Aufruf an die aargauischen Blaukreuzvereine
AUFRUF AN DIE AARGAUISCHEN BLAUKREUZVEREINE
Das Problem der Glücksspiele beschäftigte
22 Die Errichtung von Spielbanken ist untersagt.
Als Spielbank ist jede Unternehmung anzusehen, welche Glücksspiele betreibt.
Die jetzt bestehenden Spielbankbetriebe sind binnen fünf Jahren nach Annahme dieser Bestimmung zu schliessen.6
Die beiden Räte der
Gemäß dem Antrag der Mehrheit der zuständigen Kommission vom 17. November 1917 beschloss der Nationalrat am 3. Juni 1919 «der Abstimmung des Volkes und der Stände» erstens den Verfassungsrevisionsentwurf der Initianten und zweitens einen Verfassungsrevi|24sionsentwurf der
Am 6. Dezember 1920 setzte der
Aufruf an die aargauischen Blaukreuzvereine
Liebe Freunde!
Durch unser ganzes Vaterland geht gegenwärtig die Bewegung zur Abschaffung der bestehenden öffentlichen Spielhäuser. Der Artikel 35 unserer Bundesverfassung
Worum handelt es sich bei dieser Spielbank-Initiative?
In neun schweizerischen Städten, nämlich in
Eins ist klar, wenn jetzt das Schweizervolk nicht selbst Ordnung macht, dann sind durch diesen Erlass des Bundesrates die Spielbetriebe dauernd anerkannt und werden sich immer mehr ausbreiten. Wollen wir das, wir Schweizer, wir Blaukreuzler insbesondere?
27 Nein, das wollen wir nicht. Wir sehen den Gelderwerb durch Zufall, der das Wesen dieser Spiele ausmacht, und die Spielleidenschaft, die durch sie gezüchtet wird, als verwerflich an so gut wie den Alkoholismus, der damit meist in engem Zusammenhang steht. Durch Gottvertrauen und Arbeit ist das Schweizervolk stark; die Jagd nach dem «Glück» am Spieltisch hat mit diesen bewährten Grundsätzen nichts zu schaffen. Sie ist ein fremdes Gift, das wir wie unsere deutschen Nachbarn25 je eher je lieber aus unserm Haus entfernen sollten.
Es ist nicht wahr, dass es sich um eine «kleine» Gefahr handelt. Die Tatsache liegt vor, dass schon eine ganze Anzahl Minderbemittelte durch diese «kleine» Gefahr in Schaden und Schande geraten sind. Wollen wir warten, bis es auch bei uns zu den schlimmsten Früchten einer schlimmen Saat kommt wie in
Es ist nicht wahr, dass gerade so gut der «Jass» verboten werden müsste. Wir missbilligen selbstverständlich die Spielleidenschaft auch in dieser Form aufs Schärfste, aber wir denken nicht daran, ihr gesetzlich zu Leibe zu gehen. Der «Jass» und ähnliche Spiele sind nicht öffentliche Betriebe, sondern «Privatvergnügungen», die mit den gewerbsmäßigen Glücksspielanstalten unserer Kursäle nichts zu tun haben.
Es ist nicht wahr, dass es uns gleichgültig sein kann, wenn die Fremden, die zu uns kommen, gerupft werden und sich rupfen lassen, während die Einheimischen durch die bundesrätliche Spielordnung einigermassen geschützt werden.26 Diese doppelte Moral für Fremde und Schweizer ist eine Schande, die wir nicht dulden wollen.
Es ist nicht wahr, dass man die Spielbetriebe dulden muss, weil einiges aus ihrem Ertrag auch gemeinnützigen und sogar kirchlichen Unternehmungen zu Gute kommt. Der Schuhmacher, der Leder stahl, um den Armen daraus Schuhe zu machen, war doch ein Dieb.27
28 Es ist nicht wahr, dass die schweizerische Fremdenindustrie nicht bestehen könne ohne die Spielhäuser.
Das sind die Gründe, die eine große Anzahl von Vaterlandsfreunden bewogen haben, die Initiative zu einer wirksamen Verschärfung des Art. 35 der Bundesverfassung
So bitten wir Euch denn herzlich, diese Bewegung nach Kräften zu unterstützen. Demnächst werden Euch die Unterschriftenbogen samt genauerer Anleitung zugesandt werden. Es ist unser Wunsch, es möchten in jedem Verein zwei bis drei oder mehr eifrige Mitglieder die Aufgabe übernehmen, den Häusern in ihrer Gemeinde nachzugehen und die Stimmfähigen aufzuklären und zum Unterschreiben aufzumuntern.
Wir wünschen Euch zu dieser Arbeit für das Wohl vom Volk und Vaterland den rechten Eifer und Gottes Segen, der auch hier nicht ausbleiben wird, wenn wir versuchen, mit seinem Willen Ernst zu machen.
Der Kantonalvorstand hat beschlossen, Euch die Unterstützung der Initiative gegen die Spielbanken zu empfehlen und ersucht Euch dringend, in der oben vorgeschlagenen Weise kräftig dafür zu arbeiten.