1934

Offenbarung, Kirche, Theologie

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OFFENBARUNG, KIRCHE, THEOLOGIE

1934

Die drei Vorträge «Offenbarung», «Kirche» und «Theologie» hat Barth am 10., 11. und 12. April 1934 auf Einladung der Faculté libre de Théologie Protestante in Paris gehalten.

Barth war am 8. Juli 1933 vom Dekan der Fakultät, Henri Monnier1 , nach Paris eingeladen worden.2 Nachdem er auf eine zuvor geäußerte Anfrage hin nicht hatte zusagen können,3 nahm er die Einladung diesmal gerne an. Da ihm die Wahl des Termins und der Themen weitgehend freigestellt waren, hatte Barth die erste Aprilhälfte des Jahres 1934 als günstigen Zeitraum benannt und vorgeschlagen «drei Vorlesungen im Umfang einer Kollegstunde» zu den «drei zusammenhängenden Themata ‹Offenbarung› – ‹Kirche› – ‹Theologie›» zu halten.4 Im Januar und Februar 1934 wurden die Verabredungen bekräftigt und präzisiert, der Aufenthalt auf die zweite Aprilwoche festgelegt und weitere Programmpunkte vereinbart, so drei Seminare zu Kapiteln aus Calvins Institutio und eine Predigt am 15. April in der Deutschen Evangelisch-lutherischen Kirche in der Pariser Rue Blanche.5

170 Die Vorträge entstanden in der zweiten Märzhälfte 1934 in der Schweiz, wo Barth die Semesterferien verbrachte – diesmal zu einem Teil beim befreundeten Ehepaar Pestalozzi in Zürich.6 Am 13. März begann Barth mit der Arbeit,7 am 19. März hatte er, wie er seiner Mutter schrieb, die erste Vorlesung gerade abgeschlossen.8 Am 24. März war auch der letzte der Vorträge fertiggestellt, und Barth konnte Eduard Thurneysen einen Tag später davon berichten, dass der erste Vortrag bereits «in rundem klingenden Französisch aus Genf zurückgekommen ist».9 Auf Barths Wunsch hatte Pierre Maury10 die Übersetzung der Vorträge übernommen.11 Der deutsche Text war für die Veröffentlichung in Heft 9 der Reihe «Theologische Existenz heute» vorgesehen und ging mit dem auf den 1. April (Ostersonntag) datierten Vorwort noch deutlich vor der Abreise nach Paris an den Verleger,12 so dass die |171 drei Pariser Vorträge fast zeitgleich mit der Rückkehr Barths nach Deutschland (16. April) im Druck vorlagen.13

Die Reise nach Paris bildete den Höhepunkt der Semesterferien und sollte ganz bewusst nicht nur der Begegnung mit der französischen Theologie und Kirche, sondern auch der Entdeckung der Kultur und Geschichte Frankreichs dienen. So reiste man zu viert im Auto vom Bergli bei Oberrieden, dem Ferienhaus der Pestalozzis, nach Paris: Rudolf Pestalozzi am Steuer, seine Frau Gerty, Charlotte von Kirschbaum und Barth, den Tage zuvor allerdings eine vorübergehende «Missstimmung» befallen hatte «ob der Enge im Auto, die auf der Pariser Reise bevorsteht».14 Am 7. April brach man auf und gelangte in drei Tagesetappen über Belfort, Dijon, Beaune, Bourges, Orléans, Chartres und Versailles nach Paris, wo man am Abend des 9. April eintraf.15

Die Vorträge hielt Barth auf Französisch16 in der angekündigten Reihenfolge «Révelation – Église – Théologie» am 10., 11. und |172 12. April, jeweils um 17 Uhr im «schönen ruhigen festlichen Hörsaal des Institutes d’Art et d’Archéologie» in der Rue Michelet, den die Sorbonne der Theologischen Fakultät für diesen Anlass zur Verfügung gestellt hatte.17 Eine große, buntgemischte und interessierte Hörerschar von mehr als 600 Personen hatte sich eingefunden. Adolf Keller18 berichtete: «Das Publikum bot einen eigenartigen Anblick. Man sah nicht nur Theologen, Studenten der Universität, die Elite des Pariser Protestantismus, sondern auch Generäle und Senatoren, die vielleicht weniger den Theologen, sondern den unerschrockenen Freiheitskämpfer hören wollten. Da saßen aber auch angesehene Katholiken wie Maritain, ja eine ganze Schar von Dominikanern […].»19

Zu den Seminaren fand man sich in dem kleineren Rahmen des Fakultätsgebäudes am Boulevard Arago zusammen. Jeweils an den frühen Nachmittagen des 11., 12. und 13. April arbeitete Barth mit etwa 50 Studenten der Fakultät über Texte aus dem dritten Buch von Calvins Institutio. «Da hatte ein jeder […] seinen Calvintext in der Hand – ‹Quae de Christo dicta sunt, nobis prodesse, arcana operatione Spiritus …› Lib. III, ch. I,1 – und es begann, als wäre es immer so gewesen, ein gemeinsames treues mühendes Übersetzen, ein Abwägen der Begriffe und Vokabeln, ein Ringen um den Sinn der Worte Calvins.»20

Neben diesen theologischen Veranstaltungen hatte Barth in Paris ein reiches Programm an Begegnungen, Gesprächen und Einladungen zu absolvieren, darunter einen Empfang beim Protestantischen Kirchenbund, bei dem zugleich die Vertreter der gerade in Paris tagenden Studienkonferenz des Ökumenischen Rates für praktisches Christentum geladen waren (unter ihnen Emil Brunner und Adolf Keller), und |173 einen von Maury geleiteten Abend mit den Studenten der «Fédération des étudiants chrétiens».21

Barths Vorträge fanden in der Pariser Hörerschaft ein zwiespältiges Echo und wurden kontrovers diskutiert. Die überwiegend vom theologischen Liberalismus geprägte protestantische Theologie in Frankreich hatte den theologischen Aufbruch der dialektischen Theologie zuvor kaum zur Kenntnis genommen und wurde faktisch erstmals mit den Thesen ihres Wortführers konfrontiert. Zu den Anhängern Barths konnte lediglich der Kreis um Maury gerechnet werden. Adolf Keller schrieb: «Das Auftreten Barths bedeutet daher einen regelrechten Frontangriff der Theologie der Offenbarung auf den Modernismus. Barth schaut in Frankreich ebenso ‹steif nach Jerusalem›22 wie in Deutschland und läßt sich auf keine politischen Extratouren ein. Er bewies damit, daß absolute Sachlichkeit die beste Sprache ist, in der man über gefährliche Grenzen hinweg, sogar zwischen Deutschland und Frankreich, miteinander reden kann. Denn er hat sicher das französische Ohr erreicht. Wenigstens das der Jungen, die so zahlreich zu seinen Füßen saßen.»23

Auch andernorts sorgten die Vorträge und im Besonderen ihr Verhältnis untereinander für höchst unterschiedliche Reaktionen, wie |174 Barth seinem Sohn Markus mitteilte: «Über das Verhältnis meiner drei Pariser Vorträge zueinander gehen offenbar die Meinungen sehr auseinander. Pfarrer Maury gibt unbedingt gerade dem zweiten den Vorzug, und ebenso hat Bultmann, der neulich hier war, mir gerade zu diesem Vortrag sein Einverständnis ausgesprochen, während er mit dem ersten nichts anfangen könne und über den dritten viel mit mir zu diskutieren fände. Du hinwiederum meinst, dass ich wohl den zweiten in besonderer Eile erstellt hätte und lobst den ersten und besonders den dritten. Ich habe hier selber kein Urteil. Sie sind alle in einem Zug und Tempo entstanden.»24

Das erhaltene handschriftliche Manuskript (KBA 10061–10063) besteht aus fünfzehn engzeilig mit schwarzer Tinte beschriebenen Einzelblättern. Der breite Rand ist – wie es Barths Gepflogenheiten beim Schreiben entsprach – mit Korrekturen und Ergänzungen beschrieben. Auf den Rückseiten der Seiten 4 und 5 von «Offenbarung» findet sich ein Entwurf der einleitenden Abschnitte dieses Textes, der hier im Anschluss an den dritten Vortrag als Anhang gesondert dokumentiert wird. Von den Abschnitten «Kirche» und «Theologie» sind Durchschläge von 12-­ bzw. 13seitigen, zweizeilig beschriebenen Typoskripten im Nachlass Nelly Barths erhalten geblieben.

Die Vorträge erschienen erstmals in K. Barth, Offenbarung, Kirche, Theologie (ThExh 9), München 1934, S. 15–43. 📖 Pierre Maury besorgte die schon im gleichen Jahr erscheinende französische Ausgabe: K. Barth, Révélation, Eglise, Théologie. Trois conférences données à Paris les 10, 11 et 12 avril 1934, trad. de P. Maury, Paris / Genf 1934. 📖

Barth ließ den Text wieder abdrucken in: Th.Fr.u.A., S. 158–184 📖. Die zwischen senkrechten Strichen im Text eingefügte Originalpaginierung ist die dieses Wiederabdrucks.

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Offenbarung, Kirche, Theologie

Drei Vorträge, gehalten vom 10.– 12. April 1934 in Paris

I. Offenbarunga

Wir können von Offenbarung nicht sprechen, ohne diesen Begriff sofort zu sehen in seiner Beziehung zu zwei anderen Begriffen. Sie heißen: Zeugnis und Bekenntnis. b-Es gäbe ja keine Offenbarung für uns-b, wenn sie nicht zu uns käme durch das Zeugnisc von ihr. Ich meine damit das Wort und den Geist der Propheten und der Apostel, wie sie in der Heiligen Schrift lebendig sind. Die Kirche gründet in der Offenbarung durch das Mittel des Zeugnisses derer, die sie gehört und gesehen haben. Wir können sie im Glauben erkennen und darum von ihr sprechen, weil es dieses Zeugnis von ihr gibt. Offenbarung empfangen und annehmen heißt also d-für uns-d: dieses Zeugnis empfangen und annehmen. Und dies eben ist der Akt des Bekenntnissese. Wir können nicht von Offenbarung sprechen wie von dem Ergebnis einer philosophischen Besinnung auf uns selbst und die Voraussetzungen unseres Seins oder wie von einer Entdeckung auf dem Gebiete der Natur oder der Geschichte. Wir können ihre Wirklichkeit und Wahrheit nicht behaupten, als hätten wir sie gefunden und als könnten wir sie begründen. Wir können sie nur empfangen, annehmen und anerkennen auf Grund des Zeugnisses von ihr, das die Kirche geschaffen hat und erhält und in welchem sie, die Offenbarung, zu uns kommt in ihrer eigenen Macht, Glaubwürdigkeit und Autorität.

Ich darf das Verhältnis der drei Begriffe: Offenbarung, Zeugnis, Bekenntnis, und damit vor allem die Wirklichkeit und Wahrheit des|176sen, was wir unter Offenbarung zu verstehen haben, an einem Bilde deutlich f-zu machen suchen-f. Auf dem Schlachtfeld (man merke wohl: nicht in einer Studierstube g-und nicht auf einer Theaterbühne-g, sondern auf dem Schlachtfeld des menschlichen Lebens) hat es sich ereignet (man merke: es hat sich unzweifelhaft und unwiderruflich ereignet, in der ganzen Einmaligkeit und mit dem ganzen Ernst eines faktischen Ereignisses), dass der Feind (man merke: der Feind, der Andere, nicht der Mensch selbst, sondern der vom Menschen unterschiedene, mit dem Menschen handelnde Gegenpart)25 in höchster Überlegenheit (man merke: er ist der Stärkere, er ist |159| Meister) die Initiative ergriffen hat (man merke: das Ereignis beruht auf seiner, nicht auf menschlicher Absicht und Disposition) und zum Angriff26 übergegangen ist (man merke: wir sind nicht gefragt, ob und wie wir uns mit ihm auseinandersetzen wollen, denn die Auseinandersetzung ist schon in vollem Gang begriffenh). Dieses Ereignis ist Gottes Offenbarung an den Menschen, und wer sie nicht so versteht, weiß nicht, was er sagt, wenn er das Wort Offenbarung in den Mund nimmt. – Aber i-wir müssen das Bild fortsetzen-i: Von der in der vordersten Front stehenden Truppe (wohlverstanden: nicht von einer Gruppe von Dichtern und Denkern, nicht von solchen, die Zeit haben, die menschlichen Dinge zu betrachten, aber auch nicht von irgendwelchen mit ihren eigenen Taten und Leiden Beschäftigten, sondern von Kämpfern, die diesem Gegner ins Gesicht schauen müssen) kommt die Meldung (man merke: nicht ein theoretisches System, auch nicht |177 eine ästhetische Würdigung, auch nicht ein Arbeitsprogramm, sondern hastig und sachlich eine Meldung) von der Tatsache dieses Angriffs (man merke: nicht von dem eigenen Wohlbefinden oder Übelbefinden j-jener Kämpfer-j, auch nicht von der Existenz und vom Wesen des Gegners, sondern einfach von der k-Tatsache: er hat uns angegriffen-k) an die unmittelbar hinter l-der Front-l in Bereitschaft liegende Verstärkung (man merke wohl: nicht an eine Gruppe von Journalisten oderm andern Schlachtenbummlern, sondern wiederumn an eine Truppe, die wie o-jene erste-o zur Begegnung mit dem Feind, zum Kämpfen, bestimmt ist). Jene vom Feind schon angegriffene Truppe sind die Propheten und Apostel und ihre Meldung an die vorerst noch hinter der Front liegende Verstärkung ist die Heilige Schrift. Man versteht weder jene Männer noch dieses Buch, wenn man sie anders versteht. – p-Wir führen das Bild zu Ende-p: Das Eintreffen dieser Meldung bedeutet dort hinten selbstverständlich (man bemerke: eine Diskussion über die praktische Bedeutung dieser Meldung ist ganz ausgeschlossen) die Notwendigkeit (nicht die Möglichkeit, sondern die in sofortigen bestimmtenq Befehlen sich ausdrückende Notwendigkeit) aufzustehen, die Waffen zu ergreifen, sich zu sammeln, nach vorne zu marschieren (man merke: das Alles umso rascher und energischer, je überlegener der angreifende Feind, je größer die da vorne drohende Gefahr ist). Diese durch die eintreffende Meldung aufgerufene Verstärkung ist die Kirche, die die Heilige Schrift hört. Und dieser Augenblick: der Augenblick des Rufes und also der Entscheidung, des Entschlusses, des Befehls und des Gehorsams, ist unserr Augenblick, der Augenblick des Bekenntnisses. Wir |160| sind aufgerufen, dorthin zu eilen, wo die Propheten und Apostel stehen. Sie stehen Angesicht in Angesicht mit dem kommenden Gott. Sie rufen uns zu sich, nicht um ihrer selbst, |178 sondern um des kommenden Gottes willen. Die Mannschaft, die sie gehört hat und aufbricht, das ist die Kirche, die bekennende Kirche. Die Kirche, die sich im Ernst anders verstehen wollte als so, wäre eine uninteressante Angelegenheit.

Das eben skizzierte Bild erhebt auf Originalität keinen Anspruch. Man kann von allem in der Welt originell reden, aber nicht von dieser Sache. Man kann von ihr nur getreu, das heißt nurs exegetisch reden. Ich wollte also mit dem Gesagten nur wiedergeben, wie die Propheten und Apostel die Offenbarung, wie die Kirchenväter und Reformatoren das biblische Zeugnis verstanden haben und wie wir selbst, in der Linie bleibend, die Kirche und das Bekenntnis und also uns selbst verstehen müssen.

Wir stellen zunächst zurück, was hinsichtlich der Begriffe des Zeugnisses und des Bekenntnisses zu sagen sein wird, und schreiten zu einigen Feststellungen, die dann t-Geltung haben-t dürften, wenn die Offenbarung mit den Propheten und Aposteln als das Ereignis deru freien, überlegenen Handlung Gottes am Menschen zu verstehen ist.

Zuerst: Was heißt dann Erkenntnis dieser Offenbarung? Vier Punkte dürften hier grundlegend sein:

1. Erkenntnis von Offenbarung beginnt nicht immer mit Klarheit. Sie kann an Klarheit zunehmen; sie sollte es. Sie kann aber an Klarheit auch wieder abnehmen. Sie beginnt aber unter allen Umständen mit Gewissheit. Entweder Gott hat gesprochen oder er hat nicht gesprochen. Hat er gesprochen, dann v1-hat er unüberhörbar gesprochen. Dann-v1 ist zum Beispiel die Frage nach seinem Dasein und Wesen entschieden v2-und nur a posteriori zu beantworten-v2. Auch der Zweifel, auch die Verzweiflung, auch der Unglaube des Menschen, auch ein Meer von Ungewissheit auf unserer Seite können dann nichts ändern an der Gewissheit seiner Gegenwart. Diese seine Gegenwart ist die Offenbarung. Es gibt unzählige menschliche Fragen v3-angesichts dieser seiner Gegenwart-v3. Aber sie beziehen sich alle auf die in der Offenbarung seiner Gegenwart schon gegebene Antwort. Die Gewiss|179heit hat das erste und das letzte Wort, nicht als unsere, aber als Gottes eigene Gewissheit.

2. Erkenntnis von Offenbarung kann unterbrochen werden. Sie kann sogar aufhören. Sie kann vertauscht werden mit falscher Erkenntnis, nichtiger Offenbarung. Sie hat aber, wo sie stattfindet, den Charakter der |161| Einmaligkeit. Wie der Mensch nur einen Vater haben, wie er nur einem anderen Menschen zugleich in die Augen schauen, nur eines Menschenw Wort zugleich hören kann, wie er nur einmal geboren ist und nur einmal sterben wird, so kann er auch nur eine Offenbarung glauben und erkennen. Man kann eine Mehrzahl von Religionen nebeneinander stellen und vergleichen, aber nicht eine Mehrzahl von Offenbarungenx. Wer Offenbarung sagt, sagt: eine einzige Offenbarung, ein für allemal geschehen, unwiderruflich und unwiederholbar. So gewiss Gott ein einziger Gott ist. Vor seiner Wirklichkeit versinken alle Möglichkeiten, vor seiner Wahrheit y-verflüchtigen sich-y alle Wahrscheinlichkeiten. Vor seinem Angesicht gibt es kein z-Ausweichen nach links oder rechts-z, keine Wahl, sondern nuraa immer wieder Entscheidung.

3. Erkenntnis von Offenbarung kann umgeben und begleitet sein von einer Fülle von menschlichem Schicksal, von stärksten äußeren und inneren Erfahrungen, von gewaltigen Taten des Menschen, von Abgründen menschlicher Freude oder auch menschlichen Schmerzes. Offenbarung geht ja den Menschen an. Und dies alles heißt Menschsein. Aber es bleibt – nein, es zeigt sich erst in der Erkenntnis der Offenbarung der Unterschied ab-von Gott und Mensch-ab. An diesen Menschen in seiner Totalität tritt Gott heran in seiner Offenbarung. Die Gott und den Menschen vermischen und verwechseln mochten, die den Menschen selbst als Gott verstanden oder Gott als das tiefste Wesen oder als das höchste Ideal des Menschen, die haben dabei sicher weder jenes Schlachtfeld noch jene Meldung vom Schlachtfeld der Propheten und Apostel vor Augen gehabt. Man muss schon ein sehr |180 weltfremder, ein sehr unangefochtener Betrachter der menschlichen Dinge oder man muss schon sehr leidenschaftlich in sein eigenes Schicksal, Tun und Leiden verliebt sein und man muss so oder so von der Handlung des allem Sein und Schicksal des Menschen überlegen gegenübertretenden Gegenparts schon sehr wenig oder gar nichts gehört haben, um die Begegnung zwischen Gott und Mensch, wie sie in der Offenbarung stattfindet, ac-als ein Einssein oder Einswerden beider zu verstehen-ac. Gott und Mensch sind nirgends weniger als vermischt und verwechseltad zu denken27 als da, wo sie sich wirklich finden: in Gottes Offenbarung.

4. Erkenntnis von Offenbarung kann und muss wohl bedeuten: Erkenntnis des fernen, des fremden, des heiligen Gottes. Sie verbietet den unnützen und gefährlichen Gedanken, als ob der Mensch bei dieser Be|162|gegnung mit Gott, vielleicht als dessen Partner, ausgerüstet mit einer Fähigkeit und Willigkeit für ihn, auftreten ae-und mitwirken-ae könnte. Erkenntnis von Offenbarung heißt immer Anerkennungaf des Wunders dieser Begegnung: der Gnade, der Barmherzigkeit, der Herablassung Gottes. Aber gerade damit ist ja gesagt: ag-sie ist-ag Erkenntnis einer wirklichen Beziehung zwischen Gott und Mensch, ah-einer Beziehung, die dort begründet ist, von woher sie-ah Kraft und Bestand haben kann, das heißt aber: nicht begründet in der zweideutigen Wahrheit unserer menschlichen Natur, unserer Vernunft oder auch unserer Liebe, sondern begründet in dem freien Entschluss des ewigen, wandellosen Gottes. Der würde ja nicht jene Handlung, jenen Angriff Gottes vor Augen haben, dem jene Beziehung noch ein Problem wäre, der sie wohl gar leugnen würde. Erkenntnis von Offenbarung heißt nicht Erkenntnis eines abstrakten Gottes ai-gegenüber |181 einem-ai abstrakten Menschen, sondern Erkenntnis des konkreten Gottes, der den Menschen gesucht aj-hat, gegenüber dem-aj konkreten Menschen, der von Gott gefunden ist. ak-Sie ist-ak Erkenntnis Gottes und des Menschen konkret in dem Ereignis der überlegenen Initiative Gottes. Das ist die Herrlichkeit Gottes: wo der Unterschied des Menschen von ihm offenbar wird in seiner Unendlichkeit, da eben wird offenbar: dieser Mensch gehört zu Gott, nicht weil er dessen fähig ist, nicht weil er das al-gesucht und gefunden hätte-al, aber weil es so Gottes gnädiger Wille ist.

Wir sprachen von der Erkenntnis der Offenbarung. Wir konnten nicht davon sprechen, ohne das Entscheidende faktisch schon vorwegzunehmen hinsichtlich der Frage nach dem Wesen und Inhalt der Offenbarung. Warum jene Gewissheit, jene Einmaligkeit der Offenbarungserkenntnis? Warum die in ihr vollzogene unerhörte Scheidung undam Beziehung zwischen Gott und Mensch? Darum, weil Offenbarung – das, was den Propheten und Aposteln als Offenbarung widerfuhr – an-nicht weniger-an ist als Gott selber. Darum ist sie ein Geheimnis, das heißt eine Wirklichkeit, deren Möglichkeit schlechterdings in ihr selber liegt, die wir in alle Ewigkeit nur aus sich selber, nicht aber von anderswoher verstehen, ableiten, begründen können. Gott ist aus und durch sich selber. So können wir auch über die Offenbarung nur nachdenken, indem wir die Offenbarung den Anfang unseres Denkens sein ao-lassen, nachdem sie selber für sich selber gesprochen hat-ao. Und darum ist sie Autorität, das heißt die Wahrheit, die nicht gemessen ist an dem Maßstab irgendeiner, und wäre es die tiefste |163| und aufrichtigste Wahrhaftigkeit, eine Wahrheit, in der vielmehr darüber entschieden ist und ap-in der-ap immer wieder entschieden wird darüber, was nun etwa wahrhaftigaq sein möchte, ar-die |182 Wahrheit also-ar, mit deren Anerkennung alle Wahrhaftigkeit anfangen muss, ohne deren Anerkennung auch die tiefste und aufrichtigste Wahrhaftigkeit nur lügen und trügen kann. Und darum, weil sie Gott selber ist, ist die Offenbarung das letztinstanzliche Gericht über den Menschen: Gnade für den, der ihr Verdammungsurteil annimmt as-als göttliches Recht-as, Verdammnis für den, der nicht Gnade annehmen, sondern sein at-eigenes, menschliches Recht gegen sie-at geltend machen will.

Weil die Offenbarung Gott selber ist!28 Zweimal hat die christliche Kirche bisher in großem Maßstab zu ringen gehabt um den Sieg dieser Erkenntnis. – Das erste Mal im 4. Jahrhundert: es ging um die Trinitätslehre, das heißt um die Anerkennung der wesentlichen Gottheit Jesu Christi und des Heiligen Geistes. Indem das Dogma diese Anerkennung vollzogen hat, hat es ausgesprochen: gerade indem die Kirche an die Offenbarung glaubt, glaubt sie an Gott selber, und so glaubt sie an Gott selber, dass sie an seine Offenbarung glaubt. Das ist’s, was die subordinatianischen und die modalistischen Antitrinitarier aller Zeiten nie verstanden haben und nie verstehen werden. Es war gut und notwendig, dass die Kirche sich durch ihre Argumente nicht irremachen ließ.29 – Den zweiten Kampf um dieselbe Erkenntnis führte im 16. Jahrhundert die reformatorische Lehre von der freien Gnade. Es ging um das Verständnis der Rechtfertigung des Sünders als eines Aktes, in welchem die dem Menschen zugeeignete Gabe identisch ist mit dem Geber, mit seiner Gesinnung, mit seiner Haltung, mit seinem Handeln am Menschen, mit der Tat Gottes, inau welcher er selbst sich |183 uns gibt und schenkt: Immanuel [vgl. Jes. 7,14; Mt. 1,23]. Jesus Christus ist und bleibt alleinav unsere Rechtfertigung; darum kann sie nur im Glauben an ihn uns zu eigen sein. Das ist’s, was der mittelalterliche Katholizismus noch nicht und was dann der protestantische Modernismus aller Spielarten alsbald nicht mehr verstanden hat.30 Das reformatorische Dogma in seiner lutherischen wieaw in seiner calvinischen Gestalt sagt ebenso schlicht wie einst das Dogma von Nicäa: Gott selbst ist der Inhalt der Offenbarung. – Es könnte sein, dass derselbe Kampf heute in ein drittes Stadium getreten ist. Die Kirche beschäftigt sich heute auf der ganzen Welt mit dem Problem der Säkularisierung des modernen Menschen.31 Sie würde vielleicht besser tun, sich ax1-mindestens zuerst-ax1 mit dem Problem ihrer |164| eigenen Säkularisierung zu beschäftigen. Säkularismus herrscht zweifellos da, wo man nur noch um den Menschen, nicht mehr um Gottes Offenbarung weiß. Aber weiß man da um Gottes Offenbarung, wo man unter Offenbarung fast nur noch eine Veränderung, eine Verbesserung, eine vielleicht sehr eigenmächtig ausgedachte Veränderung und Verbesserung des Menschen versteht, wo man nicht mehr weiß, dass die Offenbarung Gott selber ist? Und darum nicht mehr weiß um ihr Geheimnis, ihre Autorität, ihr Gericht! Nicht mehr weiß um ihre Gewissheit und Einmaligkeit! Nicht mehr weiß um die Scheidung und darum auch nicht mehr um die Beziehung von Gott und Mensch! Wundert sich die Kirche, wenn sie dem modernen Menschen wenig zu sagen hat? Fortschreitend auf dieser Bahn wird sie ihm immer weniger zu sagen haben. Es könnte vielleicht höchste Zeit sein und wichtiger als alles Andere, den alten Kampf um die alte Wahrheit, ax2-den Kampf um Nicäa und den Kampf der Reformatoren-ax2 heute mit neuem Ernst |184 aufzunehmen: Gottes Offenbarung ist Gott selber, der eine, der gegenwärtige, der ewige, der lebendige Gott.

Aber wie dem auch sei: darin hat die den biblischen Propheten und Aposteln widerfahrene Offenbarung ihren Sinn, ihren Gehalt, ihre Wucht: Gott ist selbst da, indem Jesus Christus, indem sein Heiliger Geist da ist. ax3-Offenbarung heißt:-ax3 Gott selbst ist da, wo wir ay-sind. Er ist bei uns so, wie wir sind, ja, er ist selbst-ay das, was wir sind. Er hat unsere Natur zu seiner eigenen gemacht, aber auch unsere Sünde zu seiner eigenen, unseren Tod zu seinem eigenen. Ihm selbst in seiner ganzen göttlichen Majestät ist nichts Menschliches fremd.32 Er hat auf sich genommen unser Schicksal, unsere Gottlosigkeit, az-die Qual unserer-az Hölle. Unsere tiefste Not ist auch seine Not. Ja, gerade in unserer tiefsten Not tritt er ein für uns, stellvertretend, abwendend, ba-leidend und gutmachend, was wir nicht leiden und-ba gutmachen bb-könnten: Er selbst,-bb Jesus Christus, der den Tod des Sünders erlitten hat und ist zur Rechten des Vaters und vertritt uns – er selbst: der Heilige Geist, der, da wir nicht wissen, wie wir recht beten sollen, für uns eintritt mit unaussprechlichen Seufzern [Röm. 8,26]. Dies ist die Offenbarung, ihr Sinn, ihr Gehalt, ihre Wucht: bc-sie ist-bc die geschehene, die vollbrachte Versöhnung. Versöhnung ist nicht eine Wahrheit, die uns durch die Offenbarung erst bekannt gemacht werden müsste, sondern Versöhnung ist die Wahrheit Gottes selbst, der uns in seiner Offenbarung sich selber schenkt, sich bd-selber, den-bd Mächtigen, Heiligen, Ewigen, be-uns, den-be Ohnmächtigen, Unheiligen, Sterblichen. bf-Die Offenbarung ist die Versöhnung-bf, so gewiss |165| sie Gott selber ist: Gott bei uns, Gott mit uns, und entscheidend und vor allem: Gott für uns [vgl. Röm. 8,31].

185 Alles andere, was über das Wesen und den Inhalt der Offenbarung zu sagen ist, hängt an diesem Einen. Man nenne sie die Tat der Herrschaft, durch welche sich Gott erklärt bg1-und durchsetzt-bg1 und behauptet als den Schöpfer eines Menschen, der seine Freiheit missbraucht und verloren hat bg2-und dennoch ihm gehört, als den Schöpfer-bg2 einer Welt, die bh-für diesen-bh Menschen zum Rätsel geworden ist bi-und dennoch seine, Gottes Welt, ist-bi. Man nenne bj-die Offenbarung-bj die Tat der Vergebung, in welcher Gott jenenbk Menschen trotz seiner Sünde bl-annimmt als einen, der ihm recht ist, und ihn sein Kind heißt aus Barmherzigkeit, das heißt-bl um seiner Gerechtigkeit willen. Man nenne sie den Akt der Heiligung, in welchem Gott jenembm Menschen sein Gebot gibt, ihn bn1-zu sich ruft und-bn1 für sich selber in Anspruch nimmt, ihn ohne alles Verdienst, ohne alle Eignung bn2-und Willigkeit-bn2 von seiner Seite würdigt, ihm zu dienen, für ihn zu leben und zu leiden, ihn zu lieben und zu loben. Man nenne sie den Akt der Verheißung, durch welche Gott jenembo Menschen und seiner ganzenbp Welt eine Hoffnung gibt, bq1-einen Ausblick nach vorne,-bq1 die Erwartung seines kommenden Reiches, der Erlösung, der Freude und des Friedens in diesem Reiche, bq2-in welchem Gott alle Tränen abwischen wird von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen-bq2 [Apk. 21,4]. Keines von dem Allen fehlt in der Offenbarung, die den Propheten und Aposteln widerfahren ist. Sie haben ihr mit Recht alle diese Namen bq3-und Bestimmungen-bq3 zugleich gegeben. Sie begegneten in ihr dem überlegenen Willen des Schöpfers und des |186 Versöhners und des Erlösers. Aber vergessen wir nicht: br-ihnen begegnete-br zuerst und vor allem der überlegene Wille bs1-Gottes,-bs1 des Versöhners, zuerst und vor allem Jesus Christus, das Wort Gottes, das zu den Sündern gekommen ist, und zuerst und vor allem der Heilige Geist, durch den Sünder zur Buße gerufen werden. Der zweite Artikel des christlichen Bekenntnisses ist nicht umsonst seine Mitte. Zuerst und vor allem bs2-muss gelten-bs2: Gottbt für uns. Nicht: ein Göttliches oder doch Gottähnliches oder doch von Gott Kommendes. Sondern: Gott selbst für uns. Da es Gott gefallen hat, uns nicht weniger als sich selbst zu schenken, werden wir sagen müssen: so groß war wohl unsere Not, dass weniger als bu-Gott selbst-bu uns nicht helfen konnte. Oder: so groß war wohl seine Liebe, dass er weniger als bv-sich selbst uns nicht geben konnte-bv. Aber was wissen wir von der Tiefe unserer Not und von |166| dem Übermaßbw seiner Liebe?bx Wir haben nicht zu begründen, warum Gott gerade dies getan hat.by Wir haben ihm zu danken, dassbz er gerade dasca getan hat. Das ist die Offenbarung: das Ereignis der cb-überlegenen Initiative Gottes. Dass sie Ereignis ist-cb, das sagen uns die biblischen Zeugen. cc-Wenn sie recht haben, dann ist sie das Ereignis aller Ereignisse.-cc Descartes hat danncd1 unrecht: Unsere |187 eigene Existenz ist uns danncd2 weniger gewiss als ce-dieses Ereignis,-ce die Existenz Gottes für uns.33

II. Kirche

Es wird gut sein, wenn wir zunächst in zwei Worten feststellen, was Kirche nicht ist:

Die Kirche ist nicht die in eine Anstalt verwandelte Offenbarung Gottes, in welcher Gottes Wille, Wahrheit und Gnade in Form einer bestimmten Summe von übernatürlichen Vollmachten, Erkenntnissen und Kräften in den Besitz oder doch in die Verfügung und Verwaltung des Menschen übergegangen wären. Gerade in der Kirche wird der Wille Gottes verstanden als der freie Wille des Herrn, der seine Ehre mit keinem Menschen teilt. Gerade in der Kirche weiß man, dass die Wahrheit Gottes kein Gegenstand ist – auch kein «übernatürlicher»34 Gegenstand – sondern das ewige Subjekt, cf-das sich uns nur in seinem Geheimnis, das sich nur dem Glauben bekannt macht-cf. Und gerade in der Kirche wird die Gnade Gottes angebetet in der Person Jesu Christi, das heißt aber in jener Ursprünglichkeit, die jeden Gedanken an eine menschliche und überhaupt geschöpfliche Mitwirkungcg ausschließt, in der sie nur als souveräner Akt des Heiligen Geistes verstanden werden kann. Die Kirche ist nicht das mit einem menschlichen Heilsweg und Heilsapparat identisch gewordene Reich Gottes. Es ist der römisch-katholische Irrtum, von dem wir uns hier abzugrenzen haben.

188 Die Kirche ist aber auch nicht ein freier Verein zur Pflege derjenigen Eindrücke, Erfahrungen und Anregungen, die den Menschen aus Gottes Offenbarung zugeflossen sein mögen, auf Grund derer sie sich bestimmte Überzeugungen gebildet, die sich ihnench zu bestimmten Entschlüssen, Lebensregeln, Gewohnheiten verdichtet haben, die ihnen zum Mittelpunkt ihrer ci-Frömmigkeit und Moral-ci geworden sind. Die Kirche entsteht nicht aus menschlicher Wahl, Entscheidung und Stellungnahme zur Offenbarung, sondern durch eine Wahl, Entscheidung und Stellungnahme Gottes dem Menschen gegenüber, stattfindend eben in der Offenbarung, |167| in der Gottcj zu ihnen kommt, in der er sich ihnen zu eigen gibt. Nicht die gleiche Empfindung, Überzeugung und Willensbildung führt die Menschen zur Kirche zusammen und hältck sie als Kirche beieinander, sondern der gleiche Gott, der gleiche Christus, der gleiche Geist, die gleiche Taufe, der gleiche Glaube [vgl. Eph. 4,4–6]. Die Kirche ist keine religiöse Gesellschaft. Wir sagen damit Nein zu dem Irrtum des cl-modernistischen Protestantismus-cl.

Beide Irrtümer haben das Doppelte gemeinsam, dass sie die Kirche zugleich zu groß und zu klein machen. Zu groß, indem sie dem Menschen zu viel –cm zu klein, indem sie Gott zu wenig zutrauen. Der Mensch ist in der Kirche weder jenes Gefäß übernatürlicher cn-Vollmacht, Erkenntnis und Kraft-cn im Sinne des römischen Katholizismus, noch jene freie religiöse Persönlichkeit im Sinne des co-modernistischen Protestantismus-co. Und Gott ist in der Kirche weder jenes übernatürliche Sein, das dann durch die Vermittlung heiliger Kanäle da und dort doch zu einem Gegenstand der Betrachtung und des Genusses des Menschen würde, noch ist er so etwas wie eine natürliche oder geschichtliche Lebenskraft, zu der man auf Grund bestimmter Veranlagung und Erfahrung Zugang erlangen und über die man in |189 Form bestimmter Überzeugung und Haltung schließlich doch auch verfügen könnte wie ein Virtuos über sein Instrument.

Sondern dies Eine begründet und erhält die Kirche, darin ist sie cp-wahrhaftig groß und wahrhaftig klein: dass der Mensch auf Gott hört: hört, weil Gott-cp zu ihm geredet und was Gott zu ihm geredet hat. cq-Wo dies geschieht, da ist die Kirche-cq, auch wenn sie nur aus zwei oder drei Menschen bestünde [vgl. Mt. 18,20], auch wenn diese zwei oder drei gar nicht zur Elite und nicht einmal zum guten Durchschnitt, sondern vielleicht zum Auswurf der Menschheit cr-gehören würden-cr. Auch dann, wenncs diese zwei oder drei ganz ratlos und mutlos wären hinsichtlich der Frage, was sie nun eigentlich mit dem, was sie gehörtct, anfangen sollen. Auch dann, wenn sie in der Umgebung, in der Gesellschaft, in der sie leben, keinerlei Einfluss und Bedeutung haben sollten. Die Kirche wird überall da sofort wahren Mut und wirkliche Bedeutung bekommen, wo sie auf den falschen Mut und die unechte Bedeutung: den Mut und die Bedeutung der großen Zahl, der moralischen Qualitätencu, des aktivistischen Programmes, der Wirkung und Geltung nach außen resolut verzichtet, um ganz auf das zu vertrauen, was sie begründet und erhält, auf das schlichte, offene, gemeinsame cv-Hören auf das, was Gott-cv zum Menschen geredet hat. cw-Evangelisation und Gemeinschaftspflege-cw können sehr gute Dinge sein. Es ist recht und gut, dass die Frage |168| nach der Gestaltung unserer Gottesdienste cx-wieder zu einer offenen Frage geworden-cx ist,35 dass die Frage des Kirchenrechtes heute nicht mehr so vernach|190lässigt wird, wie es lange geschehen ist,36 dass die wissenschaftliche Theologie überall zu erwachen beginnt zu einem neuen Bemühen, zu sein, was sie heißt. Das Bewusstsein von der politisch-sozialen Verantwortlichkeit der Kirche, das am Anfang unseres Jahrhunderts cy-so ziemlich-cy in allen Gebieten evangelischen Bekenntnisses entstanden ist,37 wird heutecz vielleicht neue Formen annehmen müssen, es wird aber auf keinen Fall wieder einschlafen dürfen. Es ist notwendig, dass die Kirche sich durch die Entwicklungen der modernen Psychologie und Pädagogik fragen und immer wieder ganz neu fragen lässtda: Was heißt Seelsorge? Was heißt Unterricht im Christentum? Und es ist notwendig, dass die Existenz der Mission die Kirche immer wieder daran erinnert: Eine ganze Welt wartet db-in ihrer großen Not-db – nicht auf diedc Kirche, wohl aber darauf, selbst Kirche zu werdendd: zu hö|191ren, weilde- Gott zum Menschen geredet und wasde er zu ihm geredet hat. Aber wenn wir zu df-allen diesen Aufgaben-df Ja gesagt haben, werden wir zurückkommen müssen – und dg-indem wir alle diese Aufgaben ernst nehmen-dg, werden wir unablässig und unermüdlich zurückkommen müssen auf den Anfang: dh-nicht dies und jenes, so gut und notwendig es sein möge, sondern in allem dies Eine und dies Eine allein macht die Kirche zur Kirche, dass der Mensch hört, weil Gott und was Gott zu ihm geredet hat-dh. Und wo dies etwa nicht geschieht, wo statt dessen etwa nur jener heilige Apparat funktioniert oder jener religiöse Verein in Tätigkeit ist, wo man so oder so demdi Menschen zu viel und Gott zu wenig zutraut, da ist die Kirche nicht, und wenn sie diedj größten Massen oder die besten Individuen in sich vereinigte, wenn sie das reichste Leben entfaltete und in Staat und Gesellschaft noch so sehr respektiert wäre. Wir befinden uns heute an verschiedenen Stellen der modernen Welt in der verheißungsvollen aber auch gefährlichen Situation, dass die Kirche wieder mehr Beachtung und Interesse findet als vor Jahrzehnten, dass nach ihrem Wesen und ihrer Botschaft von allerlei unerwarteten Seiten dk-aufs Neue-dk gefragt wird, dass Kirchlichkeit da und dort schon wieder ein bisschen gute Mode wird. Wir können nicht wissen und wir sollen uns auch nicht darum kümmern, wohin diese Entwicklung führt. Wir haben sie weder zu fördern noch zu hindern. Wir müssen aber wissen: es wird gerade heute entscheidend darauf ankommen, ob in der Kirche das Eine geschieht, was sie zur Kirche macht und als Kirche erhält. Ohne das würden ihr sicher Siege |169| beschieden sein, die sich alsbald als schweredl Niederlagen herausstellen müssten, und würden ihr wirk|192liche Siege, die heute vielleicht plötzlich möglich wären, ebenso sicher entgehen.dm Der Weg der Kirche war immer und wird immer sein ein schmaler Weg [vgl. Mt. 7,14]. Er ist darum ein unerhört schmaler Weg, weil wir alle bei dem Wort «Kirche» mit einer Art Naturnotwendigkeit zunächst immer wiederdn an den römisch-katholischen oder an den modernistisch-protestantischen Irrtum oder abwechselnd an den einen oder anderen oder an eine Kombination und Synthese von beiden denken und weil die Methode, diesem Labyrinth zu entgehen, nur die Methode des Heiligen Geistes und des Glaubens sein kann.

Indem wir das Hören des Menschen auf Gott als das entscheidende Merkmal der Kirche erklären, betonen wir jedenfalls auch: ihre Menschlichkeit, ihre Weltlichkeit, ihre Profanität. Und es ist nicht etwa nur ein Schönheitsfehler, den wir damit feststellen, dass wir sagen: die Kirche nimmt in ihrer Existenz, in ihrer Gestalt und Botschaft teil an der Finsternis des Menschen, der Gott verloren hat und der verloren ist und bleibt, wenn er nicht von Gott wiedergefunden wird. Sie nimmt sogar mehr teil an dieser Finsternis, sie ist profaner als die übrige sie umgebende Welt, weil gerade der auf Gott hörende Mensch – und in Wahrheit nur er! – um seine Profanität weiß. Es ist der Kirche wesentlich, dass ihr nichts Menschliches fremd,40 dass sie immer und überall die Kirche des Menschen, die Kirche bestimmter Zeiten, Völ|193ker, Sprachen, Kulturen ist. Aber darüber hinaus besteht ihre Sympathie, ja Solidarität mit der Welt am Tiefsten gerade in dem, was sie scheinbar am Deutlichsten von der Welt, zum Beispiel von der Welt der Politik, der Wissenschaft, der Kunst unterscheidet: In der Kirche werden die Grenzen des Menschlichen gewahrt und bewacht,41 in der Kirche werden keine Götter angebetet, in der Kirche werden keine Ideologien gepflegt, in der Kirche muss der Mensch sich selbst nüchtern sehen und verstehen: in seiner Endlichkeit, in seiner Blöße, in seinen Schranken, in seiner Einsamkeit. Die Welt war der Kirche nicht immer dankbar dafür, dass sie ihre Götter ignorierte. Es gab bekanntlich eine Zeit, wo sie sie aus diesem Grunde verfolgte. Die Kirche würde vielleicht wieder verfolgt werden, wenn sie es der Welt wieder klarerdo machen könnte, dass sie sich darin von ihr unterscheidet, dass sie ihre Götter ignorieren muss. Aber man übersehe nicht: gerade in dieser Unterscheidung ist sie weltlicher als die Welt, humanistischer als die Humanisten, näher als sie beidedp dem eigentlichen Sinn der menschlichen Tragödie-Komödie, |170| die als Versuch des Menschen, sich selber zu helfen, nur dann echt sein könnte, wenn sie sich unter Verzicht auf allen religiösen Pomp und Anspruch innerhalb ihrer natürlichen Grenzen halten würde. Das Geheimnis der Welt ist doch die Nichtexistenzdq ihrer Götter. Und es kostet die Welt Tränen und Blut genug, dass sie dieses Geheimnis immer wieder leugnen und die Natur und die Geschichte mit Göttern bevölkern möchte; der Grund ihrer Unruhe ist ihre Weigerung, sich zu ihrer Profanität zu bekennen. Die Kirche weiß um dieses Geheimnis der Welt. Sie darf sich durch keine Vorwürfe und Anklagen darin irremachen lassen. Gerade damit hält sie der Welt Treue.

Aber diese Treue ist doch nur möglich als Kehrseite einer ganz anderen Treue. Kirche ist da, wo der Mensch auf Gott hört. Nicht auf |194 Götter, nicht auf ein Göttliches, sondern auf Gott. dr-Gott ist nicht eine Macht oder Wahrheit, Gott ist nicht das Sein, das der Mensch selbst entdecken kann, um es dann mit dem Titel der Gottheit zu bekleiden, sondern Gott ist der-dr, der dem Menschen als sein wirklicher Herr bekannt wurde, indem er ihm handelnd, richtend, vergebend, heiligend, verheißend entgegentrat, ds-indem er sich ihm offenbarte-ds. Dass das geschehen ist, sagen uns die biblischen Propheten und Apostel. Oder wer sollte es uns sonst gesagt haben? Von Göttern und vom Göttlichen dt-melden uns-dt freilich viele Bücher, von Gott nur diesesdu eine. Indem die Stimme derer gehört wurde, die in der Erwartung und in der Erinnerung Jesu Christi lebten, entstand die Kirche: et in hanc petram aedificabo ecclesiam meam [Mt. 16,18]42. Wo die Schrift redet – und durch die Schrift Gott selbst in der Sprache seiner großen Taten – und wo der Mensch hört – Gott selber hört im Wort seiner Zeugen – da entsteht und besteht diedv Kirche.dw Es gibt keine Kirche außerhalb dieser Beziehung. In dieser Beziehung wird sie erzeugt und geboren; von ihr nährt sie sich; in ihr hat sie ihren Raum dx-zur Bewegung und ihre-dx Luft zum Atmen. dy-Diese Beziehung-dy hat die ganze Einzigartigkeit und Unersetzlichkeit der Offenbarung selber. Sie macht den ganzen Reichtum der Kirche aus; sie ist aber auch ihre Lebensbedingung, deren Missachtung sofort den Absturz in das Nichts nach sich dz-ziehen würde-dz. Sie ist das Evangelium, das die Kirche geheimnisvoll auszeichnet vor dem Staat, vor der philosophischen Schule, vor den konservativen ebenso wie vor den revolutionären Geistesbewegun|195gen, die der menschlichen Geschichte ihre mannigfach wechselnde Gestalt geben; sie ist aber auch ganz nüchtern das Gesetz, an das sich die Kirche zu halten, in dessen Auslegung und Befolgung sie sich zu üben hat, |171| wenn sie Kirche bleiben oder wieder werden will. Man beachte, dass diese Beziehung zwischen der Heiligen Schrift und der Kirche, die Gründung der Kirche auf den Felsen des Petrus, nicht weniger als die Offenbarung selber ea1-immer wieder als-ea1 ein Ereignis, eine Handlung des ewigen Wortes und seines Heiligen Geistes ea2-zu verstehen-ea2 ist. Das Zeugnis der Propheten und Apostel, das das Mittel dieser Handlung ist, steht also immer wieder, eb-sozusagen als Werkzeug in Gottes Hand-eb, über der Kirche und allen ihren Lehrern und Predigern, Dogmen, Gewohnheitenec und Einrichtungen: sie sind an jene, jene ist nicht an sie gebunden. Die Schrift regiert die Kirche, nicht hat die Kirche die Schrift zu regieren. Aber wohlverstanden: die Schrift als Werkzeug in Gottes ed-Hand. Ist sie doch nur das menschliche Zeugnis von seiner Offenbarung. Also: die-ed Schrift, sofern Gott je zu dieser Zeit und unter diesen Umständen zu diesen Menschen durch sie reden und so seine Kirche bauen will – die Schrift, die ee-manchmal vielen oder allen tatsächlich-ee ein verschlossenes Buch sein mag, die Schrift, die vielleicht nur in einem verhältnismäßig kleinen Teil gleichzeitig zu uns redet, die Schrift, aus der uns Gottes Wort immer entgegentreten wird wie ein Blitz aus dunklen Wolken – die aber ef-als Ganzes-ef unsere ständige Aufmerksamkeit verlangt, weil sie als Ganzes jenen eg-Ursprung und Sinn-eg hat, von Gottes Offenbarung zu zeugen, und darum als Ganzes mit Recht heilige Schrift heißt, Kanoneh der Kirche, an dem sie immer wieder gemessen ist, den sie immer wieder demütig zu ei-erforschen und-ei demütig auszulegen hat. |196 – Das ist die andere, die eigentliche und ursprüngliche Treue, die der Kirche eigentümlich ist, ej-ihre Treue gegen Gott-ej. Treue gegen Gott heißt schlicht und konkret: Treue gegen dieses Buch. In ihr wurzelt dannek jene Treue gegen die Welt, die die Kirche zu einer Stätte der Nüchternheit und gerade damit el-zu einer so echt weltlichen Stätte-el macht. Dieem Frage, ob und wie die Kirche als Kirche existieren kann, wird schlicht und konkret von dieser anderen Frage abhängen, ob sie diesem Buch immer wieder Vertrauen entgegenbringen kann und darum Gehorsam leisten muss. In diesem Vertrauen und in diesem Gehorsam besteht das, was vorhin die Methode des Heiligen Geistes und des Glaubens genannt wurde. Man sehe sich in der Geschichte der Kirche um: Hat sie jemals in etwas anderem bestanden? Und wer sich etwa für das Urteil der Welt über die Kirche interessieren sollte, der soll sich nur klarmachen, dass die Welt der Kirche gegenüber en-im Grunde keine andere Frage auf dem Herzen hat als diese: Ob die Kirche-en es wohl immer noch und immer wieder wagen werde, sich schlicht und |172| konkret an diese Methode des Heiligen Geistes und des Glaubens zu halten? Die Kirche, die das gewagt hat, ist nämlich den Reichen dieser Welt noch immer – heimlich oder auch offen – schlechterdingseo überlegen gewesen. ep-Aber die Kirche hat diese Überlegenheit immer nur da, wo sie sie nicht etwa gesucht hat. Zur wirklichen Ausübung jener Methode muss auch der letzte Rest von katholischem oder modernistischem Klerikalismus geopfert werden-ep.eq

197 Ist nämlich wirklich das Hören auf die Schrift, die Unterordnung unter sie, die Bindung an sie das konkrete Lebensgesetz der Kirche, ist es wahr, dass die Kirche immer wieder dadurch entsteht, dass wir durch das Wort der Propheten und Apostel an ihre Seite gerufen werden, um mit ihnen der Initiative Gottes standzuhalten, mit ihnen Zeugen seiner Offenbarung, Hörer seines Wortes zu sein, dann muss das Leben in der Kirche und das Leben der Kirche selbst notwendig ein Leben der Demut und des Dienstes sein. Nicht umsonst gipfeln die Weisungen, die das Neue Testament denen gibt, die auf Gott und also auf das Wort seiner Propheten und Apostel hören wollen, an mehr als einer Stelle in der Mahnung zur tapeinophrosyne43, das heißt zu einem Denken aus und in der Beugung, in der Erniedrigung vor Gott und den Menschen.er Es ist gesorgt dafür, dass im öffentlichen und priva|198ten Leben der Menschen immer wieder geherrscht werden wird. Staat ist Herrschaft, Kultur ist Herrschaft, auch die beste und reinste Entfaltung menschlichen Wesens ist Herrschaft. Niemand von uns ist unbeteiligt an menschlicher Herrschaft, es-niemand strebt nicht irgendwie nach ihr-es. Und menschliche Herrschaft ist immer eineet sündige, verkehrte Herrschaft. Dennoch hat die Kirche, auch darin im Gehorsam gegen die Schrift, immer anerkannt, dass dieseeu sündige, verkehrte Herrschaft ev-unter den Menschen-ev eine notwendige göttliche Anordnung gegen ihreew ebenso sündige und verkehrte Freiheit sei. ex-Die Kirche-ex hat aber ihren eigenen Beruf immer ebenso bestimmt anderswo gesucht als in der Aufrichtung und Aufrechterhaltung solcher Herrschaft. Sie ey-wird darum dem Kaiser geben, was des Kaisers ist [vgl. Mk. 12,17 parr.], sie-ey wird aber zu keiner Gestalt solcher Herrschaft, zu keiner Staatsform, zu keiner Kulturrichtung unbedingt Ja sagen, sie wird sich mit keiner auf Gedeih und Verderb verbinden können. Es ist in keiner Hinsicht ihr Amt und ihrez Auftrag, dem menschlichen Wesen zur Entfaltung, und das heißt eben zur Herrschaft zu verhelfen. Sie fa1-wird, wo sie zu der Herrschaft des Menschen über Menschen Ja sagt, die verborgene Absicht Gottes, nicht die offenkundige Absicht des Men|173|schen ehren. Sie-fa1 wird die Geduld und die Weisheit Gottes respektieren, die die Sünde auch durch die Sünde selbst in Schranken zu halten weiß. Aber sie wird sich fa2-um Gottes und um des Menschen willen-fa2 freihalten für ihre eigene Aufgabe. Sie hat ein anderes Zeichen aufzurichten als das der Herrschaft. Sie wird also ja nicht etwa darin ihre Aufgabe sehen, nun auch ihrerseits Herrschaft aufzurichten: eine Stadt Gottes gegenüber der Weltstadt, ein Reich der Frommen im Gegensatz zu dem Reich der Gottlosen, eine Insel der Gerechten und Seligen44 mitten im Meer der |199 Bosheit. Schon ihre Sympathie und Solidarität mit der Welt wird ehrlich genug sein, siefb daran zu hindern. Und sie wird sich darüber klar sein, dass religiöse Herrschaft, eine im großen oder kleinen Maßstab durch äußere oder geistige Mittel im Namen Gottes über die Gewissen ausgeübte Herrschaft, die furchtbarste, die schlechthin fluchwürdige Form menschlicher Herrschaft fc-wäre. Sie wird nicht etwa dieser Versuchung erliegen-fc, nachdem sie sich ihrenfd weltlichen Formen gegenüber freigehalten hat! Das Zeichen, das die Kirche aufzurichten hat, oder vielmehr: das Zeichen, unter das die Kirche von Haus aus gestellt ist, heißt Dienst und nicht Herrschaft. Aber wir müssen hier noch einmal sehr vorsichtig sein, wenn Dienst nicht doch wieder heimliche Herrschaft sein soll. Der Begriff des Dienstes ist ja auch außerhalb der Kirche nicht unbekannt. Hat sich nicht gerade die kühnste Hybris und die wirksamste Tyrannei oft genug fe-am lautesten-fe als Dienst ausgegeben? Die Kirche hüte sich, dass sie sich nicht – die Gefahrff ist riesengroß gerade in Zeiten des erwachenden Selbstbewusstseins und Lebenswillens der Kirche – in diese Reihe stelle! Da wird nicht wirklich gedient, wo man nach eigener Einsicht und Willkür meint dienen zu sollen. Der Großinquisitor bei Dostojewskij45 meinte es zweifellos gut mit Gott und mit den Menschen, aber es war doch nur sein Gutmeinen, mit dem er Gott und den Menschen dienen wollte, und darum war sein Dienen doch nur der raffinierteste Herrschaftsakt. Wo ein eigenmächtig ersonnener Erlösungsplan und Er|200lösungsweg, fg-beruhend auf einer eigenmächtigen Vorstellung von Gott und vom Menschen,-fg das Feld beherrscht, da mag die Meinung noch so herzlich gut und fromm sein – da wird fh-Gott und dem Menschen nicht wahrhaft-fh gedient, da ist nicht Kirche. Man kann sich darauf fi-verlassen, die Eigenmächtigkeit eines solchen Planes und Weges-fi wird sich darin verraten, fj-dass Gott zu wenig und dem Menschen zu viel zugetraut wird,-fj dass unter Berufung auf Gottes Güte und auf die Naturfk des Menschen fl-– so wie man beide zu verstehen meint –-fl weder die menschliche |174| Verlorenheit noch die göttliche Gnade ganz ernst genommen, dafür zwischen Gott und Mensch allerhand andere Synthesen, diefm nicht Christus heißen, sondern Humanität und eingegossene Gnade46,fn gefunden werden. Denn wenn der Mensch eigenmächtig über Gott und fo-sich selbst und seine-fo Erlösung nachdenkt, dann ist er noch nie zu einem anderen Resultat gekommen als zufp dem: dass auf Christus zwar viel, aber nicht alles ankomme und dass er fq-seiner allerletztlich nicht bedürfe-fq. Es bedeutet keinen Charakterfehler und keine Unmoral, wenn man auf diesen Gedanken kommt. Er ist der naheliegendstefr Gedanke von der Welt. Nichts geht uns so süß ein wie dies, dass schon die Natur nicht ohne Gnade und |201 dass auch die Gnade in ihrer Weise Natur sei.47 Und dieser Gedanke kann zugleich so christlich wie nur möglich ausgesprochen und angewendet werden. Die Lehrer und die Praktiker dieser Eigenmächtigkeit haben noch nie versäumt, sich mit dem wunderbarsten Gewand reiner Demut und liebevollenfs Dienstes zu umgeben. Aber eben aus dieser Eigenmächtigkeit ist noch nie etwas anderes ft1-erzeugt und-ft1 geboren worden als die Karikatur der Kirche: der Klerikalismus. Klerikalismus ist die Herrschaft derer, die über die Einheit von Natur und Gnade Bescheid zu wissen meinen. Keine Herrschaft kann gewaltiger sein als diese. ft2-Sie ist in allen ihren Formen echt und recht die Herrschaft des Antichrist.-ft2 – Die Demut und der Dienst, die das Zeichen sind, unter das die Kirche gestellt ist, müssen von der klerikalen Demut und von dem klerikalen Dienst radikal geschieden sein, sonst sind sie nicht Kirche. Die Kirche hat keine eigene Einsicht, sie lebt von dem, was ihr gesagt ist. Die Kirche lebt nicht in eigener, noch so gutgemeinter Willkür, sondern im Gehorsam. Die Kirche hat also keine eigenenfu Pläne und Programme, sondern sie wartet fv-immer wieder-fv auf das, was ihr befohlen werden wird. Die Kirche hat kein Thema, sondern sie hat einen Herrn und die Boten, die ihr seinen Willen ausrichten. Die Kirche ist nicht die Kirche der frommen Menschen, sondern die Kirche Jesu Christi. Die Kirche ist nicht selbst Jesus Christus, sondern sie glaubt an ihn; sie ist der Leib, an dem er das Haupt ist [vgl. Eph. 4,15; Kol. 1,18]. Es kann gar nicht anders sein, da sie durch ihr eigenstes Entstehungs- und Lebensprinzip an die Seite der Propheten und Apostel gerufen ist. Dort, Auge in Auge mit dem handelnden Gott, ist nicht nur die offene, sondern auch die heimliche Herrschaft einesfw eigenmächtigen Dienstes ausgeschlossen, fx1-dort ist |202 der Mensch in der Schule und besteht sein eigenes Tun darin, nachzusagen, was ihm vorgesagt ist-fx1. Man weiß dort nicht um die Einheit fx2-von Gott und |175| Mensch,-fx2 von Natur und Gnade. fy-Man weiß dort nur um Jesus Christus als den Überwinder ihres Gegensatzes.-fy Und diesen, nur diesen Herrnfz verkündigt man dort, ga-weil er verkündigt sein will, und-ga weil man von ihm nicht genug gb-hören kann,-gb weil nicht genug Menschen von ihm hören können.

III. Theologie

Unter allen Wissenschaften ist die Theologie die schönste, die den Kopf und das Herz am reichsten bewegende, am nächsten kommend der menschlichen Wirklichkeit und den klarsten Ausblick gebend auf die Wahrheit, nach der alle Wissenschaft fragt, am nächsten kommend dem, was der ehrwürdige und tiefsinnige Name einer «Fakultät» besagen will,48 eine Landschaft mit fernsten und dochgc immer noch hellen Perspektiven, wie die von Umbrien oder Toskana, und ein Kunstwerk, so wohl überlegt und so bizarr wie der Dom von Köln oder Mailand. Arme Theologen und arme Zeiten in der Theologie, die das etwa noch nicht gemerkt haben sollten! – Aber unter allen Wissenschaften ist die Theologie auch die schwierigste und gefährlichste, diejenige, bei der man am ehesten in der Verzweiflung oder, was fast noch schlimmer ist: im Übermut endigen, diejenige, die, zerflatternd oder verkalkend, am schlimmsten von allen zu ihrer eigenen Karikatur werden kann. Gibt es eine Wissenschaft, die so ungeheuerlich und |203 die so langweilig werden könnte wie gd-die Theologie-gd? Der wäre kein Theologe, der vor ge-ihren Abgründen-ge noch nie erschrocken wäre oder gf-der vor ihnen-gf zu erschrecken aufgehört hätte.

Beides ist wahr und beides hat seinen Grund darin, dass die Theologie ihre eigene Existenz, ihre Notwendigkeit und ihre Möglichkeit, ihre Arbeit und ihre Ergebnisse nicht selbst zu rechtfertigen braucht, nicht selbst rechtfertigen kann und auch nicht selbst rechtfertigen wollen darf. Sie ist die freieste, sie ist aber auch die gebundenste unter allen Wissenschaften. Sie darf allen Fragen nach ihrem Recht gegenüber schlicht auf die Kirche und auf die die Kirche begründende göttliche Offenbarung verweisen. Das ist aber auch die einzige Antwort, die sie zu geben vermag, und gerade mit dieser einzigen Antwort entkleidet sie sich alles selbständigen Rechtes. Es ist eine wahrhaft königliche Voraussetzung, auf Grund derer sie existiert, eine Voraussetzung, von der her auch die beiläufigste theologische Argumentation, wenn sie nur wirklich theologisch ist, einen unvergleichlichen Schwung und Glanz bekommt. Aber sie kann diese Voraussetzung |176| nicht aufzeigen wie der Naturforscher die Phänomene, wie der Historiker die Tatsachen, wie der Philosoph und Mathematiker die Axiome, wie der Jurist und Soziologe die gesellschaftlichen Möglichkeiten und Notwendigkeiten, auf die sich ihre Forschung und ihr Unterricht beziehen. Sie kann nicht einmal die Grenzen ihrer Problematik, ihrer Forschung und ihres Unterrichts allgemein und systematisch aufzeigen, um so ihren Raum und ihre Berechtigung in der Reihe der übrigen Wissenschaften zu sichern undgg ihre Voraussetzung als eine gültige wenigstens indirekt sichtbar zu machen.49 Ihre Voraussetzung ist ja die Offenbarung, das Handeln Gottes selbst in seinem Wort und durch seinen Geist. Wie sollte diese Voraussetzung auch nur indirekt, auch nur negativ, auch nur als Grenze der anderen Wissenschaften aufzuweisen sein? Sie müsste schon umgedeutet und verfälscht, preisgegeben und verraten werden, um Gegenstand eines |204 solchen Aufweises zu werden. Die Theologie müsste schon aufhören, Theologie zu sein, wenn sie sich selbst rechtfertigen wollte und könnte. Sie war noch immer von allen guten Engeln verlassen, wenn sie das dennoch versucht hat. – Gibt es zum Beispiel etwas Trostloseres als den nun seit zweihundert Jahren50 mit zunehmendem Eifer unternommenen Versuch einer systematischen Verknüpfung oder auch Unterscheidunggh zwischen den Bereichen der Theologie und der Philosophie? Hat auch nur ein einziger namhafter Philosoph den Künsten, die die Theologen in dieser Absicht an den Tag gelegt haben, auch nur die geringste Beachtung geschenkt? Hätte nicht schon die Ängstlichkeit undgi Unsicherheit, in der man dieser Sache nachging, daran erinnern müssen, dass man dieser Sache kaum anders als mit schlechtem Gewissen nachgehen kann? Die Theologie kann der Philosophie notorisch erst von dem Augenblick an interessant werden, wo sie ihr nicht mehr interessant sein will. Ihr Verhältnis zu ihr kann notorisch erst von dem Augenblick an ein positives und fruchtbares werden, wo sie nicht nur resolut darauf verzichtet, selbst Philosophie zu sein, sondern resolut auch darauf, ihre Existenz neben der Philosophie prinzipiell aufweisen und begründen zu wollen.51 Und dasselbe gilt von ihrem Verhältnis zu allen anderen Wissenschaften. – Wie Gottes Offenbarung und wie die Kirche nur faktisch existieren – die Offenbarung in sich selbst, die Kirche in der Offenbarung begründet –, so kann und soll auch die Theologie nur faktisch existieren. Sie beweisegj1 ihre Existenz, ihre Möglichkeit und Notwendigkeit, indem sie existiertgj2! Sie beweise die Berechtigung ihres Vertrauens zu ihrer Voraussetzung dadurch, dass sie |177| ihr vertraut und aus diesem Vertrauen denkt und redet! Sie wage es also, sich selbst zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen! Alle Verzweiflung und aller Übermut, alle Langweiligkeit und alle Ungeheuerlichkeit der Theologie haben ihren |205 Grund noch immer darin gehabt, dass sie zu wenig Theologie gk-zu sein wagte-gk. Sie schäme sich nicht, dann hat sie auch keinen Anlass, sich zu schämen. Sie verteidige sich nicht, dann wird sie unangreifbar sein. Sie meide alle Künste außer der einen, die ihr befohlen ist, dann wird sie gl-gewiss nicht isoliert sein-gl: sie ist nur so lange isoliert, als sie sich vor der Isolierung fürchten zu müssen meint.

Die Kunst, die der Theologie befohlen ist, die sie ausüben soll und darum auch ausüben kann, ist der Dienst, den sie der Kirche und in der Kirche dem Herrn der Kirche zu leisten hat. Theologie ist eine bestimmte Funktion in der kirchlichen Liturgie, das heißt in jener anbetenden Verkündigung oder verkündigenden Anbetung, in der die Kirche auf Gott hört. Theologie existiert also nicht im leeren und nicht in irgendeinem willkürlich gewählten Raum, sondern in dem Raum zwischen Taufe und Abendmahl, zwischen der Heiligen Schrift und ihrer Auslegung und Verkündigung. Theologie ist wie alle anderen Funktionen der Kirche ausgerichtet auf das Faktum, dass Gott gesprochen hat und dass der Mensch hören darf. Theologie ist ein besonderer Akt der Demut, die gm-dem Menschen-gm durch dieses Faktum geboten ist. Darin besteht dieser besondere Akt der Demut: in der Theologie versucht die Kirche, sich immer wieder kritisch darüber Rechenschaft zu geben, was das heißt und heißen gn-muss vor Gott und vor den Menschen: Kirche zu sein-gn. Existiert doch die Kirche als eine Versammlung von Menschen, und zwar von fehlbaren, irrenden, sündigen Menschen. go-Nichts ist weniger selbstverständlich als dies, dass sie immer aufs Neue Kirche wird und ist.-go Sie existiert untergp dem Gericht Gottes. Eben darum kann es nicht anders sein, als dass sie sich auch selbst richten muss, nicht nach eigenem Gutdünken, sondern nach dem Maßstab, der identisch ist mit ihrem Existenzgrund, also nach Gottes Offenbarung und also konkret nach der Heiligen Schrift. Und eben dies: die immer wieder notwendige und gebotene Selbst|206prüfung der Kirche am Maßstab des göttlichen Wortes ist die besondere Funktion der Theologie in der Kirche.52

Wir vollziehen von hier aus einige notwendige Abgrenzungen:

1. Die Theologie kann sich die Wahrheit, die sie in der Kirche geltend zu machen hat, nicht selbstgq1 wählen. Sie hat sie geltend zu machen nicht als die einleuchtendste, nicht als die wahrscheinlichste, nicht als die prak|178|tischste – das alles schmeckt nach Wahl und kann hier nicht in Betracht kommen –, sondern als schongq2 gewählte, und zwar nicht von ihr, sondern für sie gewählte Wahrheit: als Wahrheit, über deren Wahrheit schon entschieden ist, indem siegr sie geltend macht. Wo die Theologie sich herausgenommen hat, die göttliche Wahrheit selbst wählen zu wollen, da hat sie noch immer irgendeine diskutable menschliche Wahrheit gewählt; da hat sie sich selbst noch immer aufgegeben. Ich nannte die Theologie die freieste, aber auch die gebundenste Wissenschaft. Ihre Freiheit ist die Freiheit Gottes: Gibt es einen souveräneren Akt als den gs-theologischen Denkakt, den Akt-gs der Anerkennung und Geltendmachung gt-des Wortes Gottes-gt als des Wortes des Herrn des Himmels und der Erde [Lk. 10,21], des Herrn über Leben und Tod? Aber diese Freiheit existiert nur in der strengengu Gebundenheit an dieses Wort. Die frömmste und edelste Freiheitgv außerhalb dieser Gebundenheit würde doch nur Libertinage und nicht theologische Freiheit sein.

2. Die Theologie kann sich darum nicht gebärden, als wäre sie ein Zweig und eine Anwendung der heute unter idealistischem, morgen unter positivistischem, übermorgen unter skeptischem Vorzeichen getriebenen Geschichtswissenschaft. Gewiss gehören die Dokumente der Offenbarung zu den Monumenten der menschlichen Geschichte. Gewiss wird ihre Erforschung darum immer eine geschichtliche, also zum Beispiel immer auch eine geschichtskritische sein müssen. Und |207 gewiss wird jeder, auch der theologische Geschichtsforscher, immer bestimmte philosophische Voraussetzungen, also zum Beispiel die idealistische, die positivistische oder die skeptische, an seinen Stoff, also in unserem Falle an die Bibel, an das Dogma des 4. und 5. Jahrhunderts, an die Reformation schon heranbringen. Aber es ist etwas anderes, ob man je nach der Art dieser Voraussetzung eine unabhängige, von letzter Würde umgebene, sogenannte «historische Wahrheit» oder ob man Gottes Wort in den Dokumenten der Kirche zu finden erwartet.53 Es ist etwas anderes, ob man bei ihrer Erforschung und Auslegung sich selbst als Idealist, Positivist oder Skeptiker oder sich selbst als Hörer dieses Wortes das letzte und eigentliche Zutrauen schenkt. Es ist etwas anderes, ob man als Historiker entschlossen ist, im letzten Grund von seiner Eigenschaft als Glied der Kirche, oder ob man entschlossen ist, gw-im letzten Grund-gw von seiner Eigenschaft als Idealist, Positivist oder Skeptiker zu abstrahieren. Die historische Technik und Methode gx-wird hier und dort-gx keine andere sein, wohl aber die |179| Fragen, die Gesichtspunkte, die Interessen und damit schließlich doch der Sinn, in welchem die Geschichte hiergy und dort erforscht und ausgelegt wird. Wer die durch seine Weltanschauung bestimmte «historische Wahrheit» absolut, wer sie wohl gar mit der Wahrheit Gottes gleichsetzt, der kann ein großer Historiker sein, aber als theologischer Historiker wird er nicht oder nur unvernünftig mitreden können.

3. Die Theologie kann sich aber auch nicht als Wahrheitsforschung und Wahrheitslehre im Allgemeinen gebärden. Indem sie sich der Wahrheit der Offenbarung beugt, versteht sie dasgz, was die verschiedenen Weltanschauungen ha-«Wahrheit» nennen-ha, im besten Fall als relative, vorläufige, beschränkte Wahrheit. Es ist aber nicht ihres Am|208tes, sich sozusagen zwischen oder über den Gegensatz zwischen Gottes Offenbarung und die menschliche Vernunft hb-und ihre Weltanschauungen-hb zu stellen und die Relation, den Zusammenhang zwischen beiden als solchen, die Offenbarung als Vernunfthc oder die Vernunft als Offenbarung darzustellen und so beide in ein System zu bringen. Das ist’s, was die Gnosis aller Zeiten und Spielarten immer wieder versucht hat. Gnosis meint Offenbarung und Vernunft, Gott und Mensch, Gnade und Natur vom Standpunkt Gottes aus zusammenschauen und zusammendenken zu können.54 Das Ergebnis war noch immer, dass sie beide missverstanden hat. Theologie ist nicht Gnosis. Theologie stellt sich nicht auf den Standpunkt Gottes. Theologie hört auf Gottes Offenbarung und versteht darum ihr Verhältnis zur menschlichen Vernunft als eine Begegnung, als ein Gespräch, in welchem die erste zu reden, die zweite zu hören, die Gnade zu geben und die Natur zu empfangen, Gott zu regieren und der Mensch zu gehorchen hat. Sie anerkennt menschliche Wahrheit da und schlechterdings nur da, wo dieses Ereignis stattfindet, wo also Gottes Wahrheit zum Menschen gesprochen hat.

4. Die Theologie ist nicht die Versöhnung des Menschen mit Gott. Das ist auch die Kirche nicht, auch nicht ihre Sakramente, auch nicht ihre Predigt, auch nicht ihre Liebeswerke. Die Versöhnung des Menschen mit Gott ist der in Jesus Christus handelnde Gott selber. Die Theologie ist ein menschliches, sie ist nicht das göttliche Werk. Sie ist Dienst am Wort, nicht selber das Wort Gottes. Das muss ausdrücklich gesagt werden, weil man die Theologie immer wieder damit meint diskreditieren zu können und zu sollen, dass man ihr vorhält: sie sei nur Theorie, nicht Praxis, nur intellektuelle Arbeit, nicht Leben, nur Wahrheit, nicht Wirklichkeit.55 In der |180| Tat: sie ist nicht dashd |209 Ganze, nicht einmal im Leben der Kirche, geschweige denn in der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Sie ist, wie schon gesagt wurde, eine bestimmte Funktion in der Liturgie der Kirche. Man sehe aber wohl zu, was man tut, wenn man sie darum, weil sie eben nur diese eine bestimmte Funktion ist, verdächtigthe, weniger ernst nimmt und damit vielleicht praktisch ausschaltet. Unter den Funktionen der kirchlichen Liturgie ist keine einzige zu entbehren, wenn sie nicht als Ganzes zerstört werden soll. Und es ist heute am Platz, sehr bestimmt zu sagen: gerade diese Funktion, die Theologie, die kritische Selbstbesinnung der Kirche auf ihren Grund und Ursprung, ist auf keinen Fall zu entbehren. Man treibe nur eine Praxis ohne Theorie! Man lobpreise nur das Leben auf Kosten der intellektuellen Arbeit, hf-der Erkenntnis und des Bekenntnisses-hf! Man verehre nur die Wirklichkeit unter Verachtung der Wahrheit! Es wird sich bald genug zeigen, dass diese Praxis sachlichhg auch nicht das Ganze, auch nur menschliches Werk ist, in seiner eigenmächtigen Isolierung aber sicher kein gutes menschliches Werk! Wohin das führen kann, steht uns heute in einem großen Exempel vor Augen, über das man in der Kirche aller Länder gründlich nachzudenken allen Anlass hätte.56 Eine Kirche ohne ordentliche Theologie müsstehh über kurz oder lang notwendig eine heidnische Kirche werdenhi.

Was aber ist Theologie? Versuchen wir es nun noch, positive Antwort auf diese Frage zu geben.

Die Aufgabe der Theologie besteht darin, die Menschen in der Kirche, die Prediger und die Gemeinden, immer wieder daran zu erinnern, dass das Leben und Handeln der Kirche unter dem Evangelium und unter dem Gesetz stehen, dass hier Gott gehört werden soll. Sie |210 hat also zu prüfen, wie hier von Gott geredet, was hier «Gott» genannt und als Gottes Willen und Werk ausgegeben wird. Sie hat ein Wächteramt zu versehen gegenüber demhj immer wieder drohenden und tatsächlich hereinbrechenden hk-Irrtum, dem-hk das Leben der Kirche ausgesetzt ist, weil sie eine Kirche fehlbarer, irrender, sündiger Menschen ist, hl-gegenüber dem theologischen Irrtum, der-hl die Kirche sich selbst entfremden und siehm zu einem «dummen Salz» [vgl. Mt. 5,13] machen hn-müsste, wenn er-hn etwa in der Kirche herrschend werden sollteho. Der theologische Irrtum ist diejenige relative Wahrheit, die sich als solche absolut und an die Stelle der Wahrheit Gottes setzen will. Die Theologie hat ihm gegenüber zur Einkehr und Umkehr aufzurufen. Sie hat die Prediger und die Gemeinden zum Gehorsam zu mahnen. |181|

Wo sie das wirklich tut, da wird sie ihre Aufgabe zuerst und vor allem in der Exegese der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes erblicken. Die Kirche vertraut und gehorcht der Offenbarung, wenn sie sie kennt. Sie kennt sie aber, wenn sie ihre biblischenhp Zeugnisse kennt. Kennen heißt aber verstehen. Darum muss die entscheidende Funktion der kirchlichen Liturgie, die Predigt, in der Auslegung der heiligen Texte, hq-das heißt in der Anleitung zu ihrem Verständnis-hq bestehen. Darin hat ihr die Theologie mit ihrer Exegese voran und zur Seite zu gehen. Theologische Exegese ist eine historisch-grammatikalische Aufgabe wie eine andere, nur dass der theologische Exeget sich grundsätzlich nicht mit seiner philosophischen Weltanschauung über den Text, sondern in der Erwartung, dass dieser Text ein Offenbarungszeugnis sei, unter ihn zu stellen hat. In der Erwartung – das ist alles, was sich hier sagen lässt. Dass er das Zeugnis als solches hr-vernimmt und in seiner Erklärung als solches vernehmlich macht, das ist nicht in seine Hand gegeben-hr. Offenbarung redet |211 auch in der Bibel dann, wennhs, und da, wo Gott es will.57 Die Besonderheit der theologischen Exegese reduziert sich also auf diese Erwartung und auf den Respekt, die Aufmerksamkeit und Offenheit, die dieser Erwartung entsprechen. In dieser Erwartunght wird der theologische Exeget nicht ohne den Leitfaden sein, der ihn den ursprünglichen – den wirklich ursprünglichen! – Sinn des Textes nicht ganz verfehlen lassen wird. In dieser Erwartung gelesen und ausgelegt, ist die Bibel in den Händen der hu-Kirchenväter, der-hu Reformatoren und unzähliger bescheidenerer Ausleger das Buch des Zeugnisses und damit der Offenbarung selbst gewesenhv und immer aufs Neue geworden. In ihrer Nachfolge hw1-und nach ihrem Vorbild-hw1 muss sie von der Theologie weiter gelesen hw2-und ausgelegt-hw2 werden.

Aber die Predigt der Kirche beschränkt sich ja nicht darauf, das Zeugnis der Propheten und Apostel als solches, als das vor Jahrtausenden gesprochene und geschriebene Wort zu erklären. Schon indem sie es in eine andere Sprache übersetzt, noch mehr indem sie die Worte, Begriffe und Sätze des Textes durch andere umschreibt, die nicht im Text stehen, und erst recht indem sie die Linien des Textes verlängert, so dass hx-sein Wort zu einem Wort an die jeweilige Gegenwart wird-hx, wagt hy-es der Prediger-hy, die Gedanken der biblischen Zeugen heute, hier, selber zu denken, im Namen der gegenwärtigen Kirche auszusprechenhz als deren eigene Erkenntnisia. Aus dem Gehörten muss das Gesprochene werden. Wie sollte es sonst wieder und weiter gehört werden? Aus der Erkenntnis wird notwendigib das |182| Bekenntnis. |212 Ein notwendiger, aber auch ein gefährlicher Übergang! Entsteht nun nicht ein sozusagen neutrales Gebiet, auf dem sich der Irrtum ic1-des modernen Menschen-ic1 breitmachen wird? In der Tat, und eben darum muss jetzt auch das Wächteramt der Theologie eine neue Gestalt annehmen: die Gestalt der Dogmatik, das heißt der kritischen Untersuchung dieser an die Auslegung der Texte sich anknüpfenden, relativ freien, jeweils «modernen» ic2-Begriffsbildungen und-ic2 Gedankengänge der kirchlichen Verkündigung. id-Das Dogma hat sie zu prüfen-id auf ihre Angemessenheit im Verhältnis zu ihrem Gegenstand. «Das Dogma»58 ist der Inbegriff dieser Angemessenheit, über die «die Dogmen» der Kirche in einigen (langeie nicht allen) Punkten gewisse Bestimmungen getroffen haben. Die Dogmatik hat die Aufgabe, diese Bestimmungen, also «die Dogmen» zu erklären, aber darüber hinaus in umfassender Erforschung der ganzen kirchlichen Sprache, Begriffe, Sätze und Gedankengänge if-der jeweiligen Gegenwart,-if in stetem Kontakt mit der biblischen Exegese und unter kritischem Vergleich der Aussprüche der alten und neuen Ausleger, Prediger und Lehrer der Kirche nach «dem Dogma» zu fragen. Wieder steht der Ertrag dieser kritischen Bemühung nicht in ig-menschlicher Hand-ig. Der Dogmatiker sitzt so wenig im Rate Gottes wie der Exeget. Wenn er nur als Mensch ih-auf Erden-ih ehrlich vor der Bibel und vor gewissen unentbehrlichen Dokumenten ii-kirchlicher Erkenntnis und kirchlichen Bekenntnisses sitzt und nicht etwa heimlich mit dem Bau eines pseudo-philosophischen (eines «religionsphilosophischen»!) Systems59 beschäftigt ist-ii, so wird seine Bemühung wohl nicht völlig vergeblich |213 sein. Wir haben es hier, in der Dogmatik, mit der am spezifischsten theologischen unter den theologischen Disziplinen, mit dem eigentlichen Zentrum der ij-theologischen Wissenschaft,-ij zu tun.

Aber nun ist die Predigt mit den übrigen Funktionen der kirchlichen Liturgie zusammen und als deren Mittelpunktik keine Dissertation und keine Meditation, sondern eine Aktion: die Aktion, in der die Kirche dem Worte Gottes dienen möchte, damit sie selbst und damit die Welt es wieder und wieder höre. Der Prediger ist ein Mensch, und die die Predigt hören sollen sind Menschen einer bestimmten Zeit und geschichtlichen Lage, und damitil erhebt sich zwischen beiden noch einmal das Problem der Sprache, nun in dem praktischen Sinne der Frage: mit welcher Gestalt der Predigt im-und des ganzen kirchlichen Dienstes-im dem Worte Gottes so gedient sein möchte, dass es von diesen und diesen Menschen als das |183| Wort Gottes gehört werden kann? Die sogenannte praktische Theologie, die hier eingreift, ist sehr zu Unrecht weithin als ein Stiefkind der Wissenschaft behandelt worden, zu deren Betreuung an den Fakultäten man oft genug allerlei herzlich unbedeutende Gestalten für gerade gut genug gehalten hat. Schleiermacherin hatte schon recht, wenn er sie geradezu «die Krone der Theologie» genannt hat.60 Es könnte io-gerade hier wieder fruchtbarste und ernsthafteste-io Arbeit geleistet werden, wenn man sich nur klarmachen wollte, dass man auch ip-und gerade-ip hier entscheidend von der Offenbarung, von der Heiligen Schrift und nicht etwa von eigenmächtig gewonnenen psychologischen, iq-pädagogischen, ästhe|214tischen oder politischen-iq Voraussetzungen aus zu fragen und zu antworten hat.ir Hier, in der Frage: Wieis-, ja wieis predigen wir? – so, dass dieser Gegenstand (der kein Gegenstand ist!) hier heute sichtbar, so, dass Gott selber durch uns arme Menschen unseren armen Mitmenschen vernehmbar werde? – hier it-wird offenbar-it (menschlich geredet) jener Existenzbeweis der Theologie durch iu-ihre Existenz-iu geführt oder nicht geführt. Wenn sie hier versagt, dann hat iv-sie gewiss heimlich schon in ihrer Exegese und in ihrer-iv Dogmatik versagt. Auf Grund einer ordentlichen Exegese und Dogmatik muss es auch eine ordentliche Wissenschaft – ja wohl, Wissenschaft! – der Homiletik, der Katechetik, der Liturgik usw. geben. Auch hier kein Rezept, durch das der liebe Gott zu gewinnen wäre! Aber auch hier eine Bemühung, die darum, weil sie bloß eine menschliche Bemühung ist, nicht erfolglos zu sein braucht.

Zum Schluss: Die Theologie ist keine Privatsache der Theologen. Keine Privatsache der Professoren: es hat zum Glück immer wieder Pfarrer gegeben, die von Theologie mehr verstanden als die meisten Professoren. Aber auch keine Privatsache der Pfarrer: es hat zum Glück immer wieder Gemeindeglieder und manchmal ganze Gemeinden gegeben, die die Funktion der Theologie still, aber energisch erfüllten, während ihre Pfarrer theologische Kinder oder Barbaren waren. Die Theologie ist eine Sache der Kirche. Es geht nicht gut ohne iw-Pfarrer und Professoren-iw. Aber das Problem der Theologie: die |215 Reinheit des kirchlichen Dienstes, ist der ganzen Kirche gestellt. Es gibt in der Kirche grundsätzlichix1 keine Nicht-Theologen. Der Begriff «Laien» vollendsix2 ist einer der schlechtesten Begriffe der religiösen Sprache, ein Begriff, der aus der christlicheniy Sprache iz-ganz einfach-iz verschwinden sollte. Also: die Nicht-Professoren und Nicht-Pfarrer sind mitverantwortlich dafür, dass die Theologie ihrer Professoren |184| und Pfarrer keine schlechte, sondern eine gute seija. Und weil die Offenbarung, weil die Kirche in ihrem Wesenjb und in ihrer Absicht, eine menschliche Sache ist, darum sagen wir jetzt auch von der Theologie in getroster Allgemeinheit: sie ist eine menschliche Sache. jc-Und es gibt Zeiten, die der Theologie so dringend bedürfen, dass man dann wohl sagen darf: sie-jc ist, wie wenige auch darum wissen mögen, die menschliche Sache.

Anhang: Fragment des ersten Entwurfs von «Offenbarung»61

Offenbarung

Das Wort «Offenbarung» gehört zu den Grundworten der menschlichen Sprache, die nicht die Ergebnisse einer von Menschen unternommenen Betrachtung und Besinnung, sondern die den Inhalt eines ihm widerfahrenen Ereignisses wiedergeben wollen. Es gibt ein ruhiges, freies Beschauen, Bedenken und Beschreiben der menschlichen Dinge, deren letztes Wort vielleicht lauten wird: «das Sein» oder: «die Wirklichkeit» oder: «die Natur» oder: «die Geschichte», vielleicht auch: «die Wahrheit» oder gar: «Gott». Es gibt aber auch ein Denken und Reden mitten auf dem Schlachtfeld des menschlichen Lebens, |216 mitten in seinen Gefahren, Überraschungen und Nöten, und es gibt militärische Meldungen, Heeresberichte von diesem Schlachtfeld, Feststellungen, die ganz und gar eine bestimmte Kampfsituation meinen und die ganz und gar als solche gehört und verstanden werden müssen. Unter diesen Meldungen hört man da und dort das Wort «Offenbarung». Man hört auch andere Meldungen von diesem Schlachtfeld: vielleicht das Wort: «die Tat» oder: «der Schmerz», die Worte «Sieg» und «Niederlage» und immer wieder das Wort: «der Tod». Allen diesen anderen Worten ist dies gemeinsam: sie sind Feststellungen über das, was der Mensch auf jenem Schlachtfeld vollbracht oder auch erlitten hat, sie sind Meldungen über Ereignisse auf der menschlichen Front als solcher. Zu dieser Art Meldungen gehört auch das große Wort «Schicksal», sofern es zusammenfassend ausdrückt, dass es dem Menschen bestimmt und beschieden ist, anzuhalten, zu kämpfen, zu leiden, sich zu freuen, zu sterben. Das Wort «Offenbarung» steht neben allen diesen Worten ganz für sich, sofern es nicht eine Meldung von dem Tun und Leiden des Menschen als solchem, sondern eine Meldung von einer freien und überlegenen Maßnahme und Handlung des Gegners enthält, einer Maßnahme und Handlung, die als solche in vollem Gang ist und zur Geltung kommt, ohne dass sich ihre volle, ihre endgültige Auswirkung auf die menschliche Front schon überblicken und abschätzen ließe. «Offenbarung» heißt, in diesem Vergleich gesprochen: der Feind hat die Initiative ergriffen.

Wir verlieren die mit «Offenbarung» bezeichnete Wirklichkeit sofort aus den Augen, wenn wir dem Wort diese seine Bedeutung als Kampfbericht, und zwar als Bericht von einer freien, mächtigen Handlung des Gegners wieder nehmen. Offenbarung sagt: An den Menschen mit seinem Tun und Leiden, mit seinem so oder so bestimmten Schicksal ist Gott so herangetreten, dass dem Menschen keine Möglichkeit mehr geblieben ist, sich selbst ohne dieses Gegenüber zu verstehen, so herangetreten, dass der Mensch sich auf alle Fälle vor diesem Gegenüber verantworten muss. Wenn wir uns das vor Augen halten, muss es uns z. B. sofort deutlich sein, dass überall da, wo von «Offenbarung» in einem ernsthaften Sinn gesprochen wird, von einer Diskussion über das Dasein und Wesen Gottes keine Rede sein kann. Das Dasein und Wesen des Feindes im Angriff? Was sollen diese Fragen? Wo Gott handelnd auf dem Plan ist, da ist eben damit über die Fragen: ob er ist? und: wer er ist? entschieden. Die Antwort auf diese Fragen wird nur nachsagen können, was Gott selbst in seiner Handlung vorgesagt hat. Weiter: Wo von Offenbarung in einem ernsthaften Sinn gesprochen wird, da ist die Frage nach «andern» Offenbarungen gegenstandslos. Der Notschrei eines Ertrinkenden, der Hilferuf eines auf Leben und Tod Angegriffenen wird nicht ernsthaft gehört, wenn er nicht in seiner ganzen Einmaligkeit gehört, sondern gemächlich mit andern Lebensäußerungen dieser Art verglichen wird. Ebenso einmalig ist die Meldung, die mit dem Wort «Offenbarung» hinsichtlich des Handelns Gottes gemeint ist. Hört man sie mit der Erwägung, dass Gott vielleicht auch noch anderswo und anderswie gehandelt haben könnte, dann ist sie sicher nicht ernsthaft gehört. Weiter: Wo |217 von «Offenbarung» in einem ernsthaften Sinn gesprochen wird, da ist ausgeschlossen die Verwechslung zwischen Gott und Mensch. Spreche ich von meinem Tun und Leiden, dann meine ich eindeutig mich selber. Und wenn ich von meinem Schicksal oder wenn ich von «Sein», von «Natur» und «Geschichte» spreche, meine ich wohl immer noch eindeutig mich selber, den Menschen. Spreche ich von Offenbarung und weiß ich, was ich damit sage, dann spreche ich eindeutig von einer Begegnung mit einem Andern. Gerade das Unangemessene der Vergleichung der Offenbarung mit einem Kampfbericht und also Gottes mit dem Feind kann hier lehrreich sein: den Feind, der mich eben auf Leben und Tod angreift, werde ich gewiss nicht mit mir selbst verwechseln. Und so wird ein ernsthaftes Wort von Gottes Offenbarung gewiss nicht mit einem Bericht über menschliches Sein, Wollen, Tun und Erleiden zu verwechseln sein. Endlich: Wo von «Offenbarung» in einem ernsthaften Sinn gesprochen wird, da kann nicht gefragt werden, ob und wie wohl Gott mit seinem Handeln den Menschen erreichen, berühren und bestimmen möchte. Offenbarung meint die Begegnung von Gott und Mensch, die auf Grund göttlicher Initiative, wie unbegreiflich das immer sein möge, schon stattgefunden hat. Offenbarung meint nicht den abstrakten Gott und den abstrakten Menschen. Offenbarung meint den konkreten Gott, der den Menschen gesucht hat, und also den konkreten Menschen, der von Gott gefunden ist, vielleicht den glaubenden, vielleicht den nichtglaubenden, vielleicht den durch ihn begnadigten, vielleicht den durch ihn verurteilten Menschen (Offenbarung ist Entscheidung über ihn!), aber den konkreten Menschen, der von Gott gefunden ist. Wie Gott und Mensch zusammenkommen, das ist gerade kein Problem mehr, wo von Offenbarung ernsthaft gesprochen wird.

Aber wo wird von Offenbarung ernsthaft gesprochen, mit jenem Ernst einer keinen Zweifel erlaubenden Meldung von dem, was der Gegner auf dem Schlachtfeld schon unternommen und getan hat, mit jenem Ernst, der die Wirklichkeit Gottes, die Ewigkeit seines Tuns, seine Unterscheidung von uns selbst und zugleich seine Beziehung zu uns zu diskutieren nicht erlaubt? Ich62

Textkritische Fußnoten

a
Die Gesamtüberschrift findet sich nur in Th.Fr.u.A 📖.; die Abschnittsüberschriften sind im Mskr. doppelt unterstrichen und nicht nummeriert.↩
b-b
Mskr.: «Wir wären gar nicht in der Lage, von Offenbarung zu sprechen, weil sie für uns gar nicht existieren würde».↩
c
Im Mskr. hervorgehoben.↩
d-d
Fehlt im Mskr.↩
e
Im Mskr. hervorgehoben.↩
f-f
Mskr.: «machen».↩
g-g
Fehlt im Mskr.↩
h
Fehlt im Mskr.↩
i-i
Mskr.: «weiter». ↩
j-j
Fehlt im Mskr.↩
k-k
Mskr.: «Tatsache jenes Angriffs».↩
l-l
Mskr.: «ihr».↩
m
Mskr.: «und».↩
n
Fehlt im Mskr.↩
o-o
Mskr.: «sie selbst».↩
p-p
Mskr.: «Und weiter».↩
q
Fehlt im Mskr.↩
r
Im Mskr. hervorgehoben.↩
s
Fehlt im Mskr.↩
t-t
Mskr.: «gelten».↩
u
Mskr.: «einer».↩
-v1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-v2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-v3
Fehlt jeweils im Mskr.↩
w
Mskr.: «andern Menschen».↩
x
Mskr.: «Offenbarung».↩
y-y
Mskr.: «verdampfen».↩
z-z
Mskr.: «Links- und Rechtsschauen».↩
aa
Fehlt im Mskr.↩
ab-ab
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ac-ac
Mskr.: «mit einem Einssein oder Einswerden beider zu verwechseln».↩
ad
Mskr.: «vertauscht».↩
ae-ae
Fehlt im Mskr.↩
af
Mskr.: «Erkenntnis».↩
ag-ag
Fehlt im Mskr.↩
ah-ah
Mskr.: «begründet dort, wo ihr Grund». ↩
ai-ai
Mskr.: «und eines».↩
aj-aj
Mskr.: «und des».↩
ak-ak
Fehlt im Mskr.↩
al-al
Mskr.: «verdient hat».↩
am
Im Mskr. hervorgehoben.↩
an-an
Mskr.: «nicht mehr und nicht weniger».↩
ao-ao
Mskr.: «lassen».↩
ap-ap
Fehlt im Mskr.↩
aq
Mskr.: «wahrhaft».↩
ar-ar
Mskr.: «eine Wahrheit».↩
as-as
Fehlt im Mskr.↩
at-at
Mskr.: «Recht».↩
au
Mskr.: «kraft». ↩
av
Fehlt im Mskr.↩
aw
Mskr.: «und».↩
-ax1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-ax2
Fehlt jeweils im Mskr. ↩
-ax3
Fehlt jeweils im Mskr.↩
ay-ay
Mskr.: «sind, bei uns so, wie wir sind. Ja, Gott selbst ist».↩
az-az
Mskr.: «unsere».↩
ba-ba
Mskr.: «gutmachend, was wir nicht».↩
bb-bb
Mskr.: «können, er selbst:».↩
bc-bc
Fehlt im Mskr.↩
bd-bd
Mskr.: «selber als den».↩
be-be
Mskr.: «für uns, die».↩
bf-bf
Mskr.: «Offenbarung ist Versöhnung». ↩
-bg1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-bg2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
bh-bh
Mskr.: «diesem».↩
bi-bi
Fehlt im Mskr.↩
bj-bj
Mskr.: «sie».↩
bk
Mskr.: «diesen».↩
bl-bl
Mskr.: «annimmt und sein Kind heißt».↩
bm
Mskr.: «diesem».↩
-bn1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-bn2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
bo
Mskr.: «diesem».↩
bp
Fehlt im Mskr.↩
-bq1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-bq2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-bq3
Fehlt jeweils im Mskr.↩
br-br
Fehlt im Mskr., wo der Satz entsprechend dem dort aus dem vorhergehenden Satz übernommenen Subjekt («sie») weiter formuliert ist: «[…] dem überlegenen Willen […] Jesus Christus, dem Worte Gottes, […] dem Heiligen Geist […]».↩
-bs1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-bs2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
bt
Im Mskr. hervorgehoben.↩
bu-bu
Mskr.: «dies».↩
bv-bv
Mskr.: «dies nicht für uns tun wollte».↩
bw
Mskr.: «Maß».↩
bx
Das Fragezeichen fehlt in ThExh 9 📖 und Th.Fr.u.A 📖. und wurde von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. eingefügt.↩
by
Der voranstehende, im Mskr. vorhandene Satz fehlt in ThExh 9 📖 und in Th.Fr.u.A 📖. Er wurde von den Hrsg. hier in den Haupttext aufgenommen, weil sich ohne ihn der folgende Satz deutlich weniger stimmig in den Kontext einfügt. Vermutlich wurde er beim Diktat nach dem Mskr. oder vom Setzer aufgrund seines mit dem nächsten Satz identischen Beginns übersehen.↩
bz
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ca
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cb-cb
Mskr.: «göttlichen Initiative. Sie ist Ereignis».↩
cc-cc
Mskr.: «Sie ist Ereignis, das Ereignis, das nun allen anderen Ereignissen vorangeht.»↩
cd1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
cd2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
ce-ce
Fehlt im Mskr.↩
cf-cf
Mskr.: «das nur in seinem Geheimnis, das nur dem Glauben sich bekannt macht».↩
cg
Mskr.: «Vermittlung». ↩
ch
Mskr.: «in ihnen».↩
ci-ci
Mskr.: «Frömmigkeit, Moral, Religion».↩
cj
Mskr.: «er».↩
ck
Mskr.: «erhält».↩
cl-cl
Mskr.: «protestantischen Modernismus».↩
cm
Mskr.: «und».↩
cn-cn
Mskr.: «Vollmacht, Wahrheit und Gnade».↩
co-co
Mskr.: «protestantischen Modernismus».↩
cp-cp
Mskr.: «groß und klein, klein und groß: dass der Mensch hört, weil Gott zu ihm geredet und was Gott».↩
cq-cq
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cr-cr
Mskr.: «gehörten».↩
cs
Fehlt im Mskr.↩
ct
Mskr.: «hörten».↩
cu
Mskr.: «Qualität».↩
cv-cv
Mskr.: «Hören, weil Gott und was Gott».↩
cw-cw
Mskr.: «Evangelisation, Apologetik und kirchliche Gemeinschaftspflege».↩
cx-cx
Mskr.: «in allen Ländern in Fluss gekommen». ↩
cy-cy
Mskr.: «ebenfalls ein wenig».↩
cz
Fehlt im Mskr.↩
da
Mskr.: «lasse».↩
db-db
Fehlt im Mskr.↩
dc
Mskr.: «dich, die».↩
dd
Mskr.: «sein».↩
de
Im Mskr. jeweils hervorgehoben.↩
df-df
Mskr.: «dem Allen».↩
dg-dg
Mskr.: «indem wir nach allen Seiten Ja sagen».↩
dh-dh
Mskr.: «dies und dies allein macht die Kirche zur Kirche, nicht dies und jenes, so gut und notwendig es sein möge, sondern in allem das Eine, dass der Mensch hört, weil Gott und was Gott zu ihm geredet hat».↩
di
Th.Fr.u.A 📖.: «den»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit Mskr., Tskr. und ThExh 9 📖 korrigiert.↩
dj
Fehlt im Mskr.↩
dk-dk
Fehlt im Mskr.↩
dl
Fehlt im Mskr.↩
dm
Im Mskr. folgen die am Rand notierten Sätze: «Als in Deutschland vor einigen Jahren die triumphierende Parole vom ‹Jahrhundert der Kirche›38 ausgegeben wurde, da ahnten wir alle nicht, wie nahe uns die Stunde der schwersten Versuchung sei. Discite moniti!39»↩
dn
Fehlt im Mskr. ↩
do
Mskr.: «klar».↩
dp
Mskr. und Tskr.: «bei».↩
dq
Mskr., Tskr. und ThExh 9 📖: «Nicht-Existenz». ↩
dr-dr
Mskr.: «Also nicht auf eine Macht oder Wahrheit, nicht auf ein Sein, das der Mensch selbst entdeckt und mit dem Titel der Gottheit bekleidet hat, sondern auf den».↩
ds-ds
Fehlt im Mskr.↩
dt-dt
Mskr.: «gibt es».↩
du
Mskr.: «dies».↩
dv
Fehlt im Mskr. und im Tskr.↩
dw
Im Mskr. findet sich im ganzen vorangehenden Satz keine Hervorhebung.↩
dx-dx
Mskr.: «und».↩
dy-dy
Mskr.: «Sie».↩
dz-dz
Mskr.: «zieht». ↩
-ea1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-ea2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
eb-eb
Mskr.: «als Werkzeug in Gottes Hand sozusagen».↩
ec
Fehlt im Mskr.↩
ed-ed
Mskr.: «Hand, also die».↩
ee-ee
Mskr.: «uns auf weite Strecken».↩
ef-ef
Mskr.: «ein Meer von Gelegenheiten solcher Rede ist, als Ganzes».↩
eg-eg
Mskr.: «Sinn und Ursprung».↩
eh
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ei-ei
Mskr.: «erforschen, den sie».↩
ej-ej
Fehlt im Mskr.↩
ek
Fehlt im Mskr.↩
el-el
Mskr.: «so echt weltlich».↩
em
Mskr.: «Und die».↩
en-en
Mskr.: «auf nichts anderes gespannt ist als darauf, ob sie».↩
eo
Fehlt im Mskr.↩
ep-ep
Mskr.: «Aber ich brauche nicht zu sagen, dass zur wirklichen Ausübung jener Methode auch der letzte Rest von katholischem und modernistischem Klerikalismus geopfert werden müsste».↩
eq
Im Mskr. folgt hier ein wieder gestrichener Absatz, von dem Barth im folgenden Absatz wörtlich nur einen Satz wieder aufnahm (s. unten, Anm. er): «Das Leben der Kirche und in der Kirche ist nämlich ein Leben des Dienstes, nicht der Herrschaft. Es gibt viele Formen menschlicher Herrschaft, es gibt aber keine schlimmere [?] und furchtbarere Form solcher Herrschaft als die, die im Namen Gottes über die Gewissen ausgeübt wird. Sie ist die große Versuchung der Kirche, von der gerade die erwachende, die im neuen Selbstbewusstsein und Lebenswillen sich erhebende Kirche bedroht ist. Und die Kirche kann ihr nicht entgehen, wenn sie aus der Beziehung zur heiligen Schrift auch nur ein bisschen heraustritt. Nicht umsonst gipfeln die Weisungen, die das NT denen gibt, die auf Gott und also auf das Wort seiner Propheten und Apostel hören wollen, an mehr als einer Stelle in der Mahnung zur tapeinophrosyne, d. h. zur Demut, zu einem Denken aus und in der Beugung, in der Erniedrigung. Anders als in der Demut hört man nicht wirklich auf Gott und gibt es keine Kirche. Wenn es wahr ist, dass die Kirche immer wieder dadurch entsteht, dass wir durch das Wort der Propheten und Apostel an ihre Seite gerufen werden, um mit ihnen Zeuge der Offenbarung, Hörer des Wortes Gottes zu werden, dann muss das konkret heißen: wir werden in die Demut gerufen, die dort am Platz ist, wo Gott zum Menschenheil die Initiative ergriffen hat. Es ist gesorgt dafür, dass es menschliche Herrschaft gibt in der Welt. Es muss immer wieder solche Herrschaft geben: sie waltet im Staat und in der Gesellschaft, in Kunst und Wissenschaft, in Ehe und Familie, in unseren feinsten [?] und gewöhnlichen Beziehungen.»↩
er
Der voranstehende Satz fehlt an dieser Stelle im Mskr., ist aber – mit Ausnahme der abschließenden Worte: «vor Gott und den Menschen» – aus dem in Anm. eq angeführten, von Barth gestrichenen Absatz übernommen. ↩
es-es
Fehlt im Mskr.↩
et
Fehlt im Mskr.↩
eu
Mskr.: «ihre».↩
ev-ev
Fehlt im Mskr.↩
ew
Mskr.: «die».↩
ex-ex
Mskr.: «Sie».↩
ey-ey
Fehlt im Mskr.↩
ez
Fehlt im Mskr.↩
-fa1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-fa2
Fehlt jeweils im Mskr. ↩
fb
Mskr.: «um sie».↩
fc-fc
Mskr.: «wäre: die Versuchung, der sie nicht etwa erliegen darf».↩
fd
Mskr.: «den».↩
fe-fe
Fehlt im Mskr.↩
ff
Mskr.: «Versuchung».↩
fg-fg
Fehlt im Mskr.↩
fh-fh
Mskr.: «nicht».↩
fi-fi
Mskr.: «verlassen: seine Eigenmächtigkeit».↩
fj-fj
Fehlt im Mskr., ist dort am Rand jedoch wohl durch den mit Bleistift vermerkten Zusatz: «Zutrauen S. 1» angedeutet.↩
fk
Mskr.: «Bedürftigkeit».↩
fl-fl
Fehlt im Mskr.↩
fm
Mskr. und Tskr.: «– Synthesen, die».↩
fn
In Mskr., Tskr., ThExh 9 📖 und ThFr.u.A. 📖 steht anstelle des Kommas ein Spiegelstrich, der jedoch nach der Ersetzung des ersten Spiegelstrichs am Beginn des Relativsatzes (s. Anm. fm) überzählig ist.↩
fo-fo
Mskr.: «seine eigene».↩
fp
Fehlt im Mskr.↩
fq-fq
Mskr.: «ihn allerletztlich nicht nötig habe».↩
fr
Mskr.: «frömmste». ↩
fs
Mskr.: «liebevollsten».↩
-ft1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-ft2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
fu
Fehlt im Mskr.↩
fv-fv
Fehlt im Mskr.↩
fw
Mskr.: «des». ↩
-fx1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-fx2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
fy-fy
Mskr.: «Man weiß dort nur um Gott, der ihren Gegensatz in Jesus Christus überwunden hat.»↩
fz
Mskr.: «Gott».↩
ga-ga
Fehlt im Mskr.↩
gb-gb
Mskr.: «und»; fehlt im Tskr. und in ThExh. 9 📖, dort stattdessen nur das Komma.↩
gc
Fehlt im Mskr. ↩
gd-gd
Mskr.: «sie».↩
ge-ge
Mskr.: «den Abgründen der Theologie».↩
gf-gf
Fehlt im Mskr.; im Tskr. nachträglich hinzugefügt.↩
gg
Mskr.: «und so». ↩
gh
Mskr.: «Abgrenzung».↩
gi
Mskr.: «und die».↩
gj1
Im Mskr. jeweils nicht hervorgehoben.↩
gj2
Im Mskr. jeweils nicht hervorgehoben. ↩
gk-gk
Mskr.: «war».↩
gl-gl
Mskr.: «echt menschlich sein und gar nicht isoliert».↩
gm-gm
Fehlt im Mskr.↩
gn-gn
Mskr.: «muss: vor Gott und vor den Menschen Kirche zu sein»↩
go-go
Fehlt im Mskr.↩
gp
Mskr.: «also unter».↩
gq1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
gq2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
gr
Mskr.: «die Theologie».↩
gs-gs
Fehlt im Mskr.↩
gt-gt
Mskr.: «seines Wortes».↩
gu
Fehlt im Mskr.↩
gv
Mskr.: «Libertinage»; im Tskr. wurde «Libertinage» in «Freiheit» korrigiert. ↩
gw-gw
Mskr.: «letztlich».↩
gx-gx
Mskr.: «würde»; Tskr.: «werden hier und dort» und dann weiter: «keine anderen».↩
gy
Mskr.: «da».↩
gz
Mskr.: «alles».↩
ha-ha
Mskr.: «unter ‹Wahrheit› verstehen». ↩
hb-hb
Fehlt im Mskr.↩
hc
Mskr.: «vernünftig» (so ursprünglich auch im Tskr., dort in «Vernunft» korrigiert).↩
hd
Fehlt im Mskr. ↩
he
Mskr.: «diskreditiert».↩
hf-hf
Fehlt im Mskr.↩
hg
Mskr.: «wahrlich».↩
hh
Mskr.: «wird».↩
hi
Mskr.: «sein». ↩
hj
Mskr.: «den».↩
hk-hk
Mskr.: «Irrtümern, denen».↩
hl-hl
Mskr.: «und die die».↩
hm
Fehlt im Mskr.↩
hn-hn
Mskr.: «müssten, wenn sie».↩
ho
Mskr.: «sollten».↩
hp
Fehlt im Mskr.↩
hq-hq
Fehlt im Mskr.↩
hr-hr
Mskr.: «vernehmen und in seiner Erklärung vernehmlich machen kann, das liegt nicht in seiner Hand».↩
hs
Mskr. und Tskr.: «wann».↩
ht
Mskr.: «Erwartung, und nur in ihr».↩
hu-hu
Mskr.: «Kirchenväter und».↩
hv
Mskr.: «geworden».↩
-hw1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-hw2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
hx-hx
Mskr.: «sie die jeweilige Gegenwart berühren».↩
hy-hy
Mskr.: «sie es»; im Tskr. aus «die Predigt» in den obenstehenden Text korrigiert.↩
hz
Mskr.: «selber auszusprechen».↩
ia
Mskr.: «Gedanken».↩
ib
Fehlt im Mskr.; im Tskr. nachträglich gestrichen. ↩
-ic1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
-ic2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
id-id
Fehlt im Mskr., wo der Rest des Satzes ohne Punkt direkt an das Vorherstehende anschließt.↩
ie
Mskr.: «aber lange».↩
if-if
Fehlt im Mskr.↩
ig-ig
Mskr.: «Menschenhand».↩
ih-ih
Fehlt im Mskr.↩
ii-ii
Mskr.: «der kirchlichen Erkenntnis und nicht etwa heimlich am Bau eines pseudo-philosophischen, eines «religionsphilosophischen» Systems sitzt». ↩
ij-ij
Mskr.: «Theologie».↩
ik
Mskr.: «Zentrum».↩
il
Mskr.: «es»; fehlt im Tskr.↩
im-im
Fehlt im Mskr.↩
in
Im Mskr., im Tskr. und in ThExh 9 📖 nicht hervorgehoben.↩
io-io
Mskr.: «auch hier wieder fruchtbare und ernsthafte»; so ursprünglich auch im Tskr., dann geändert in den obenstehenden Text.↩
ip-ip
Fehlt im Mskr. ↩
iq-iq
Mskr.: «pädagogischen und ästhetischen».↩
ir
Im Unterschied zu den zahlreichen übrigen am Rand vermerkten Einschüben im Mskr., die mit derselben Tinte geschrieben wurden wie der Haupttext und bei denen deshalb nicht entschieden werden kann, ob sie schon während der ersten Niederschrift oder erst nachträglich hinzugefügt wurden, ist der vorstehende Satz am Rand mit Bleistift vermerkt worden. Es ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass diese Einfügung sich einer nach der Niederschrift erfolgten Durchsicht verdankt.↩
is
Im Mskr. jeweils hervorgehoben.↩
it-it
Mskr. und Tskr.: «offenbar wird».↩
iu-iu
Mskr.: «die Theologie»; ursprünglich so auch im Tskr., dann geändert in «ihre Existenz».↩
iv-iv
Mskr.: «gewiss heimlich schon ihre Exegese und ihre».↩
iw-iw
Mskr.: «Professoren und Pfarrer».↩
ix1
Fehlt jeweils im Mskr.↩
ix2
Fehlt jeweils im Mskr.↩
iy
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
iz-iz
Fehlt im Mskr.↩
ja
Mskr.: «ist».↩
jb
Mskr.: «Sinn».↩
jc-jc
Mskr.: «Sie». ↩

Sachfußnoten

1
Henri Monnier (1871–1941), seit 1919 Professor für reformierte Theologie an der Faculté libre de Théologie Protestante in Paris. ↩
2
KBA 9333.469. ↩
3
Monnier hatte Barth mit einem Schreiben vom 4.2.1933 (KBA 9333.75) zunächst für das Frühjahr oder den Herbst 1933 nach Paris eingeladen. Barth antwortete ihm am 10.2. (KBA 9233.40), dass er für beide Zeiträume schon zu viele Verpflichtungen habe, einer Einladung in einem anderen Jahr aber gerne entsprechen werde. ↩
4
Brief Barths an Monnier vom 19.7.1933 (KBA 9233.177; Briefe 1933, S. 299 📖). ↩
5
[Predigt zu:] Joh. 10,11–13 (Predigten 1921–1935, S. 305–313 📖; vgl. unten, S. 245). – Zu dieser Predigt hatte ihn Erich Dahlgrün (1895–1978), 1927–1939 Pfarrer der Deutschen Evangelisch-lutherischen Kirche in Paris, eingeladen, nachdem er von Barths bevorstehender Parisreise gehört hatte (Brief Dahlgrüns an Barth vom 5.1.1934 [KBA 9334.27]). Dahlgrün hatte ausdrücklich hervorgehoben, dass die Gemeinde nicht bei den Deutschen Christen stehe, sie habe «vielmehr Zugriffe von dieser Seite abgewehrt, indem sie dem Wunsche Hossenfelders, im Sommer in der Gemeinde zu sprechen, sich widersetzte» (ebd.). ↩
6
Vgl. oben, S. 157, Anm. 3. ↩
7
Im Taschenkalender Charlotte von Kirschbaums heißt es unter dem 13. März: «Karl geht an die Ausarbeitung des 1. Pariser Vortrags». ↩
8
Brief Barths an Anna Barth-Sartorius vom 19.3.1934 (KBA 9234.93), vgl. auch den Brief E. Thurneysens an Barth vom 23.3.1934 (KBA 9370.721; Bw.Th. III, S. 613f. 📖): «Dein erster Pariservortrag, den ich schnell lesen konnte, ist ausgezeichnet geraten und verspricht ausgezeichnete Fortsetzungen, an deren Erstellung du nun wohl schon weiter gekommen bist». ↩
9
Brief Barths an Thurneysen vom 25.3.1934 (KBA 9270.619; Bw.Th. III, S. 614 📖). ↩
10
Pierre Maury (1890–1956), 1919–1925 Generalsekretär der französischen Christlichen Studentenbewegung, 1925–1930 Pfarrer in Ferney-Voltaire bei Genf, 1930–1934 Sekretär, 1935–1938 stellvertretender Vorsitzender des Christlichen Studentenweltbunds, ab 1934 Pfarrer in Passy (Paris), 1943–1950 daneben Professor für Dogmatik an der Faculté libre de Théologie Protestante in Paris, 1950–1953 Präsident der Reformierten Kirche in Frankreich. Maury hatte maßgeblich Anteil an der Übersetzung von Barths erstem Aufsatzband «Das Wort Gottes und die Theologie» (K. Barth, Parole de Dieu et parole humaine, trad. de l’allemand par P. Maury et A. Lavanchy, Paris / Genf 1933 📖) und wurde ein enger Freund Barths (vgl. K. Barth / P. Maury, Nous qui pouvons encore parler … Correspondence 1928–1956, hrsg. von B. Reymond, Lausanne 1985 📖). ↩
11
Am 23. März hatte Maury die Übersetzung des ersten Vortrags an Barth geschickt und kündigte die Rücksendung der beiden anderen jeweils nach einer Woche an (vgl. Brief Maurys an Barth vom 23.3.1935 [KBA 9334.373; Barth / Maury (Anm. 10), S. 55f. 📖]). ↩
12
Zu den aktuellen Hintergründen dieser Eile und weiteren Einzelheiten vgl. unten, S. 218-220. ↩
13
Vgl. Barths Brief an Anna Barth-Sartorius vom 22.4.1934 (KBA 9234.105): «Das Heft 9 der Theol[ogischen] Existenz hast du ja inzwischen bekommen und kannst daraus entnehmen, was für Sorgen und Hoffnungen mich bewegen». Eine Anzeige für das neue Heft erschien in JK 2 (1934), Heft 8, vom 21.4.1934 📖 (Anzeigenteil). ↩
14
Taschenkalender Charlotte von Kirschbaums (26. März). ↩
15
Im Karl Barth-Archiv befindet sich die Kopie eines von Ch. von Kirschbaum verfassten und von Barth ergänzten Berichts (18 Seiten, engzeilig; KBA 11063) über die Reise nach Paris, in dem die Anreise und dann die Tage in Paris ausführlich beschrieben werden. Der Bericht war als vertraulicher Rundbrief für den Freundeskreis gedacht. Eingangs hieß es: «Wir möchten euch an den reichen und bewegten Tagen, die wir vom 7.– 16. April 1934 haben durften, nachträglich ein wenig teilnehmen lassen» (S. 1). Auszüge dieses Berichts in französischer Übersetzung in: Barth / Maury (Anm. 10), S. 283–291. 📖 Vgl. außerdem R. Pestalozzi, Fahrt nach Nordafrika. Mit Auto und Leica durch Frankreich, Algerien, Tunesien, Sizilien und Italien, Zürich 1935, S. 9–11 📖 (während Barth und Ch. von Kirschbaum von Paris aus mit dem Zug nach Bonn zurückkehrten, traten Pestalozzis ihre Nordafrika-Fahrt an). Vgl. auch Busch, S. 256f. 📖 ↩
16
Während Barths Französisch von A. Keller, Karl Barth in Paris, in: Basler Nachrichten, 16.4.1934 📖, sehr gelobt wurde: «Barth sprach ein ausgezeichnetes Französisch, in dem zwar ein unabhängiger Schweizer Akzent durchtönte, der aber gerade seine unbeirrbare charaktervolle Eigenart auch im fremden Idiom unterstrich», bekam er von Gerty Pestalozzy nach einer kleinen «Probelesung» vor der Abreise nach Paris ein etwas zwiespältiges Lob: «Usgezäichnet! Niemeds redt so französisch!» (Bericht Ch. von Kirschbaums [Anm. 15], S. 1). ↩
17
So Ch. von Kirschbaum in ihrem Bericht (Anm. 15), S. 7. ↩
18
Adolf Keller (1872–1963), 1904–1909 Pfarrer in Genf, wo er in den ersten Monaten von Barths Hilfspredigerzeit dessen Mentor war, 1909–1920 Pfarrer in Zürich, ab 1920 erster Sekretär des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und ab 1924 erster Generalsekretär der Europäischen Zentrale für kirchliche Hilfsaktionen. Barth und Keller blieben von der gemeinsamen Genfer Zeit an in einem freundschaftlichen Austausch miteinander verbunden. ↩
19
Keller (Anm. 16) 📖; vgl. auch die Berichte in RKZ 84 (1934), S. 141f. 161. 📖 ↩
20
So Ch. von Kirschbaum in ihrem Bericht (Anm. 15), S. 7. ↩
21
Vgl. a.a.O., S. 8. Beim Empfang wurde Barth, ohne dass dies abgesprochen gewesen wäre, aufgefordert, eine kleine Ansprache zu halten, von der Ch. von Kirschbaum, ebd., berichtet: «Karls Gesicht wurde lang und länger. Er war beschäftigt mit der ihm bevorstehenden Aufgabe. Und sie gelang, gelang ausgezeichnet, trotz des ironischen Gesichtes von Emil Brunner, der ihm am anderen Ende des Saales gegenübersaß, gelang trotz der unerwarteten Eleganz der anwesenden Damen und Herren, gelang trotz des vorangegangenen kleinen Mahles am Monmartre! Vielleicht dass in dem Tadel, den der französische Protestantismus ob seiner langen Zurückhaltung der dialektischen Theologie gegenüber eingangs erhielt, noch etwas mitschwang von dem kleinen Ärger über diese Überrumpelung. In der Fortsetzung wurde die Ansprache zu einem bewegenden Aufruf zu gemeinsamer Arbeit, unter besonderer Erinnerung an die Tatsache, dass Calvin hier beheimatet war.» – Vgl. zum Empfang auch Bw.Th. III, S. 611, Anm. 14. 📖 ↩
22
Die Wendung stammt aus Strophe 2 des Liedes «Kommt, Kinder, lasst uns gehen» (1738) von Gerhard Tersteegen 🎵 und wurde von Barth im Vorwort [zu: Lutherfeier 1933] zitiert (V.u.kl.A. 1930–1933, S. 590–599, dort S. 598 [nähere Angaben: a.a.O., Anm. 38] 📖). ↩
23
Keller (Anm. 16). 📖 ↩
24
Brief vom 8.5.1934 (KBA 9234.154).↩
25
Zum theologischen Verständnis des Bildes vom «Feind» äußerte Barth sich ausführlicher im abgebrochenen ersten Entwurf zu diesem Abschnitt; s. unten, S. 216f. ↩
26
Vgl. zum Motiv des «Angriffs»: «Gnade ist Krisis vom Tode zum Leben. […] Darum ist die Heilsbotschaft von Christus die Beunruhigung, die Erschütterung, der alles in Frage stellende Angriff schlechthin» (Römerbrief 2, S. 310f. 📖). – Erkenntnis Gottes ist «das wissende und willige Erleiden des absoluten Angriffs auf den Menschen, der von der Gerechtigkeit Gottes ausgeht» (a.a.O., S. 505).↩
27
Zu dieser Anspielung auf die Formel von Chalcedon (DH 301f. 📖) vgl. Chr.Dogm., S. 289–308, bes. S. 307f. 📖↩
28
Vgl. schon KD I/1, S. 311ff. 📖 (§ 8: «Gott in seiner Offenbarung»), wo es schon im Leitsatz zum Paragraphen heißt (S. 311): «Gottes Wort ist Gott selbst in seiner Offenbarung. Denn Gott offenbart sich als der Herr und das bedeutet nach der Schrift für den Begriff der Offenbarung, daß Gott selbst in unzerstörter Einheit, aber auch in unzerstörter Verschiedenheit der Offenbarer, die Offenbarung und das Offenbarsein ist.» ↩
29
Vgl. zu dieser Anspielung auf den Arianischen Streit und den Antitrinitarismus: KD I/1, S. 370-373. 401–404. 460–464. 📖↩
30
Vgl. ausführlicher: KD I/1, S. 33f. 68f. 📖 ↩
31
«Säkularismus, in der englischen theologischen Sprache längst gebrauchter […] Ausdruck, ist durch die Weltmissionskonferenz von Jerusalem 1928 Zusammenfassung der von Gott gelösten Seinshaltung geworden, der wir jetzt in der ganzen Welt begegnen» (M. Schlunk, Art. «Säkularismus», in: RGG2 V, S. 37–39, Zitat: S. 37 📖). Vgl. K. Barth, Fragen an das Christentum, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 141–155, dort bes. S. 148 (mit Anm. 25). 📖↩
32
Vgl. Terenz, Heautontimorumenos I, 1,25 📖: «Homo sum; humani nil a me alienum puto». Vgl. Büchmann, S. 326. 📖↩
33
Descartes leitete die Gewissheit darüber, dass Gott existiert, aus der Selbstgewissheit des erkennenden menschlichen Subjekts ab (vgl. R. Descartes, Meditationen über die Grundlagen der Philosophie mit den sämtlichen Einwänden und Erwiderungen, zum erstenmal vollständig übers. und hrsg. von A. Buchenau [PhB 27], Leipzig 1915, bes. S. 36-38. 40–42 [III,26-30. 38. 42]) 📖; zu Barths Kritik vgl. auch Chr.Dogm., S. 78f. 145f. 📖, KD I/1, S. 203–206. 📖 ↩
34
Zu dieser Anspielung auf den auf dem ontologischen Gefälle von Natur und Übernatur fußenden Neuthomismus vgl. V.u.kl.A. 1930–1933, S. 38, Anm. 57. 📖↩
35
Gemeint ist wohl die nach dem Ersten Weltkrieg sich im evangelischen Raum entwickelnde «Liturgische Bewegung» mit ihrem Bemühen um eine liturgische und kirchenmusikalische Bereicherung insbesondere der überkommenen Gottesdienstagenden; vgl. G. Mensching, Art. «Liturgische Bewegung», in: RGG2 III, Sp. 1696f. 📖 ↩
36
Besonders im deutschen Protestantismus war es nach dem Zusammenbruch des landesherrlichen Summepiskopats zwangsläufig ab 1918/19 zu einer – allerdings auf Kontinuität bedachten – Umgestaltung auch des Kirchenrechts gekommen, die von einer intensiven, sich auch in Publikationen niederschlagenden Diskussion begleitet wurde (vgl. etwaJ. V. Bredt, Neues evangelisches Kirchenrecht für Preußen, 3 Bde., Marburg 1921–1927 📖; G. Holstein, Die Grundlagen des evangelischen Kirchenrechts, Tübingen 1928 📖; H. Liermann, Deutsches Evangelisches Kirchenrecht, Stuttgart 1933 📖). ↩
37
Gemeint ist das als Reaktion auf die Abwendung der Arbeiterschaft von der Kirche im 19. Jahrhundert verspätet einsetzende soziale und zunehmend auch politische Engagement kirchlicher Funktionsträger und Gruppierungen. Zunächst und besonders intensiv in der Schweiz, im Gefolge des Ersten Weltkriegs dann auch in Deutschland, mündete es unter anderem in die in den verschiedenen europäischen evangelischen Kirchen sehr unterschiedlich stark vertretene religiös-soziale Bewegung («religiöse Sozialisten»). Vgl. J. F. Laun / Fr. Mahling u. a., Art. «Christlich-Sozial», in: RGG2 I, Sp. 1581–1589 📖; J. Herz, Art. «Evangelisch-Sozial», in: RGG2 II, Sp. 437–443. 📖 Zur Entwicklung in der Schweiz vgl. E. Buess / M. Mattmüller, Prophetischer Sozialismus. Blumhardt – Ragaz – Barth, Freiburg (CH) 1986, dort S. 11-104. 110–142. 📖↩
38
Gemeint ist: O. Dibelius, Das Jahrhundert der Kirche. Geschichte, Betrachtung, Umschau und Ziele, Berlin 1926. 📖 Mit der in diesem Buch sich exemplarisch ausdrückenden Form von Kirchlichkeit hatte Barth sich intensiv auseinandergesetzt u. a. in Quousque tandem…? (1929/30), in: V.u.kl.A. 1925–1930, S. 521–535 📖, und in Die Not der evangelischen Kirche (1931), in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 64–122 (vgl. dort bes. S. 99f.). 📖 ↩
39
Gekürztes Zitat aus: Vergil, Aeneis VI,620 📖: «Lernt, ihr Gewarnten!» (vgl. Büchmann, S. 339 📖). ↩
40
Siehe oben, Anm. 32.↩
41
Vgl. die Bezugnahmen auf I. Kant und die «Grenzen der Menschheit» in Römerbrief 2, S. 498f. 📖, Pr.Th., S. 239 📖; vgl. auch Unterricht III, S. 394 📖; die Wendung nimmt Bezug auf den Titel von J. W. von Goethes Gedicht «Grenzen der Menschheit» (1781; Berliner Ausgabe, Bd. 1, S. 330f.) 📖.↩
42
Vulgatatext: «et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam».↩
43
Vgl. Act. 20,19; Eph. 4,2; Phil. 2,3; Kol. 3,12.↩
44
Die Vorstellung von Gefilden oder einer «Insel der Seligen» begegnet in der griechischen Mythologie bei Hesiod, Werke und Tage, V. 171 📖, und bei Pindar, Olympische Oden II, V. 71 📖; vgl. Art. «Elysium», in: Dr. Vollmers Wörterbuch der Mythologie aller Völker, bearb. von W. Binder, Stuttgart 18743, S. 187. 📖 ↩
45
F. M. Dostojewski, Die Brüder Karamasoff, übertragen und mit einem Nachwort versehen von K. Nötzel, 3 Bde., Leipzig [1919], Bd. 1, S. 451–484 📖: «Der Großinquisitor» (Fünftes Buch, Kap. 5); vgl. E. Thurneysen, Dostojewski, München 19304, S. 45–62. 📖↩
46
Vgl. zu der unter Berufung auf Röm. 5,5 sich im Mittelalter entwickelnden Vorstellung von der eingegossenen Gnade Thomas von Aquino, Summa theologica I-II, q. 103, a. 2 und a. 6–8 📖, sowie das auf dem Konzil von Trient verabschiedete Dekret über die Rechtfertigung, Kan. 11 (DH 1561) 📖.↩
47
Anspielung auf das vom Dual von «Natur» und «Gnade» geprägte Wirklichkeitsverständnis der katholischen Anthropologie und Soteriologie; vgl. K. Barth, Die Theologie und die Mission in der Gegenwart, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 156–208, dort S. 200f. (Anm. 85) 📖; vgl. aber auch unten, S. 429-527, Barths Auseinandersetzung mit Emil Brunner zum gleichen Thema.↩
48
«Zugrunde liegt lat. facultas (eigentlich ‹Kraft›), das im 12. Jahrhundert (als Übersetzung von griech. dynamis [δύναμις] ‹Wissenszweig› bei Aristoteles) die Bedeutung von ‹Forschungsgebiet› erlangt hatte.» (Art. «Fakultät», in: H. Schulz, Deutsches Fremdwörterbuch, Bd. I, Straßburg 1913, S. 202 📖).↩
49
Vgl. KD I/1, S. 3–10. 📖↩
50
Siehe oben, S. 14, Anm. 31. ↩
51
Zum Verhältnis der Theologie speziell zur Philosophie vgl. ausführlicher: K. Barth, Die Theologie und der heutige Mensch (1930), in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 8–43, dort bes. S. 22–25. 📖↩
52
Vgl. KD I/1, S. 1–3. 📖↩
53
Zum Verhältnis von Bibel / Offenbarung und Geschichte bzw. Geschichtswissenschaft vgl. Chr.Dogm., S. 435–439. 📖↩
54
Vgl. zu dieser Deutung der Gnosis auch Chr.Dogm., S. 55f. 📖; KD I/1, S. 85. 📖 ↩
55
Mit Vorwürfen solcher Art hatte Barth sich schon mehrfach in verschiedenen Kontexten auseinandergesetzt; vgl. etwa Barth, Die Theologie und die Mission (Anm. 47), dort S. 173f. 📖; ders., Theologische Existenz heute!, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 271–363, dort S. 313f.334f 📖; vgl. auch unten, S. 235-238.↩
56
Diesen mit der Anspielung auf die kirchliche Lage in Deutschland verbundenen Gedanken hatte Barth bereits Ende 1933 im Vorwort [zu: Die Kirche Jesu Christi], in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 600–618, dort S. 617f. 📖, näher ausgeführt.↩
57
Vgl. CA V: «[…] spiritus sanctus, qui fidem efficit, ubi et quando visum est Deo» (BSLK, S. 58,6–8 📖; BSLK.NE, S. 101,4f. 📖).↩
58
Vgl. ausführlicher: Chr.Dogm., S. 48-55. 159–164 📖; KD I/1, S. 280–291. 📖 ↩
59
Vgl. die entsprechende Kritik an Entwürfen von Heinrich Scholz, Reinhold Seeberg, Ernst Troeltsch, Georg Wobbermin u. a. in Chr.Dogm., S. 24f. 74-80. 397f. 594. 📖↩
60
Vgl. Fr. D. E. Schleiermacher, Kurze Darstellung des Theologischen Studiums zum Behuf einleitender Vorlesungen (1811), in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 6, hrsg. von D. Schmid, Berlin / New York 1998, S. 243–446, dort S. 253 📖: «Die praktische Theologie ist die Krone des theologischen Studiums» (§ 31 der Einleitung).↩
61
Der nachfolgende Entwurf der einleitenden Abschnitte findet sich auf den Rückseiten der Seiten 4 und 5 von «Offenbarung» (KBA 10061). Beiden Seiten sind engzeilig mit schwarzer Tinte beschrieben. Der Abdruck bietet den Text des Entwurfs in seiner letzten Gestalt, das heißt mit allen Korrekturen und Ergänzungen. ↩
62
Das Fragment bricht hier ab. ↩