Brief Nr. 188 · 21. Januar 1935

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn

458

188

L. L.

Eben ist deine Karte vom 18. eingetroffen. Sie steigert meine Spannung aufs Höchste. Du weißt nun dauernd so viel mehr über mein Schicksal als ich selber! Gleichzeitig melden mir Maury und Visser ’t Hooft ihren Besuch nach Bern an.1 Mir geht’s fortwährend |459 gut. Wir sind gerade im Begriff, einen kleinen Marsch ins Gebirge anzutreten für den ganzen Tag. Gestern habe ich also gepredigt2 und am Nachmittag ein Bob-Rennen gesehen. Fast könnten mich die verschiedenen Sportsmöglichkeiten, die hier locken, auch anziehen. Aber für Verschiedenes wird es nun zu spät sein. – An der mitlaufenden Ansichtskarte siehst du mich im Gespräch mit Nil (links) und dem Postvorstand (rechts) an der Bobrennstrecke.3 Die Reporter haben neben den eigentlichen Helden des Tages doch auch unsere Gruppe aufgestöbert und festgehalten. Der Aufbruch naht und damit der Abbruch dieses Schreibens. Es grüßt dich und alle guten Menschen

Dein
K.

Eben telephoniert mir Eduard.
1. Ich bin mit jeder euch gut scheinenden Verbreitung der Urteilsbegründung einverstanden.
2. Ich bin besorgt um deine Gesundheit. Bitte tu alles, um sie wieder herzustellen und zu erhalten.

Sachfußnoten

1
Vgl. K. Barth ­- W. A. Visser ’t Hooft, Briefwechsel 1930-1968 einschließlich des Briefwechsels von Henriette Visser ’t Hooft mit Karl Barth und Charlotte von Kirschbaum, hrsg. von Th. Herwig (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2006, S. 27-29 📖. – Pierre Maury (1890–1956), seit 1920 Generalsekretär der Fédération française des Associations Chrétiennes d’Etudiants, 1925-1930 Pfarrer in Ferney-Voltaire bei Genf, 1930-1934 Sekretär, 1935-1938 stellvertretender Vorsitzender des Christlichen Studentenweltbundes, ab 1934 Pfarrer in Passy (Paris). – Willem Adolf Visser ’t Hooft (1900–1985), seit 1931 Generalsekretär des Christlichen Studentenweltbundes, 1938-1966 Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf.↩
2
Siehe oben S. 436, Anm. 4.↩
3
KBA 9103.17. ↩