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Barth an v.K. in Bonn
Ich bin in einem schönen französischen Schlafwagen glücklich gereist und seither
den ganzen Tag1 außer Atem. Besuch bei Jacobi. Dann Unterhaltungen mit Schulz-Sydow2, Niemöller, Koch-Oeynhausen3 u. A[smussen].
Mittagessen mit einem Tisch voll Notbund|345pfarrer4. Dann wieder Gespräche mit Udo Smidt5 und – – Gogarten, der
plötzlich auch da war, neben dem ich auf einem Sofa saß, aber natürlich zu
keiner Einigkeit kam. Er redete dunkel und wenig überzeugend. Dann große
Sitzung: Meiser, Schöffel6, Wurm, dazu die D. C.: Kittel7, Fezer, Schumann8, Beyer9 und Andere. Fezer10 trug ein |346 Memorandum vor, das am Donnerstag abend im
Namen der Kirche Hitler
vorgelesen werden soll.
Du kannst dir denken, daß ich nicht zustimmen konnte. Und wenn ich auch nicht
auf den Tisch sprang, so habe ich doch Fezer gesagt, wir hätten «einen anderen Glauben, einen anderen
Geist, einen anderen Gott».11 Das erregte einen furchtbaren
Tumult. Meiser meinte eine Zeitlang, nun
sei die evangelische Kirche zu Ende. Wieder andere (z. B. dein Landsmann Lauerer12) erklärten fast weinend, nun könne man kein Memorandum machen
und nicht zu Hitler gehen.
Wieder andere wollten das Lokal verlassen. Wieder andere mich rausschmeißen.
Wieder andere redeten von der mir fehlenden Liebe. Kurzum! Am vernünftigsten war
Kittel, der mir
schließlich erklärte, mein Wort sei notwendig gewesen. Es hat jedenfalls die
ganze Situation verändert, und das Memorandum13 wird nun wohl ein bißchen anders werden.
Morgen werde ich eine
Unterhaltung mit Meiser haben.
Es hat nur wenig Zweck. Die Dinge rollen mit unheimlicher Folgerichtigkeit ihren
Weg, ohne daß viel zu ändern ist. Mit H. soll sehr schwer zu reden sein. – Magst du die
Vorlesung auch noch für Donnerstag absagen? Ich fahre dann an
diesem Tag14 und |347 komme abends dort an. Grüße Nelly
und das ganze Haus. Ob mein Hiersein sinnvoll ist, läßt sich noch nicht
übersehen. Ob ich Gertrud St. und Dehn15 noch
treffen kann? Beachte die
Losung dieses Tages16!