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von Kirschbaum an B. auf dem Bergli
[Bad Honnef] Freitag, 5.7.1935
Ob dich dieses Kärtlein noch auf dem Bergli erreicht? Frau Schlomka sagte mir gestern abend, daß du mit
Nelly
vereinbart habest, sie und die Kinder doch Sonntag in Basel zu
erwarten. Hoffentlich könnt ihr dann Montag auch wirklich schon einräumen. Mit meinem
Anruf gelingt es dann wohl nicht mehr. Ich wollte versuchen, am
Sonntag zu Schwester Helene zu gehen und dich von dort zu
begrüßen. Aber vielleicht hätte ich das auch noch gar nicht gedurft, denn bis
jetzt liege ich noch fest. Aber es geht Alles
gut voran, und du mußt keine Sorge haben. Nun wird eben Markus dir helfen beim
Aufstellen der Bibliothek, ich mag es ihm wirklich gönnen. – Für Nelly ist es gut,
wenn nun der Rummel vorüber ist. Lore Schl. steht auch etwas ratlos davor, wieviel unnötige
Last sie sich noch zu aller nötigen aufbürdet, aber sie hat sich schon etwas den
Mund verbrannt und läßt nun lieber den Dingen ihren Lauf. Sie war gestern mit
ihrem Lorekind und Joggeli da. Gestern abend las ich noch eine Sammlung Rundbriefe1,
die das Trüpplein unserer Getreuen
(Steck, Gollwitzer, Schipper, Otten2, Eichholz etc.) sich schreiben. Das ist doch
sehr bewegend, und das ist doch eine kleine Schar, wie wir sie
so vielleicht sonst nirgends auf der |529
Welt haben und haben werden. Ein interessantes Votum darunter übrigens von Eichholz zur Iwand-Kritik3. Ich habe ihn fragen lassen, ob er mich
nicht einmal besuchen wolle, ich möchte ihn auch gern noch einmal sehen.
Wir beide gehen sehr seltsam, ganz diskret, aber doch wie zwei
«Lichtgestalten» durch diese Briefe!! –
Jetzt will ich an Frl. Seifert schreiben, die sehr trostbedürftig ist. Sie hätte dir ums
Leben gern an meiner Statt einräumen geholfen. Aber ich fürchte, der Tumult ist
zu groß. Wenn du magst, rufe ihr: Haus Sonnenhof, Belchen-Holzinshaus, Post
Schönau, Bad. Schwarzwald. – Nachher wirst du in Eile an die Genfer Vorträge
müssen?
Laß dich nicht durch mich verzögern, aufs Bergli zurückzukehren.
Ich komme gern direkt dorthin. Alles Gute, lieber
Karl, für die Unruhe dieser Woche.