1919 – 1920

Epheserbrief 1919/20

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Epheserbrief
1919/20

Epheser 1,1-14
Die Botschaft des neuen ­Testamentes1

1 Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes: An die Heiligen in Ephesus, die gläubig sind in Christus Jesus. 2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

3 *1 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns mit dem ganzen geistlichen Segen der himmlischen Welt gesegnet hat in Christus.

4 *2 In ihm hat er uns erwählt*3, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten sein heilig und unanfechtbar vor ihm. In Liebe*4 5 hat er uns dazu ausersehen, dass wir durch Jesus Christus seine Kinder sein sollten nach dem Wohlgefallen seines Willens 6 zum Lobe der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in seinem Geliebten.

7 *5 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 welche uns reichlich |4 geschenkt ist als vollkommene Weisheit und Klugheit. 9 Er hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens: nach seinem Wohlgefallen 10 (zur Durchführung in der Fülle der Zeiten, wie er es sich vorgenommen) alle Dinge im Christus wieder zusammenzufassen, die himmlischen und die irdischen in ihm.

11 In ihm sind wir auch Erben geworden: wir, die wir dazu ausersehen waren nach dem Plan dessen, der alles nach seines Willens Ratschluss bewirkt, 12 so dass wir zum Lob seiner Herrlichkeit als die Ersten Hoffnungsmenschen werden durften in Christus.

13 In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Errettung, durch den Glauben an ihn versiegelt worden mit dem verheißenen Heiligen Geist, 14 der das Angeld unseres Erbes ist bis zur Einlösung unseres Eigentums zum Lob seiner Herrlichkeit.

Anmerkungen

V. 1 Der Christus ist der Messias, der neue Mensch von oben, der die Herrschaft Gottes bringt und aufrichtet.

Glaube ist dasselbe Wort wie Treue, «gläubig in Christus» sind die, die den Messias und die in ihm der Welt erwiesene Treue Gottes erkennen.

Heilig sind sie durch das, was Gott an ihnen tut und mit ihnen vor hat.

V. 3*6 Die himmlische Welt ist die uns verborgene ewige Welt Gottes, deren Bedeutung und Kraft uns im Christus wieder bewusst wird.

V. 4-6*7 Die Erwählung*8 ist das Verhältnis zwischen Gott und denen, die in Christus seine Treue erkennen. Nicht ihre Tugend und Frömmigkeit, sondern die Freiheit Gottes in ihnen macht sie zu dem, was sie sind.

5 V. 7-10 Erlösung.*9 Diese Freiheit Gottes in der Menschheit ist im Tode des Christus zustandegekommen, und dort ist sie für die Menschheit zu finden. Das ist die christliche Erkenntnis, der Ausblick auf unsern Ursprung in Gott und eben damit das Verständnis für das Leben.

Die Fülle der Zeiten.*10 Der Inhalt der Zeit ist die Ewigkeit, mit der sie im Christus erfüllt wird.

Alle Dinge zusammenzufassen ist Gottes Absicht, nachdem die Einheit der ewigen und der zeitlichen Welt jetzt zerstört ist und erst wieder hergestellt werden muss.

V. 11-12 Dazu ausersehen. In der Gesamtheit der Menschen sind es immer einzelne, bestimmte Menschen, in denen die christliche Erkenntnis durchbricht und die so den andern vorangehen in der Hoffnung des himmlischen Erbes.

V. 13-14*11 Der Heilige Geist ist die versöhnende, wachstümliche und reinigende Kraft, die die im Christus geschehene Erlösung für diese bestimmten Menschen hat.

Predigt vom 4. Mai 19192

Die Welt steht still. Das Leben steht still. Der Mensch steht still. Wir sehnen uns umsonst nach Veränderung, bis Gottes lebendiges Wort an uns das Ganze in Bewegung bringt. In Christus erscheint in der Zeit die Ewigkeit, als neuer Boden, als neue Ordnung, als neues Ziel. In Christus sein heißt die Frage hören und die Antwort, die uns in ihm gegeben ist.

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Epheser 1,15-23
Das göttliche Vorwärts

15 Darum, nachdem ich vernommen von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, 16 höre ich nicht auf, für euch zu danken und eurer zu gedenken in meinen Gebeten, 17 dass der Gott unseres Herrn Jesus, des Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung in der Erkenntnis Gottes, 18 die Erleuchtung der Augen eures Herzens, dass ihr wisset, was für eine Hoffnung euch durch seine Berufung gegeben ist, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes ist für seine Heiligen 19und was es ist um die überwältigende Größe seiner Kraft für uns, die wir glauben, in3 der Betätigung der Macht seiner Stärke.

20 Diese hat er betätigt im Christus, indem er ihn von den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in der himmlischen Welt 21 über alle Ursprünge4 und Gewalten und Kräfte und Herrschaften und über alles, was nur einen Namen haben kann nicht nur in dieser, sondern auch in der zukünftigen Welt, 22 und hat ihm alles zu Füßen gelegt und hat ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, 23 welche sein Leib ist, die Erfüllung dessen, der selbst alles in allem erfüllt.

Anmerkungen

V. 17 Der Geist ist Gottes eigener Geist, darum ein5 anderer Geist, als unser Geist, darum muss er uns immer wieder neu gegeben werden.

V. 18 Erleuchtung unserer Augen ist notwendig, damit wir über unseren Glauben und unsere Liebe (V. 15) hinaus immer wieder hinaussehen auf das, was Gott selbst an uns tun will, und über unsere Ideale hinaus auf das ewige Ziel der Hoffnung, von der wir bewegt sind.

V. 20 Im Christus ist uns ja nicht ein religiöser Fortschritt und überhaupt kein menschlich erreichbares Ziel gegeben, wohl aber das |7 absolute ewige himmlische Sein und Wesen6 des Menschen in Gott (Auferstehung!).

V. 21 Über alle Ursprünge.7 Es gibt für uns keine Wahrheit an sich, kein Gutes an sich, keinen Wert an sich. In Gott allein hat jedes Ding seinen Grund und Sinn.8

V. 22-23 Die Gemeinde des Christus aber steht bittend, suchend und anklopfend auf der Schwelle dieser Erkenntnis Gottes und des Lebens, erfüllend, weil sie erfüllt ist, erleuchtend, weil sie erleuchtet ist.9

Predigt vom 11. Mai 191910

Gott allein lebt. Alles eigene Leben in der Welt ist Auflösung und Tod. Darum können uns alle unsere Gedanken und Werke niemals befriedigen. Darum dürfen wir nie darin stehen bleiben. In Christus ist die Wahrheit unseres Lebens hereingebrochen, demütigend, aber auch aufrichtend, der Sieg über die widerstrebenden Weltkräfte, das große göttliche Vorwärts, das uns nie zur Ruhe kommen lässt und in dem wir allein zur Ruhe kommen.

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Epheser 2,1-10
Die Kraft der Auferstehung

1 Auch ihr waret tot in euern Übertretungen und Sünden, 2 in welchen ihr einst gewandelt seid nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk treibt in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter welchen auch wir alle einst unsern Wandel11 gehabt in den Lüsten des Fleisches und taten unserm Fleisch und unsern Meinungen den Willen und waren auch Kinder des Zornes von Natur gleich wie die andern.

4 Gott aber, der da reich ist an Barmherzigkeit, hat uns – um seiner großen Liebe willen, mit der er uns liebte, 5 obwohl wir tot waren in den Übertretungen – samt dem Christus lebendig gemacht (durch Gnade seid ihr gerettet!) 6 und hat uns samt ihm auferweckt und samt ihm in die himmlische Welt versetzt im Christus Jesus, 7 auf dass er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den grenzenlosen Reichtum seiner Gnade durch seine uns im Christus Jesus widerfahrene Güte.

8 Denn aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben – und dasselbige nicht aus euch: Gottes Gabe ist es – 9 nicht aus eurem Tun, auf dass sich niemand rühme! Denn wir sind sein Werk, 10 geschaffen im Christus Jesus zu gutem Tun, welches von Gott her für uns bereit ist, dass wir darin wandeln sollen.

Anmerkungen

V. 1 Tot sind alle Dinge an sich, tot ist alles von seinem Ursprung gelöste, selbständige Leben.

V. 2 Der Lauf dieser Welt. Der Todeszustand der von Gott gelösten Menschen ist zugleich ein allgemeiner. Denn der Mensch ist die Welt und die Welt ist der Mensch.

Der Fürst, der in der Luft herrscht. Durch die Lösung von Gott entsteht eine selbständige Gottheit. Die Finsternis bekommt ihre eigene Ordnung und Macht in der Luft (im ganzen Lebensgebiet des Menschen). Unser Gott ist ja immer das, was wir über alle Dinge fürchten, ehren und lieben.12

9 V. 3 Unser Fleisch und unsere Meinungen. Die leiblichen und geistigen (psychologischen) Notwendigkeiten an sich ohne Zusammenhang mit der Wahrheit, mit dem Grund unseres Wesens.

Natur. Nicht die ursprüngliche, sondern die zerstörte Natur.

V. 5 Obwohl wir. Gottes Liebe geht unserer Liebe immer voraus, ist immer jenseits von unserm Gut und Böse, eine völlig neue Erschließung des uns verlorengegangenen Ursprungs unseres Daseins. Vgl. Röm. 5, 6-10.

Samt dem Christus. Die Veränderung des jetzigen Todeszustandes durch das in der Auferstehung inmitten dieser Welt erschienene unmittelbare Leben aus Gott.

V. 7 Auf dass er erzeigte. Gott liebt uns nicht um unseretwillen, sondern um seiner selbst willen.

In den zukünftigen Zeiten. Die Auswirkung dieser Veränderung ist zunächst eine verborgene. Ihre Vollendung und Enthüllung ist kein zeitliches, sondern ein ewiges Ereignis. Uns genügt die vollzogene Tatsache der Veränderung.

V. 8 Aus Gnade – nicht aus euch. Die rettende Erkenntnis dieser Veränderung vollzieht sich in einer immer neuen Aufhebung alles dessen, was wir bis jetzt wussten, wollten und fühlten, in einem immer neuen Suchen unseres Ausgangspunktes in Gott selbst.

V. 9 Euer Tun. Alle menschliche Größe (Religion, Moral, Wissenschaft, Politik usw.), sowie sie wieder etwas von Gott Losgelöstes, Selbständiges sein wollte.

Sein Werk. Der neue Mensch in uns und in der Weltgeschichte verdankt sein Dasein nicht uns selbst, sondern unmittelbar dem freien Willen Gottes selbst (vgl. 1,4-6).

V. 10 Für uns bereit. Alles wirklich Gute, das wir tun können, ist das Abbild eines göttlichen Urbildes, das von uns nicht selbst erzeugt, sondern nur gleichsam nachgezeichnet wird.

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Predigt vom 18. Mai 191913

Gott ist das Leben unseres Lebens. Er regiert auch in unserem Zweifel, in unserer Sünde, in unserem Sterben. Seine Wahrheit meinen wir ja auch mit unserer Tugend und Frömmigkeit, mit denen wir an ihm vorbei eifern. Er ist auch die verborgene Unruhe im Gang der Weltgeschichte. Er ist immer zuerst da, und das letzte Wort ist schon gesprochen: Wir sind gerettet. Diese Macht Gottes über uns ist der lebendige Jesus. Nicht das Christentum, nicht die Kirche, sondern er selbst, der nur aus seiner Verborgenheit hervorzutreten braucht, um Alles klar zu machen, was jetzt schon gewiß ist.

Epheser 2,11-22
Frieden auf Erden

11 Darum erinnert euch daran, dass ihr, die ihr einst nach dem Fleisch Heiden gewesen seid und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die Beschneidung genannt sind (nach dem Fleisch, die mit Händen gemacht ist!), - 12 dass ihr zu jener Zeit außerhalb des Christus waret, ohne Anteil am Bürgerrecht Israels und ohne Anspruch auf die Testamente der Verheißung, ohne Hoffnung und ohne Gott in dieser Welt.

13 Jetzt aber, in Jesus dem Christus, seid ihr, die ihr einst ferne waret, nahe geworden durch das Blut des Christus.

14 Denn er ist unser Friede, er hat aus dem Getrennten Eines gemacht und den Zaun, der dazwischen war, die Feindschaft, niedergerissen. Er hat in seinem Fleische 15 das Gesetz der in Satzungen gebrachten Gebote abgetan, damit er als Friedensstifter aus Zweien einen neuen Menschen schaffe in ihm selber 16 und als ein Leib die Getrennten versöhne mit Gott durch das Kreuz. Er hat die Feindschaft getötet durch sich selbst.

17 Und so ist er gekommen und hat Friede verkündigt euch, die ferne waren, und Friede denen, die nahe waren. 18 Denn durch ihn haben wir, die bisher Getrennten, den Zugang zum Vater in einem Geist.

11 19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20 erbaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, da der Christus Jesus der Eckstein ist. 21 In ihm wächst alles, was darauf gebaut ist, zusammengefügt zu einem heiligen Tempel des Herrn. 22 In ihm werdet auch ihr gebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.

Anmerkungen

V. 11 Nach dem Fleisch Heiden und Unbeschnittene genannt. Der Unterschied zwischen Heiden und Juden ist zunächst der (weltliche) Unterschied zweier Stufen der Religion.

V. 12 Außerhalb des Christus. Weil aber eine besondere göttliche Absicht über Israel war, weil Israel die Verheißung des Messias hatte, war dieser Unterschied ernst und schwerwiegend.

Ohne Gott. Wenn man’s genau nimmt mit diesem Wort! «Gott» ist eben nur dort, wo Gottes Geschichte geschieht. Wo solche auch unter Heiden tatsächlich geschieht, da ist immer auch Christus.

V. 13 Ferne – nahe. Durch die Versöhnung der Menschheit mit Gott ist der14 Verschiedenheit der Religionsstufen ihre Wichtigkeit genommen.

V. 14 Der Zaun, der dazwischen war. Das, was Israel zu einem besondern Volke machte, die göttlichen Forderungen seines Gesetzes, grenzten es ab von den Völkern. Im Christus sind diese Forderungen eine allgemein-menschliche, lebendige Wahrheit geworden. Sie können die Menschen nicht mehr trennen.

Abgetan. Indem er aus der heiligen Gemeinde Israels ausgestoßen und so auch der Heiden Genosse wurde.

V. 15 Ein neuer Mensch ist im Christus geschaffen, weil in ihm der Menschheit, den religiösen Unterschieden zum Trotz, ein gemeinsamer, neuer und wirklicher Lebensinhalt gegeben ist.

V. 16 Ein Leib. Der Leib des Christus, der das Ganze der in ihm verkörperten erlösten Menschheit im voraus darstellt.

V. 18 Der Zugang zum Vater. Stehen die verschiedenen Menschen in derselben Gottesgeschichte, so dient ihr Leben derselben Sache, so sind sie eben untereinander einig.

12 V. 19 Mitbürger der Heiligen: nämlich des Abraham, des Mose und aller, die die Verheißungen Israels empfangen haben.

V. 20 Apostel und Propheten sind die Verkündiger der neuen allgemeinen und alten besondern Wahrheit, die eine und dieselbe ist.

Eckstein. Christus ist der grundlegende Schöpfungsgedanke Gottes, der von den Aposteln des neuen und von den Propheten des alten Testamentes einmütig ausgesprochen wird.

V. 21 Darauf gebaut. Was menschlicherseits dazu kommt.

Tempel. Der neue allgemeine, der jetzt an Stelle des alten, besondern tritt.

Predigt vom 25. Mai 191915

Ohne Gott sind wir Menschen notwendig uneins untereinander. Toleranz an sich ist ein Unsinn; viel zu ernst und zu stark sind die Unterschiede von Recht und Unrecht, Einsicht und Unverstand, die uns trennen. Christus aber versöhnt die Pharisäer und die Weltkinder, indem er beide mit Gott versöhnt. Der Friede liegt im gegenseitigen Tragen und Getragenwerden kraft der gemeinsamen Bewegung.

Epheser 3,1-13
Das Geheimnis der göttlichen Weitherzigkeit

1 Darum bin ich, Paulus, der Gefangene des Christus Jesus für euch Heiden.

2 Ihr habt ja gehört von dem Auftrag, den ich an euch habe durch die mir gegebene Gnade Gottes: 3 wie mir durch Offenbarung das Geheimnis bekannt geworden, von dem ich euch eben in Kürze geschrieben habe. 4 Wenn ihr das lest, müsst ihr euch sagen, dass diese meine Einsicht in das Geheimnis des Christus 5 frühern Geschlechtern der Menschenkinder nicht so bekannt war, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist offenbart ist: 6 dass nämlich die Heiden Miterben, Mitglieder, Mitteilhaber der Versöhnung sind in Christus Jesus durch das Evangelium.

13 7 Sein Diener bin ich geworden durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir durch Betätigung seiner Kraft gegeben wurde. 8 Mir, dem Geringsten unter allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben, den Heiden den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen. 9 Und ans16 Licht zu bringen, wie es steht mit jenem Geheimnis: welches von Ewigkeit her verborgen war in Gott, dem Schöpfer aller Dinge, 10 damit jetzt den Mächten und Gewalten der himmlischen Welt durch die Gemeinde bekannt gemacht werde die mannigfaltige Weisheit Gottes, 11 nach dem ewigen Vorsatz Gottes, den er ausgeführt hat in Christus Jesus, unserm Herrn.

12 In ihm haben wir freien Mut und freien Weg im Vertrauen durch die in ihm bewährte Treue Gottes. 13Darum bitte ich euch, nicht zu verzagen wegen der Bedrängnisse, die ich für euch leide, denn es handelt sich um eure Herrlichkeit.

Anmerkungen

V. 1 Der Gefangene des Christus für euch Heiden ist Paulus in dem Sinn, dass er wegen seiner Gleichstellung von Juden und Heiden in Christus den erstern verhasst und von ihnen verfolgt in Rom in Haft lebt, aber auch in dem andern Sinne, dass er von der Wahrheit: der Mensch als solcher ist Gottes in Christus! gefangen gehalten ist; sie ist die Macht, die ihn hält und beherrscht.

V. 2 Der Auftrag an euch. Die die ganze Menschheit umfassende Tiefe und Weite der göttlichen Gnade ist das Besondere seiner Botschaft.

V. 3 Durch Offenbarung. Diese Weite und Tiefe der Gnade ist aber wirklich etwas Besonderes und ihre Erkenntnis ein Schritt hinaus über das, was wir sonst und sowieso wissen, eine nur bei Gott selbst zu findende, nur von Gott selbst zu bereitende gänzlich neue Einsicht17.

Das Geheimnis. Man soll nie fertig sein damit, nie tun, als ob man das schon wisse; man soll es nicht ausgleichen und ausmünzen und breittreten. Die Wahrheit, dass der Mensch Gottes ist, kann man nicht besitzen, nur immer wieder gewinnen.

14 Geschrieben habe in 2,11-22!

V. 5 Jetzt. Die messianische Gegenwart, die Zeit Gottes, eben darum nicht etwa nur die Jahre 1-30 oder von da bis zur Gegenwart, sondern die Zeit ohne Zeit, in der auch die Propheten des Alten Testaments leben, die Zeit der Erkenntnis des Christus, die alle Zeiten der Länge nach in zwei Hälften schneidet: die «frühern» Geschlechter und die «jetzt» Lebenden.

Heilig. Nicht moralisch gemeint, sondern eine neue Betonung des Besondern, von Gott selbst Gewirkten dieser Erkenntnis.

V. 6 Die Heiden. Hier der Inhalt des Geheimnisses, von dem die Rede ist, - scheinbar schnell begriffen, in Wirklichkeit die denkbar stärkste Umwälzung aller religiös-sittlichen Gewohnheitsgedanken.

V. 7 Durch Betätigung seiner Kraft. Die Erkenntnis des Geheimnisses ist Gottes Werk und Weg. Ohne Licht kein sehendes Auge.

V. 8 Der Geringste. Vgl. 1.Kor. 15,9! Niemand ist so schuldig wie Paulus. Aber auch er darf mitkommen, also auch seine mitschuldigen Brüder, die Heiden.

Der Reichtum der Wahrheit liegt gerade darin, dass sie unerforschlich, nie gesetzt und gegeben, sondern gefunden immer neu das Gesuchte ist. Ihre uns erschreckende Unendlichkeit ist das Gleichnis der Ewigkeit.

V. 9 In Gott dem Schöpfer verborgen. Nun wird in Gott dem Schöpfer Gott der Erlöser  erfunden.

V. 10 Den Mächten und Gewalten der himmlischen Welt. Allen noch so tief begründeten und geistigen Ideen, Gerechtigkeiten und Standpunkten, durch die der unreligiöse und unmoralische Mensch von der Gnade Gottes ausgeschlossen werden soll, wird durch das Vorhandensein der Christus-Gemeinde erklärt, dass sie erledigt sind, dass Gottes Weisheit mannigfaltiger ist, als der Mensch zugeben will. Vgl. Röm. 8,38-39.

V. 11 Nach dem ewigen Vorsatz. Der freie Wille Gottes, der die Christen zu Christen macht. Vgl. 1,4-6; 2,9!

V. 12 Haben wir. Paulus und die Heiden, die eigentlich beide keinen Mut und keinen Weg zu Gott haben.

V. 13 Vgl. V. 1.

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Predigt vom 29. Mai 1919 (Himmelfahrt)18

Der Mensch ist Gottes. Das ist die Sache Jesu auf Erden, die Errungenschaft seines Lebens und Sterbens, das Christentum. Nicht der religiöse, der kirchliche, der gute, der edle Mensch, sondern der Mensch als solcher. Menschliche Gerechtigkeit verbindet nicht mit Gott und menschliche Ungerechtigkeit scheidet nicht von Gott. Der Mensch ist unmittelbar zu Gott in Christus. Aber das ist keine ruhige, sondern eine bewegte Wahrheit, kein Gemeinplatz, sondern eine Entdeckung, die in der Erkenntnis Jesu immer aufs Neue gemacht werden muss.

Epheser 3,14-21
Letzte Möglichkeiten

14 Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater, 15 von welchem alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden, den Namen hat:

16 Er möge es euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit geben, durch seinen Geist am inwendigen Menschen stark zu werden an Kraft, 17 den Christus wohnen zu lassen durch den Glauben in euren Herzen, in der Liebe gewurzelt und gegründet zu werden!

18 Ihr möchtet fähig werden zu begreifen mit allen Heiligen, was es ist um die Breite und Länge, die Tiefe und die Höhe, 19 und zu erkennen die Liebe des Christus, die doch alle Erkenntnis übertrifft!

Ihr möchtet erfüllt werden zur ganzen Gottesfülle!

20 Dem aber, der überschwenglich viel mehr tun kann, als wir bitten und verstehen, nach seiner Kraft, die in uns tätig ist, – 21 ihm sei Ehre in der Gemeinde und im Christus Jesus in allen Geschlechtern von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Anmerkungen

V. 14 Darum. Der Blick auf das Geheimnis der unerschöpflichen Wahrheit Gottes (V. 1-13) leitet auf die Erwägung, dass es auch noch |16 unerschöpfte letzte Möglichkeiten menschlicher Erkenntnis Gottes gibt.

V. 15 Was Kinder heißt. In der geistigen und in der körperlichen Welt sind überall Verhältnisse von Vätern und Kindern, Schöpfer und Geschöpfen, Ursachen und Wirkungen. Aber diese Verhältnisse sind keine Wahrheiten an sich, sondern Gleichnisse und Abbilder. Die Wahrheit und das Urbild ist das natürliche und kindliche Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Paulus möchte mit den Christen nicht stehen bleiben in einem indirekten, mittelbaren Verhältnis zu Gott. Er möchte mit ihnen vordringen vom Meinen zum Wissen. Er wendet sich in seinem Gebet an den Ursprung aller Ursprünge.

V. 16 Nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit. Im Gegensatz zu den beschränkten Bedürfnissen des Menschen, der sich viel zu schnell mit wenig zufrieden gibt.

Stark zu werden an Kraft. Kraft heißt auch Bedeutung. Die undeutliche Anfangseinsicht, die die Menschen haben, soll zu ihrer vollen Bedeutung, Auswirkung und Anwendung kommen.

V. 17 Den Christus wohnen zu lassen durch den Glauben. Mit oder ohne Gefühle! Die Gegenwart des auferstandenen Jesus ist nicht eine Sache der seelischen Begeisterung oder Erschütterung, sondern der Aufrichtigkeit und des Gehorsams. Der Glaube kann armselig sein und doch seine volle Bedeutung und Kraft haben.

In der Liebe gewurzelt und gegründet. Die Liebe ist das Gebiet, wo alles Mein und Dein, alle besondern Sachen, Fahnen, Bewegungen und Standpunkte (Kutter: «Bohnenstecken!»19) ihre ausschließliche Bedeutung verlieren (vgl. 2,13-18). Dieses Gebiet der Freiheit soll in der christlichen Erkenntnis betreten werden.

V. 18 Die Breite und Länge, die Tiefe und die Höhe. Die Wahrheit hat nicht nur zwei Dimensionen: richtig und unrichtig, gut oder böse, schön oder hässlich, gläubig oder ungläubig usf. Ihre Bedeutung bekommen auch diese Bilder durch die Ewigkeit, die in die Zeit so oder so hineinleuchtet, durch den Zusammenhang des Augenblicks, in dem sie auftauchen. Wir dürfen und sollen uns und die Andern in den |17 Zusammenhang der Auferstehung, der Vergebung, der Erlösung stellen.

V. 19 Die Liebe des Christus erzeugt die christliche Erkenntnis, aber darum ist sie selbst nie zu erkennen. Alle einzelne Erkenntnis mündet immer wieder darin, dass wir noch nicht erkennen.

Gottes Fülle. Als letzte Verheißung – und Warnung aber beunruhigt uns immer20 das Ganze der Wahrheit, in dem unsere Erkenntnis allein zur Ruhe kommen kann.

V. 20 Mehr als wir bitten und verstehen. Das Gebet um Verständnis und das Verständnis selbst kann diese letzten Möglichkeiten der Erkenntnis ins Auge fassen. Wir können uns an ihnen orientieren, und das eben soll immer wieder geschehen. Gott begreifen aber kann nur Gott selber «nach seiner Kraft, die in uns tätig ist». So ist die Kraft, Gott zu begreifen, zwar verborgen in uns und ist und bleibt doch Gottes eigene Kraft.

V. 21 Ihm sei Ehre. Darum muss sich alles Bitten und Verstehenwollen letzten Grundes immer wieder zu einem Anfang wenden, zum Lobpreis dessen, den wir nicht suchen würden, wenn wir ihn nicht schon gefunden hätten21.

Predigt vom 8. Juni 1919 (Pfingsten)22

Wir können uns selbst und die Welt nur in Gott verstehen. Der heilige Geist ist das Durchbrechen dieses Verständnisses. Gott tritt bei uns auf den Plan und spricht: Ich bin! Das ist die verborgene Jesusbewegung im Leben der Menschen. Ihr Fehlen ist unsere Not, ihre Gegenwart ist die Hilfe, deren wir warten. Die ersten Christen beugten sich vor dem Gott, der allein sein Werk treiben kann. Der Tag der Pfingsten war die göttliche Antwort auf diese Haltung, die wir erst wieder lernen müssen.

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Epheser 4,1-16
Einheit und Freiheit

1 So ermahne ich euch nun, ich Gefangener in dem Herrn: wandelt würdig der Berufung, zu der ihr berufen seid, 2 mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld! Ertraget einander in Liebe! 3 Seid fleißig, die Einheit des Geistes zu bewahren im Bande des Friedens!

4 Ein Leib und ein Geist, wie ihr ja auch durch eure Berufung zu einer Hoffnung berufen seid! 5 Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe! 6 Ein Gott und Vater aller, der da ist über allem und durch alles in allem.

7 Einem jeden von uns aber ist die Gnade in dem Maß gegeben, als sie ihm in Christus geschenkt ist. 8 Darum heißt es: «Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangen genommen und hat den Menschen Gaben gegeben». 9 «Aufgefahren» – was heißt das anders, als dass er auch niedergefahren ist in die Tiefen der Erde. 10 Der niedergefahren ist, ist derselbe, der auch aufgefahren ist über alle Himmel, auf dass er alles erfülle.

11 Und derselbe ist’s, der die einen als Apostel, die andern als Propheten, die andern als Evangelisten, die andern als Hirten und Lehrer gegeben hat, 12 – alles, um die Heiligen zuzubereiten zu ihrer Dienstleistung am Bau des Leibes des Christus – 13bis wir alle hinankommen zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes zum vollkommenen Mannesalter nach dem Maßstab der Fülle des Christus, 14so dass wir nicht mehr unmündig seien, geschaukelt und umhergeworfen von jedem Wind der Lehre durch das Spiel, das die Menschen treiben in ihrer Schlauheit, im Dienst trügerischen Irrtums, 15 sondern der Wahrheit dienen in Liebe und so wachsen in allen Stü­­cken an dem, der das Haupt ist, dem Christus.

16 Von ihm aus kann der ganze Leib, zusammengesetzt und zusammengehalten durch den Dienst aller Gelenke, unter bestimmter Betätigung jedes einzelnen Teiles wachsen und so sich selbst auferbauen in der Liebe.

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Anmerkungen

V. 1 So ermahne ich euch nun. Ein praktischer Hauptpunkt des Briefes ist offenbar (vgl. schon 2,11-22; 3,1-13), den ehemaligen Heiden und Juden in der Gemeinde ihre jetzige Einheit und Freiheit in Christus zum Bewusstsein zu bringen.

Wandelt würdig. Nicht aus Friedensliebe mahnt Paulus zum Frieden, sondern um der Ehre Gottes willen, die auf dem Spiel steht.

Berufung zur Mitarbeit an der Sache des Messias.

V. 2 Demut ist etwas Starkes. Nur ein bewegter Mensch kann demütig sein, es ist ihm um die Sache zu tun. Darum interessiert er sich nicht so stark für sich selbst. Er hat sich schon gebeugt, darum kann und muss er nicht mehr zerbrochen werden.

Sanftmut ist auch etwas Starkes. Ein bewegter Mensch braucht nicht herrenmäßig aufzutreten. Er hat es nicht nötig zu imponieren. Er führt ohnehin, wie er selber von Gott geführt ist.

Geduld ist wieder etwas Starkes. Einander keine Grenzen ziehen, einander machen lassen, füreinander offen und bereit sein, einander tragen, wie Gott uns trägt.

Einander ertragen heißt einander gegenseitig in seiner Unabhängigkeit anerkennen und sich doch nicht fahren lassen.

In Liebe. Die Liebe ist das Werk Gottes in uns. Nur daraus sind wir bewegte Menschen, die sich ertragen können.

V. 3 Seid fleißig! Die Herstellung der Einheit ist also eine Arbeit. Es darf nicht wundern, wenn die Einheit wie die Wahrheit überhaupt (vgl. 3,3.18–19) uns nie gegeben, sondern immer gesucht ist.

V. 4-6 Ein Leib und ein Geist. Das Band des Friedens (V. 3) ist nicht unsere Friedlichkeit und Zufriedenheit, sondern der gemeinsame Dienst, in dem wir stehen. Das Reich Gottes ist in sich selbst unteilbar. Alle unsere Trennungen sind nur menschlich (geschichtlich und psychologisch) begründet, nicht in Gott. In dem Maß, als wir uns gegenseitig verlieren, sind wir auch für Gott verloren.

V. 7 Jeder von uns. Die Freiheit des Einzelnen ist nichts ohne die Einheit. In der Einheit aber ist Freiheit. Die «Fülle Gottes» (3,19) kann den Einzelnen nur beunruhigen als letztes Maß und Ziel. Aber Gott übergeht und verlässt darum keinen einzelnen, sie sind alle unmittelbar zu ihm.

20 Im Christus geschenkt. Unwichtig ist die persönliche Art als solche, wichtig die Bestimmung, die in jeder Art verborgen ist und im Zusammensein sich offenbaren muss.

V. 8-10 Aufgefahren – niedergefahren. Eine Beschreibung des Christuslebens. Vom Leben in den Tod ins Leben. Christus umfasst das ganze Dasein in seinen schärfsten Gegensätzen also auch die menschlichen Gegensätze zwischen uns. In ihm ist darum Freiheit (vgl. Röm. 14,7-11).

V. 11 Als Apostel, Propheten, Evangelisten etc. Die verschiedenen Ämter in den urchristlichen Gemeinden.

Gegeben hat. Nicht Menschen für irgend ein Amt oder Ämter für irgendwelche Menschen, sondern jeden bestimmten Menschen für seine bestimmte Wirksamkeit und diese Wirksamkeit gerade für ihn. Im Reiche Gottes ist alles speziell geordnet und dieses Spezielle fällt uns zu, wenn wir das Gebiet dieses Reiches betreten.

V. 12 Zuzubereiten. Eine Zubereitung also, nicht unser endgültiges Wesen und Leben, ist unsere jetzige Persönlichkeit und Stellung. Ein Anderes ist und bleibt die Dienstleistung selbst, der ewige Sinn unserer Persönlichkeit, die Erfüllung unserer Aufgabe, die Bedeutung, die jedes einzelne Leben für Gott hat.

V. 13 Das vollkommene Mannesalter bedeutet die Erlösung von den Schranken des Persönlichen, Besonderen, das uns jetzt anhaftet, die Erhebung des Einzigartigen ins Ewige. Aber diese Erlösung und Erhebung, durch die die Einheit zwischen uns aus einer werdenden zu einer völligen wird, kann sich jetzt erst ankündigen, nicht ausleben.

V. 14 Nicht mehr unmündig. Wenn wir nur im Wachsen sind, im Hinauswachsen über die harten Gegensätze der Gedanken und Meinungen!

Das Spiel, das die Menschen treiben: mit einseitigen, unerlösten Behauptungen und Verneinungen, im Gegensatz zu der Freiheit der Gedanken, die in Gott wurzeln.

V. 15 Irrtum ist alle Besonderheit. Der Wahrheit dienen in Liebe = der Einheit dienen in Freiheit. Beides ist ewig, ist in Gott eins.

V. 16 Der ganze Leib. Das Bild der in Christus neu geordneten Menschheit. Je mehr wir «von ihm aus» leben, desto mehr wird dieses Bild auch «von uns aus» in der Wirklichkeit erkennbar.

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Predigt vom 15. Juni 191923

Wenn wir’s gemerkt haben, dass das Leben ernst ist, wenn wir von der Not und Hoffnung der Menschheit bewegt sind, wenn wir im Dienste Gottes stehen, von ihm klein gemacht sind und groß, gebeugt und aufgerichtet, wenn wir sachliche Menschen werden wollen, dann seufzen wir nicht mehr umsonst nach Frieden untereinander, dann ist kein Gegensatz und Zwiespalt hoffnungslos. Der Friede ist dann da, auch wenn er nicht gleich sichtbar wird. Wir können es nicht darauf absehen, Frieden zu halten. Wir können aber Gott die Ehre geben und den Frieden finden.

Predigt vom 22. Juni 191924

Der Mensch ist frei, er darf sich selbst sein25. Denn in Gott ist Freiheit, und es ist etwas Direktes zwischen Gott und jedem Einzelnen. Dieser Siegesbotschaft sollen wir gehorchen. Sie gilt auch dem ganz Unselbständigen. Sie gilt trotz unserer allgemeinen Befangenheit. Sie gilt trotz der großen Unterschiede unter uns. Im Reiche Gottes gibt es keine Uniformen und keine Fabrikware. Gott will dich so haben, wie du bist. Du musst ein Vertrauen haben zu dem göttlichen Zusammenhang, in dem auch du stehst. Auf den Bergen ist Freiheit.26 Wir sind noch nicht auf den Bergen. Wir können aber unsere Augen erheben zu den Bergen, von welchen uns Hilfe kommt [Ps. 121,1].

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Epheser 4,17-24
Göttliche Konsequenzen

17 So sage ich nun und bezeuge es in dem Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln könnt, wie es die andern Heiden tun, leer in ihrer Vernunft, 18 verfinstert in ihren Meinungen, entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, weil Unwissenheit in ihnen ist und 19 Verstockung in ihren Herzen, welche sich stumpfsinnig der Genusssucht ergeben haben, um habgierig alles Unreine zu tun.

20 Ihr aber habt den Christus nicht so erfasst. 21 Ihr habt ihm ja Gehör geschenkt und seid in ihm belehrt worden, wie die Dinge stehen in Jesus: 22 Dass ihr den der frühern Richtung entsprechenden alten Menschen, der an den betrügerischen Begierden zugrunde geht, ablegt – 23 dass ihr neu werdet durch den Geist in eurem Denken 24 und anzieht den neuen Menschen, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Anmerkungen

V. 17 Ich bezeuge es. Paulus predigt nicht Moral, er bezeugt, er teilt mit, was ist, «wie die Dinge stehen in Jesus» (vgl. V. 21; Röm. 6,1-14; 8,9), er beschreibt die Ordnung Gottes, auf die sich die Christen eingelassen haben, die Luft, in der sie schon atmen.

In dem Herrn. Die Erkenntnis Gottes in der Gemeinschaft mit Christus27 ist an sich die Verhinderung eines gottlosen Lebens.

Wie die andern Heiden.  Die Erkenntnis Gottes fängt damit an, dass wir uns den andern Menschen absolut gleichstellen, und fährt damit fort, dass wir uns ihnen um keinen Preis mehr gleichstellen können.

V. 18 Leer – verfinstert – entfremdet. Die Gottlosigkeit der Heiden ist ein Mangel, ein Entbehren, ein Sturz aus dem Etwas ins Nichts. Christus ist das Ja, das das Nein der Menschen ins Licht stellt und damit aufhebt.

Weil Unwissenheit in ihnen ist. Der Grund der Gottlosigkeit besteht also im Fehlen der Erkenntnis.

23 V. 19 Und Verstockung in ihren Herzen. Dieses Fehlen der Erkenntnis aber weist zurück auf die Tatsache, dass sie noch nicht von Gott berufen, ihrer Erwählung noch nicht bewusst sind.

Stumpfsinnig. Denn von Disteln kann man keine Trauben lesen [Lk. 6,44].

V. 20 Den Christus nicht so erfasst. Denn 2 mal 2 ist nicht 5, und es gibt keine unmögliche Möglichkeiten, keine Gottlosigkeit in der Erkenntnis Gottes.

V. 21 Ihr habt ihn ja. Ihr steht auf dem Boden, wo Gott erkannt wird, ihr könnt also nicht mehr denken und leben, als ob es nicht so wäre (vgl. 1.Kor. 15,1-2).

V. 22-24 Ablegen – anziehen. Der in Christus erkennende Mensch steht nicht in einer Entwicklung, sondern in einer Verwandlung, in einem Sterben und Auferstehen (vgl. Röm. 6). Eine neue, leiblich-seelische Lebensform will durchbrechen. Er wird anders, als er selber ist. Er streitet gegen sich selber. Das ist das Zeichen, unter dem wir stehen (vgl. 1.Kor. 15,35-58; 2.Kor. 5,1-10).

Der alte Mensch ist Adam, der an seiner Sünde stirbt.

Der neue Mensch ist Christus selbst, von Gott bereitgestellt, dass wir ihn anziehen sollen (vgl. Gal. 3,27; Röm. 13,14).

Gott entsprechend geschaffen. Christus bringt die ursprüngliche Schöpfung des Menschen wieder ans Licht, die uns jetzt verborgen ist.

Neu werdet in eurem Denken. Die Wendung vom Alten zum Neuen vollzieht sich durch das Ereignis eines neuen Denkens. «Buße tun» heißt wörtlich: umdenken (vgl. Röm. 12,1-2).

Predigt vom 29. Juni 191928

Es ist bedenklich und folgenschwer, sich mit Gott einzulassen. Aber wir haben es schon getan. Den Steinen, den Tieren und Pflanzen bleibt das erspart, dem Menschen nicht, daher die Stürme des Menschenlebens und der Weltgeschichte. Wenn der Mensch Gott versteht, und er versteht ihn, dann kommt’s zu Fragen, zu Aufgaben, zu Anstößen. Gott ist uns Salz und Strom und bewegender Hebel. Es kehrt sich etwas um. Das Christentum ist gefährlich, und wir können nicht rückwärts, nur mit Gott vorwärts.

24

Epheser 4,25-5,2
Die Begründung des guten Willens

25 Darum leget die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir gemeinschaftlich Glieder sind.

26 Zürnet und sündiget doch nicht! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen, 27 und ihr sollt dem Teufel keinen Spielraum geben.

28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern gebe sich Mühe, durch seiner Hände Arbeit etwas Gutes zu schaffen, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe.

29 Was faule Reden sind, sollen aus eurem Munde nicht kommen, sondern wenn ihr redet, dann sei es etwas Gutes, das zum Aufbau beiträgt, damit es denen, die es hören, Anteil an der Gnade gebe. 30 Und betrübet nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr für den Tag der Erlösung versiegelt seid.

31 Alles Bittere, Wütende, Zornige, Lärmende und Lästerliche sei mit dem Bösen überhaupt fern von euch. 32 Werdet daher gütig gegeneinander, barmherzig, und vergebt einander, wie auch Gott im Christus euch vergeben hat.

5 1 Tut es ihm also nach als seine geliebten Kinder 2  wandelt in der Liebe, wie der Christus auch euch geliebt hat und hat sich selbst für uns dahingegeben, eine Gabe und ein Opfer, dessen Duft Gott angenehm ist.

Anmerkungen

V. 25 Darum. Warum? Weil ihr in der Verwandlung vom Alten zum Neuen steht, weil ihr euch mit Gott eingelassen habt (4,17-24). Das «Darum» bezieht sich auf den ganzen Abschnitt 4,25-5,2, ist also in V. 26, 28, 29, 31 stillschweigend zu ergänzen.

Leget die Lüge ab! Die Lüge hat ihren Grund in der wohlberechtigten Scheu, uns zu geben als das, was wir sind, unser Wesen zu offenbaren. Wir schämen uns eben unserer innersten Gottlosigkeit. Aber indem wir sie durch die Lüge verbergen, verderben wir notwendig unser Verhältnis zu den Mitmenschen, und das Übel wird größer.

25Redet die Wahrheit! Der Grund zum Lügen fällt weg, nachdem wir uns mit Gott eingelassen haben. Das gibt uns Mut, uns selber zu sein, keine Rolle mehr spielen zu wollen, sondern mit unserer ganzen Verlegenheit und Hoffnung ehrlich mit den andern in die Reihe zu treten.

V. 26 Zürnet! Zorn ist leidenschaftliche Ablehnung, ein selbstverständliches Werkzeug Gottes gegenüber der unerlösten Welt, das auch uns z. B. gegenüber der Lüge unentbehrlich ist.

Und sündiget doch nicht! Zorn ist kein letztes Wort, sondern ein Tunnel durch den man hindurchfährt. Wir müssen Zorn haben, aber der Zorn darf uns nicht haben.

V. 27 Dem Teufel keinen Spielraum geben. Gift und Messer sind gut in der Hand des Arztes, aber nicht des Pfuschers.29 «Sei nicht allzu gerecht und allzu weise, auf dass du dich nicht verderbest!» (Pred. 7,16).

Wer gestohlen hat. Paulus hätte wohl Manches Diebstahl genannt, was wir ruhig Besitz, Verdienst, Einkommen oder Profit nennen.30

Gebe sich Mühe! Der Gegensatz zum Stehlen heißt nicht: seid zufrieden mit dem, was euch gehört! Sondern: arbeitet, um zu geben, um austeilen zu können! Die Wendung vom «Stehlen» zum guten Willen besteht also nicht in der Verhärtung, sondern in der Erweichung des Eigentumsbegriffes.

V. 29 Faule Reden sind «schöne», geistreiche, witzige, oder auch fromme Reden, die aber keine «Dynamis» haben (vgl. 3,16), faules Holz, das wohl Helligkeit, aber nicht Licht verbreitet.

V. 30 Betrübt nicht den heiligen Geist! Denn der Geist möchte arbeiten durch unser Reden.

Für den Tag der Erlösung versiegelt. Vgl. 1,13-14.

V. 31 Bitterkeit: verwundete Seelen, die mit Gehässigkeit reagieren.

Wüten: seinen Nerven nachgeben.

Zorn: vgl. V. 26, aber ohne sachliche Notwendigkeit.

Lärm: die eigene Unsicherheit durch geräuschvollen Protest verraten.

26Lästerung: schließlich dem Leben selbst und seinem Schöpfer die Schuld an der immer größern Verwirrung zuschieben.

Fern von euch: weil das alles die alte Methode ist, die Gegensätze zwischen Mensch und Mensch darzustellen und auszutragen.

V. 32 Gütig. Eigentlich: brauchbar, das Bewusstsein, dass ihr einander nötig habt. Barmherzig. Eigentlich: innerlich wohlwollend, für einander einstehend.

Wie euch Gott im Christus. Die neue Methode des Vergebens entspricht der Wendung in Gott zugunsten des Menschen, die sich in Christus vollzogen hat (vgl. 2,1-10.11–22).

5,1 Tut es ihm nach. «Der Liebe Art ist es, dass sie den Geliebten überall nachahmet und damit auch die Liebe immer mehr befestiget» (Rieger).31

V. 2 Eine Gabe und ein Opfer. So ist die Moral nichts Selbständiges, sondern das unmittelbare Ergebnis der Erkenntnis Gottes: Der Mensch will sich selbst nicht mehr besitzen und genießen, er kehrt zurück zu seinem Ursprung, er gibt sich hin in die Hand Gottes, um als ein neues Geschöpf seinem Werk zu dienen. Damit beginnt der gute Wille.

Predigt vom 6. Juli 191932

Wer Gott verstanden hat, der wird sorgfältig und aufmerksam. Ihm ist etwas anvertraut, das nicht zerstört oder verloren werden darf. Der gute Wille, den Gott uns gibt, findet seinen Weg schon, wenn er nur Bewegung bekommt in uns. Der Respekt, der überall nach den hohen Notwendigkeiten des Reiches Gottes fragt, schafft Raum für neue Klarheiten und Freiheiten. Und die Treue, mit der wir die christliche Erkenntnis sich bewähren lassen, ruft immer wieder der größeren Treue Gottes, durch die wir von Tag zu Tag geführt werden, auch wenn all unser Tun und Lassen erst Stückwerk und Vorbereitung ist.

27

Epheser 5,3-14
Der Ernst des Lebens

3 Unzucht aber und alle Unreinigkeit oder Habsucht soll, wie es sich Heiligen geziemt, nicht einmal in euren Worten vorkommen, 4 auch kein Geschimpfe und anderes, grobes und feines Geschwätz, weil das für euch nicht passt, - wohl aber das Danken. 5Denn das merkt euch und begreift es: kein Unzüchtiger, Unreiner und Habgieriger, welcher ist ein Götzendiener, hat Anrecht am Reiche des Christus und Gottes.

6 Da soll keiner euch darüber täuschen mit leeren Redensarten: wegen solcher Dinge kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Werdet nur nicht ihre Genossen! 8 Denn ihr waret einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn. So wandelt als Kinder des Lichtes – 9 das Licht hat seine Früchte in allem, was gut und recht und wahr ist –, 10 und bekommt ein Gefühl für das, was dem Herrn wohlgefällig ist.

11 Und nehmt nicht teil an dem unfruchtbaren Tun der Finsternis, greift es vielmehr offen an! 12 Was im Verborgenen von ihnen getrieben wird, das ist ja wohl schandbar auch nur zu sagen. 13 Aber wenn es offen angegriffen wird, so wird es vom Lichte aufgehellt – und alles, was aufgehellt wird, wird damit selbst Licht. 14 Darum heißt es: «Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, so wird dir der Christus leuchten!»

Anmerkungen

V. 3 Wie es sich Heiligen geziemt. Der Ernst des Lebens liegt für den Christen nicht in dem, was er soll, sondern in dem, was er ist (vgl. 4,17-24).

Heilige. Vgl. 1,1.

Nicht einmal in euren Worten. Das Heidentum möchte sich aus dem Gebiet der Taten und Gewohnheiten zurückziehen ins Gebiet der Unterhaltung! Es gibt aber gegenüber dem christlichen Lebensernst kein solches Schongebiet. «Einer ist der Gute» (Mt. 19,17).

V. 4 Geschimpfe. Das schaudernde Behagen am Wüsten.

28Grobes Geschwätz. Eigentlich: Torenreden, «gute» Witze, über die man lacht um des Lachens willen.

Feines Geschwätz, eigentlich: geistreiche Redegewandtheit und Unterhaltungsgabe (causerie), in der Ethik des Aristoteles eine Tugend!33

Weil das für euch nicht passt. Vgl. V. 3. «Da braucht es nicht so viel Disputierens darüber, ob und wie weit denn das sündlich sei. Ein einiges solches Wort: ‹Es ziemt sich nicht›, sollte einem genug sein» (Rieger).34 «Die Christen sollen ein fein tapfer Volk sein und doch freundlich, dass eine ernste Freundlichkeit und ein freundlicher Ernst sei» (Luther).35

Wohl aber das Danken. Gott ist ihnen ja gegenwärtig und groß. Darin haben sie ihre Lebensfreudigkeit und Geisteskraft. Darin sollen sie sie betätigen: «Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!» [Ps. 103,2].

V. 5 Das merkt euch und begreift es. Das Böse (wie das Gute) ist keine Quantität, sondern eine Qualität, ein anderer Daseinsbezirk gegenüber dem Bezirk des Reiches Gottes. Der alte Mensch (4,21) hat im Reiche Gottes keine Luft.

Unreinheit und Habgier im Epheser-Brief öfters (vgl. V. 3 und 4,19) gemeinsam genannt.

Götzendiener. Sparsamkeit ist eine Tugend, aber keine christliche Tugend.

V. 6 Leere Redensarten. Z. B. über die Notwendigkeit, mit den Leuten auszukommen und sich darum ihnen anzupassen.

29 Wegen solcher Dinge. Die die heidnischen Wege gehen, zeigen damit, dass der Ungehorsam ihr Vater, ihr Ursprung ist (vgl. 2,2) und dass sie als Kinder dieses Vaters im Schatten des göttlichen Zornes sich befinden (vgl. Röm. 1,18).

V. 7 Nicht ihre Genossen. Es gibt keine moralische Solidarität zwischen dem alten und dem neuen Menschen.

V. 8 Ihr waret einst (vgl. 2,1-3),

jetzt aber seid ihr (vgl. 2,4-10). Der moralische Ernst des Christen ist begründet in der Natur der neuen Schöpfung, an der er Anteil hat.

V. 9 Gut, was das Reich Gottes erweitert.

Recht, was seiner Ordnung entspricht.

Wahr, was im Sinne des Reiches Gottes wirklich, real, echt ist.

V. 10 Bekommt ein Gefühl. Das christliche Taktgefühl36, das sich aus der immer wieder zu suchenden Erkenntnis Gottes ergibt. Vgl. Röm. 12,2.

V. 11 Greift es an! Das Reich Gottes begnügt sich nicht mit der Abwehr gegen die Welt, es greift sie an. Schweigende Christen sind keine Christen.37

V. 13 Wird damit selbst Licht. Die Finsternis wartet darauf, Licht zu werden, sie beruht ja nur auf einem Mangel (vgl. 4,18). Die Botschaft von Christus enthält die Leuchtkraft (V. 14), die diesem Mangel abhilft. Darum muss sie tapfer ausgerufen werden.

V. 14 Darum heißt es. Das angeführte Wort stammt nicht aus der Bibel, sondern nach Lietzmanns Vermutung aus einem urchristlichen Tauflied.38

Wache auf du Schläfer! Statt selbst mit den andern zu schlafen, sollen die Christen vielmehr die andern aus ihrem Schlaf aufwecken.

30

Predigt vom 13. Juli 191939

Wenn das Leben schwer wird, so ist das ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, der sich uns zuwendet. Der Ernst der göttlichen Gebote bedrückt ja nur die, die in der göttlichen Gnade stehen. Denn unter Furcht und Zittern wird Gott erkannt. Dem wollen wir nicht ausweichen. Wir sind so streng gehalten, weil wir so freundlich geleitet sind. Wir sind so tief gedemütigt, weil wir so hoch erhoben sind. Wir sind so gefangen, weil wir so frei sind. Gott gibt uns, was er uns befiehlt, darum befiehlt er uns auch, was er will. Es ist etwas Großes um einen folgsamen lenksamen Christ.

Epheser 5,15-20
Die Weisheit der Zielbewussten*12

15 So gebt nun genau acht, wie ihr euren Wandel führt: nicht als Unweise, sondern als Weise! 16 Kaufet den rechten Augenblick aus, denn es sind schlimme Zeiten. 17 Darum werdet nicht unbesonnen, sondern lernt verstehen, was jeweilen der Wille des Herrn ist!

18 Und berauscht euch nicht mit Wein, denn darin ist etwas Heilloses, sondern werdet des Geistes voll.

19 Redet zueinander in Psalmen, Gesängen und Liedern, wie sie der Geist eingibt. Singet und musizieret in euren Herzen dem Herrn!

20 Danket Gott, dem Vater, immer und für alles im Namen unseres Herrn Jesus, des Christus!

Anmerkungen

V. 15 Gebt acht! Die Christen stehen gleichsam mitten auf einer Theaterbühne: Die Augen Gottes und der Engel sind auf sie gerichtet (Calvin).40 Alles, was sie tun oder nicht tun, ist wichtig, hat so oder so seine Folgen. Sie können viel fördern und viel zerstören im Reiche Gottes.

31 Als die Weisen. Sie kennen das Ziel, dem alles zustrebt und dem alles dienen muss. Dieses Wissen muss leuchten in ihrem Tun. Sie dürfen ihrer Rolle, sie dürfen sich selbst nicht untreu werden, nicht in ein gewisses, dem Reiche Gottes fremdes Wesen hineingeraten, und wenn es noch so nahe läge.

V. 16 Schlimme Zeiten. Die allgemeine Lage zwischen Gott und der Welt ist wenig dazu geeignet, die Erkenntnis Gottes in Wort und Tat direkt und unmittelbar zu betätigen. Wir befinden uns jetzt in der Dämmerung und stehen spähend auf Wache.

Den rechten Augenblick. Innerhalb dieser allgemeinen Lage aber gibt es immer ausnahmsweise Möglichkeit und Gelegenheit, das neue Leben direkt zu bewähren.

Auskaufen. Die Pause in der Belagerung41 benützen, die vorlaufenden Strahlen des kommenden, vollkommenen Lichtes zur Geltung kommen lassen.

V. 17 Nicht unbesonnen reden. Das Unvermutete, Unscheinbare solcher Ausnahmen nicht übersehen! Nicht träge sein, dann alles dranzusetzen! Nicht aus Mangel an Vertrautheit mit dem Göttlichen im besten Augenblick Pfuscharbeit tun!

Lernet verstehen. Werdet merkig42!

V. 18 Darin ist etwas Heilloses. Das Heillose des Alkohols liegt weniger in den positiven Schädigungen, die er anrichten kann, als darin, dass er ein Surrogat ist für den Geist, den man nicht hat. Gilt aber nicht nur vom Alkohol!

Werdet des Geistes voll. Dies ist die allein sinngemäße, die nicht-moralische Bekämpfung der Vergnügungssucht. Ist die göttliche Lebensbewegung da, dann ist auch die Freude da, und die Surrogate werden überflüssig.

32 19 Redet zueinander. Was der Mensch sagt und tut, weil der Geist in ihm Raum hat, das ist Psalm, Gesang und Lied. Nicht auf das Gesangbuch kommt es darum an, sondern auf das Singen und auf den Sänger.

20 Dankt immer neu für alles. Wo wir jetzt nicht danken können, da empfinden wir wenigstens Sehnsucht nach Befreiung. Die kleine Sehnsucht kann dann zur großen werden. Die große Sehnsucht aber bringt uns mit Gott in Verbindung. Und mit Gott kann man nicht in Verbindung kommen, ohne ihm im voraus zu danken.43

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus wird dieser Weg zum Danken nicht nur erkannt, sondern auch begangen.

Predigt vom 20. Juli 191944

Die Ermahnungen der Bibel gehen nur den biblischen Menschen an. Wer Ohren hat zu hören, der höre! [Mt. 11,15 u. ö.]. Es wird sich also immer wieder fragen, ob bei uns der Boden und das Klima ist, in dem diese feinen Pflanzen wachsen können, ob wir an das Licht glauben, so dass wir des Lichtes Kinder sein können [vgl. Joh. 12,36]. Sonst hilft aller christliche Eifer nichts. Wenn uns diese Frage bedrängt und beunruhigt, dann steht’s gut und hoffnungsvoll, dann können und sollen wir uns diese Ermahnungen ins Gewissen schreiben. Dann sind wir solche, die es jedenfalls angeht!

33

Epheser 5,21-6,9
Die Schöpfungsordnungen

21 Seid einander untertan in der Furcht des Christus –

22 ihr Frauen euern Männern als dem Herrn: 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie der Christus das Haupt ist der Gemeinde. Er allein ist freilich der Erretter seines Leibes. 24 Aber wie die Gemeinde dem Christus untertan ist, so sollen es auch die Frauen allezeit mit ihren Männern halten.

25 Ihr Männer, liebet eure Frauen! Wie der Christus die Gemeinde liebte und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen durch die Reinigung im Wasserbade kraft des Wortes 27und um sie für sich selbst zuzubereiten: herrlich, ohne Flecken, Runzeln oder dergleichen, sondern heilig und tadellos – 28 so müssen auch die Männer ihre Frauen lieben als ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. 29 Nie hat jemand sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er hegt und pflegt es, wie es eben auch der Christus hält mit der Gemeinde; 30 denn wir sind seines Leibes Glieder, von seinem Fleisch und von seinem Bein.

31 Darum wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und die Zwei werden sein ein Fleisch. 32 Groß ist das Geheimnis. Ich deute es aber auf den Christus und auf die Gemeinde. 33 Jedenfalls sollt auch ihr, jeder einzelne, seine Frau lieben als sich selbst; die Frau fürchte aber den Mann.

6 1 Ihr Kinder seid gehorsam euern Eltern im Herrn; denn das ist recht!

2 Ehre deinen Vater und deine Mutter! Dies Gebot liegt am nächsten und hat die Verheißung, 3 dass es dir wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

4 Und ihr Väter, verbittert eure Kinder nicht, sondern erzieht sie durch Bildung und Ermahnung des Herrn!

5 Ihr Knechte, gehorchet euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern aus aufrichtigem Herzen als dem Christus selbst, 6 nicht mit Augendienst, um den Menschen zu gefallen, sondern als Knechte des Christus – die den Willen Gottes aus eigenem Herzen tun – 7 die mit gutem Willen dienen, weil es dem Herrn geschieht und nicht den Men|34schen – 8 die wissen, dass jedem, der etwas Gutes tut, vom Herrn vergolten wird, er sei ein Knecht oder ein Freier.

9 Und ihr Herren, handelt ebenso gegen jene und lasst das Drohen, als die da wissen, dass ihr und euer Herr im Himmel ist, und ist bei ihm kein Ansehen der Person.

Anmerkungen

5,21 «Christliche Haustafel» heißen diese Ausführungen bei Luther.45 Es ist aber wohl zu beachten, dass das Neue Testament kein Interesse nimmt an den menschlichen Gemeinschaftsformen als solchen. Auch das «christliche Haus» steht im Schatten der «schlimmen Zeiten» (V. 16); es steht, aber nur auf Abbruch. Nicht auf die Aufrichtung, Erhaltung und Wohlfahrt der Familie hat es Paulus abgesehen, sondern darauf, dass auch die Familie in das Licht der Auferstehung gerückt werde46.

Seid einander untertan! Das ursprüngliche, schöpfungsmäßige Verhältnis von Mensch zu Mensch ist keine einseitige, sondern eine gegenseitige Unterordnung.

In der Furcht des Christus. Der Ausdruck enthält Warnung und Verheißung gegenüber den jetzt bestehenden einseitigen Verhältnissen. Warnung, sofern er darauf hinweist, dass sie als solche auf die |35 Störung des Ursprünglichen, auf den Sündenfall zurückgehen, der in Christus gerichtet ist, und insofern eine Gefahr bedeuten. Verheißung, sofern er ausspricht, dass auch in den jetzigen Verhältnissen die Wiederherstellung des Ursprünglichen durch die Gemeinde des Christus sich anbahnen kann und will. Paulus ist konservativ, weil er so radikal ist. Die Kraft der Auferstehung geht aufs Ganze. Sie überwindet die Verkehrtheit der jetzigen Verhältnisse durch die Erneuerung der Schöpfung. Sie löst, indem sie ein Neues baut, das Alte von innen auf (vgl. Röm. 12,21-13,10).

V. 22-24 Ihr Frauen. Die jetzige, einseitige Unterordnung der Frau unter den Mann ist ein Gleichnis der jetzigen Unterordnung der Gemeinde unter Christus. Diese Gleichnisbeziehung ist ihre vorläufige Rechtfertigung als geschöpfliche Notwendigkeit, zugleich aber auch der Keim ihrer Auflösung als ewige Notwendigkeit. Beide Unterordnungen haben ihr Ziel und ihre Grenze (Gal. 3,28; vgl. 1.Kor. 15,28), eben damit aber auch ihre ernste vorläufige Bedeutung.

V. 25-30 Ihr Männer. Die schwerere Last des jetzigen Verhältnisses fällt durch die Gleichnisbeziehung auf den Mann. Er ist als der jetzt übergeordnete Teil verantwortlich dafür, dass das Verhältnis ein in sich vollkommenes Gleichnis des Gottesreiches werde. Indem er seine Frau liebt, liebt er im tiefsten Sinn sich selbst, dadurch dass er die erlösende, schöpferische Liebe Christi zu seiner Gemeinde zum Vorschein, zur Geltung und zur Wirksamkeit bringt.

V. 31-33 Darum. In diesem Sinne ist das geschöpflich gegebene Verhältnis von Mann und Frau zugleich relativ bestätigt und absolut fraglich gemacht.

Dies Geheimnis. Von einem Geheimnis (mysterium) redet Paulus oft an solchen Stellen, wo es sich um jetzige Notwendigkeiten handelt, die aber einen Widerspruch und die Verheißung einer kommenden Veränderung in sich tragen (vgl. Röm. 11,25; 1.Kor. 15,51; Eph. 3,3).

Fürchte. Vgl. V. 21!

6,1 Ihr Kinder. Auch die Unterordnung der Kinder unter die Eltern hat ihre Begründung und ihre Beschränkung «im Herrn», d. h. in der Möglichkeit, die das an sich einseitige Verhältnis zur Verwirklichung des Gehorsams gegen Christus bietet. Autorität an sich, ohne den Herrn oder gegen den Herrn, hat keinen Sinn.

Das ist recht. Das natürlichste Wahrheitsgefühl stellt jetzt diese Unterordnung als notwendig hin.

36 V. 2 Liegt am nächsten. Es ist von allen moralischen Geboten, die jetzt in Geltung stehen, das am unmittelbarsten einleuchtende.

Hat die Verheißung. Nämlich die Verheißung eines lebendigen Zusammenhangs von Segen von Geschlecht zu Geschlecht, die Israel von seinen Vätern empfangen hat.

V. 4 Erzürnt nicht. Durch eine Erziehung ohne Zweck, ohne Inhalt, durch eine Absichtlichkeit, die zu sehr auf das Naheliegendste (Liebe, Glück, Tüchtigkeit, Moral u. dgl.) hindrängt und darum die Seele des Kindes nicht erreicht, sondern nur seine Freiheit beschränkt.

Durch die Bildung und Ermahnung des Herrn. Der eigentliche Inhalt der Erziehung ist wie der der Ehe: das, was Christus der erlösten Menschheit bedeutet. Das ist aber mehr als «Religions»unterricht.

V. 5 Irdisch. Wörtlich: nach dem Fleisch. Die Unterordnung besteht aber nur auf Zeit, nicht absolut.

Mit Furcht und Zittern. Die tatsächliche Lage und Stimmung des Untergeordneten, die in ihrer ganzen Unvermeidlichkeit und Fragwürdigkeit für dieses Verhältnis bezeichnend ist. Vgl. 5,21 und 33.

Aus ehrfürchtigem Herzen. Wörtlich: in Herzenseinfalt, die nicht an dem einseitig geordneten Verhältnis selbst rüttelt, sondern ehrlich und nüchtern, seine vorläufige Notwendigkeit begreift.

Christus selbst. Das wird möglich und erträglich durch die Gleichnisbeziehung auf unser Dienstverhältnis zu Christus, durch welches freilich gleichzeitig in die menschlichen Dienstverhältnisse der Keim der Revolution gepflanzt wird.

V. 6 Augendienst. Die knechtische und mägdische (gelbe47) Gesinnung, die weder die absolute Fraglichkeit noch die jetzige Notwendigkeit der jetzigen Dienstverhältnisse begreift, sondern sich im Stillen gegen die Pflicht auflehnt, um umso beflissener die Fassade zu wahren.

37Als Knechte des Christus. Der korrekte, ehrliche Dienst in der vollkommenen Freiheit dem menschlichen Herrn gegenüber, die radikale Revolution, die weder ausbrechen noch sich verbergen muss.

Die den Willen Gottes. Es folgen V. 6-8 drei nähere Bestimmungen über die Haltung des Christen im gesellschaftlich untergeordneten Verhältnis: persönliches Verantwortlichkeitsbewusstsein, guter Wille zur Sache, Selbstlosigkeit – alles nicht moralische Forderungen, sondern notwendige Lichter, die aus dem Jenseits ins Diesseits fallen.

V. 9 Handelt ebenso. Dieses Licht der reinen Menschlichkeit fällt also auch auf die Haltung des «Herrn». Die Einseitigkeit des Dienstverhältnisses ist bereits unterhöhlt.

Lasst das Drohen. Gerade das Bezeichnende an dieser Einseitigkeit: die Möglichkeit, dass der «Herr» sich gegenüber dem Knecht einfach auf seine gesellschaftliche Macht stützt, fällt notwendig weg, weil in unserm Dienstverhältnis zu Christus dergleichen auch nicht vorkommt.

Als die da wissen. Endlich taucht auch auf dieser Seite die grundsätzliche Revolution vom Himmel her auf durch die Erinnerung, dass dort nur ein Herr ist, vor dem die menschlichen gesellschaftlichen Unterschiede keine Bedeutung haben.

Predigt vom 3. August 191948

Die Beziehungen zwischen Mann und Weib sind eines der dunkelsten Gebiete unseres Lebens. Doch könnten wir auch hier mehr Licht haben. Da hilft nun freilich weder Liebe noch Ernst noch Klugheit, weder Aufklärung noch Frauenbewegung. Das alles beleuchtet die Not mehr, als dass es sie hebt. Das Irdische an sich ist immer Verworrenheit, Unrecht und Leiden. Der Schöpfer, der den Mann als Mann und die Frau als Frau geschaffen, rechtfertigt sich, indem er beide erlöst, den Mann von seiner brutalen «Liebe» und die Frau von ihrer bewusstlosen Hingebung. Demütige Überlegenheit des Mannes und stolze Unterordnung der Frau würde vielleicht dem entsprechen, was Gott mit der Erschaffung beider gemeint hat.

38

Predigt vom 10. August 191949

Zu jeder Zeit klagen die Jungen darüber, dass sie von den Alten nicht verstanden werden. Und zu jeder Zeit klagen die Alten darüber, dass die heutige Jugend so anders geworden und keine Autorität mehr kenne. Die Erziehungsfrage ist darum so schwer und immer wieder neu, weil es sich in ihr darum handelt, daß die Erkenntnis Gottes groß werde auf der Erde. Sie kann darum wie die Ehefrage nicht gelöst, sondern nur im Zusammenhang mit der Gottesfrage bearbeitet werden. Formen bilden und Formen zerstören hilft gleich wenig. Der rechte Inhalt der Erziehung hilft sich selber. Am 2. August starb Pfarrer Blumhardt, ein Mann, der Vielen zum Erzieher wurde, weil sein Leben einen Inhalt hatte, und dessen Verhältnis zu seinem eigenen Vater einst ein seltenes Beispiel dafür war, wie es zwischen Alten und Jungen stehen könnte.

Predigt vom 17. August 191950

Auch in der sozialen Frage von heute brennt die Gottesfrage. An einem lange übersehenen Punkt wirft die ursprüngliche Gottesordnung ihr Licht auf unsere Verhältnisse, richtend, aber auch verheißungsvoll. Eben um des langen Vergessens willen kann es dabei nicht eben schön zugehen. Zwischen «Herren» und «Knechten» steht heute das Geld als eigene Macht und vergiftet beides: die notwendige Ungleichheit und die mögliche Gleichheit zwischen diesen und jenen. So bekommt die Revolution vom Himmel her heute die sehr unhimmlische Form des Klassenkampfes. Wir dürfen aber auch hier über der alten Form den neuen Inhalt nicht übersehen, das göttliche «Vorwärts!» nicht verkennen, das der Sinn des Sozialismus ist. Dieser Inhalt besteht in der reinen Menschlichkeit, von der die unentbehrlichen Unterordnungen des Gesellschaftslebens durchsetzt werden müssen, bis sie von selbst dahinfallen.

39

Epheser 6,10-17
Der Tag der Entscheidung

10 Endlich: werdet kräftig in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke! 11 Zieht die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr euch helfen könnt gegen die Schliche des Teufels. 12 Denn unser Kampf geht nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen alles das, was in dieser Finsternis die Welt beherrscht, gegen die bösen Geister im Himmel. 13 Deswegen greifet zur Waffenrüstung Gottes, damit ihr zur schlimmen Zeit Widerstand leisten und wohlausgerüstet das Feld behaupten könnt.

14 So stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, 15 an den Füßen gestiefelt mit Bereitschaft für das Evangelium des Friedens; 16 zu dem allem aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit dem ihr die feurigen Geschosse des Bösen löschen könnt, 17 und empfanget den Helm des zukünftigen Heils und das Schwert des Geistes, das heißt das Wort Gottes.

Anmerkungen

V. 10 Werdet kräftig. Die Wahrheit Christi wirkt in der Welt als Beunruhigung. Die Folgen bekommen die Christen zu spüren. Dem gegenüber sollen sie nicht erschrecken, sondern als Sieger in den Kampf schon hineingehen.

In dem Herrn. Eigene Schwäche ist keine Entschuldigung; es handelt sich um die Macht Gottes, die in den Ereignissen wirksam ist und da, wo Gott erkannt wird, auch für die Seinigen [?] wirksam wird.

V. 11 Die Waffenrüstung Gottes. Der Christ kommt auf einen Kriegsschauplatz, nicht in eigener Sache und darum auch nicht mit eigenen Waffen.

Gegen die Schliche des Teufels, wörtlich: gegen die Methoden des Teufels. Der Kampf richtet sich gegen jenen Geist des Zwiespaltes, der jetzt noch (gegenüber der ursprünglichen und endlichen Einheit in Gott) eine selbständige Macht in der Welt und in uns selbst hat. 2,2.

V. 12 Nicht gegen Fleisch und Blut, also nicht gegen Menschen. Menschliche Gegner sind als solche uninteressant, sie können und sollen persönlich geschont werden.

40 Gegen die Mächte, gegen die geistigen Selbständigkeiten und Einseitigkeiten, von denen das Leben beherrscht ist (z. B. Idealismus ohne direkte Beziehung auf die Wirklichkeit, Natur ohne Bewusstsein um ihre Grundlegung durch die Vernunft, Jenseits ohne Diesseits, Diesseits ohne Jenseits, Macht ohne Gewissen, Geld ohne Geist, Geist ohne Liebe usf.).

Was die Welt beherrscht (wörtlich: die Mächtigen, die in dieser Finsternis die Welt beherrschen). Es ist also nicht diese oder jene Einzelheit des jetzigen Lebens, die den Christen entgegensteht, sondern in jeder Einzelheit immer zugleich die Gesamtheit der jetzt und hier gültigen Weltordnungen.

Die bösen Geister im Himmel. Wir können uns kein reines Jenseits denken, solange das Diesseits ihm feindlich gegenübersteht. Solange die Erde ohne den Himmel ist, ist eine Dissonanz auch im Himmel. Ein Hinweis auf die Schwere des Kampfes und auf die Tragweite des Sieges, der in Christus der Vollendung entgegengeht.

V. 13 Zur schlimmen Zeit vgl. 5,16.

V. 14-17 Eure Lenden umgürtet usw. Das Bild ist nicht in seinen einzelnen Zügen auszubreiten, sondern als Ganzes zu verstehen: Das Anziehen des neuen Menschen (vgl. 4,24) ist zugleich die vollkommene und ausreichende Ausrüstung mit der göttlichen Kraft (V. 10), die uns jetzt an Entscheidungstagen, in der Übergangszeit, in der wir stehen, nötig ist.

Predigt vom 24. August 191951

Wir leben alle in der Wahrheit, aber warum nur so unbewusst? Warum findet der große Moment immer wieder ein so kleines Geschlecht52? Warum sollte sich die schlimme Zeit nicht wenden zur guten Zeit? Christus ist diese Wendung, die entscheidende Wahrheitserkenntnis. So sind die Christen Gotteskämpfer in dunkler Nacht wie Jakob und stehen doch schon im Morgenrot des neuen Tages [vgl. Gen. 32,25-32].

41

Epheser 6,18-20
Arbeit und Mitarbeit

18 Betet mit ganzem Flehen und Verlangen und das zu jeder sich bietenden Zeit und das im Geiste! Und auf das eine Ziel gerichtet wachet mit ganzem Anliegen und Fürbitte für alle Heiligen. 19 Und so auch für mich, dass mir das Wort gegeben werde, ganz offen zu reden und freudig das Geheimnis des Evangeliums kundzutun, 20 dem ich jetzt als Gefangener diene – dass ich freudig werde in ihm, es auszusprechen, wie es sein muss.

Anmerkungen

V. 18 Betet. Beten heißt flehend und verlangend sich nach der Mitte wenden, in deren Umkreis wir stehen, an die Schwelle treten, wo jenseits des menschlichen Denkens, Fühlens und Wollens das göttliche Licht leuchtet, die göttliche Kraft wirkt. Beten ist kein weihevoller Schmuck des Daseins, sondern eine eigene Arbeit «im Geiste». Beten heißt nicht der Welt entfliehen, sondern mitten in der Welt sich von Gott finden lassen. Beten ist keine Privatsache, sondern, die Sache der Menschen auf dem Herzen tragend, vor Gott treten und, von der Sache Gottes bewegt, unter den Menschen sein. Beten ist ein Priesteramt. Gott sucht gleichsam Eingangspforten in der Welt, Freistellen, Bauplätze [?]. Darum: betet!

Auf das eine Ziel gerichtet, wachet. Das Wachen ist nur die äußere Seite des Betens: die gespannte Aufmerksamkeit auf die wechselnden Verhältnisse, auf die besondere Bedeutung jedes Augenblicks. Durch das Wachen bekommt das Leben den konkreten praktischen Inhalt, der es davor bewahrt, zu einem gefährlichen, weil zweideutigen Genießen der Gemeinschaft mit Gott zu werden. Beachte: auf das eine Ziel gerichtet! Das Ziel ist das kommende Reich Gottes in der Wirklichkeit. Es gibt also kein Beten um dies und das, sondern im letzten Grund immer nur um das Eine.

V. 19 Das Wort gegeben werde. Wirkliche Gottesmänner «haben» das Wort nicht, weder fällt es ihnen plötzlich ein, noch können sie es erstudieren. Es kommt aus der Erkenntnis Gottes, aus der Bewegung |42 der Sache. Es muss ihnen gegeben werden. Dadurch dass Viele betend und wachend mit ihnen einstehen, wird gleichsam die Luft geschaffen, in der es gegeben werden kann. Die Zeitgenossen können nicht nur empfangen wollen, sie sind mit verantwortlich.

Das Geheimnis. Zwei Gefahren bedrohen beständig das Reden vom Göttlichen. Die kleinere Gefahr: das Geheimnis bleibt Geheimnis, das Reden davon ist dunkel, hoch und unvernehmlich, und wird kein offenes Reden. Die größere Gefahr: das Geheimnis bleibt nicht Geheimnis, das Reden davon wird glatt, moralisch und erbaulich, dann ist es kein freudiges Reden. Die Kirche pendelt zwischen beiden Gefahren hin und her. Es handelt sich darum, den Punkt zu suchen, wo Wahrheit und Wirklichkeit sich treffen, wo Gott (aber wirklich Gott!) zu den Menschen (aber wirklich zu den Menschen!) redet. Das ist dann das «Kundtun» des Geheimnisses, das Aussprechen des Göttlichen, «wie es sein muss» (V. 20).

V. 20 Als Gefangener. Vgl. 3,1.

Predigt vom 31. August 191953

Die Welt wartet auf das Evangelium. Die tiefsten Tendenzen unserer Zeit begegnen sich mit denen des Reiches Gottes. Warum treffen und vereinigen sie sich nicht? Weil die Bedingungen noch nicht geschaffen sind, unter denen sich das Eröffnen des Geheimnisses vollziehen kann, weil wir noch zu sehr Zuschauer statt Mitarbeiter sind. Wenn einmal von Vielen, die unsere Zeit verstehen, Heilandsarbeit, Apostelarbeit getan wird mit Beten und Wachen, dann wird das Wort ausgesprochen und vernommen werden: Immanuel, Gott mit uns [Mt. 1,23]!

43

Epheser 6,21-24
Die letzten Fragen

21 Damit ihr nun aber auch erfahret, wie es mir geht und was ich schaffe, wird euch Tychikus, mein lieber Bruder und Diener im Herrn, Alles mitteilen. 22 Dazu schicke ich ihn zu euch, damit ihr hört, wie es um uns steht und damit er eure Herzen tröste.

23 Friede sei mit den Brüdern und Liebe im Glauben – von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus, dem Christus. 24 Die Gnade sei mit Allen, die unsern Herrn Jesus, den Christus lieb haben in seinem unvergänglichen Wesen.

Anmerkungen

V. 21 Erfahret. Der Brief stammt aus der Zeit der Gefangenschaft des Paulus in Rom (vgl. 3,1; 6,20), in der er aber seine Tätigkeit mehr oder weniger frei fortsetzen konnte (vgl. Act. 28,30-31).

Tychikus. Ein Begleiter des Paulus, selbst aus Ephesus oder Umgegend (Asia) gebürtig (vgl. Act. 20,4; 2.Tim. 4,12).

V. 22 Trösten. Ein wichtiges Wort bei Paulus, oft auch in der Bedeutung von ermahnen, zusprechen. Es ist das erinnernde, bekräftigende, unsentimentale Reden aus der Gemeinschaft der Sache.

V. 23 Liebe im Glauben. Vgl. 4,15.

V. 24 In seinem unvergänglichen Wesen (wörtlich: in Unverweslichkeit, Luther: unverrückt54). Ein letzter energischer Hinweis auf das Geheimnis, auf die Reinheit der Erkenntnis des göttlichen Ursprungs gegenüber allen gemischten seelischen Zuständen. Diese Reinheit ist das Wesen der «Liebe» zu Christus.

Predigt vom 7. September 191955

Der Epheserbrief schließt unvermeidlicherweise mit der Frage, was wir eigentlich bei Christus suchen und wollen. Die Befriedigung un|44serer tiefsten und allertiefsten Bedürfnisse? Die Bestätigung und Bestärkung dessen, was wir ohnehin sind und wollen? Den Strom des «Lebens», der der verborgene Untergrund des Menschendaseins im Ganzen und im Einzelnen ist? Dann lieben wir ein geschaffenes und darum vergängliches Wesen und dürfen uns nicht wundern, wenn unsere «Liebe» (das Christentum) ausläuft in Irrtum und Ungehorsam, in Mattigkeit und Enttäuschung. Christus führt Gottes eigene, überhimmlische Sache und in ihr, im Blick auf das ewige Anfangen und Endigen aller Dinge in Gott selbst begegnet unsere Liebe der göttlichen Gnade, die uns frei macht.

Originalfußnoten

*1
Alle 3 parallel, abhängig von εὐλογήσας (Hofmann [Epheser, S. 7-9])
1. Der Segen des Geistes ists
2. Segnung findet statt i. H.
3. JX [Jesus Christus].↩
*2
Ausführung des ἐν Χριστῷ v 4,7,11,13 (Dibelius [Epheser, S. 97-99]).↩
*3
Meyer [S. 31] gg. Hofmann. [Schriftbeweis I, S. 223f.]↩
*4
Bengel [S. 258], Meyer [S. 32], Dibelius [Epheser, S. 97], Hofmann [Epheser, S. 10-12], Haupt [Kommentarteil S. 8], Beck 3,17 [Epheser, S. 51, vgl. S. 168f.].↩
*5
καθώς Begründung und Auseinandersetzung d. Vorigen (Beck [Epheser, S. 41]).↩
*6
καὶ πατήρ v 3 Lietzmann Rm 16,1 [Römer, S. 118]
Calvin praestantia gratiae [comm. Eph., Sp. 146]
cf. Haupt πατήρ [Kommentarteil S. 2f.].↩
*7
Haupt zu ἐξελέξατο Unsinn über Imputation. [Kommentarteil S. 8f.]↩
*8
Calvin !! [comm. Eph., Sp. 147]
Rieger: Segen in der Zeit richtet sich nach Erwählung vor d. Zeit. Beruf zur Heiligung [Epheser, S. 50]
Haupt εἶναι Verhalten Gottes z. M. [Kommentarteil S. 9]
Haupt υἱοθεσία [Kommentarteil S. 9f.]
Bengel zu εὐδοκία [S. 259].↩
*9
Haupt über σοφ. u. φρόνησις [Kommentarteil S. 19f.23]
Meyer über μυστήριον [S. 38]
Haupt über ἀνακεφαλ. [Kommentarteil S. 20-22]
Calvin über ἀνακεφαλ. [comm. Eph., Sp. 151]
Meyer über ἀνακεφαλ. [S. 41f.].↩
*10
Haupt [Kommentarteil S. 16].↩
*11
Calvin über Versiegelung. [comm. Eph., Sp. 153]↩
*12
σοφία ἐν τοῖς τελείοις 1. Kor. 2,6.↩

Sachfußnoten

1
In diesem Abschnitt hat sich Barth an verschiedenen Stellen mit Bleistift Notizen zur Weiterarbeit in der Exegese eingetragen – offensichtlich eine erste Vorbereitung zu seiner Göttinger Vorlesung. Wir geben diese Notizen in den *-Anmerkungen wieder. Die exegetischen Werke der genannten Autoren sind im Abkürzungsverzeichnis aufgeführt. In eckigen Klammern sind die Seiten hinzugefügt, auf die Barth sich bezieht.↩
2
Vgl. Predigten 1919, S. 173-180.↩
3
Tskr.: «gemäß».↩
4
Tskr.: «Prinzipien».↩
5
Tskr.: «darum ist er immer wieder ein».↩
6
Tskr.: «das über alles Menschliche hinausgreifende ewige, himmlische Leben und Wesen».↩
7
Tskr.: «Über alle Prinzipien, Gewalten und Kräfte».↩
8
Tskr.: «Es gibt für uns keine selbständigen, eigenmächtigen Kräfte, keine Eigengesetzlichkeiten von Gewalten und Ideen mehr, sondern alles, was Kraft und Macht heißt und ist, hat seinen alleinigen Grund und sein Ziel in Gott. Losgelöst von ihm wird auch die beste Idee und Kraft zur Dämonie.»↩
9
Tskr.: «Lebens. Sie darf anders ‹erfüllen›, weil sie selber erfüllt ist von seiner Macht und Gegenwart, sie darf erleuchten, weil sie selber erleuchtet ist (V. 8), sie darf kräftig sein, weil er, Jesus, ihr Herr, ihre ganze Kraft und Macht ist.»↩
10
Vgl. Predigten 1919, S. 181-188.↩
11
Tskr.: «Unter diesen haben auch wir alle unsern Wandel».↩
12
Vgl. M. Luthers Erklärung zum ersten Gebot im Kleinen Katechismus 9­von 1529: «Wir sollen Gott über alle Ding fürchten, lieben und vertrauen» (BSLK, 507, 3f.; vgl. WA 30/I, 243, 14f.; 284, 2f.).↩
13
Vgl. Predigten 1919, S. 189-197.↩
14
Tskr.: «Wo die Versöhnung der Menschheit mit Gott ist, ist der».↩
15
Vgl. Predigten 1919, S. 198-205.↩
16
Tskr.: «ins».↩
17
Tskr.: «zu findende und nur in Gott selbst zu bewährende neue Einsicht».↩
18
Vgl. Predigten 1919, S. 206-214.↩
19
Vgl. zu der von Kutter gerne gebrauchten Metapher H. Kutter, Das ­Bilderbuch Gottes für Groß und Klein. I. Römerbrief Kapitel 1-4, Basel 1917, S. 236.244–248.250f.↩
20
Tskr.: «immer wieder».↩
21
Vgl. Bl. Pascal, Pensées, ed. Ch.-M. des Granges, Paris 1961, S. 212 (aus Fragment 553: «Le mystère de Jésus.»): «Console-toi, tu ne me chercherais pas, si tu ne m’avais trouvé.»↩
22
Vgl. Predigten 1919, S. 215-222.↩
23
Vgl. Predigten 1919, S. 223-231.↩
24
Vgl. Predigten 1919, S. 232-239.↩
25
= er selbst sein.↩
26
Fr. von Schiller, Die Braut von Messina oder Die feindlichen Brüder, IV. Akt, 7. Szene (V. 2586).↩
27
Tskr.: «dem Christus».↩
28
Vgl. Predigten 1919, S. 240-247.↩
29
Dieses Bild verwendet Barth in seiner Predigt vom 6. Juli 1919: Predigten 1919, S. 252.↩
30
Vgl. auch hier Predigten 1919, S. 253f.↩
31
C. H. Rieger, Betrachtungen über das Neue Testament, zum Wachsthum in der Gnade und Erkenntniß unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi, 3. Theil: enthaltend die Epistel Pauli an die Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, Thessalonicher, Timotheum, Titum, Philemon, Tübingen 1828, S. 74: «Der Liebe Art ist, daß sie dem Geliebten nachahmet, wie sie kann, und damit auch die Liebe immer mehr befestiget.»↩
32
Vgl. Predigten 1919, S. 248-255.↩
33
Vgl. Luthers Fastenpostille, WA 17/II, 209, 19f. (Luthers Episteln-Auslegung. Ein Commentar zur Apostelgeschichte, den apostolischen Briefen und der Offenbarung. Aus seinen homiletischen und exegetischen Werken für Schriftforscher, Prediger und erbauungsuchende Leser, hrsg. von Chr. G. Eberle, Stuttgart 1866, S. 656): «Solchs haben die Heyden fur eyne tugent gezelet, wie sie denn auch Aristot. Eutrapelia nennet.» Siehe Aristoteles, Rhetorik II,12, 1389b12: «Gewandter Witz ist durch Bildung gehobener Übermut» (ἡ γὰρ εὐτραπελία πεπαιδευμένη ὕβρις ἐστίν).↩
34
Vgl. Rieger, Epheser, S. 75.↩
35
Luthers Episteln-Auslegung, S. 656f.: «Denn die Christen sollen ein fein tapfer Volk sein und doch freundlich, daß eine ernste Freundlichkeit und ein freundlicher Ernst sei, wie Christi Leben uns im Evangelio vorgebildet ist.» (Luthers Fastenpostille, WA 17/II, 209, 27-30).↩
36
Vom Taktgefühl redet mit Bezug auf den Textzusammenhang (Eph. 5,3) auch W. Lueken, Der Brief an die Epheser, in: Die Schriften des Neuen Testaments, hrsg. von J. Weiß, 2. Bd., Göttingen 1907, S. 130.↩
37
Diesen Satz hat Barth wörtlich aus der Predigt vom 13. Juli 1919 übernommen: Predigten 1919, S. 263.↩
38
M. Dibelius, An die Epheser, in: ders., Die Briefe des Apostels Paulus. II. Die neun kleinen Briefe (HNT 3), Tübingen 1913, S. 118. Der Herausgeber des «Handbuchs zum Neuen Testament» war Hans Lietzmann. Barth verwendet offensichtlich dessen Namen als Synonym für das Handbuch.↩
39
Vgl. Predigten 1919, S. 256-264.↩
40
Siehe J. Calvin, Commentarius in Epistolam Pauli ad Ephesios, Calvini 26­ Opera 51 (= CR 79), Sp. 220: «Debent igitur [scil. fideles], ac si in celeberrimo theatro essent, vivere: quia sub conspectu Dei et angelorum vivunt.» Auf diese Interpretation Calvins nimmt Barth ausführlicher Bezug in seiner Predigt über Eph. 5,15-20 vom 20. Juli 1919: Predigten 1919, S. 267f.↩
41
Zum Bild einer belagerten Stadt vgl. Rieger, Epheser, S. 77f., mit J. A. Bengel, Gnomon Novi Testamenti, in quo ex nativa verborum vi simplicitas, profunditas, concinnitas, salubritas sensuum coelestium indicatur, Bd. 2, Tübingen 18503, S. 277f., und Barths Ausführungen in seiner Predigt vom 20. Juli 1919: Predigten 1919, S. 270.↩
42
= aufmerksam, wach, wahrnehmungsfähig.↩
43
Vgl. zu diesen Formulierungen Predigten 1919, S. 273.↩
44
Vgl. Predigten 1919, S. 265-274.↩
45
Der Terminus «Christliche Haustafel» steht in der Kapitelüberschrift zu Eph. 6 in den von Barth benutzten Luther-Bibeln von 1892 und 1912. Luther hatte Eph. 6,1-9 und andere neutestamentliche paränetische Texte im Kleinen Katechismus 1529 unter die Rubrik gebracht: «Die Haustafel etlicher Spruche für allerlei heilige Orden und Stände, dadurch dieselbigen als durch eigen Lektion ihres Ampts und Diensts zu ermahnen» (BSLK, 523, 30-34; WA 30/I, 397, 1-3). Dabei wurden von Luther die Stände wie folgt den Epheserstellen zugeordnet (vgl. BSLK, 525, 38 ­- 526, 40 [WA 30/I, 400, 1 ­- 401, 11]): Eltern (Eph. 6,4); Kinder (Eph. 6,1-3); Knechte, Mägde, Tagelöhner und Arbeiter (Eph. 6,5-8); Hausherrn und Hausfrauen (Eph. 6,9). Für den Stand des Ehemanns und der Ehefrau bezieht sich Luther in der Haustafel allerdings nicht auf Eph. 5,22-33, sondern auf 1.Petr. 3,7; Kol. 3,19 und 1.Petr. 3,1.6.↩
46
Vgl. Luthers Episteln-Auslegung, S. 663f., zu Eph. 5,22-33: «Hier hat Paulus zusammengefasst und in einander geflochten die beiden Stücke, den ehlichen Stand und die Auferstehung samt dem ganzen Reiche Christi in Seiner Christenheit.» (Predigt am Montag nach Quasimodogeniti bei der Hochzeit Caspar Crucigers in Eilenburg. 24.4.1536, WA 41, 548, 20-22).↩
47
Vgl. Barths Bemerkungen zu den sogenannten «Gelben» Arbeiterorganisationen in: Die Arbeiterfrage. 1913/14, in: K. Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1909-1914, hrsg. von H.-A. Drewes und H. Stoevesandt (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1993, S. 573-682, dort S. 640-646, bes. S. 640: «Haben mit der Arbeiterbewegung nichts zu thun, sondern gehören, wie aktenmäßig […] feststeht, zu den Kampfmitteln des Unternehmertums.»↩
48
Vgl. Predigten 1919, S. 275-282.↩
49
Vgl. Predigten 1919, S. 283-295.↩
50
Vgl. Predigten 1919, S. 296-305.↩
51
Vgl. Predigten 1919, S. 306-315.↩
52
Fr. von Schiller, Xenien, «Der Zeitpunkt»:
Eine große Epoche hat das Jahrhundert geboren,
Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht.
↩
53
Vgl. Predigten 1919, S. 316-325.↩
54
Luther-Bibel in der «durchgesehenen» bzw. «neu durchgesehenen Ausgabe» von 1892 bzw. 1912.↩
55
Vgl. Predigten 1919, S. 326-334.↩