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Barth an v.K. in Bonn
[Berlin]
30.10.19341, nachmittags 4 Uhr
Du bist mit Recht erstaunt darüber, daß sich meine Rückkehr nach Anzeige meines
Telegramms2 so
verzögert. Aber der Gang der Ereignisse erforderte und erfordert meine
Anwesenheit an diesem Schicksalsort3. Am ersten
Tag und gestern morgen waren wir mit der
Abfassung der Ausführungsbestimmungen4 zu den Dahlemer Beschlüssen
5 in Anspruch genommen. Gestern abend trat dann dies in den
Vordergrund: H[itler] hat Marahrens, Meiser und Wurm (!) zu sich gebeten für heute nachmittag.6 Es wurde nun versucht, zwischen diesen
drei einerseits und dem Rat + Bruderrat
der D. E. K. ein Einvernehmen herzustellen hinsichtlich dessen, was H. zu sagen sei. Ge|397stern
nacht Sitzung bis 3 Uhr! Heute morgen ½9 Uhr wieder Sitzung zwischen Rat und den
drei Bischöfen. Das Ergebnis7 war beidemale
negativ. Wieder haben die
Bayern
(Meinzolt
8, Breit
9, Putz) zusammen
mit den Hannoveranern ein
böses Spiel gespielt, indem sie entgegen den Dahlemer Beschlüssen und unter
Umgehung des Rates der
D. E. K. (besonders Koch und ich
sollten ausgeschifft werden!!) ein neues geistliches Ministerium10 + Reichsbischof (= Marahrens) schaffen wollten. Der große11 Schrecken vor dem Namen
H. brach bei ihnen wieder
einmal durch. Wir blieben aber, unterstützt von der Mehrheit des Bruderrates, ganz
fest bei der Erklärung, der Friede in der Kirche werde entweder auf der
Grundlage von Barmen und Dahlem oder gar nicht
gemacht. – Hier ist auch eine Deputation von 40 fränkischen Bauern12, die
seit zwei Tagen versuchen, zu H. vorzu|398dringen, um ihm mit kräftigen
Worten – sie treten in voller Blubo-13Bemalung auf – die Wahrheit über
die Kirche zu sagen.
Ich hatte eben ein Gespräch mit einer Gruppe von ihnen14 und verstand mich gut
mit ihnen – besser als mit ihren Münchner Kirchenfürsten. Es ist alles sehr
dramatisch, oft auch humoristisch, aber auch ermüdend. Es kracht in jeder
Beziehung im Gebälk, und das Leben wird noch sehr interessant werden. Nun gehe
ich mit Asmussen in ein Nachmittagskino, um dann am Abend zu
vernehmen, was die Bischöfe ausgerichtet bzw. nicht ausgerichtet haben. Es ist
doch ganz gut, daß ich hier bin und von Zeit zu Zeit etwas zu den Dingen sagen
kann. Grüße Tr[aub] und die Büblein.