Brief Nr. 207 · 28. Juni 1935

Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli

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Lieber Karl!

Leider kann ich dir noch nicht melden, daß es gut geht, aber es ist auch nicht schlechter geworden. Vielleicht muß ich es morgen doch schneiden lassen, damit die Sache abfließt. Solange sie das nicht kann, ist es sehr unangenehm. Zu dumm und störend ist das jetzt, aber nicht zu ändern. Sorge mußt du keine haben, gefährlich ist es nicht. – Heute früh habe ich die Abmeldungen besorgt. Der «Umzug» geht Schritt für Schritt voran. – Spät abend rief gestern Humburg an, ob die Entscheidung gefallen sei, und schien dann sehr erschüttert. Willst du ihm und willst du D. Hesse nicht ein – vielleicht freundliches Abschiedsschreiben schicken?1 Es wäre sicher gut. Gleich trifft der junge Hesse noch einmal bei mir ein. Morgen kommt Wölflein. Er wird bekümmert sein. – Und heute bist du mit Emil!!2 Ich denk sehr daran. – Es geht hier Alles gut, du kannst ganz ruhig hierher denken. Hast du die Bücher bekommen? Die oberen sind für Stöffeli, gepackt, als Basel noch unsicher war. –

501 Fr. Schlomka ist zurück, sehr befriedigt von Barmen und Pastor Kunze3 . Sie haben täglich 6 Std. (!) strenge Bibelarbeit getrieben: A. T. und N. T.  Das ist doch schön? Sie hatte doch sehr den Eindruck, daß bei den Menschen ein lebendiges Fragen ist. – Lieber Karl, mein «Köpflein» ist sehr müde, aber es denkt an dich.

Deine
L.

Sachfußnoten

1
Siehe Barths Brief an H. A. Hesse in: Offene Briefe 1909-1935, S. 333-353 📖; Prolingheuer, S. 345-350 📖; an Humburg in: Prolingheuer, S. 352f.↩
2
E. Brunner hielt sich am Freitag, 28.6.1935, zu einem Tagesbesuch auf dem Bergli auf (s. Bw.Br.,S. 283-288 📖).↩
3
Vermutlich Wilhelm Friedrich Kunze (1892–1964), 1935-1946 Pfarrer in Wuppertal-Barmen.↩