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von Kirschbaum an B. in Bern
Nun mußt du nicht erschrecken: der «andre Liebling»
liegt im Bett. Ich habe mich in Oeynh. so gründlich erkältet, habe dann mit Husten und
einem kleinen Fieber Barmen
gerade noch geschafft und bin gestern nachmittag dann befreit ins Bett
gestiegen, wo ich mich noch befinde. Es ist nicht schlimm und wird ganz
bald wieder ganz gut sein. Schon aus der Tatsache, daß ich dir schreiben
kann, siehst du ja, daß es |456 noch nicht
lebensgefährlich ist!!! – Im Hause ist es herrlich still,
niemand plagt mich mit Angeboten, so daß die Bedingungen zur Genesung
außerordentlich günstige sind. Nur leider stockt die
Arbeit. Ich wollte das Protokoll von Barmen ausschreiben, ich wollte die Briefe ordnen und
einige Briefe schreiben, ich wollte Humburg die gewünschten Dokumente abschreiben und senden. Er
will die Urteilsbegründung1, die Anklageschrift2 (die hast du bei dir), deinen Brief an den Minister
wegen des Grußes3, das Protokoll mit den «Äußerungen»4. – Aus diesem Verlangen siehst du, daß die
Bekennende Kirche sich jetzt nicht einfach desinteressiert. Darum auch F[iedler]s Wunsch nach Revision. Ich von mir aus würde es jetzt sehen wie du und den
Schritt nicht tun. Aber die Bitte wurde am Abend in
Ba. gerade von
Hu.
aufrecht erhalten, und damit bleibt die Situation
dieselbe. Mißlich ist, daß das die praktischen Entscheidungen ungemein
verzögern kann, u. U. bis Anfang April. Ich habe das mit Eduard und Ruedi erwogen, aber gerade die beiden
hatten den Eindruck gewonnen in
Ba., das müsse nun
noch geleistet sein für die, die darum bitten: die Reformierten, Hu. und Fi. und
hinter den Letzteren ja wohl auch unverändert der Bruderrat. Du kannst ja mit E. in Basel das
alles durchsprechen. Wir waren uns in den Empfindungen und Eindrücken ganz einig. Aber ich erzähle dir davon
auch lieber mündlich.
Du hast hier übrigens jederzeit die Möglichkeit, die Revision
zurückzuziehen, wenn es dich doch anders ansehen sollte. –
Daß du die Vorlesungen in Utrecht5 annahmst, scheint mir je länger je besser. Dann
wird doch diese Wartezeit sinnvoll gefüllt. –
Eben kam deine Karte. Gestern dachten wir daran. Eduard sagte plötzlich: «Jetzt läuten
die Glocken in Grindelwald.» Es
war gut mit E.,
und menschlich fühlte ich mich so eindeutig dorthin gehörig und nicht zu den
Wu[ppertalern] mit ihrem gewaltigen geistlichen Pathos!! – Aber die Tatsache
ihres Zu-dir-Stehens ist einfach etwas Gro|457ßes und Verpflichtendes. Ich wurde übrigens gefragt, ob ich
auch Schweizerin sei, weil R. und
E. mich in ihre Mitte nehmen
wollten bei der Besprechung.
Ich sagte: «Nein, aber Freundin von Schweizern»-. Eduard las den Brief von den jungen
Baselbietern vor, der ist sehr gut.6
Nach der Besprechung
kam Hu. und Halstenb. auf mich zu: Sie hätten aus
meiner Darstellung den Eindruck gewonnen, als beurteilest du das Verhältnis
der
B. K. zu dir zu
pessimistisch. Es stünden Pfarrer hinter dir bis und mit
in die Reihen der Vollblut-Lutheraner. Ich sagte ihnen, das müsse aber einmal
einen etwas eindeutigeren Ausdruck finden dir gegenüber. Nach deinen Eindrücken könnest du dich von der Mar[ahrens] Kirche nur abgelehnt
fühlen. – Ja, bei M. selbst sei
es ja so, aber das besage nicht viel!! – – Ich will dir das nur weitergeben
und schließlich als Wort mitgeben nach Bekanntgabe des
bewußten Dokumentes7!! –
Lieber Karl, ich muß jetzt doch aufhören. Der Kopf brummt mir etwas. - Die Synode Bonn8
hat gestern einstimmig beschlossen, an die Rheinische Synode9 weiterzugeben die Bitte, daß ein kirchlicher
Ruf an dich geht. Träublein hat daran Verdienste. –
458 Die Feier des Sohnes Wolf mußte
gestern abend wegen mir unterbleiben. Aber Wolf war mit Bl[eibtreu] mittags ganz aus eigner
Initiative mit nach Köln
gekommen, wo Ruedi uns allen ein
herrliches Mittagsmahl spendete. Ich hatte übrigens in der Versammlung in Ba.10 ein rencontre11 mit de
Quervain. Aber er bat mich,
dir davon nur ganz authentisch zu berichten, da es sonst wieder Geschwätz
gebe. Da ich aber annehme, daß Eduard dir doch davon erzählt, möchte ich dich eigentlich
bitten, es als ungehört zu behandeln. Der arme de
Qu. geriet in schreckliche
Aufregung, und ich war ganz betroffen über das Wespennest, in das ich da
gegriffen hatte.
Grüße Markus und deine
Mutter und Stöffeli. Freitag in acht
Tagen kommst du?? – Ach nein, Karl, ich will gern auch
Briefe ordnen etc.