Brief Nr. 225 · 10. Juli 1935

Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Basel

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225

Lieber Karl!

Wieder bricht ein Tag unter dem Nußbaum an. Es ist schön und still und friedlich hier, und ich genieße es, daß das Leben – für einen Augenblick – einmal so leise geht, so ohne große Ereignisse innerlich und äußerlich. – Gestern nachmittag war Wölflein da mit Frau und Kind Monnika. Es war sehr nett, und er blieb dann sogar noch zu einem kleinen Abendessen allein zurück, das in Form von Heidelbeerpfannkuchen von ihm, Traub und mir auf der kleinen Holzterrasse fröhlich verzehrt wurde und das uns in unserer nichtzusammengehörigen Zusammengehörigkeit etwas Liebes und Gutes war. –

553 Deine Karte kam gestern abend. Vielen Dank! Nun bin ich froh zu wissen, daß Alles und daß es Allen gut geht. Frl. S[eifert] ist inzwischen eingerückt, und zwar nach einer heutigen Karte voll Bereitschaft und Freude. Sie macht es gewiß gut, und ich gönne es ihr so von Herzen. Sie ist so erschütternd einsam. –

Wenn du mich – morgen Donnerstag abend – aus irgend einem Grunde doch anrufen solltest, Honnef 525, so tue es mit Voranmeldung auf meinen Namen. Ich bin nämlich erst wohl von 9 h an zuhause, da ich um 8 h zur Ärztin bestellt bin. Es geht gut voran, und ich darf Samstag wohl fahren und vielleicht schon ohne großen Verband.

Es grüßt dich

deine
L.