1922 – 1929

Erklärung des Jakobusbriefes W. S. 1922/23 und W. S. 1928/29 im Paralleltext. Jakobus 2,14–26

Erklärung des Jakobusbriefes
W. S. 1922/23 und

470 Erklärung des Jakobusbriefes
W.S. 1922/23

Jakobus 2,14-26

28.II.23 [ 14 Τί τὸ ὄφελος, ἀδελφοί μου, ἐὰν πίστιν λέγῃ τις ἔχειν ἔργα δὲ μὴ ἔχῃ; μὴ δύναται ἡ πίστις σῶσαι αὐτόν; 15 ἐὰν ἀδελφὸς ἢ ἀδελφὴ γυμνοὶ ὑπάρχωσιν καὶ λειπόμενοι τῆς ἐφημέρου τροφῆς, 16 εἴπῃ δέ τις αὐτοῖς ἐξ ὑμῶν· ὑπάγετε ἐν εἰρήνῃ, θερμαίνεσθε καὶ χορτάζεσθε, μὴ δῶτε δὲ αὐτοῖς τὰ ἐπιτήδεια τοῦ σώματος, τί τὸ ὄφελος; 17 οὕτως καὶ ἡ πίστις, ἐὰν μὴ ἔχῃ ἔργα, νεκρά ἐστιν καθ’ ἑαυτήν. 18 ἀλλ’ ἐρεῖ τις· σὺ πίστιν ἔχεις, κἀγὼ ἔργα ἔχω· δεῖξόν μοι τὴν πίστιν σου χωρὶς τῶν ἔργων, κἀγώ σοι δείξω ἐκ τῶν ἔργων μου τὴν πίστιν. 19 σὺ πιστεύεις ὅτι εἷς ἐστιν ὁ θεός; καλῶς ποιεῖς· καὶ τὰ δαιμόνια πιστεύουσιν καὶ φρίσσουσιν. 20 θέλεις δὲ γνῶναι, ὦ ἄνθρωπε κενέ, ὅτι ἡ πίστις χωρὶς τῶν ἔργων ἀργή ἐστιν; 21 Ἀβραὰμ ὁ πατὴρ ἡμῶν οὐκ ἐξ ἔργων ἐδικαιώθη, ἀνενέγκας Ἰσαὰκ τὸν υἱὸν αὐτοῦ ἐπὶ τὸ θυσιαστήριον; 22 βλέπεις ὅτι ἡ πίστις συνήργει τοῖς ἔργοις αὐτοῦ, καὶ ἐκ τῶν ἔργων ἡ πίστις ἐτελειώθη, 23 καὶ ἐπληρώθη ἡ γραφὴ ἡ λέγουσα· ἐπίστευσεν δὲ Ἀβραὰμ τῷ θεῷ, καὶ ἐλογίσθη αὐτῷ εἰς δικαιοσύνην, καὶ φίλος θεοῦ ἐκλήθη. 24 ὁρᾶτε ὅτι ἐξ ἔργων δικαιοῦται ἄνθρωπος καὶ οὐκ ἐκ πίστεως μόνον. 25 ὁμοίως δὲ καὶ Ῥαὰβ ἡ πόρνη οὐκ ἐξ ἔργων ἐδικαιώθη, ὑποδεξαμένη τοὺς ἀγγέλους καὶ ἑτέρᾳ ὁδῷ ἐκβαλοῦσα; 26 ὥσπερ γὰρ τὸ σῶμα χωρὶς πνεύματος νεκρόν ἐστιν, οὕτως καὶ ἡ πίστις χωρὶς ἔργων νεκρά ἐστιν.]

14 Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Kann ihn etwa der Glaube retten? 15 Wenn ein Bruder oder eine Schwester unbekleidet sind und der täglichen Nahrung entbehren, 16 und jemand von euch spräche zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmet euch und sättiget euch, ohne dass ihr ihnen das Nötige für ihren Leib gebt – was wäre das nütze? 17 So auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist tot in sich selber..*1 18 Es könnte ja jemand sagen: Du hast den Glauben, ich habe die Werke. (Ich aber sage euch:) Zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich will dir aus meinen Werken den Glauben zeigen. 19 Du glaubst, dass Einer Gott ist? Du tust wohl daran. Auch die Dämonen glauben (das) und zittern. 20 Willst du wohl einsehen, du leerer Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nichtig ist? 21 Abraham, unser Vater, wurde er nicht aus Werken gerechtfertigt, als er Isaak, seinen Sohn, auf den Altar darbrachte? 22 Da siehst du,
wie |472 der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte, und aus den Werken wurde der Glaube vollendet, 23 und es wurde die Schrift erfüllt, die sagt: Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet, und er wurde Gottes Freund genannt. 24 Da seht, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. 25 Ebenso auch Rahab, die Hure, wurde sie nicht aus Werken gerechtfertigt, da sie die Kundschafter aufnahm und auf einem anderen Wege wieder entließ? 26 Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.


Wir haben den Abschnitt gehört, der den Jakobusbrief vor anderen berühmt oder berüchtigt gemacht hat. Was hier problematisch ist, braucht ja kaum gesagt zu werden:

Dies ist der Abschnitt, der Luther zu jenem Urteil über die ganze Epistel veranlasst hat, sie gehe «stracks wider S. Paulum» und könne nur schon darum keine apostolische Schrift sein.272 Als ich vor 13 Jahren, frisch von Exegese, die diesem Urteil Luthers zu Grunde liegt, so überzeugt, dass ich die Unverfrorenheit hatte, unter Berufung auf Luther zur Abwechslung eine Predigt statt über gegen den Text zu halten und den armen Jakobus unter Aufrufung des Römer- und Galaterbriefes vor der Gemeinde in aller Form zu widerlegen.273 Ich würde das heute nicht mehr tun, nicht etwa darum, weil ich kirchlich rücksichtsvoller geworden wäre, sondern weil ich meine, dass, gerade von der scharf erfassten entgegengesetzten Ansicht des Paulus aus,
die |474 Möglichkeit und Notwendigkeit besteht, den Jakobus auch zu hören mit seiner anderen Ansicht.

Ich sage: von der entgegengesetzten Ansicht des Paulus aus die andere Ansicht des Jakobus. Es kann sich also nicht etwa darum handeln, auf den Doktorhut Luthers aspirieren zu wollen, den er dem versprochen hat, der Paulus und Jakobus hier zusammenreimen könne, unter Hinzufügung, dass er, Luther, sich, wenn dies gelinge, einen Narren schelten lassen wolle (E.A. 62,127).275 Nein, es reimt sich wirklich nicht, wenn man dem Text nicht Gewalt antun will.

Aber es reimt sich noch manches nicht in der Theologie, und wenn man im Besitz der besten Theologie wäre, oder vielmehr: es reimt sich nur im Gegenstand der Theologie, auf dem messerscharfen Grat der Wahrheit selber, aber nicht in den verschiedenen Theologien, die diese Wahrheit zu fassen suchen, oder noch anders gesagt: es reimt sich in einer guten Theologie, sofern eine solche die Eigenschaft haben muss, unbeschadet der Bestimmtheit ihrer eigenen Thesen über sich selbst hinauszuweisen auf ihren Gegenstand, der auch der Gegenstand anderer, vielleicht schlechterer Theologien ist, und insofern
über sich |476 selbst hinauszuweisen auch auf sehr entgegengesetzte, mit ihren eigenen unvereinbare Anti-Thesen. Eine solche gute Theologie ist z. B. die paulinische. Ich für meine Person ziehe die Gedankenbahnen des Paulus denen des Jakobus entschieden vor, aber ich halte es für möglich und geboten, von Paulus aus, und insofern doch auch mit Paulus, die Gedankenbahnen des Jakobus auch zu durchlaufen, auch ernst zu nehmen, sie als wichtigste Unterstreichung, als notwendigstes Frage- und Ausrufezeichen zu Paulus auch gelten zu lassen und zur Geltung zu bringen.

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Lassen wir also auch hier Jakobus Jakobus sein, ohne Unionspolitik, aber auch ohne uns durch starres Haften an den Begriffen und rasches Aburteilen daraufhin die Augen zu verschließen vor dem, was er an seinem Ort und an seiner Stelle und in seinen [Worten] zur Erfassung derselben Wahrheit zu bemerken hat. Wie geboten es sein könnte, gerade in der heutigen Christenheit auch mit Jakobus zu denken und aus Jakobus heraus zu reden, das haben Sie mir im Lauf dieses Winters vielleicht ein wenig abgenommen.

Doch zur Sache. Das Wort πίστις, das mit V. 14 in den Mittelpunkt rückt, fiel schon in V. 1. Die Leser meinen πίστις vereinigen zu können mit προσωπολημψία. Dieser Meinung tritt Jakobus dort entgegen, indem er in nachdrücklichster Weise an den Inhalt, an das Objekt des Glaubens, an die Offenbarung, an Gott in Christus erinnert, der dieses πίστις, in V. 1-13 in den kirchlichen Frieden hineinwarf. Aber er zeigt schon damit, dass er den Glauben dort einführt als etwas,
was der Mensch neben |480 anderen Eigenschaften haben kann, etwa durch die Eindringlichkeit, mit der er sich einzuschärfen genötigt sieht, dass das so nicht geht, dass Glaube den Blick auf eine Realität in sich schließt, die alle auf ein Sowohl­-Als auch begründete Ordnung sprengen muss, – er zeigt schon dadurch, dass er bei den Lesern einen Sprachgebrauch von «Glauben» voraussetzt, in dem die Erinnerung an den ­Dynamitcharakter dieser Sache verwischt, die menschliche religiöse Möglichkeit, dass man eben gläubig sein kann, allein übrig geblieben ist und der darum erst wieder dynamisch gemacht, mit seiner ursprünglichen Bedeutung gleichsam geladen werden muss. Man kann den ganzen Abschnitt V. 1-13 auffassen als einen energischen Versuch, den Begriff des Glaubens wieder scharf zu laden; im Effekt kommt es jedenfalls auf das heraus. Der Abschnitt V. 14-26 nun gilt dem Nachweis, dass ein nicht-geladener oder blind geladener Glaube, ein Glaube, der nicht die Wirkung hat, den Menschen in der von 1,22 an vorgesehenen Weise in Anspruch zu nehmen, ihn zum ποιητὴς λόγου zu machen, dass ein solcher Glaube nicht, wie die Leser meinen, weil er doch Glaube ist, den Menschen rettet (V. 14) oder rechtfertigt (V. 24), sondern vielmehr unnütz ist (V. 14), nichtig (V. 20), ja, wie es zweimal scharf heißt: tot (V. 17 und 26). Nun aber das Entscheidende und Bezeichnende: Die Leser berufen sich für ihren Sprachgebrauch von «Glauben», der ihnen ermöglicht, gläubig und faul zu sein, um es kurz zu sagen, eine doppelte Buchführung zu führen: hie Glauben, hie – keine Werke, hie Innerlichkeit und Gesinnung, hie äußerliche Lebensordnung unter eigenen Gesetzen, hie religiös vertiefte Überzeugung, Weltanschauung und Bildung, hie alles Übrige, was sonst zum Leben gehört, – sie berufen sich für die Beruhigung bei einer Paradoxie, die eben nicht aufzulösen sei, und für das harmonisch-temperierte Christentum, das sich daraus ergibt, auf den Römer- und Galaterbrief, auf die Theologie des Paulus jedenfalls.

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Ich halte es nämlich für ganz unmöglich, diesen Abschnitt etwa mit Zahn ohne irgendwelche Beziehung auf Paulus zu verstehen.279 Man müsste sich dann wirklich mit Windisch wundern, wer doch der «phänomenale Dunkelmann»280 gewesen sein möchte, der vor Paulus ohne Zusammenhang mit ihm diese Sätze aufgestellt haben möchte, die hier bestritten werden. Eine andere Frage ist natürlich die, ob die Leser und der Verfasser des Jakobusbriefes die paulinischen Briefe aus eigener Lektüre gekannt haben. Ich möchte sie, ohne ein bestimmtes Urteil zu fällen, für mich mit größerer Wahrscheinlichkeit für Beide verneinen. Es kann doch gut so sein, dass es sich um Schlagworte und Stimmungen handelte, die, von der mündlichen und schriftlichen Tätigkeit des Paulus ausgehend, in der Luft lagen, nachgeredet und nachempfunden wurden auch von solchen, ja gerade von solchen, die Paulus noch nie gesehen oder gelesen, die aber aus seinen Gedanken, soweit sie sie begriffen, soweit sie zu ihren eigenen Voraussetzungen zu passen schienen, Schlüsse zu ziehen wussten, die ihnen außerordentlich angenehm waren, ohne dass sie sich weiter darum bekümmerten, was etwa Paulus selbst dazu gesagt haben möchte, wie es ja bis auf den heutigen Tag vorkommt. Sie haben etwas läuten gehört, der große Mann vertrete die Anschauung, dass der Mensch vor Gott gerechtfertigt werde allein durch den Glauben und ohne die Werke, und dass er dabei immer wieder auf die Genesiserzählung vom Glauben Abrahams und auch wohl auf
die Hure |488 Rahab von Jericho verweise. Sie entnahmen daraus, dass Frömmigkeit ein Ding für sich sei Christentums, die sich aus dieser Einsicht ergeben mussten. Und die schneidigen, tiefsinnigen und radikalen Formeln des Paulus waren die feste Burg, in der sie sich zur Behauptung dieser Lebensanschauung gegen alle etwaigen Schwärmer und Treiber verschanzten.

Man kann fast als sicher annehmen, dass bei der Konstituierung dieser Theologen der betreffenden Gemeinden – oder was damals so hieß – eine wichtige Rolle spielten. Theologische Kunst ist es jedenfalls damals – nicht zum letzten Mal – gewesen, das paulinische Evangelium so zu verstehen, dass eine derartig frohe Botschaft für alle, die mit Gott und der Welt in Frieden leben möchten, daraus werden konnte. Was tut nun Jakobus dieser Sachlage gegenüber? Es bleibt eine denkwürdige Sache, dass das Neue Testament uns aufs unzweideutigste dieses Schauspiel bietet: ein Apostel, der ganz unverkennbar ans Werk geht, die Lehre eines anderen, und zwar ausgerechnet des größten und in allen christlichen Jahrhunderten wenn auch nicht meistverstandenen, so doch meistgelesenen und die größte Autorität besitzenden, einfach zu stürzen wie Gideon den Altar des Baal zu Ophra [vgl. Ri. 6,27]. Denn anders als einen Angriff auf Paulus kann man diesen Abschnitt wirklich nicht verstehen, nicht auf seine Person natürlich – darum konnte es sich ja nicht handeln, und darum wird auch sein Name nicht genannt –, wohl aber auf seine Sache, so wie [sie] dem Jakobus bei seinen Lesern als geistige Macht entgegentrat. Wer hier nicht merkt, dass man das Neue Testament als Ganzes auf keinen Fall als Quellenbuch richtiger dogmatischer Sätze lesen kann, weil es selber seine entscheidendsten dogmatischen Sätze wieder in Frage stellt – und es ist das nicht etwa der einzige Fall, denken Sie nur an das Verhältnis zwischen Johannes und den Synoptikern –, wer es hier nicht merkt, was offenbar bei der Zusammenstellung des neutestamentlichen Kanons noch
gemerkt |490 wurde: dass es sich im Neuen Testament als Ganzem nicht um einen -ismus handeln kann, sondern um einen Gegenstand, der jenseits aller, auch aller apostolischen -ismen liegt, der wird es sonst schwerlich merken.
Also Jakobus bemüht sich nicht etwa, seinen Lesern ein richtigeres Verständnis der paulinischen Sätze beizubringen und das, was er ihnen selber zu sagen hatte, im Rahmen der paulinischen Sätze zum Ausdruck zu bringen. Das wäre eine Möglichkeit gewesen; denn zweifellos kann man das, was er hier sagen wollte, auch in den Formeln des Römerbriefs, also ohne Angriff auf Paulus, sagen.

Dass Jakobus diese Möglichkeit nicht gewählt hat, sondern die andere, den paulinischen Sätzen seine eigenen in kontradiktorischem Gegensatz gegenüberzustellen, damit hat er nicht nur den Auslegern aller Jahrhunderte schwerstes Kopfzerbrechen verursacht, weil er sie in die Zwangslage versetzte, nun selber wieder um des kirchlichen Friedens willen zu harmonisieren, wo er doch gerade und ausdrücklich kontrastiert hatte, er hat auch selber – starke Linien im Katholizismus sind des Zeuge – wieder Verwirrungen, Missverständnisse und Plattheiten [hervor]gerufen, sehr ähnlich denen, die er bekämpfen wollte. Es ist das Los aller Menschenworte, von dem auch Apostelworte nicht ausgenommen sind, dass sie an sich alle fähig sind, missverstanden zu werden und Missverständnis zu erzeugen und dass sie, um unmissverstanden und nicht Missverständnis erzeugend aufgenommen zu werden, immer wieder des Geistes (des heiligen Geistes!) bedürfen, der den Buchstaben, der an sich tötet, zu einem lebendigen Wort macht [vgl. 2.Kor. 3,6].

Also, Jakobus greift Paulus oder den Paulinismus an, das ist von seinen ersten Worten an ganz klar. Ich weiß nicht, ob er Paulus vorher gelesen hat; ich glaube es nicht. Wenn er es getan hätte, so wäre sein Vorgehen vielleicht gehemmter ausgefallen. Er hätte sehen müssen, dass er, indem er den Abusus bekämpfte, den Usus selber, mit seinen Lesern, gründlich missverstand. Die literarischen Verhältnisse waren ja damals nicht wie heute;
die gar nicht |492 fähig sind, Schriften eines Anderen ruhig und objektiv zu lesen. Kurzum, Jakobus hat die Tatsache als gegeben hingenommen, dass der faule Sinn von πίστις, Glaube, undynamisch gefasst, als religiöse Verfassung des menschlichen Subjekts, ohne den objektiven Gehalt, den er selbst ihm in V. 1 in so nachdrücklicher Weise gegeben, Glaube ohne den erfüllenden Sinn von Treue Gottes im Hintergrunde, Glaube als fromme Gläubigkeit, dass dies auch der Sinn von πίστις in den ihm als Schlagworte entgegengehaltenen Stellen sei. Schlimmer konnte Paulus natürlich nicht missverstanden werden, aber wie oft ist er seither ohne die prophetische Polemik des Jakobus, nein, in der guten Meinung, das sei der wahre Paulus, so missverstanden worden.

Doch folgen wir nun abgesehen von dieser Frage, die ja im Verhältnis zur Sache eine Nebenfrage ist, unserem Texte. Also dieser Glaube, schreibt Jakobus, euer paulinischer Glaube, wie er meint, der bestehen kann ohne «Werke»,*2, d. h. nach 1,25, wo dieser Begriff zuerst auftaucht, ohne dass der Mensch hineinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt, ohne dass er selbst durch das Wort, auf das sich sein Glaube richtet, gefangen genommen wird, oder nach 2,1-13, ohne dass er merkt, dass dieses Wort (das Objekt des Glaubens ist ja 2,1 deutlich genug beschrieben) ihn ganz gefangen nehmen muss, wenn sein Glaube wirklich Glaube ist, – dieser auf das religiöse Gebiet eingehegte, statische, behagliche Glaube – was nützt er?, fragt Jakobus sehr handgreiflich V. 14 und setzt peremptorisch uneingeschränkt hinzu: der Glaube kann ihn, den Menschen, der ihn hat, nicht retten..*3 Die unverhohlene Skepsis gegenüber dem
Wert der |494 sogenannten Religion ist es, was Jakobus hier predigt. Wie sollte das Ding retten, den Menschen aus der Not seiner Menschlichkeit herausreißen, was sich ja eben durch seine Isolierung, durch seine Beziehungslosigkeit zur Existenz des Menschen als nur-menschlich, als höchst diesseitig erweist? Wie sollte es eine Antwort geben, wo gar keine wirkliche Frage ist? Und zur verheißungsvollen Frage an Gott könnte doch Religion erst werden, wenn sie, bezogen auf die «Werke», auf die Existenz des Menschen, auf die Problematik seiner wirklichen Lage, ihr friedliches Eigenleben aufgeben würde. |

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V. 15-16.*4 veranschaulicht das Skeptische, das er sagen will, an einem Gleichnis; kurz ausgedrückt: Eine Armenbescherung, die nur in einer erbaulich-ermunternden Ansprache an die versammelten Hungernden und Frierenden besteht. Tertium comparationis: es passiert etwas an sich gewiss recht Schönes und Löbliches, aber was soll das, wenn das, wonach die Situation schreit und worauf doch eigentlich auch dieses Schöne und Löbliche hindrängt, nicht geschieht?

So, lautet die Anwendung, ist auch der Glaube tot in sich selber (V. 17),*5 man kann vielleicht auch übersetzen: für sich allein tot. Wenn Jakobus gemeint hat «tot in sich selber», so liegt in dem Ausdruck die Erinnerung daran, dass dieser Glaube eben gar nicht der wirkliche, V. 1 bezeichnete Glaube ist, sondern in dieser Abstraktion vom Menschen und seinem tatsächlichen Tun, seinen ἔργα, eine Scheinexistenz, als Glaube ein Leichnam.

502 V. 18.*6 ist die besondere crux interpretum dieses Abschnitts. Das ἀλλ’ ἐρεῖ τις scheint wie 1.Kor. 15,35 einen Einwand einzuleiten. Aber als Ein*7 das, was Jakobus vertritt, müsste das Folgende gerade umgekehrt lauten: σὺ ἔργα ἔχεις, κἀγὼ πίστιν ἔχω. Es lautet aber nicht so. Verschiedene mehr oder weniger künstliche Lösungen sind versucht worden. Ich erwähne die beiden mir wahrscheinlichsten. Die erste habe ich bei der Übersetzung angedeutet: Es könnte jemand so zu den Lesern reden: Du hast den Glauben, das ist ein nötiges und gutes Stück, und ich habe die Werke, ein auch nötiges und gutes Stück, es muss und darf beide «Typen» von Christlichkeit geben, einen mehr auf das Innerliche gerichteten und einen mehr zur Tat drängenden – ein den Ohren des modernen Protestantismus gewiss sehr einleuchtender Vermittlungsvorschlag also eines Dritten, der sachlich mehr auf seiten des Jakobus stände, ohne doch dessen Schroffheit mitzumachen. Solche sanfte Dritte im Spiel hat es gewiss schon damals gegeben. Und nun bräche Jakobus mit einem nicht ausgesprochenen «Ich aber sage euch!» los und sagte an diesem Vermittler vorbei: Zeige mir usf. Es würde mir sehr gut gefallen, wenn das die Lösung wäre, aber sie ist sehr bedrückt durch das Fehlen irgend eines ἀλλά oder δέ bei δεῖξόν μοι, das jenes «Ich aber sage euch» wenigstens andeuten |504 würde. So muss die andere Möglichkeit ins Auge gefasst werden, dass nach dem ἀλλ’ ἐρεῖ τις ein alter Abschreiber einen kurzen Satz, der die eigentliche Gegenrede eines Pauliners [enthielt,] aus Versehen ausgelassen hat, etwa des Inhalts: «Was nützen Werke ohne Glauben? Auf den Glauben kommt es an, den habe ich, hast du ihn auch?»287 Und dann würde Jakobus antworten: Du hast den Glauben, und ich habe die Werke! Ich nehme die Teilung vorläufig an. Aber sieh zu, was daraus wird: Zeige mir usf. Ganz klar ist also nur diese zweite Hälfte des Verses, in der Jakobus in scharfer Wendung sagt, dass es eine solche Verteilung der Fraktionen auf verschiedene christliche Typen nicht geben kann: keine Werke ohne Glauben, das sagt der zweite Satz: indem ich als ein vom Wort Gottes Angegriffener handle, habe und beweise ich auch Glauben!.*8 – eine bei dem relativen Sinn, den πίστις bei Jakobus nun einmal hat, ganz unanstößige und einleuchtende Behauptung. Wie aber steht es, und das ist der Sinn des betonten ersten, mit deinem Glauben ohne Werke, mit deiner Religion ohne existentielle und totale Entscheidung? Was hast und was beweisest du damit? Lass einmal sehen, was das ist, dein Glauben ohne Werke!! Je nach der Auffassung von V. 18a wird man darin ein kräftiges Beiseiteschieben jenes Vermittlers oder aber die Parade auf den Hieb des Pauliners zu erblicken haben, auf alle Fälle aber den sehr energisch ausgesprochenen Zweifel, ob der Typus der Innerlichkeit, der bloßen πίστις, nicht eine ganz gefährliche Windbeutelei sein möchte.

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508 V. 19*9 bringt ein neues Argument: Der Pauliner sagt: Ich glaube an den einigen Gott! Man fasst das gewöhnlich auf als das intellektualistische Bekenntnis eines dürftigen Monotheismus290, in dem der Glaube der Gegner sein Hauptstück gehabt habe. Die Formel εἷς ὁ θεός oder εἷς θεός war aber, wie Sie in der Dissertation von Herrn Kollegen Peterson nachlesen können, in der ganzen alten Christenheit vom 2. Jahrhundert an im Gegenteil die enthusiastische Akklamation des Volkes angesichts des offenkundigen Wunders, also etwas sehr Inhaltsvolles und Prägnantes.292 Das καλῶς ποιεῖς, mit dem Jakobus wie V. 8 dieses Bekenntnis bestätigt, ist also nicht in dem spöttischen Sinn gemeint: Ihr tut wohl daran, dass ihr wenigstens den ersten Artikel für wahr haltet, aber das tun die Dämonen auch usf. Auch dieses «für wahr halten», das man 293 Es ist wohl Ironie in den Worten des Jakobus, aber eine grimmige Ironie, wenn er sagt, dass die Dämonen bei dem Glauben εἷς ὁ θεός auch dabei seien, nicht bei dem dünnen Glauben an die Einzigkeit Gottes, sondern – Schlatter weist hier sicher sehr richtig auf die Erscheinungen bei den Dämonenaustreibungen.*10 in den Synoptikern hin295 – bei dem ekstatischen Glaubensbekenntnis angesichts der Offenbarung. Dieses die Seele des Redenden wahrhaftig im Tiefsten erschütternde Glauben und Bekennen nennt Jakobus an sich, für sich allein unnütz, unfruchtbar, tot. Die Dämonen sind auch dabei |510 und zittern, sie glauben, sie sind sehr religiös und – zittern. Ihre Erkenntnis und ihr Bekenntnis kann nur ihr Gericht sein: Jesu, du Sohn Gottes, was haben wir mit dir zu schaffen? Bist du gekommen, uns vor der Zeit zu verderben? (Mt. 8,29). Frömmigkeit gibt es eben auch in der Hölle.

V. 20*11: Wer das nicht merkt, dass ein solcher Glaube, der sein Leben gar nicht in Anspruch nimmt und aufrollt wie einen Teppich, nichtig ist, dass er mit der Entschuldigung: ich bin doch fromm! vor Gott so |512 wenig bestehen kann wie mit einer anderen Entschuldigung: der ist ein ἄνθρωπος κενός. Ein κενός ist dasselbe wie ῥακά (Mt. 5,22), also nicht «Hohlkopf» im Sinn eines Gedankenlosen, sondern ein Narr in dem kräftigen alttestamentlichen Sinn eines Gottlosen, der sich einbildet, etwas Anderes zu sein. Er braucht Gott, um sich vor Gott in Sicherheit zu bringen. Und nun Abraham, das paulinische Schulbeispiel, V. 21ff.,*12 wie wurde er gerechtfertigt? Indem er starr gen Himmel blickend glaubte? Nein, sondern indem er seinen Sohn Isaak auf den Altar legte, also indem er lebte, indem er handelte, indem er der glaubende Abraham unter Preisgabe des Besten, was er hatte, nun tatsächlich war. Jakobus weiß natürlich, wie V. 23 zeigt, auch, dass das Wort «er wurde gerechtfertigt» von Abraham gesprochen wurde, da Isaak noch gar nicht geboren war, da er also in der Tat nur starr gen Himmel blickend glauben konnte. Aber er verwahrt sich gegen die Isolierung dieses Aktes gegenüber den übrigen, späteren Lebensakten, die er vielmehr mit jenem in unaufhörlichem Zusammenhang dachte: der Glaube Abrahams – gemeint ist bei Jakobus: der religiöse Akt als solcher – wirkte zusammen mit den Werken, oder anders ausgedrückt: in den Werken vollendete sich sein Glaube, und so, d. h. an diesem ganzen, als Totalität vor Gott stehenden Abraham, erfüllte sich die Schrift: Abraham glaubte dem Herrn, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und darum wird er ein Gottesfreund genannt. «Von dem Wert, den ein Glaube als Überzeugung
für sich ha|514ben kann, weiß der Vf. nichts», bemerkt hier Windisch tadelnd.297 Man kann nur hinzufügen: In der Tat nicht!

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Also, schließt Jakobus diese Abrahamsepisode V. 24*13: sehet, dass der Mensch aus den Werken und nicht aus dem Glauben allein gerechtfertigt wird! Das geht «stracks wider St. Paulum»300, daran ist nicht zu deuten und zu rütteln, aber allerdings nur wider St. Paulum, wie er dem Jakobus in seinen Epigonen und -ianern entgegentrat. Diesem St. Paulus einen Riegel zu schieben war sicher eine gute Sache, der Luther vielleicht doch auch noch etwas mehr Aufmerksamkeit hätte schenken dürfen, wenigstens im Blick auf seine eigenen -aner. Man wird diese Polemik des Jakobus darum nicht für weniger vortrefflich halten, weil sie mit dem Römerbrief des Paulus selbst allerdings gar nichts zu tun hatte. Dass Paulus dabei einiges Unrecht geschah, war weiter kein Unglück. Dergleichen passiert in der Geistes|518geschichte fortwährend, gäbe es kein schlimmeres Unrecht. Was Jakobus in seinen Begriffen sagen will, ist einfach richtig. |

Der V. 25 bringt dann noch ein zweites Beispiel: die Hebr. 11,31 unter den Zeugen des Glaubens genannte Hure Rahab,*14 die wohl bei Paulus selbst nicht gehandelt hat und als Täterin von Werken gerechtfertigt worden ist. Dass sie mit ihrem Werk, das ein Hochverrat war, in diesem Zusammenhang erscheinen kann (im Hebräerbrief steht doch ihr Glaube, nicht ausgerechnet diese ihre Tat im Mittelpunkt), das scheint mir ein neuer Beweis dagegen, dass man es in Jakobus mit einem philiströsen Kleinbürger zu tun habe und als ob seine ἔργα mit dem, was Paulus und Luther «Werke» nannten, etwas zu tun hätten. Die ἔργα des Jakobus sind nur schon nach diesen beiden Beispielen,
ganz abgesehen von |520 dem ganzen Zusammenhang der Stelle, der Heroismus, den er mit Recht vom wirklichen Glauben (Glauben aber in seinem Sinn verstanden) unabtrennbar denkt. Über die Voraussetzung, wie es überhaupt dazu komme, dass ein Mensch als Mensch vor Gott ­gerechtfertigt dastehen kann, hat er nicht reflektiert. Hier würde der Glaubensbegriff des Paulus einsetzen. Jakobus begnügt sich damit, festzustellen: wenn der Mensch gerechtfertigt und gerettet wird, dann auf keinen Fall nur als homo religiosus, sondern als der ganze Mensch.
Das Heilige als Schlupfwinkel aber ist unnütz, tot, sagt er V. 26.*15 noch einmal, wie ein Leib ohne Geist. Beachten Sie die Pointe dieses Gleichnisses: der Glaube der Leib, das Werk der belebende Geist. Diese Umkehrung der gewöhnlichen Ordnung hat damals sicher wie ein Peitschenhieb berührt. Gerade in dieser Diskreditierung des religiösen Übermuts steckt der ganze Jakobus. Ich wiederhole, was ich am Anfang unserer Vorlesung sagte: er war ein Prophet des Reiches, das nicht von dieser Welt ist [Joh. 18,36], in seiner Weise so gut wie Paulus.303

471 Erklärung des Jakobusbriefes
W.S. 1928/29

Jakobus 2,14-26

Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe den Glauben,
hat aber nicht Werke?
Kann ihn etwa der Glaube retten?
Wenn ein Bruder oder eine Schwester unbekleidet sind
und entbehren der täglichen Nahrung;
es spräche aber jemand von euch zu ihnen: Geht hin im Frieden!
Wärmet euch und sättiget euch,
ohne dass ihr ihnen das Nötige für ihren Leib gebt
- was wäre das nütze?
102 So auch der Glaube.
Wenn er nicht Werke hat – tot ist er für sich allein.
Es könnte ja jemand sagen:
Du hast den Glauben, ich aber die Werke.
Zeige mir deinen Glauben, ohne die Werke,
und ich will dir aus meinen Werken den Glauben zeigen!
Du glaubst, dass ein Gott ist?
Du tust wohl daran.
Auch die Dämonen glauben und zittern.
Willst du wohl einsehen, du leerer Mensch,
dass der Glaube ohne die Werke nichtig ist?
Abraham, unser Vater, wurde er nicht aus den Werken gerechtfertigt?
Als er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar darbrachte?
Da siehst du, wie der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte,
und die Schrift erfüllt wurde, die da sagt:
Abraham glaubte Gott,
|473 und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet,
und er wurde Gottes Freund genannt.
Da seht: dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird
und nicht aus Glauben allein!
Ebenso auch Rahab, die Hure,
wurde sie nicht aus Werken gerechtfertigt,
da sie die Kundschafter aufnahm und auf einem andern Wege wieder entließ? Denn wie der Leib ohne Geist tot ist,
so ist auch der Glaube ohne Werke tot.

Wir haben den Abschnitt gehört, der den Jakobusbrief vor andern berühmt und berüchtigt gemacht hat. Was hier problematisch ist, nicht etwa nur für den Dogmatiker, sondern schon für den Exegeten des Neuen Testaments, der, wenn er den einen Schriftsteller liest, nicht davon absehen kann, dass neben ihm andere stehen, also nicht absehen von der Frage, was sich wohl die Kirche bei der Entstehung des Kanons bei ihrem Nebeneinander gedacht haben möchte – also was hier problematisch ist, braucht ja nicht erst ausgesprochen zu werden.

Dies ist der Abschnitt, der Luther zu jenen harten Urteilen über 103 unsern Brief veranlasst hat, deren wir eingangs gedachten.

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Dies ist wohl auch der Abschnitt, um dessen, d. h. um dessen Verhältnis zum Römer- und Galaterbrief des Paulus willen die Kirche mit der Rezeption unsres Briefes in den Kanon  so lange gezögert hat. «Die Schleppenträger der Isebel und des Antichrist sehen hier einen Zwiespalt zwischen Jakobus und Paulus», hat P. Geyser in einer Predigt über diesen Text versichert.274 Ich würde, ohne diese Scheltrede zurückzugeben, im Gegenteil sagen: Wer hier einen Zwiespalt zwischen Paulus und Jakobus nicht sieht oder nicht sehen will, der hat diesen Text nicht ruhig und ohne ihn nach seiner Dogmatik meistern zu wollen gelesen.

Die Möglichkeit, Jakobus zu verstehen, aber auch die Möglichkeit, Jakobus zu würdigen und im Gegensatz zu Luther seiner Existenz im Kanon froh zu werden, besteht und fällt damit, dass man ihn in seinem Gegensatz zu Paulus versteht. Es kann sich also, wenn wir den Versuch machen, nun auch diesen Abschnitt in derselben positiven Weise zu uns reden zu lassen, wie wir es mit den bisherigen getan haben, nicht, gerade nicht darum handeln, uns jenen Doktorhut Luthers zu erwerben, den er dem aufzusetzen einmal versprochen hat, der Paulus und Jakobus zusammenreimen könne, mit dem Hinzufügen, dass er, Luther, sich, wenn dies gelingen sollte, einen Narren schelten lassen wolle (E.A. 62,127).275 Nein, Luther war schon kein Narr, denn es reimt sich wirklich nicht. Aber es reimt sich noch manches nicht in der Bibel, z. B. Gesetz und Propheten im Alten oder Johannes und die Synoptiker im Neuen Testament, und ist darum doch und gerade so in diesem Sich-nicht-Reimen, in dem Zusammenstoß des Sich-nicht-Reimenden in uns als den Hörern und Lesern der Schrift, die eine widerspruchsfreie Wahrheit des Wortes Gottes.

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Gerade wenn wir die Bibel als kanonische Schrift lesen, werden wir ja sagen müssen: Uns, sofern wir uns etwa nach Anleitung des Paulus einen christlichen oder theologischen Standpunkt gebildet haben, trifft das Gegenwort, der Widerspruch des Jakobus. Er muss dem Paulus widersprechen und muss als solcher Widersprecher des Paulus im Kanon   stehen und von uns durchaus als solcher verstanden werden, damit uns, sofern wir vielleicht Pauliner und mehr Pauliner  als Christen sind, widersprochen sei. Gerade wie für eine jakobeisch orientierte 104 Christlichkeit und Theologie für alle Zeiten der Römer- und Galaterbrief [als] der ihr nötige Widerspruch im Kanon niedergelegt und daselbst in derselben Offenheit dafür, dass hier ihrem Klassiker widersprochen wird, zu hören ist. Es war und ist eben ein nicht festzuhaltender und ja nicht zu erneuernder Irrtum der Orthodoxie, wenn sie den Satz, dass die Bibel das Wort Gottes ist, dahin interpretierte, dass sie ein in sich geschlossenes System von expliziten Wahrheiten bilde, dessen einzelne Bestandteile sich im menschlichen Hörer so reimen müssten, wie sie sich in Gott  als dem einen auctor scripturae  allerdings, aber eben wirklich nur in Gott jenseits von Paulus und Jakobus zweifellos reimen.276 Ein wirklicher Hörer des biblischen Wortes als des Wortes Gottes hört an jeder Stelle gerade das, was nun eben an dieser Stelle ihm gesagt ist. Er lässt sich also beim Hören des Wortes des Jakobus durch den freilich nötigen Seitenblick auf Paulus und durch die Feststellung, dass Jakobus dem Paulus irgendwie widerspricht, nicht zerstreuen in seinem Hören auf das, was ihm nun eben durch Jakobus gesagt wird, sondern er lässt sich jene Feststellung zum nötigen Mittel dienen, um Jakobus |479 recht und genau zu hören, gewiss zur Erschütterung seines Paulinismus, aber eben so zu seiner Erbauung und Befestigung durch das immer lebendige Wort Gottes selber. Warum sollen Paulus und Jakobus nicht, gerade indem sie sich widersprechen, legitime und notwendige Zeugen des ihnen offenbarten und anvertrauten Wortes Gottes selber sein? Wir haben also gerade unter Voraussetzung einer richtigen Auffassung von der Inspiration, ja von der Verbalinspiration der heiligen Schrift277, allen Anlass, weder mit Luther uns die Ohren zuzuhalten vor dem, was nun kommt, weil wir hier etwas sehr Anderes zu hören bekommen als bei Paulus, noch auch, um hören zu können, uns das Hören dadurch möglich und angenehm zu machen, dass wir das Nicht-Paulinische, was wir hier zu hören bekommen, noch bevor wir es gehört haben, in ein Paulinisches umdeuten. Wobei es selbstverständlich ist, dass wir, wenn wir jetzt mit der Auslegung jener paulinischen Schriften beschäftigt wären, dasselbe im Blick auf ihren Widerspruch gegen die jakobeische Möglichkeit zu bemerken hätten.

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105 Sofort in V. 14 treten uns die entscheidenden Begriffe und Beziehungen dieses Abschnittes entgegen: Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, dass er Glauben habe, hat aber nicht Werke? Kann ihn auch der Glaube retten? Was ein Glaube  ohne Werke  «nütze», ist gefragt, und zwar, wie der Schluss zeigt: dem Menschen nütze zu seiner Errettung, nämlich im göttlichen Endgericht. V. 21 wird für «Gerettetwerden» eintreten «Gerechtfertigtwerden». Jakobus richtet |483 seine Rede, wie wir wissen, an die «zwölf Stämme in der Zerstreuung», an das erwählte Gottesvolk der «Christen», an die Kirche, an die Gemeinschaft der schon auf dem rechten Boden Stehenden, der schon Wissenden und schon Bekehrten. Und es ist bezeichnend für seine Rede, dass er auch hier, gerade hier die Frage nach dem Los des Menschen im göttlichen Gericht nicht als eine erledigte, sondern als ein offene Frage behandelt. Wo sie für erledigt gehalten wird, da wird sie von Jakobus, dem Bußprediger der Kirche, geflissentlich wieder aufgerissen. Ist denn das eingepflanzte Wort ein von euch aufgenommenes Wort, um zu sein, was es ist: das Wort, das eure Seelen retten kann?, hat er 1,21 gefragt. Und weiter 1,22: Seid ihr denn auch Täter und also wirkliche Hörer des Wortes? Es könnte ja auch vergessliche Hörer geben V. 23f., für die es dann aufs selbe herauskäme, wie wenn sie es gar nicht gehört hätten. Es gibt, so hörten wir 2,1-13, ein Haben des Glaubens an Jesus Christus unsern Herrn der Herrlichkeit, bei dem der Mensch ein Sünder, ein Übertreter ist, weil es ein ἔχειν ἐν προσωπολημψίᾳ ist. Es gibt also ein Verlorengehen mitten aus der Kirche heraus. Mitten in der Kirche wird vielleicht ganz umsonst gebetet. Mitten in die Kirche hinein muss es gesagt sein: dass die Sünde den Tod gebiert (1,15), dass das Gericht erbarmungslos sein wird über den, der nicht Erbarmen übt (2,13), dass der Richter vor der Tür steht (5,9). «Weinet und heulet über euer kommendes Elend!», wird 5,1 wiederum mitten in die Kirche hineingerufen. Jakobus deckt auf, und das ist seine besondere Sendung, dass es kein Volk Gottes gibt, das, was es ist, nicht immer aufs Neue werden, dem also nicht alle schon empfangene Antwort 106 aufs Neue zur Frage werden müsste. Auf dieser Linie liegt nun auch die Frage von V. 14: Was nützt es, wenn jemand sagt, dass er Glauben habe, hat aber nicht Werke? Man kann nach allem Folgenden unmöglich das nach Jakobus «Unnütze» darin suchen, dass der Betreffende etwa bloß sage, dass er den Glauben habe. Jakobus billigt ihm schon zu, dass er das subjektiv ehrlich sagt. Er hat den Glauben wohl, er kann sich darauf schon berufen, wie ja auch jener vergessliche Hörer das eingepflanzte Wort wohl hat. Aber wie es jenen nicht retten kann, weil er es nicht aufgenommen, weil er kein Täter des Wortes ist, so kann ihn jetzt auch sein Glaube nicht retten, weil er nicht Werke hat. Es ist in der Tat unnütz, das, worauf er sich beruft. Es ist nichtig V. 20, es ist tot V. 26. Was aber ist hier unter |485 Glaube zu verstehen? Πίστις ist im Neuen Testament allgemein gesagt das, was den Christen zum Christen macht. Das kann nun freilich auf zwei ganz verschiedene Weisen verstanden werden und bedeutet demgemäß auch im Neuen Testament ein doppeltes, wobei man an vielen Stellen schwanken kann, ob mehr auf das Eine oder mehr auf das Andere der Nachdruck gelegt wird. Πίστις heißt zweifellos grundlegend und sachlich entscheidend: das Geborgensein und Gehorsamsein des Menschen in der in Jesus Christus offenbaren und wirksamen göttlichen Bundestreue. Der Nerv des πιστεύειν ist dann die πίστις τοῦ θεοῦ Röm. 3,3, das in ihr gegenwärtige donum dei, das Wunder des heiligen Geistes. Gott, Christus und der heilige Geist hat mich, sofern ich glaube, und eben darin, dass ich glaube, und eben darum bin ich sündiger Mensch im Glauben gerechtfertigt vor Gott, wie es Paulus in den bekannten Partien des Römer-, Galater- und Philipperbriefes ausgeführt hat. Aber nun wird derselbe Vorgang auch im Neuen Testament von der andern, nämlich von der menschlichen Seite gesehen, als der konkrete psychologische Vorgang, der darin besteht, dass ich, der Mensch, Gott, Christus, dem heiligen Geist bzw. der Verkündigung des Evangeliums von diesem Gott, also der christlichen Verkündigung, mein Vertrauen und meinen Gehorsam schenke. Πίστις ist dann nicht nur eine christliche Tugend, neben der es andere, etwa die Liebe und die Hoff107nung gibt und geben muss: die Zuversicht auf die unsichtbare (Röm. 4,16ff., Hebr. 11,1), die noch nicht schaubare (2.Kor. 5,7) Gotteswahrheit, sondern auch die den Christen charakteristisch vom Heiden und Juden unterscheidende Haltung überhaupt. Πίστις ist nun Inbegriff von christlicher Frömmigkeit, ja geradezu Bezeichnung der christlichen Religion als solcher, fides qua und fides quae creditur.278 (Spuren von diesem allgemeinsten Sinn des Begriffs finden sich schon bei Paulus, vgl. Gal. 1,23). Nun liegt der Ton nicht darauf, dass Gott mich hat, sondern darauf, dass ich ihn habe. In diesem doppelten Sinn ist der Glaube das, was den Christen zum Christen macht. Es leuchtet nun ohne Weiteres ein, dass das, was die Leser des Jakobus und mit ihnen Jakobus selber Glauben nennen, also das, was sie nach V. 1 und V. 14 zu haben behaupten, dessen |487 Besitz er ihnen auch nicht abspricht, den er ihnen auch nicht klein machen will, sondern um dessen willen er sie ausdrücklich und gewiss nicht ironisch rühmt: καλῶς ποιεῖς V. 19, dass das auf die zweite Seite des Begriffs gehört. Die Sachlage ist nun aber darum kompliziert, weil diejenigen, an die Jakobus sich wendet, bei ihrer Berufung auf ihren Glauben bzw. darauf, dass der Glaube sie in Gottes Gericht retten werde, jene Gedankengänge des Paulus von der rechtfertigenden Kraft des Glaubens in den Ohren und im Sinn haben und auch wohl auf den Lippen führen, Gedankengänge, die sich auf die in der menschlichen πίστις, in der christlichen Religion und Frömmigkeit allerdings gemeinte göttliche πίστις, auf das Wunder des heiligen Geistes, nicht darauf, dass wir Gott haben, sondern darauf, dass Gott uns hat, beziehen. Es scheint mir nämlich unmöglich, unsern Abschnitt mit Zahn ohne irgendwelche Beziehung auf Paulus zu verstehen.279 Man müsste sich ja wirklich mit Windisch wundern, wer doch, wenn hier nicht auf paulinische Sätze gezielt ist, der «phänomenale Dunkelmann»280 gewesen sein möchte, der vor Paulus oder ohne Zusammenhang mit ihm die Sätze aufgestellt hätte, die hier bestritten werden. Ob die Leser des Jakobus die paulinischen Briefe selber gekannt haben, das ist eine ganz andere Frage, die ich jedenfalls in Bezug auf Jakobus selber verneinen möchte. 108 Man müsste, wenn man sie bejahen wollte, schon annehmen, dass er sie unter dem Eindruck dessen, was aus ihnen gemacht wurde, selber ganz mit den Augen seiner Leser zur Kenntnis genommen, das diesen unterlaufene Quidproquo also nicht bemerkt, sondern gegen Paulus als gegen einen Vertreter des Satzes, dass christliche Frömmigkeit den Menschen vor Gott gerecht mache, polemisiert hätte. Dergleichen kommt nun freilich auch heutzutage noch vor, aber wahrscheinlicher dürfte doch das Andere sein, dass die Polemik des Jakobus sich gegen gewisse umlaufende Sentenzen aus Paulus richtet. Man hat in den Kreisen an die Jakobus sich wendet, etwas läuten hören von einem Glauben, der allein und ohne alle Werke rechtfertige, von der paulinischen Deutung der Abrahamsgeschichte und, vgl. Hebr. 11,31, auch der Geschichte von der Hure Rahab, und man hat sich daraus eine feste Burg gebaut für eine christliche Frömmigkeit, die sich als menschliches Sein und |489 Haben, weil sie eben dieses, das christliche Sein und Haben im Unterschied von dem von Juden und Heiden war, für gesichert hielt, um sich im Übrigen, etwa im Sinn von 2,1ff., dem Lauf dieser Welt anzupassen. Ein «Ich habe», das das «Gott hat» ohne Weiteres und selbstverständlich, ohne die Frage nach dem Werk, nach dem Tun des Wortes, ja vielleicht unter tiefsinnigem Ausschluss dieser Frage, in sich zu begreifen meint. Das ist die Burg, die Jakobus nun angreift mit dem Satz, dass der Glaube ohne Werke nichts nützt, im Gericht den Menschen nicht rettet. Ein missverstandener Paulus, zweifellos, aber immerhin zweifellos Paulus. Paulus ist nun einmal gerade diesem Missverständnis [ausgesetzt]. Paulinismus jedenfalls ist zu allen Zeiten weithin eben der so missverstandene Paulus gewesen.

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Wenn wir das Neue Testament zu komponieren gehabt hätten, so hätten wir vielleicht den Jakobus die Paulus-Briefe selbst lesen und verstehen und dann an Stelle der Polemik gegen ihre Sätze, mit denen wir es nun zu tun haben, eine authentische Interpretation des Paulus schreiben, seine notwendige Ergänzung im Rahmen der paulinischen Sätze statt im Streit mit ihnen vorbringen lassen. Aber die Dinge sind nun einmal anders gelaufen.

Jakobus streitet gegen Paulus oder also gegen einen Paulinismus, 109 der, durch den Buchstaben des Paulus gedeckt, einen Glauben ohne Werke für möglich und nützlich, in jenem letzten, entscheidenden Sinn nützlich hält.

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Nein, antwortet Jakobus, der Glaube allein tut’s nicht. Es bedarf zum Glauben hinzu der Werke. Was heißt das? In der Jakobus-Brieferklärung von Fr. Horn findet sich eine Erklärung dieses Begriffs, die man auf den ersten Blick als höchst gezwungen und harmonistisch einfach von der Hand weisen möchte, die man auf den zweiten Blick als hinweisend auf den letzten allerletzten Sinn der Sache dann doch gerne zur Kenntnis nimmt und die man auf den dritten Blick dann doch als den schlichten Zugang zur Sache störend wieder zurückstellt, um sich ihrer vielleicht erst auf einigen Umwegen wieder zu erinnern. Horn erklärt nämlich die Werke kurz und gut als die Werke Gottes: die Erwählung, die Fleischwerdung des Wortes usw.281 Also: unser Glaube tauge nichts, wenn nicht dieses Werk oder diese Werke Gottes an uns geschehen. Zunächst meint Jakobus jedenfalls nicht das, ist zu sagen, auch wenn man sich der Einsicht schwerlich wird entziehen können, dass letztlich etwas Anderes als eben das nicht gemeint sein kann. Zunächst meint Jakobus mit den Werken ebenso sicher die Werke des Menschen, wie er mit dem Glauben eben deutlich ihren Glauben als solchen, ihre als menschliche Möglichkeit gemeint hat. In V. 15-16 sehen wir den Glauben verglichen mit der freundlichen liebreichen Gesinnung, die sich in dem Worte jenes Mannes V. 16 an die Armen ausdrückt, die Werke aber, die in diesem Fall fehlenden Werke mit der Tat der Fürsorge, in der er seine überaus gute Gesinnung in die Wirklichkeit umsetzen sollte. Werk ist hier offenbar gleich Wirklichkeit der guten Gesinnung, Wirklichkeit, die darin Wirklichkeit ist, dass der Mann das Entsprechende, das seiner Gesinnung genau Entsprechende, in seiner Gesinnung bereits Wahre |497 tut. Tut er es nicht, was ist seine gute Gesinnung dann nütze? Was ist Wahrheit ohne Wirklichkeit? Wir blicken weiter voraus auf die V. 21ff. Lange vor der Geschichte von Isaaks Opferung hieß es von Abraham: er glaubte dem Herrn und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Aber nun opfert er eben den Isaak, und in dieser Tat 110 wird die Schrift erfüllt, d. h. zeigt es sich, dass jenes Wort über Abrahams Glauben wirklich das Wort Gottes war. Das zeigt sich darin, dass die Wahrheit nicht allein bleibt, dass sie sichtbar wird als Wirklichkeit, in seinem Wirken, in seinem Werk. Abrahams Glaube kann nicht allein bleiben, weil er eben existentieller Glaube ist, wie es ihm von Gott zum vornherein zugesprochen wurde. Weiter V. 25  erscheint die Hure Rahab. Diese Person spielt in der damaligen jüdischen und christlichen Literatur die eigentümliche Rolle als Paradigma des nicht-israelitischen Menschen, der doch in unbegreiflicher Weise den Glauben an den wahren Gott, den Gott Israels hat.282 Aber eben darum nicht bloß den Glauben, nicht den Glauben allein, sondern auch die kühne, die hochverräterische Tat zugunsten der israelitischen Kundschafter, beeilt sich Jakobus zu sagen. Zu dem Einen tritt, gerade wo dieses Eine ist, hinzu das Zweite. Nicht nur das eine, sondern auch das andere Gebot wird erfüllt, könnten wir im Sinn von V. 10f. ergänzen. Wir denken zurück an 1,25, wo ja auch ein Täter des Werkes beschrieben wird: beschrieben als der Mann, der in der Beugung vor dem Worte Gottes verharren muss, der gleichsam verhaftet ist. Dieses Verhaftetsein ist dort das Zweite, das zum Ersten, zur Erkenntnis des Gesetzes hieß es dort, hinzukommen muss, wenn nicht Alles Schein und Trug sein soll. Und wir denken eben nochmals an V. 10f., wo der Gehorsam gegen das Gesetz als Gehorsam im Entweder-Oder dargestellt wird. Luther hat gelegentlich, wenn er von der allein in Christus begründeten Erwählung und Rechtfertigung  des Menschen, von der Alleingenugsamkeit des Glaubens usw. redete, scherzhaft hinzugefügt: Aber der Gehängte muss auch dabei sein – bei seiner Hinrichtung nämlich.283 Was da passiert, passiert freilich sehr ohne, ja gegen seinen |499 Willen, aber immerhin: er muss dabei sein, ohne ihn würde zur Hinrichtung doch etwas ganz Entscheidendes fehlen, und in gewissem Betracht ist sein Dabeisein geradezu die Hauptsache bei der Sache. Um dieses Dabeisein des Menschen geht es, wenn Jakobus von den Werken redet: natürlich um das Dabeisein des ganzen Menschen. Werke tun heißt existieren im Glauben, und insofern eben nicht nur glauben. Denn der Glaube als menschliche 111 Tat, das, was wir Frömmigkeit nennen, auch die christliche Frömmigkeit steht unter der Frage, ob der Mensch denn auch in ihr oder ihr entsprechend existiere. Nicht zwischen dem Glauben als göttliches Werk an uns, wohl aber zwischen unserm Glauben und unserm Leben will sich doch beständig eine Kluft auftun, und in dem Maß, als das geschieht, wird unser Glaube ein nutzloses, angesichts des göttlichen Gerichtes nutzloses, belangloses Tun. Er rechtfertigt uns dann so wenig, als uns irgend ein anderes im Bereich unserer Möglichkeiten liegendes Tun zu rechtfertigen vermag. Rechtfertigend ist der Abrahamsglaube, der Rahabglaube, in dem der Mensch bei der Sache ist. |

Wir können hier ohne Störung im Verständnis des Gedankens des Jakobus einschalten, was Jakobus seinem Ziel getreu nicht sagt: dass die Überwindung jener Kluft, das Bei-der-Sache-Sein, das Geschehen des Werkes also, nicht in unsere Hand gelegt ist, dass es allerdings, damit das Werk, das von mir gefordert ist, wirklich geschehe, des Werkes Gottes an mir bedarf, dass seine Gerechtigkeit nicht minder wie die des Glaubens die Gerechtigkeit ist, die Gott in Gnaden darin finden will. Aber, und damit sind wir schon wieder bei Jakobus selber: das ändert nichts daran, dass wir, gerade wenn wir in der Gnade stehen – und als solche, als die zwölf Stämme in der Zerstreuung, hört ja auch Jakobus nicht auf seine Leser anzureden –, dass wir gerade dann aufgerufen sind, diese Gerechtigkeit des Werkes neben der des Glaubens zu betätigen, wie Abraham die wirklich zu sein, als die er uns durch das zu uns gesprochene Wort anerkennt. Wir können, dass wir das Wort von der Gnade gehört haben, nicht nur dadurch bezeugen, dass wir glauben, wollten wir uns darauf beschränken, |501 dann würden wir vielmehr bezeugen, dass wir es nicht gehört haben. Das Zeugnis, dass wir wirklich gehört haben, muss auf alle Fälle auch unsere eigene Wirklichkeit, also unser Wirken, also unser Werk sein. Dann nur sind wir, die wir sind, die aus dem Worte der Wahrheit Geborenen 1,18. Also: der Glaube ohne Werke ist wirklich nutzlos. Er wird uns nicht retten. An Hand dieser Bestimmung der Begriffe und Relationen von V. 14 sollte sich nun die Erklärung des übrigen Abschnittes verhältnismäßig einfach gestalten.

112 V. 15-16 veranschaulichen den Grundgedanken zunächst an einem Gleichnis: «Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und der täglichen Nahrung entbehren und jemand von euch spräche zu ihnen: Geht hin im Frieden, wärmet euch und sättigt euch, ihr gebt ihnen aber nicht das Nötige für ihren Leib, was nützt das?» Also eine Armenbescherung, die in einer schönen Ansprache besteht. Tertium comparationis: Es geschieht nicht nichts, sondern es geschieht etwas an sich ganz Schönes und Löbliches, nur eben nicht auch noch das, wozu die ganze Situation drängt und was in jener Ansprache auch ganz richtig ausgesprochen, aber eben nur ausgesprochen ist, ein ausgezeichneter Gedanke, dem nur die Begleitung durch die Tat fehlt und der eben damit ein etwas fragwürdiger Gedanke wird – nicht an sich, aber als Gedanke des Menschen, der es so hält mit ihm. So, lautet die Anwendung V. 17, ist auch der Glaube für sich allein (der in sich ruhende Glaube) tot. D. h. doch wohl, er ist, in dieser Abstraktion vom Menschen, in seiner Abgezogenheit von der Wirklichkeit, nur noch dem Leichnam des wirklichen Glaubens zu vergleichen.

503 V. 18 ist eine ganz besondere crux interpretum. Dibelius nennt ihn nicht mit Unrecht «eine der schwierigsten neutestamentlichen Stellen überhaupt».284 Das ἀλλ’ ἐρεῖ τις scheint wie 1.Kor. 15,35 einen Einwand einzuführen. Aber als Einwand gegen das, was Jakobus vertritt, müsste das Folgende gerade umgekehrt lauten: Σὺ ἔργα ἔχεις, κἀγὼ πίστιν ἔχω. Es lautet aber nicht so, sondern: Aber, spricht jemand: du hast den Glauben und ich habe die Werke. Man hat sich geholfen, indem man einen Abschreibefehler angenommen hat: das Ursprüngliche wäre danach in der Tat jener umgekehrte Satz gewesen. Man hat weiter an den Ausfall eines Satzes gedacht, der ebenfalls jene umgekehrte Aussage enthalten hätte.285 Was dasteht, wäre dann die Antwort des Jakobus auf diesen gegen ihn gerichteten Einwand. Entschließt man sich nicht zu einer solchen Korrektur des Textes 113– und man wird diese Hilfe ja immer nur als ultima ratio ins Auge fassen dürfen –, so besteht auch die Möglichkeit, den Einwand des mit ἀλλ’ ἐρεῖ τις eingeführten Widersprechers nur in den drei Worten: σὺ πίστιν ἔχεις; bestehen zu lassen. Alles Übrige aber [ist] als Antwort des Jakobus zu verstehen. Wenn dies aus stilistischen Gründen bedenklich erscheint (Dibelius S. 146)286, so wird man in V. 18a als Sinn des gemachten Einwurfs jedenfalls den Versuch sehen müssen, Glauben und |505 Werke als Dinge hinzustellen, die je der Eine oder der Andere haben können, ohne dass das jeweilige Entbehren der Werke beim Einen, des Glaubens beim Andern notwendig einen Mangel bedeuten müsse. Beim Einen und beim Andern, sage ich. Man darf also darauf, dass der Eine als Ich, der Andere als Du bezeichnet wird, nicht den Nachdruck legen, der die ganze Sachlage hoffnungslos verwirrt machen müsste, wenn man sich zu den eben erwähnten Abhilfsmöglichkeiten nicht entschließen kann. «Σὺ und ἐγώ sind ganz tonlos geworden» (Hauck).288 «Nicht die Verteilung von Glauben und Werke auf Du und Ich ist die Hauptsache, sondern die Teilung von Glauben und Werken überhaupt» (Dibelius).289 Wollte man nämlich anders verfahren, hinter dem Du und Ich mehr suchen als eben: Der Eine, der Andere, dann bliebe nichts übrig, als zu der lange sehr beliebten Auskunft zu greifen, der in V. 18a eingeführte Zwischenredner sei ein Vermittler zwischen den beiden sich entgegenstehenden Ansichten, aber ein solcher Vermittler, der sachlich doch mehr auf Seiten des Jakobus stünde, der nun gleichsam von hinten über dessen Schulter weg daran erinnern wollte, dass es eben zwei Typen von gebe, und über den hinweggehend Jakobus dann zornig gegen den von ihm nicht vertretenen, aber doch als möglich entschuldigten reinen Glaubenstyp redend, das Folgende sagen würde. Von der unleidlich verwickelten Situation, die dabei vorausgesetzt ist, abgesehen, spricht gegen diese Lösung entscheidend, dass die Formel ἀλλ’ ἐρεῖ τις nun einmal immer einen Einwand, einen Widerspruch anzeigt und also nicht auf einen befreundeten Mitredner hinweisen kann. Richtig gesehen ist bei dieser An114sicht allerdings das, dass es sich bei dem Versuch, Glauben und Werke auf zwei verschiedene christliche Individuen zu verteilen, darum handelt, den Streit dadurch in das Licht einer gewissen Toleranz zu rücken, dass er als Streit verschiedener |507 Stimmungen, Neigungen, Erlebnisse, wie man heute sagen würde, als Gegensatz gleichberechtigter religiöser Richtungen hingestellt wird. Wer weiß, ob heute dem, was da gesagt ist, nicht noch ein kleiner Dank an Gott für den Reichtum der seiner Kirche geschenkten Spannungen hinzugefügt gedacht werden müsste, um richtig zu verstehen. Jedenfalls zeigt die Fortsetzung V. 18b und c, dass Jakobus bei diesem Teilungsund Friedensversuch nicht dabei sein will: «Zeige mir deinen Glauben ohne Werke und ich will dir aus meinen Werken den Glauben zeigen». Das bedeutet jedenfalls die Ablehnung jener Teilung und damit die Ablehnung eines Glaubens ohne Werke. Wiederum wird auf die Personalpronomina bzw. auf das σου nach πίστιν und auf das μου nach ἔργων kein Nachdruck zu legen sein. Es geht nicht um die Personen, sondern um die Sache. Jakobus fragt, wie ein Glaube ohne Werke wohl aussehen mag, was das wohl ist: Religion, Frömmigkeit an sich, die der Wirklichkeit des Lebens entbehren zu können meint. Und es ist offenkundig, dass er der Meinung ist, dass das Zeigen, zu dem er auffordert, nicht gelingen wird. Und er behauptet umgekehrt, dass in der Wirklichkeit christlichen Lebens die Wirklichkeit des Glaubens sich erweisen könne und werde. Man wird auch das μοι und σοι nicht pressen dürfen, sondern rhetorisch verstehen müssen, wenn man Jakobus verstehen will. In eigentlicher letzter Klarheit kann man ja seinen Glauben nur Gott, nicht einmal sich selbst, geschweige denn Andern «zeigen». Ob sich in der Wirklichkeit meines Lebens mein Glaube «zeigt», darüber entscheidet Gott. Ich kann wohl zeigen wollen, mit dem, was ich tue, mit der Tat meines Lebens, aber ob es zeigendes Zeichen ist, darüber entscheidet nicht mein Wollen, sondern Gottes Wohlgefallen. Aber Jakobus hat recht: der Glaube muss sich «zeigen», und das Zeichen ist das Werk, die Wirklichkeit, in der ich ein Glaubender bin. Dazu sind wir angefordert. Gott ist der Richter über unser Werk, ob es ein Zeigen des Glaubens wirklich ist, aber 115 wirklich der Richter unseres Werkes ist Gott, nicht ein abstrakter Religionsgott. In Bezug auf unsere Entscheidung fällt seine Entscheidung. Hier oder nirgends wird’s ernst, ob unser Glaube zu sehen, von Gott zu sehen ist. Nur wenn er hier zu sehen, von Gott zu sehen ist, also in der Tat nicht ohne die Werke, ist er lebendiger und nicht (V. 17) toter Glaube.

509 V. 19 bringt einen zweiten Einwand, nicht in Form einer ausdrücklichen Einrede diesmal, sondern gleich in Form einer Anrede des Schriftstellers. Da ist Einer, der kommt und sagt: Ich glaube an den einen Gott. Mit anderen Worten: Nun beruft sich der Widerredner auf den Gegenstand, man könnte sagen, auf das nach reformatorischer Lehre die Rechtfertigung durch den Glauben begründende Objekt des Glaubens.291 Also: Du glaubst, dass ein Gott ist. Jakobus antwortet: du tust wohl daran! Es wäre kaum wohlgetan, das ironisch zu verstehen; so ist dieselbe Wendung jedenfalls V. 8 nicht gemeint. Jakobus will nicht sagen: du tust gut daran, wenigstens auch des Gegenstandes deines Glaubens zu gedenken. Ich möchte auch nicht, wie man es gelegentlich getan hat, einen Vorbehalt darin ausgesprochen sehen, dass Jakobus den Widersprecher nur seinen Glauben an den einen Gott bekennen lässt. Wer das credo in unum Deum294, dieses Erste im christlichen Glaubensbekenntnis, richtig bekennt, der hat schon damit alles Andere, was folgt, mitbekannt. Credo in unum Deum im Sinn des christlichen Glaubensbekenntnisses ist keineswegs ein Wort, das der Jude und der Mohammedaner mitsprechen könnte. Wer diesen Einen bekennt, bekennt implicite den Dreieinen, bekennt den Sohn und den heiligen Geist, bekennt die Vergebung der Sünden und die Gemeinschaft der Heiligen.296 Erst wenn man den Jakobus dieses kurze Glaubensbekenntnis ganz ernst nehmen lässt, versteht |511 man auch den Ernst seiner eigentlichen, nun folgenden Antwort: auch die Dämonen glauben – und schaudern! Eben den rechten christlichen Glauben – man bedenke immer, dass Jakobus sich doch an die Kirche, an das heilige Volk Gottes wendet, wie sollte er da das credo in unum Deum als ein allgemein-religiöses Minimum meinen können – eben den rechten christlichen Glauben, sagt er jetzt, können die Dämonen auch haben. Können nicht nur, sondern haben ihn wirklich!! Mit diesem rechten christ116lichen Glauben kann verbunden sein das Schaudern, das Zittern und Beben der verlorenen Geister. Dieses Wort V. 19 muss entsetzlich gewirkt haben bei den ersten Lesern, und es kann, wenn es verstanden wird, noch heute nicht anders wirken. Die Kirche ist nicht oft wieder so in Frage, in ihre eigene Krisis gestellt worden, wie es hier geschieht. Man kann den christlichen Glauben haben und damit in der Hölle sein. Es gibt Christentum auch in der Hölle, es gibt auch einen Teufelsglauben, wohlverstanden nicht einen Glauben an den Teufel, sondern einen Glauben an den wahren Gott, mit dem man doch mitten in der Hölle ist. So am Rande des Abgrunds ist die Kirche gebaut, so geht der Abgrund mitten durch ihren Bau hindurch, so ist sie selber gefragt, ob sie denn wirklich etwas Anderes ist als auch eine Provinz des Abgrundes. Was ist der Sinn dieses Wortes? Jakobus will sagen: ihr pocht auf eine schlechterdings gefährdete Sache, wenn ihr auf euren Glauben pocht, auch wenn ihr an seinen Gegenstand denkt, auch wenn es der rechte christliche Glaube ist. Euer Christentum, auch euer wahres Christentum, kann euch nicht retten. Es ist zweideutig wie Alles in der Welt. Es kann noch immer Himmel oder Hölle bedeuten. Der Richter steht vor der Tür auch für die Christen samt dem, was sie im Unterschied von Juden und Heiden zu Christen macht. Der Richter fragt nicht nach dem Glauben an sich, sondern nach der Entscheidung des Glaubens, nach dem im Werk sich zeigenden Glauben.

V. 20 «Willst du aber erkennen, du leerer Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nichtig ist?» scheint mir doch nicht nur Einleitung zum Folgenden zu sein, sondern mindestens auch Abschluss des Bis|513herigen, der Abweisung der erhobenen Einwände, besonders wohl dessen von V. 19. «Leerer Mensch» heißt Prahlhans, Eingebildeter. Das ist einer, der an seinen Glauben glauben zu können meint. Es fragt sich, ob man beim Glauben bei der Sache ist, ob der Glaube Werke hat. Wer danach nicht fragt, wer sich bei seinem Glauben beruhigt, der traut und baut ins Leere, dessen Glaube ist gegenstandslos und wenn er sich noch so christlich-richtig auf den Gegenstand des Glaubens beriefe. Um ihm die ihm fehlende Erkenntnis zu verschaffen, 117also um die schlummernde Frage nach den Werken, ohne welche der Glaube nichtig ist, in ihm zu erwecken, führt Jakobus den Schriftbeweis an Hand der bekannten, bei Paulus gerade im umgekehrten Sinn verwendeten Abrahamsgeschichte. Das, was nun kommt, ist sachlich und eigentlich die Erfüllung des V. 18c gegebenen Versprechens: Ich will dir aus meinen Werken den Glauben zeigen! V. 21 «Abraham, unser Vater, wurde er nicht aus Werken gerechtfertigt, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar darbrachte?» Man darf sich den Sinn dessen, was Jakobus hier sagen will, nicht dadurch verdunkeln lassen, dass er hier mit der Wendung δικαιοῦσθαι ἐξ ἔργων offenkundig – wir haben ja einleitend davon gesprochen – eine paulinische Formel aufnimmt, die in ihrem eigenen Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung hat. Hätte Paulus unter Glauben ebenfalls einfach verstanden und unter Werken die Lebenswirklichkeit, in der es sich entscheidet, ob der Mensch ein wirklicher Hörer des |515 Worts, d. h. ein in seinem Glauben von Gott Anerkannter, Gerechtfertigter ist, dann hätte auch Paulus den Satz V. 21 schreiben können, nur dass er dann eben ... nicht Paulus gewesen wäre. Jakobus versteht unter der Rechtfertigung aus den Werken eben das, was wir zu V. 18 die Entscheidung Gottes über den Gehalt des im Werk, in der Lebenswirklichkeit des Menschen aufgerichteten Zeichens genannt haben. An dieser Entscheidung hängt die Frage seiner Rettung im Endgericht. Darum heißt sie Rechtfertigung. Und eben weil die Rechtfertigung und also das Endgericht sich auf die menschliche Lebenswirklichkeit als solche, nicht auf das abstrakte Prädikat der des Menschen bezieht, eben darum ist sie Rechtfertigung aus den Werken. So und nicht anders ist Abraham gerechtfertigt worden. Jakobus weiß, wie V. 23 zeigt, auch um den Glauben Abrahams und um das göttliche Urteil, dass er in seinem Glauben gerechtfertigt, von Gott anerkannt war, dass Gott ihm seinen Glauben als Gerechtigkeit anrechnete. Jakobus legt aber Gewicht darauf und redet zuerst davon, dass dieses göttliche Urteil Wahrheit ist. Es ist wahr darin, dass Abraham seinen Sohn Isaak auf dem Altar opfert. Dieses Werk ist das Zeichen, das von Gott als Zeichen seines Glaubens angenommen wird, ist das Gott wohlgefällige 118 Werk. In diesem Werk begriffen, insofern also aus seinen Werken, wird Abrahams Glaube von Gott als gerecht angenommen. In diesem Werk war er eben der glaubende Abraham, ist er mit seinem Glauben bei der Sache gewesen. |

Man muss das Folgende miteinander lesen und verstehen: V. 22-23 «Da siehst du, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkt, und aus den Werken wurde der Glaube vollendet und wurde die Schrift erfüllt, die sagt: Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und er wurde Gottes Freund genannt.» Nicht darin war Abraham gerechtfertigt, dass er starr gen Himmel blickend glaubte, sondern darin, dass er als Glaubender Isaak auf dem Altar opferte. Sein Glaube und sein Werk wirkten also zusammen – man beachte wohl, dass es nicht etwa heißt, Gott und er selber wirkten zusammen, zu einer Begründung der katholischen Gnadenlehre298 würde dieses συνήργει keinen Anlass geben –, aber in der Tat sein |517 Glaube wirkte mit seinen Werken zusammen, und nun zweitens: der Glaube wurde aus den Werken vollendet, fand durch die Werke sein Ziel. Wozu wirkte er mit den Werken zusammen? Wozu wurde er durch die Werke vollendet? Antwort V. 23: zur Erwahrung des Gottesspruches von der Gerechtigkeit seines Glaubens. Man darf im Sinn des Jakobus, der aber hier von Paulus und dem übrigen Neuen Testament kein verschiedener ist, diesen Gottesspruch von der Gerechtigkeit des Glaubens und von der Gottesfreundschaft des Abraham, wie Dibelius mit Recht betont, nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt im Leben Abrahams beziehen. Er steht über seinem ganzen Leben.299 In der Opferung Isaaks aber geht er signifikativ in Erfüllung. Isaaks Opferung ist nun wiederum das Zeichen, unter dem seine Lebenswirklichkeit als solche steht. Sein Glaube wirkt mit seinem Werk zusammen. Er vollendet sich in seinem Werk, und so zeigt sich Gottes Urteil über ihn als Wahrheit, so offenbart sich die ihm zugesprochene Gerechtigkeit. |

V. 24 fasst zusammen: «Da seht, dass der Mensch aus Werken ge- ­rechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.» Die antipaulinische These des Jakobus erreicht hier im Ausdruck ihren Höhepunkt. Man halte etwa Röm. 3,28; Gal 2,16 daneben, um sich den ganzen Ernst 119 der Situation klar zu machen. Das lutherische sola fide301 steht ja nicht ausdrücklich bei Paulus. Wohl aber wird es hier ausdrücklich in Abrede gestellt. Aber dieselben Worte sagen eben in der These des Jakobus etwas ganz Anderes als in der von ihm bestrittenen paulinischen und lutherischen These. Der Glaube, der nach Jakobus nicht allein rechtfertigt, ist nicht die πίστις τοῦ θεοῦ, sondern die religiöse Haltung des Menschen an sich, die religiöse Haltung des Menschen, sofern sie nicht eo ipso wie bei Abraham seine Lebenshaltung ist. |519 Gerechtigkeit vor Gott könnte sie wie bei Abraham nur sein, sofern ihr eine Lebenshaltung entspräche, sofern sie Werke hätte. Auch Abrahams Glaube machte ihn nicht an sich gerecht und zum Freunde Gottes, sondern sofern er mit den Werken zusammenwirkte, sofern er sich in den Werken vollendete zur Erwahrung des Gottesspruches. Auch über die Christen ist ja ein solcher Gottesspruch gesprochen, wenn sie nämlich sind, was sie heißen. Es kann dann nicht anders sein, als dass er sich erwahrt im Zusammenwirken ihres Glaubens mit ihrem Werk. Und darin und so werden sie gerechtfertigt sein und gerettet werden, nicht allein aus Glauben also, sondern auch aus Werken, gerade weil es sich in ihrem Leben wie in dem Abrahams um die Erwahrung eines Gottesspruches handelt. Man kann und muss gerade von dem besonders anstößigen V. 24 aus die Frage nach den Werken ebensowohl – und hier bekommt jene Erklärung von Fr. Horn ihr letztes Recht302 – als Frage nach der Erwählung auffassen. Ob sie solche sind, die wie Abraham unter jenem notwendig sich erwahrenden Gottesspruch stehen, das ist’s, wonach sie letztlich gefragt sind. |

V. 25 stellt der Erinnerung an Abraham eine zweite an die Seite: «Ebenso auch Rahab die Hure, wurde sie nicht aus Werken gerechtfertigt, da sie die Kundschafter aufnahm und auf einem andern Wege wieder entließ?» Dass diese Rahab zu den von Gott Gerechtfertigten gehörte, das war, wie schon erwähnt und wie auch Hebr. 11,31 zeigt, eine damals übliche exegetische Ansicht, die hier vorausgesetzt ist als Analogon, zu dem was V. 23 von Abraham explizit gesagt wird. War sie aber gerechtfertigt, dann, so will Jakobus sagen, nicht etwa bloß auf Grund ihrer religiösen 120 Haltung – was sollte auch in dieser Hinsicht bei ihr in Betracht kommen -, sondern dann darum, weil ihre religiöse Haltung sich in ihrer Tat auswirkte und so, mit dieser zusammen, legitimes Zeugnis ihrer Erwählung war. Der homo religiosus als solcher gleicht eben einer 0, die erst durch die vorangestellte 1 der göttlichen Erwählung und Rechtfertigung zu einem Wert wird. Steht sie aber hinter dieser 1, dann kann es nicht anders sein, als dass sie nicht allein steht: der homo religiosus gehorcht dann auch. |

521

Und V. 26: «Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.» Also das ist der Glaube nach Jakobus: σῶμα, die potentielle Wirklichkeit unsrer Gerechtigkeit, wie eben der Leib die potentielle Wirklichkeit des Menschen ist. Nichts Abschätziges liegt in diesem Vergleich. Aber das liegt darin, dass eben die Wirklichkeit, das Leben dieses Sichtbaren bedingt ist durch seine Bindung an ein Anderes, Aktuelles. Und das sind die Werke bei Jakobus: das πνεῦμα, die aktuelle Wirklichkeit unserer Gerechtigkeit, wie eben der Geist (hier für: die Seele) die aktuelle Wirklichkeit des Menschen ist. Keine Überordnung liegt in diesem Vergleich, wohl aber das, dass bloße Potentialität hier wie überall Tod wäre, dass Glaube Wirklichkeit nur in actu ist und nicht sonst. Das ist der Beitrag des Jakobus zum neutestamentlichen Zeugnis. Kein anderer Apostel hat das so deutlich gesagt. Nicht Alles ist damit gesagt. Die Konstruktion des Jakobus weckt Fragen, die von ihm nicht beantwortet werden. Wie es kommt, dass ein Mensch zu einem Glaubenden [wird] und, wenn vor Gott gerecht in seinem Glauben, zu Werken, den Werken der Gerechtigkeit kommt, darüber schweigt Jakobus. Er setzt voraus, dass es dazu kommt. Er redet ja zu Menschen, die das ebenfalls als bekannt und gegeben voraussetzen. Man könnte freilich sagen, dass er gerade mit seinem Schweigen umso beredter darauf hinweist. Man könnte gerade dieses Kapitel von der Werkgerechtigkeit als eine solenne Verkündigung der doppelten Prädestination verstehen.304 Kein Wort da|522von steht da, das ist richtig. Was dasteht, ist der Aufruf an das Volk Gottes, zu sein, was es ist. Was dasteht, ist Ethik. Aber man kann das, was dasteht, nicht verstehen, wenn man nicht daran denkt, dass eben die doppelte Prädestination, die Frage, wie man dazu kommt, dieses Volkes Glied zu sein, unvermeidlich dahinter steht.

Originalfußnoten

*1
Hauck: ist für sich allein tot. [Hauck, S. 123]↩
*2
Horn: Werke: Fleischwerdung, Auswahl einer neuen Schöpfung. [Horn, S. 50]↩
*3
Dibelius: Glaube = Christenglaube. Der Glaube der sich nicht in Werken kundtut, kann niemand retten. Jakobus will die Christen ermahnen, ihren Glauben, d. h. ihr Christentum durch Werke zu bestätigen. [Dibelius, Jakobus, S. 142.167]
Hauck: Er will sie auf einen Widerspruch in ihrer Lebensführung hinweisen. Sie wollen gerettet werden. Aber dazu ist ein Glaube ungeeignet und unnütz, dem die Werke abgehen. Nicht wer solches sagt, wird getadelt, sondern der werklose Glaube, σῶσαι: Kriterium ist das Endgericht. [Hauck, S. 118f.] ↩
*4
Dibelius: tertium comparationis ist die Unfruchtbarkeit. [Dibelius, Jakobus, S. 142]
Hauck: Auf dem Gebiet der Liebe helfen schöne Worte auch nichts. [Hauck, S. 120] ↩
*5
Hauck: Wo Lebensäußerungen fehlen, da ist das eine Leiche, damit Nutzlosigkeit. [Hauck, S. 123]↩
*6
Dibelius: «eine der schwierigsten neutestamentlichen Stellen überhaupt». [Dibelius, Jakobus, S. 143]↩
*7
Horn: Versöhnungsversuch, ausgehend von einem der die Werke hat: du schätzest den Glauben, ich stelle seine Früchte voran. [Horn, S. 53]
Dibelius: Keine dramatisch bewegte Szene, sondern stilistisches Schema. Einwand ist der Sophismus eines fingierten Gegners. Nicht die Verteilung von Glaube und Werke auf du und ich ist die Hauptsache, sondern die Teilung von Glaube und Werken überhaupt: «der eine hat Glauben, der andere Werke» 18b: «Vom Glauben kann man nicht auf die Werke, wohl aber von den Werken auf den Glauben schließen». [Dibelius, Jakobus, S. 139–141.144–147]
Hauck: Wie vorher das Zerreißen von Glaube und Werken, so jetzt ihre Gleichwertigkeit. [Hauck, S. 127] ↩
*8
Horn: Jakobus streitet in unserem Briefe dafür, daß die Gerechtigkeit aus Glauben wirklich Gerechtigkeit ist und daß sie weder die Lieblosigkeit noch den Hochmut in uns duldet. Man kann nicht auf mancherlei Weise selig werden (54) gegen solche Feinde Gottes, die [sich] unter dem f. Schein des Glaubens verdecken, aber weder Liebe noch Leiden kennen und falsche Brüder sind. [Horn, S. 54.56] ↩
*9
Dibelius: Weil diesen Glauben auch die Dämonen haben, ist zuzugeben, daß er nicht rettet («Zittern» der Dämonen in jüdischer und synkretistischer Literatur). [Dibelius, Jakobus, S. 149]
Hauck: Wer Gott selbst glaubend festhält, der scheint auch seine Rettung fest in der Hand zu haben. Dämonen haben das gewaltigere Erlebnis Gottes. [Hauck, S. 128.130] ↩
*10
Horn: Es gibt auch einen Teufelsglauben, der ohne Gott ist. [Horn, S. 54] ↩
*11
V. 20 Dibelius:Der Verfasser redet nun als Ankläger gegen die Parole Glaube ohne Werke. [Dibelius, Jakobus, S. 149f.]
Hauck: Glaube ist in sich nichts Vollkommenes. [Hauck, S. 130] ↩
*12
V. 21 Hauck: Den, der es auf Grund seiner Taten verdient, spricht der Richter gerecht. [Hauck, S. 135]
Horn: Abrahams und der Rahab Werke stehen unter dem ungeheuren Erschrecken vor Gott und seinem Gebot und sind wahre Durchbrüche durch alles menschliche Gebot, bis zum Sterben aller eigenen Klugheit und Liebe. ... Abrahams Werk hat mit menschlichen Sitten und Geboten, mit menschlicher Tugend und Frömmigkeit überhaupt nichts zu tun. Es übertrifft alles Menschenwerk und streitet unerbittlich mit ihm. ... Gottes Gebot schafft sich Glauben und Gehorsam gegen alle Erfahrungen, gegen Fleisch und Blut, gegen Himmel und Hölle. [Horn, S. 55]
Dibelius: V. 23 ist nicht eine Zugabe, die auch fehlen könnte, sondern die Hauptsache. Abraham ist für die jüdische Exegese nicht gerechtfertigter Sünder, sondern Gerechter, der von Gott anerkannt und belohnt wird. [Dibelius, Jakobus, S. 151] ↩
*13
Horn: Nicht Verdienst, aber tatsächlicher Hergang. Erneuerung nach dem Ebenbild Christi. Ständiges Geborenwerden aus dem Tode. [Horn, S. 57]
Dibelius: ὁρᾶτε - Resultat - wider die Leser! [Dibelius, Jakobus, S. 155] ↩
*14
Horn: Rahab weder um ihrer Hurenwerke willen verdammt, noch um ihrer Menschenwerke willen gerechtfertigt. [Horn, S. 57] ↩
*15
Horn: Wo nun das besondere Gebot Gottes an den Einzelnen herantritt, das wird er nur wissen, wenn Gott ihm das Herz öffnet. [Horn, S. 58] ↩

Sachfußnoten

272
Siehe oben S. 170.↩
273
Die Predigtreihe über den Jakobusbrief mit insgesamt 18 Predigten, die Barth in der «Deutschen reformierten Gemeinde Genf» als Vikar gehalten hat, wurde am 9. Januar 1910 begonnen und am 7. August 1910 beendet (KBA 1006-1013.1015.1016.1018–1025). Barth nimmt hier Bezug auf die Predigt vom 3. Juli 1910 über Jak 2,13-26 (KBA 1021). Über die Vikarszeit von Barth in Genf s. Busch, S. 63-71.↩
275
M. Luther, Tischreden Doct. Mart Luthers von den Büchern des Neuen Testaments, Urthel Doct. Mart. Luthers, EA 62, 127, Nr. 2660. WA.TR 3, 253f., Nr. 3292a und 3292b.↩
279
Siehe oben S. 162.↩
280
Windisch, S. 19.↩
287
Windisch, S. 16.20; Hollmann, S. 10.11.↩
290
Vgl. Hollmann, S. 11f.12.13.14; von Soden, Jakobus, S. 174.↩
292
E. Peterson, Εἷς Θεὸς. Epigraphische, formgeschichtliche und religionsgeschichtliche Untersuchungen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Lizentiatenwürde und der venia legendi der Hochwürdigen Theologischen Fakultät der Universität Göttingen, Göttingen 1920, S. 17-42. Erik Peterson (1890–1960) war Barths Fakultätskollege in Göttingen, wo er von 1920 bis 1924 als Privatdozent für Kirchengeschichte und Christliche Archäologie lehrte. Vgl. B. Nichtweiß, Erik Peterson. Neue Sicht auf Leben und Werk, Freiburg/Basel/Wien 19942, S. 462ff., besonders S. 499ff.; E. Peterson, Theologie und Theologen. Briefwechsel mit Karl Barth u. a., Reflexionen und Erinnerungen, hrsg. von B. Nichtweiß, Ausgewählte Schriften, Bd. 9/2, Würzburg 2009.↩
293
Vgl. von Soden, Jakobus, S. 176; Feine, S. 662.↩
295
Schlatter, S. 189, bringt als Vergleichsstelle Mt. 8,29.↩
297
Vgl. Windisch, S. 17.↩
300
Siehe oben, S. 170.472.↩
303
Siehe oben S. 182.↩
274
Geyser, S. 110f.: «Wer hat nicht gehört, daß die Schleppenträger der Jsebel und des Antichrists hier einen Zwiespalt zwischen Jakobus und Paulus sehen? Allein wer nur die Worte genau prüfen will, der wird gleich sehen, wie eitel diese Rede sei.»↩
276
Vgl. zur Schriftlehre der altprotestantischen Orthodoxie und zur «Harmonie des Schriftinhalts»: Die Dogmatik der evangelisch-reformierten Kirche, dargestellt und aus den Quellen belegt von H. Heppe, neu durchgesehen und hrsg. von E. Bizer, Neukirchen 19582, S. 10-33, besonders S. 14 und S. 32.↩
277
Vgl. dazu: Die Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche, S. 41.44–47; Die Dogmatik der evangelisch-reformierten Kirche, S. 11.16–21.↩
278
Zur Unterscheidung von fides qua creditur und fides quae creditur vgl. A. Augustinus, De trinitate XIII, 2,5, CChr.SL 50A, 386; Die Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche, S. 265; Die Dogmatik der evangelisch-reformierten Kirche, S. 409.422.↩
281
Horn, S. 50.↩
282
Vgl. Bardenhewer, S. 88; Hauck, S. 143; Dibelius, Jakobus, S. 155f.↩
283
Vgl. WA.TR 6, 152, 17-20, Nr. 6727: Die Werke sind «da und zugegen» «dem Glauben, der die Gerechtigkeit erlanget, wie ich von Noth Wegen werde gegenwärtig müssen sein zu meiner Seligkeit. ‹Ich werde auch dabei sein,› sagt jener Gesell, da man ihn henken sollte und andere Leute sehr nach dem Galgen liefen und eileten.» Barths Quelle war anscheinend Fr. Loofs, Leitfaden zum Studium der Dogmengeschichte, Halle 19064, S. 764f. Die weiteren von Loofs nach älteren Ausgaben angeführten Stellen finden sich in WA 39/I, 96, 4f.; 209, 22; 214, 27; 447, 23; 452, 3f.16. Vgl. auch K. Barth, Briefe 1961-1968, hrsg. von J. Fangmeier und H. Stoevesandt (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 19792, S. 438f.576.↩
284
Dibelius, Jakobus, S. 143.↩
285
Vgl. Windisch, S. 16; Hollmann, S. 11; sowie die Diskussion der Textverderbnis-Theorien bei Dibelius, Jakobus, S. 147.↩
286
Dibelius, Jakobus, S. 146.↩
288
Hauck, S. 127.↩
289
Vgl. Dibelius, Jakobus, S. 145.↩
291
Vgl. Die Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche, S. 265.268; Die Dogmatik der evangelisch-reformierten Kirche, S. 433.441.↩
294
Symbolum Nicaenum, BSLK, 26, 3.↩
296
Symbolum Apostolicum, BSLK, 21, 20f.↩
298
Zur Lehre von der «gratia cooperans», die «in nobis cum nobis» wirkt, vgl. B. Bartmann, Grundriß der Dogmatik (Herders Theologische Grundrisse), Freiburg im Breisgau 1923, S. 285.↩
299
Dibelius, Jakobus, S. 153.↩
301
M. Luther, Die Thesen gegen die Antinomer. 1537-1540, WA 39/I, 354, 1f.: «Sola vero fides in Christo iustificat, sola implet legem, sola facit opera bona sine lege». Vgl. BSLK, 60, 16f.; 76, 28f. Siehe E. Jüngel, Art. «Rechtfertigung. IV. Dogmatisch» unter «5. Die reformatorischen Exklusivpartikel», in: RGG4 7, Sp. 114-116, besonders Sp. 116. Die Auslegung von Röm. 3,27-30 hat Barth in der zweiten Fassung des Römerbriefs überschrieben mit: «Allein durch den Glauben» (Römerbrief 2, S. 81).↩
302
Siehe oben S. 495.↩
304
Vgl. zur doppelten Prädestination bei  J. Calvin Institutio Christianae ­religionis (1559) III 21.↩