Brief Nr. 140 · 26. September 1933

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München

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Liebste Lollo!

Meiringen liegt hinter mir! – Ich will dir erzählen, wie es gewesen ist. Zuerst bin ich auf den Beatenberg gefahren, den Lindts dies Jahr zum letzten Mal bezogen haben. Es gab ein freundliches Zusammensein zunächst mit den Kindern, dann doch auch mit Kari und Trudi im Besonderen, wobei auch der Konflikt dieses Jahres freimütig zur |335 Sprache kam. Es ergab sich, daß sie damals im Frühjahr einfach dem Lauf der tatsächlichen Vorgänge nicht folgen konnten: dem Hin und Her von Nelly und darum dann auch dem Wechsel meiner Haltung. Eine große Rolle spielte ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz aus einem meiner Briefe an Mama1, an den sich auch für diese die ganze seltsame Erregung angeknüpft hatte, in der sie mir nachher schrieb. Ich glaube, daß ich ihnen Einiges erklären konnte. Die gewisse Starrheit, die mich damals an Karis Brief so kränkte, war jedenfalls nicht mehr da. Beiden ist es ja ein ehrliches und dringliches Anliegen, an meinem Leben fernerhin Anteil zu haben. Aber du liebe Zeit, es wird immer wieder nicht leicht sein mit meiner Familie. Meine Mutter, ja meine gute Mutter mit ihren verschiedenen Energien, weiß gar nicht, wie sie fortwährend alles Schwere noch schwerer macht.|

Doch zunächst weiter im Text: Am Sonntag morgen fuhr ich mit Trudi seeaufwärts. In Interlaken stießen, von Bern her kommend, Mama und Peter zu uns, ferner das Trampeltier (Gertruds Onkel2, der Synodalratspräsident!), und so gelangten wir nach Meiringen, wo ich bei Pfr. Ellenberger3 untergebracht wurde. Und dann ging die Sache nach dem dir bekannten Programm in Szene, nicht ohne daß ich noch eben vor Beginn plötzlich das Bergliauto gesichtet hätte, dem Rudi, Gerty und Frl. Eikhoff4 fröhlich entstiegen. Meinen Vortrag habe ich wieder in Stichworten abgefaßt und im Anschluß daran frei gehalten. Von der Einweihungsfeier habe ich mich dann gedrückt, und dafür gab es einen Tee mit Rudis und Peter. Daran anschließend gleich noch einen «Imbiß» mit all den Pfarrern und Kirchgemeinderäten! Und am Abend saß ich mit einem Kreis von Pfarrern noch lange zusammen.|

336Am Montag morgen rückten dann die ganzen Pfarrer der beiden Ämter5 an. Wir hörten einen Vortrag von Nil6 über die Aufgabe der Predigt, an dem ich wie auch an seiner Predigt aufrichtige Freude hatte; man diskutierte bis Mittag (ich mußte natürlich auch mein Scherflein geben), aß gemeinsam und hörte nachher gleich noch eine Predigt von dem anderen Meiringer Pfarrer Fankhauser7, die ernst und gut genug war, daß ich in der Hauptsache nur zustimmen konnte. Ein alter Liberaler, der dabei war und auch seinen Spruch tat, wirkte unter den eigentlich fast ausnahmslos mir nahestehenden Jüngeren (es war auch ein ehemaliger Bonner namens Iff8 darunter) wie ein seltener Steinbock. Kurzum, ich kann einigermaßen beruhigt an die Kirche dieser beiden Oberländer Ämter (das Wort «Talschaften» könnte hier am Platze sein) zurückdenken: es wird dort im Wesentlichen sicher recht gepredigt, soweit man das sagen kann.|

Und dann – dann führte der ebenfalls anwesende junge v. Tscharner (er wird im Winter wieder in Bonn sein) mich und Nil und dessen Frau in seinem Auto zunächst über Interlaken nach Leissigen, wo die Familie ein Landgütlein bewohnt. Dort wurde seine Mutter (eine vornehme französisch redende Dame, sehr comme il faut!) an Bord genommen, das Auto gewendet, und zurück ging’s über Interlaken nach Grindelwald. O Lollo, dort ist es sehr schön, an Engelberg erinnernd, aber Alles gewaltiger, zackiger, bewegter, ein ganzer Chor von Bergspitzen, Felswänden, Gletschern, Alpen, Wasserstürzen, mitten drin das Dorf, ganz auf Fremde, besonders auf Bergsteiger eingerichtet, und etwas abseits vom Dorf Pfarrhaus, Friedhof und Kirche an wunderbarster Lage. Ich sagte meinem Freund einmal über das andere, er solle froh und dankbar sein, da leben zu dürfen! Übrigens scheint er das auch wirklich zu sein. Als die von Tscharner den Schauplatz dann |337 wieder verlassen hatten, konnte ich mich ganz ihm und den Seinigen zuwenden mit dem Resultat, daß ich sehr froh bin, diesen meinen einstigen Leibfuchsen9, der so lange gebraucht, bis er sich von den einstigen Begegnungen mit mir erholt hatte, nun wieder geschenkt zu bekommen. Wir hatten einen wirklich ausgezeichneten Abend miteinander, nachdem ja der Tag in Meiringen das Theologische bereits bereinigt hatte. Zuerst hörten wir Musik auf einem Grammophon: viel guten und mir neuen Mozart, den wir vor Jahren schon gemeinsam liebten. Dann eine Unterhaltung zu dritt mit seiner Frau, die ein bescheidenes, aber kluges und nettes Wesen zeigte (vier Kinder sind auch da, darunter ein achtjähriger, der schon auf dem Ski über die große Sprungschanze gefahren ist!), eine Unterhaltung, die merkwürdigerweise fast darin aufging, daß wir uns unaufhaltsam Geschichten aus unserer gemeinsamen Vergangenheit in Erinnerung riefen, oft unter einem Gelächter, daß wir fast ersticken wollten und die Frau gar nicht begriff, was los sei. Du hättest es auch nicht begriffen! Es war eben eine merkwürdige Auferstehung einer ganzen Welt von studentischen Möglichkeiten, wie sie für edle Frauen so wirklich nicht bestehen können. Zuletzt saßen wir dann noch bis ½3 Uhr zu zweit, und da wurde dann die Sache wieder ernsthaft, d. h. wir haben einen sehr bewegten Austausch über unsere Erfahrungen eben auf dem Gebiet «edle Frauen» gehabt. Ich habe ihm zuletzt, die Vollständigkeit und Aufrichtigkeit der gegenseitigen Berichte erforderte es, auch von uns erzählt, und er hörte still und gut zu. Aber vorher war auch lange von Rösy Münger10 die Rede. Ich erhielt allerhand bestätigt und auch neu erzählt, wovon ich dir dann mündlich berichte. Morgen um 6 Uhr werde ich im Anschluß an jenes Grindelwaldner Gespräch mit einem Vetter von R. M.11, der mit Nil und mir Zofinger gewesen ist (dem Leibfuchs von Nil, also meinem «Großsohn»), zusammen sein und |338 Weiteres über diese alte und mir doch noch so gegenwärtige Sache hören. Ich bin sehr froh über die Gelegenheit, mit all den ihrerseits älter gewordenen Menschen nun wenigstens nachträglich zu einem gewissen gegenseitigen Verständnis zu kommen. Die Berner sind schwere, schwere Menschen, aber sie wissen dann auch etwas von Treue, wie man es sicher nicht überall findet. Nun, als wir endlich zu Bett kamen, war es schon bald Zeit, wieder aufzustehen.Wir saßen dann noch stundenlang unter einer prächtigen alten Arve, und Nil ließ sein Herz übergehen von dem, wovon sein Herz nebenbei auch noch ganz voll ist, vom Lobpreis seiner über Alles geliebten Berge und den vielen Abenteuern und Gefahren, die er dort in all den Jahren erlebt hat. Du würdest wahrscheinlich eine Weile brauchen, bis du mit diesem knorrigen, mehr murmelnden als redenden Menschen etwas anfangen könntest. Aber dann würde er dir sicher auch einleuchten. Weißt du, was mir die guten Leute ganz zuletzt, um zehn Uhr, bevor mein Zug abging, noch bereiteten? Einen richtigen Gemsenbraten, dem ich dann zu dieser für Braten etwas ungewohnten Zeit noch alle Ehre anzutun versuchte. Auch Gemsenbraten würdest du gerne essen und dabei dann vielleicht sogar Studenten- und Berganekdoten mit in Kauf nehmen. Auch die Kinder dort würden dir gut – ich fürchte sogar nur zu gut, ach Lollo – gefallen. Die Kinder bekamen dann noch Schokolade von mir gekauft, und dann eilte das Züglein mit mir talabwärts. Die Zeitungen, die ich mir in Interlaken kaufte, brachten mich rasch genug wieder in die Welt dessen zurück, was da drunten wirklich ist. Aber es ist doch gut zu denken, daß es auch solche Grindelwalder Möglichkeiten gibt.

Was aber mußte mein blaues unschuldiges Kinderauge entdecken, als ich hier das Haus betrat? Dora Scheuner war da zum Sch[warzen] Kaffee bei Mama und Peter …, aber es war eine große Kuh in der Luft12 infolge einer Aussprache, die Mama vorher mit Peter über diese Sache gehabt hatte. Es gab dann viel unsägliches Hin und Her, und schließlich war Peter diesen Nachmittag stundenlang hier bei mir auf dem Zimmer, um mir über seine doppelte Bedrängnis von Lenchen und von unserer Mutter her sein Leid zu klagen, und beim Nachtessen ist er plötzlich zornig oder traurig oder beides vom Essen weggegan|339gen, und ich versuchte – vergeblich -, Mama klar zu machen, daß sie ihn in aller Wohlmeinenheit quäle mit ihren direkten Eingriffen und Einreden. Nun grollt sie wieder mir und spricht vom Sterben! Also eine echte Familienszene, bei der es ohne viele «überhaupt» nicht abgeht. Ich kann gewiß nichts Besseres tun als unterdessen meiner Lollo schreiben! Hoffentlich nimmt der in den Bergen so gut begonnene Tag noch ein irgendwie leidliches Ende. Das ist sicher, daß der arme Peter nach allen Seiten noch schwieriger dran ist als ich. Aber ich will dir dann das Nähere mündlich erzählen, soweit es sich erzählen läßt. Kühe in der Luft sind eben schwer zu erzählen.

Was aber passiert derweilen in der Welt! Reichstagsbrandprozeß13! Völkerbundsversammlung14 unter Mitwirkung von Wotans15 Micki-Maus16! Ein Erdbeben hat’s hier auch noch gegeben, aber ich habe es in Meiringen verschlafen, und niemand war bei mir in der Stunde der Gefahr! Ich sende dir als Drucksache einige Zeitungsausschnitte zur Lage, natürlich von unseren Talschaften aus gesehen, aber doch in ihrer Gesamtheit recht beunruhigend. Was wird noch alles geschehen? Gut, daß wir jetzt dann wenigstens wieder beieinander sind! Ich fand hier einen langen Brief von K. L. |340 Schmidt17. Er ist rüstig am Abbau seiner Bonner Existenz.18 Uns wird zunächst die Obhut über den Knaben Andreas19 zufallen. Andere Kinder sind anderswo, und die Eltern reisen nach Süddeutschland, um neues Quartier zu suchen. Peter hat bereits einen phantastischen Plan für K. L. Schmidt entworfen, und jedenfalls wird unser Freund im Februar hier einen Vortrag20 halten. Und nun denk nur: sie haben den unglücklichen Fuchs21 auch abgesetzt bzw. weggeschickt. So hat ihm seine Fahnenflucht22 nun doch nichts ge|341holfen, und er sitzt zwischen allen Stühlen, zwischen denen man nur sitzen kann, wie K. L. S. diesen Zustand beschreibt. Ferner bekam ich eine Karte von Gertruds Schwester in Essen23 mit der Nachricht, daß jener Pfr. Graeber, der das saftige Flugblatt gegen die D. Chr. verfaßt, in Schutzhaft genommen worden sei.24 Und ferner einen unerhörten Artikel aus der Nationalzeitung mit einem Bericht über eine Versammlung der D. Chr. am 15. Sept., in welcher ein cand. theol. Jung berichtet habe: (in Sperrdruck)

«Wie früher gewirtschaftet wurde, beweist der Fall, daß man dem Theologieprofessor Barth, Bonn, als Mitglied der S. P. D. ein Jahresgehalt von 58 000 Mark zahlte, ein solcher Mann sollte nun die Theologen zu Kämpfern erziehen. Sein Bruder ist noch heute kommunistischer Verleger in Zürich.»25

Kurzum, es müssen merkwürdige himmlische Konstellationen sein, unter denen sich Mitteleuropa wieder einmal befindet. Ob wohl |342 gerade Vollmond ist und also besondere Wirksamkeit der Sonnenprotuberanzen? Jedenfalls keine lustige noch liebliche Welt. Aber wir wollen uns nicht vergelstern26 lassen. Es ist Alles schwer genug, auch ohne daß man es sich noch selber schwer macht, indem man sich fallen läßt. Wir halten fest und treu zusammen! Dies wird nun mein letzter Brief gewesen sein. Auf Freitag ist Alles schönstens verabredet. Es war mir etwas bekümmernd, daß Eduard, dem ich doch eine drastische Schilderung der ohnehin bevorstehenden Schwierigkeiten geboten hatte, mich neulich anrief mit der Frage …, ob nicht doch auch noch Marguerite mitfahren könnte, von welchem Plan ich ihm dann mit etwas gepreßter Stimme abriet. Es wird nun sicher nicht geschehen, aber ich wollte ihm «eine Tafel Schokolade» geben, wenn er mich gar nicht erst gefragt hätte. Sorge du nur dafür, daß wir dich auf dem Bahnhof Lindau richtig vorfinden, wenn wir nämlich vor 1156 dort sein sollten, andernfalls mußt du eben auf uns warten. Aber das wird meine kluge Lollo schon recht machen. Wirst du dem Knaben Gollwitzer das Zeichen geben, sich ebenfalls dort einzufinden?27

Ich muß abbrechen. Der bewußte Tagesabschluß will in Angriff genommen sein. Grüß Gott, Lollo, und grüß mir alle Lieben, die ich ja nun bald selbst von Angesicht sehen werde.

Dein
K.

An die Bank schreibe ich.28

Sachfußnoten

1
Vielleicht Barths Brief an seine Mutter vom 16.8.1933, in dem er von der Bildung einer gegen ihn gerichteten «Familienfront» geschrieben hatte (s. Briefe 1933, S. 329 📖).↩
2
Ernst Rohr (s. oben S. 242, Anm. 12).↩
3
Wilhelm Robert Ellenberger (1901–1965), seit 1924 Pfarrer in Meiringen (Kt. Bern), ab 1935 in Fribourg und ab 1948 Bezirkspfarrer in Bern.↩
4
Frl. Eikhoff, Schneiderin aus Bonn, hielt sich für ein paar Tage auf dem Bergli auf, um für Gerty Pestalozzi zu nähen (vgl. Briefe 1933, S. 411 📖).↩
5
D. h. die Pfarrer der Amtsbezirke Oberhasli und Interlaken (Kt. Bern).↩
6
Martin Nil (1887–1949), seit der Schulzeit am Freien Gymnasium in Bern mit Barth befreundet (Busch, S. 40.53.61 📖), Theologiestudium in Bern und Marburg, mit Barth in der Zofingia, 1910-1949 Pfarrer in Grindelwald (Kt. Bern).↩
7
Werner Fankhauser (1892–1977), 1917-1927 Pfarrer in Trachselwald, seit 1927 in Meiringen (Kt. Bern), Mitglied der Zofingia.↩
8
Ernst Iff (1902–1981), 1932-1968 Pfarrer in Guttannen, Krauchthal, Zäziwil und Kandergrund (Kt. Bern).↩
9
«Fuchs» (bzw. «Fux») heißen die neuen Mitglieder einer studentischen Verbindung. Sie stehen jeweils als «Leibfuchs» zu einem älteren Studenten («Leibburschen») in engerer Verbindung, der sie in den Comment einführt und ihre Interessen im Convent vertritt. Siehe zu Barths Mitwirkung in der Berner Studentenverbindung «Zofingia»: V.u.kl.A. 1905-1909, S. 61–99, bes. S. 90–97 📖.↩
10
Siehe oben S. 191, Anm. 7.↩
11
Hans Schneider-Jung (1887–1960), Zahnarzt.↩
12
= es herrschte bedrückende Stimmung.↩
13
Nachdem am 27.2.1933 der Reichstag in Brand gesetzt worden war, folgte am 21.9. vor dem Reichsgericht der Reichstagsbrandprozeß, in dem der holländische Maurer und Anarchist Marinus van der Lubbe (1909–1934, hingerichtet), der Vorsitzende der KPD-Reichstagsfraktion Ernst Torgler und drei Bulgaren (darunter Georgi Dimitroff, Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale) angeklagt wurden. Das Reichsgericht verurteilte am 23.12. van der Lubbe zum Tode und sprach die übrigen frei.↩
14
Die seit dem 2.2.1933 tagende Genfer Abrüstungskonferenz, welche die militärische Gleichberechtigung Deutschlands verwirklichen sollte. Deutschland verließ sie am 14.10. Goebbels schrieb über seine Teilnahme an dieser Versammlung am 25.9. u. a.: «Deprimierend. Eine Totenversammlung» (Joseph Goebbels. Tagebücher 1924-1945, hrsg. von R. G. Reuth, Bd. 2: 1930-1934, München/Zürich 1992, S. 832 📖).↩
15
Adolf Hitler. – Wotan war zu Beginn der Wikingerzeit der höchste germanische Gott.↩
16
Joseph Goebbels (1897–1945), am 13.3.1933 von Hitler zum «Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda» ernannt. Aufgrund seiner Statur, seiner antiintellektuellen Haltung und seines Hanges zu theatralischen Effekten wurde er bald als der «kleine Doktor» oder als «Micky Maus» bezeichnet.↩
17
Am 24.9.1933 teilte K. L. Schmidt Barth u. a. mit: «Meine Frau und ich gehen gleich ganz resolut an die uns aufgezwungene Auflösung unseres jetzigen Haushaltes. Bei der vorübergehenden Verteilung unserer fünf Kinder gehen auch Sie – vielleicht wissen Sie das gar nicht – nicht leer aus. Andreas Georg Johannes Schmidt, Sextaner unseres Bonner Gymnasiums, wird aus der Petersbergstr. 18 nach der Siebengebirgstr. 18 übersiedeln und wird sich im Schatten der neuen Schweizer Fahne sicher sehr wohl fühlen.» (Mühling, S. 160 📖; zur Schweizer Fahne s. oben S. 322).↩
18
Nach seiner Entlassung am 15.9.1933 (vgl. oben S. 326, Anm. 1) vollzog K. L. Schmidt «einen totalen Bruch mit der Fakultät, in die er soviel Arbeit, Kraft – und auch Liebe investiert hatte» (Mühling, S. 161 📖). Am 4.11. verließ er Bonn und reiste in die Schweiz (a.a.O., S. 163).↩
19
Andreas Georg Johannes Schmidt (geb. 1923).↩
20
Siehe zu K. L. Schmidts Vortrag in Bern Mühling, S. 159.163f. 📖↩
21
«Ja, Fuchs!» – so schrieb K. L. Schmidt des weiteren am 24.9.1933 an Barth – «Auch er hat den blauen Brief und soll ganz zerschmettert sein. Er steht mit einem Schlag – wirklich ‹schlagartig› ist das gekommen – vor dem radikalen Nichts. […] Nun hat der Mann so treu und brav die Hakenkreuzfahne in existentieller Haltung gehißt und ist dennoch, offenbar als mein früherer Assistent […] in die Wüste geschickt worden. […] Es ist grausam, daß sich der Ärmste zwischen alle nun vorhandenen Stühle gesetzt hat.» (Mühling, S. 160f. 📖; s. dazu Barths Brief an E. Fuchs vom 7.10.1933 in: Briefe 1933, S. 435f. 📖) Fuchs wurde am 13.9.1933 «auf Grund von § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.4.1933 aus dem Staatsdienst entlassen» (JK, Jg. 1 [1933], S. 251 📖). – Ernst Fuchs (1903–1983), 1931 Lic. theol., 1930 Assistent bei K. L. Schmidt und 1932 Privatdozent für Neues Testament in Bonn, 1934 Pfarrer in Winzerhausen (Kr. Marbach), nach Vertreibung durch die Gestapo 1938 in Oberaspach (Kr. Schwäbisch Hall), 1949 Dozent für Neues Testament und 1953 apl. Professor in Tübingen, 1955 o. Professor an der Kirchlichen Hochschule Berlin, 1961-1970 o. Professor in Marburg.↩
22
Fuchs trat am 9.6.1933 aus der SPD aus, nachdem er erst am 15.2.1933 eingetreten war (Mühling, S. 148 📖). Im November 1933 stellte er ein Gesuch «um Erneuerung der Lehrbefugnis, verbunden mit einem klaren Bekenntnis zum nationalsozialistischen Staat» (a.a.O., S. 160, Anm. 575).↩
23
Schwester von Gertrud Staewen: Hilda Heinemann, geb. Ordemann (1896–1979), seit 1926 verheiratet mit Gustav Heinemann (1899–1976), dem späteren deutschen Bundespräsidenten (1969–1974).↩
24
Friedrich Graeber (1884–1953), 1927-1934 Pfarrer in Essen-Altstadt, Verfasser des Flugblatts «Wider einen faulen Frieden mit den ‹Deutschen Christen›, für einen wahren Frieden in unserer Evang. Kirche!», 1934/35 amtsenthoben, Gründung einer «Gemeinde freier evangelischer Presbyterianer», Pfarrer in Rellinghausen und Frankfurt am Main, Mitglied des rheinischen Bruderrates, gemeinsame kirchliche Arbeit mit G. Heinemann.↩
25
Die Nationalzeitung (Essen) berichtete in ihrer Ausgabe vom 20.9.1933 unter dem Titel «‹Deutsche Christen› als Kämpfer in vorderster Front» 📖 über eine Kundgebung der «Glaubensbewegung Deutsche Christen, Fachschaft Götterswickerhamm» (in der Ortschaft Voerde am Niederrhein). In dieser Kundgebung hatte cand. theol. A. Jung, Kreiskulturwart der NSDAP und Kreisleiter der DC in Moers (vgl. H. Faulenbach, Ein Weg durch die Kirche. Hermann Josef Oberheid [SVRKG 105], Köln 1992, S. 59, Anm. 83 📖), im Rahmen eines längeren Referats über das Thema «Deutsche Christen in Front» die oben wiedergegebene Behauptung aufgestellt (vgl. auch Briefe 1933, S. 413f.417.426f. 📖). – Nach Barths Erinnerung könnte es sich bei diesem A. Jung um jenen Mann handeln, der im Herbst 1932 in Koblenz durchs erste Examen gefallen war (s. dazu und zur Richtigstellung der Behauptungen Jungs: Briefe 1933, S. 436-438). Ein Adolf Jung (Dinslaken) hat im Herbst 1932 sein Erstes Theologisches Examen nicht bestanden, ein zweiter Versuch läßt sich bis Herbst 1934 nicht feststellen (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Bestand 1OB 002 Nr. 1837); eine Personalakte ist nicht mehr vorhanden.↩
26
= einschüchtern, verwirren.↩
27
Siehe oben S. 325.↩
28
Siehe oben S. 332.↩