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Barth an v.K. in Bad
Oeynhausen
Seit ich heute morgen am Radio das Abstimmungsergebnis1 hörte, sitze und
laufe ich wie geschlagen herum. Wieder hat sich Deutschland – und diesmal
offenkundig in Freiheit2 – dieser Sache verschrieben und befindet sich, wie am
Radio dauernd vernehmbar, in größtem Jubel darüber. Es macht so müde und elend,
daran zu denken. Und alle die Reden, die ich am Samstag in aller Aufrichtigkeit
und, wie du aus Christs Brief3 siehst, nicht ohne
Erfolg gehalten über die Notwendigkeit, dort auszuharren, werden mir
nachträglich so fad im Mund angesichts der
Tatsache, daß dieses Volk nun einmal doch unbelehrt und unbelehrbar [in]4 sein Verderben
rennen will. Wie mag
|426 sich dieser Tag auf euer Zusammensein und Beraten in
O[eynhausen] auswirken? Ich denke immer wieder
dorthin, sehe dich mit der Bibel und den Bekenntnisschriften vor dir im
Bruderkreis sitzen und frage mich, ob der Geist der Rede schon über dich
gekommen ist. – Wir hatten gestern einen
freundlichen Abend hier: Peter,
Kari, Markus, Mama
und ich, bei dem sogar Studentenlieder gesungen wurden! Markus befindet sich in gewisser Spannung zu
seinen Onkeln: Teils weil er wohl tatsächlich oft etwas vorschnell, altklug in
Vertretung seines Vaters Urteile fällt, teils weil er mit Recht gegen eine
gewisse allzu schweizerische Abwertung deutscher Probleme tapfer Front macht. Er
wirkt in seiner weißen Mütze5
sehr adrett und niedlich. Weißt du, wer sehr wenig dafür ist, daß ich nach Basel
gehe? Mein
Bruder Heinrich,
den ich am Sonntag besuchte, um von ihm zu vernehmen, daß er vor der «Dynamik»
meiner Tätigkeit – eine «Stadtgemeinde» wie Basel dürfe nicht so erschüttert
werden – richtig Angst hat: Schwächere Geister würden von mir an die Wand
gedrückt werden, obwohl sie doch auch manche Anliegen hätten usw.! Eduard raste, als er von
diesem Gespräch hörte. Denk, die Post, die du mir hieher senden wolltest, ist
noch nicht gekommen. Das Material für die
Broschüre6 mag dort liegen
bleiben, wo es liegt. Sollte es nicht besser sein, wenn ich mich aus diesem
ganzen Streit wieder herausziehe? Aber den Reisner7
bekomme ich gerne. Peter scheint
es gestern gelungen zu sein, das Gespräch über «uns» an einer entscheidenden
Stelle zu stoppen. Hoffentlich auf die Dauer. Sonst muß es eben weitergehen.
Diese Sache gehört hier wirklich zu meinen kleineren Sorgen.
Ich muß noch viel Anderes schreiben. Von Grindelwald aus komme ich dann wieder,
sobald es geht. Möchte ich doch bald viel von dir zu hören
bekommen. In der ganzen Schweiz liegt tiefer Schnee. Ob du dich nicht vielleicht am Sonntagabend von Rudi
mitnehmen lässest in dieses Land?