichen Kundgebungen überblicke, so stoße ich immer wieder auf das sehr befremdliche Phänomen gewisser cf-politischer Präambeln-cf, in denen die Verfasser ˹in einer beicg einer kirchlichen Angelegenheit erstaunlichench Dringlichkeit˺ mit mehr oder weniger Offenheit und Direktheit ˹zunächst und vor allem Anderen˺ ihre positive Beurtei|294lung und Wertschätzung der im März geschehenen Revolution und des durch diese Revolution geschaffenen Staates65 ˹meinen˺ Ausdruck geben ˹zu müssen˺.66 Ich zitiere als ein Beispiel für viele den ersten Aufruf des sogenannten «Dreimännerkollegiums» vom 28. April 1933:

«Eine mächtige nationale Bewegung hat unser deutsches Volk ergriffen und emporgehoben. Eine umfassende Neugestaltung des Reiches in der erwachten deutschen Nation schafft sich Raum. Zu dieser Wende der Geschichte sprechen wir ein dankbares Ja. Gott hat sie uns geschenkt, ihm sei die Ehre.

In Gottes Wort gebunden erkennen wir in dem großen Geschehen unserer Tage einen neuen Auftrag unseres Herrn an seine Kirche …»67

Entsprechend ci-dieser Erklärung-ci war dann ˹(wohlverstanden: immercj von Seiten der Kirche!)˺ auch sehr oft zu vernehmen: der neue Staat |295 «braucht»ck die Kirche,68 und: die Kirche ist bereit, dem neuen Staate ˹(mit ihren «starken Kräften», wie es einmal aus höchst kompetenter Feder kam)˺ «Mitarbeit»cl zu leisten.69 Auf dem Hintergrund des so oder ähnlich umschriebenen Fundamentalartikels70 cm-der neu zu kon|296stituierenden Kirche-cm kamen dann die verschiedenen Ankündigungen, Forderungen, Programme und auch wohl Glaubensbekenntnisse, die die Absicht dieser Kundgebungen waren, zu stehen.

Was ist dazu zu sagen? Vor allem dies, dass dieses Phänomen nicht etwa auf einen unwiderstehlichen äußeren Druck zurückzuführen ist, dem sich die Kirche, um cn-in der neuen Situation zu retten, was zu retten war-cn, hätte fügen müssen. Der neue Staat hat am 23. März 1933 durch den Mund des Reichskanzlers Adolf Hitler eindeutig erklärt:

«Die Rechte der Kirchen werden nicht geschmälert, ihre Stellung zum Staate nicht geändert.»71

Von einem «aufrichtigen Zusammenlebenco zwischen Staat und Kirche» wurde an derselben Stelle gesprochen,72 nicht aber weder von einer inneren noch auch nur von einer äußeren «Gleich11schaltung» der Kirche73 zugunsten des Staates. ˹Es wäre auf Grund jener Erklä|297rung Hitlers, die man geradezu die «Magna charta» der neuen Kirche im neuen Reich genannt hat,74 von der Kirche nicht verlangt gewesen, sich auf jenen Fundamentalartikel zu gründen.˺ Und abgesehen von vereinzelten Übergriffen75 ˹und Missgriffen wird man dem Staat bzw. cp-der Führung des Staates in dieser Sache bis jetzt auch sonst nichts vorzuwerfen gehabt-cp haben.

Ich darf hier noch erinnern an die sehr korrekte Erklärung des preußischen Kultusministers Dr. Rust (Kreuzzeitung Nr. 125 vom 7. Mai 1933): «daß für Preußen jedenfalls kein Anlaß zu der Befürchtung bestehe, daß der Staat in das innere Leben der Kirche eingreifen werde. Er werde sich nicht mit dem kleinen Finger in kirchliche Angelegenheiten mischen, die nur die Kirche erledigen kann.»76

298 cq-Inwieweit die neuesten Ereignisse nur eine sehr eigentümliche Interpretation oder aber eine in den Augen des Staates notwendig gewordene Aufhebung dieser Zusagen und Erklärungen bedeuten, lässt sich heute noch nicht übersehen.77-cq˺ cr-Damals aber bedeuteten diese Zusagen und Erklärungen eine der Kirche gegebene Chance, angesichts derer sie nicht etwa das Verhalten der Staatsleitung dafür verantwortlich machen darf, wenn sie wieder einmal sich selber-cr untreu gewesen sein sollte.

Man muss aber die Frage stellen, ob eben dies in jenen für den Sinncs der unternommenen Kirchenreform wahrhaftig wichtigen politischen Präambeln ˹so vieler kirchlicher Kundgebungen bzw. in den hinter diesen Kundgebungen stehenden Gesinnungen und Haltungen˺ nicht doch der Fall gewesen sein möchte: ct-dass die Kirche sich selbst wieder einmal untreu war.-ct Der Sinn dieser Präambeln war ja eben leider nicht bloß die gewiss mögliche und berechtigte Feststellung, dass die Führung Gottes durch die politischen Ereignisse der Kirche Anlasscu gegeben habe, ihrerseits dem sie begründenden cv-Worte Gottes-cv neues Gehör und neuen Gehorsam zu schenken. Der Sinn dieser Präambeln war leider auch nicht bloß die selbstverständliche Anerkennung auch des neuen Staates als der von Gott der Kirche koordinierten «Obrigkeit»cw nach Röm. 13[,1–7]. Sondern ihr Sinn war eindeutig der eines politischen Urteils – eines politischen Urteils, wie es die Kirche zur Zeit cx-des Sieges-cx der Revolution von 1918 mit Recht unterlassen hat.78 Aber macht nicht dies, dass sie es heute nicht |299 unterlassen hat, auch ihr damaliges Recht verdächtig? Schwieg sie etwa 12 damals doch nur aus demselben Grunde, aus dem sie diesmal cy-meinte reden zu sollen-cy? Es kann sich wirklich nicht darum handeln, den Kirchenmännern, die damals durch ihr Schweigen, heute durch ihr Reden ihrem politischencz Urteil Ausdruck gaben, dieses Urteil als solches, sofern es ihrer persönlichen Überzeugung entsprach, zu verübeln. Wer aber gab ihnen das Recht, dieses ihr Urteil im Namen der Kircheda auszusprechen, die db-neue Kirche auf dieses ihr politisches Urteil zu gründen, sie-db ˹gleich im Fundamentalartikel˺ «gleichzuschalten» und damit nicht nur: alle diejenigen, dc-die sich-dc diesemdd Urteil nicht de-anschließen können-de, von der df-zu erneuernden-df Kirche auszuschließen, ˹nicht nur: die Kirche in unverantwortlicher Weise an eine bestimmte Gestalt der Weltgeschichte zu binden, sondern vor allem grundsätzlich:˺ die unternommene Erneuerung der Kirche sofort mit der Proklamierung eines unerhört neuen Erkennt|300nis- und Normprinzips zu eröffnen? Oder ist das nicht die Proklamierung eines unerhört neuen Erkenntnis- und Normprinzips in der evangelischen Kirche, wenn man offen erklärt, den «neuen Auftrag unseres Herrn an seine Kirche» nicht etwa in der heiligen Schrift, sondern «in dem großen Geschehen unserer Tage» erkannt zu haben? Was bedeutet daneben das Partizip «in Gottes Wort gebunden»79? In «Gottes Wort gebunden» würde die Kirche im Worte Gottes bleibendg dh-und nicht die Stimme eines Fremden hören-dh.80 ˹Quo iure wurde es anders gehalten? Denn˺ sollte es zu verkennen sein, dass die Kirche in jenen Präambeln eben doch die Stimme eines Fremden, di-d. h. nicht die Stimme des Wortes Gottes, sondern die Stimme eines menschlichen, rein politischen Urteils gehört hat-di? Ohne äußere Not, einfach weil sie innerlich ihrer Sache nicht sicher war, zwischen Theologie und Politik nicht zu unterscheiden wusste! In politischer Begeisterung oder aus politischer Klugheit nicht unterscheiden wollte? Jedenfalls nicht dj-unterschieden hat, nicht bei ihrem Thema-dj blieb. Und so, in dieser Zweideutigkeit, in der Befangenheit, in der sich die Kirche immer befindet, wenn sie Kirche sein möchtedk und doch Kirche zu seindl dm-vergisst oder sich fürchtet-dm, sodn ist sie dann an das Reformwerk herangetreten. Wie hätte do-da seinem Gang jene Festlichkeit, jene geistliche Gewissheit-do eigen sein können, die wirdp an ihm vermissen zu müssen meinen? ˹Niemand hatte das gute Gewissen und den freien |301 Rücken, den es zu einer solchen Arbeit brauchte.˺ Ich 13 denke nicht daran, das nun einmal begonnene Werk durch diesen Hinweis stören zu wollen. dq-Die Fortsetzung könnte ja immer noch besser werden, als der Anfang gewesen ist.-dq Die einfachedr Tatsache, dass es nun einmal ˹«hominum confusione et Dei providentia»81˺ faktischds begonnendt ist, du-und die andere Tatsache, dass es durch die neuesten Ereignisse in seinem Lauf faktisch gehemmt ist,-du mag und soll der Kirche ˹wie das ganze «große Geschehen unserer Tage»˺ dv-Anlass sein, nun vielleicht wirklich legitim-dv an das Werk ihrer äußerendw Umgestaltung heranzutretendx. ˹Der neue Tag mit seinen neuen Bedingungen bringt neue Entscheidung.dy˺ Ist nicht vielleicht gerade in dem Irrtum dz-bzw. in den Folgen des Irrtums-dz, in welchem die Sache im Frühjahr angegriffen worden ist, die brennende˹, die wahrlich nach Reform an |302 Haupt und Gliedern82 verlangende˺ Not der Kirche erstea sichtbar geworden? Und sollten nicht gerade angesichts dieser brennenden Not ihre wirklichen Kräfte ˹und Einsichten˺ zu solcher Reform sich regen müssen? Sollte Gottes Wort und eb-Befehl, nachdem wir bis jetzt vielleicht einfach zu eigenmächtig gewesen sind, nicht etwa jetzt gebieterisch-eb zu vernehmen sein? Und sollte dann die Kirchenreform nicht etwa doch noch aus dem Leben der Kirche selbst hervorgehen und so wirkliche Kirchenreform werdenec können? ed-Viel Eifer und Ernst und menschliche Treue ist in diesen Monaten an dieses Werk verwandt worden. Nur-ed ˹die heilige Schrift ist ee-doch wohl nicht-ee Meister gewesen ef-bei diesem Werk-ef und darum auch nicht das Wort Gottes. Aber noch hateg die deutsche evangelische Kirche die heilige Schrift und mit ihr die Verheißung einer Reform nicht durch menschliche, durch politische und kirchenpolitische Willkür, sondern durch das Wort Gottes. Wo die heilige Schrift Meister ist, da ist theologische Existenz, und wo theologische Existenz ist, da mag es zur Kirchenreform aus dem Leben der Kirche kommen. Wo keine theologische Existenz ist, da kann und wird es in eh-unserer wie zu jeder Zeit der Kirche, in der sie-eh sich selber helfen wollte, nur zu Totgeburten kommen.˺

Die Frage, die die deutscheei Kirchenreform bisher vor anderen charakterisierte und alsbaldei1 zum wenig schönen Kirchenstreit werden |303 ließ, war die Bischofsfrage. Man möchte wohl wissen können, wie sich später die Kirchengeschichte mit dem 14 Rätsel auseinandersetzen wird: welche ernsthaften, inneren, theologisch relevanten Gründe ej-dazu vorlagen-ej, dass in der kirchlichen Bewegung des Jahres 1933 ausgerechnet diese Frage solche Bedeutung bekommen konnte, wie sie sie nun bekommen hat? Siehe, sie war eines Tages in großer Einmütigkeit (˹auf der ganzen Linie˺ von Zoellner bis zu Hossenfelder83!) da, die Überzeugung: die neue evangelische Kirche muss vor allem und auf alle Fälle eine «entschlußkräftige», d. h. eine in eine Hand gelegte «Führung» bekommen,84 und diese eine Hand soll in jeder Landeskirche die eines Landesbischofsek, in der die Einheit der Landeskirchen realisierenden el-und repräsentierenden-el Reichskirche aber die eines Reichsbischofs sein.85 Wir brauchen und wir wollen em-«geistliche», «autoritäre» Führer und zuletzt und zuoberst einen geistlichen autoritären Führer-em!86

304 Auch hier ist ˹zunächst˺ zu fragen: Wer von uns hätte sich noch am Anfang dieses Jahres von en-der akuten Notwendigkeit gerade dieses Theologumenons-en auch nur träumen lassen? Gewiss, eo-der Gedanke des evangelischen Bischofs hat in Deutschland schon eine lange Geschichte.87 Gerade in den zuletzt vergangenen Jahren ist in Deutschland oft genug mit ihm-eo gespielt und sogar nicht ohne partielle Erfolge gespielt worden.88 Aber hat man uns damals nicht immer damit beruhigt, dass es sich bei den erstrebten und z. T. tatsächlich ­vollzogenen Bischofskreierungen gerade nicht um die Einführung des wirklichenep, d. h. des katholischen Bischofsamtes mit ˹besonderer˺ |305 geistlicher Vollmachteq und Lehrgewalt, sondern eben nur um die Einführung einer im Verhältnis zu dem ungelenken Wort «Generalsuperintendent» etwas würdigeren Benennung eines ˹keineswegs theologisch, sondern eben nur technisch,˺ mit dem Auftrag zu gewissen Aufsichtsfunktionen ˹im größeren Kreis,˺ unter den anderen hervorgehobenen er-gewöhnlichen evangelischen Predigers handle-er?89

Der Bischof von 1933 war und ist offenbar nicht dieser harmlose Titularbischof. Wäre er es, wie wäre die Dringlichkeit des Rufs nach ihm, wie wäre vor allem die Hitzigkeit der Aussprache über die Frage «Müller oder Bodelschwingh?»90 zu erklären? War der Reichsbischofes das Eine Notwendige, als das er doch sofort bei Beginn der ganzen Verhandlungen ausgegeben wurde, und et-war die Frage «Müller oder Bodelschwingh?» so wichtig, wie von beiden Seiten behauptet wurde-et, dann ergibt 15 sich schon daraus, dass diesmal, 1933, von allen denen, die den Bischof überhaupt wollteneu, ein wirklicher Bischof gemeint sein mussteev: ein den einzelnen Gemeinden und ihren |306 Predigern nicht nur technisch, sondern theologisch, wesenhaft, vorgeordneter Führer, der Inhaber eines von dem Prediger-, Ältesten-, Lehrer- und Diakonenamt91 in den Gemeinden ew-als übergemeindliche Instanz-ew unterschiedenen und mit ˹den entsprechenden˺ besonderen Gaben ˹nebst der entsprechenden˺ besonderen Autorität ausgestatteten kirchlichen Amtes, kurz: der Bischof, wie er bis jetzt nur in der katholischen, nicht aber in der evangelischen Dogmatik vorkam.92 War ex-nicht dieser-ex Bischof gemeint, sondern bloß jener etwas geschmückte Generalsuperintendent, wie er etwa in den englischen und skandinavischen Kirchen «Bischof» heißt, dann würde man denen, die im heutigen Deutschland, in welchemey zur Beschäftigung mit Spielereien wirklich keine Zeit und Kraft vorhanden ist, ausgerechnet nach dem Bischof gerufen haben, den Vorwurf des Leichtsinns kaumez ersparen können. Aber sie verdienen diesen Vorwurf fa-doch nur teilweise und in anderer Hinsicht.-fa Sie haben schonfb den fc-wirklichen Bischof gemeint und gewollt-fc. ˹Sie sollten es freilich unterlassen, sich selbst als leichtsinnig hinzustellen, indem sie sich nun nachträglich so interpretieren, als ob sie in der Tat nur den englischen oder skandinavischen «Bischof» gemeint hätten.˺

Die Genesis des Bischofsgedankens von 1933 liegt ja am Tage: ˹«Keine Nachahmung der staatlichen Formen!» (Zoellner).93 Doch! ist zu erwidern, es hat sich im Bischofsgedanken von 1933 eindeutig um die Nachahmung einer bestimmten «staatlichen Form» gehandelt.˺ |307 Man hatte in der politischen Zeitbewegung vor sich die eindrucksvolle Gestalt eines Führers, der sich als solcher, d. h. durch die Fähigkeit, die politische Macht zu erobernfd und zu gebrauchen, faktischfe als solcher erwiesen hat. Die Kirche muss auch einen solchen Führer haben, sagte man sich, wobei die Einen diesen Satz sehr schlicht mit der Staatsräson begründeten: dass ein geführter Staat nur eine ebenfalls geführte Kirche neben sich ˹oder in sich˺ haben könne,94 während die Zweiten umgekehrt die Kirche damit, dass sie auch ihr eine solche Führung geben wollten, dem geführten Staat gegenüber stark zu machen gedachten,95 während wieder Andere nun auf einmal entdeckten, |308 dass das Führerprinzip aus dem eigensten Wesen 16 der Kirche heraus auch für die Kirche selbst anerkannt und in der Kirche selbstff realisiert werden müsse.96 Wohlverstanden: das Führerprinzip, wie man es ˹konkret˺ in der Gestalt Adolf Hitlers fg-und seiner Unterführer-fg vor Augen hatte.97 Um welchen anderen fh-Begriff von «Führer» hätte es |309 sich denn, wenn man im Deutschland des Frühjahrs 1933 dieses Wort in den Mund nahm,-fh handeln können? Diesesfi Führerprinzip ergibt aber, das wäscht der Rhein nicht ab,98 wenn man es ins Theologische übersetzt, den wirklichen, fj-den strengen, man täusche sich doch nicht: den-fj katholischen Episkopalismus. ˹Man wollte, auch wenn man sich nicht die Mühe nahm, fk-auch wenn man sich scheute,-fk sich das klar zu machen, einen richtigen Bischof mit einem richtigen Krummstab!˺ Man wollte einen Bischof, der auf Grund irgend einer ausgezeichneten Begabung über die Geltung des Bekenntnisses, d. h. über das rechte Verständnis der heiligen Schrift in der Kirche zu wachen, Irrlehren als solche zu bezeichnen ˹und autoritativ zu perhorreszieren˺ in der Lage sei, der die Macht habe, Prediger und Lehrer ein- und abzusetzen,99 und das Recht, an den eingesetzten Predigern und Lehrern vorbei in besonderen Ansprachen sich direkt an die Gemeinde zu wenden, dem es überlassen sei, der Kirche in fl-ihren Beziehungen-fl zum Staat und zu den Kirchen des Auslandes dieses oder dieses in sein Ermessen gelegtes Gesicht zu geben.100 Nochmals: wenn man nichtfm |310 das wollte, dann wäre die fn-Proklamierung der Formel vom geistlichen, autoritären Führer-fn und der Ruf nach ihm fo-ein sträflicher Leichtsinn-fo gewesen. fp-Aber nochmals: man war-fp, in dieser Hinsicht jedenfalls, nichtfq leichtsinnig. Man meinte schon diesen Bischof, nur dass eben – und hier könnte sich nun die Frage des Leichtsinns in ganz anderer Hinsicht ergeben – die allerwenigsten von denen, die ˹so fröhlich nach dem kirchlichen Führer˺ riefen, auch nur daran dachten, sich an Hand einer Übersetzung dieses durch die heutige politische Situation schlechterdings geprägten Begriffs ins Theologische klarfr zu machen, was sie eigentlich meinten und wollten. Schon dieser primitivste Schritt theologischer Besinnung ist im Eifer des eiligst zu unternehmenden Turmbaus [vgl. Lk. 14,28–30] einfach unterlassen worden.

Es ist aber noch mehr unterlassen worden, was unmöglich hätte unterlassen werden können, wenn man über der Erhaltung seiner theologischen Existenz gewacht hätte und nicht vor lauter 17 fs-kirchenpolitischem Eifer theologisch-fs eingeschlafen wäre. Hat sich eigentlich niemand fragen wollen, ob die Nachahmung eines politischen Vorgangs in der Kirche und durch die Kirche nicht schon an sich eine mindestens bedenkliche Angelegenheit sein könnte? Wie waren wir doch einst so scharfsichtig in der Feststellung, dass die dem römischen Imperium entsprechende ft-und sich ihm anpassende-ft Her|311ausbildung und Zusammenfassung des monarchischen Episkopats auf dem Boden der alten Kirche als ein Symptom der Verweltlichung dieser Kirche zu verstehen sei!101 fu-Mit welcher Selbstverständlichkeit befestigten wir nun diesen-fu Balken in unserm eigenen Auge [vgl. Mt. 7,3–5]!

fv-Und weiter hätte man sich doch Folgendes überlegen müssen-fv: Wirkliche Führungfw – man wird diesen Begriff von dem der Regierung oder Leitung doch wohl unterscheiden müssen – kann auf allen Gebieten, wo sie in Betracht kommt, sicherfx nur als Ereignis wirklich sein. Wenn der Mann da ist, der faktisch führt, dann ist er eben der Führer. Auch ich denke jetzt an Adolf Hitler.102

312 ˹Wäre ich Nationalsozialist, so würde ich gegen das Gerede vom kirchlichen «Führer», fy-den es jetzt brauche und der jetzt einzusetzen sei,-fy so argumentieren:˺ Wir Nationalsozialisten haben nicht das Amt eines Führers als gut und notwendig erkannt, um es dann mitAdolf Hitler zu besetzen. Sondern Adolf Hitler war da, führte und war der Führer ˹– keines Amtes bedürftig, denn nicht seine oberste Charge in unserer Partei und nicht das Reichskanzleramt macht ihn zum Führer, sondern weil er Führer ist, hat er diese Charge und musste er beim Sieg unserer Partei Reichskanzler werden. Das soll ihm einmal einer nachmachen in der Kirche! Dann, aber erst dann hat es Sinn, von einem kirchlichen Führeramt zu reden. Weder Müller noch Bodelschwingh fz-noch sonst jemand hat-fz ihm bis jetzt das nachgemacht. Ergo…!˺

Warum sollte es nicht auch in der Kirche wirkliche Führung geben? Aber sinnvoll wäre doch ga-auch und gerade in der Kirche-ga erst dann davon zu reden, wenn sie gb-Ereignis wäre-gb. In Luther und Calvin war sie Ereignis. ˹Es war ihnen nicht kraft eines besonderen Amtes, gc-ja sogar ohne dass sie nachträglich Träger eines solchen besonderen Amtes werden mussten,-gc sondern sehr schlicht im Rahmen ihres gewöhnlichen Amtes als Prediger und Professoren in Wittenberg und Genf faktisch gegeben, die Kirche zu führen, sehr autoritär, sehr geistlich, aber vor allem sehr wirklichgd.˺ ge-Wäre ein Luther oder Calvin einfach da in unserer 18 Gegenwart, dann wäre das «Führerprinzip» sinnvoll, und zwar ohne die Errichtung eines besonderen Bischofsamtes.-ge Es ist aber sinnlos, ein kirchliches Führeramt vorzusehen und einzurichten, um es dann mit irgend Jemandem zu besetzen im Vertrauen, dass er es ausfüllen werde, und wenn dieses Vertrauen persönlichgf noch so wohl begründet wäre. gg-Führung gibt es nur, wo Führung vollendete Tatsache ist. Das Führungsprinzip ist barer Unsinn.-gg Wer es anders sagt, der weiß nicht, wovon er redet.

313 Aber auch dieser Einwand ist noch nicht entscheidend.gh Wie kommt es, so ist nun vor allem zu fragen, dass der Ruf nach dem Bischof als dem autoritärengi geistlichen Führer möglich wurde, ohne dass sich die Rufenden und die ihren Ruf Aufnehmenden zuvor verpflichtet gesehen hätten, sich selbst und Anderen Rechenschaft darüber abzulegen, ob und inwiefern denn ˹die Existenz˺ gj-eines solchen Bischofsamtes-gj in der evangelischen Kirche überhaupt erlaubt und geboten sein möchte˹, ja notorisch, ohne dass sie sich auch nur grundsätzlich gk-klar gemacht-gk hätten, wasgl sie mit einem solchen Bischof bejahten, so dass der, der heute diesem Bischof widerspricht, in Gefahr steht, schon morgen als ein Don Quichote dazustehen,103 weil man ihm vielleicht schon morgen eröffnen wird, dass man an einen wirklichen Bischof nun doch nicht gedacht habe oder jedenfalls in Zukunft nicht mehr denken wolle˺. Ist die theologische Verwilderung eigentlich schon so weit fortgeschritten im evangelischen Deutschland, dass man es nachgerade ohne Risiko wagen darf, ein beliebiges neues Dogma mir nichts dir nichts ohne Autorität nicht nur, sondern auch ohne den Schatten eines theologischen Beweisesgm, nur weil es einem so passt und weil ja ohnehin Revolution ist, auszurufen und dass es sich dann ereignen kann, dass (˹in diesem Fall:˺ außer den Reformierten) niemand nach dem theologischen Beweis auch nur fragt, sondern jedermann (in Revolutionszeiten ist ja zu theologischer |314 Besinnung nicht die Zeit!104) sich für überzeugt hält, dass es mit dem neuen Dogma wohl seine Richtigkeit haben werde? Und hat sich auch nur einer von den Verantwortlichen das Groteske der Tatsache klar gemacht, dass man zur Bischofswahl und zu einem saftigen Bischofsstreit105 übergegangen ist, ohne das, was man mit dem Bischof meinte |315 und wollte – wenn man denn auf den theologischen Beweis in der Eile verzichten wollte – zuvor wenigstens dogmatisch und kirchenrechtlich ordentlich bestimmt 19 zu habengn, dass mango offenbar die Kirche gemächlich darauf warten lassen wolltegp, welchen Inhalt das neue Amt vielleicht nachträglich durch seinen Träger bekommen werde?, dass gq-also die Bischofsfreunde selbst nicht einmal davor sicher waren, dass das Ende vom Lied schließlich, allen Indizien zuwider,-gq doch nur der etwas geschmückte oberste Generalsuperintendent˹, der schwedische oder englische «Bischof»˺ ohnegr Vollmacht und Lehrautorität sein könnte? Was für ein unverantwortliches Spiel ist da eigentlich getrieben worden!gs Kann man sich wundern, dass sich der auf dem so beschaffenen Hintergrund entstandene Streit um die Persongt des Reichsbischofs zu einer Blamagegu ˹der evangelischen Kirche˺ ausgewachsen hat, deren Folgen sich nungv leicht als schlimmer erweisen könnten als die sämtlichen ˹wirklichen und angeblichen˺ Übel der Vergangenheit, die man mit Reichskirche und Reichsbischof meinte kurieren zu sollen und zu können?

Ich weiß keinen Ausweg aus dieser Sackgasse als die Umkehr. Man lasse aus demgw Spiel Ernst werden! Wir Reformierten haben das wenigstens in der Weise versucht, dass wir die Ankündigung des autoritärengx Bischofs theologisch ernst genommen und unter Angabe un|316serer ˹theologischen˺ Gründe gy-auf das Bestimmteste-gy abgelehnt haben.106 Wir habengz gesagt, dass das Oberhirtenamt, die Vollmacht und Autorität Jesu Christi ˹bzw. der heiligen Schrift˺, in der Kirche seine menschliche Entsprechung nur im Dienst der ordentlichen Ämterha der ˹im synodalen Verband einander gegenseitig beratenden und mahnenden, sichernden und entsichernden konkreten˺ Gemeindenhb, nicht aber in einem besonderen, den Ämtern der konkreten Gemeinden übergeordneten Bischofsamt hc-haben könne-hc. Wir haben erklärt, dass wir die Führung der Kirche als Ganzes, ˹d. h. als der einen Kirche in denhd einzelnen Kirchen,˺ sofern wir sie überhaupt von Menschen erwarten, nur von dem befohlenen Dienst in den Gemeinden, nicht aber von einem ad hoc aufgestellten bischöflichen Thron erwarten könnten. Diese These dürfte he-jedenfalls in sich-he deutlich sein. Wir haben bis jetzt vergeblich auf die ebenso geklärte und begründete Gegenthese gewartet. Wir haben vermutet, dass sie vielleicht eine Gegenthese lutherischer Theologie sein könnte, weil uns der sogenannte «Bischofsgedanke» bis jetzt vornehmlich als ein Postulat unserer Glaubensgenossen lutherischer Herkunft bekannt war. Aber hf-nicht nur die schon vorhandenen 20 lutherischen Bischofsämter,107 sondern auch-hf Erlangen, Göttingen, Leipzig, Rostock108 und die anderen ˹akademischen˺ Hochburgen des Luthertums haben diese Gegen|317these, hg-den evangelischen «Locus de episcopo»,-hg die theologische Lehre vom wirklichen evangelischen Bischof, bis jetzt nicht auf den Plan gestellt, das neue Dogma weder zu beweisen noch auch nur zu formulieren ˹versucht˺. Was hätte man dort, aber schließlich in jedem lutherischen Pfarrhaus Wichtigeres zu tun, wenn es etwa so sein sollte, dass die Herausstellung eines wirklichen Bischofs eine lutherische Notwendigkeit wäre? Und ebenso: wenn das neue Dogma nun vielleicht doch auch für die lutherische Theologie untragbar wäre? Was der hh-nun zurückgetretene «designierte Reichsbischof» D. v. Bodelschwingh109 während seiner Wirksamkeit als solcher-hh gesagt und getan hat – ich denke besonders an seinen zu Pfingsten erschienenen Hirtenbrief110 – das war eine Aufhebung und Widerlegung des wirklichen Bischofs: in jeder Zeile ein im ordentlichen Dienst am Wort stehender evangelischer Christ und Theologe, in keiner Zeile der autoritäre geistliche Führer!111 Gott Lob und Dank, hi-dass dem so war! |318 Und Gott Lob und Dank, dass er nun offenbar gnädig davor bewahrt geblieben ist, in Zukunft etwa doch noch ein autoritärer, geistlicher Führer werden zu – müssen! Aber hätte es nicht auch D. v. Bodelschwingh vor allem wichtig sein müssen, in Erfahrung zu bringen und uns zu sagen, ob und in welchem Sinn er eine Zeitlang befugt war, auch nur Hirtenbriefe, die keine Hirtenbriefe waren-hi, zu schreiben – ob es einen wirklichenhj Bischof, der hk-zu solchen und ähnlichen Führerakten-hk befugt ist, in der evangelischen Kirche überhaupt geben darf und soll? Aber wer es auch sei, der den wirklichen Bischof fernerhin wirklich zu fordern und zu vertreten ˹oder gar Bischof zu sein˺ gedenkt: er ist hiemit eingeladen, diesen wirklichen Bischof theologisch (nicht soziologisch, nicht politisch, nicht geschichts- und nicht kairosphilosophisch,112 sondern theologisch! an Hand von Schrift und Bekenntnis!) zu definieren ˹und zu beweisen hl-oder aber-hl formell |319 zu erklären, dass die Errichtung eines wirklichenhm Bischofsamtes hn-unter Anspielung auf den heute maßgebenden Begriff des «Führers»-hn fallen gelassen, dass allen (nochmals: auf der ganzen Linie von Zoellner bis zu Hossenfelder) gefallenen großen Worten zum Trotz hinfort höchstensho noch von einem administrativ-dekorativen «Bischofsamt» ohne 21 Autorität in Bezug auf Lehre, Gottesdienst und Verfassung, ohne Einsetzungs- und Absetzungsgewalt usf. die Rede sein soll˺. Wie soll man, solange hier offenbar niemand im einen oder im andern Sinn Rechenschaft ablegen will – wie soll man die ganze Schöpfung des Reichsbischofsamtes und die ganze Reichsbischofswahlhp anders bezeichnen denn als hq-Taten einer großen-hq Unbesonnenheit, in welchenhr die Kirche – bis jetzths ist dieser Anschein nicht widerlegt – in unnötig-begeisterter oder in unnötig-ängstlicher Anpassung an die derzeitige Gestalt des Staates, d. h. aber in grundsätzlicher Unkirchlichkeit gehandelt hat? Und was soll man anderes dazu sagen, als ht-dass es jetzt Zeit-ht wäre, hu-wieder nüchtern zu werden – nüchtern-hu zu der Erkenntnis, dass die ˹deutsche evangelische˺ Kirche, hv-sofern auch sie in der einen heiligen allgemeinen Kirche ist, ihren «Führer» hat in Jesus Christus, dem Worte Gottes-hv, der ihr wohl auch menschliche «Führer» geben kann, dass sie sich aber eben darum – und heute vielleicht so radikal wie Israel auf dem Karmel [vgl. 1.Kön. 18] – darüber schlüssig werdenhw muss, ob sie sich an hx-seiner Führung und an der Möglichkeit, dass er uns Führer gibt,-hx genügen lassenhy oder ob sie sich mit der Kirche des Papstes und als deren |320 schlechte Nachahmung˹, Fleisch für ihren Arm haltend [vgl. Jer. 17,5],˺ eigenmächtig in die Hände eines selbsterwählten Führers legen will. Die deutsche evangelische Kirche hat sich hz-in ihren verantwortlichen Vertretern-hz in diesen Monaten nicht verhalten als die Kirche, die ihren Führer hat. Aber noch hat er sie, so gewiss wir sein Gesetz und sein Evangelium noch immer von ihm hören dürfen. Wo ia-es begriffen ist, dass er, und zwar er allein Führer ist-ia, da ist theologische Existenz. Und wo theologische Existenz ist, da ist ib-man in aller Bescheidenheit – und wenn man ein noch so kleiner Theologe, wenn man der unbekannteste Dorfpfarrer oder auch gar kein Pfarrer und Theologe, sondern «nur» so etwas wie ein Laienältester wäre, der aber seine Bibel und seinen Katechismus kennt – selber der rechte Bischof, wie er in der heiligen Schrift vorgesehen ist-ib. Wo keineic theologische Existenz ist, wo man nach dem id-kirchlichen Führer ruft, statt Führer zu sein in seinem befohlenen Dienste-id, da ist alles Rufen nach ie-dem Führer-ie so vergeblich wie das Schreien der Baalspfaffen: «Baal, erhöre uns!» [1.Kön. 18,26].

Derif problematische Ruhm, die deutsche Kirchenreform von 22 1933 überhaupt und nicht zuletzt die Bischofsfrage ins Rollen gebracht zu haben, gebührt der sogenannten «Glaubensbewegung Deutsche Christen».113 Man hat mich ˹im Besondern˺ gefragt, warum ich noch nie ein öffentliches Wortig gegen diese Bewegung gesagt habe. Ich habe |321 es darum nicht getanih, weil ich bis jetzt der Meinung war, was ich ii-in dieser Sache-ii zu sagen habe, sei allzu selbstverständlich, als dass es sich nicht Jeder, der mich auch nur ein wenig kenne, ebensogutij selber sagen könne. Aber es sind an dieser Selbstverständlichkeit Zweifel aufgetaucht: weil man gewisse Reformierte, mit denen ich ˹in diesen Monaten˺ zusammenarbeitete, und noch mehr: weil man Diesen und Jenen, der bisher mehr oder weniger als mein Schüler gegolten hatte, in den Reihen dieser «Deutschen Christen» auftauchen sah.114 Mag denn also das Selbstverständliche ausdrücklich gesagt sein. ˹Ausdrücklich und nachdrücklich, aber doch nur beiläufig; ich sage es nämlich nur,˺ weil es als Voraussetzung dessen, was ich ik-bei Anlass-ik der «Deutschen Christen» sagen möchte, offenbar unentbehrlich ist.

Nach den Richtlinien der «Deutschen Christen» in den beiden bekanntlich gleich maßgeblichen Gestalten vom 5. und vom 16. Mai 1933115 ist der il-Standort undil der Wille derer, die sich so heißen, ˹in |322 den theologisch wesentlichen Punkten˺ dieser: «im-Es sieht so aus-im», so sagen sie, «als wollte das deutsche Volk in der Besinnung auf die tiefsten Quellen seines Lebens und seiner Kraft im1-auch wieder den Weg zur Kirche finden-im1. Die deutschen Kirchen haben darum Allesin zu tun, daß dies geschehen könne.»116 Die Kirche hat sich zu erweisen als Kirche io-für das deutsche Volk-io, indem sie «dazu hilft, daß es den von Gott ihm aufgetragenen Beruf erkennen und erfüllen kann», ip-wie dies «das letzte Ziel auch für die heutige Staatsleitung»117 istist-ip. |323 Die deutschen Kirchen müssen eine Gestalt bekommen, «die sie fähig macht, iq-dem deutschen Volk den Dienst zu tun-iq, der ihnen durch das Evangelium von Jesus Christus aufgetragen ist».119 Eben dies erstreben die «Deutschen Christen». Was aber zeichnet diese «Deutschen Christen» und ihre Forderungen vor anderen vielleicht ganz ähnlich klingenden aus? Dies zeichnet sie aus: ihnen ist die Anerkennung der «Hoheit des nationalsozialistischen Staates» nicht nur ˹Sache der˺ Bürgerpflicht, nicht nur Sache der politischen Überzeugung, sondern Sache des Glaubensir, und 23 sie fordern eine Kirche, die darin mit ihnen einig sei. Das Evangelium muss nach ihnen in Zukunft als «das Evangelium im Dritten Reich» verkündigt werden.120 ˹Das Bekenntnis soll gewahrt, es muss aber im Sinne «scharfer Abwehr» des Mammonismus, des Bolschewismus und «des unchristlichen Pazifismus» weitergebildet werden.121˺ Die Kirche muss in Zukunft sein «die ­Kirche der deutschen Christen, is-das heißt, der Christen arischer Rasse-is».122 Der Reichsbischof ˹als «geistlicher Führer, der die maßgebenden Entscheidungen persönlich zu treffen und zu verantworten hat»,123˺ soll «nach Vorschlag und aus den Reihen der deutschen Christen» durch Urwahl unter Ausschluss des Wahlrechts für Chris|324ten nicht-arischer Abstammung bestimmt werden.124 (In einer späteren Verlautbarung ist als drittes Kriterium für den künftigen Bischof noch dies hervorgehoben worden: dass er ein Mann des besonderen Vertrauens des Reichskanzlers sein müsse.125) ˹Was soll die Kirche mit ihrem Bekenntnis? die Kirche soll «uns die Waffen für den Kampf gegen alles unchristliche und volksverderbende Wesen liefern».126 it-Wie soll es dazu kommen?-it «Die Ausbildung und Führung der Pfarrer bedarf einer gründlichen Umgestaltung im Sinne größerer Lebensnähe und Gemeindeverbundenheit»127 usw.! ˺ 

Was ich dazu zu sagen habe, ist einfach: ich sage unbedingt und vorbehaltlos Nein zum Geist und zum Buchstaben dieser Lehre. Ich halte dafür, dass diese Lehre in der evangelischen Kirche kein Heimatrecht hat. Ich halte dafür, dass das Ende der evangelischen Kirche gekommen wäre, wenn diese Lehre˹, wie es der Wille der «Deutschen Christen» ist,˺ in ihr zur Alleinherrschaft kommen würde. Ich halte dafür, dass die evangelische Kirche lieber zu einem kleinsten Häuflein werden und in die Katakomben gehen sollte, als dass sie mit dieser Lehre ˹auch nur von ferne˺ Frieden schlösse.128 Ich halte diejenigen, |325 die sich dieser Lehre angeschlossen haben, entweder für Verführer oder für Verführte und kann die Kirche in dieser «Glaubensbewegung» nur so wiedererkennen, wie ich sie auch im römischen Papsttum wiedererkennen muss. Ich kann auch meine verschiedenen theologischen Freunde, die sich ˹kraft irgend einer Hypnose oder mittelst irgend eines Sophismus129˺ in die Lage versetzt fanden, diese Lehre zu bejahen, nur bitten, iu-von mir aus-iu zur Kenntnis zu nehmen, dass ich mich, sofern ihnen nicht in glücklicher In24konsequenz neben dieser Irrlehre auch noch eine anderweitige christliche, kirchliche und theologische Substanz erhalten geblieben sein sollte, schlechterdings iv-und endgültig-iv von ihnen geschieden weiß. Ich nenne zur Begründung dieser ˹meiner˺ Ablehnung folgende Punkte:iw

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  1. Nicht dafür hat die Kirche «Alles zu tun», dass das deutsche Volk «auch wieder den Weg zur Kirche» finde, sondern dafür, dass es in der Kirche das Gebot und die Verheißung des freien und reinen Wortes Gottes finde.ix
  2. Das deutsche Volk empfängt seine Berufung von Christus und zu Christus durch dasiy ˹nach der heiligen Schrift˺ zu verkündigende Wort Gottes. iz-Diese Verkündigung ist die Aufgabe der Kirche.-iz Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, ja-dem deutschen Volke zur Erkenntnis und Erfüllung eines von der Berufung von und zu Christus verschiedenen-ja «Berufs» zu verhelfen.
  3. Die Kirche hat überhaupt nicht den Menschen und also auch nicht dem deutschen Volk zu dienen. Die jb-deutsche evangelische Kirche ist die Kirche für das deutsche evangelische Volk. Sie-jb dient aber allein dem Worte Gottes. Es ist Gottes Wille und Werk, wenn durch sein Wort den Menschen und also auch dem deutschen Volke gedient wird.
  4. Die Kirche glaubt an die göttliche Einsetzung des Staates als ˹des Vertreters und Trägers˺ der öffentlichen Rechtsordnung jc-im Volke-jc. Sie glaubt aber weder an einen bestimmten, also auch nicht an den deutschen [Staat]130, und sie glaubt an keine bestimmte, also auch nicht an die nationalsozialistische Staatsform. Sie verkündigt das Evange|327lium in allen Reichen dieser Welt. ˹Sie verkündigt es auch im Dritten Reich, aber nicht unter ihm und nicht in seinem Geiste.˺
  5. Das Bekenntnis der Kirche ist, wenn es weiterzubilden ist, nach Maßgabe der heiligen Schrift und auf keinen Fall nach Maßgabe der Positionen und Negationen einer jd-zu einer bestimmten Zeit-jd in Geltung stehenden˹, politischen oder sonstigen, auch nicht der nationalsozialistischen˺ Weltanschauung weiterzubilden. ˹Es hat weder «uns» noch irgend Jemandem «Waffen zu liefern».˺
  6. Die Gemeinschaft der zur Kirche Gehörigen wird nicht durch das Blut und also auch nicht durch die Rasse, sondern durch den heiligen Geist und durch die Taufe bestimmt. Wenn 25 die deutsche evangelische Kirche die Judenchristen je-ausschließen oder als Christen zweiter Klasse behandeln würde, würde sie aufgehört haben, christliche-je Kirche zu sein.
  7. Wenn das Amt eines Reichsbischofs in der evangelischen Kirche überhaupt möglich wäre, dann wäre es ˹wie jedes kirchliche Amt˺ auf keinen Fall nach politischen Gesichtspunkten ˹und Methoden˺ (Urwahl, Parteizugehörigkeit usw.), sondern durch die Vertreter des ordentlichen Amtesjf in den Gemeinden ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der kirchlichen Eignung zu besetzen.
  8. Nicht «im Sinne größerer Lebensnähe und Gemeindeverbundenheit» ist die Ausbildung und Führung der Pfarrer umzugestalten, sondern im Sinne größerer Disziplin und Sachlichkeit ˹in der Ausführung˺ der einen einzigen ihnen anbefohlenen und anvertrauten Aufgabe schriftgemäßer Verkündigung des Wortes.
  9. jg … … … … … … …

Das sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit ˹aufgezählt˺, einige von den gegen die «Deutschen Christen» zu vertretenden Gegensätzen. Aber so nachdrücklich ich sie vertreten möchte, so wenig möchte ich sie ˹im Zusammenhang dessen, worauf es mir ankommt,˺ betont wissen. Allein um der Abwehr der «Deutschen Christen» willen würde ich nicht das Wort ergriffen haben. jh-Und von einer Diskussion |328 mit ihren Wortführern erwarte ich schon gar nichts.-jh Gewiss ist ihr Auftreten und ihre Ausbreitung besorgniserregend. Aber doch nicht darum, weil in ihnen eine noch nie dagewesene Ketzerei auf den Plan getreten wäre: wer sich in der Theologie auch nur ein wenig auskennt, weiß, dass wir es in ihrer Lehre mit ji-Ausnahme weniger Originalitäten-ji doch nur ˹– ich bediene mich einer glücklichen Formulierung, die nicht von mir stammt –˺ mit einer kleinen Sammlung ˹von Prachtstücken˺ aus dem großen ˹theologischen˺ Mülleimer des jetzt so viel gescholtenen 18. und 19. Jahrhunderts zu tun haben.131 Auch nicht darum, weil sie ihre Lehre etwa mit einer besonders gefährlichen geistigen Kunst und Kraft vorzubringen jj-wüssten!! Sondern-jj schließlich doch nur darum, weil sie gezeigt haben und noch zeigen, dass man |329 einer «Glaubensbewegung» auch einfach durch die Mittel der Gewalt ˹im Stil der politischen Massenversammlung und des politischen Propaganda-Marsches˺ 26 Gestalt und Nachdruck geben kann. Dass eine wissenschaftliche Predigerkonferenz mit einem rein fachwissenschaftlichen Referat dadurch unmöglich gemacht wird, dass eine Anzahl Pfarrer, denen der Referent politisch nicht genehm ist, ganz schlicht mit Störungen drohen – das ist allerdings neu und erstaunlich.132 Dass man «Einejk feste Burg ist unser Gott» auch mit Begleitung von Trommeln singen kann,133 jl-dass das Feldgeschrei «Bauern, erobert die Kirchen!»134 möglich wird,-jl das ist auch neu und sehr gefährlich. Und wenn man den theologischen Gegnern, jm-diesen «vaterlandslosen Gesellen», «diesen saubern Seelsorgern»-jm unter Namensnennung in Aussicht stellt, sie würden in zwei Jahren (nach geschehener Befreiung des Saargebiets) «nicht nur eine Tracht Prügel» jn-(ich weiß nicht, welches Wort hier im Sinne des Verfassers zu betonen ist)-jn in Empfang nehmen müssen,135 so ist das jo-fabelhaft neu136 |330 und könnte leicht geradezu lebensgefährlich werden-jo. Aber wenn es offenbar zum Wesen dieser Glaubensbewegung gehört, sich auf dieser Ebene zu bewegen, dann ist sie so gefährlich, dass es gewiss vorsichtiger ist, sich nicht in Diskussionen mit ihr einzulassen, ˹sondern an ihr, jedenfalls an ihren Führern vorbei zu den übrigen Menschen zu reden˺jp.

Ich meine, wir haben auch dringendere und ernsthaftere Sorgen als die, jq-die «Deutschen Christen» theologisch widerlegen und belehren zu wollen-jq. Mögen sie so schlimm sein, wie sie wollen, viel schlimmer scheint mir die Art zu sein, wie sich die evangelische Kirche bis jetzt mit ihnen auseinandergesetzt hat. ˹Wenn die evangelische Kirche gesund wäre, hätte hier Anderes geschehen müssen, als geschehen ist.˺ Was hat sich nämlich zugetragen?

331 Auf der einen Seite das Ereignis einer geradezu verblüffenden Widerstandslosigkeit, in der Pfarrer und Gemeindeglieder und Kirchenführer, Theologieprofessoren und Theologiestudenten, ˹Gebildete und Ungebildete,˺ Alte und Junge, Liberale, Positive und Pietisten, Lutheraner und Reformierte in Scharen dem Ansturm dieser Bewegung erlegen sind, erlegen, wie man eben einer echten, rechten Psychose erliegt. Erlegen die Einen im aufrichtigen Glauben, nun endlich geradezu messianische Botschaft vernommen zu haben,137 die Anderen mit irgend einer sehr tiefen philosophischen Begründung, jr-wie man sie gerade dann am sichersten zu finden pflegt, wenn man sich wieder einmal aufs 27 Gründlichste von der «Wirklichkeit» hat überrennen lassen-jr,138 die Dritten in der simplen Überlegung, was auf po|332litischem Gebietjs recht, werde gewiss auch auf kirchlichem billig sein,139 die Vierten in der ängstlichen Klugheit, die nur ja nicht «ausgeschaltet» sein˹, ihre wertvolle Kraft nicht müßig gehen lassen˺ wollte, da nun einmal Alles in dieser Richtung lief,140 die Fünften mit |333 weisem Vorbehalt nur «das Gute» an der Bewegung bejahend,141 die Sechsten in der etwas hinterhältigen Absicht, beizutreten, um alsbald die «nötige Opposition» zu machen, jt-die «Einseitigkeiten» der Bewegung «von innen heraus zu überwinden»142 -jt – aber alle miteinan|334der erlegen einer Sache, die den Stempel der Verkehrtheit so deutlich auf der Stirn trägt, dass ˹in einer gesunden Kirche schon˺ ein Konfirmand hätte merken müssen, dass er da weder mit dem lutherischen noch mit dem Heidelberger Katechismus in der Hand nur eine Stunde dabei sein und ju-unter irgend einem Vorwand-ju mittun könnte.143 Und wie haben auch die, die nichtjv geradezu mitgingen, vielfachjw gemeint, diese Sache so blutig ernst nehmen, ihr nur ja nicht ungerecht werden zu sollen, die persönliche Lauterkeit und Begeisterung mancher ihrer Führer und Anhänger jx-(die übrigens auch ich gewiss nicht bezweifeln möchte!)-jx doch ja nicht zu wenig zu betonen, ˹sich zu freuen an dem «Leben», das da plötzlich in die Kirche gekommen sei –˺ kurz, so recht zu beweisen, dass sie ˹keine Engherzigen seien, sondern offen für alles Neue und Echte, dass sie nicht nur Neues, sondern Echtes hier in der Tat vorfänden und also˺ den Glauben dieser Glaubensbewegung immerhin für jy-eine höchst diskutable Sache halten müssten-jy. Wo war die schlichte, aber entscheidende Frage nach der christlichen Wahrheit, als dies Alles möglich wurde? Oder darf diese Frage etwa |335 gar nicht mehr gestellt werden in der heutigen evangelischen Kirche? Ist sie etwa völlig untergegangen in einem einzigen Jubel jz-oder Stöhnen-jz von Aufbruch, Wirklichkeit, Leben, Geschichtsmächtigkeitka und wie diese alle christliche Kritik ersticken wollenden Worte sonst noch lauten mögen? Ist man ein verknöcherter Kirchenmann oder Studierstubengelehrter, wenn man sich erlaubt, in dieser Sache auch den lautesten Trommelschlag als solchen noch lange für kein Argument zu halten? Ist das etwa gerade das Schöne an dieser Bewegung, dass ihr gegenüber Tausende nach der christlichen Wahrheit offenbar gar nicht erst 28 gefragt haben?144 Aber wiekb tief und gründlich würden wir, gerade wenn das etwa gelten sollte, noch immer in der «Glaubensbewegung» des 18. und 19. Jahrhunderts stecken, deren höchste Weisheit eben darin bestand: dass in der Kirche nach so etwas wie Wahrheit nicht zu fragen sei und auch nicht gefragt werden könne, weil das nur zu Streit und Unduldsamkeit führe und weil über Wahrheit und Unwahrheit hier doch nichts auszumachen sei, kc-während auf das «Leben» Alles ankomme!145 -kc – Ich darf an dieser Stelle ein offenes |336 Wort zu den Vorgängen in Loccum und Berlin146 nicht unterdrücken. Es hätte in einer gesunden evangelischen Kirche nicht möglich werden dürfen, dass die «Glaubensbewegung Deutsche Christen» in der Person eines der Männer, die für die sämtlichen Irrtümer dieser Partei verantwortlich gezeichnet haben, zum maßgeblichen Mitreden bei der Gestaltung des Bekenntnisses und der Verfassung der Kirche zugelassen wurde.147 Ich weiß und bringe in Anschlag, dass Wehrkreispfarrer Müller als «Vertrauensmann des Reichskanzlers»148 zu diesen Beratungen Zutritt haben musste. Es ist auch grundsätzlich nichts dagegen zu sagen, dass kd-die Staatsregierung-kd das Verlangen hatte, bei dieser Sache ˹offiziell˺ vertreten zu sein,149 obwohl es auch dann eine Selbstverständlichkeit hätte sein müssen, dass ˹neben den in Anwesenheit des Staatsvertreterske abzuhaltenden Sitzungen˺ für ausgiebige Besprechungen der kirchlichen Beauftragten unter sich hätte Sorge getragen werden müssen. Was aber unmöglich war, war das, was geschehen ist: dass das «Dreimännerkollegium», statt dem Abgesandten des Staates ˹mit dem Respekt, der seiner Sendung gebührte, aber auch |337 innerhalb der natürlichen Grenzen seiner Sendung˺ Einblick in seine Arbeit und Gelegenheit zur Anmeldung allfälliger Wünsche kf-und Bedenken der Staatsregierung-kf zu geben, es für selbstverständlich hielt, ihn als Vierten in ihren Bund aufzunehmen und sich zu «vertrauensvoller Zusammenarbeit», wie man so schön sagte,150 mit ihm an einen Tisch zu setzen. kg-(Das hätte auch dann nicht geschehen dürfen, wenn gegen die Theologie des Staatsvertreters nicht die schweren Einwände zu erheben gewesen wären, die in diesem Fall vorlagen.)-kg Wehrkreispfarrer Müller wird von denen, die ihn kennen, als eine sympathische, fromme Persönlichkeit geschildert.151 kh-Ich zweifle nicht daran. Aber-kh das durfte für die Beauftragten 29 ˹der Kirche˺ kein Hindernis bilden, ihm und gegebenenfalls ki-seinem Auftraggeber-ki offen zu erklären, dass kj-er in seiner Eigenschaft als-kj |338 «Schirmherr» der «Deutschen Christen»152 als Theologe in ihrem Kreise auf keinen Fall gehört zu werden und Einfluss zu erlangen erwarten dürfe. Was diese Mitarbeit Müllerskk für Früchte trug, kann man sich an dem in Loccum entstandenen Glaubensbekenntnis153 klar machen. Es ist so, wie es jetzt vorliegt, theologisch untragbarkl und es würdekm, auch wenn gewisse Korrekturen ˹nachträglich˺ noch durchzusetzen sein sollten154 kn-– was angesichts der neuesten Wendung we|339nig wahrscheinlich ist –-kn ein wegen seiner Ungenauigkeiten und Vieldeutigkeiten ko-wenig erfreuliches-ko Dokument auf alle Fälle bleiben. Hat das Dreimännerkollegium mit Rücksicht auf den Reichskanzler so handeln zu müssen geglaubt? Man wird doch wohl fragen dürfen, ob kp-die Meinung des Reichskanzlers bei der Sendung des Wehrkreispfarrers Müller die war, der evangelischen Kirche die Theologie der deutschen Christen aufzudrängen, und ob er-kp nicht dankbar gewesen wäre, bei diesem Anlass eine offene Erklärung darüber, was evangelische Kirche ist und nicht ist, zu bekommen. Oder war etwa die Theologie des Dreimännerkollegiums selber so beschaffenkq, dass man sich, als man Wehrkreispfarrer Müller zur Mitsprache zuließ, über seine theologischekr Eignung überhaupt keine Gedanken machte? Und dass man ihm nach Ausweis des Loccumer Bekenntnisses so weitgehend Gehör ks-geben konnte-ks? Jedenfalls: wo blieb in dieser Sache die kirchliche Verantwortlichkeit? Wo auch hier die Unerbittlichkeit der Frage nach der christlichen Wahrheit, eine Unerbittlichkeit, die sich durch keine «brüderliche Liebe»155 hätte bewegen |340 lassen, dem Irrtum in der Kirche Raum und Geltung zu geben? Darf man sich angesichts der merkwürdigen Weichheit, mit der man den «Deutschen Christen» kt-im damaligen obersten Rat der Kirche-kt selber entgegengekommen ist, wundern über das, was in den Gemeinden im Lande hin und her Ereignis geworden ist?ku

Das andere Bedenkliche, was sich angesichts des Einbruchs der «Deutschen Christen» zugetragen hat, ist der größere und sichtbarere Teil des Widerstands, auf den sie allerdings auch gestoßen sind. Es gibt einen kleineren unsichtbaren Teil dieses Widerstands, dessen sich die Kirche dankbar freuen darf, aber gerade wer sich seiner freut und ihn, so gut er kann, ver30stärken möchte, hat Anlass, sichkv gegenüber Vielem, viel zu Vielem, was gegen die «Deutschen Christen» gesagt und getan wurde, nicht minder scharf abzugrenzenkw wie gegen die «Deutschen Christen» selber. Ich denke an die sogenannte «Jung-Reformatorische Bewegung»156, für deren Wesen und Wollen ihre Aufrufe vom 9. und 18. Mai157 und eine mir am 23. Juni zugegangene, |341 von Lic. Dr. Künneth158 unterzeichnete Denkschrift zur Bischofsfrage159 als maßgebende Dokumente zu betrachten sind. Dieses sind die Gründe, aus denen ich die Opposition der Jung-Reformatorischen nichtkx als eine legitime und verheißungsvolle ansehen kann: Sie stehen zu den «Deutschen Christen» nichtky in einem klaren und radikalen˹, nicht in einem ernst zu nehmenden˺ kirchlich-theologischen Gegensatz. Auch sie anerkennen, dass die «Deutschen Christen» den «stärksten Impuls zu einer gründlichen Neugestaltung der deutschen evangelischen Kirchen» gegeben hätten.160 Auch ihnen scheinen eine große Anzahl der Forderungen der «Deutschen Christen» «durchaus berechtigt».161 kz-Das Hervortreten der Jung-Reformatorischen Bewegung-kz wurde ˹von ihnen selbst und von Anderen˺ «zunächst als eine Unterstützungsaktion für die Arbeit des Dreimännerkollegiums einschließlich des Wehrkreispfarrers Müller verstanden».162 Sie ­wussten sich ja «mit den Deutschen Christen eins in dem radikalen Reformwillen». Sie konnten sich sogar mit den Leitsätzen des ˹gemäßigten˺ ostpreußischen Flügels dieser Bewegung «weitgehend |342 identifizieren» und standen «in direkter Fühlung» mit ihm.163 Als die neuen ˹im Sinn dieses ostpreußischen Flügels der Bewegung abgefassten˺ Richtlinien der «Deutschen Christen» vom 16. Mai164 erschienenla, da warenlb die Jung-Reformatorischen mit so vielen Anderen naiv genug, anzunehmen, dass eine Kampfstellung gegen die ˹in diesem neuen Kurs begriffene˺ Bewegung jetzt nicht mehr in Frage komme, ja, dass man ihrer Leitung jetzt «Vertrauen» entgegenbringen, zur «Zusammenarbeit» mit ihr bereit sein müsse.165 ˹Nachträglich musstenlc sie dann freilich zugeben: «Die neuen Richtlinien der Deutschen Christen stellten eine verhängnisvolle theologische Tarnung dar».166˺ Aber noch mitten in dem dann ausgebrochenen Bischofskrieg ld-erklärten sie-ld, ihr Eintreten für Bodelschwingh bedeute keineswegs eine Antithese zu der Person des Wehrkreispfarrers Müller, dessen Bedeutung für den Neuaufbau 31 sie keineswegs verkennen |343 wollten.167 Es ist nun gewiss anerkennenswertle, dass die Jung-Reformatorischen im Unterschied zu den «Deutschen Christen» die Ausschließung der Nicht-Arier aus der Kirche ablehnen.168 Und es ist vor Allem lobenswert, dass sie «die Neugestaltung der Kirche aus dem Wesen der Kirche heraus»169 auf ihre Fahne geschrieben haben. Aber was hat man wohl unter dem «Wesen der Kirche» zu verstehen in einem Aufruf, unter welchem man u. a. die Namen Heim170, Gogarten171, ˹v. Tiling172,˺ Jacobi173, Lilje, Brunstäd174, Knak175, Lütgert176, Ritter177, Georg Schulz178, Schreiner179, W. Stählin180 nebenein|344ander findet, mit der ausdrücklichen Erklärung: «Die Jung-Reformatorische Bewegung proklamiert innerhalb der eigenen Reihen den theologischen Burgfrieden»181? Wissend um welches «Wesen der Kirche» haben sich die Jung-Reformatorischen auf Fühlung, Zusammenarbeit usw. auch nur mit einem Flügel der «Deutschen Christen» einlassen und haben sie sich durch die neuen (doch wahrhaftig im Entscheidenden um kein Haar besseren!) Richtlinien der «Deutschen Christen» ˹täuschen und˺ in noch tieferen Schlaf versetzen lassen können? Was heißt «aus dem Wesen der Kirche heraus handeln», wenn man in Bezug auf dielf ˹Kombination des Auftrags der Kirche mit dem˺ «freudigen Ja zum neuen deutschen Staat»182 ebenso gedankenlos unkirchlich vorgeht wie das Dreimännerkollegium183 oder wie |345 nur irgend einelg Pfarrerkonferenz mit weniger klingendem Namen? Die Jung-Reformatorischen waren unter den Eifrigsten hinsichtlich der Schaffung des ­Amtes eines Reichsbischofs und sie waren die Ungeduldigsten hinsichtlich der Ernennung eines solchen.184 Sie erblickten darin «einen symbolischen Akt neuer kirchlicher Einheit»185 ˹und sie nannten die Forderung dieses symbolischen Aktes ihr «Sofort-Programm»186˺. Auf Grund welcher Erkenntnis welches Wesens welcher Kirche? «Die Willkür der Verkündigung muß durch feste Lehrautorität aufgehoben werden.»187 Sollte etwa die Autorität derlh Lehre gemeint sein, die den Jung-Reformatorischen eine solche Serie von Unbesonnenheiten erlaubt oder geboten hat? li-Sollte, wer selber so im Glashause sitzt188,-li wirklich berufen sein, «die Versuche einer liberalistischen Theologie, sich von neuem in die Kirche lj-einzudrängen»,189 so heftig zu bekämpfen?-lj Und sollte der berufen sein, die Kirche ge|346gen die «Deutschen Christen» zu verteidigen ˹– mit denen er 32 vielleicht schon morgen, wenn sie von ihrem Radikalismus etwas ablassen sollten, aufs Neue zu brüderlicher Zusammenarbeit zusammenzutreten in der Lage wäre˺? Ist lk-oder war die Jung-Reformatorische Bewegung nicht etwa-lk doch bloß der Erbe der alten Vermittlungstheologie191 in ihrem ˹gelegentlich (aber wirklich nur sehr gelegentlich) geführten˺ Kampf gegen die alten Liberalen? Sieht man sich alles das an, was die Jung-Reformatorischen nach ihren eigenen Erklärungen schließlich als Streiter für Bodelschwingh in den Gegensatz zu den «Deutschen Christen» und in den Bischofskrieg hineingeführt hat – wirklich, was bleibt ll-als Kampfobjekt zuletzt-ll übrig als die Vorstellung von der formalen Selbständigkeit der Kirche gegenüber dem Staat und den politischen Einflüssen, die sie durch die «Deutschen Christen» und durch die Kandidatur Müller lm-mit Recht-lm für bedroht hielten? Ich brauche nicht zu wiederholen, ln-was ich gegen die «Deutschen Christen» gesagt habe-ln. lo-Ich kann aber an dieser Stelle-lo hinzufügen, dass ich damit rechne lp-(und nach den neuesten Ereignissen noch mehr als vorher)-lp: die Einheit mit einer auf irgend einem Weg doch noch Müller und den «Deutschen Christen» ausgelieferten deutschen evangelischen Kirche lq-wird vielleichtlq nicht aufrecht zu ­erhalten sein. lr-Den zu erwartenden evangeliumswidrigen Dogmen, Verkündigungen und Maßnahmen des deutsch-christlichen Reichsbischofs und seiner Domherren192 wird Renitenz geleistet werden |347 müssen. Es werden ihnen gegenüber im Notfall auch die letzten Konsequenzen gezogen werden müssen.-lr Und das Alles auch dann, wenn 99% der bisher «evangelischen» Deutschen ls-den «Deutschen Christen»-ls zufallen sollten. Aber wohlverstanden: um deswillen, was die Jung-Reformatorischen von den «Deutschen Christen» scheidet, würde sich diese Renitenz nichtlt lohnen. Die Jung-Reformatorischen sind ja mit den «Deutschen Christen» doch nur über die ˹formale˺ Selbständigkeit oder Unselbständigkeit, aber gerade nichtlu über das Wesenlv der Kirche uneinig. lw-Es war nicht wahr, wenn man im Bischofskrieg gesagt hat-lw, um des Wesens der Kirche willen müsse Bodelschwingh und nicht Müller Reichsbischof werden.193 Es lx-war jedenfalls-lx im Munde der Jung-Reformatorischen nicht wahr: denn wenn es um das Wesen der Kirche ly-gegangen wäre, dann hätten-ly sie nach Ausweis der unter ihrem Aufruf versammelten Namen und nach 33 Ausweis ihrer von ihnen selbst dokumentierten Haltung ebensogutlz für Müller wie für Bodelschwingh ma-eintreten können. Das Ver|348langen nach einer selbständigen Kirche musste, um spezifisches Gewicht zu haben, einen positiven, bekenntnismäßigen, theologischen Inhalt haben, der ihm jedenfalls im Munde der Jung-Reformatorischen fehlte. Das Verlangen der «Deutschen Christen» nach einer unselbständigen Kirche hatte und hat einen solchen Inhalt, das ist nicht zu verkennen, was man auch von ihm denken mag. Wogegen der zugestandenermaßen nur als «symbolischer Akt»194 gemeinte, der die kirchliche Selbständigkeit bloß bedeuten wollende Streit für Bodelschwingh schon äußerlich schwerlich zum Ziele führen und wegen seiner tiefen Unsachlichkeit jedenfalls unmöglich eine Verheißung haben konnte. In diesem Zeichen konnte nur leere-ma, d. h. kirchlich-theologisch substanzlose Kirchenpolitik gemacht werden, eine Kirchenpolitik, die sich darin erschöpfen musstemb, Taktik gegen Taktik, Überrumpelung gegen Überrumpelung, Kundgebung gegen Kundgebung zu setzen, wie es offenbar vor und in und nach der wenigmc erbaulichen Berliner Himmelfahrtswoche195 reichlich geschehen ist, |349 eine Kirchenpolitik, die dann schon wegen dieser ihrer Gestalt mindestens die Frage nahelegen konntemd, ob sie nicht me-ebenso wie die der Gegner-me mit ganz gewöhnlicher Politik ein gutes Stück weit verhängt sein möchte. mf-Von der fatalen Theologie des 19. Jahrhunderts kamen jedenfalls diese beiden Gegner von gestern-mf gleich sehr her. Zu Baumeistern einer ernsthaften Erneuerung der Kirchemg dürften beide gleich wenig berufen gewesenmh sein. Aber während der theologische Modernismus bei den «Deutschen Christen» zum Greifen deutlich und z. B. in ihrem Satz zur Arierfrage196 ohne weiteres angreifbar ist, warmi er bei den Jung-Reformatorischen mit ihrem dreifachen «Hier ist der Tempel des Herrn!» (Jer. 7,4) hinter ihrem dröhnenden Antiliberalismus so verborgen, dass man sie allzu leicht für die Gerechten unter den Ungerechten mj-halten konnte-mj, die sie nun wirklich nicht warenmk. Während sich die «Deutschen Christen» ml-mit einer allerdings erschreckenden Offenheit-ml als die Vertreter des zur «Eroberung» der Kirche aufgerufenen «Volkes»197 bzw. als die Voll|350strecker der Logik desmm herrschenden Staatsgedankens198 mn-gaben, schienen-mn die Jung-Reformatorischen als die mutigen Verteidiger der kirchlichen Frei34heit den Beifall aller, die auch nur einigermaßen «wissen, was Kirche ist»,199 zum vornherein zu verdienen. Während uns für den mo-nun vielleicht schon eingetretenen-mo Fall eines Sieges der «Deutschen Christen» eine Art kirchlich-theologischer Schreckenszeit (in der im Gottesdienst getrommelt werdenmp und in der E. Hirsch bestimmen wird, was Theologie ist200) bevorzustehen scheint, wäremq es bei einem Sieg der Jung-Reformatorischen gewiss nur zu |351 einer neuen ˹dauerhaften˺ Form jener Vermittlung (Schöpfung und Erlösung, Natur und Gnade, Volkstum und Evangelium201) gekommenmr, die dem natürlichen Menschen von jeher als die eigentlich christliche Lösung willkommen ms-war. Ich glaube: mit den offenen wilden Ketzern wird die Kirche in nicht zu später Zeit fertig werden. Wer aber hätte sie bewahrt vor der Liebenswürdigkeit der kirchlich und sogar «biblisch-reformatorisch» Korrekten202, die es im Grunde doch nicht anders meinten als jene203?-ms

352 Ich bin mir klar darüber, dass ich mit dem eben Gesagten Manchem und vielleicht Vielen mt-ein hartes Wort zu sagen scheine, die sich bis gestern in guten Treuen und voll redlichen Willens um der wahrhaftig wichtigen Sache der Selbständigkeit der Kirche willen gerade unter die Fahne der Jung-Reformatorischen stellen zu müssen meinten und die vielleicht auch in der nun veränderten Situation wiederum in aller Aufrichtigkeit das Heil in ähnlichen Bestrebungen suchen möchten. Sie argumentieren etwa so: «Wir stehen in der akuten Gefahr eines Staatskirchentums wie das der Karolingerzeit oder des 18. Jahrhunderts-mt Mit der Freiheit der Verkündigung und der Theologie wird es dann ˹rein äußerlich und technisch˺ vorbei sein, ˹weil dann ein anderes als das ‹Evangelium im Dritten Reich›204 einfach mechanisch unterdrückt werden wird.˺ Diemu Gemeinden werden dannmv verhungern oder vergiftet werden. Also sind wir es der Kirche schuldig, diese Gefahr abzuwehren. Und nun helfe, was, und helfe, wer helfen mag! Ein Studierstubenmensch, wer jetzt Umstände macht! mw-Irgend etwas musste und muss getan werden, irgend eine Frontbildung wie die der Jung-Reformatorischen war gestern notwendig und wird heute erst recht notwendig sein!»-mw Ich verstehe diesen Gedankengang, aber ich halte ihn für unrichtig. Er ist nicht ernsthaft genug, und mx-in der Kirche sollten jetzt, und zwar heute noch mehr als gestern,-mx 35 nur ganz ernsthafte Gedankengänge maßgebend sein dürfen. Diemy Freiheit der |353 Verkündigung und Theologie, die es jetztmz zu wahren gilt, kann nicht in erster Linie in der Sicherung vor der zu erwartenden ˹äußeren technischen˺ Vergewaltigung durch die «Deutschen Christen» bestehen. Die Freiheit, die es zu wahren gilt, ist die Freiheit, d. h. aber die Herrschaft des Wortes Gottes in Verkündigung und Theologie. Wir können uns nicht klar genug machen, dass diese Freiheit oder Herrschaft ˹nach der Kirchengeschichte der letzten zwei Jahrhunderte205, aus der wir alle miteinander herkommen,˺ keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir gerade nach dieser Seite keineswegs gesichert sind, auch wenn wir gegen den Einbruch na-und gegen die äußere Bedrohung der «Deutschen Christen»-na längst wieder völlig gesichert wären. Dieser Einbruch selbst könnte nur ein letztes, deutlichstes Zeichen dafür sein, wie gefährdet die Freiheit, d. h. die Herrschaft des Wortes Gottes in der ganzen deutschen evangelischen Kirche schon nb-lange und ganz allgemein-nb ist. Mit der Drohung der technischen Vergewaltigung der Kirche könnte ihr zugerufen sein, dass Gott ˹frei ist,˺ den Leuchter des Evangeliums, wenn wir es nicht anders haben wollen, wegzunehmen aus der Kirche Deutschlands wie einst aus der Kirche Nordafrikas,206 nc-die die Kirche Augustins gewesen ist so gut wie die deutsche Kirche die Kirche Luthers ist-nc. Es wäre dann töricht und vergeblich, gegen das uns gegebene Zeichen nd-mit den Mitteln der Kirchenpolitik zu kämpfen-nd in einem ˹vielleicht letzten˺ Augenblick, ne-in welchem-ne Alles darauf ankäme, ˹angesichts dieses nf-allerdings |354 furchtbaren-nf Zeichens˺ zu Gott zu schreien, dass er seiner Herrschaft inmitten der großen Untreue der modernen deutschen Christlichkeit und Kirchlichkeit noch nicht ganz müde sein, dass er uns durch sein Wort ng-seinem Wort-ng treuer machen wolle, als wir nh-selbst und unsere Väter es-nh gewesen sind. Es könnte dann sein, dass wir die drohende technische Vergewaltigungni durch die «Deutschen Christen» und auch die ˹von daher drohende˺ Gefahr des geistlichen Verhungerns und Vergiftetwerdens weniger fürchten müsstennj als die Gefahr, dass uns das Wort Gottes, wenn wir nk-– auch und gerade wir, die wir nicht «Deutsche Christen» sind –-nk nicht umkehren, überhaupt genommen werden könnte. Es könnte dann sein, dass ein ganz anderer Kampf uns in Anspruch nähme, ein Kampf, der mit 36 Wahlen und Kundgebungen nk1-und Protesten-nk1, mit Bewegungen und Fronten gar nichts zu tun hätte, ein Kampf nicht um die Kirche, sondern in der Kirche, nicht zum Schutz, sondern in Betätigung von Verkündigung und Theologie, nicht gegen die «Deutschen Christen», sondern implizit auch und gerade für sie, ein Kampf, in dem wir nicht siegen wollen könnten, sondern nichts Anderes erwarteten als zu erliegen, aber nun doch wie Jakob zu unterliegen [vgl. Gen. 32,23–33] nl-und gerade so evangelische Kirche zu sein-nl. Helfe, was, und helfe, wer helfen mag? Burgfrieden mit Jedermann207, wenn er nur mit uns gegen nm-das drohende Staatskirchentum-nm ist? – nein, das ginge dann nicht mehr. Die ganze Kirchenpolitik und ihre Möglichkeiten und Aussichten wären dann auf einmal ˹zunächst˺ weit weg. Schon die gewisse Ängstlichkeit vor den «Deutschen Christen» und ihren möglichen nn-und schon erlangten-nn Erfolgen wäre dann zunächst und grundsätzlich einmal weit weg. |355 Teils weil wir gar nicht mit ihnen beschäftigt wären, teils weil wir mit dem beschäftigt wären, was no-ihre Lüge und die Macht ihrer Lüge-no jeden Augenblick np-in alle Winde verwehen-np kann wie Spreu [vgl. Ps. 1,4]. Mit Ruhe und Fröhlichkeit würden wir nq-dann an ihre Macht-nq denken als an die «Pforten der Hölle», die die Kirche gewiss nicht überwinden werden [Mt. 16,18]. Keine Rede könnte dann davon sein, dass an nr-einem kirchenpolitischen Sieg Alles gelegen oder mit einer kirchenpolitischen Niederlage Alles verloren wäre-nr. Und nur mit Solchen würden wir dann gemeinsame Sache machen, mit denen wir uns schon gefunden hätten in der Mühe um das Wort Gottes; und nicht dazu würden wir gemeinsame Sache mit ihnen machen, um ns-nun doch wieder-ns eine neue Bewegung oder Einheitsfront auf die Beine zu bringen, sondern dazu, um uns mit ihnen weiter und weiter um Gottes Wort zu mühen. Es würde so vielleicht auch ein Widerstandszentrum nt-gegen die der Kirche heute von außen drohenden Gefahren-nt gebildet, ein Widerstandszentrum, das eines Tages ˹ungesucht˺ durchaus auch kirchenpolitischenu Bedeutsamkeit haben könnte. nv-Was wir heute in erster Linie brauchen, ist doch ein geistliches Widerstandszentrum, das einem kirchenpolitischen erst Sinn und Substanz geben würde.208 Wer das versteht, der wird heute nicht irgend einen Kampf, |356 sondern ein sehr schlichtes: Bete und arbeite!209 auf sein Programm setzen.-nv– Man sage nicht 37 zu schnell: das hilft nun einmal nichts inmitten der Sorgen und Aufregungen des Sommers 1933. Theologen, die so und so oft von der Hilfe Gottes als der alleinigen Hilfe schön gepredigt haben, sollten sich ein wenig schämen, das so schnell zu sagen; sie sollten sich beim Wort nehmen lassen: die Hilfe Gottes ist wirklich die einzige, auch die einzige realkirchenpolitische Hilfe, nw-die wir im Augenblick suchen können und offenbar jetzt mit ganz neuem Ernst suchen lernen sollen.-nw – Man sage auch nicht zu schnell: dass in der konkreten Lage der Gemeinden etwas, und zwar etwas ganznx- Anderes als das hier Bezeichnete getan werden müsse, um dem Übel zu steuern. Gewiss muss etwas und zwar sehr viel getan werden, aber gewiss nichts Anderes als dies: dass auchnx die Gemeinden nun erst recht ˹und ganz neu in Furcht und großer Freude [vgl. Mt. 28,8]˺ gesammelt werden durch das Wort zum Wort. Alles Geschrei ny-um und über-ny die Kirche wird die Kirche nicht retten. Wo die Kirche Kirche ist, da ist sie schonnz gerettet. ˹Keine noch so schwere Vergewaltigung wird sie anrühren. Dennoch, heißt es, dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein! (Ps. 46,5).˺ – Man sage auch nicht zu schnell, dass bei diesem Ratschlag das heute in Frage gestellte Ganze der Kirche vergessen sei. Als ob über das Ganze der Kirche in Berlin entschieden würde! ˹Als ob man im stillen Kämmerlein [vgl. Mt. 6,6] und in der Gemeindearbeit geistlich vorgehen könnte, um dann, wenn es ums Ganze geht, erst recht das Geistliche |357 weltlich zu vertreten!211˺ Das Ganze der Kirche ist immer da, wo zwei oder drei versammelt sind in seinem Namen [vgl. Mt. 18,20].oa ˹Wiederhole und bekräftige man, wo es nötig ist, das heißt wo der Feind konkret in Sicht kommt, durch Wort und Tat das kirchliche Bekenntnis! Wiederhole und bekräftige man es auch ob-in der Gemeinsamkeit der Gemeinden untereinander, wo diese Gemeinsamkeit wirklich die Gemeinsamkeit des Glaubens und nicht die Gemeinsamkeit eines kirchenpolitischen Betriebs ist-ob! Wo das Bekenntnis ist, daoc ist die eine heilige Kirche im Kampf mit dem Irrtum, od-in welchem sie nicht unterliegen wird-od. Wo dagegen «Bewegungen» oe-sind, auch in bester Meinung und Absicht, da ist selber schon Irrtum und Sekte mindestens in größter Nähe-oe. of-Der heilige Geist braucht keine «Bewegungen»-of. og-Und die allermeisten «Bewegungen» hat wahrscheinlich-og der Teufel erfunden.212˺ – Man sage mir das also nicht, 38 dass ich |358 braven Leuten, die sich jetzt für die Kirche auf den Wegen der Jung-Reformatorischen Bewegung außer Atem setzen, in den Rücken oh-falle, indem ich diese Art Widerstand als eine Versuchung bezeichne-oh, die mindestens so schlimm ist wie die deutsch-christliche. Ich weiß, was ich tue. Ich möchte, weiß Gott, keinen Einzigen beruhigen, der jetzt beunruhigt ist. Ich möchte aber Viele von den jetzt so Unruhigen fragen dürfen, ob sie denn auch ernstlichoi beunruhigt sind, sooj beunruhigt, dass sie sich nicht mehr durch eineok unruhige Kirchenpolitik beruhigen können, sool beunruhigt, dass ihnen nichts mehr übrig bleibt als ebenom endlich die Kirche zu sein, die sie beständig on-gewiss sehr aufrichtig, aber vielleicht doch immer noch viel zu unwesentlich-on im Munde führen: die Kirche, das heißt die Gemeinde [der] Aufgerufenen, Hörenden, Gehorsamen, der Wachenden und Betenden [vgl. Mk. 14,38 par.], der Wartenden und Eilenden [vgl. 2.Petr. 3,12] – sooo beunruhigt, dass ihnen das Ausbrechen aus diesem Kirche-sein verwehrt und versperrt ist. Dass sie ihn schlechterdings nur noch an diesemop- ihrem gewiesenen heiligen-op Ort kämpfen kön|359nen, den Kampf, dessen Ernst sie jetzt vielleicht einfach ausweichen mit ihrem Feldgeschrei in Kämpfen, in die sie niemand als ihr eigenes unruhiges und verzagtes Herz gesendet hat!

Theologische Existenz in der durch die «Deutschen Christen» geschaffenen Situation oq-– nochmals: heute noch mehr als gestern –-oq würde schlicht bedeuten, «dass wir nicht mehr Kinder seien und uns schaukeln und umtreiben lassen or-von jedem Winde der Lehre-or…!» (Eph. 4,14). os-Gott erbarme sich unser-os, was für eine Haltlosigkeit ist jetzt allenthalben an den Tag gekommen˹, was für eine Herrschaft des «Fürsten, der in der Luft herrscht» (Eph. 2,2)˺! Es hätte nicht so sein müssen und es ist, ot-Gott Lob und Dank,-ot nicht notwendig, dass es morgen wieder so sein wird.

Ich komme zurück auf meinen Anfang. Alles «zur Lage» Gesagte hat für das, was ich sagen wollte, keine selbständige Bedeutung. Ich habe nicht darum das Wort ergriffen, weil ich ˹ein Wort von mir über die Bischofsfrage, über die «Deutschen Christen» usf.˺ für unentbehrlich gehalten hätte. Ich wollte und musste aber in konkreter Beziehung zu einigen von diesen uns alle jetzt bewegenden Fragen das Einfache zu den evangelischen Theologen sagen: Wir müssen heute unsere theologische Exi39stenz wahren, heute besser als gestern; wir müssen schlicht, gradaus, unbekümmert und unaufhaltsam den uns gebotenen Weg laufen und – «wenn dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht!» (Spr. 1,10). Wenn mir nun Einer erwidern wollte: angesichts der großen Bewegung, die jetzt durch unserou Volk geht, angesichts der großen Aufgabe, vor die es sich gestellt sieht, angesichts der großen Hoffnung, in der es ov-jetzt leben soll-ov, sei dasow ein allzu geringfügiges, allzu partikuläres, wohl gar ein selbstsüchtiges Anliegen, dass wir jetzt um jeden Preis unsere theologische Existenz wahren |360 müsstenox – dann würde ich ihm jetzt zum Schluss noch einmal sagen: Freund, lass uns geistlich und lass uns gerade so real denken! Gewiss, theologische Existenz ist kein Selbstzweck, so gewiss Gott selbst sich nicht damit begnügt hat, Selbstzweck zu sein, welcher vielmehr «auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?» (Röm. 8,32). Ist Gott in Jesus Christus ganz und gar für uns Menschen, so muss auch die Kirche ˹als der Ort, da seine Ehre wohnt [vgl. Ps. 26,8],˺ oy-ganz und gar-oy für die Menschen sein und also die deutsche evangelische Kirche für das deutsche evangelische Volk und oz-also auch wir deutsche-oz Theologen wirklich und ehrlich pa-ganz und gar für dieses Volk-pa. pb-Wir müssen es aber sein-pb als die, die wir sind, und mit dem, was uns aufgetragen ist. Uns ist aber aufgetragen, in diesem Volk dem Worte Gottes zu dienen. Wir versündigen uns nicht nur an Gott, sondern auch an diesem Volk, wenn wir anderen Idealen und Aufgaben nachgehen, die nun eben uns nicht aufgetragen sind. Es liegt aber auch in der Natur dieses Auftrags, dass er keinem anderen ˹Anliegen, das uns auch bewegen mag,˺ untergeordnet oder nebengeordnet werden kann. Wieder versündigen wir uns nicht nur an Gott, sondern auch an unserem Volk, wenn wir an dieser Rangordnung auch nur im Geringsten rütteln lassen. Und dieser Auftrag will durchgeführt sein, gleichviel ob das Volk selbst es wünscht oder nicht wünscht, versteht oder nicht versteht, gutheißt oder nicht gutheißt. Wir dürfen dabei pc-weder Dank noch Ehre-pc erwarten. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir von alledem das Gegenteil ernten. pd-Wir müssen es unter Umständen auf uns nehmen, sehr einsam zu werden gerade um der Gemeinsamkeit mit dem Volke willen.-pd Wir würden uns auch darin nicht nur an Gott, sondern auch am Volk versündigen, wenn wir mit dem Volk gehen wol40len, statt für das Volk zu stehen. Das Volk, auch und gerade das deutsche Volk von 1933, braucht es, kann das |361 nicht entbehren, dass der uns gewordene Auftrag ausgeführt werde. Ihm ist heute Außerordentliches pe-in Aussicht gestellt-pe: dass es sich selbst findenpf, einig und frei werden solle auf einem Weg, den seine Führer zu kennen ihm erklärt haben und den mit pg-ihnen zu gehen es sich entschlossen hat-pg. Aber das deutsche Volk wird ˹der Mahnung und des Trostes˺ des Wortes Gottes bedürfen, auch wenn jenes Ziel erreicht sein wird, um wieviel mehr heute, da es am Anfang des Weges dazu steht. Und das umso mehr, als ihm um jener Verheißungen willen heute viel genommen ph-werden musste-ph, dessen es sich früher freuen durfte ˹und auch wohl allzu töricht und unverantwortlich gefreut hat˺. pi-Wo ist alles das hingekommen, was noch vor einem Jahr und vorher hundert Jahre lang Freiheit, Recht und Geist hieß?213 ­Nun, das-pi sind zeitliche und irdische Güter. pj-Alles Fleisch ist wie Gras…-pj [Jes. 40,6] Kein Zweifel: schon manches Volk ˹in alter und |362 neuer Zeit˺ hat diese Güter entbehren müssen und dann auch entbehren können,214 wenn das kühne Unternehmen des «totalen Staates»215 es von ihm verlangte. «Aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich» [Jes. 40,8]. Und darum ist es jeden Tag – denn jeder Tag eilt zur Ewigkeit – pk-wahr und-pk unentbehrlich. Darum kann die Kirche, kann die Theologie pl-auch im totalen Staat-pl keinen Winterschlaf antreten˹, kein Moratorium und auch keine Gleichschaltung sich gefallen lassen˺. Sie ist die naturgemäße Grenze jedes, auch des totalen Staates. Denn das Volk lebt auch im totalen Staat vom Worte Gottes, dessen Inhalt ist: «Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben»216. Diesem Wort haben Kirche und Theologie zu dienen für das Volk. Darum sind sie die Grenze des Staates. ˹pm-Sie sind es zum-pm Heil des Volkes, zu dem Heil, das weder der Staat noch auchpn die Kirche schaffen können, das zu verkündigen aber die Kirche berufen ist. Sie muss ihrer eigentümlichen Sachlichkeit treu bleiben dürfenpo |363 und treu bleiben wollenpp.˺ pq-In der ihm aufgetragenen besonderen Sorge muss-pq der Theologe wach bleiben, ein einsamer Vogel auf dem Dach [vgl. Ps. 102,8], auf der Erde also, aber unter dem offenen, weitpr und unbedingt offenen Himmel.217 Wenn doch der deutsche evangelische Theologe wach bleiben oder, wenn er geschlafen haben sollte, heute, heute wieder wach werden wollte!

Textkritische Fußnoten

a
Die Überschrift ist im Mskr. korrigiert aus: «Von der Kirchenpolitik zur Kirche!».↩
b-b
Mskr.: «Dingen».↩
c-c
Mskr.: «den Dingen».↩
d
Fehlt im Mskr.↩
e-e
Mskr.: «sogar eine politische und jedenfalls eine kirchenpolitische».↩
f-f
Im Mskr. korrigiert aus: «nach meinem Eindruck wird».↩
g-g
Mskr.: «Bonner».↩
h
Im Mskr. korrigiert aus: «Hören».↩
i
Mskr.: «Wunsch».↩
j
Fehlt im Mskr.↩
k-k
Fehlt im Mskr.↩
l
Fehlt im Mskr.; dort mit Bleistift ergänzt: «sachlich»↩
m-m
Im Mskr. am Ende des Satzes.↩
n
Im Mskr. hervorgehoben.↩
o-o
Fehlt im Mskr.↩
p-p
Mskr.: «erhält, führt, leitet, ...»; «leitet» dann gestrichen.↩
q-q
Fehlt im Mskr.↩
r-r
Fehlt im Mskr.↩
s-s
Fehlt im Mskr.↩
t
Mskr.: «Furcht und Zittern».↩
u-u
Mskr.: «in der Kirche und in der Welt dem Worte Gottes».↩
v-v
Mskr.: «diesen Dienst wehren».↩
w-w
Fehlt im Mskr.↩
x-x
Fehlt im Mskr.↩
y-y
Mskr.: «das Sein des Wortes Gottes in uns».↩
z-z
Fehlt im Mskr.↩
aa
Mskr.: «heute». ↩
ab-ab
Mskr.: «ihr».↩
ac-ac
Mskr.: «bitten, wie wir heute mehr als je darum bitten müssten, dass».↩
ad-ad
Fehlt im Mskr.↩
ae-ae
Mskr.: «Wortes Gottes».↩
af-af
Mskr.: «sofort das Wort Gottes».↩
ag-ag
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ah-ah
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ai
Fehlt im Mskr.↩
aj
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ak-ak
Im Mskr. hervorgehoben.↩
al-al
Im Mskr. hervorgehoben.↩
am-am
Mskr.: «als solcher».↩
an
Mskr.: «wenigstens teilweise auszuspielen».↩
ao
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ap
Fehlt im Mskr.↩
aq
Mskr.: «anderes als».↩
ar
Mskr.: «seiner», korrigiert aus «der».↩
as
Unter der Zeile, die mit «Mann für Mann» schließt, ist das Manuskriptblatt (3) abgeschnitten. Etwa eine halbe Manuskriptseite ist ersatzlos eliminiert. Den glatten Übergang zur folgenden Seite über den Schnitt hinweg kann man, falls er nicht auf einem Zufall beruht, mit der Vermutung erklären, dass Barth die letzten Worte auf der abgeschnittenen Blatthälfte – die ersten des auf der nächsten Seite weitergehenden Satzes – nachträglich in die leere halbe Zeile oberhalb des Schnittes geschrieben hat (so Stoevesandt, Kirchenpolitik [Anm. 11], S. 126 📖). Denkbar wäre jedoch auch, dass die Eliminierung der unteren Blatthälfte nicht – wie die beiden anderen Schnitte (s. unten, Anm. gh und kc) – bei der nachträglichen Überarbeitung, sondern schon im Zuge der ersten Niederschrift erfolgt ist. Das Mskr. enthält auch sonst kürzere Streichungen, über die hinweg der Text lückenlos an das Vorangegangene anschließt. Barth könnte also auch hier ein Textstück vom Umfang einer halben Seite sofort verworfen und dies mit einem Schnitt statt mit einem Strich vollzogen haben. Welche dieser Möglichkeiten die zutreffende ist, lässt sich nicht entscheiden. Doch würde die zweite den glatten Seitenübergang womöglich noch ungezwungener erklären als die erste.↩
at-at
Fehlt im Mskr.↩
av-av
Fehlt im Mskr.↩
au-au
Im Mskr. ursprünglich: «Ich darf das, was ich konkret meine, an drei Beispielen klar machen.» (korrigiert in: «... klar zu machen versuchen»). Der Absatz in seiner jetzigen Form ist auf einem mit Bleistift beschriebenen Blatt in das Mskr. eingefügt worden. Vgl. Stoevesandt, Kirchenpolitik (Anm. 11), S. 128f. 📖 Die folgenden großen Sinnabschnitte sind im Mskr. nummeriert.↩
aw
Mskr.: «dann auch seither». ↩
ax
Mskr.: «Gemeinden».↩
az-az
Mskr.: «heute».↩
ay-ay
Mskr.: «Es wird ihrem Fortgang und ihrem endlichen Erfolg gewiss nicht schaden, wenn man nachträglich die Frage aufwirft». Der Text in seiner jetzigen Form ist ein Bleistiftnachtrag vom 24. Juni.↩
ba-ba
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
bb-bb
Mskr.: «eine».↩
bc-bc
Fehlt im Mskr.↩
bd-bd
Im Mskr. ursprünglich: «der», dann verbessert in: «einer solchen».↩
be-be
Fehlt im Mskr.↩
bf-bf
Mskr.: «nun gerade nach einer solchen Reform, wie die, in der wir heute faktisch stehen, riefen».↩
bg-bg
Mskr.: «das Unternehmen einer solchen Reform verantwortlich und hoffnungsvoll erscheinen liessen».↩
bh-bh
Mskr.: «solchem Tun».↩
bi-bi
Mskr.: «im März und April».↩
bj
Mskr.: «sind, das wird niemand bestreiten wollen»; dort korrigiert in: «sind, das wird man, ohne Widerspruch zu finden und auch ohne jemand zu kränken, sagen dürfen, ...».↩
bk-bk
Mskr.: «bis jetzt».↩
bl-bl
Mskr.: «nicht schon in ihrer bisherigen Entwicklung».↩
bm-bm
Fehlt im Mskr.↩
bn-bn
Mskr.: «erwidere».↩
bo-bo
Mskr.: «Zeiten. Aber die». Der Text in der jetzigen Gestalt ist ein Bleistiftzusatz, in dem statt «offenkundige» allerdings «mögl.» steht.↩
bp
Im Mskr. folgt, nachträglich hinzugefügt: «..., die Kirche, die nur von der Vergebung lebt, ...».↩
bq
Mskr.: «Festliches und damit Überzeugendes».↩
br
Mskr.: «müssten». ↩
bs-bs
Mskr., ursprünglich: «Dieses Überzeugende hat doch wohl aus den bisherigen kirchlichen Reformverhandlungen nicht eben stark zu uns gesprochen.» Darauf folgte, am Rand hinzugefügt: «Sie haben zuletzt (nach autoritativer Feststellung) ‹eine schwierige und durchaus unliebsame Entwicklung genommen›.»64 – Der erste und dritte Satz des Textes in seiner jetzigen Form ist ein am Rand überwiegend mit Bleistift notierter Zusatz; der mittlere Satz ist mit Bleistift in das Manuskript hineinkorrigiert.↩
bt-bt
Mskr.: «könnte bedeuten, dass es damals im März und April». Der Text in seiner jetzigen Form ist mit Bleistift in das Manuskript hineinkorrigiert.↩
bu-bu
Mskr.: «Wenn man sich nun fragt».↩
bv-bv
Mskr.: «sei».↩
bw-bw
Mskr.: «stoße ich in Allem auf die».↩
bx-bx
Fehlt im ursprünglichen Mskr.; «und verhängnisvolle» dort mit Bleistift eingefügt.↩
by
«politischen» und «Kirche» im Mskr. hervorgehoben.↩
bz-bz
Fehlt im Mskr.↩
ca-ca
Ursprüngliches Mskr., dort gestrichen: «Oder war er das Ergebnis eines unfreiwillig oder freiwillig empfundenen Drucks von der politischen Revolution her, ein innerlich durchaus nicht notwendiger».↩
cb
Fehlt im Mskr.↩
cc
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cd
«politischen» und «unkirchlicher» im Mskr. hervorgehoben.↩
cd1
«politischen» und «unkirchlicher» im Mskr. hervorgehoben.↩
ce-ce
Mskr.: «seiner bisherigen Ausführung».↩
cf-cf
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cg
Mskr.: «in».↩
ch
Mskr.: «befremdlichen».↩
ci-ci
Mskr.: «diesen Grundgedanken».↩
cj
Fehlt im Mskr.↩
ck
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cl
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cm-cm
Fehlt im Mskr.↩
cn-cn
Mskr.: «zu retten, was zu retten war, und ohne sich innerlich damit etwas zu vergeben».↩
co
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cp-cp
Mskr.: «dem System des Staates, wenigstens im Licht der bis jetzt öffentlich bekannten Tatsachen, bis jetzt auch sonst in dieser Sache nichts vorzuwerfen». Der Satz ist ab «wird man...» überwiegend ein Bleistiftzusatz.↩
cq-cq
Bleistiftzusatz↩
cr-cr
Mskr.: «Am Staat liegt es nicht, wenn etwa die Kirche in dieser Sache wieder einmal sich selbst».↩
cs
Mskr.: «Sinn und Geist».↩
ct-ct
Fehlt im Mskr.↩
cu
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cv-cv
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cw
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cx-cx
Fehlt im Mskr.↩
cy-cy
Mskr.: «redete».↩
cz
Mskr.: «politischen bzw. geschichtsphilosophischen».↩
da
Im Mskr. hervorgehoben.↩
db-db
Mskr.: «Kirche».↩
dc-dc
Mskr.: «denen».↩
dd
Mskr.: «dieses».↩
de-de
Mskr.: «möglich ist».↩
df-df
Im Mskr. eingefügt anstelle von: «neuen».↩
dg
Im Mskr. hervorgehoben.↩
dh-dh
Mskr.: «– ‹und hört nicht die Stimme eines Fremden›».↩
di-di
Mskr.: «nämlich die Stimme eines rein politischen Urteils bzw. die Stimme der Weltgeschichte gehört hat».↩
dj-dj
Mskr.: «bei der Stange».↩
dk
Im Mskr. hervorgehoben.↩
dl
Im Mskr. hervorgehoben.↩
dm-dm
Mskr.: «sich nicht recht getraut».↩
dn
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
do-do
Mskr.: «ihm da jene ˹aus dem heiligen Geist stammende˺ Festlichkeit».↩
dp
Mskr.: «wir jetzt».↩
dq-dq
Fehlt im Mskr.↩
dr
Fehlt im Mskr.↩
ds
Fehlt im Mskr.↩
dt
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
du-du
Fehlt im Mskr.↩
dv-dv
Mskr.: «Anlass sein, nun vielleicht legitim».↩
dw
Fehlt im Mskr.↩
dx
Mskr.: «zu gehen».↩
dy
Im Mskr. fehlt «mit seinen neuen Bedingungen» und es folgt noch: «Doch würde heute besser getan werden, was gestern nicht gut getan war.»↩
dz-dz
Fehlt im Mskr.↩
ea
Fehlt im Mskr.↩
eb-eb
Mskr.: «Befehl nicht etwa jetzt».↩
ec
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ed-ed
Fehlt im Mskr.↩
ee-ee
Mskr.: «nicht».↩
ef-ef
Mskr.: «in der deutschen evangelischen Kirche in diesen Monaten».↩
eg
Im Mskr. hervorgehoben.↩
eh-eh
Mskr.: «dieser wie in jeder Zeit, in der die Kirche».↩
ei
Fehlt im Mskr. («deutsches» und «alsbald»).↩
ei1
Fehlt im Mskr. («deutsches» und «alsbald»). ↩
ej-ej
Im Mskr. korrigiert aus: «es möglich machten».↩
ek
Mskr.: «Bischofs».↩
el-el
Fehlt im Mskr.↩
em-em
Mskr.: «einen ‹geistlichen›, einen ‹autoritären› ‹Führer›».↩
en-en
Mskr.: «diesem Theologumenon».↩
eo-eo
Mskr.: «mit dem sogenannten ‹Bischofsgedanken› ist auch in den vergangenen Jahren in Deutschland schon».↩
ep
Im Mskr. hervorgehoben.↩
eq
Im Mskr. folgt: «(potestas)».↩
er-er
Bei Barth lautet der Satzschluss irrtümlich: «‹gewöhnlichen› evangelischen Predigers zu verstehen sei?» Von den Hrsg. im Anschluss an die Edition H. Stoevesandts geändert.↩
es
Im Mskr. folgt: «als solcher».↩
et-et
Mskr.: «ist es so wichtig, ob jetzt Müller oder Bodelschwingh Reichsbischof wird, ˹wie man jetzt von beiden Seiten behauptet˺».↩
eu
Mskr.: «wollen».↩
ev
Mskr.: «muss».↩
ew-ew
Mskr.: «˹gerade durch seine Übergemeindlichkeit˺».↩
ex-ex
Mskr.: «nicht dieser».↩
ey
Mskr.: «dem».↩
ez
Mskr.: «nicht».↩
fa-fa
Mskr.: «nicht. Es kann ja doch kein Zweifel sein:».↩
fb
Fehlt im Mskr.↩
fc-fc
Mskr.: «wirklichen Bischof gemeint».↩
fd
Mskr.: «ergreifen».↩
fe
Im Mskr. folgt: «eindeutig».↩
ff
Fehlt im Mskr.↩
fg-fg
Fehlt im Mskr.↩
fh-fh
Mskr.: «hätte es sich denn im Deutschland des Frühjahrs 1933».↩
fi
Im Mskr. hervorgehoben.↩
fj-fj
Mskr.: «strengen,».↩
fk-fk
Fehlt im Mskr.↩
fl-fl
Mskr.: «ihrem Verhältnis».↩
fm
Im Mskr. hervorgehoben.↩
fn-fn
Mskr.: «Formel vom ‹autoritären› oder ‹geistlichen› Führer».↩
fo-fo
Mskr.: «leichtsinnig».↩
fp-fp
Mskr.: «Man war aber».↩
fq
Im Mskr. hervorgehoben.↩
fr
Im Mskr. hervorgehoben.↩
fs-fs
Mskr.: «Eifer –».↩
ft-ft
Fehlt im Mskr.↩
fu-fu
Mskr.: «Und nun dieser».↩
fv-fv
Mskr.: «Weiter, hat sich eigentlich niemand Folgendes überlegt».↩
fw
Im Mskr. hervorgehoben.↩
fx
Fehlt im Mskr.↩
fy-fy
Fehlt im Mskr.↩
fz-fz
Mskr.: «habe».↩
ga-ga
Fehlt im Mskr.↩
gb-gb
Mskr.: «Ereignis ist».↩
gc-gc
Fehlt im Mskr.↩
gd
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ge-ge
Fehlt im Mskr.↩
gf
Fehlt im Mskr.↩
gg-gg
Mskr.: «Führung ist Tatsache, oder sie ist nicht Führung.»↩
gh
Hier ist das Mskr.-Blatt abgeschnitten. Der weggefallene Teil des Blattes 8 ist durch die neuen Blätter 8a und 8b ersetzt, die den folgenden Text bis zum nächsten größeren Abschnitt (s. unten, Anm. if) enthalten.↩
gi
Mskr.: «autoritativen».↩
gj-gj
Im Mskr. – im Zusammenhang mit der vorangehenden Einfügung – korrigiert aus «ein solches Bischofsamt».↩
gk-gk
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gl
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gm
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gn
Mskr.: «haben?».↩
go
Mskr.: «man nun».↩
gp
Mskr.: «will».↩
gq-gq
Mskr.: «wir also nicht einmal davor sicher sind, dass das Ende vom Lied schließlich allen Indizien aus der bisherigen Verhandlung zuwider».↩
gr
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gs
Mskr.: «worden?».↩
gt
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gu
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gv
Fehlt im Mskr.↩
gw
Fehlt im Mskr.↩
gx
Mskr.: «autoritativen».↩
gy-gy
Fehlt im Mskr.↩
gz
Mskr.: «haben nämlich [?]».↩
ha
Im Mskr. hervorgehoben.↩
hb
Im Mskr. hervorgehoben.↩
hc-hc
Mskr.: «habe».↩
hd
Mskr.: «allen».↩
he-he
Fehlt im Mskr.↩
hf-hf
Fehlt im Mskr.↩
hg-hg
Fehlt im Mskr.↩
hh-hh
Mskr.: «designierte Reichsbischof D. v. Bodelschwingh selbst bisher».↩
hi-hi
Mskr.: «möchte man sagen, dächte man nicht an die grenzenlose Verwirrung, die aus der Paradoxie dieses Tatbestandes aufs Neue folgen muss. Was gilt nun: der wirkliche Bischof, der zu sein ein im Jahre 1933 in dieses Amt Berufener notwendig scheinen muss, oder der ‹Bischof›, dessen ernstliches Bemühen offenbar dahin geht, einfacher Prediger oder Diakon und gerade nicht ‹Bischof› zu sein? Müsste es nicht auch D. von Bodelschwingh selbst wichtig sein, in Erfahrung zu bringen und uns zu sagen, ob und in welchem Sinne er befugt ist, auch nur Hirtenbriefe, die keine Hirtenbriefe sind».↩
hj
Im Mskr. hervorgehoben.↩
hk-hk
Mskr.: «dazu».↩
hl-hl
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hm
Im Mskr. hervorgehoben.↩
hn-hn
Mskr.: «in Analogie zum politischen Führer».↩
ho
Mskr.: «nur».↩
hp
Mskr.: «Bischofswahl als solche».↩
hq-hq
Mskr.: «eine große»; «Taten» nachträglich eingefügt.↩
hr
Mskr.: «der».↩
hs
Mskr.: «auf Weiteres».↩
ht-ht
Mskr.: «dies, dass es jetzt das Richtige».↩
hu-hu
Mskr.: «von diesem Schlaf aufzustehen und endlich recht nüchtern zu werden. Nüchtern».↩
hv-hv
Mskr.: «in Jesus Christus, dem Worte Gottes ihren ‹Führer› hat».↩
hw
Im Mskr. folgt: «und entscheiden»↩
hx-hx
Mskr.: «dieser Führung».↩
hy
Fehlt in den Abdrucken; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. eingefügt. ↩
hz-hz
Fehlt im Mskr.↩
ia-ia
Mskr.: «er und zwar er selbst und er allein Führer ist».↩
ib-ib
Mskr.: «der rechte Bischof, wie er in der heiligen Schrift vorgesehen ist, und wenn es der unbekannteste Dorfpfarrer oder Laienälteste wäre».↩
ic
Im Mskr. hervorgehoben.↩
id-id
Mskr.: «Führer ruft und nicht einmal weiß, was man damit sagt, ˹statt Führer zu sein in seinem befohlenen Amte˺».↩
ie-ie
Mskr.: «ihm».↩
if
Hier setzt der ursprüngliche Text (Mskr., Blatt 9) wieder ein; vgl. oben, Anm. gh.↩
ig
Im Mskr. folgte, wohl im Zusammenhang mit der vorangehenden Einfügung gestrichen: «im Besonderen».↩
ih
Im Mskr. ist nach «getan» ein Bleistiftzusatz vermerkt: «ich habe bis jetzt sogar nicht einmal hier in Bonn explizit gegen die D. Chr. das Wort ergriffen,».↩
ii-ii
Mskr.: «hier».↩
ij
Fehlt im Mskr.↩
ik-ik
Mskr.: «‹bei Anlass›».↩
il
Fehlt im Mskr.↩
im-im
Im Mskr. hervorgehoben.↩
-im1
Im Mskr. hervorgehoben.↩
in
Im Mskr. hervorgehoben.↩
io-io
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ip-ip
Mskr.: «(Eben dies ist ‹das letzte Ziel auch für die heutige Staatsleitung›, während der bisherige Staat ‹in unglaublicher Verblendung die letzten Wahrheiten und tiefsten Kräfte des Lebens als für den Staat nicht in Betracht kommend behandelte›118.)»↩
iq-iq
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ir
Im Mskr. hervorgehoben.↩
is-is
Im Mskr. hervorgehoben.↩
it-it
Fehlt im Mskr.↩
iu-iu
Fehlt im Mskr.↩
iv-iv
Fehlt im Mskr.↩
iw

Zur Formulierung der folgenden Thesen hat Barth mehrfach angesetzt. Ihrer definitiven Fassung gehen im Mskr. zwei fragmentarische Entwürfe zur ersten und einer zur zweiten These voraus:

1. (Entwurf A:) «Die D. C. muten der Kirche Unwürdiges und Unmögliches zu, indem sie von ihr verlangen, sie müsse ‹Alles› tun, damit das deutsche Volk wieder den Weg zu ihr finde. Kirche gehört nicht zu den tiefsten Quellen» [hier bricht das Fragment ab].

(Entwurf B:) «Die Vermutung, das deutsche Volk könnte heute u.A. ‹auch wieder den Weg zur Kirche finden›, kann für eine Kirche, für die das Wort Gottes keine Verkaufsware ist, keinen Grund bedeuten, ‹Alles› zu tun, dass das geschehen könne. Sie hat um des deutschen Volkes willen Alles zu tun, um reine Kirche [zu] sein.»

2. «Die Kirche ist nicht dazu da, dem deutschen Volk zur Erkenntnis und Erfüllung eines ‹Berufs› zu helfen.» ↩

ix
Im Mskr. ist «hat die Kirche ‹Alles zu tun›» ans Ende des Satzes gestellt.↩
iy
Im Mskr. folgt: «von der Kirche».↩
iz-iz
Fehlt im Mskr.↩
ja-ja
Mskr.: «ihm zur Erkenntnis und Erfüllung eines andern angeblich von Gott ihm aufgetragenen».↩
jb-jb
Mskr.: «Kirche».↩
jc-jc
Fehlt im Mskr.↩
jd-jd
Mskr.: «zufällig».↩
je-je
Mskr.: «als Christen zweiter Klasse behandelt, hat sie aufgehört evangelische».↩
jf
Mskr.: «˹Prediger- und Ältesten˺amtes».↩
jg
Im Mskr. ist die punktierte Linie nicht nummeriert.↩
jh-jh
Fehlt im Mskr.↩
ji-ji
Mskr.: «wenig Ausnahmen».↩
jj-jj
Mskr.: «wüssten, wüssten sie es, so würden sie ja gewiss gerade im heutigen Deutschland auf wenig Dank und Erfolg haben rechnen können. Sondern».↩
jk
Mskr.: «Ein».↩
jl-jl
Bleistiftzusatz im Mskr.↩
jm-jm
Bleistiftzusatz im Mskr.↩
jn-jn
Fehlt im Mskr., in dem im vorangehenden Zitat auch keine Worte hervorgehoben sind.↩
jo-jo
Im Mskr. korrigiert aus: «geradezu fabelhaft neu und wohl sehr, sehr gefährlich».↩
jp
Das eingefügte Stück ist ein Bleistiftzusatz.↩
jq-jq
Im Mskr. korrigiert aus: «die man angesichts der ‹Deutschen Christen› allerdings haben kann»; dabei ist «theologisch widerlegen und belehren zu wollen» ein Bleistiftzusatz.↩
jr-jr
Mskr.: «wie sie einem echten deutschen Mann in solchen Fällen immer zur Verfügung steht».↩
js
Mskr.: «recht ist».↩
jt-jt
Mskr.: «die Einseitigkeiten ‹von innen heraus zu überwinden›» (Bleistift- zusatz).↩
ju-ju
Fehlt im Mskr.↩
jv
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
jw
Fehlt im Mskr.↩
jx-jx
Fehlt im Mskr.↩
jy-jy
Mskr.: «höchst diskutabel halten».↩
jz-jz
Fehlt im Mskr.↩
ka
Im Mskr. folgt, nachträglich eingetragen: «..., Stimme des Blutes».↩
kb
Im Mskr. hervorgehoben.↩
kc-kc
Fehlt im Mskr. – Nach diesem Satz ist die untere Hälfte des Blattes (12) abgeschnitten. Die folgenden Blätter (bis 16, obere Hälfte) gehören anscheinend der Neufassung an. An der Übergangsstelle zum ursprünglichen Text ist der Schluss des neugefassten Stückes mit dem unteren Teil des ursprünglichen Blattes 16 zusammengeklebt (s. unten, Anm. my).↩
kd-kd
Mskr.: «der Staat».↩
ke
Mskr.: «Staatskommissars».↩
kf-kf
Mskr.: «des Staates».↩
kg-kg
Fehlt im Mskr.↩
kh-kh
Mskr.: «Sei es denn, aber».↩
ki-ki
Mskr.: «auch dem Reichskanzler, dessen Vertreter er war,».↩
kj-kj
Mskr.: «er, der».↩
kk
Mskr.: «des Häretikers».↩
kl
Fehlt im Mskr.↩
km
Mskr.: «wird».↩
kn-kn
Fehlt im Mskr.↩
ko-ko
Mskr.: «unerfreuliches».↩
kp-kp
Im Mskr. korrigiert aus: «der Reichskanzler».↩
kq
Mskr.: «liberal beschaffen».↩
kr
Fehlt im Mskr.↩
ks-ks
Mskr.: «gab».↩
kt-kt
Im Mskr. korrigiert aus: «in Loccum»; «damaligen» fehlt im Mskr.↩
ku
Im Mskr. folgt der Satz: «Und nun stehen wir vor der bangen Frage: Gedenkt etwa˹, wenn sich in der Bischofswahlfrage noch irgend ein modus vivendi finden sollte,˺ auch D. von Bodelschwingh diese ‹vertrauensvolle Zusammenarbeit› fortzusetzen? ...?»↩
kv
Mskr.: «seine Abgrenzung».↩
kw
Mskr.: «zu vollziehen».↩
kx
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ky
Im Mskr. hervorgehoben. ↩
kz-kz
Mskr.: «Ihr Hervortreten».↩
la
Mskr.: «erscheinen».↩
lb
Mskr.: «sind».↩
lc
Mskr.: «müssen».↩
ld-ld
Mskr.: «erklären die Jung-Reformatorischen».↩
le
Mskr.: «schön und recht».↩
lf
Mskr.: «das» (und – nach der Einfügung –: «freudige»).↩
lg
Mskr.: «eine brave».↩
lh
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
li-li
Im Mskr. korrigiert aus: «Sollten die Jung-Reformatorischen».↩
lj-lj
Mskr.: «einzudrängen› und die ‹Vergreisung in Ämtern und Körperschaften› der Kirche so heftig zu bekämpfen, Einfluss auf Presse und Rundfunk zu verlangen190 usw.?».↩
lk-lk
Mskr.: «er nicht vielleicht».↩
ll-ll
Mskr.: «schließlich».↩
lm-lm
Fehlt im Mskr.↩
ln-ln
Mskr.: «dass auch ich die Deutschen Christen» (hier bricht der Satz am Ende des Blattes ab).↩
lo-lo
Mskr.: «Und ich kann».↩
lp-lp
Fehlt im Mskr.↩
lq
Mskr.: «würde».↩
lr-lr
Mskr.: «Es könnte den sicher evangeliumswidrigen Dogmen, Verkündigungen und Maßnahmen des deutsch-christlichen Reichsbischofs und seiner Kardinäle nur Renitenz geleistet werden. ˹Es müsste ihnen gegenüber auch die letzte Konsequenz im Notfall gezogen werden.˺»↩
ls-ls
Mskr.: «ihnen».↩
lt
Im Mskr. hervorgehoben.↩
lu
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
lv
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
lw-lw
Mskr.: «Es ist nicht wahr, wenn man sagt».↩
lx-lx
Mskr.: «ist».↩
ly-ly
Mskr.: «ginge, dann könnten».↩
lz
Mskr.: «ebenso wohl».↩
ma-ma
Mskr.: «eintreten. Und es ist vielleicht auch im Blick auf D. v. Bodelschwingh nicht wahr; denn noch ist es durchaus nicht sicher, ob nicht auch er auch fernerhin zu ‹brüderlicher Zusammenarbeit› mit den Deutschen Christen bereit ist: sollte dies der Fall sein, so wäre wirklich nicht einzusehen, mit welchem Recht man in dem Kampf um seine Wahl oder Bestätigung letzte Töne anzuschlagen berechtigt sein sollte. Das Verlangen nach einer selbständigen Kirche müsste einen positiven, bekenntnismäßigen, theologischen Inhalt haben. Das Verlangen der Deutschen Christen nach einer unselbständigen Kirche hat einen solchen Inhalt, das ist nicht zu verkennen, und ich würde mich schon darum nicht wundern, wenn sie aus dem ˹unter dem Zeichen der kirchlichen Selbständigkeit oder Unselbständigkeit geführten˺ Bischofskrieg als Sieger hervorgehen sollten. Der zugestandenermaßen nur als ‹symbolischer Akt› gemeinte, also die kirchliche Selbständigkeit bloß bedeuten wollende Streit für Bodelschwingh aber kann, auch wenn er äußerlich zum Ziele führen sollte, wegen seiner tiefen Unsachlichkeit unmöglich eine Verheißung haben. In diesem Zeichen kann, und wenn (wie es auch meine Meinung ist) Bodelschwingh zehnmal besser wäre als Müller, nur leere».↩
mb
Mskr.: «muss».↩
mc
Fehlt im Mskr.↩
md
Mskr.: «kann».↩
me-me
Mskr.: «auch».↩
mf-mf
Mskr.: «Es muss gesagt sein: Die Deutschen Christen sind gefährlich, aber die Jung-Reformatorischen könnten leicht noch gefährlicher sein. Von der fatalen Theologie des 19. Jahrhunderts kommen offenkundig beide».↩
mg
Mskr.: «evangelischen Kirche». ↩
mh
Fehlt im Mskr.↩
mi
Mskr.: «ist».↩
mj-mj
Mskr.: «nehmen könnte».↩
mk
Mskr.: «sind».↩
ml-ml
Mskr.: «offen und ehrlich».↩
mm
Im Mskr. folgt: «zur Zeit».↩
mn-mn
Mskr.: «geben, scheinen».↩
mo-mo
Fehlt im Mskr.↩
mp
Fehlt im Mskr.↩
mq
Mskr.: «wird».↩
mr
Mskr.: «kommen» (dort vor der Klammer).↩
ms-ms
Mskr.: «war: die Union wird unter der Ägide eines sanften Luthertums neu aufblühen, und wer weiß, ob uns dann nicht auch wieder ein neuer Schleiermacher geschenkt werden wird? Ich halte für meine Person die zweite Möglichkeit für noch gefährlicher als die erste. Mit den offenen, wilden Ketzern wird die Kirche einmal fertig werden. Wer aber bewahrt sie vor ˹der Liebenswürdigkeit der˺ kirchlich und ‹biblisch-reformatorisch› Korrekten, die es im Grunde doch nicht anders meinen als Jene? Doch es genügt mir die Feststellung: der von den Jung-Reformatorischen geleistete Widerstand gegen die Deutschen Christen ist nicht minder gefährlich als das, wogegen er sich richtet. Weil er kein echter, kein notwendiger˹, kein qualifizierter˺ Widerstand ist!».↩
mt-mt
Mskr.: «in den Rücken zu schießen scheine, die sich jetzt in guten Treuen und voll guten Willens gerade unter die Fahne der Jung-Reformatorischen stellen zu müssen meinten, weil zur Abwehr der Deutschen Christen doch irgend etwas getan werden müsse. Sie argumentieren etwa so: ‹Kommt der Reichsbischof Müller, dann kommt ein Staatskirchentum wie das der Karolingerzeit oder des 18. Jahrhunderts oder wie das im frühern Russland».↩
mu
Mskr.: «und die».↩
mv
Fehlt im Mskr.↩
mw-mw
Mskr.: «Da sich bei den Jung-Reformatorischen ein Widerstandszentrum gebildet hat, schließen wir uns ihm an, und da Bodelschwingh, wie kein Verständiger bestreiten kann, besser ist als Müller, werben wir für Bodelschwingh.›»↩
mx-mx
Mskr.: «auf den Universitäten wie in den Gemeinden sollten jetzt».↩
my
Hier (Mskr., Blatt 16) setzt der ursprüngliche Text wieder ein; vgl. oben, Anm. kc.↩
mz
Mskr.: «jetzt in der Tat».↩
na-na
Mskr.: «der Deutschen Christen».↩
nb-nb
Mskr.: «lange».↩
nc-nc
Mskr.: «wie in unsern Tagen aus der Kirche Russlands».↩
nd-nd
Mskr.: «zu kämpfen ˹mit Kirchenpolitik˺».↩
ne-ne
Mskr.: «wo».↩
nf-nf
Fehlt im Mskr.↩
ng-ng
Fehlt im Mskr.↩
nh-nh
Mskr.: «es von den Vätern her».↩
ni
Mskr.: «Brutalisierung».↩
nj
Mskr.: «würden».↩
nk-nk
Der eingeschobene Satz und «und Protesten» fehlen im Mskr.↩
-nk1
Der eingeschobene Satz und «und Protesten» fehlen im Mskr.↩
nl-nl
Fehlt im Mskr.↩
nm-nm
Im Mskr. ursprünglich: «Müller und für Bodelschwingh», dann geändert in: «die Deutschen Christen».↩
nn-nn
Fehlt im Mskr.↩
no-no
Im Mskr. eingefügt an Stelle von: «sie».↩
np-np
Mskr.: «aus dem Feld schlagen».↩
nq-nq
Mskr.: «an sie».↩
nr-nr
Mskr.: «Bodelschwingh gegen Müller Alles gelegen wäre, und wenn noch so viel daran gelegen wäre».↩
ns-ns
Fehlt im Mskr.↩
nt-nt
Fehlt im Mskr.↩
nu
Im Mskr. folgt: «ja, politische».↩
nv-nv
Mskr.: «Es wäre aber ein geistliches Widerstandszentrum, auf dessen Programm es gerade nicht stände, kirchenpolitische und politische Bedeutung haben zu wollen. Auf dem Programm – auf dem ‹Sofort-Programm›, um mit den Jung-Reformatorischen zu reden210 – stünde nur: Bete und arbeite!»↩
nw-nw
Mskr.: «die wir jetzt suchen sollten, und sollten alle andere Hilfe in aller Strenge nur als Ergebnis dieser Hilfe erwarten!»↩
nx
«ganz» und «auch» fehlen im Mskr.↩
ny-ny
Mskr.: «über».↩
nz
Fehlt im Mskr.↩
oa
Im Mskr. folgte ursprünglich, an Stelle der nachstehenden, eingefügten sechs Sätze: «Man meine doch nicht, Weltgeschichts- oder Kirchengeschichtsleitung spielen zu können. Sie werden es früher oder später auch in Berlin merken, wenn irgendwo in der Provinz zwei oder drei versammelt gewesen sind in seinem Namen!».↩
ob-ob
Mskr.: «gemeinsam, wo man es wirklich gemeinsam tun kann».↩
oc
Im Mskr. hervorgehoben.↩
od-od
Fehlt im Mskr.↩
oe-oe
Mskr.: «und ‹Fronten› sind, da ist selber schon Irrtum und Sekte».↩
of-of
Im Mskr. korrigiert aus: «Der heilige Geist braucht keine ‹Glaubensbewegungen›, am allerwenigsten die, die sich selber so nennen. Und die Reformationskirche bedarf keiner ‹Jung-Reformatorischen›».↩
og-og
Mskr.: «Die ‹Bewegungen› ˹alle miteinander˺ hat».↩
oh-oh
Mskr.: «schieße, indem ich auch und gerade vor den Jung-Reformatorischen nachdrücklichst warne als vor einer Versuchung».↩
oi
Im Mskr. hervorgehoben. ↩
oj
Im Mskr. nicht hervorgehoben. ↩
ok
Fehlt im Mskr.↩
ol
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
om
Fehlt im Mskr.↩
on-on
Fehlt im Mskr.↩
oo
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
op-op
«diesem» und «heiligen» fehlen im Mskr.↩
oq-oq
Fehlt im Mskr.↩
or-or
Im Mskr. hervorgehoben.↩
os-os
Mskr.: «Dass Gott erbarm».↩
ot-ot
Fehlt im Mskr.↩
ou
Mskr.: «unser ganzes».↩
ov-ov
Mskr.: «lebt».↩
ow
Im Mskr. beginnt die Aufzählung mit «das sei angesichts...»; entsprechend fehlt «sei das» hier.↩
ox
Mskr.: «sollen».↩
oy-oy
Fehlt im Mskr.↩
oz-oz
Mskr.: «so auch wir».↩
pa-pa
Mskr.: «für dieses Volk da sein».↩
pb-pb
Mskr.: «Aber».↩
pc-pc
Mskr.: «weder Dank noch Erfolg noch Ehre».↩
pd-pd
Fehlt im Mskr.↩
pe-pe
Mskr.: «verheißen».↩
pf
Im Mskr. in «wieder finden» ergänzt. ↩
pg-pg
Mskr.: «ihm zu gehen sie entschlossen und mächtig sind».↩
ph-ph
Mskr.: «ist».↩
pi-pi
Mskr.: «Was einst Recht hieß in Deutschland, das gibt es weithin nicht mehr; was einst Freiheit hieß, das darf nun eine Weile nur noch besungen werden; und was einst Geist hieß, das hat nun mitten im Frühling und Sommer einen gründlichen Winterschlaf angetreten. Das».↩
pj-pj
Mskr.: «˹Recht und Freiheit und Geist, sie sind wahrlich Fleisch, und alles Fleisch ist wie Gras.˺»↩
pk-pk
Fehlt im Mskr.↩
pl-pl
Fehlt im Mskr.↩
pm-pm
Mskr.: «Zum».↩
pn
Fehlt im Mskr.↩
po
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
pp
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
pq-pq
Mskr.: «Weil das Wort Gottes frei ist, darum muss auch sein Dienst frei sein. Es wäre sonst nicht sein Dienst. In der ihm aufgetragenen besonderen Sorge um das Volk müsste».↩
pr
Mskr.: «nach oben weit».↩
ps-ps
Fehlt im Mskr.↩

Sachfußnoten

1
KBA 9270.588; Bw.Th. III, S. 426. 📖↩
2
Zur Situation und zum Ablauf der Ereignisse s. Scholder I, S. 422–452. 📖↩
3
Vgl. oben, S. 260, Anm. 1.↩
4
Vgl. Scholder I, S. 431. 📖↩
5
Siehe oben, S. 242f.↩
6
Ernst Stoltenhoff (1879–1953), von 1928–1934 Generalsuperintendent der Rheinprovinz, 1936 durch den Kirchenausschuss wieder eingesetzt.↩
7
Bernhard Rust (1883–1945), seit 4.2.1933 preußischer Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, ab 1934 auch Reichserziehungsminister.↩
8
August Jäger (1887–1949), vormals Landgerichtsrat in Wiesbaden, 1933 Leiter der Kirchenabteilung im preußischen Kultusministerium, vom 24.6. bis 14.7.1933 Staatskommissar für die evangelischen Landeskirchen im Staat Preußen, 12.4.–26.10.1934 «Rechtswalter» im geistlichen Ministerium des Reichsbischofs Müller.↩
9
So Barth über diesen dramatischen Tag, s. unten, S. 288.↩
10
Die Sitzung war am 19. Juni für den 23./24. Juni nach Eisenach einberufen worden. Vgl. Scholder I, S. 444–452. 📖↩
11
In die von manchen Legendenbildungen umrankte Vor- und Entstehungsgeschichte der Schrift hat Hinrich Stoevesandt entscheidende Klarheit gebracht: H. Stoevesandt, «Von der Kirchenpolitik zur Kirche!» Zur Entstehungsgeschichte von Karl Barths Schrift «Theologische Existenz heute!» im Juni 1933, in: ZThK 76 (1979), S. 118–138 📖; ders., Was heißt «theologische Existenz»? Über Absicht und Bedeutung von Karl Barths Schrift «Theologische Existenz heute!», in: EvTh 44 (1984), S. 147–177. 📖 Vgl. auch ders., Einleitung, in: Th.Ex.h., S. 7–25. 📖↩
12
Brief Ch. von Kirschbaums an E. Küppers vom 11.6.1933 (KBA 9233.149; Br. 1933, S. 254 📖).↩
13
Brief Ch. von Kirschbaums an A. Barth vom 15.6.1933 (KBA 9233.150; Br. 1933, S. 257 📖). – Bei den aufgezählten anderen Texten handelt es sich um den Vortrag Das erste Gebot als theologisches Axiom 📖 (s. oben, S. 209–241), der zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen war und dann in Heft 4/1933 von ZZ 📖 veröffentlicht wurde, um die Thesen über Kirche und Staat, in: Ethik II, S. 324–342 📖 (vgl. auch a.a.O., S. 457–467 📖), um Eine theologische Erklärung zur Gestalt der Kirche 📖 (s. oben, S. 249–259) und um die Forderungen zur Gestalt der Kirche (s. oben, S. 265–270).↩
14
Wilhelm Vischer (1895–1988), seit 1928 Dozent für Altes Testament an der Theologischen Schule in Bethel, soeben seines Amtes enthoben.↩
15
Fritz Lieb (1892–1970), seit 1931 a. o. Professor für «östliches Christentum in Vergangenheit und Gegenwart» in Bonn, im November 1933 amtsenthoben und nach Paris emigriert.↩
16
Es handelt sich um den damaligen Bochumer Hilfsprediger Hans Fischer (1906–1970), der u. a. bei Barth studiert hatte und 1934 das Pfarramt der deutschen Gemeinde in Amsterdam übernahm. Vgl. Stoevesandt, Einleitung (Anm. 11), S. 20 📖; zu Fischers späteren Aktivitäten in den Niederlanden vgl. G. van Roon, Zwischen Neutralismus und Solidarität. Die evangelischen Niederlande und der deutsche Kirchenkampf 1933–1942 (Studien zur Zeitgeschichte, 24), Stuttgart 1983, S. 141–143. 📖↩
17
Brief Ch. von Kirschbaums an A. Barth vom 15.6.1933 (Anm. 13; Br. 1933, S. 256 📖).↩
18
Ebd.↩
19
Ebd.↩
20
So Stoevesandt, Einleitung (Anm. 11), S. 20. 📖↩
21
Vgl. dazu Stoevesandt, Kirchenpolitik (Anm. 11), S. 126, Anm. 25 📖, wo u. a. Otto Bleibtreu, Ernst Wolf, Karl Immer und Harmannus Obendiek genannt werden.↩
22
Siehe oben, S. 250f., Anm. 19.↩
23
Vgl. unten, Anm. 49. Auch die Ansprache in der homiletischen Übung vom 30. Mai 1933 (s. oben, S. 260–264), in der Barth vor dem Verlust der Existenz als Theologen warnte, gehört unmittelbar in diesen Zusammenhang. Hinrich Stoevesandt räumt der Auseinandersetzung mit Merz zu Recht einen beachtlichen Stellenwert für die Vorgeschichte von Theologische Existenz heute! ein, tauchten doch in ihr bereits Elemente und Argumente auf, die jetzt zu entfalten waren (vgl. Stoevesandt, Einleitung [Anm. 11], S. 12–18 📖, mit den wichtigsten Briefauszügen; s. auch M. M. Lichtenfeld, Georg Merz – Pastoraltheologe zwischen den Zeiten. Leben und Werk in Weimarer Republik und Kirchenkampf als theologischer Beitrag zur Praxis der Kirche [LKGG 18], Gütersloh 1997, S. 279–326 📖).↩
24
Im Brief Ch. von Kirschbaums an A. Barth vom 15.6.1933 (Anm. 13; Br. 1933, S. 257 📖) heißt es sogar: «Karl hat wirklich lange sich zurückgehalten, so lange, […], dass z. B. in Berlin das Gerücht entstehen konnte, er sympathisiere mit den Deutschen Christen, was viele Reformierte tatsächlich tun».↩
25
Siehe oben, Anm. 11.↩
26
Faksimile des ersten Manuskriptblatts: Scholder I, Abb. 72. 📖↩
27
Brief Ch. von Kirschbaums an Heinz Otten (1909–1942, damals Konviktsinspektor in Halle) vom 17.6.1933 (KBA 9233.152; Br. 1933, S. 260 📖).↩
28
Ein solches Heft hätte so zeitnah, wie es die Situation erforderte, auch kaum verwirklicht werden können: Weil ZZ alle zwei Monate erschien, wäre frühestens das August-Heft in Frage gekommen, dessen Inhalt aber – wie aus einem Brief von Merz an Barth vom 9.6.1933 (KBA 9333.373) hervorgeht – ebenfalls schon weitgehend festgelegt war; u. a. erschien darin Das erste Gebot als theologisches Axiom 📖 (s. oben, S. 209–241).↩
29
Brief Lempps an Barth vom 19.6.1933 (KBA 9333.396).↩
30
Zu den Einzelheiten s. Stoevesandt, Kirchenpolitik (Anm. 11). 📖↩
31
Hellmut Traub (1904–1994) studierte seit 1931 bei Barth in Bonn und war 1933/34 Mitbewohner in Barths Haus; nach seiner Relegation vom Studium in Bonn legte er im Herbst 1934 sein Erstes Theologisches Examen bei der Bekennenden Kirche in Elberfeld ab und war seit 1935 als Vikar, ab 1937 als Pfarrer für die Bekennende Kirche tätig.↩
32
Siehe dazu unten, Anm. as.↩
33
Stoevesandt, Einleitung (Anm. 11), S. 21. 📖 Vgl. unten, Anm. as, gh und kc.↩
34
Gottfried Adolf Krummacher (1892–1954), Dr. iur., Landrat in Gummersbach, war 1933/34 Landesleiter der Deutschen Christen im Rheinland und von Jäger zum Staatskommissar für die rheinische Landeskirche ernannt worden. – Die Schreiben sind abgedruckt in EvTh 23 (1963), S. 389–391. 📖↩
35
KBA 9233.159 (abgedruckt a.a.O., S. 390 📖).↩
36
Barth kommentierte die Beschlagnahme, die er im Wesentlichen auf die in den Heften ab Herbst 1933 enthaltenen «Vorworte mit ihren Betrachtungen zur kirchlichen Lage» zurückführte, am 13. September 1934 so: «Die Leser werden nun das, was ich noch drucken lassen darf, mit um so größerer Aufmerksamkeit lesen […]. Es wird auch gut […] sein, wenn sie bedenken müssen, daß diese Hefte bis auf weiteres hinsichtlich dessen, was man ‹Aktualität› nennt, einen unsichtbaren Untertitel tragen: ‹Zwischen den Zeilen›» (K. Barth, Vorwort, in: ders., Der Christ als Zeuge [ThExh 12], München 1934, S. 3f., Zitate S. 3 📖).↩
37
Siehe unten, S. 492–496.515. Vgl. K. G. Steck, Theologische Existenz heute. Rückblick und Ausblick, in: Theologische Existenz heute. Reprint der Hefte 1–77, erschienen in den Jahren 1933–1941, Bd. 1, München 1980, S. V–XXX, dort S. VIIIf. 📖↩
38
In den Monaten nach Erscheinen erreichten Barth «etwa hundert Briefe mit dankbarer Zustimmung (gegenüber einem knappen Dutzend kritischer Zuschriften und nur drei schroffen Ablehnungen)» (Stoevesandt, Einleitung [Anm. 11], S. 7 📖).↩
39
Brief von Scholz an Barth vom 13.7.1933 (KBA 9333.492). Schon am 3. Juli hatte Heinrich Scholz eine erste Reaktion auf Theologische Existenz heute! an Barth geschickt (KBA 9333.433; Auszüge zit. bei Stoevesandt, Kirchenpolitik [Anm. 11], S. 120, Anm. 8 📖).↩
40
H. Asmussen, Begegnungen, Wuppertal-Barmen o. J. [1936], S. 7. 📖↩
41
Th. Mann, Tagebücher 1933-1934, hrsg. von P. de Mendelssohn, Frankfurt/Main 1977, S. 163 📖 (Eintrag vom 29.8.1933). Thomas Mann befand sich damals bereits im Exil in der Schweiz.↩
42
A.a.O., S. 167 📖 (Eintrag vom 3.9.1933).↩
43
Auf den Rückseiten des Manuskripts von Abschied 📖 (KBA 10044; s. unten, S. 496) finden sich die Typoskriptseiten 28–32, auf denen des Flugblattes Für die Freiheit des Evangeliums! (KBA 11045; s. unten, S. 386f.) die Seiten 41f. Der Erstdruck weist zu den erhaltenen Seiten keinerlei Abweichung auf.↩
44
Siehe oben, S. 273f.↩
45
Zu Barths Überraschung hatte sich nach seiner Rückkehr aus den Semesterferien die «Wiederaufnahme der Semesterarbeit […] überraschend einfach und ruhig gestaltet» (Brief Barths an A. de Quervain vom 13.5.1933 [KBA 9233.123; Br. 1933, S. 202f. 📖]), auch wenn die äußere Erscheinung seiner Zuhörer sich signifikant verändert hatte: «Jeden Morgen darf er [Barth], nachdem nun gerade ‹Schleiermacher› über die Bühne gegangen ist, vor einer großen aufmerksamen Zuhörerschar die wirklich ganz besonders wichtige Johannes-Vorlesung vortragen, und Stahlhelmer und Nazis sitzen in ihren Uniformen da (an den Wänden hängen ihre Uniformsmützen!) und horchen und schreiben. Und im Calvinseminar und in den Predigtübungen finden sie sich mehr oder weniger vollzählig auch wieder ein und lassen sich Dinge sagen, die mit dem dritten Reich gar herzlich wenig zu tun haben!!» (Brief Ch. von Kirschbaums an E. Thurneysen vom 2.6.1933 [KBA 9233.145; Bw.Th. III, S. 420 📖]). Zu Barths Veranstaltungen im Sommersemester s. Th.Ex.h., S. 90f., Anm. 2 📖.↩
46
1093 gegründete Benediktinerabtei am Laacher See (Eifel), von Barth mit seinen Bonner Studenten 1932 besucht.↩
47
Barth hatte auf Grund von Nachrichten über Maßnahmen gegen einzelne Hochschullehrer am 4. April 1933 bei Reichskultusminister Rust nachgefragt, ob es in der Absicht der Regierung liege, dass er seine Lehrtätigkeit in Bonn fortsetze (KBA 9233.80; Br. 1933, S. 112–114 📖). Die Antwort aus dem Ministerium vom 24.4.1933 (KBA 9333.227; vgl. Br. 1933, S. 114) fiel bejahend aus. Es werde aber vorausgesetzt, «daß Sie Ihren Einfluß auch im Kreise Ihrer Schüler dahin geltend machen, daß die theologische Arbeit im Vordergrund steht, und die Bildung politischer Gruppen innerhalb der Studentenschaft unter theologischer Führung vermieden wird, die im Widerspruch zum Staat stehen. Der Herr Minister nimmt an, daß dieser Wunsch sich im Rahmen der Loyalität erfüllen läßt, die Sie in Ihrem Brief zum Ausdruck bringen»; zu den Einzelheiten s. Th.Ex.h., S. 91–93, Anm. 4 📖.↩
48
Gemeint sind Eine theologische Erklärung zur Gestalt der Kirche 📖 (s. oben, S. 249–259) und Forderungen zur Gestalt der Kirche 📖 (s. oben, S. 265–270).↩
49
Der Vorwurf wurde z. B. von Georg Merz geäußert, der an diesen Erklärungen kritisierte, dass sie auf Grund ihrer dezidierten Vergleichgültigung der hochaktuellen Bischofsfrage den Aktionen der Deutschen Christen nichts entgegenzusetzen hätten (vgl. Brief Merz’ an Barth vom 9.6.1933 [KBA 9333.373]; s. auch Lichtenfeld [Anm. 23], S. 316–318 📖). Charlotte von Kirschbaum schrieb zu Barths Haltung am 15.6.1933 an dessen Mutter (Anm. 13; Br. 1933, S. 256 📖), er scheide «sich stark von seinen Freunden», die seiner Haltung «mangelnde Aktualität vorwerfen».↩
50
Siehe oben, S. 272–274.↩
51
Zu Barths kritischer Einschätzung eines «Wortes zur Lage» vgl. schon die 1932 in Auseinandersetzung mit Friedrich Gogarten gestellte Frage: «[...] könnte heute eine Theologie, die die bewußte ‹Vermenschlichung des Lebens› auch methodisch gerade nicht mitmacht, nicht auch – wenn denn davon die Rede sein soll – viel zeitgemäßer sein als eine solche, die durch ihren Ansatz zum vornherein zugibt, nur ein zweites Wort, ein sogenanntes ‹Wort zur Lage› (zur außerhalb der Kirche vorgefundenen Lage!) zu sagen zu haben?» (KD I/1, S. 131 📖).↩
52
Apostolikum, 2. Artikel; BSLK, S. 21,16f. 📖↩
53
Zur Transzendierung aller lebensgeschichtlichen Ausprägungen der menschlichen Existenz durch die Anrede des Wortes Gottes vgl. auch Barths Argumentation in Chr.Dogm., S. 91–100. 📖↩
54
Vgl. Eph. 1,21 und aus Strophe 2 des Liedes «Jesus Christus herrscht als König» von Ph. Fr. Hiller: «Fürstentümer und Gewalten, / Mächte, die die Thronwacht halten, / geben ihm die Herrlichkeit [...]» (EG 123,2; RG 492,2 🎵).↩
55
Vgl. aus der Erklärung des dritten Artikels in Luthers Großem Katechismus: «Denn zum ersten hat er ein sonderliche Gemeinde in der Welt, welche ist die Mutter, so ein iglichen Christen zeugt und trägt durch das Wort Gottes […]» (BSLK, S. 655,2–5 📖). Vgl. auch Inst. IV,1,4. 📖↩
56

Für die englische Übersetzung hat Barth gegenüber Carl Heath, der den Übersetzer Richard Birch Hoyle beriet, die Ereignisse dieses Tages folgendermaßen erläutert (Brief an C. Heath vom 19.9.1933 [KBA 9233.244]):

«Am 24. Juni wurde
1. der Landgerichtsrat Jäger zum ‹Kirchenkommissar› für ganz Preußen ernannt,
2. D. von Bodelschwingh zum Rücktritt genötigt,
3. Oberkonsistorialrat Hundt in Berlin und Generalsuperintendent Schian in Breslau abgesetzt,
4. die kirchliche Pressecentrale in Berlin gewaltsam besetzt und in die Hände der ‹Deutschen Christen› gebracht,
5. die preußische Delegation an der Eisenacher Kirchenkonferenz ihrer Vollmacht entkleidet.»

Barths Erläuterung wurde als Anmerkung in die Übersetzung eingefügt: vgl. K. Barth, Theological Existence To-day! (A Plea für Theological Freedom), transl. by R. Birch Hoyle, London 1933, S. 11 📖.

Zu den von Barth dargestellten Ereignissen des 24. Juni s. unten, S. 369f., sowie Scholder I, S. 450 (zu 1. und 2.), S. 453f. (zu 3.), S. 454f. (zu 4.), S. 447 📖.
Als Barth am 24. Juni diesen Absatz in sein Manuskript einfügte (s. oben, Anm. au–au), wusste er von Bodelschwinghs Rücktritt, der am Abend des 24. Juni gegen 19 Uhr bekanntgegeben wurde, anscheinend noch nichts. Im Manuskript fehlen die Bezugnahmen darauf. Sie sind erst beim Diktat in die Schreibmaschine (oder bei der Korrektur der Reinschrift?), wohl am 25. Juni, hinzugefügt worden (s. oben, Einleitung, S. 276f.).↩
57
Jägers erste amtliche Verfügungen, mit denen er «die Geschäfte der sämtlichen evangelischen Landeskirchen Preußens» übernahm, den Geschäftsverkehr der preußischen evangelischen Landeskirchen mit dem Deutschen Evangelischen Kirchenbund an seine Person band, Beurlaubungen vornahm (s. Anm. 56) und sämtliche «gewählten Kirchenvertretungen in den evangelischen Landeskirchen Preußens» auflöste, wurden im «Telegramm des Staatskommissars an den Kirchensenat der ev. Kirche der altpreußischen Union» vom 24. Juni 1933, 21 Uhr, bekanntgemacht (Text: DKPDR I, S. 70 📖; vgl. a.a.O., S. 67–94).↩
58
Die Bestrebungen zur Bildung einer einheitlichen deutschen evangelischen Kirche anstelle des 1922 gegründeten Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, eines föderalen Zusammenschlusses der 28 deutschen Landeskirchen, hatten eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Vorgeschichte und intensivierten sich schon in der Endphase der Weimarer Republik (vgl. Scholder I, S. 35f.355–357 📖; s. auch unten, S. 304 mit Anm. 87 und 88). Dennoch markierte der Beginn des «Dritten Reiches» mit entsprechenden Aufrufen und Initiativen der verschiedenen konfessionellen und kirchenpolitischen Strömungen (vgl. Scholder I, S. 357–387) eine deutliche Zäsur. Zu nennen sind hier vor allem Wilhelm Zoellners Aufruf an alle Lutheraner 📖 vom 13. April 1933 (s. oben, S. 250 mit Anm. 19), die Rheydter Erklärung der Reformierten vom 17. April 1933 (s. oben, S. 250 mit Anm. 17), die Initiativen der Deutschen Christen, besonders seit ihrer Berliner Reichstagung vom 3. bis 5. April 1933 (vgl. «Volk und Kirche». Die amtlichen Berichte der ersten Reichstagung der Glaubensbewegung «Deutsche Christen» [Schriftenreihe der «Deutschen Christen», 4], Berlin 19332 📖; vgl. Gauger I, S. 69.71.73 📖), und schließlich die sich mit ihrem Aufruf vom 9. Mai 1933 formierende Jungreformatorische Bewegung (Abdruck des Aufrufs: Schmidt I, S. 145f. 📖; vgl. Scholder I, S. 406–409).↩
59
Hier ist in erster Linie an die Einsetzung des «Drei-Männer-Kollegiums» zur Ausarbeitung einer Verfassung der angestrebten Reichskirche zu denken; vgl. oben, S. 242–246.↩
60
Siehe oben, Anm. 57; zu Jägers weiteren Maßnahmen und deren verhängnisvollen Auswirkungen s. unten, S. 368–371.↩
61
Zur Zusammensetzung des Verfassungsausschusses (Drei-Männer-Kollegium) s. oben, S. 242.↩
62
Siehe oben, S. 75f., Anm. 53.↩
63
Die Verhandlungen des Drei-Männer-Kollegiums mit Ludwig Müller fanden vor und nach der Klausurtagung imKloster Loccum bei Hannover (17.–20.5.1933) in Berlin statt.↩
64
Am 15. Juni 1933 teilte Ludwig Müller dem «Kapler-Ausschuß» (Drei-Männer-Kollegium) mit: «Der Herr Reichskanzler hat mir sein außerordentliches Bedauern darüber ausgedrückt, daß die Arbeiten für den Neubau der DEK eine schwierige und durchaus unliebsame Entwicklung genommen haben» (Gauger I, S. 82 📖).↩
65
Nach den Reichstagswahlen vom 5. März 1933, in denen die NSDAP mit ihrem Koalitionspartner, der «Kampffront Schwarz-Weiß-Rot» (Bündnis aus Deutschnationaler Volkspartei, Stahlhelm und Landbund), eine knappe Regierungsmehrheit von 52% erreichte, wurden in der Woche vom 6.–11. März die demokratisch gewählten Länderregierungen gewaltsam oder durch inszenierten Druck von «nationalen Kabinetten» abgelöst und die sogenannte «Gleichschaltung des politischen Willens der Länder mit dem Willen der Nation» (Hitler am 12.3.1933, zit. nach: M. Domarus, Hitler. Reden und Proklamationen 1932–1945, Bd. 1: Triumph, Halbbd. 1: 1932–1934, Wiesbaden 1973, S. 222 📖) vollzogen. Diese Form der systematischen Machtergreifung wurde dann ausdrücklich als «nationale» bzw. «nationalsozialistische Revolution» charakterisiert. Sie fand ihren vorläufigen Höhepunkt mit dem am 21. März in Potsdam anlässlich der ersten Sitzung des neugewählten Reichstags pompös begangenen «Tag der nationalen Erhebung». Am 24. März 1933 wurde das «Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich» (sog. «Ermächtigungsgesetz») beschlossen, das die Kontrolle der Regierung durch das Parlament außer Kraft setzte.↩
66
Eine Sammlung solcher Verlautbarungen ist abgedruckt in: G. van Norden (Hrsg.), Der deutsche Protestantismus im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung, Gütersloh 1979, S. 45ff.58ff.67f. 📖↩
67
A.a.O., S. 77f. 📖 – Den Aufruf hatten die drei Bevollmächtigten bereits am 25. April, dem Tag ihrer Ernennung durch den Kirchenausschuss, erlassen. Barths Datierung auf den 28. April legt das Datum der Veröffentlichung des Aufrufs in den vom ihm benutzten Pressespiegeln zugrunde: Zeitungsspiegel, Nr. 14, 28.4.1933 📖; Die Kirchenfrage, Nr. 24, 28.4.1933 📖.↩
68
Diese Auffassung war vor allem unter den Deutschen Christen verbreitet. Auf ihrer ersten Reichstagung vom 3. bis 5. April 1933 wurde sie vom Rechtsanwalt Friedrich Werner so dargelegt: «Der Staat bekennt, daß er auf die Arbeit der Kirche nicht verzichten will und kann. [...] Der Staat braucht die Kirche, denn sie ist das stärkste Mittel einer sittlichen und gesunden Volkserziehung» (Gauger I, S. 71 📖; in Volk und Kirche [Anm. 58] 📖 nicht in der bei Gauger zitierten Form abgedruckt, dort S. 33: «Damit bekennt der Staat, daß er auf die Arbeit der Kirche nicht verzichten will und kann.»). Ähnlich WehrkreispfarrerLudwig Müller in einem Interview: «Unser Vaterland braucht eine starke evangelische Kirche, welche mehr als bisher imstande ist, eine Durchdringung des gesamten Volkswesens mit den sittlich erneuernden Aufbaukräften des Evangeliums zu gewährleisten und undeutsche, vergiftende Einflüsse, wie: Materialismus, Bolschewismus, würdelosen Pazifismus, vom deutschen Volkskörper fernzuhalten» (Tägliche Rundschau, Nr. 106, 10.5.1933 📖, zit. nach: Zeitungsspiegel, Nr. 26, 10.5.1933, S. 1 📖). Noch pointierter formulierte der Berliner Pfarrer Gustav Heidenreich, ab Juni 1933 Sachbearbeiter der Deutschen Christen für «Nationale Fragen», auf einer Tagung der «Deutschen Christinnen» Anfang Mai (Der Reichsbote, Nr. 103, 4.5.1933 📖, zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 20, 4.5.1933, S. 5): «Kirchenvolk, erwache, muß unser Schlachtruf sein. […] Hier liegt die große Aufgabe der Frau. – Adolf Hitler wartet auf die Kirche. Ohne die Kirche ist Hitlers Werk in Frage gestellt. Die Zukunft des Dritten Reiches hängt von der Kirche ab.» – Die Vertreter des Staates drückten sich in der Regel distanzierter aus. Die Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert bei der Amtseinführung von Landesbischof Hans Meiser (1881–1956) am 11. Juni 1933 enthielt allerdings einen vergleichbaren Passus: «Der moderne Staat, das neue Deutschland, kann der Mitwirkung der Kirchen gar nicht entbehren [...]» (DKPDR I, S. 62 📖).↩
69
In den von Barth benutzten Pressespiegeln findet sich ein Bericht der «Täglichen Rundschau» vom 28.4.1933 über eine Erklärung des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses vom 25. April, 📖 in der es hieß: «Der deutsche Protestantismus in seiner Gesamtheit sei ernstlich gewillt, an dem Aufbau des nationalen Staates positiv mitzuarbeiten und ihm die starken Kräfte zu leihen, über die die deutschen Kirchen verfügen» (Zeitungsspiegel, Nr. 14, 28.4.1933, S. 3 📖; gleichlautend: Die Kirchenfrage, Nr. 26, 28.4.1933 📖).↩
70
Ironisierende Verfremdung der von der altprotestantischen Orthodoxie eingeführten Unterscheidung zwischen fundamentalen und nichtfundamentalen (nachrangigen) Glaubensartikeln (‹articuli fundamentales› und ‹articuli non fundamentales›); vgl. dazu kritisch KD I/2, S. 965–968. 📖↩
71
Aus Hitlers Regierungserklärung vor dem Deutschen Reichstag (DKPDR I, S. 24 📖).↩
72
Hitler hatte erklärt: «Die nationale Regierung wird in Schule und Erziehung den christlichen Konfessionen den ihnen zukommenden Einfluß einräumen und sicherstellen. Ihre Sorge gilt dem aufrichtigen Zusammenleben zwischen Kirche und Staat» (ebd.).↩
73
Das aus der Elektrotechnik entlehnte Wort «Gleichschaltung» fand im Frühjahr 1933 in allen Bereichen rasche Verbreitung. Reichsjustizminister Franz Gürtner (1881–1941) benutzte es bei der Formulierung der Gesetze zur «Gleichschaltung der Länder mit dem Reich» vom 31.3. und 7.4.1933 und gilt als Urheber dieses Wortgebrauchs (vgl. C. Schmitz-Berning, Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin / New York 1998, S. 277–280 📖). Auf der ersten Reichstagung der Deutschen Christen wurde der Wortgebrauch sogleich adaptiert: «Wir fordern die sinngemäße Gleichschaltung der empirischen Kirche mit dem Volksstaat der nationalen Revolution und damit eine Reform der Ev. Kirche an Haupt und an Gliedern» (S. Nobiling, Kirchliches Führertum, in: Volk und Kirche [Anm. 58], S. 43–49, Zitat S. 43 [i. Orig. gesperrt] 📖).↩
74
In Wilhelm Zoellners Aufruf an alle Lutheraner 📖(Anm. 58) hieß es unter Bezug auf Hitlers Regierungserklärung: «Der Reichskanzler hat am Tag von Potsdam die magna charta der Eigenständigkeit kirchlichen Lebens von neuem festgelegt» (Schmidt I, S. 140 📖).↩
75
Nach «Übergriffen» stand im Manuskript ursprünglich – von Barth dann gestrichen –: «Rede des Oberpräsidenten Kube! Mecklenburg!)». –
Wilhelm Kube (1887–1943), 1928–1933 Fraktionsführer der NSDAP im preußischen Landtag, 1932 Mitbegründer der Glaubensbewegung Deutsche Christen, 1933 Gauleiter der Kurmark und Oberpräsident von Brandenburg. Kube hatte bei seiner Begrüßungsansprache auf der ersten Reichstagung der Deutschen Christen erklärt, «daß die Preußische Landtagsfraktion der NSDAP rücksichtslos mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln des Etatsrechts und der durch den Kirchenvertrag uns gegebenen Personalpolitik der Umstellung in unserem Volke auch auf dem Gebiet der Kirchenpolitik Rechnung tragen wird» (DKPDR I, S. 30 📖; in Volk und Kirche 📖 [Anm. 58] nicht abgedruckt).
In der Mecklenburgischen Landeskirche war am 22. April 1933 der frühere baltische Gutsbesitzer Walter Bohm als Staatskommissar eingesetzt worden, musste aber nach einer Intervention Hitlers am 27. April schon wieder zurückgezogen werden (vgl. Scholder I, S. 379–382 📖, DKPDR I, S. 37–41).↩
76
Kreuzzeitung, 86. Jg., Nr. 125, 7.5.1933: Dichter-Akademie deutscher Art! Rust über die Kulturpolitik im Dritten Reich 📖 (Aufmacher auf der Titelseite; erster Satz i. Orig. fettgedruckt). Barth zitiert nach: Zeitungsspiegel, Nr. 23, 7.5.1933, S. 2. 📖↩
77
Ausführlich nahm Barth dazu Stellung in Theologische Existenz heute II 📖 (s. unten S. 364–382). Vgl. Th.Ex.h., S. 107–111, Anm. 37 📖.↩
78

Dass Barth hier an ein die Revolution 1918/19 bejahendes politisches Urteil denkt, geht aus dem Brief an G. Merz vom 29.4.1933 hervor (KBA 9233.108; Br. 1933, S. 175 📖): «Und wieder einmal ist die Kirche an die Geschichte verraten. Das ist 1919f. nicht geschehen, wenn wir von den paar religiösen Sozialisten und Volkskirchlern einmal absehen wollen. Die Kirche als solche hat damals nicht daran gedacht, sich in dieser Weise mit der damaligen politischen Revolution zu solidarisieren und sie hat recht getan daran. Sie hat sich aber heute zu Unrecht mit der jetzigen Revolution solidarisiert.»

In den offiziellen kirchlichen Stellungnahmen von 1918/19 war im Gegenteil eine deutliche Distanz zur neuen Obrigkeit bemerkbar, die besonders in der staatlicherseits zeitweise propagierten rigorosen Trennung von Staat und Kirche vor allem auch im Bereich der Schulen gründete. Eine ausformulierte Absage an das neue politische System oder direkte parteipolitische Empfehlungen wurden jedoch vermieden. Vgl. z. B. die Verlautbarungen des Evangelischen Oberkirchenrats vom 10.11. und 30.11.1918, in: M. Greschat, Der deutsche Protestantismus im Revolutionsjahr 1918/19 (Politik und Kirche. Studienbücher zur kirchlichen Zeitgeschichte, 2), Witten 1974, S. 26f.47f. 📖; vgl. auch Scholder I, S. 8f. 📖↩

79
Siehe oben, Anm. 67.↩
80
Anspielung auf die schon in Eine theologische Erklärung zur Gestalt der Kirche 📖 zitierte erste Berner These (s. oben, S. 255f., Anm. 42).↩
81
Diese von Barth gern benutzte Wendung (vgl. V.u.kl.A. 1909–1914, S. 143 📖; Schw.St., S. 233–239 📖; KD IV/3, S. 793 📖) lässt sich nachweisen bei A. Ph. von Segesser, Sammlung kleiner Schriften, Bd. 3: Reden im schweizerischen Nationalrathe und staatsrechtliche Abhandlungen. 1848-1878, Bern 1879, S. XXXII 📖: «­­Divina providentia et hominum confusione regitur Helvetia». Im Unterschied zu Barths Interpretation von «confusio» im Sinne von «Verwirrung» (KD IV/3, S. 795) oder «Unverstand» (V.u.kl.A. 1909–1914, ebd.) war ursprünglich wohl eher an das «Durcheinander» menschlicher Beziehungen und Verträge gedacht. Das System der Eidgenossenschaft erschien ausländischen Beobachtern so fremd und undurchschaubar, dass sie sich dessen Funktionieren nur mit Hilfe göttlicher Vorsehung erklären konnten (vgl. ebd.; vgl. auch A. Würgler, ‹The League of Discordant Members› or How the Old Swiss Confederation Operated and How it Managed to Survive for so Long, in: A. Holenstein u. a. [Hrsg.], The republican alternative: The Netherlands and Switzerland compared, Amsterdam 2008, S. 29–50, dort bes. S. 35f. 📖).↩
82
Die spätmittelalterliche Forderung nach einer Reform der Kirche «an Haupt und Gliedern» («tam in capite quam in membris») begegnet zuerst in einem Gutachten des Bischofs Guilelmus Durandus von Mende für das Konzil von Vienne (1311/12) (vgl. Büchmann, S. 391f. 📖). Zur Verwendung der Forderung durch die Deutschen Christen s. oben, Anm. 73.↩
83
Pfarrer Joachim Hossenfelder (1899–1976), seit 1929 Mitglied der NSDAP, war 1932 Mitbegründer und (bis Ende 1933) Reichsleiter der «Glaubensbewegung Deutsche Christen».↩
84
Im Aufruf Wilhelm Zoellners (Anm. 58) hieß es: «Wir brauchen Bischöfe an der Spitze und keine Kirchenparlamente. Die falsche Angleichung an das demokratische Prinzip des Staates von Weimar muß fallen. Die synodalen Körperschaften müssen Arbeitsorgane am Gliedbau des Ganzen werden. Die glaubende und betende Kirche kann nur dann arbeiten, wenn sie eine entschlußkräftige Führung hat» (Schmidt I, S. 140 📖).↩
85
Joachim Hossenfelder hatte in den als Eingabe für die Verhandlungen des Drei-Männer-Kollegiums verfassten Grundsätzen der Glaubensbewegung «Deutsche Christen» vom 4.5.1933 u. a. gefordert: «5. Die evangelische Reichskirche wird vom Vertrauen des Volkes getragen und vom Reichsbischof geführt. - 6. Die evangelische Reichskirche gliedert sich in nicht mehr als zehn Kirchenländer, an deren Spitze je ein Landesbischof steht [...]» (Schmidt I, S. 145 📖).↩
86
Vgl. aus den 16 Thesen der Jungreformatorischen Bewegung vom 18.5.1933, mit denen Friedrich von Bodelschwingh als Bischofskandidat präsentiert wurde: «An die Spitze der neuen Kirche hat ein geistlicher Führer zu treten, der in persönlicher Verantwortlichkeit und freier Entscheidung die Gesamtkirche unbeschadet der reformierten Sonderart leitet. [...] Das lähmende Kollegialsystem und abgestandene Wahlmethoden haben keinen Raum mehr in der Kirche. [...] Der oberste Führer der evangelischen Kirche ist der Reichsbischof lutherischen Bekenntnisses» (Schmidt I, S. 146–148, Zitate S. 147 📖). Trotz seiner Absage an das Bischofsamt katholischer Provenienz (s. unten, Anm. 89) hatte auch O. Dibelius, Das Jahrhundert der Kirche. Geschichte, Betrachtung, Umschau und Ziele, Berlin 1926, S. 93 📖, schon von der «religiösen Autorität» des Bischofsamtes gesprochen; es sei das Amt, «das mit einer Autorität, die sich von Gott her schreibt, […] das Leben der Kirche kontrolliert und leitet» (a.a.O., S. 92f.). Die Verbindung von geistlicher und autoritärer Führung war damals fast allen Akteuren plausibel (vgl. das Material in Th.Ex.h., S. 112f., Anm. 47 und 48 📖).↩
87
Vgl. hierzu und zum Folgenden: E. von der Goltz, Art. «Bischofsfrage in der evangelischen Kirche der Gegenwart», in: RGG2 I, Sp. 1131–1134 📖; zur Geschichte in Deutschland bes. Sp. 1132; s. auch oben, Anm. 58.↩
88
Seit 1918 wurde in der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union erwogen, den Bischofstitel anstelle des bisherigen «Generalsuperintendenten» verfassungsmäßig einzuführen. Ein 1927 vorgelegter Gesetzesentwurf, nach dem die Generalsuperintendenten (außer im Rheinland und in Westfalen) und der geistliche Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrats den Titel «evangelischer Bischof» führen sollten, scheiterte knapp. Außerhalb Preußens war das Amt eines «Landesbischofs» nach 1918 in den lutherischen Landeskirchen von Mecklenburg-Schwerin, Sachsen, Braunschweig, Hannover und Schleswig-Holstein sowie in der unierten Landeskirche von Nassau (wo es das Bischofsamt schon von 1817 bis 1876 gegeben hatte) eingerichtet worden (vgl. a.a.O., Sp. 1132f. 📖).↩
89
Vgl. a.a.O., Sp. 1133f. 📖: «Abgeleugnet wird jede hierarchische Tendenz, der ‹synodale› Typus und alle in der Verfassung gegebenen Sicherungen betont. [...] Vom evangelischen Standpunkte aus ist jedenfalls zu betonen, daß es sich nicht um eine Prinzipienfrage, also objektiv auch nicht um eine ‹Gewissensfrage› handelt, sondern um eine Zweckmäßigkeitsfrage. Erst die Einführung eines besonderen Ordo, einer besonderen Weihe oder gar der Fiktion der apostolischen Sukzession würde grundsätzlich der evangelischen Auffassung vom Amt widersprechen. Solche Auffassung lehnen aber auch alle Bischofsfreunde ab.» So urteilte auch Dibelius, Das Jahrhundert der Kirche (Anm. 86), S. 93 📖: «Der Bischof hat keine höhere Weihe als der Pfarrer. Seine Berufung kommt nicht weniger als die des Pfarrers durch Menschen zustande. [...] Aber der Dienst des Bischofs ist ein anderer als der Dienst des Pfarrers.» Vgl. a.a.O., S. 92–97; s. aber auch oben, Anm. 86.↩
90
Siehe oben, S. 271.↩
91
Die Aufzählung spiegelt die bereits in Eine theologische Erklärung zur Gestalt der Kirche 📖 (s. oben, S. 255–258) aufgegriffene Ämterlehre Calvins (vgl. Inst. IV,3 📖).↩
92
Vgl. hierzu KD I/1, S. 99f. 📖↩
93
Zitat aus Wilhelm Zoellners Aufruf an alle Lutheraner 📖 (Anm. 58): «Keine Nachahmung staatlicher Formen! Der Fehler des letzten Jahrzehnts darf nicht noch einmal gemacht werden» (Schmidt I, S. 140 📖).↩
94
Friedrich Werner postulierte auf der ersten Reichstagung der Deutschen Christen Anfang April 1933: «Die Verfassung der kommenden Reichskirche wird wie die Verfassung des Dritten Reiches den Parlamentarismus überwunden haben, um die Form zu finden, die allein der Ausdruck des deutschen Menschen unseres Zeitalters sein kann: Berufung der Tüchtigen zur Leitung unter einem selbstgewählten Führer» (Fr. Werner, Die Rechtsgrundlage der kommenden Reichskirche, in: Volk und Kirche [Anm. 58], S. 32f., Zitat S. 33 📖). Vgl. E. Hirsch, Volk, Staat, Kirche (4.6.1933), zit. nach: ders., Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen, Berlin-Charlottenburg 19332, S. 25–27 📖, Zitat S. 26: «In unserm Führungsstaate soll nach der Absicht des Führers selbst nicht der alte Behördenstaat sich erneuern, sondern Führer und Geführte sollen zusammengebunden sein durch das Sicherkennen, durch das Sichzueinanderbekennen, durch die uns alle miteinander tragende, ursprüngliche volkhafte Kraft. Wir müßten uns als Kirche schämen, wenn wir in der Brüderlichkeit des gottgeschenkten Rufes zum Evangelium nicht eine gleichartige Haltung zu verwirklichen vermöchten.»↩
95
Vgl. etwa Art. «Evangelischer Bischof? Von Michael», in: Rheinisch-Westfälische Zeitung, Nr. 268, 28.5.1933 📖 (zit. nach: Zeitungsspiegel, Nr. 45, 29.5.1933, S. 2 📖): «Warum nicht den Präses, den geistlichen Leiter einer Synode ‹Bischof› nennen […]? […] wo große Ziele mit verhältnismäßig geringem Einsatz und Aufwand erreicht werden müssen, tut eine starke, das Ganze überblickende Zentralgewalt not. Das kann – hier liegen Erfahrungen vor! – auch auf kirchlichem Gebiet immer nur ein Führer sein»; A. Agena-Evingsen, Gedanken zu «Gleichschaltung der Kirche», in: Aufwärts, Nr. 103, 4.5.1933 📖 (zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 20, 4.5.1933, S. 2): «Die evangelische Kirche deutscher Nation muß kommen und soll kommen. […] Hat das Volk sich im staatlichen Leben zu seinen besten Kräften bekannt, sich einer klaren Führung unterstellt, dann wird dasselbe Volk sich in seiner Kirche nicht entgegengesetzt verhalten.»↩
96
Vgl. z. B. aus der anlässlich seiner Einführung als Hamburger Landesbischof am 11.5.1933 gehaltenen Predigt Simon Schöffels: «Das Bischofsamt ist göttliche Amtssetzung zur Leitung der Gemeinde. In ihm kommt zum Ausdruck, daß nicht der Mensch die Kirche baut, sondern daß Gott sie ruft, sammelt, heiligt und erhält» (Tägliche Rundschau, Nr. 142, 21.6.1933 📖, zit. nach: Zeitungsspiegel, Nr. 66, 21.6.1933, S. 2 📖). Vgl. auch die Thesen zur Neugestaltung der evangelischen Kirche, ausgestellt von den Superintendenten des Sprengels Pommern Ost, in: Der Reichsbote, Nr. 109, 11.5.1933 📖 (zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 27, 11.5.1933, S. 5): «Zum Wesen der Lutherischen Bekenntniskirche gehört die geistliche Führung. Deshalb wünschen wir kein kollegiales Kirchenregiment, sondern das bischöfliche Amt, in seinem Vollsinn als Lehramt aufgefaßt.»↩
97

Vgl. W. M. Espe, Das Buch der N.S.D.A.P. Werden, Kampf und Ziel der N.S.D.A.P., Berlin 1933, S. 68f. 📖: «Ende Juli 1921 wurde in einer Generalversammlung die gesamte Leitung der Partei Adolf Hitler übertragen. Neue Satzungen wurden aufgestellt, durch die Adolf Hitler die offiziellen Vollmachten als Führer der Bewegung erhielt. Eine vollständige Reorganisation der Partei wurde durchgeführt. Hitler beseitigte die bisher in Kraft gewesene Beschlussfassung und Abstimmung der Mitglieder und setzte an ihre Stelle das ‹Führerprinzip›.» – Vgl. auch A. Hitler, Mein Kampf, München 193322, S. 378f. 📖: «Die Bewegung vertritt im kleinsten wie im größten den Grundsatz der unbedingten Führerautorität […]. Es ist eine der obersten Aufgaben der Bewegung, dieses Prinzip zum bestimmenden […] auch für den gesamten Staat zu machen.»

Das «Führerprinzip» entsprach aber einer damals auch außerhalb der NS-Bewegung anzutreffenden romantisierenden Auffassung über die Steuerung von kollektiven Prozessen (vgl. Der Dienst der ganzen Gemeinde Jesu Christi und das Problem der Herrschaft, Bd. 2: Votum des Theologischen Ausschusses der Evangelischen Kirche der Union zu Barmen IV, hrsg. von J. Ochel, Gütersloh 1999, S. 28f. 📖).

Massiv war die Forderung nach dem «Führerprinzip» auch in der Kirche von den Deutschen Christen erhoben worden (vgl. Nobiling [Anm. 73], passim 📖; Scholder I, S. 368f. 📖). In ihren am 15./16.5. beschlossenen neugefassten Richtlinien forderten sie für die Kirche «eine einheitliche Leitung unter einem geistlichen Führer, der die maßgebenden Entscheidungen persönlich zu treffen und zu verantworten hat» (Schmidt I, S. 143 📖). Vgl. M. Wedel, Kirche vor der Entscheidung, in: Tägliche Rundschau, Nr. 130, 7.6.1933 📖: «Deshalb kann unsere Zeit Christus überhaupt nur als ethischen Helden oder religiösen Führer begreifen. Die einzig mögliche Form der Religion ist heute der Glaube an Führer. Keine größere Sünde ist heute möglich als der leiseste Zweifel daran.»↩

98
Volkstümliche Redewendung für etwas, das völlig eindeutig ist; vgl. z. B. Der Schweizer-Bote, 33. Jg., Nr. 70, 31.8.1834, S. 291 📖: «Das wäscht der Rhein nicht ab, wie man im Volke spricht. Das zu widerlegen kann man Foliobände schreiben; […] hier ist so wenig eine andere Ueberzeugung hervorzubringen möglich, als die Zumuthung, eine Dame im besten Alter von 60 Jahren für schöner halten zu sollen, als die hübsche Herzogin von 20 Jahren!»↩
99
Anspielung auf M. Luther, Daß eine christliche Versammlung oder Gemeine Recht und Macht habe, alle Lehre zu urteilen und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen, Grund und Ursach aus der Schrift (1523), WA 11, 408–416. 📖↩
100
Vgl. etwa den Passus der Erklärung Hermann Albert Hesses zum Loccumer Manifest vom 26. Mai 1933, mit dem er gegenüber den Bevollmächtigten des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes – trotz der zuvor geäußerten prinzipiellen Ablehnung – seine «partielle» Anerkennung des Amtes des Reichsbischofs aussprach: «Wir wollen ihn aber um der Liebe willen anerkennen als den Mann, der die Deutsche Evangelische Kirche nach außen hin, insbesondere dem Staat und den außerdeutschen Kirchen gegenüber zu vertreten hat» (H. A. Hesse, Das rechtliche Verhältnis der Reformierten zum Reichsbischof, in: RKZ 83 [1933], S. 166f., Zitat S. 167 📖).↩
101
Vgl. etwa R. Sohm, Kirchengeschichte im Grundriß, Leipzig 18882, S. 31 📖: «Mit der bischöflichen Verfassung legte die Kirche die Waffenrüstung an, welche sie fähig machte, den Stürmen der kommenden Zeiten zu widerstehen. Was der christliche Glaube an Reinheit seines Inhalts verlor, gewann er an der Kraft äußerer Organisation. […] Die Kirche schickte sich an, die Welt zu erobern. Sie organisierte sich durch die bischöfliche Verfassung nach weltlicher Art […]. Der ursprüngliche echtapostolische Begriff der Kirche ging unter, damit die äußere Herrschaft der Kirche begründet werden könne […].» Ähnlich urteilten A. von Harnack, Lehrbuch der Dogmengeschichte, Bd. 1, Tübingen 19094, S. 480–496 📖; P. Althaus, Grundriß der Dogmatik, Teil I, Erlangen 1929, S. 66. 📖↩
102
Barth hat später explizit verdeutlicht, dass er mit diesen Sätzen Hitler keine Reverenz erweisen wollte: vgl. K. Barth, «Auch ich denke jetzt an Adolf Hitler», in: KBRS 105 (1949), S. 166f. 📖; Auszüge in: Th.Ex.h., S. 120–122, Anm. 66 📖. Er bot dort folgende «Exegese»: «Es ist doch deutlich, dass mich der fatale Mann […] gerade nur als das Phänomen interessierte, das 1933 die törichte Bischofsbewegung und den in jeder Hinsicht so nichtigen Bischofsstreit entzündet hatte. In diesem Sinn musste er mich wohl interessieren, weil ich es nun einmal mit meinen guten Deutschen von 1933 zu tun hatte, die […] wie gebannt auf diesen Hitler starrten. Nicht mir, aber ihnen hatte er als ‹Führer› so Eindruck gemacht, dass sie nun auch in der Kirche – ich hielt ihnen S. 21 vor: wie die Baalspfaffen mit ihrem ‹Baal, erhöre uns!› – nach einem ‹Führeramt› riefen. Und ihnen wollte ich zeigen, dass diese Sache schon von ihrem Nationalsozialismus […] her ‹barer Unsinn› sei.»↩
103
Vgl. M. de Cervantes Saavedra, El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha (1605/15), dt. unter dem Titel: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha, übers. von L. Braunfels, München 1956 📖, dessen Titelheld zum «Sinnbild des weltfremden Kämpfers für das Gute und Edle, der an der harten Wirklichkeit scheitert», wurde (Büchmann, S. 293 📖).↩
104

Ein aufschlussreiches Beispiel für diesen – antiintellektualistisch gestimmten – Aktionismus findet sich bei Emanuel Hirsch, der die «Position theologisch unangreifbarer Korrektheit» als Verweigerungsmentalität diffamierte bzw. ihr eine noch nicht überwundene «Oppositionsstimmung, die sich ins Theologische übersetzt hat», nachsagte: «All das hat keine Kraft. Es wird zerfliegen, wenn ein junger stürmischer Wille es anrührt. Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob dieser junge stürmische Wille schon theologisch hat unangreifbar reden lernen oder nicht. Das wird er schon nachholen, wenn er gesiegt hat» (E. Hirsch, Die wirkliche Lage unserer Kirche, in: MPTh 1933, Heft 4/5, Mai/Juni 1933, S. 182–185 📖, zit. nach: ders., Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen [Anm. 94], S. 20–23, Zitate: S. 22 📖).

In die gleiche Richtung zielte eine Passage aus der Rede Hitlers auf der «Führertagung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes» in München vom 2. Mai 1931, aus der Barth im Jahr zuvor, in Warum führt man den Kampf nicht auf der ganzen Linie? Der Fall Dehn und die «dialektische» Theologie 📖, die folgenden Sätze zitiert hatte, um sich betont von ihnen abzugrenzen: «Wenn der Theoretiker sagt, die NSDAP sei eine oberflächliche Partei, dann kann ich ihm nur antworten: Sie sind eben nur Theoretiker: Es handelt sich im Augenblick um eine Feldschlacht und nicht um das Betreiben kriegswissenschaftlicher Studien. Da haben wir unsererseits keine Zeit, Menschen zu erziehen, die geistig hoch gebildet sind. Wir wollen die Überzeugung erwecken, daß der deutsche Freiheitsgedanke herrscht. Das ist unsere Aufgabe, nicht: Hinsetzen, um gerade jetzt geistige Vertiefung zu betreiben. Später ja, wenn wir im Besitz der Macht sind. Jetzt muß unsere Sorge sein, daß uns niemand die Macht nimmt. Da haben wir für theoretische Probleme keine Zeit» (O.Br. 1909–1935, S. 180; vgl. S. 180f. 📖).↩

105
Nachdem die Jungreformatorische Bewegung am 18. Mai 1933 Friedrich von Bodelschwingh als Kandidaten für das Amt des Reichsbischofs benannt hatte (s. oben, Anm. 86), proklamierten die Deutschen Christen am 23. Mai die von ihnen für selbstverständlich gehaltene Kandidatur Ludwig Müllers (s. unten, Anm. 125). Daraufhin einigten sich die Bevollmächtigten des Kirchenbundes auf die Nominierung Bodelschwinghs, der – trotz der noch nicht abgeschlossenen Verfassungsverhandlungen – von der Versammlung der Vertreter des Kirchenbundes am 27. Mai gewählt wurde und sogleich seine Amtsgeschäfte aufnahm (s. oben, S. 260, Anm. 1; s. auch unten, Anm. 195, zu den Ereignissen der Himmelfahrtswoche). Das wiederum entfesselte den eigentlichen, auch in der Presseberichterstattung so genannten «Bischofsstreit», der einerseits von einer starken Welle der Sympathie für Bodelschwingh, andererseits durch eine vom Parteiapparat massiv unterstützte deutsch-christliche Agitation für Müller charakterisiert war. Die Auseinandersetzungen wurden durch den Eingriff des Staates am 23./24. Juni und den darauf folgenden Rücktritt Bodelschwinghs beendet (s. oben, S. 271f.; vgl. auch oben, Anm. 56).↩
106
Vgl. hierzu und zum Folgenden Eine theologische Erklärung zur Gestalt der Kirche 📖 (s. oben, S. 249–259) und Forderungen zur Gestalt der Kirche 📖 (s. oben, S. 265–270).↩
107
Siehe oben, Anm. 88.↩
108
Es handelt sich um Theologische Fakultäten mit traditionell lutherischem Profil, deren systematische (und teils historische) Lehrstühle mit damals prominenten lutherischen Theologen besetzt waren: Paul Althaus und Werner Elert in Erlangen, Emanuel Hirsch und Georg Wobbermin in Göttingen, Horst Stephan in Leipzig und Friedrich Brunstäd in Rostock.↩
109
Die Rede vom «designierten Reichsbischof» (der ja – ohne dass es dazu eine Verfassungsgrundlage gegeben hätte – schon gewählt war) spiegelt die Rechtsunsicherheit der Position Bodelschwinghs wider (vgl. Scholder I, S. 435–439 📖).↩
110
Fr. von Bodelschwingh hatte ein zur Verlesung in den Gottesdiensten am Pfingstsonntag 1933 bestimmtes Grußwort an die Gemeinden verfasst (Text in: Dokumentation zum Kirchenkampf in Hessen und Nassau, Bd. 1, bearb. und hrsg. von M. Hofmann u. a., Darmstadt 1974, S. 45). 📖↩
111
In seinem Grußwort an die Gemeinden 📖 wies Bodelschwingh darauf hin, dass aus den Bemühungen um den Zusammenschluss zur Reichskirche nur dann bleibender Segen erwachsen könne, «wenn wir uns alle miteinander demütig beugen vor der Majestät unseres Gottes; miteinander lauschen auf die Stimme des guten Hirten, der für uns gestorben und auferstanden ist; miteinander dem Geist gehorchen, der uns beten und lieben lehrt» (ebd.). In dem am Tag seiner Wahl veröffentlichten Wort an die evangelischen Christen Deutschlands (Schmidt I, S. 155–157) 📖) hatte er geschrieben: «Ich habe dieses Bischofsamt für mich nicht begehrt, sondern ich gehe den Weg des Gehorsams. Wenn die verantwortlichen Männer der Kirche mich beauftragt haben, der ich aus einer Arbeit an Armen und Kranken komme, so zeigt das den Weg, den ich auch weiter zu gehen habe. Es ist der Weg der Diakonie. Ginge es nach mir, so würde ich lieber Reichsdiakon als Reichsbischof genannt werden. Aber es liegt nicht am Namen» (a.a.O., S. 156f.).↩
112
Den Begriff des «Kairos» im Sinne eines religiös und theologisch besonders qualifizierten Zeitmoments hatte Paul Tillich in die Diskussion eingeführt. In seiner Kritik an dessen «Kairosphilosophie» meinte Barth deutliche Parallelen zwischen Tillich und Emanuel Hirsch zu erkennen, ja er machte den Kairosgedanken mitverantwortlich für Hirschs geschichtstheologische Verklärung der nationalsozialistischen Machtergreifung (vgl. K. Barth, Offenbarung, Kirche, Theologie [ThExh 9], München 1934, S. 6 📖). Gleichwohl müssen die deutlichen Unterschiede zwischen Tillichs Denkansatz und Hirschs unkritischer Geschichtstheologie beachtet werden (vgl. dazu M. Beintker, Die Frage nach den Quellen der Offenbarung im Spiegel theologiegeschichtlicher Entwicklungen zwischen 1918 und 1934 [1994], in: ders., Krisis und Gnade. Gesammelte Studien zu Karl Barth, hrsg. von St. Holtmann / P. Zocher, Tübingen 2013, S. 40–63, dort S. 55–58 📖).↩
113
Zu ihrer Vorgeschichte seit 1931 vgl. Scholder I, S. 239–274 📖; zu ihrer vom 3. bis zum 5. April 1933 in Berlin abgehaltenen ersten Reichstagung vgl. Volk und Kirche 📖 (Anm. 58); Scholder I, S. 361–369.↩
114
Zu den «gewissen Reformierten», bei denen es sich um einige der Mitunterzeichner von Eine theologische Erklärung zur Gestalt der Kirche 📖 handelt, s. oben, S. 251f.   Zu den Schülern, die sich – zumindest in jenem Frühsommer 1933 – im Umfeld der Deutschen Christen bewegten, gehörten Otto Fricke und Heinz Kloppenburg (1903–1986), der aber schon am 19. Juni 1933 an Barth geschrieben hatte: «Da ich mit Otto Fricke zu den schwarzen Schafen gehörte, die bei den deutschen Christen versuchten, das Beste herauszuretten, und da Sie das sicherlich nur mit heftigem Achselzucken zur Kenntnis nahmen, muß ich Ihnen doch auch schreiben, daß ich nunmehr bei dieser Gesellschaft im hohen Bogen an die Luft befördert bin. Unbequem war man ihnen ja von Anfang an; das Eintreten für Bodelschwingh gab dann den Anlaß, mich herauszuwerfen» (KBA 9333.393). Vgl. – mit weiteren Belegen – P. Zocher, Edo Osterloh – Vom Theologen zum christlichen Politiker. Eine Fallstudie zum Verhältnis von Theologie und Politik im 20. Jahrhundert (AKIZ.B 48). Göttingen 2007, S. 32f. 📖; vgl. auch Th.Ex.h., S. 126–128, Anm. 79 📖.   Auch die Beitritte von Gesprächspartnern aus dem Bremer Kreis haben Barth sehr enttäuscht (vgl. unten, Anm. 138).↩
115

Gemeint ist zuerst Die evangelische Reichskirche nach den Grundsätzen der «Deutschen Christen» (Schmidt I, S. 144f. 📖)). Joachim Hossenfelder ließ diese Grundsätze am 4. Mai 1933 für das Drei-Männer-Kollegium ausarbeiten (vgl. Scholder I, S. 400 📖). Barths Datierung fußt auf ihrer Übergabe an die Bevollmächtigten und ihrer Veröffentlichung in der Presse.

Sodann handelt es sich um die vor allem von Karl Fezer (1891–1960, 1930 Prof. für Praktische Theologie in Tübingen, 1933 Beitritt zu den Deutschen Christen, maßgeblicher Berater L. Müllers) verfassten sogenannten Fezerschen oder Müllerschen Richtlinien (Schmidt I, S. 143f.; Gauger I, S. 79 📖, Flugblattfassung bei van Norden [Anm. 66], S. 167–169 📖; vgl. Scholder I, S. 403–405), mit denen die im Wesentlichen auf Hossenfelder zurückgehenden Richtlinien der Glaubensbewegung «Deutsche Christen» vom 26.5.1932 (Schmidt I, S. 135f.; Gauger I, S. 77) ersetzt bzw. an die mit den Loccumer Verhandlungen entstandene kirchenpolitische Lage angepasst wurden. Nach ihrer Unterzeichnung am 16. Mai 1933 erschienen diese neuen Richtlinien als Sonderdruck unter dem Titel Der neue Kurs der Glaubensbewegung «Deutsche Christen», bestätigt vom Reichskanzler Adolf Hitler.

Schien Hossenfelder den Machtkampf mit Müller um die Führung der Deutschen Christen damit verloren zu haben, wuchs sein Einfluss infolge der weiteren Ereignisse schnell wieder an, und so ließ er Mitte Juni per Rundschreiben verlauten, «daß die alten Richtlinien voll inhaltlich in Kraft bleiben und die neuen lediglich eine weitergehende Interpretation des alten Gedankengutes darstellen» (Rundschreiben Nr. 4 der Deutschen Christen, zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 62, 17.6.1933, S. 5 📖) Barth ignorierte den ihm gewiss nicht verborgen gebliebenen Machtkampf bewusst, wenn er abwechselnd aus den Müllerschen Richtlinien und den Hossenfelderschen Grundsätzen zitierte.↩

116
Richtlinien vom 16. Mai (Anm. 115; Schmidt I, S. 143 📖).↩
117
Ebd.↩
118
Ebd.↩
119
Ebd.↩
120
Wortlaut der These 2 aus den Grundsätzen vom 4. Mai (Anm. 115), auf die sich auch das Zitat im vorangehenden Satz bezieht: «Wir wollen keine Staatskirche, aber auch keine Kirche, die Staat im Staate ist, sondern eine evangelische Reichskirche, die die Hoheit des nationalsozialistischen Staates aus Glauben anerkennt und das Evangelium im Dritten Reich verkündet» (Schmidt I, S. 145 📖). – «Evangelium im Dritten Reich» hieß auch das Sonntagsblatt der Deutschen Christen, das am 16. Oktober 1932 erstmals erschienen war.↩
121
Richtlinien vom 16. Mai (Anm. 115; Schmidt I, S. 143 📖).↩
122
Grundsätze vom 4. Mai (Anm. 115), These 3: «Die evangelische Reichskirche ist die Kirche der Deutschen Christen, d. h. der Christen arischer Rasse» (Schmidt I, S. 145 📖).↩
123
Vgl. Richtlinien vom 16. Mai (Anm. 115): Wir fordern «eine einheitliche Leitung unter einem geistlichen Führer, der die maßgebenden Entscheidungen persönlich zu treffen und zu verantworten hat» (Schmidt I, S. 143 📖).↩
124
Grundsätze vom 4. Mai (Anm. 115), These 9: «Über die Reichskirche im Sinne der vorstehenden Richtlinien und erstmalig über die Person des Reichsbischofs – dieser nach Vorschlag und aus den Reihen der «Deutschen Christen» – soll das gesamte ev[angelische] Kirchenvolk am 31. Oktober 1933 durch Urwahl entscheiden. [...] Ausgeschlossen vom Wahlrecht sind Christen nichtarischer Abstammung» (Text nach Gauger I, S. 77 📖; bei Schmidt I, S. 145 📖, fehlt die Parenthese im ersten Satz).↩
125
Auf der außerordentlichen «Führertagung» der Deutschen Christen am 23. Mai 1933 in Berlin, auf der Ludwig Müller einstimmig als Bischofskandidat gewählt wurde (vgl. Scholder I, S. 414–417 📖), waren folgende Bedingungen für den künftigen Reichsbischof benannt worden: «Er muß ‹1. als Kämpfer aus der G[laubensbewegung] D[eutsche] C[hristen] hervorgegangen sein, 2. das Vertrauen der Kirche haben, 3. das Vertrauen des Reichskanzlers haben›» (Gauger I, S. 81 📖).↩
126
Richtlinien vom 16. Mai (Anm. 115; vgl. Schmidt I, S. 143 📖, dort: «die rechten Waffen»). – Barth zitiert nach Zeitungsspiegel, Nr. 33, 17.5.1933, S. 3 📖 (die gleiche Textfassung bietet van Norden [Anm. 66], S. 168 📖).↩
127
Ebd. (zit. nach Zeitungsspiegel, ebd. 📖 [vgl. van Norden, ebd. 📖]; der Passus fehlt bei Schmidt I 📖).↩
128
Das Stichwort «Katakomben» wurde von Kritikern höhnisch kommentiert. So überschrieb Kurt Leese seine Rezension von Th.Ex.h. 📖 mit: «Katakomben-Theologie» (Deutsche Rundschau, Jg. 59 [1933], S. 84–87) 📖, und Fr. Tügel, Unmögliche Existenz! Ein Wort wider Karl Barth, Hamburg 1933, S. 46f. 📖, bemerkte: «Er hat sich im unterirdischen Rom schon ziemlich häuslich eingerichtet. Er malt das Martyrium der Katakombenkirche in allen Farben […]. Unbegreiflich: Wir ziehen singend aus der Katakombennacht in den frischen deutschen Morgen, Dankeslieder gegen den Allmächtigen auf den Lippen, […] – und er hebt den Grabgesang der ‹ecclesia pressa› an!» – Tügel, damals Leiter der Deutschen Christen im «Gau Hamburg», bereute ausweislich seiner posthum veröffentlichten Memoiren diese Schrift später: «[…] sie glitt doch in manchem Stück von der Höhe theologisch-kirchlicher Gedankenführung auf das Niveau des politischen Kampfes hinunter, und so ist sie mir später von Herzen leid geworden. Es wäre in jedem Fall besser gewesen, ich hätte damals geschwiegen» (Fr. Tügel, Mein Weg. 1888–1946. Erinnerungen eines Hamburger Bischofs, hrsg. von C. Nicolaisen [Arbeiten zur Kirchengeschichte Hamburgs, 11], Hamburg 1972, S. 243 📖).↩
129
Vgl. unten, Anm. 138, Barths Kommentar zum Beitritt von Gesprächspartnern aus dem Bremer Kreis zu den Deutschen Christen.↩
130
Das im Druck fehlende Wort «Staat» wurde von Barth in seinem Handexemplar nachgetragen.↩
131

Von wem die Formulierung stammt, ließ sich nicht ermitteln. Aber sie deckt sich mit Barths Einschätzung der Entwicklung des Protestantismus (s. etwa oben, S. 32, Anm. 49) und enthält ein zentrales Motiv der auch weiter von ihm geäußerten Kritik an der Theologie der Deutschen Christen, in der er «die letzte vitalste vollendete Gestalt der großen neuprotestantischen Untreue gegen die Reformation» sah (s. unten, S. 548). Ähnlich auch H. Asmussen, Neues Bekenntnis? Ein Beitrag zum Neubau der Kirche, Berlin 1933, S. 30 📖: «Wir können den Deutschen Christen die Frage nicht ersparen: Seht ihr nicht, wie eure Organisation dazu mißbraucht wird, daß sich liberale Elemente aus einem vorsintflutlichen Zeitalter bei euch einnisten? Seht ihr nicht, wie dieser vorsintflutliche Liberalismus in euren Reihen geradezu eine Auferstehung erlebt, nachdem er schon fast verstorben war?»

Die in der Formulierung ebenfalls angesprochene Schelte des Aufklärungszeitalters war für die NS-Ideologie charakteristisch und wurde natürlich auch von den Deutschen Christen geübt. Joachim Hossenfelder erklärte z. B. auf deren erster Reichstagung, dass nunmehr das Volk an die Stelle des «Ich» getreten sei: «Damit bekommt der Glaube eine neue Sinngebung. Bisher gab allenfalls das ‹Ich› dem christlichen Glauben noch einen Sinn. [...] Vom Ich her, von der Aufklärung her kamen unsere kirchenpolitischen Parteien und mussten so unschöpferisch werden und mit ihnen die Kirche, die sie mit sich selbst identifizierten» (J. Hossenfelder, Begrüßungsansprache im ehemaligen Herrenhause in Berlin, in: Volk und Kirche [Anm. 58], S. 3 📖).↩

132
Vgl. Brief K. L. Schmidts an Barth vom 10.4.1933 (KBA 9333.198): «Gestern bekam ich einen Brief unseres gemeinsamen Freundes Ibeling: ich hatte für die niederrheinische Predigerkonferenz Mittwoch nach Ostern einen Vortrag über ‹Das Wort und die Wörter in der Bibel› übernommen. Bevor die Einladungen ergangen waren, haben nun NSDAP-Pfarrer der Rheinprovinz Drohbriefe an den Vorstand besagter Konferenz geschickt, man werde mich nicht reden lassen usw. usw. Daraufhin hat man die ganze Konferenz abgesagt.» Heinrich Ibeling, Pfarrer in Düsseldorf, war 1933 Vorsitzender der niederrheinischen Pfarrerkonferenz.↩
133
Das Absingen des Lutherliedes gehörte zum festen Ritual deutsch-christlicher Veranstaltungen (vgl. etwa Scholder I, S. 425.700.703.718 📖). Über eine Kundgebung in Bonn, von der Barth also gewusst haben dürfte, wurde berichtet: «So – unter Posaunenstößen und Trommelwirbeln – muß von Luthers Mitkämpfern gesungen worden sein: ‹Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen› und ‹Ein’ feste Burg ist unser Gott 🎵›» (Westdeutscher Beobachter, 31.5.1933, S. 5 📖).↩
134
Mit dem am 18.4.1933 in der NSDAP-Zeitung «Niederdeutscher Beobachter» erschienenen Artikel Bauern erobert die Kirche! 📖 wurde der Staatseingriff in der Mecklenburgischen Landeskirche (vgl. oben, Anm. 75) eingeleitet (vgl. Gauger I, S. 70 📖; DKPDR I, S. 40, Anm. 12 📖, Scholder I, S. 379f. 📖).↩
135

Vgl. Zur Lage im Saargebiet, in: Sonntagsbote der «Deutschen Christen», Kirchenkreis Köln, 11.6.1933 📖 (zit. nach:Zeitungsspiegel, Nr. 63, 18.6.1933, S. 6 📖): «In unserem Nachbargau Saargebiet haben die uns angeschlossenen Pfarrer sehr stark unter der Verfolgung ihrer evangelischen Pfarrerkollegen zu leiden. Man hat sich sogar erdreistet, unseren Pfarrern zu drohen, wenn sie von der Glaubensbewegung nicht abließen, würde man sie zwingen, den Talar auszuziehen. Es ist stark zu vermuten, daß sich diese deutschen evangelischen Pfarrer zur Bekämpfung der Glaubensbewegung hinter die Saarregierung und die Franzosen stecken.

Die Abrechnung kommt auch hier. –
Diese vaterlandslosen Gesellen wird ihr Schicksal bestimmt im Jahre 1935 ereilen. Einige dieser sauberen Seelsorger, die nach der Abstimmung im Jahre 1935 nicht nur eine Tracht Prügel erhalten werden, möchten wir hier schon nennen, damit sie nicht der Vergessenheit anheimfallen; es sind: Pfarrer Wehr, Saarbrücken I; Pfarrer Bronisch, Saarbrücken II; Pfarrer Blanke, Bischmisheim.» – Gegen den Verfasser des Artikels stellte das rheinische Konsistorium Strafantrag (vgl. Zeitungsspiegel, Nr. 64, 19.6.1933, S. 1).↩

136
«Des ischt mir alles fabelhaft neu» war ein Ausspruch Albert Lempps nach seiner ersten Begegnung mit Barth und seiner Theologie im Februar 1920 (vgl. Bw.Th. I, S. 368 📖) und seitdem ein geflügeltes Wort bei Barth und seinen Freunden.↩
137

Die von Barth angeführten sechs Motive der Mitarbeit bei den Deutschen Christen können nicht alle bestimmten Personen sicher zugeordnet werden. Berücksichtigt man, in welchem Tempo sich die Entwicklung in den Monaten seit April zugespitzt, wie viele Konferenzen und Besprechungen es gegeben und welch intensiver persönlicher Austausch über alles das stattgefunden hatte, erscheint es mehr als wahrscheinlich, dass Barth über einige Beitritte und deren Begründungen mündlich informiert gewesen ist.

Hier, für das erste Motiv, kommen wohl die sozusagen «genuinen» Deutschen Christen in Frage. Vgl. etwa die Ausführungen von Friedrich Peter, Pfarrer in Berlin, auf einem «Ausspracheabend» mit Otto Dibelius (Der Reichsbote, Nr. 109, 11.5.1933 📖, zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 27, 11.5.1933, S. 4 📖): «Innerhalb der nationalsozialistischen Reihen hätten die ‹Deutschen Christen› gestanden, an die der Ruf Gottes ergangen sei: ‹Ihr müßt Adolf Hitler folgen›... Die ‹Deutschen Christen› wären aber diesem Rufe […] gefolgt; denn sie bekennen sich zu dem Satz: Christus ist mein Heiland, und Adolf Hitler ist mein Führer!»↩

138
Zu dieser Gruppe dürfte Barth den Bremer Philosophen Hinrich Knittermeyer gerechnet haben, mit dem er im Bremer Kreis um Karl Stoevesandt ins Gespräch gekommen war (s. oben, S. 68f.). Zu der Nachricht von dessen und Karl Refers Beitritt schrieb Barth am 4.5.1933 an Dorothee und Karl Stoevesandt: «Ihre Nachricht über Knittermeyer und Refer hat mich doch sehr erschüttert. Das Scriptum von Refer verrät schlechterdings einen Mann, der den Kopf verloren hat. Und die Philosopheme, mit denen Knittermeyer denselben Schritt rechtfertigt, möchte ich schon gar nicht lesen. Solche Sophismen mögen in den alten Christenverfolgungen vorgebracht worden sein, wenn die Leute beweisen wollten, dass das bisschen Weihräuchern nicht nur erlaubt, sondern bei ganz tiefem Verständnis des Christentums geradezu geboten sei» (KBA 9233.115; Bw. Stoevesandt, S. 16 📖). Refer und Knittermeyer hatten ihren Schritt öffentlich begründet: Wie kam ich zur Glaubensbewegung der deutschen Christen?, in: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Nr. 112, 30.4./1.5.1933 📖. Stoevesandt kommentierte Knittermeyers Beitritt mit den Worten, dass dieser «hier wie immer in dem heissen Bemühen steht, die Wirklichkeit zu sehen und sie mit kritischer Durchleuchtung klären zu helfen» (Brief an Barth vom 4.5.1933 [KBA 9333.253; Bw. Stoevesandt, S. 14]). Vgl. dazu auch: H. Knittermeyer, Wirklichkeit und drittes Reich. Grundsätzliches zu Hermann Herrigel: Das neue Denken, in: ZZ 8 (1930), S. 420–442 📖; ders., Theologisch-politischer Diskurs, in ZZ 11 (1933), S. 125–155. 📖↩
139
Vgl. etwa aus dem Bericht Ueber die Glaubensbewegung deutscher Christen, in: General-Anzeiger für Wesel und Niederrhein, 2.5.1933 📖, über eine Ansprache von Heinrich Forsthoff (1871–1942), damals Pfarrer in Mülheim/Ruhr, 1934–1936 Propst des neu gegründeten Bistums Köln-Aachen: «Es ist klar, daß eine Erneuerung unseres Volkes auch auf das religiöse Gebiet ausstrahlt […]. In vorsichtigen Worten deutete der Vortragende die Forderungen und Ziele der ‹Deutschen Christen› an, die eine einheitlichere Gestaltung der 28 Landeskirchen erstreben und zwar in enger Wechselbeziehung mit der nationalen Erneuerung, die wir auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens sehen. Das einigende Band kann und soll nicht das Bekenntnis, sondern nur der Glaube sein. […] Vereinheitlichung und Gleichschaltung mit der gewaltigen Bewegung zur Erneuerung dürfte das Ziel sein.»↩
140
Im Hintergrund einer solchen Motivation steht die Faszination des «Zauberwortes» Volksmission, das mit den Deutschen Christen verbunden wurde und auch in traditionell kirchlichen Kreisen wesentlich zu ihrer Anziehungskraft beitrug. Man fürchtete, wie im 19. Jahrhundert bezüglich der sozialen Frage und der Arbeiterbewegung, eine erneute Abwendung großer Teile der Bevölkerung von der Kirche, wenn man sich diesem Anliegen verschlösse. Vgl. als Beispiel die Äußerung Simon Schöffels in der Sitzung der lutherischen Kirchenführer vom 22. Juni 1933: «Mit Bodelschwingh stoßen wir eine Bewegung von Millionen ab, von denen wir nie wissen, wie wir sie in die Kirche bekommen (cf. Verhältnis zur Arbeiterbewegung). Hier liegt für mich eine innerste sittliche Nötigung» (Verantwortung für die Kirche. Stenographische Aufzeichnungen und Mitschriften von Landesbischof Hans Meiser 1933–1955, Bd. 1: Sommer 1933 bis Sommer 1935, bearb. von H. Braun / C. Nicolaisen [AKIZ.A1], Göttingen 1985, S. 18 📖). Vgl. zum Ganzen: S. Hermle, Zum Aufstieg der Deutschen Christen. Das «Zauberwort» Volksmission im Jahre 1933, in: ZKG 108 (1997), S. 309–341 📖.↩
141
Eine solche Haltung, die mit der vorher und der nachfolgend genannten verbunden sein konnte, spiegelt sich in Stellungnahmen zu den Müllerschen Richtlinien (Anm. 115) vom 16. Mai 1933: «Das erste Echo auf die neuen Richtlinien […] lautet: Die Grundsätze sind gut, man kann über sie reden […]. Aber im praktischen Teil sind sie zu allgemein. Vor allem stellt man sich […] die berechtigte Frage: Werden alle Mitglieder der Reichsleitung diesen ausgesprochenen Vermittlungsthesen folgen?» (Tägliche Rundschau, Nr. 113, 18.5.1933 📖, zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 34, 18.5.1933, S. 1 📖). «Die neuen Richtlinien […] sind so gestaltet, daß man ihnen und ihrer besonnenen Haltung im weiten Umfange zustimmen kann» (Der Reichsbote, Nr. 115, 18.5.1933 📖, zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 34, 18.5.1933, S. 2). Im Hinblick auf diese Richtlinien trat etwa Hans Beyer, kulturpolitischer Redakteur der «Kreuz-Zeitung», den Deutschen Christen bei (vgl. Zeitungsspiegel, Nr. 35, 19.5.1933, S. 8). Otto Weber – in Bezug auf ihn ist die oben, Anm. 137, geäußerte Vermutung, dass Barth vielfach mündlich informiert war, belegbar (s. oben, S. 251f., Anm. 27) – beschrieb nachträglich, in einer am 14. Juli 1933 verfassten Erklärung, das Motiv seines Beitritts so: Er sei erfolgt «auf Aufforderung des hiesigen Untergauführers […], der die Bewegung als eine rein volksmissionarische auf Grund der Fezer’schen Richtlinien betreiben wollte»; die «Bindung an die ursprünglichen Richtlinien» habe er dabei «ausdrücklich abgelehnt». Die Deutschen Christen verstehe er «als eine Evangelisationsbewegung in den Reihen des Nationalsozialismus» (zit. nach V. von Bülow, Otto Weber [1902–1966]. Reformierter Theologe und Kirchenpolitiker [AKIZ.B 34], Göttingen 1999, S. 97 📖).↩
142
Dieses Motiv war recht verbreitet. So hieß es etwa über Wilhelm Langenohl in einem Brief Heinz Ottens an Barth vom 22.6.1933 (KBA 9333.399): «Von Emden erfuhr ich, dass P[astor] Langenohl erklärt hat: die deutschen Christen sind das, was wir aus ihnen machen; und darauf haben sich manche Leute ihnen angeschlossen, die eigentlich da nicht hingehören sollten. Als wenn Luther sich den Schwärmern hätte anschliessen können, um ‹aus ihnen zu machen, was er wollte›!» Ganz in diesem Sinn begründete Werner Waldhecker, der in Bonn (besonders bei Wilhelm Goeters) studiert hatte und nun Vikar in Leopoldshöhe war, seinen Beitritt (Brief an Goeters vom 20.5.1933, in: H. Schürhoff-Goeters, Wilhelm Goeters (1878–1953). Aus seinem Nachlass und den Erinnerungen seiner Familie, o. O., 2007, S. 226 📖): «Seit einer Woche bin ich Pressewart der ‹Deutschen Christen› für Lippe […]. Was mich dazu bewogen hat, diesen Schritt zu tun, hat seine Ursache in den Rheydter Besprechungen. […] Ich will bei den ‹Deutschen Christen› nichts anderes, als was Sie damals ansprachen. […] Die Bewegung ist hier noch in den Anfängen, kann also noch gelenkt werden in die Bahnen, die die Kirche will.» Ähnlich hatte Heinz Kloppenburg argumentiert (s. oben, Anm. 114), und auch Karl Refer gab gegenüber Stoevesandts zu, dass bei den Deutschen Christen «noch sehr viel Unklares und nicht recht Fassbares sei. Aber gerade darum sei es notwendig, dass man da mitmache» (Brief K. Stoevesandts an Barth vom 4.5.1933 [Anm. 138]; Bw. Stoevesandt, S. 14 📖).↩
143
Schon im Brief an Dorothee und Karl Stoevesandt vom 4.5.1933 (Anm. 138) hatte Barth bemerkt: «Wie soll man sich nur wieder in die Augen sehen, wenn der Spuk einmal […] geht wie er gekommen ist? Es gibt Leute u[nd] zw[ar] große Kirchenlichter, die man dann eigentlich von Rechtswegen noch einmal konfirmieren müsste!»↩
144
Jedenfalls handelte es sich bei der Ausklammerung dieser Frage um einen Wesenszug der Deutschen Christen, vgl. K. Freitag, Organisationsgrundsätze der Glaubensbewegung «Deutsche Christen», in: Volk und Kirche (Anm. 58), S. 56–60, Zitat S. 56 📖: «Wer unter Mitgliedern einen Meinungsstreit über religiös dogmatische Fragen entfacht, verläßt den großen, uns alle umfassenden Rahmen und stellt sich selbst außerhalb der Bewegung.»↩
145
Vgl. Barths die Mentalität des 18. Jahrhunderts charakterisierenden Aussagen in Prot.Theol., S. 72f.77.80f.85.93 📖. – Das Motiv «Leben gegen Lehre» war bei den Deutschen Christen von Anfang an vorherrschend. In den ersten, von Hossenfelder verfassten Richtlinien vom 26. Mai 1932 hieß es programmatisch: «Diese Richtlinien wollen allen gläubigen deutschen Menschen Wege und Ziele zeigen, wie sie zu einer Neuordnung der Kirche kommen. Diese Richtlinien wollen weder ein Glaubensbekenntnis sein oder ersetzen, noch an den Bekenntnisgrundlagen der evangelischen Kirche rütteln. Sie sind ein Lebensbekenntnis. [...] Wir wollen das wiedererwachte deutsche Lebensgefühl in unserer Kirche zur Geltung bringen und unsere Kirche lebenskräftig machen» (Schmidt I, S. 135 📖).↩
146
Siehe oben, Anm. 63.↩
147
Seit dem 4. Mai 1933 hatte Ludwig Müller regelmäßig an den Beratungen des Drei-Männer-Kollegiums teilgenommen (vgl. oben, S. 242f.).↩
148
Am 25. April 1933 hatte Hitler Ludwig Müller «zu seinem Vertrauensmann und Bevollmächtigten für die Fragen der evangelischen Kirche» (Gauger I, S. 74 📖) ernannt (vgl. DKPDR I, S. 42f. 📖).↩
149
In Hitlers Ernennungsschreiben für Müller war ausdrücklich angemerkt, er habe als Bevollmächtigter für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche «noch den besonderen Auftrag, alle Arbeiten zur Schaffung einer evangelischen deutschen Reichskirche zu fördern» (Gauger I, S. 74 📖; DKPDR I, S. 43 📖 In einem am 10. Mai veröffentlichten Interview (Tägliche Rundschau, Nr. 106 📖 zit. nach Die Kirchenfrage, Nr. 44, 12.5.1933 📖) beantwortete Ludwig Müller die Frage danach, wie sich die Zusammenarbeit mit dem Drei-Männer-Kollegium gestalte, mit: «Ueber alles Erwarten herzlich und außerordentlich gut» und fügte hinzu: «so, wie der Herr Reichskanzler es sich gewünscht hatte».↩
150
Ludwig Müller erklärte am 26.4.1933 nach seiner Ernennung zum Bevollmächtigten: «Es ist der Wunsch und Wille des Reichskanzlers, daß die evangelische Christenheit das große Werk mit fröhlichem Gottvertrauen beginne und in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Reiche vollende» (Die Kirchenfrage, Nr. 22, 26.4.1933 📖; Gauger I, S. 76 📖). Am 13.5.1933 erklärte Joachim Hossenfelder in einer Verfügung, die Reichsleitung der Deutschen Christen stehe «in vollstem Vertrauen hinter dem Drei-Männer-Kollegium, Kapler, Marahrens und Hesse» (Die Kirchenfrage, Nr. 50, 13.5.1933; Gauger I, S. 77).↩
151
Als direkte Gewährsleute für diese Einschätzung kommen zunächst der zum Drei-Männer-Kollegium gehörende Hermann Albert Hesse und Wilhelm Goeters, der Müller aus Studienzeiten kannte und auch 1933 wieder in ­Kontakt mit ihm stand (vgl. oben, S. 251f., Anm. 27), in Betracht. Aber auch von anderer Seite wurde Müllers Persönlichkeit so beschrieben. Vgl. etwa E. Hirsch, Nationalsozialismus und Kirche. Um die Berufung des evangelischen Reichsbischofs, in: Völkischer Beobachter. Norddeutsche Ausgabe, 28./29.5.1933 📖, zit. nach: ders., Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen (Anm. 94), S. 23–25, Zitat S. 24 📖: Wer Müller kennengelernt habe, wisse, dass er «mit seiner menschengewinnenden Güte eine Persönlichkeit von Führerrang ist». Gemäß dem Art. Der sichere Weg zum Schisma, in: Tägliche Rundschau, Nr. 141, 20.6.1933 📖 (Zeitungsspiegel, Nr. 65, S. 2f., Zitat S. 3 📖), hatte Müller sich «durch sein menschlich überaus anziehendes Wesen die größte Achtung der Kirchenführer erworben». Vgl. auch Scholder I, S. 423f. 📖↩
152
Die Funktion des Schirmherrn (statt der eigentlich von ihm angestrebten Leitung) der Deutschen Christen übernahm Müller am 16.5.1933 (vgl. Scholder I, S. 401.415 📖).↩
153

Mit diesem Glaubensbekenntnis schließt das Loccumer Manifest vom 20.5.1933 (Schmidt I, S. 153f. 📖; veröffentlicht am 27.5.1933), die gemeinsame Verlautbarung des Drei-Männer-Kollegiums und Ludwig Müllers zur Gründung der Deutschen Evangelischen Kirche (vgl. oben, S. 244–246):

«Unser ganzes Vertrauen setzen wir auf den allmächtigen Gott, unseren Vater im Himmel. Ihm und seinem Gebot sind wir jeden Augenblick und überall verantwortlich.

Wir bekennen, daß wir vor Gott mit unserer bösen und verkehrten Art verloren sind. In fester Zuversicht blicken wir aber auf unsern Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der für uns auf Erden gekämpft und gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. In ihm haben wir Vergebung und Freiheit, Leben und Seligkeit.

Gottes Heiliger Geist ist der Geist der Wahrheit und der Kraft. Er treibt uns als Glieder der Kirche Jesu Christi, in Wort und Wandel aller Orten Bekenner und Streiter unseres Heilandes zu sein, vor allem in Familie und Beruf, in Volk und Vaterland.

Unter den Sorgen und Nöten des irdischen Lebens warten wir in Vertrauen und Verantwortung. Christus kommt wieder und bringt eine ewige Vollendung im Reiche seiner Herrlichkeit!» (a.a.O., S. 154).↩

154
Trotz der erfolglosen Beteiligung an der Ausarbeitung des Bekenntnisentwurfs für das Loccumer Manifest (s. oben, S. 242–246) unternahm Barth Anfang Juli nochmals einen Versuch der Einflussnahme auf die Formulierung des Textes (s. unten, S. 367, Anm. 18): Barths kritische Bemerkungen (s. Th.Ex.h., S. 144, Anm. 114 📖) wurden freilich rasch gegenstandslos, weil auf Wunsch des bayerischen Landesbischofs Hans Meiser das Bekenntnis aus der Präambel gestrichen und durch Eph. 4,4–6 ersetzt wurde. Vgl. H. Kater, Die Deutsche Evangelische Kirche in den Jahren 1933 und 1934. Eine rechts- und verfassungsgeschichtliche Untersuchung zu Gründung und Zerfall einer Kirche im nationalsozialistischen Staat (AGK 24), Göttingen 1970, S. 94. 📖↩
155
Vgl. Bodelschwinghs Wort an die evangelischen Christen Deutschlands (Anm. 111), in dem es hieß: «Die Arbeit der Kirche ist zuerst Verkündigung. Wir erbitten uns für sie eine Sprache, die verstanden wird. Wir wünschen uns für sie Menschen, studierte und unstudierte, die auch auf neuen Wegen das Wort Gottes zu allen Volksgenossen bringen. Wenn dieses Wort gehört wird, dann können Menschen zueinander kommen, die bisher durch Haß und Zwietracht getrennt waren. Denn dies Wort gibt die innere Heimat wieder, und aus dem Wort entsteht die Tat helfender, brüderlicher Liebe» (Schmidt I, S. 156 📖). – Barth könnte bei seiner Anspielung diesen Zusammenhang vor Augen gehabt haben, handelt es sich bei der Bitte um neue Wege der Verkündigung doch um einen deutlichen Anklang an eine deutsch-christliche Forderung aus den Richtlinien vom 16. Mai (zit. nach einem im Karl Barth-Archiv vorliegenden, mit Anstreichungen versehenen Sonderdruck der Buchdruckerei Alex Thiemann, Köln [KBA 16021]; dieser Satz fehlt in Schmidt I): «Der Wortverkündigung durch erweckte, nicht akademische Glaubensgenossen soll der Weg frei gemacht werden.»↩
156
Die Jungreformatorische Bewegung formierte sich als Alternativbewegung zu den Deutschen Christen, nachdem diese am 4. Mai 1933 ihre Grundsätze für das Drei-Männer-Kollegium proklamiert hatten (vgl. oben, Anm. 115). Am 9. Mai 1933 traten Walter Künneth (s. unten, Anm. 158) und Hanns Lilje (1899–1977, damals Generalsekretär und Vizepräsident des Christlichen Studentenweltbundes) auf einer Pressekonferenz im Berliner Hotel Adlon mit dem Aufruf der Jungreformatorischen Bewegung zum Neubau der Kirche (Schmidt I, S. 145f. 📖) an die Öffentlichkeit. Ihnen und Martin Niemöller wurde am 19.5.1933 die Leitung der Jungreformatorischen Bewegung übertragen. Vgl. Scholder I, S. 406–409 📖.↩
157
Es handelt sich dabei um die programmatischen Grundtexte zur Kirchenreform: Konkreter und ausführlicher auf Einzelheiten der Ausgestaltung der zu bildenden Reichskirche eingehend waren Die 16 Thesen der Jungreformatorischen Bewegung vom 18.5.1933 (Anm. 86), während der Aufruf der Jungreformatorischen Bewegung zum Neubau der Kirche vom 9.5.1933 (Anm. 156) eher allgemein gehalten war und Grundzüge der kommenden Reform beschrieb.↩
158
Walter Künneth (1901–1997), 1930 Privatdozent für Systematische Theologie in Berlin, 1932–1937 Leiter der Apologetischen Zentrale in Spandau, 1937 nach Entzug der venia legendi Pfarrer in Starnberg, 1953 Prof. für Systematische Theologie in Erlangen.↩
159
Denkschrift der Jungreformatorischen Bewegung über ihre Stellung zur Reichsbischofsfrage. Flugschrift, 6 S. 📖, unterzeichnet: «Im Namen derJungreformatorischen Bewegung: Lic. Dr. Künneth»; in identischem Satzbild nochmals abgedruckt vor der ersten Nummer der Zeitschrift der Jungreformatorischen Bewegung «Junge Kirche», die am 21. Juni 1933 erschien (JK 1 [1933], S. 1–6 📖).↩
160
Denkschrift (Anm. 159), S. 1. 📖↩
161
Ebd. 📖↩
162
A.a.O., S. 2. 📖↩
163
Ebd. 📖: «Die J. B. wußte sich mit den Deutschen Christen eins in dem radikalen Reformwillen; sie unterschied sich von ihnen durch die Ablehnung aller politischen Gesichtspunkte. Die J. B. stand in schroffer Ablehnung den ersten Richtlinien der Deutschen Christen (Hossenfelder) gegenüber, während sie sich mit den Leitsätzen des ostpreußischen Flügels (Richtung Müller) weitgehend identifizieren konnte. Es lag darum auch im Interesse der J. B., noch vor ihrem Heraustreten an die Öffentlichkeit in direkte Fühlung mit dem gemäßigten Flügel der Deutschen Christen zu treten.»↩
164
Siehe oben, Anm. 115.↩
165
Vgl. Denkschrift (Anm. 159), S. 3f. 📖; H. Asmussen, Echte und unechte Fronten, in: Tägliche Rundschau, Nr. 111, 16.5.1933 📖 (zit. nach Zeitungsspiegel, Nr. 32, 16.5.1933, S. 4 📖): «Jetzt ist es an uns, deutlich zum Ausdruck zu bringen, daß unsere Bedenken […] wirklich nur sachliche Bedenken waren und sich nicht gegen die Organisation der ‹Deutschen Christen› richten […]. Ich meine, wir können dem durch nichts deutlicher Ausdruck geben als dadurch, daß wir die Ernennung D. Weicherts als eine dargebotene Hand auffassen und nun unsererseits freudig einschlagen. Wir sind zu dieser Verbundenheit bereit und wünschen, daß sie bald eine sachliche Zusammenarbeit wird.» Der Missionsinspektor Ludwig Weichert war unmittelbar zuvor zum «Verbindungsmann» zu den anderen kirchlichen Gruppen ernannt worden (vgl. ebd.).↩
166
Denkschrift (Anm. 159), S. 5. 📖↩
167
Vgl. a.a.O., S. 6 📖: «Das Eintreten für Bodelschwingh bedeute nach Auffassung der J. B. keineswegs eine Antithese zu der Person des Wehrkreispfarrers Müller. Für die J. B. war die Person Bodelschwinghs die Verkörperung des gegenwärtigen evangelisch-kirchlichen Anliegens, ohne deshalb die Bedeutung Müllers für den Neuaufbau der Kirche verkennen zu wollen.»↩
168
Vgl. Aufruf (Anm. 156), These 7: «Wir bekennen uns zu dem Glauben an den Heiligen Geist und lehnen deshalb grundsätzlich die Ausschließung von Nichtariern aus der Kirche ab; denn sie beruht auf einer Verwechselung von Staat und Kirche. Der Staat hat zu richten, die Kirche hat zu retten» (Schmidt I, S. 146 📖).↩
169
Denkschrift (Anm. 159), S. 6 📖; vgl. auch Aufruf (Anm. 156), These 1 (Schmidt I, S. 145 📖).↩
170
Karl Heim (1874–1958), seit 1920 Prof. für Systematische Theologie in Tübingen.↩
171
Friedrich Gogarten (1887–1967), seit 1931 Prof. für Systematische Theologie in Breslau, 1935–1955 in Göttingen. Im August 1933 schloss sich Gogarten dann kurzfristig den Deutschen Christen an (vgl. Scholder I, S. 536ff. 📖; s. auch unten, S. 493.502–505).↩
172
Magdalene von Tiling (1877–1974), prominente Religionspädagogin, 1921–1930 Abgeordnete des preußischen Landtags und 1930–1933 Mitglied des Reichstags (DNVP), gehörte zum Kreis um Gogarten.↩
173
Gerhard Jacobi.↩
174
Friedrich Brunstäd (1883–1944), 1917 Prof. der Philosophie in Erlangen, seit 1925 Prof. für Systematische Theologie in Rostock.↩
175
Siegfried Knak.↩
176
Wilhelm Lütgert (1867–1938), 1902 Professor für Neues Testament, 1912 für Systematische Theologie in Halle, seit 1929 in Berlin, 1935 vorzeitig amtsenthoben.↩
177
Karl Bernhard Ritter (1890–1968), 1919 Pfarrer in Berlin, 1925 in Marburg, begründete 1931 die Evangelische Michaelsbruderschaft.↩
178
Georg Schulz (1889–1954), seit 1931 Pfarrer in Wuppertal-Unterbarmen, Begründer der Sydower Bruderschaft.↩
179
Helmuth Schreiner (1893–1962), 1921 Vorsteher der Stadtmission Hamburg, 1926 des Johannesstiftes Berlin-Spandau, seit 1931 Prof. für Praktische Theologie in Rostock, 1938 Vorsteher der Diakonissenanstalt Münster, 1946–1957 Prof. in Münster.↩
180
Wilhelm Stählin (1883–1975), seit 1926 Prof. für Praktische Theologie in Münster, Mitglied des Berneuchener Kreises und Mitbegründer der Evangelischen Michaelsbruderschaft, 1945–1952 Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche von Oldenburg.↩
181
Vgl. Vormarsch der Jungreformatorischen Bewegung, in: Tägliche Rundschau, Nr. 112, 17.5.1933 📖, wo es nach einer Aufzählung inzwischen erfolgter Eintritte – neben den o. g. Brunstäd, Gogarten, Knak, Lütgert und von Tiling wird u. a. auch Martin Niemöller genannt – und der Wiederholung der Forderung nach sofortiger Bischofswahl zuletzt heißt: «Sie [die Jungreformatorische Bewegung] proklamiert innerhalb der eigenen Reihen den theologischen Burgfrieden» (zit. nach: Zeitungsspiegel, Nr. 33, 17.5.1933, S. 6 📖).↩
182
Vgl. Aufruf (Anm. 156), These 11: «Wir fordern, daß die evangelische Kirche in freudigem Ja zum neuen deutschen Staat den ihr von Gott gegebenen Auftrag in voller Freiheit von aller politischen Beeinflussung erfüllt und sich zugleich in unlöslichem Dienst an das deutsche Volk bindet» (Schmidt I, S. 146 📖).↩
183
Vgl. oben, S. 294. Ähnlich die Einleitung des Loccumer Manifestes (Anm. 153): «Unser heißgeliebtes deutsches Vaterland hat durch Gottes Fügung eine gewaltige Erhebung erlebt. In dieser Wende der Geschichte hören wir als evangelische Christen im Glauben den Ruf Gottes zur Einkehr und Umkehr, den Ruf auch zu einer einigen Deutschen Evangelischen Kirche» (Schmidt I, S. 153 📖).↩
184
Siehe oben, Anm. 86, Anm. 105 und Anm. 181.↩
185
Vormarsch der Jungreformatorischen Bewegung (Anm. 181) 📖: «Die Bewegung fordert erneut, daß im Interesse der innerkirchlichen Verhältnisse wie auch im Blick auf das Auslandsdeutschtum sofort durch die verantwortliche Führung der Kirche die Ernennung des Reichsbischofs als symbolischer Akt neuer kirchlicher Einheit erfolgen soll.» Vgl. auch 16 Thesen (Anm. 86), II.6 (Schmidt I, S. 147 📖): «Da das Wort unseres Kanzlers von der Freiheit und Selbständigkeit der Kirchen uns heilig ist, fordern wir, daß diese Freiheit sich auch in dem symbolischen Akt der Ernennung des Reichsbischofs unabhängig von staatlichen Instanzen ausprägt […].»↩
186
Vgl. a.a.O., I.4 (Schmidt I, S. 146 📖): «Da die kirchlichen Reichsfragen als Sofortprogramm zu gelten haben, tritt das Problem der Union zunächst in den Hintergrund […].»↩
187
Aufruf (Anm. 156), These 5 (Schmidt I, S. 145 📖).↩
188
Anspielung auf das Sprichwort: «Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen» (vgl. Röhrich II, S. 550 📖).↩
189
Vgl. Aufruf (Anm. 156), These 9: «Wir bekämpfen die Versuche einer erstorbenen liberalistischen Theologie, sich von neuem in die Kirche einzudrängen» (Schmidt I, S. 146 📖).↩
190
Vgl. a.a.O., Thesen 6 und 10 (Schmidt I, S. 146 📖).↩
191
Vgl. Prot.Theol., S. 516–552. 📖↩
192

Berücksichtigt man, dass Barth ursprünglich «Kardinäle» geschrieben hatte (s. Anm. lr–lr), handelt es sich hier sicherlich um eine ironische Redeweise, die möglicherweise auf das dem Reichsbischof an die Seite zu stellende «Geistliche Ministerium» anspielte (Loccumer Manifest [Anm. 153; Schmidt I, S. 154 📖]; im Abdruck in ChW 47 [1933], Sp. 481f. [Nr. 11, 3.6.1933] 📖 stand: «geistliches Kollegium» [Sp. 481]).

Die – ernstgemeinte – Forderung nach Domkapiteln, die in einem zu gründenden «Erzbistum Niedersachsen» die Funktionen der Pröpste übernehmen sollten, taucht auf in den Neun Thesen der 21 Altonaer Pastoren zum Aufbau der Kirche (Schmidt I, S. 154f., Zitat S. 155).↩

193
Vgl. Denkschrift (Anm. 159), S. 6 📖: «Entscheidend war es für die J. B, daß in der Ernennung Bodelschwinghs zum Reichsbischof der eigentliche Wille und das tiefste Wesen der lebendigen Gemeinde in aller Öffentlichkeit eindeutig dokumentiert wurde. [...] Die Aufgabe der J. B. war und bleibt: die Neugestaltung der Kirche aus dem Wesen der Kirche heraus. Aus dieser Zielbestimmung ergibt sich ihr geschlossenes Eintreten für Bodelschwingh als Reichsbischof.»↩
194
Vgl. oben, Anm. 185.↩
195
Das Fest von Christi Himmelfahrt fiel 1933 auf den 25. Mai. In der Himmelfahrtswoche entbrannte der offene Streit um die Wahl Ludwig Müllers oder Friedrich von Bodelschwinghs: Am Dienstag, dem 23. Mai, riefen die Deutschen Christen Müller als ihren Kandidaten für das Amt des Reichsbischofs aus, am Abend des 24. Mai gaben daraufhin die Bevollmächtigten des Kirchenbundes in Presse und Rundfunk ihre Absicht bekannt, auf Bodelschwingh zuzugehen; am Freitag, dem 26. Mai, fanden abends die Vorabstimmungen und am darauffolgenden Nachmittag (27. Mai) die Wahl Bodelschwinghs zum Reichsbischof statt. Noch am gleichen Abend erhob Müller in einer Rundfunkrede dagegen Einspruch. Alle Ereignisse spielten sich in Berlin ab. Vgl. auch oben, Anm. 105.↩
196
Vgl. oben, Anm. 122 und 124.↩
197
Vgl. oben, Anm. 134.↩
198
Vgl. oben, Anm. 120.↩
199
Vgl. R. Karwehl, Politisches Messiastum. Zur Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus, in: ZZ 9 (1931), S. 519–543, Zitat S. 543 📖: «Wir haben keinen Anlaß, als beati possidentes an den Nationalsozialismus Fragen zu stellen. Nein, wir sind gefragt, ob wir wissen, was Kirche ist, ob die Kirche sich wieder auf die ihr gegebenen Verheißungen besinne, ob die Kirche als Kirche erwache.» Ob Barth diesen Aufsatz, den er sicherlich gelesen hatte und der thematisch gut in den Zusammenhang passt, auch vor Augen hatte, lässt sich nicht eindeutig sagen. Dass die Wendung auch sonst gebraucht wurde, verdeutlicht Th. Haug, Um den Neubau der Kirche, in: Volksdienst (Evangelium und Kultur), 24.4.1933 (Beilage) 📖, zit. nach: Schäfer II, S. 49–52 📖: Im Hinblick auf Wilhelm Zoellners Aktivitäten zur Sammlung der Lutheraner, denen sich der Altonaer Pastorenkreis um Hans Asmussen (vgl. Anm. 192) angeschlossen hatte, schreibt er (S. 50): «Hier sind Männer vereinigt, die klar wissen, was Kirche ist […].»↩
200
Nach seinem Beitritt engagierte Emanuel Hirsch sich im Mai und Juni 1933 intensiv für die Deutschen Christen und insbesondere für Ludwig Müller als künftigen Reichsbischof. Vgl. Hirsch, Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen (Anm. 94), S. 17–27. 📖 Bald nach der Niederschrift dieser Zeilen schrieb Barth in einem Brief an Thurneysen vom 27.6.1933 (KBA 9270.588; Bw.Th. III, S. 434 📖): «Am Samstag kommt Hirsch hieher zu einem Vortrag, der nach Allem, was dieser Unsinnige bis jetzt zur Sache geredet, das Schlimmste bringen wird.» Barth hatte sich mit Hirsch bereits anlässlich des «Falles Dehn» öffentlich auseinandergesetzt (vgl. O.Br. 1909–1935, S. 184–207 📖) und sollte sich 1934 erneut mit ihm und seinem deutsch-christlichen Engagement befassen (vgl. Barth, Offenbarung, Kirche, Theologie [Anm. 112], S. 4–8 📖).↩
201
Zu Barths grundsätzlicher Kritik an diesen Verbindungen s. oben, S. 230–232. Speziell zu «Volkstum und Evangelium» s. oben, S. 110f.↩
202
Diese Wortverbindung charakterisierte einen dem theologischen Aufbruch der 1920er Jahre verpflichteten Ansatz, der sich auch im theologischen Selbstverständnis der Jungreformatorischen Bewegung spiegelte. «Reformation heißt Wiederentdeckung der unverkürzten biblischen Wahrheit des A. T. und N. T. als lebendige Gegenwartsmacht», hieß es im ersten Artikel des neuen Mitteilungsblatts, erschienen am 21. Juni 1933 (W. Künneth, Revolution in der Kirche?, in: JK 1 [1933], S. 1–3, Zitat S. 2. 📖). Und auf einem undatierten Flugblatt charakterisierte man sich selbst als «Kampfbewegung der ‹Jungen Kirche›, die, auf dem Boden der deutschen Freiheitsbewegung stehend, von der reformatorischen Botschaft und von der unverkürzten biblischen Grundlage aus den Kampf um die Neugestaltung der Kirche führt» (Original des Flugblatts in: LKA Bielefeld, Best. 5.1, Nr. 53,2).↩
203
Im Herbst 1933 – nach einer Begegnung mit dem inzwischen aus der Jungreformatorischen Bewegung hervorgegangenen Pfarrernotbund in Berlin – sah sich Barth in diesen seinen kritischen Worten voll und ganz bestätigt; vgl. unten, S. 595f.↩
204
Siehe oben, Anm. 120.↩
205
Vgl. oben, S. 32, Anm. 49.↩
206
Zu diesem Bild vgl. Ph. K. Marheineke, Lehrbuch des christlichen Glaubens und Lebens für denkende Christen und zum Gebrauch in den oberen Klassen an den Gymnasien, Berlin 18362, S. 30 📖: «Doch was das Christenthum gewann im Abendland, verlor es im Morgenland […]. Der Leuchter des Evangeliums wurde eben da weggestoßen, wo er vormals am schönsten geleuchtet, und eine lange Nacht der Knechtschaft und Grausamkeit begann eben da, wo die Lehre der Freiheit und Liebe geblüht.»↩
207
Siehe oben, Anm. 181.↩
208
In den sich bildenden freien Bekenntnissynoden sah Barth im darauffolgenden Frühjahr Anzeichen einer solchen Entwicklung. Vgl. Barth, Offenbarung, Kirche, Theologie (Anm. 112), S. 4 📖: «Und wenn es sich dann doch zeigte, daß die Lage eine andere geworden ist als im Sommer 1933, […] wenn […] der Widerstand und zwar ein nicht nur kirchenpolitisch, sondern geistlich gemeinter Widerstand an allen Ecken und Enden aufflammte, wenn eine freie Bekenntnissynode der anderen folgte, […] – was ist dazu zu sagen als dies, daß Jeder, der heute streng und ernst nach der Kirche fragt, diese Geschehnisse mit Dankbarkeit und Hoffnung begrüßt und begleitet hat als glaubensstärkende Symptome einer verheißungsvollen Entwicklung?»↩
209
Lat.: «Ora et labora!» Aus dem Spätmittelalter stammender, die Ordensregel des Benedikt von Nursia zusammenfassender Spruch.↩
210
Siehe oben, Anm. 186.↩
211
Vgl. oben, S. 108, Barths Aussage über die Frage nach der Bestimmtheit von Macht, Öffentlichkeitswillen und Sichtbarkeit der Kirche: «Fehlt diese Bestimmtheit, will man die Frage nach ihr ins stille Kämmerlein [vgl. Mt. 6,6] verweisen und soll Sichtbarkeit der Kirche eine Sichtbarkeit im Allgemeinen sein, dann ist eben damit das Wesen der evangelischen Kirche preisgegeben […].»↩
212
Man sollte hier nicht nur an die «Glaubensbewegung ‹Deutsche Christen›» und an die «Jungreformatorische Bewegung» oder an frühere Aufbruchströmungen wie die «Jugendbewegung» oder die «Liturgische Bewegung» denken, die sicher auch gemeint waren. Im zeitgenössischen Kontext musste sich dem Leser sofort ein pikanter politischer Bezug nahelegen, bezeichnete sich doch der Nationalsozialismus als «die Bewegung» schlechthin (vgl. Schmitz-Berning [Anm. 73], S. 99–102 📖). So verstand es auch Tügel, Unmögliche Existenz! (Anm. 128), S. 50 📖: «Wir wissen uns aber besonders gerufen in die große Bewegung der erwachten Nation, in ihr die noch größere Bewegung zu Christus zu verkündigen. Darum ist auch der Hieb auf die Bewegung (S. 37) ein Fehlhieb. Die deutsche Bewegung mit ihrer kirchlichen Parallele zu den hysterischen Sektenbewegungen im Christentum in Vergleich zu setzen, ist geschmacklos.» – Allerdings übte Barth auch sonst Kritik an «Bewegungen» und konnte sie sehr allgemein fassen: «Tot und erledigt die Bewegung, die zur ‹Bewegung› wird» (Römerbrief 2, S. 402 📖). Weitere Belege in Th.Ex.h., S. 159f., Anm. 157 📖.↩
213
Schon Ende Mai war Barth in einem Brief an Egon Hessel (1904–1974), damals Pfarrer im Dienst der Deutschen Ostasienmission in Kyoto/Japan, deutlich konkreter geworden: «Man muss sich wirklich jeden Tag aufs Neue Mühe geben, auch nur zu realisieren, was da seit dem 30. Januar über uns gekommen ist. [...] ‹Rechtsstaat›, ‹Menschenwürde›, ‹Gedankenfreiheit›, ‹Post- und Telephongeheimnis›, Möglichkeit eines aufrichtigen Wortes vor Unbekannten – du liebe Zeit, wo ist das Alles hingekommen? Aber man gewöhnt sich ja auch an das Gegenteil, gewöhnt sich an den ganzen pompösen Stil eines Staates, in dem eine Partei es mit fabelhafter Technik verstanden hat, das ganze Volk in ihre Tasche zu stecken [...], gewöhnt sich daran, nie zu wissen, was in 14 Tagen im Ganzen und im Einzelnen noch etwa möglich werden könnte, nachdem vom Judenboykott bis zum Riesenfeuerwerk am 1. Mai schon ein bisschen Alles möglich geworden ist» (Brief an Hessel vom 29.5.1933 [KBA 9233.136; Br. 1933, S. 231f. 📖]).↩
214
Im Brief an E. Hessel fuhr Barth fort: «Es ist ja im alten Babylon oder Rom oder auch im absolutistischen Staat des 18. Jahrhunderts auch nicht sehr viel anders zugegangen, und die Leute haben doch dabei leben können» (a.a.O., S. 232 📖).↩
215
Der Begriff «totaler» oder «totalitärer Staat» war in den 1920er Jahren zur (zunächst negativ konnotierten) Kennzeichnung erst der bolschewistischen, dann und vor allem aber der faschistischen Herrschaftsordnung entwickelt und in den frühen 1930er Jahren auch auf den Nationalsozialismus und den von ihm angestrebten Staatsaufbau bezogen worden. Von den Nationalsozialisten selbst wurde er nur zeitweise verwendet, nach 1933/34 aber kaum noch (vgl. N. Kapferer, Art. «Totalitarismus», in: HWP 10, Sp. 1296–1300, dort Sp. 1296 📖). Prominente deutsche Theoretiker des – bei ihnen ins Positive gewendeten – Begriffs waren die Staatsrechtslehrer Carl Schmitt (1888–1985) und Ernst Forsthoff (1902–1974). Vgl. C. Schmitt, Die Wendung zum totalen Staat (1931), in: ders., Positionen und Begriffe im Kampf mit Weimar – Genf – Versailles. 1923–1939, Hamburg 1940, S. 146–157 📖; ders., Weiterentwicklung des totalen Staats in Deutschland (1933), in: ders., Verfassungsrechtliche Aufsätze aus den Jahren 1924–1954. Materialien zu einer Verfassungslehre, Berlin 1958, S. 359–366 📖; E. Forsthoff, Der totale Staat, Hamburg 1933. 📖↩
216
Apostolikum, 3. Artikel; BSLK, S. 21,21f. 📖↩
217
Wohl eine Anspielung auf Luthers – von Barth auch schon in KD I/1, S. 189 📖 zitierte – Auslegung der angeführten Psalmstelle in: M. Luther, Die sieben Bußpsalmen. Erste Bearbeitung (1517), WA 1, 154–220, Zitat 199,1–7 📖: «Wachen aber ist anhangen dem ewigen gute und nach dem selben sehen und sehnen. Aber darynne ist er allein und niemant mit ym, dann sie schlaffen alle. Und er sagt, auff dem dach, alß sprech her, die werlt ist eyn hauß, darynne sie alle schlaffen unnd beschloßen ligen, ich aber allein byn außer dem hauß, auff dem dach, noch nit ym himel, und auch nit yn der werlt, die werlt hab ich unnder myr und den hymel uber myr, alßo zwischen der werlt leben und dem ewigen leben eynsam ym glauben schwebe.»↩