Brief Nr. 141 · 27. Dezember 1933

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn

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L. L.!

Ich bin gestern in dem herrlichen Zug1 sehr angenehm gereist, habe unterwegs Predigten korrigiert, verbrachte eine gute Stunde mit |343 Eduard und wurde hier von Mama und Kari herzlichst empfangen. Endlich im Bett angelangt, habe ich noch lange Galsworthy2 gelesen, und niemand kam, um mir ihn wegzunehmen. Heute prächtiges Ausschlafen! Zum Mittagessen erschien Trudi und nachher Peter mit – Hansjoggeli. Der sieht prächtig gesund aus, fährt den ganzen Tag Ski, redet schon merklich berndeutsch und ist an seinem Ort sicher aufs Beste aufgehoben. Eben ist er mit Peter wieder dorthin zurückgekehrt. Morgen wird nun auch Heiner eintreffen. Und am Abend Schädelin, Gilg, Gaugler. Und am Freitag – ja da wird in Hächlers Auto K. L. Schmidt samt Fritz Lieb hier vorfahren, und in dieser Gesellschaft werde ich dann Basel erreichen. K. L. S.3 hat hier theologisch sehr Eindruck gemacht, aber man scheint nicht ganz sicher, «ob es ihm eigentlich ernst sei», nämlich mit Theologie, Kirche u. s. w. Das sind natürlich schwierige Fragen. Die Anteilnahme an unseren Ereignissen und Gestalten ist sehr groß. Stöffelis Werk, aber auch das deinige finden überall Beifall.4 Ich will sehen, ob ich morgen zum Arbeiten komme. Heute drängte uns das Andere. Mit Peter habe ich einen schönen Waldspaziergang gemacht. Eben ist Kari L. da. – Wie mag’s dort ausschauen? Wie mag’s dir gehen psychisch und physisch? Was mag die Post gebracht haben? Sage Markus, daß Großmama ihn mit Freuden aufnehmen werde. Grüße Nelly und grüße Fränzeli und die Knaben.

Es grüßt dich

Dein
K.

(Mittwoch 27. abends)

Sachfußnoten

1
Zum Zug «Rheingold», der für von Kirschbaum «so schön und so verlockend» war, vgl. Briefe 1933, S. 592-594 📖.↩
2
D. h. die «Forsyte-Saga»; s. oben S. 220, Anm. 8.↩
3
Seit Dezember 1933 war K. L. Schmidt – einkommenslos – Gast im Pfarrhaus von Walter Hächler in Kilchberg (Kt. Basel-Landschaft). Ende November 1933 hatte er von der Yale University das konkrete Angebot einer einjährigen Gastprofessur erhalten. Schmidt, der eine Emigration in die USA ernsthaft erwog, schlug es schließlich doch aus, da er seinen Kindern einen Aufenthalt in den USA nicht zumuten wollte (vgl. Mühling, S. 165f. 📖).↩
4
Worin Christoph Barths Werk bestand, ist nicht bekannt. Von Kirschbaum hatte Barth zu Weihnachten «als kleine Festgabe eine kleine Dichtung mit Bildern überreicht, ‹Zum Gedächtnis einer Frühvollendeten› (ZZ!)». Das Heft enthält neben dem Text vor allem Photographien von Brunner, Gogarten, Merz, Thurneysen (s. Briefe 1933, S. 594 📖).↩