Vorwort
VORWORT
I. Zu dieser Edition
In den Jahren 1916–1921 war
Die konzentrierte Arbeit an neutestamentlichen Texten setzte Barth nach seiner überraschenden Berufung als Honorarprofessor für Reformierte Theologie an der
Von diesen Lehrveranstaltungen sind in die vorliegende Sammlung, welche die seitherigen Editionen der exegetischen Werke Barths in der Gesamtausgabe fortsetzt6, die Erklärung des Epheserbriefes W.S. 1921/22 und die Erklärung des Jakobusbriefes W.S. 1922/23 aufgenommen. In stark überarbeiteter Form hat Barth die Vorlesung über den Jakobusbrief an der
Abgesehen von einem kleineren Teilabdruck aus der Jakobusbriefvorlesung von 1922/23 werden alle Auslegungen hier erstmals publiziert. Der
II. Die einzelnen exegetischen Arbeiten
1. Epheserbrief 1919/20
Ein markanter Schwerpunkt in der Arbeit
Die Bedeutung der fortlaufenden Auslegung des Epheserbriefes 1919/20, die Barth im Manuskript mit der Überschrift «Der Epheserbrief 1919» versehen hat, obschon er über den Jahreswechsel hinaus damit beschäftigt war, besteht einmal darin, dass sie neben der homiletischen Auslegung die einzige vollständige exegetische Auslegung dieser Schrift von Barth ist. Zum anderen ermöglicht der Abdruck im Vergleich mit den Predigten, sich ein Bild von dem Stand der exegetischen und hermeneutischen Neuorientierung Barths noch in der pfarramtlichen Praxis zu machen. Barth hatte zunächst im Sommer 1919 eine Auslegung für die Predigten erarbeitet. Beim Verfassen der exegetischen Kommentierung im Winter 1919/20 wurden in einem zweiten Schritt18 «Anmerkungen» im Schema einer knappen Wort-für-Wort-Auslegung der Übersetzung angeschlossen. In einem dritten Schritt hat Barth die Erläuterung zur betreffenden Perikope noch in einem Summar der zugehörigen Predigt gebündelt, das interessanterweise öfter eine neue Akzentuierung gegenüber der gehaltenen Predigt bringt. Später - wohl im Herbst 1921 - hat Barth den Epheserbrief 1919/20 als Vorstufe seiner bevorstehenden Göttinger Vorlesung über den Epheserbrief verwendet, wie seine Sternchen-|XIIRandnotizen im Manuskript zeigen. Sie markieren einen Ausschnitt aus der von
2. Erklärung des Epheserbriefes W.S. 1921/22
Die ersten Suchbewegungen nach Themen für Lehrveranstaltungen im ersten Göttinger Semester wurden rasch wieder verworfen.19 Im Brief vom
23.5.1921 an Thurneysen teilte
XIIIIn der Zeit des Übergangs vom Pfarramt ins universitäre Lehramt befand sich
Vor Antritt der Professur besaß Barth also nicht viel Muße, um sich für die Lehrveranstaltungen über den Heidelberger Katechismus und den Epheserbrief vor dem Semesterbeginn vorzubereiten. Dennoch wollte er sich Zeit nehmen, um Kommentare über den Epheserbrief zu lesen. Im Sommer 1921 muss sich Barth darüber brieflich mit seinem künftigen Fakultätskollegen Erik Peterson (1890–1960), Privatdozent für Kirchengeschichte und Christliche Archäologie, ausgetauscht haben. Peterson hat daraufhin und im Blick auf den von ihm diagnostizierten Kenntnisstand der Studenten vorgeschlagen, vor allem den Text zu erläutern, ohne auf die Literatur einzugehen: «Warum wollen Sie partout so viel Kommentare lesen? Hauptsache ist doch, dass die Studenten sich erst einmal den biblischen Text ansehen.»24 Obwohl er diese Intention durchaus teilte, hat Barth sich nicht an den Rat Petersons gehalten, wie die in den Gang der Vorlesung eingebaute Literatur zeigt.
Die Epheserbrief-Vorlesung hat Barth am 10.11.1921 begonnen. Sie fand am Donnerstag um 12 Uhr statt. Eine Vorlesungsstunde, wenn Barth sich nicht beim Datum verschrieben hat, wurde am Mittwoch, den 25.1.1922, gehalten. Barth schildert, dass er bei aller Freude am Unterricht mit den Anforderungen der Professur zu kämpfen hatte |XIV und wie sehr er im Semester davon in Atem gehalten war, den Stoff für die Vorlesung aufzubereiten: «In den Briefen mags ja wohl recht munter tönen. Aber du solltest mich sehen an den Vorlesungstagen, wo ich um 6 Uhr aufstehe und dann - um 8 Uhr einen Teller Suppe verschlingend - krüpple bis Schlags 12 Uhr, wo ich in vollem Galopp die vier Straßen hinunterrenne meinem Pültlein entgegen. Und du solltest meine bangen Sorgen kennen angesichts der Türme von Stoff, die ich nicht beherrsche und über die ich doch irgend etwas halbwegs Zureichendes sollte sagen können.»25
Es liegt auf der Hand, dass
In zwölf Vorlesungsstunden kommt Barth in der Tat nur bis zum Schluss des ersten Kapitels des Epheserbriefes. In der dreizehnten und letzten Stunde am
23.2.1922 gibt er lediglich einen Überblick über die Kapitel 2-6. Es ist nur allzu verständlich, dass seine Studenten nach dem Fortgang der Vorlesung sich erkundigen, wie eine Randnotiz Barths im Vorlesungsmanuskript belegt. Eine Gliederung hat Barth |XV seiner Auslegung nicht vorangestellt. Im Fortgang der Vorlesung unterteilt er die Abschnitte im 1. Kapitel des Epheserbriefes wie folgt: V. 1-2; V. 3-14; V. 15-23.
Das Problem der Verfasserschaft und der Adressierung erörtert Barth einleitend relativ ausführlich, indem er in der fortlaufenden Textinterpretation darauf Bezug nimmt. Barth ist der Meinung, dass der Epheserbrief von Paulus stammt. Jedoch ist er weniger an der historischen Verifikation dieser Zuschreibung als viel mehr an den inhaltlichen Aussagen des Epheserbriefes interessiert: Mit dem apostolischen Gruß in
XVI
3. Erklärung des Jakobusbriefes W.S. 1922/23
und Erklärung des Jakobusbriefes W.S. 1928/29
Die erste Jakobusbriefvorlesung hat
Die Göttinger Vorlesung über Jakobus fand mittwochs um 12 Uhr statt. Die Vorlesung vom 10.2.1923 musste Barth wegen Grippe ausfallen lassen. Die letzte Vorlesung wurde am Mittwoch, dem 28.2.1922, gehalten. Es fehlen, wie in der Manuskriptbeschreibung erwähnt, zweimal die Datumsangaben. Sie müssen in eckigen Klammern ergänzt werden.
XVII Die zweite Jakobusbrief-Vorlesung in
Bei der Vorlesung über den Jakobusbrief von 1928/29 handelt es sich um eine in vielen Passagen stark veränderte Überarbeitung der Vorlesung von 1922/23. Der Arbeitsprozess in der Vorbereitung der beiden Vorlesungen war unterschiedlich gestaltet. Die Vorlesung von 1922/23 hat Barth anscheinend Woche für Woche für die jeweilige Vorlesungsstunde ausgearbeitet, die Vorlesung von 1928/29 hat er vermutlich an einem Stück oder doch in größeren Abschnitten vor (und während?) des Semesters in die Maschine geschrieben. Zur Vorbereitung der Vorlesung von 1928/29 hat Barth mit Sternchen-Randanmerkungen in die Vorlesung von 1922/23 neuere Literatur mit Kernaussagen eingetragen. Mag er zunächst vielleicht gemeint haben, mit solchen Ergänzungen die Vorlesung im übrigen unverändert noch einmal halten zu können, so muss doch bald in ihm der Entschluss gereift sein, die Vorlesung für das Wintersemester 1928/29 noch einmal von vorne zu beginnen und sie in neuer Bearbeitung vorzutragen.
Es ist klar, dass für die Edition weder ein Verzicht auf die erste Vorlesung als herausragendes Dokument der Herausbildung einer spezifisch theologischen Exegese in der Göttinger Zeit in Frage kam noch ein Verzicht auf die zweite Vorlesung, die ein wichtiges Dokument auf dem Weg von der «Christlichen» zur «Kirchlichen Dogmatik» darstellt. Wenn trotz der einzelnen unverändert gebliebenen Teile ein Abdruck beider Vorlesungen unerlässlich scheint, so bietet sich die Synopse nicht von Zeilen, sondern von Abschnitten als die lehrreichste Darbietungsform an. Man lese etwa S. 282–285 im Vergleich der beiden Texte, um sich zu verdeutlichen, dass der Verzicht auf eine der beiden Vorlesungen ein Verlust an Einsicht in die lebendige Entwicklung der Barthschen Exegese bedeutet hätte.
Der Abdruck beider Vorlesungen macht sichtbar, dass Barth den Aufbau in der zweiten Jakobusbriefvorlesung nicht an allen, aber doch an vielen Stellen verändert hat. Dieser Tatbestand lässt sich kaum dadurch erklären, dass Barth verschiedene Abschnitte aus einem tech|XVIIInischen Bedürfnis umgestellt habe. Vielmehr befolgt
Die parallele Gegenüberstellung der beiden Jakobusbriefvorlesungen hat den doppelten Vorteil, dass jede Vorlesung für sich im Zusammenhang oder beide Vorlesungen abschnittsweise im synoptischen Vergleich gelesen werden können. Damit steht ein hervorragendes Arbeitsinstrument zur Verfügung – wie es sich beispielsweise auch in der Herausgabe der Lutherschriften in der Weimarer Ausgabe bewährt hat, wenn etwa neben der Druckausgabe einer Vorlesung oder einer Predigt auch das Originalmanuskript oder eine ursprüngliche Nachschrift vorliegt –, um die Veränderungen in Barths Denken detailliert nachvollziehen zu können. Barth war ja in der Zwischenzeit einen weiten theologischen Weg gegangen, liegen doch zwischen der ersten und der zweiten Jakobusbriefvorlesung zwei komplette Zyklen von Dogmatikvorlesungen («Unterricht in der christlichen Religion» 1924-1926; Christliche Dogmatik 1926-1928), die erste Behandlung der Theologiegeschichte des 19. Jahrhunderts (1926) und der erste Durchgang durch die Ethik (1928–1929). So kann der Vergleich bemerkenswerte Einblicke zur Entwicklung von Barths Theologie auf dem Weg vom «Römerbrief» zur «Christlichen Dogmatik» und weiter zur «Kirchlichen Dogmatik» erbringen.
Im Rahmen eines Vorworts kann nur beispielhaft darauf hingewiesen werden, wie reizvoll und aufschlussreich es ist, die Differenzen wahrzunehmen und zu untersuchen. Barth diskutiert die Hypothese, dass der Jakobusbrief aus einer ursprünglich jüdischen Schrift unter Hinzufügung der Worte «Jesus Christus» in Jak. 1,1; 2,1 sekundär in eine christliche verwandelt worden sei (S. 160f.180f.196.204f.). Barth hält die These in der Vorlesung 1922/23 für den «übertriebenen Aus|XIXdruck einer richtigen Empfindung» (S. 180), in der Vorlesung 1928/29 differenzierend «einer nicht unrichtigen Empfindung» (S. 181). Bemerkenswert ist
Barth setzt sich dafür ein, dass der Jakobusbrief als Teil des neutestamentlichen Kanons ernst zu nehmen ist. Er stellt sich den historischen Problemen der Entstehungszeit, der Verfasserfrage und der Adressierung. Barth datiert im Einklang mit der damaligen Forschungslage den Jakobusbrief auf den Zeitraum 50-150 n.Chr. bzw. 80-130 n.Chr., ohne sich festlegen zu wollen (S. 166f.). Damit lässt er auch die Verfasserfrage offen. Die Erörterungen der Problematik mit dem Referat der Positionen, die Barth wiederum in die fortlaufende Versexegese eingebettet hat, schließt er mit der kategorischen Forderung ab: «An die Stelle der Einleitung hat sofort die Erklärung zu treten» (S. 178f.). In diesem kurzem Votum zeigt sich eine Typik der Barthschen Auffassung von Exegese, die er wie beim Epheserbrief in Auseinandersetzung mit den maßgeblichen Kommentaren sowie weiterer Literatur betreibt, indem er wieder bis auf die reformatorische Auslegung zurückgeht, die durch Luther, Calvin und Zwingli repräsentiert ist.
Äußerungen Barths über seine erste Jakobusbriefvorlesung sind in den Brief- und Gesprächsbänden der Gesamtausgabe nicht gerade häufig anzutreffen, die zweite wird im Briefwechsel mit Thurneysen überhaupt nicht erwähnt. Auf einer Postkarte vom
22.11.1922 teilt Barth Alfred de Quervain mit, die Jakobusbriefvorlesung von der im selben Wintersemester 1922/23 gehaltenen Zwinglivorlesung abhe|XXIbend: «Mit besserem Gewissen und mehr Freude bearbeite ich den Jakobusbrief. So kann man mich jetzt warm (und unter Warnungen vor der lutherischen Glaubenshybris!) für den Renaissancemenschen und für ‹tätiges Christentum› eintreten hören, dass mir selbst oft fast die Ohren sausen, wenn ich mir zuhöre.» (KBA 9222.77) Auch seiner Mutter gegenüber bringt
Die Bezugnahmen im Barth-Thurneysen Briefwechsel sind spärlich, doch aufschlussreich. Für Barth ist Jakobus eine wesentliche Stimme im frühen Christentum, wie er im Rundbrief vom 23.1.1923 über seine Vorlesung schreibt: «eben doch ein ‹Zeuge›, der ‹es› gemerkt hat, nur daß er, einer irgendwie versumpfenden Christenheit gegenüber, einseitig als Bußprediger redet und immer ad hominem, an den einzelnen als solchen. Es stehen doch ganz rasante Sachen darin, die schon Licht geben, wenn man sie genau ansieht.»30
Es ist von besonderem Interesse, wie Barth Jakobus und Paulus ins Verhältnis setzt. Barth entwickelt die These, «dass, gerade von der scharf erfassten entgegengesetzten Ansicht des Paulus aus, die Möglichkeit und Notwendigkeit besteht, den Jakobus auch zu hören mit seiner anderen Ansicht» (S. 474). Über seine im Kolleg vorgetragene Analyse zu Jak. 2,14-26 führt Barth im Rundbrief vom
28.2.1923 aus: «Jakobus habe ich vorgeführt als zähen und guten Flankenangriff auf den Paulinismus, bei dem auch Paulus selber eins wegbekomme, natürlich unter Mißverständnis. Das erwünschte Schauspiel, daß das Neue Testament in seinen wichtigsten Sätzen sich selbst aufhebe und alle Dogmatik zum vornherein zum Gleichnis mache. Sachlich natürlich ein Vorstoß zugunsten des ‹Ernstes› gegenüber der Religion.»31 Begründeter als in diesem leichthändig formulierten Briefzitat zeigt sich in Barths Behandlung dieses Problems in den Vorlesungen eine weitere charakteristische exegetische Grundhaltung, indem er einander entgegenstehende neutestamentliche Textaussagen, wie hier die jakobäische und paulinische Rechtfertigungslehre, nicht einseitig auflöst, sondern als Spannungsmomente zu erhalten sucht. Vielleicht ist |XXII das für
Freilich gehört zur Vorgeschichte der Vorlesungen auch eine bisher unveröffentlichte Predigtreihe mit 18 Predigten, die Barth als Vikar in Genf über den Jakobusbrief im Zeitraum vom 9.1.1910 bis 7.8.1910 gehalten hat.32 Der Tenor dieser Auslegung wird gleich in der ersten Predigt über Jak. 1,1-2 (KBA 1006) deutlich: «Advent und Weihnacht und Neujahrstage liegen wieder einmal hinter uns, und wir alle sind in das Leben zurückgekehrt, das man ja wohl so das ‹Alltagsleben› zu nennen pflegt. […] Und ich meine, es ist gut, wenn wir es versuchen, uns auch hier in der Kirche auf den Alltag einzurichten, so gut unser Christentum es tun muss. Denn eine Frömmigkeit, die etwas taugen soll, muss ja gerade Frömmigkeit des Alltags sein, nicht so ein schönes, aber im Grunde genommen unnützes Festgewand, das man wohl vier- oder fünfmal des Jahres aus dem Schrank hervorholt, um in den Zwischenzeiten um so ungenierter in ganz anderen Gewändern umherzugehen. […] Und nun wollen wir’s an diesem Sonntag und an einigen folgenden versuchen, zu sehen, wie das ist, wenn Frömmigkeit Leben, Alltagsleben wird. Wohlverstanden: wir haben’s dabei nötiger als je, immer wieder nach den Quellen zu fragen; und die Meinung ist nicht, als ob wir dabei von einer anderen Sache redeten als in den Festtagen. Wir betrachten dieselbe Sache, aber diesmal recht ausdrücklich von einem anderen Ort aus, nämlich vom Standpunkt des Werktags. Ich habe mir gedacht, dass wir uns dazu einige Mal mit dem Jakobusbrief beschäftigen könnten, weil er so recht von einem Werktagschristen geschrieben ist und sein Inhalt Werktagschristentum. Die Sonntagsfreude wird darüber nicht zu kurz kommen.»
In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass Barth in seiner ersten Predigt nach dem Safenwiler Pfarramt in
XXIII Aus dem schon zitierten Rückblick im Rundbrief vom
28.2.1923 geht hervor, dass
Prospektiv machen die Jakobusvorlesungen deutlich, dass Barth Themen anklingen lässt, die später von herausragender Bedeutung sein werden. In der Vorlesung von 1922/23 hebt Barth im Jakobusbrief die Identität von Evangelium und Gesetz positiv hervor und bezieht damit in diesem Punkt deutlicher Position als bis dahin35: Jakobus «will nicht a) das Evangelium, b) das Gesetz predigen, sondern unmittelbar das Evangelium als Gesetz, das Gesetz als Evangelium» (S. 220). In der zweiten Vorlesung hält Barth fest: «Gesetz und Evangelium fallen für diesen Bußprediger nicht auseinander» (S. 217). Vom Verständnis des Glaubens als verantwortliche Tat des Menschen gegenüber Gott wird Barth künftig (z.B. KD II/2, S. 859!) ebenfalls mehr Gebrauch machen. Im Blick auf das Bittgebet formuliert er in den Jakobusbriefvorlesungen: «Es ist der Glaube als entschlossene |XXIV Tat des Menschen, der Schritt des Gehorsams, mit dem der Mensch […] sich dem Gott zuwendet, daraufhin dass Gott sich ihm zugewendet hat» (S. 279; vgl. S. 278). «Glaube» wird außerdem als «menschliche Tat» bezeichnet im Kontext des Abschnitts über Rechtfertigung bei Jakobus: «Werke tun heißt existieren im Glauben, und insofern eben nicht nur glauben. Denn der Glaube als menschliche Tat, das, was wir Frömmigkeit nennen, auch die christliche Frömmigkeit steht unter der Frage, ob der Mensch denn auch in ihr oder ihr entsprechend existiere» (S. 499).
Auch außerhalb des Hörsaals war
Barth wurde mehrfach aufgefordert, diesen Vortrag für den Druck zu bearbeiten, so auch von seinem Verleger Albert Lempp. Barth antwortete ihm am 24.5.1929 abschlägig, weil er jetzt in seinem Freisemester vor allem Zeit zum Lesen brauche und im übrigen gerade andere Publikationen vorbereite, so dass seiner Meinung nach «die Bedürfnisse des Publikums an Lektüre aus meiner Feder für dies Jahr als im voraus durchaus gedeckt betrachtet werden dürfen» (KBA 9229.105).
Drei Jahre zuvor hatte Lempp mehr Glück. Lempp benötigte dringend noch einen Beitrag für den Almanach des Christian-Kaiser-Verlags auf das Jahr 1927. Auf einer Karte vom
23.10.1926 an Barth |XXV erwähnt Lempp, dass
Im Winterhalbjahr 1934/35 hielt Eduard Thurneysen als Basler Münsterpfarrer vierzehntäglich eine Bibelstunde über den Jakobusbrief und erbat sich hierfür die Jakobusbriefvorlesung von Barth37, die er dann später als «eine schlechthin fabelhafte Vorlesung» bezeichnet: «Ich bin ganz weg davon und [von] dem Lichte, das sie auf den Text wirft. Ich würde am liebsten an Hand deiner Erklärung Woche für Woche auslegen. Und meine Leute gehen auch mit wie fast noch in keinem Winter. Daß du doch auch wieder einmal so etwas, wenn auch nur bruchstückweise, herausgeben könntest! Ich denke ja manchmal, gerade in deinen Auslegungen verstehe ich dich besser und brennender als viele Andere. Auf alle Fälle: da sind Bergwerke eröffnet, neben |XXVI denen ich alle anderen Auslegungen liegen lasse.»38 In seiner später veröffentlichten Auslegung des Jakobusbriefes hat Thurneysen diese Vorlesungen – spezifisch erwähnt er die erste – verwertet.39
III. Beschreibung der Originalmanuskripte
und des Originaltyposkripts
Das Manuskript der Erläuterungen zum Epheserbrief von 1919/20 mit der Überschrift «Der Epheserbrief 1919» (KBA 12183), das wie die übrigen drei Vorlesungstexte im Karl
XXVII Das Manuskript der Erklärung des Epheserbriefes von 1921/22 mit der Überschrift «Epheserbrief W.S. 1921/22» (KBA 1664.1) liegt auf 33 Einzelblättern im Hochformat 22,5 × 18 cm vor, auf denen durch einen Knick ein breiter Rand für Korrekturen und Zusätze freigehalten ist. Alle Blätter sind auf beiden Seiten mit olivschwarzer Tinte beschrieben, Ergänzungen sind – meist ebenfalls mit Tinte, gelegentlich mit Bleistift – am Rand nachgetragen. Das Datum der einzelnen Vorlesungsstunde ist mit Bleistift am Rand vermerkt.
Das Manuskript der ersten Vorlesung über den Jakobusbrief mit der Überschrift «Erklärung des Jakobusbriefes W.S. 1922/23» (KBA 1667.1) liegt auf 24 einfachen Blättern und 13 gefalteten Doppelblättern im Querformat 22,5 × 18 cm vor, auf denen durch einen Knick ein breiter Rand für Korrekturen und Zusätze freigehalten ist. Alle Blätter sind auf beiden bzw. auf allen vier Seiten mit olivschwarzer Tinte beschrieben, Ergänzungen sind - meist ebenfalls in Tinte, öfter aber auch mit Bleistift - am Rand nachgetragen. Das Datum der einzelnen Vorlesungsstunde ist mit Bleistift am Rand vermerkt. Das Datum vom
27.1.1922 und das vom
17.2.1922 hat
Das Typoskript der Erklärung des Jakobusbriefs von 1928/29 (KBA 1667.2) liegt ohne Überschrift auf 127 einfachen Blättern im Querformat 20,6 bzw. 20,7 × 16,6 cm vor, auf denen durch einen Knick ein breiter Rand für Korrekturen und Zusätze freigehalten ist. Alle Blätter sind auf einer Seite mit Schreibmaschine beschrieben, Ergänzungen sind - meist mit Bleistift, vereinzelt auch mit Tinte - am Rand nachgetragen. Diese Ergänzungen stammen in einem Fall (unten S. 171, Z. 19 – S. 173, Z. 2) möglicherweise aus der Wiederholung der Vorlesung in Bonn im Sommersemester 1930, in den anderen Fällen gehören sie wahrscheinlich zum ursprünglichen für die Vorlesung in
IV. Zur Technik der Edition
Nach den Regeln der Gesamtausgabe wurde die Orthographie behutsam an die heutige Rechtschreibung angepasst (nun auch an die neuen Regeln der ss-Schreibung für ß). Eigentümlichkeiten der Schreibweise
Die zweite Jakobusbriefvorlesung hat teilweise einen anderen Aufbau als die erste. In der Synopse werden Leserin und Leser zur besseren Orientierung einerseits durch Verweise in den Anmerkungen auf das Vorkommen des betreffenden Paralleltextes hingewiesen, andererseits orientieren auch die Anmerkungsziffern, die in solchen Passagen auf eine Anmerkung außerhalb des unmittelbaren Kontextes verweisen, über die Stelle, an der der Paralleltext zu finden ist. Hinzuweisen ist auf den Unterschied zwischen Abschnitten (ohne Einzug), die um der Synopse willen eingesetzt sind, und Absätzen (mit Einzug), die von Barth stammen (oder vom Herausgeber eingefügt sind). Die Anmerkungen zu beiden Jakobusbriefvorlesungen, die zu einem guten Teil ja inhaltlich gleich sind, sind in einem Apparat zusammengefasst, der jeweils über beide Seiten geht. Dabei ist zu beachten, dass die nummerische Reihenfolge der Anmerkungsziffern im Text der beiden Vorlesungen durchbrochen ist, weil infolge des veränderten Aufbaus der Vorlesung 1928/29 auf Fußnoten verwiesen wird, die weiter oben oder unten gesetzt sind. Die fortlaufende Nummerierung im Anmerkungsapparat bleibt bestehen.
In den Anmerkungen, die über die Verweise auf die exegetische Fachliteratur hinaus auch die für Barth als Schriftsteller so charakteristischen literarischen und zeitgeschichtlichen Anspielungen auf ihren Ursprung beziehen und so übrigens auch für Leserinnen und Leser außerhalb des deutschen Sprachraums verständlicher machen wollen, sind vermutlich für die einen zu viele, für die anderen zu wenig Erklärungen gegeben. Das ist wohl auch deshalb unvermeidlich, weil die Grenze nicht scharf zu bestimmen ist zwischen einem «Geflügelten Wort», dessen Herkunft und Ort Teil seiner Bedeutung sind, und einer in den allgemeinen Sprachgebrauch abgesunkenen geprägten Wendung, deren Ursprung nicht mehr bewusst ist.
Barths Handbibliothek mit der von ihm gesammelten exegetischen Literatur ist von Ausnahmen abgesehen im Karl Barth-Archiv vor|XXXhanden. Die bibliographischen Daten können via Internet im Katalog der Universitätsbibliothek Basel eingesehen werden, in dem die Bände aus
V. Dank des Herausgebers
Die Arbeit an dieser Edition wurde von mir in einer ersten Phase während der Beurlaubungszeit, die mir vom Evangelischen Oberkirchenrat Stuttgart genehmigt wurde und in der ich auch eine neutestamentliche Dissertation verfasste, und in einer zweiten Phase vornehmlich in Lukubrationen, wie
XXXI Ich habe vielfältigen Anlass, mich für die Unterstützungen, die ich bei den Editionsarbeiten erfahren habe, zu bedanken. Bei Aufenthalten in Basel konnte ich mich der Gastfreundschaft des früheren Leiters des Karl
Herr Dr. Stoevesandt hat mir den Einstieg in die Edition ermöglicht und in der Anfangszeit manche Hilfe gewährt. Herr Dr. Drewes hat die Edition in allen Arbeitsgängen stark gefördert. In anregenden Gesprächen hat Herr Dr. Drewes viele Hinweise gegeben, die Transkription der schwierig zu entziffernden Manuskripte kontrolliert, die zahlreichen technischen Arbeitsvorgänge dieser Edition überwacht und darüber hinaus durch eigene Nachforschungen in Bibliotheken und im Karl Barth-Archiv komplexe Rekonstruktionen für die Edition unternommen. Ganz entscheidend ist es seinem persönlichen, tatkräftigen und zeitintensiven Engagement zu verdanken, dass die Edition in diesem Jahr erscheinen kann. Ihm gegenüber möchte ich deshalb meinen großen Respekt und meinen herzlichen Dank aussprechen.
Weiter gilt mein freundlicher Dank Frau Margrit Müller (Basel), Frau Dr. Katja Tolstaja M. A. (Kampen, Niederlande), Frau Patricia Rich (Philadelphia, USA /Bern) und Frau Mirjam Stritt (Basel) für ihre engagierte Unterstützung der Edition. Herr Pfarrer Marcel Wittwer (Aarau) hat sich große Verdienste um die Einrichtung der Synopse der beiden Jakobusbriefvorlesungen erworben; er hat auch den griechischen Text besorgt und die Grundlagen für die Register gelegt. Für diesen herausragenden Einsatz gebührt ihm mein bester Dank! Herr stud. theol. Andreas Betschart (Bettingen) hat in ähnlich verdienstvoller Weise vor allem bei den beiden Auslegungen des Epheserbriefes durch die Vereinheitlichung des Anmerkungsapparates, die Codierung des Namenregisters und die Formatierung der Druckvorlage mitgeholfen. Auch dafür möchte ich mich bedanken. Schließlich danke ich Herrn Volker Mehnert und Herrn Thomas Ziegler von der pagina GmbH Tübingen und Frau Marianne Stauffacher, der Leiterin des TVZ-Verlages Zürich, für die sachkundige Betreuung des Bandes.
XXXII Ich freue mich, dass die Edition der exegetischen Werke
im November 2009Jörg-Michael Bohnet