Brief Nr. 226 · 10. Juli 1935

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Bad Honnef

553

226

L.L.

Gestern war es nun den ganzen Tag wie ein Orkan am St. Alban-Ring: Kisten und Kasten brachen in mächtigem Sturm herein und wollten ausgepackt sein. Nun, das Schlimmste ist, wenigstens in der V[atikan]-Stadt, wohl bereits überwunden. Alle Bücherschäfte bis auf einen in deinem Zimmer stehen und sind besetzt. Was nun noch kommt, ist die freilich unübersehbare Detailordnung. Frl. Seifert ist eingetroffen und hilft mit Mut und Kraft. Auch Markus ist schon hier. N. macht es mir, ohne es zu wollen und zu merken, mit ihrer Art dauernd schwer. Da du nicht da bist, muß ich nun hinhalten und

554 hinhören. Gestern abend spät noch eine ungemeine Aufregung wegen eines verlegten Geldbeutels! Aber das will und wird nun getragen werden.

Ich hoffe so, daß es dir in der Hauptsache gefällt. Frl. S. ist rastlos bemüht zu ordnen, was geordnet werden kann.

Gruß!

Dein
K.

(Von heute ab draußen!)1
Einen sehr lieben Gruß von Deinem Fränzeli

Sachfußnoten

1
D. h. Barth hielt sich fortan nicht mehr bei seiner Tochter, sondern in seinem neuen Haus am St. Albanring 186 auf.↩