Brief Nr. 186 · 19. Januar 1935

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bonn

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Liebe Lollo!

Wie war das gut, dich gestern schnell zu hören. Ich bin nun sehr gespannt auf deine weiteren Nachrichten. Von weitem geurteilt, scheint mir die Berufung sinnlos geworden zu sein: der für die Bekennende Kirche interessante Punkt scheidet aus, und in den beiden anderen wird es der oberen Instanz ein Leichtes sein, mich abermals zu verurteilen, wobei ich dann die Bekennende Kirche gegen oder jedenfalls nicht für mich habe. Wozu soll ich dieses Spiel spielen? Aber vielleicht bringen mir deine Nachrichten Aufklärung. Und nun ist also heute die Konferenz in Elberfeld1, auf deren Ertrag ich natürlich nicht weniger gespannt bin. Wie gut ist offenbar dein Sein und Wirken in Oeynhausen gewesen! Ich habe deinen meisterlichen Bericht immer wieder gelesen und mich gefreut an dem Gedanken, wie glaub[würdi]g2 ich dort vertreten worden bin. Dir kann man wirklich Aufträge geben, und gelt, du tust das auch lieber als Briefe und Re|455zensionen einordnen, eine Sache, für die wir mit der Zeit eine untergeordnete Hilfskraft einstellen sollten, um dich für die höheren Funktionen, deren du fähig und würdig bist, frei zu machen. Morgen halte ich also meine Predigt3. Sie ist schon zu Faden geschlagen und soll nachher ein zweites Mal durchgearbeitet werden. Wäre doch Mucki auch hier, um sie zu stenographieren. Aber wirklich nicht nur dazu!!! Sonst (ach ja: sonst!) geht es mir hier ausgezeichnet. Gestern war ich den ganzen Nachmittag unterwegs und habe mich müde gestampft bergauf und bergab. Heute bin ich natürlich mehr zu Hause. Nils sind sehr nett zu mir, und warm ist es jetzt auch im Hause, aber ich habe alle warmen Sachen angezogen. Daß N[elly] mit H[ans]j[oggeli] nach K[ohlfurterbrücke] gefahren ist, kann ich nur billigen. Ich habe ihr eben auch einige Worte geschrieben. Wie gerne wüßte ich, was sich wohl eben [jetzt]4 in Köln5 abspielt und wie es dann in Elberfeld werden wird. Eins ist sicher, daß mein kluges Sch. seine Sache sehr gut machen wird.

Gruß!

Dein
K.

Sachfußnoten

1
Siehe zu dem Gespräch in Wuppertal-Barmen (nicht Wuppertal-Elberfeld) oben S. 452f. ↩
2
Wort durch Lochung teilweise unleserlich.↩
3
Siehe oben S. 436, Anm. 4. ↩
4
Wort durch Lochung ausgefallen.↩
5
Das Treffen von Kirschbaums mit E. Thurneysen und R. Pestalozzi vor der Weiterfahrt nach Wuppertal-Barmen, s. oben S. 451–453.↩