373
154
von Kirschbaum an B. in
Bern
Ich war so froh, gestern abend deinen Brief und deine Karte1 aus Rom vorzufinden. Und zu hören, daß es
dir so gut geht und du so schöne Eindrücke dort hast. Daß du
mich daran teilhaben lässest, dafür bin ich dir dankbar und habe mir die Bilder
(sie sind wirklich schön!) genau besehen. Du mußt mir dann noch
viel erzählen. Ach ja, gelt, wir beschauen uns das dann noch einmal zusammen!
Aber jetzt freut es mich für die drei, die das mit dir erleben dürfen, und
besonders für Wölflein
wird das eine enorme Sache sein. Heute fahrt ihr heim. Morgen kommt er
vielleicht hier durch. Ich will doch versuchen, ihn zu treffen. –
Der Wandertag mit Emmy war gut und ruhig, während
der Sonntag in Weiler sehr triste
Aspekte bot. Davon mündlich. Hier läßt sich Alles freundlich an. Aber ich freue
mich nun auf den 8. Oktober. Die Zeit wird lang. Findest du nicht
auch?? – Die Eingliederung der reformierten Kirche stand hier groß in der
Zeitung2, wie überhaupt die |374 Einigung der
deutschen evangelischen Kirche3, ein «Geschenk für die ganze
Christenheit»4. – Was mag
werden? Manchmal meine ich, es laufe Alles weiter zunächst, auch
Bonn.
Bayern steht in Erwartung
des Kommissars, bzw. in geschlossener Ablehnung.5 Die Rede von Meiser6 vom Balkon war in Wahrheit
anders, Emmy
hat sie gehört. |375 Aber von dem allen mündlich. Die Haltung
hier scheint ordentlich. Ich hoffe Steck bald zu treffen, ebenso Lempp. –
Ach, wie mag es dich erquickt haben, den Kopf so ins Freie zu stecken. Ich bin so
froh für dich. Das wird auch die Dogmatik zu spüren
bekommen. –
Leb wohl, guter, lieber Karl. Du weißt ja, daß ich hier nicht lange Briefe
schreiben kann. Aber du weißt auch, daß ich möchte und daß ich dich
so lieb habe wie nur je. –