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Barth an v.K. in Bonn
Es war schon gut und nützlich, daß ich hiehergekommen bin.1 Ich fand gestern abend eine reichlich verworrene
Situation. Es galt vor |399 Allem, den «Rat»2 wieder ein bißchen auf die Füße zu stellen, der im Begriff
war, seine Verantwortlichkeit an allerhand andere Instanzen und Personen zu
verlieren. Und es galt dann, den Bayern, die ihr fatales Spiel weitertrieben, einmal deutlich die
Wahrheit zu sagen. Ich habe beides in je einer längeren Rede zu tun
versucht.3
Vielleicht ist der Karren nun doch in der erwünschten Richtung etwas weiter
geschoben. Soeben habe ich nun an einer solennen Unterhaltung zwischen Präses
Koch und – den D. C.-Häuptlingen Doktor
Kinder4 und «Bischof» Christiansen5 teilgenommen. Die kamen nämlich
in aller Form hieher, um Friedensverhandlungen zu eröffnen, sehr kläglich, sehr
verlegen, ein ganz dürftiger Eindruck.6 Es scheint, daß H[itler] mit der völligen Trennung von Kirche und Staat droht, und davor haben
die
D. C. aus guten Gründen
größte Angst. Nach dieser Seite steht die Front fest. Aber es ist zu befürchten,
daß hinsichtlich der neuen Kirchenregierung keine hundertprozentige Lösung herauskommen wird,
sondern als Vermittlung zwischen den Bischöfen und dem Bruderrat – Breit.7 Präses Koch will die Führung in Preußen |400 behalten. Ich habe protestiert, blieb aber in der
Minderheit. Aber wer weiß, ob wir vom Staat überhaupt gefragt werden. Und ob
nicht überhaupt Alles anders kommt, als man denkt. Im Ganzen
steht’s nicht schlecht. Heute abend werde ich mit Gertrud Staewen und G. Dehn zusammen sein und morgen
früh sicher von hier abfahren. (Niesel8 bleibt als unser Vertreter und Beobachter auf dem
Platze!) Wenn ich nichts Anderes telegraphiere, bin ich morgen Dienstag mit
demselben Zug wie neulich (½4 Uhr??) wieder in Bonn, hoffentlich dann zu ruhiger
Arbeit. Gruß!
Die Begegnung mit den
D. C. war erschütternd; ich mußte an die Szene im Wald von
Compiègne9 denken. Es ist mir unbegreiflich, daß
man auf unserer Seite nicht gleich noch ein bißchen
mehr Courage hat.