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Barth an v.K. in Bad Honnef
Wo sitze ich? Unverkennbar an meinem treuen Schreibtisch1, wie er in Göttingen, Münster und Bonn
gestanden hat und nun eben im noch leeren Studierzimmer am St. Alban-Ring steht. Die beiden
Möbelwagen sind bereits entladen. Es fehlt nur noch der Inhalt des
Eisenbahnwagens. So gab es heute für mich in der Hauptsache noch nicht viel zu
tun. Die Platzfrage für die Bücherschäfte wird sich sehr dringlich stellen. Wir
werden überhaupt wesentlich enger dran sein als in Bonn. Und der erwünschte
Durchblick von einem Schreibtisch zum andern wird sich nicht schaffen lassen,
weil wir doch beide an einem Fenster plazieren müssen. Aber ich denke, daß es
irgendwie nett und erfreulich werden wird. Auch N. ist mit dem Haus zufrieden.
Ist es nicht ein Witz: als erste Post empfange ich hier einen feierlichen Brief
von der Universität Aberdeen mit dem Auftrag, dort 1936-37 und
37-38 ([ich] weiß nicht, was das bedeutet) die Gifford Lectures on Natural
Religion zu halten, eine Art Stiftung mit dem Zweck of «promoting,
advancing, teaching and diffusing the study of Natural Theology».2 Offenbar wollten die Guten mir mit dieser schön bezahlten
Sache zu Hilfe kommen. – Dank für deine zwei Briefe, die mich heute früh bei
Fränzeli erreichten! Da deiner an Frl. S[eifert] schon unterwegs ist, wird es so
auch recht sein. Bis jetzt sind hier alle ruhig und zufrieden. Hansjoggeli quitschvergnügt über Alles und Jedes! Er piepst sogar
leise auch bei Tisch bei Zellwegers. – Wie geht’s dir? Daß der Eiter nicht aufhören will, ist
doch sehr traurig. – Heute morgen war ich bei Hauser. Ich bekomme voraussichtlich 18T.3 nebst Um|548zugsvergütung und Einstandszahlung in die Witwen- und
Waisenkasse. Und das
Erziehungsdepartement hat mein Gesuch betr. meine «persönliche Assistentin» bei
der Fremdenpolizei unterstützt!4 Wenn ich dich nur schon gesund und
fröhlich bei mir hätte!
Ich eile nun, den nächsten Briefkasten zu suchen. Dieser Weg wird ja nun wichtig
genug werden!
L.L. sei herzlich gegrüßt von