Brief Nr. 206 · 27. Juni 1935

Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli

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Liebster Karl!

Da wieder ein paar Briefe, die dich auch interessieren mögen. – Mach dir nun keine Sorgen wegen des Furunkels. Ich tue Alles, es wegzubekommen. Aber diese Kurzwellenbehandlung strengt sehr an, und nachts kann ich nicht gut liegen. Aber bald gibt es ja dann wieder Bergli-Ferien. – Und hier läuft – wie gesagt – Alles gut. Dein Zimmerlein im unteren Stock – ich weiß wohl, was es bedeutet – hätte wenn nicht sofort, so mit der Zeit sicher Anstoß erregt, während N. sich, wenn sie in der unteren Etage ist, einbezogen fühlt und das unser Leben gewiß erleichtert. Und heute morgen haben wir also vier Stühle und einen runden Tisch fürs Studierzimmer gekauft. Die Bezüge sind nicht ganz befriedigend, aber es eilte, und es war ohnehin nicht ganz leicht, N. zu bestimmen zu einer Entscheidung. –

Hölschers1 ziehen auch zum 1. Juli um nach Heidelberg, sehr bekümmert, kein Student besucht seine Vorlesungen! Gelt, die sind doch Alle noch viel schlimmer dran! – Meldest du dich im Presbyterium selbst ab? – Der Hausplan kam heute schon und ein sehr deut|500licher Brief von Marguerite, so daß wir gute Vorstellungen haben. Das ist jetzt wirklich gnädig gegangen mit dieser Wohnungssuche. Und es ist viel besser, daß es ohne mich geschah. – Aber nicht wahr, die lieben Schweizer weisen mich nicht aus? Ich bin doch etwas erschrocken. – Mein Geldlein ist nun also an eine schöne Couch gegangen. – Grüße Alle. Grieg [?]2?? Ich weiß nicht, Gerty!! Von Herzen

D.
L.

Sachfußnoten

1
G. Hölscher wurde nach § 5 des «Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums» vom 7.4.1933 nach Heidelberg versetzt: «Jeder Beamte muß sich die Versetzung in ein anderes Amt derselben oder einer gleichwertigen Laufbahn, auch in ein solches von geringerem Rang und planmäßigem Diensteinkommen […] gefallen lassen, wenn es das dienstliche Bedürfnis erfordert.»↩
2
Das einzelne Wort – wahrscheinlich ein Name – ist nicht sicher zu entziffern.↩