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von Kirschbaum an B. auf dem Bergli
[Bad Honnef, 30.6.1935]
Sonntag morgen
Nun bin ich also hier
im Krankenhaus.
Warum hier? Gestern mittag, als ich vor Elendsein nicht mehr recht
wußte wohin, trat wie ein Engel Schwester Helene in mein Zimmer. Als sie das große Ding
am Halse sah, meinte sie, es müsse sofort geschnitten werden. Ich kannte ja nun
in Bonn keinen Chirurgen, Kill
schneidet nicht. So ließ ich mich denn von ihr ins Auto packen und zu Frl. Dr.
Buch
hier fahren, im
Gedanken, daß ich nach ein paar Stunden abends wieder heimfahren könnte. Aber
dem war nicht so. Die Ärztin brachte mich zum Chirurgen und dann gab es ein regelrechtes
Operatiönchen mit totaler Betäubung und einem Loch am Kopf vier cm
im Quadrat.1 So liege ich nun mit dickem
Verband. Die erste Nacht war nicht schön. Aber die Gefahr ist nun
vorüber und das Andere will ausgehalten sein. Ich muß wohl schon eine Zeit
liegen. Der Umzug ist
gut eingeleitet, das Packen der Bücher übernehmen Traub und Frau
Schlomka. Und
mein Zimmer muß ich nun eben N. überlassen, aber sie kommt
gut durch, alles Kompliziertere ist ihr schon aus dem Wege
geräumt, so daß du in dieser Hinsicht getrost sein kannst. – Daß ich nun –
ungewollt - hier
liege und nicht in Bonn, hat auch seine Lichtseiten. Es ist viel
ruhiger, und die Ärztin ist eine ganz überzeugende Frau. Als ich noch im
Halbschlummer war, bat ich sie, an dich zu telefonieren. – Du |502 mußt keine Sorge haben, lieber Karl. Jetzt
ist es ja wesentlich vorbei. Zahlst du mir das Zimmer und den Arzt? Ich habe kein Geld mehr,
und ich brauche ja im Juli und August kein Taschengeld. Sehr viel wird es nicht
kosten. – Grüße Ruedi und Gerty. Vielleicht schreibe ich dir heute noch einmal.
Ich bin nur noch sehr müde, und der Kopf tut weh
.