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von Kirschbaum an B. in
Grindelwald
Bad Oeynhausen, 15.1.1935
Zu dem langen Bericht langt es nicht. Wir tagen ununterbrochen, von morgens 9 h
an.1 Jetzt ist es 8 h abends, und es geht wohl |424 noch bis tief in die Nacht. Ich habe mich zum
lutherischen
Konvent gehalten. Ach
ja – – der Fragen, die angeschnitten werden, sind so viele, daß keine
ordentlich dran kommt. Übrigens: Wir sind die einzigen
weiblichen Wesen, was manchmal auch toll ist. Frl. Seifert läßt dir sagen, sie fühle sich so
deplaciert als möglich, aber sie wankte und wich nicht!! – In der Mittagspause
allein mit Georg. «Gespräch». Er ist irgendwie doch ein Armer. Theologisch nicht
gut, ich habe ihm das auch unumwunden gesagt. – Treu eingerahmt bin ich von
Heinrich Vogel2 und Schipper3. Gestern abend
langes Gespräch mit Jannasch-Lübeck4, Vogel, Horst Michael5 und Schipper über dich. Es war
nötig. – Heute kam deine Karte. Wie schade um den Brief. Gibst du ihn nicht Eduard mit am Samstag? Ich
will gern nach
Elberfeld
mitkom|425men. Hier verteile ich Auszüge aus dem
Protokoll6 mit jenen bewußten
politisch bedenklichen Äußerungen von dir. – Eben sitzen wir bei Tisch. Mir
gegenüber Humburg und Fiedler, neben mir de Quervain. – Sachlich
schreibe ich dir lieber ausführlich im Zusammenhang. – Ich habe jetzt keinen
ruhigen Augenblick. – Erhol dich gut. Herzlichen Gruß