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von Kirschbaum an B. in
Basel
Da schicke ich dir den Durchschlag meines Briefes an Hesse.1 Ich habe fast die
ganze Nacht durch die Dinge hin- und hergewälzt und als Bl[eibtreu]2 heute morgen herüber kam, da schien uns beiden der im
Augenblick einzige Weg eben der in diesem Brief an Hesse
beschriebene, nämlich das unbedingte Festhalten an der Identität dieser
drei Punkte3
bezüglich ihres kirchlich-theologischen Gewichtes. Ich |415
habe diesen Weg gesucht ganz von der kirchlichen Überlegung her und war froh,
als er mir sagen konnte, daß auch juristisch das der noch einzig mögliche
Ansatzpunkt sei. Es besteht keine Möglichkeit, in der Isolierung die Eidesfrage bzw. das Primat der Eidesfrage geltend zu machen. Man
kann nur einen Schritt zurücktreten und sagen: Bitte, das ändert gar nichts am
Tatbestand, welchen von den drei Punkten auch immer ihr für opportun haltet! –
Aber das weißt du ja viel besser. Nur du erlaubst es uns ja auch wieder, unser
Köpflein uns mit dir zu zerbrechen, und das geschieht unermüdlich, wobei ich
etwas verlassen bin in der kirchlich-theologischen Überlegung und mich sehr
freue, daß ich über diese Seite heute nachmittag mit Träublein reden
kann. –
Die schriftliche Urteilsbegründung ist nicht eingetroffen.4
Nachdem du zunächst deinerseits nicht die Initiative ergreifen willst – dann
hätte es einiges Wichtige zu beobachten gegolten –, lohnt es nicht, als Bote zu
dir zu eilen. Sondern es bleibt nun Alles beim Alten, wenn nicht von dir andere
Weisung eintritt. Bl. wird,
sobald die Urteilsbegründung vorliegt, Revision einlegen.5 Zunächst rein formal, um dann eine längere
schriftliche Erklärung folgen zu lassen, zu deren Ausarbeitung er wohl diese
Woche braucht. Am Freitag will er sie mir zeigen und mit mir durchsprechen.*
Dann geht sie an dich ab und kehrt von dir ergänzt
und bearbeitet hierher zurück, um dann von hier endgültig nach Leipzig6 zu
laufen. – Und ich fahre also morgen abend |416 nach Oeynhausen, Frl.
Seifert kommt mit, und
nachdem ich nun so gut legitimiert bin, wird das zu Zweien sicher gelingen. Im
Viktoria-Hotel könntest du mich immer erreichen, wenn irgend ein Auftrag nötig
werden sollte. Donnerstag abend bin ich wieder hier.
(Eben ruft der Pfarrer von Hilchenbach bei Siegen7 an und will dich im Auftrag des Bruderrates
Siegen zu einem Vortrag haben am 27. Januar. Ich sagte ihm, was zu sagen ist,
und dann kam eine flehende Bitte: Er soll bei uns bleiben! – – – Nach dem 10.
Februar frägt er wieder an.8)
Im Hause geht Alles gut. Ich bin sehr daran, Nelly zuzusprechen zu einem kleinen
Erholungsaufenthalt mit Joggeli in
Kohlfurterbrücke.9 Heute
morgen zum Frühstück traf Schwester Else Prins ein und hat mich seltsam gemahnt an jene Herbsttagung in
Elberfeld.10
Über die Frage Barmen-Basel läßt
sich im Augenblick schwer etwas sagen. Ich kann von hier aus nicht sehen, wie
gegenüber dem SOS-Ruf der Reformierten11 die
Ernsthaftigkeit der Basler ins Gewicht fällt. Ich vertraue dir einfach, daß du im
entscheidenden Au|417genblick weißt, was du mußt. Auch darin
muß ja schließlich Gottes Freiheit geehrt werden, daß wir uns nicht anmaßen zu wissen, wer nun
berufen ist, der armen deutschen Kirche zu helfen. Und vielleicht geht
dein Ruf anderswohin. Daß ich es anders hoffe, das weißt du ja,
und ich glaube, ich will das jetzt auch lieber ganz offen sagen. Denn ebenso gut
weißt du, daß das in mir nicht unveräußerlicher Besitz ist oder daß ich
wenigstens unermüdlich dran bin, daß es das nicht sei. – –
Etwas nachgesandte Post erwartet dich in Bern. Ob du am Mittwoch nach Grindelwald fahren
kannst? Ich hoffe es so für dich. Soll ich Schlinks Arbeit12 dir dorthin senden, oder soll sie hier warten? Ich
bestätige ihm die Ankunft mit einer Karte. Von Gauger «Licht und Leben» liegt ein guter Brief
da, den kann ich nicht weitergeben.13 – –
Eben langes Telefon mit Wolf. Er sieht die Sache auch so, wie ich sie im Brief an Hesse darstellte. Seinen
persönlichen Verdacht gegen den B. d.M.14 hält er aufrecht.
Behüt dich Gott, Karl. Es ist immer dasselbe, nur weiß ich es jeden Tag ein
bißchen besser.
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Humburg15 rief sehr
erregt an über die «Vernebelung»16 und
verlangte als Eilsendung die Rede
Kaspers.17
* wenn das Urteil morgen kommt. Eine
Mahnung um Zusendung ist nach Köln gegangen.18