Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München
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Der gestrige Tag war so inhaltsreich und erhebend, daß ich dir rasch einen Gruß schicken muß, bevor ich mein Morgengeschäft in Sachen «Grupper»1 antrete. Wir haben gestern Folgendes geleistet:
1. Die faschistische Ausstellung2 besucht: eine Schreckenskammer, in der man mit Gefühlen nach D[eutschland] denkt, die du dir vorstellen kannst, aber wirklich sehr instruktiv und interessant für die gänzliche unkomplizierte Roheit, in die Europa offenbar zu versinken im Begriff steht.
2. Das Nationalmuseum besehen: Lollo, eine ganz herrliche Sache, die wir
uns damals unmöglich hätten entgehen lassen dürfen. Wegen dieses Museums allein
und schließlich wegen einiger weniger Stücke dieses Museums, ich hätte fast
gesagt: allein wegen der Venus
von Cyrene hätte es sich schon gelohnt, nochmals hieher zu fahren, und |366 wird es sich lohnen, daß du mit mir auch nochmals
herkommst. Denk, ich habe gestern angesichts dieser Dinge (von denen ich dir
einige Proben beilege – nicht kann ich leider beilegen, was ich an farbigen
Glassplittern von einer ganz fabelhaften Ausführung und Wirkung gesehen habe!!)
plötzlich das «Altertum»
entdeckt – das, was
3. In den Katakomben und an der Appischen Straße gewesen. Das
Christliche dort drunten leuchtete mir aber sehr viel weniger ein als das
Heidnische am Morgen und droben in der Campagna! Wir sind in zwei lustigen
Pferdefuhrwerken dort hinausgefahren, und ich habe mir
vorgenommen, bei diesem späteren Rombesuch mit dir ebenfalls in einem solchen
Wägelein in
3674. In den Thermen des
5. Im Kino den
6. In einem Ristorante an der Fontana Trevi mit ihrem mächtigen
Wasserrauschen zu Nacht gegessen und vielen weißen Frascati getrunken. Dazu ein intensives Gespräch
über die Jungfrauengeburt7 mit
Nun bricht ein neuer Tag an. Peter hat die teils üble, teils vorteilhafte Gewohnheit, am Morgen
in aller Frühe (6 Uhr) schon zu erwachen und mich mit zu wecken. Dem «Grupper» kommt das
jedenfalls zu Gute. – Wir sollten einmal zusammen etwa zwei Monate
mindestens hier leben; ich bin hier aufnahme- und vielleicht auch
leistungsfähiger als sonst, und Alles spricht dafür, daß wir hier
existieren sollten. Zu meinen Füßen sehe ich die Spanische Treppe und dort
drüben den
Für heute steht auf dem Programm: der
Vale! Vivere non necesse est, Romae una cum Lolone mea vivere necesse est.8
368 Ich weiß eine Figur, die im Unterschied zu der Venus von Cyrene auch noch ein herziges kluges Köpflein hat und die mir darum doch noch besser gefällt.
Mit einem tiefen Seufzer der Wehmut, der Freude und der Sehnsucht
Gestern kam deine Karte! Dank! Aber
Ich habe
nur von mir geschrieben. Wie, wie, wie magst du «dran sein»?! Heute fährst
du nach