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von Kirschbaum an B. in
Grindelwald
[Bad Oeynhausen] Im Frühstückszimmer, 16.1.1935, morgens 8 Uhr [I]
Nun beginne ich mit Mut den 2. Tag. Frl. S[eifert] streikt etwas und bleibt zwei
Stunden länger liegen. Aber wenn schon, denn schon. – Gestern abend dauerte es
noch bis 12 h nachts im Plenum, dann noch Ausschüsse. Zur Diskussion stand die
Gültigkeit der Ba. Erklärung1. Die Reformierten
sehr gut. Die Lutheraner stritten allein bis zum Abendessen, dann weiter bis etwa
½10 h. Asmussen und Merz gerieten sehr aneinander.
A. [fuh]r2
ihn an: «Sagt lieber gleich, wir
wollen Barmen
fallen lassen.» Es drohte ein völliger Zusammenbruch bei ihm. Er ist grenzenlos
allein, nur Vögelchen3 hilft mit
flatternden Kräften. Er und ich waren gestern abend recht niedergeschlagen.
Dann, später im Bett, habe ich mich freilich gefragt: Wo in aller Welt wird wohl
so erbittert theologisch gestritten als eben hier in D[eutschland]
jetzt? Es
ging ja um lauter theologische Fragen, bei denen die Lu[theraner] eben
sichtlich gebunden sind durch ihre Bekenntnisbestimmtheit. Georg sieht in der Barmer Erkl[ärung] geradezu eine
Aufforderung zu dieser Haltung. Die Unklarheit über das
Grundsätzliche des
Bekenntnisses ist groß. Ach,
überhaupt, du fehlst bitter. Anderseits bin ich froh für dich. Es
macht jetzt grenzenlos traurig: ein auf Sand gefahrenes Schiff. –
Sehr freundlich sind sie alle zu mir, und etwas von dem scheuen
Respekt, der dich umgibt, ist im Abglanz da um dieses dein «schweigendes
Zeichen»4. Dein Name fällt sicher vorsichtiger, als er es ohne das
täte!!
Ob der Samstag in E[lberfeld]5
das Ende hier bedeutet? Mir ahnt
es. Dann muß es eben sein. Ich werbe hier in jedem Gespräch um Ver|428ständnis für deine eventuelle Entscheidung
für
Basel. Vogel ist gut
darin, Andere nicht. Einmal fuhr ich sie an: «Zum Donnerwetter,
wenn
‹Blubo›6 gilt, dann gilt es in seinen Grenzen eben auch für B.!!» Leb
wohl. Es ist so schön, dich in der Winterstille da oben zu wissen. Erhol dich
gut. De Quervain läßt dich grüßen.