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von Kirschbaum an B. auf dem Bergli
Nun habe ich – leider – doch nicht mit den Studenten reiten können, sondern mußte statt dessen zum – Arzt. Aber
erschrick nicht: ein Stich, den ich noch im Törli ins Genick bekam, benimmt sich
wohl infolge verschiedener Rußstäublein sehr schlecht, ist dick angeschwollen
und beeinträchtigt etwas meine Lebensfreude. Nach tagelangen Umschlägen ohne
Erfolg bin ich nun zu Dr. Kill
gewandert, der die Sache nicht schlimm befand, nur die Stelle sehr unangenehm
nahe des Kopfes, und der mich nun zu Bestrahlungen bei Frl. v. Bülow schickt, die zwei-dreimal
nötig sein werden.
Er war sehr nett, ist
geladen mit dem Kirchenstreit, läßt dich grüßen und dir sagen: es sei die einzig
wahre Lösung, daß du nach Basel gehest. Damit
bleibe wenigstens deine Linie sauber, und das helfe
viel, mehr als ein zweideutiges Bleiben. Außerdem bittet er
dich um einen wöchentlichen Rundfunkvortrag für die Gemeinde in
Deutschland!!
Außerdem war ich heute morgen beim Spediteur und besprach den Umzug. Das ist Alles
sehr klar und einfach. Die Bücher sind doch besser in Kisten verpackt – sie
haben dort sehr schöne, saubere mit Schließdeckeln – als in den Gestellen. Ich
habe mir beides besehen. Er schickt wohl schon nächste Woche ½ Tag zwei Männer,
die dann unter meiner Aufsicht die liebe Studierstube versorgen für den
Transport. In meine große Holztruhe lege ich zu meinen Winterkleidern deine
Briefe, bzw. Durchschläge. Bis dahin habe ich dann wohl auch alle
Abmeldungsgeschäfte versehen und denke, mit Joggeli den
Anderen vorauszufahren aufs Bergli. Ich muß den Tag freilich noch offen lassen.
Nelly braucht
doch sehr nötig jemand, der ihr alle immer wieder aufsteigenden wirklich
unnötigen Sorgengebilde zerstreut. Ich bin nicht «aggressiv und ungeduldig», und so
meinte sie gestern abend, es sei doch gut, daß ich jetzt hier sei. Es ist ganz
rührend, mit welcher hilflosen Angst sie dem äußeren, technischen Lebensgang
gegenübersteht! –
497 Eben war Werner Koch1 da, um mir
einen Aufsatz für die
N. Z. Z. vorzulesen, ehe
er ihn abgehen läßt.2 Ich bin
nicht ganz einverstanden, Einiges ließ sich noch korrigieren und
differenzieren. – Jetzt ist Joggeli
eingetroffen zum Lateinlernen. Dann geht es zu Frl. v. Bülow. Für Honnef am Abend langt es trotz Traubs
lateinischer Einladung nicht mehr.3 Aber Hesse will morgen noch eine
Fortsetzung des gestrigen Gespräches hier haben. –
Vielleicht langt es noch zu einem Ankauf von schönen Stühlen für das
Studierzimmer. Und ein helles Leinenjäckchen, ein schönes, habe ich dir heute besorgt. Nun hast du
drei gute. Die alten zu engen gehen an Markus über. –
Und noch dies, daß das Telefon gestern hier keinen Schatten warf. N. ist erfreut über
die prompte Lösung4 und hat die Fahrt nach Basel unter
diesen Umständen anscheinend nicht schwer geopfert. – Behalte doch auch sehr im
Auge, daß sie nach gelungenem Umzug möglichst bald mit den Buben in
Ferien geht. –
Gelt, das sind wirklich ganz hauswirtschaftliche Mitteilungen? Alles Andere ist
hier in den Hintergrund gedrängt, aber dafür nur umso wahrer. –
498 Grüße das Bergli. Ob R. Karwehl noch dort ist? Eben lese ich in den B. N. deine
offizielle Berufung. Nun also doch Homiletik?5
Lieber Karl, ich habe sehr Sehnsucht, wieder bei dir zu sein.
Humburg6,
ach je, gelt? Nun ist es wirklich genug des grausamen
Spiels.7