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von Kirschbaum an B. in
Bern
[München] Dienstag früh 26.9.1933
das wird das letzte Grüßlein sein. In vier Tagen können wir uns Alles wieder
sagen, und das ist viel besser. – Am Sonntag habe ich viel nach
Meiringen gedacht. Ich danke
dir für deinen letzten Brief. Gleichzeitig hatte mir Nelly
Schmidts
Entlassung
mitgeteilt. Das tut mir sehr leid, für ihn und für
dich. An die Frau habe ich gestern ein paar Worte geschrieben. – Die Lage von
Fuchs1
ist äußerlich ja wohl auch schlimm. Was soll er nur
machen? Und man kann ihn doch fast nicht empfehlen in die Schweiz
etwa? – Je länger ich hier bin, je mehr bedrücken mich alle diese Dinge. Es kursiert hier
der Ausspruch eines bekannten Universitäts-Professors, der, als man ihn frug,
wie er das Ganze ansehe, antwortete: Steht Amos 5,13 und 21. Schlag das einmal
nach! – Aber damit ist es natürlich nicht getan. – – Stecks Predigt am Sonntag war so gut in ihrer völligen
Kompromißlosigkeit und Steilheit, vielleicht nach wie vor etwas spröd als
Anrede. Aber man muß sich freuen an ihm. Georg war übrigens auch mit ihm zusammen, nicht sehr glücklich
scheinbar, da Georg ihm –
seltsamerweise – klar machen wollte, daß sie als junge Vikare Gehorsam leisten
müßten und nicht wie er und Traub etc. alle selber – Bischöfe
sein zu müssen glaubten. Statt froh zu sein, daß sie es sich so angehen
lassen!! –
Bei meiner Tante in Starnberg hatte ich sehr gute, tröstliche Stunden. Sie ist
ein wenig hinfällig geworden, aber ganz ruhig und reif und bereit. Ihr großer
Wunsch wäre, daß ich sie zu Ende pflegen würde. Aber gelt, ich kann
doch nicht? – Gerade jetzt nicht. – Sie hat es auch begriffen. –
Und gestern vormittag war ich also beim Arzt, einem sehr seltsamen, wie mir scheint,
genialen Mann. Er hat den Nagel auf den Kopf getroffen nach einer kurzen
Augendiagnose, war überdies sehr sachlich, zurückhaltend, aber ebenso
treffsicher, daß er mein Vertrauen gewann. Ich erzähle dir dann
lieber davon. – Im Dezember will er mich in Düsseldorf wiedersehen. Bis dahin muß ich allerhand
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nicht, also Sorge mußt du keine haben. – Viele Stunden am Tage
verbringe ich leider bei Dr. Lentrodt2 auf dem Marterstühlchen. Das ist mir vor
Allem deshalb leid, weil ich Joggeli gar
nicht mehr sehe. Es reicht mit der Zeit nicht. Heute ist er bei Traubs draußen. Er
sei vergnügt und strahlt, daß er nach Dürrenroth darf. –
Es wird so schön sein, wenn du da bist. Für Sonntag abend haben wir «Berner»
[?] Plätze genommen für Dich und «uns» in ein entzückendes Shakespeare’sches
Lustspiel. Könnte man nicht die
Pfarrer (Sammetreuther
und wer da noch in Betracht kommt, Steck wünscht sehr, sein Onkel
Burger3) am Sonntag nachmittag bei einem Kaffee bei Lempp versammeln? Das wäre am
einfachsten. – Ich bin am Freitag nicht, wie ich schrieb 1156, sondern erst 1205 in Lindau4. Ich
freue mich so sehr. –
Lieber Karl –
Heute nachmittag bin ich bei Steck im Seminar. Da wollen wir über die Predigt reden. –