Brief Nr. 218 · 5. Juli 1935

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bad Honnef

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218

Liebe Lollo!

Von den vielen Briefen, die ich zweifellos auch heute schreiben werde, soll der erste an dich gehen! Ich war eben im Dorf drunten, um mich endlich wieder einmal selbständig mit Papier und Umschlägen einzudecken, bin nun ganz keuchend und schwitzend wieder hier eingetroffen, und das Werk des Einsiedlers, der ich nun hier bin, kann beginnen.

Ich danke dir so für deine lieben langen Briefe, aus denen ich ersehen habe, daß es dir langsam wieder besser zu gehen beginnt. Zunächst habe ich freilich daraus erst entnehmen oder doch ahnen können, wie groß der Schaden ursprünglich gewesen ist und daß nur we|530nig gefehlt hat und wir hätten jetzt keine Lollo mehr. Ja, da kann es einem wohl nachträglich heiß und kalt werden, auch wenn man es nur so nach und nach mitgeteilt bekommt wie ich jetzt. Du wirst mir dann immer noch viel zu erzählen haben und zu erklären, denn nicht einmal das ging aus deinen sonst so klaren Worten hervor, ob der Schaden am Kopf oder am Halse sitzt. Und du darfst den Hals nicht bewegen? Was sind das alles für merkwürdige Zeichen! Mit welcher doppelt und dreifachen Vorsicht werde ich von nun an mit dir umgehen müssen, damit das schwer beschädigte edle Gefäß nicht weiter leide! Und sag mal, wie ist das mit deiner Reise – wenn es endlich so weit sein wird? Kannst und darfst du allein reisen, oder sollte ich nicht heimlich still und leise dorthin kommen, dich abzuholen? Ein Wink, und ich bin dort, gelt? Ich bin für den Augenblick sehr beruhigt, von dir – und doch nicht nur von dir, sondern zur Kontrolle auch aus einem Brieflein von Frau Schlomka1 zu hören, daß du Vertrauen zu den dortigen Ärzten habest und darum leidlich folgsam seist. Gelt, du gehst auf diesem guten Weg weiter! Ich habe ja so Angst, du leistest dir irgend einen Ausbruch ins Freie, der dir dann nicht gut bekommen könnte, so gerne ich dich bald wieder hier hätte! Was ist übrigens bei dem allem aus meinem Wuschelköpflein geworden? Haben sie dir einen Bubikopf geschnitten? Und wie geht es unter diesen Umständen deinen anderen Organen und Funktionen? Frau Schlomka schreibt, du blickest jetzt wieder «fröhlich aus den Augen»! Das habe ich gerne gelesen. Wenn es nur dabei bleibt und von keiner Seite ein Rückfall droht! Ich nehme mir schon jetzt vor, mit geradezu unglaublicher Vorsicht, Distanz, Rücksichtnahme, Behutsamkeit, Fürsorge etc. mit dir umzugehen. Wenn es mir nur richtig gelingt!

Gestern habe ich ein Telephon mit Nelly gehabt. Es ging z. T. um den Juliusturm2, den sie, da das Konto offenbar erschöpft ist, nicht angreifen möchte. Im Übrigen lernte ich, daß es wohl besser ist, wenn ich mich am Sonntag abend auch nach Basel verfüge, um die Befehlsgewalt von Anfang an in die Hand zu nehmen und unnötige ­Ratlosig|531keiten überflüssig zu machen. Ich bin ohnehin zu Hauser bestellt zur endgültigen Regelung der Besoldungsfrage. Meinen vorläufigen Wohnsitz werde ich bei Eduards aufschlagen, die dann zwar weg sind, mir aber das kleine Zimmer von Fränzeli3 reserviert haben. Dort werden mich dann also auch Nachrichten von dir zunächst am sichersten erreichen. Markus wird auch in Basel eintreffen und hoffentlich auch für die Bedürfnisse der neuen Vatikanstadt in etwa zu haben sein. Es wird ja viel brauchen, bis dort Alles wieder einigermaßen auf einander steht. Ich denke mit Sorge daran, wie eben jetzt meine ganze Bibliothek irgendwo im Rollen ist und ob wir Alles ohne Schererei über die Grenze bringen werden. Z. B. auch die neuen Möbel, die ja, wie ich jetzt sehe, in den Zollbestimmungen eigentlich gerade nicht vorgesehen sind! Ich habe übrigens zur Erlangung der verschiedenen Basler Papiere Max Zellweger in Bewegung gesetzt, der gewiß Alles mit Umsicht und Sachkenntnis ins Geleise zu bringen weiß.

Vorgestern habe ich also mit Peter Meyer den großen Ritt nach Einsiedeln getan. Es war doch erheblich weiter und anstrengender, als ich es mir nach unseren vielen bequemen Autofahrten in jene Gegend gedacht hatte! Wenn jeder Meter mit einer jener leise zermürbenden Bewegungen des ganzen Sitz- und sonstigen Fleisches zu bezahlen ist, so sieht sich eine solche Sache am Abend des Tages schon ein bißchen anders an, besonders wenn man noch so dauernd trabt, wie wir es getan haben! Auf dem Heimweg z. B. zehn Kilometer fast ohne Unterbruch! Aber die Sache war ausgesprochen herrlich, temperamentvoll, naturhaft, erquickend über die Maßen! In Einsiedeln durften unsere Pferdlein im Klosterstall stehen, einem im 18. Jahrhundert gebauten kirchenartigen Raum (die «Rosschile»4 genannt). Und schon das Einreiten in dieses ganze Areal mit allen seinen Höfen, unter Bögen hindurch über hallendes Pflaster war eine irgendwie spanische, das Selbstbewußtsein kräftigende Angelegenheit. Auf dem Heimweg mußten wir den Etzelpaß übersteigen, vorher übrigens ein Moor, die Pferde am Zügel führend, durchqueren, zum Schluß jener lange Trab durch strömenden Regen, für welchen Zweck wir trefflich schützende |532 Windjacken vorne aufgebunden hatten. O Löllchen, wenn du doch noch zu Kräften kommen und mit mir etwas Ähnliches unternehmen könntest. Aber ich werde dich auf keinen Fall auch nur von ferne dazu veranlassen, wenn es dich nicht ganz von dir aus fein und gut dünkt. Aber gelt, du verstehst es, wie wohl es mir tat und tut, nach all den Wochen und Monaten der ermüdenden Spannung und Erregung nun so ein bißchen unbesonnen zu leben. Der Ernst des Lebens wird ja gleich wieder da sein.

Gestern abend hat mir Gerty weitere Erklärungen über sich selbst abgegeben. Würdest du erwartet haben, von ihr zu hören, daß ihr Emmy Bloch geradezu «schrecklich auf die Nerven gehe» und daß sie jeweils nach ihren Besuchen völlig erschöpft sei? Überhaupt sei Vieles oder Alles, was uns an ihr verwundere, nur eine mühsam erkämpfte Gegenwehr gegen die physische und psychische Mühsamkeit des Lebens, und man könne sie nicht mehr mißverstehen, als wenn man ihr ihre Gelassenheit etc. als siegreiches Können anrechne. Heute wird Walter Rühle5 wieder eintreffen wie gewohnt. Gerty schreibt ihm außerordentliche Qualitäten zu, hat ein mütterliches Verhältnis zu ihm (nachdem sie ihn in einer Krankheit pflegen mußte), während Rudi ihn nicht mag und Ruth, die er liebt, ihn ihrerseits nur als Freund haben möchte. So gehen eben die menschlichen Schicksale kreuz und quer durcheinander, und alle verlangen offenbar nur das Eine: daß man sie nicht als Objekt zur Abreagierung eigener Komplexe, sondern in Schonung der ihrigen als Mitgeschöpfe ehre und aufnehme und mitnehme. Am Montag trifft Erica hier ein, nach umständlichen, z. T. auch an dich gerichteten Korrespondenzen (ich habe dich verschont mit der Weitersendung) über Fahrkarten, Goti6, Genf, Tirol und was weiß ich für weitere Nebenumstände. Daß ich abgesetzt sei, scheint sie aus irgend einem Grunde noch immer nicht für wahr, sondern für eine Erfindung der Magdeburger Presse zu halten!! Die Gute, sie wird nie klug werden! Gestern war den ganzen Tag das Ehepaar Greiffenhagen7 aus Bremen unser Gast. Sie kosteten viel Zeit, weil sie |533 sich wirklich gründlich verewigten, aber zum Schluß verließen sie den Schauplatz so hoch erfreut, daß wir uns sagten, das habe nun eben gewiß so sein müssen.

Ich hatte unter vielen guten Briefen einen besonders guten von Heinrich Scholz8, in der Hauptsache über das Credo 📖9, das er merkwürdig goutiert zu haben scheint. Denk, auch er ist wieder im Krankenhaus gewesen und «dem Ende aller Dinge nahe» [vgl. 1. Petr. 4,7], nun aber wieder genesen und will am 25. Juli mit der kleinen Herrin10 für vier Wochen ins Engadin. Wir müssen dann versuchen, ihn zu erreichen. Drei Morgenröten gibt es in seinem Leben (außer der kleinen Herrin): die Mathesis universalis11, die Schönheit der logistischen Dinge und das Phänomen Karl Barth. Das ist allerhand!, um mit ihm selber zu reden. Ja, so schnörkelt eben auch er sich weiter durch dieses Erdenland! – Zum Credo hat sich übrigens ebenfalls in letzten Tönen unser Freund Gollwitzer geäußert.12 Ich bin ja diesmal ein bißchen froh über einige Beifallszeichen, weil ich gerade diesmal meiner Sache nicht so sicher war wie etwa beim Anselm 📖.

Ich war dir gestern so dankbar für die Nachrichten aus dem Rheinland – und dankbar dafür, daß sie so lauten konnten. Daß sie nun so rasch in der Lage sind, gleich von Schuld etc. zu reden, kommt mir ja freilich auch wieder ein wenig überraschend. Es könnte darauf hindeuten, daß die Sache für sie wie so viele andere schnell genug auch wieder Episode werden kann. Aber man wird ihnen ihren Gang auch in dieser Hinsicht lassen müssen. Beckmann freilich muß ein reichlich |534 unehrlicher Mensch sein. Gerade mit ihm habe ich doch noch am 17. Mai über Alles, auch über die Nordgrenze13, eingehend gesprochen! Und daß nun ausgerechnet Klugkist Hesse14 noch und noch einmal mit der S. P. D.15 aufrücken konnte (mir gefiel schon die Art, wie er in «Unter dem Wort» über die Sache berichtete16, wenig!), ist auch selt|535sam. Aber es ist beruhigend, daß die ganze Art, wie die Sache sich dort nun nach der Entscheidung auslebt, darauf hinweist, daß die Entscheidung nicht wohl anders fallen konnte, daß die Witterung, die ich zu haben meinte, daß ich dort keinen rechten Boden haben würde, faktisch – wie man auch das Phänomen deute – richtig war, daß den Leuten in der Sache jedenfalls nicht ein solches Leid angetan ist, das zugleich ein Unrecht bedeuten würde. Wer weiß, ob es nun mit der Bekenntniskirche nicht viel besser weitergehen wird ohne mich, weil nun allerlei Kräfte und Einsichten mobil werden, die bisher wegen Mikoxen und Gekränktheiten gegenüber dem ewigen Besserwisser und Rechthaber in Bonn nicht zur Geltung kamen. Ich will es also versuchen, an Humburg zu schreiben.17 Aber auch Träublein soll seinen Brief gewißlich bekommen.18

Und nun sehe ich mit Spannung den nächsten Tagen entgegen. Es wird wohl in Basel etlicher Weisheit bedürfen, um Alles nach allen Seiten und in jeder Hinsicht – es gibt so viele Seiten und Hinsichten! – recht zu machen. Stürze dich nur ja nicht zu schnell mit in den dort sicher einsetzenden Trubel! M. E. wird es sich für dich nur um ein rasches Hereinschauen handeln können, damit du dann rasch hieher in die Ruhe kommst. – Sag, ist es nicht nachgerade merkwürdig, daß ich die Bücherkiste noch immer nicht habe? Vielleicht hast du sie an die Adresse von Rudis Geschäft gesandt, und nun stockt dort die Sache wegen Rudis Abwesenheit. Kurzum, ich bin annoch ohne sie. Die Genfer Vorlesungen19 müssen dann plötzlich entstehen!

Genug für heute! Ich kann dir ja nicht sagen, wie froh ich bin über die guten Nachrichten von dir. Und gelt, es wird mir doch jetzt nichts verheimlicht, was ich auch noch wissen müßte?

Eben hatte ich ein Telephon mit Max Zellweger. Die Vorbereitungen für einen glatten Empfang unserer Materialien am Schweizer Zoll |536 sind im besten Gang. Ich werde nun am Sonntag abend nicht im leeren Thurneysenhaus, sondern bei Fränzeli, St. Johanns-Vorstadt 88, einkehren. Nelly ist bei Zellwegers20 erwartet.

Und mit der Post erhielt ich eben ein Rundschreiben des Bruderrats der altpreußischen Union, in welchem ich eine Ehrenmeldung erhalte21, in welchem aber weiter zu der neu aufgeworfenen Eidesfrage nur jenes unbestimmte Edikt von Marahrens vom 6. Dezember22 und dazu ein Satz aus der zweiten Dahlemer Botschaft vom 5. März23 wiederholt wird. Das dürfte nun doch keine gute Antwort sein. Ja, aber da habe ich mich nun eben von jetzt an der Stimme zu enthalten.

­L. L.,

dich grüßt

Dein
K.

Sachfußnoten

1
Briefkarte vom 3.7.1935 (KBA 9335.689).↩
2
Eine Geldrücklage der Familie Barth, so genannt in Anspielung auf den Juliusturm, einem Festungsturm in Berlin-Spandau, in dem von 1871-1914 gemünztes Gold im Werte von 120 Mio. Mark als Reichsschatz aufbewahrt wurde.↩
3
Franziska Barth bewohnte vom Sommersemester 1934 an als Studentin in Basel ein Zimmer bei Thurneysens.↩
4
= Roßkirche.↩
5
Walter Rühle, ein mit Ruth Pestalozzi befreundeter Violinist, hielt sich des öfteren auf dem Bergli auf.↩
6
Gotlind («Goti») Römheld (1912–1943), Schwester von Hildegunt («Hidi») Römheld, ehemalige Schülerin, nun Freundin und Reisegefährtin von E. Küppers.↩
7
Dr. Gustav Greiffenhagen (1902–1968), Hörer Barths in Göttingen, 1931-1967 Pfarrer in Bremen, Teilnehmer an den Bekenntnissynoden von Barmen und Dahlem, entschiedener Vertreter der BK in Bremen.↩
8
 Brief vom 29.6.1935 (KBA 9335.666).↩
9
 Siehe oben S. 436, Anm. 5.↩
10
Erna Scholz, die Ehefrau von Heinrich Scholz.↩
11
Mathesis universalis wird «in ihrer klassischen Form bei Descartes und Leibniz als die universale Wissenschaft verstanden», «die ohne jede Beschränkung auf einen bestimmt begrenzten Objektbereich das Seiende überhaupt […] zum Gegenstand hat und dabei methodisch alle die Eigenschaften enthält, die den Beweisen der Mathematiker […] Gewißheit geben» (J. Ritter, Vorwort, in: H. Scholz, Mathesis universalis. Abhandlungen zur Philosophie als strenger Wissenschaft, hrsg. von H. Hermes, Fr. Kambartel, J. Ritter, Basel 1969², S. 7-16, dort S. 7 📖).↩
12
Postkarte vom 29.6.1935 (KBA 9335.667).↩
13
Im Januar 1935 hatte Barth in der Schweiz während der Kampagne vor der Abstimmung um die eidgenössische «Wehrvorlage» am 24.2.1935 in einem Gespräch geäußert: «Ich bin für die Landesverteidigung» und hinzugefügt: «besonders für die Befestigung der Nordgrenze» (vgl. Barths Brief an P. Winckler vom 23.5.1935 [KBA 9235.129]). Im März 1935 war sein Ausspruch in der Schweiz verkürzt (Barth habe gesagt, «er sei für eine starke Verteidigung der Nordgrenze») publik gemacht und kontrovers besprochen worden (vgl. Nemo [= G. Boerlin], Karl Barth als Staatsbürger , in: Schweizer Monatshefte für Politik und Kultur, Jg. 14 [1934/35], S. 638f. 📖). In Deutschland verbreitete der Informationsdienst des Reichsbischofs Müller am 10.5.1935 (Nr. 5/35, S. 7) unter der Überschrift «Und so etwas war ein ‹deutscher› Professor!»: «An Barth ist von vaterländisch gesinnten Schweizern die Frage gestellt worden, wie er es mit der Landesverteidigung halte; er gab die zwar schlaue, aber ausweichende Antwort, er sei für eine stärkere Verteidigung der Nordgrenze gegen Deutschland.» Kommentar: «Auf die Eidesverweigerung dieses Herrn Barth fällt von hier aus neues Licht!» (Prolingheuer, vgl. S. 180-182 📖, und zum ganzen Vorgang Bw.Th. III, S. 887-891 und S. 810f. 📖↩
14
Hermann Klugkist Hesse (1884–1949), 1920-1949 Pfarrer in Wuppertal-Elberfeld, 1926-1933 Schriftleiter des Reformierten Wochenblatts, 1933-1936 (gemeinsam mit K. Immer) Herausgeber des bekenntniskirchlich orientierten biblischen Wochenblattes «Unter dem Wort», seit 1934 Dozent an der Theologischen Schule (später Kirchliche Hochschule) in Wuppertal und am Predigerseminar in Wuppertal-Elberfeld.↩
15
Siehe oben S.  519 und S. 265, Anm. 4. Die Mitgliedschaft Barths in der SPD spielte schon eine Rolle in dem Brief Humburgs an Barth vom 9.2.1935 und in Barths Antwort vom 12.2.1935 (Prolingheuer, S. 296–301 📖). Die kritische Haltung H. Kl. Hesses und anderer Mitglieder des rheinischen Bruderrates wurde auch deutlich in einer Besprechung von Mitte Februar 1935, die G. Abrath, Subjekt und Milieu im NS-Staat. Die Tagebücher des Pfarrers Hermann Klugkist Hesse 1936-1939 (AKZG, Reihe B, Bd. 21), Göttingen 1994, S. 161f. 📖, wiedergibt.↩
16
In «Unter dem Wort», Jg. 3, Nr. 26 vom 30.6.1935, S. 312, wird unter der Überschrift «Karl Barth in den Ruhestand versetzt» 📖 nach dem einleitenden Satz: «Die Zeitungen melden darüber folgendes» der Text des Deutschen Nachrichten-Büros wiedergegeben (s. oben S. 481, Anm. 2). Dann folgt: «Daß wir diese Nachricht über den Lehrer unserer evangelischen Kirche nur unter tiefem Schmerz abdrucken, kann sich jeder denken. Aber mit zu großer Trauer würden wir dem Evangelium einen schlechten Dienst erweisen. Als ob es nicht unabhängig von Menschen und auch von den tüchtigsten Menschen in Gottes Kraft wirkte! Aber danken wollen wir Karl Barth und mit dankbaren Segenswünschen ihn und die Seinen der Liebe Gottes befehlen.»↩
17
Brief vom 5.7.1935 an P. Humburg (Prolingheuer, S. 352f. 📖).↩
18
Brief vom 5.7.1935 an H. Traub (Prolingheuer, S. 341–343 📖).↩
19
Barth hielt vom 22.-25.7.1935 vier Vorlesungen im Ökumenischen Seminar in Genf: K. Barth, Die Kirche und die Kirchen (ThExh 27), München 1935 📖 (vgl. Busch, S. 276f 📖).↩
20
Bei Max Zellwegers Mutter Elisabeth Zellweger-Preiswerk (1867–1949), in deren Haushalt auch die unverheirateten Söhne Eduard (1892–1964) und Albert (1897–1950) lebten.↩
21
In seinem Rundschreiben vom 4.7.1935 dankte der Bruderrat Barth für seinen Dienst in der Evangelischen Kirche und bezeugte, «daß er getreu seinem Auftrag als Lehrer der Kirche in der Stunde der Gefahr zum Bekennen aufgerufen hat. Die von ihm vertretene Sache der Erneuerung von Kirche und Theologie aus dem ewigen Wort des dreieinigen Gottes ist und bleibt die Lebensfrage der Christenheit und darf von uns in der Deutschen Evangelischen Kirche nicht wieder preisgegeben werden» (Prolingheuer, S. 206f. 📖).↩
22
Am 6.12.1934 gab dieVorläufige Leitung der DEK unter Leitung von Bischof A. Marahrens «eine vorläufige, deshalb für die Öffentlichkeit nicht bestimmte» von Präses K. Koch unterzeichnete briefliche Erklärung ab, in der es hieß: «Der unter Anrufung Gottes dem Führer Adolf Hitler geleistete Eid gibt der Treue- und Gehorsamsverpflichtung den Ernst der Verantwortung vor Gott und damit ihre rechte Begründung. Er schließt durch die Berufung auf Gott ein Tun aus, das wider das in der Heiligen Schrift bezeugte Gebot Gottes ist» (Abbildung des Briefes bei Prolingheuer, S. 275, vgl. S. 204 📖).↩
23
Im Rundschreiben vom 4.7.1935 fügte der Bruderrat im Anschluß an das Zitat aus der «Erklärung» der Vorläufigen Leitung der DEKvom 6.12.1934 an: «Die gleiche Auffassung hat die Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union am 5.3.1935 kundgetan: ‹Jeder Eid wird vor Gottes Angesicht geleistet und stellt die in ihm übernommene Verpflichtung unter die Verantwortung vor Gott. Der Eid findet seine Grenze darin, daß allein Gottes Wort uns unbedingt bindet.›» (vgl. Prolingheuer, S. 212 📖)↩