1914

Credo bei der Taufe von Franziska Barth

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CREDO BEI DER TAUFE VON FRANZISKA BARTH

1914

Am 13. April 1914 war das erste Kind von Karl und Nelly Barth geboren worden: Franziska Nelly Barth. Die Taufe wurde am 7. Juni 1914 gehalten. Am 14. Juni schreibt Anna Barth an ihre Schwiegertochter Nelly1: «Die Taufe habe ich in sehr freundlicher Erinnerung.» «Auch Onkel Ernst [Sartorius] war sehr befriedigt von der ganzen Festlichkeit. Ganz besonders hat ihm Karlis Ansprache gefallen.» Wenn damit Barths Worte zur Taufe gemeint sind, so betrachtete der Verfasser selber sie später doch mit Verwunderung: Auf dem auf Vorder- und Rückseite mit Tinte beschriebenem Oktavblatt steht am Schluss in eckigen Klammern mit Bleistift von Barth – der Schrift nach zu urteilen vielleicht in den 1940-er oder 1950-er Jahren – notiert: «Credo gesprochen bei der Taufe von Fränzeli 7. Juni 1914». Die Angabe ist rechts mit einem großen Ausrufungszeichen markiert.

[Credo bei der Taufe von Franziska Barth]

L[iebe] Fr[eunde,] Gott hat uns dieses Kindlein geschenkt und ihm möchten wir es heute in der heiligen Taufe weihen u[nd] zu eigen geben.

Wir glauben an ihn als an den ewigen Vater unser Aller. Er ist die Quelle des Lichts u. des Lebens. Er ist das Ziel unsrer Seele u. unser Herz ist unruhig in uns bis daß es ruht in ihm.2 Er wacht über uns und läßt uns nichts geschehen als was uns selig ist3. Er schenkt uns immer wieder gute Gedanken[,] wenn es dunkel ist um uns, Kraft[,] wenn wir schwach sind, Freudigkeit[,] wenn wir traurig sind. Er will[,] daß allen Menschen geholfen werde [1.Tim. 2,4] in der Gemeinschaft mit ihm. Das ist seine unaussprechliche Gnade, daß er es so gut mit uns meint. |41 So bringen wir ihm denn auch dieses unser Kindlein mit dem herzlichen Anliegen, er möchte auch an ihm wahr machen Alles, was er uns verheißen hat. Wir wissen, daß wir ihm nichts Besseres wünschen können, als daß es in ihm sein Heil erkenne u. seinen Frieden finde. Wenn es ihn kennt[,] dann wird es das, was wir aus ihm machen möchten: ein rechter Mensch, dem die Wahrheit u. die Liebe über alles gehn. Wenn es ihn lieb hat, dann müssen ihm alle Dinge zum Besten dienen [vgl. Röm. 8,28]. Wenn es ihn findet, dann ist es geborgen für Zeit u. Ewigkeit. Wir Eltern versprechen heute vor dem Angesichte Gottes, unser Kindlein in diesem Glauben zu erziehen nach bestem Wissen u. Können. Und wir bitten auch euch l. Taufzeugen und euch Andern Alle, die ihr uns nahe steht, uns beizustehn in der großen Aufgabe, dieses Kindlein Gott zuzuführen. Aber wir wissen auch, daß Gott selber dabei das Beste thun muß.

Wir glauben an Jesus Christus, der unser rechter Erlöser ist, weil er uns aus unsrer Unvollkommenheit heraus u. zu Gott hinführt. Er weckt uns durch sein Wort u. Vorbild immer wieder auf aus dem Schlaf der Gleichgültigkeit und der Sünde. Er zeigt uns den rechten Weg Gottes, den wir aus uns selber nicht finden könnten. Er hat uns durch sein Sterben offenbart[,] daß wir durch Leiden zur Herrlichkeit eingehen müssen [vgl. Lk. 24,26] und daß der Tod keine Macht über uns haben soll. Wir möchten, daß dieser Jesus auch unsres Kindleins Führer und Heiland werde. Wir möchten, daß es bei ihm alles das finde[,] was Gott uns Menschen zu schenken hat: klare Erkenntnis über das[,] was vor Gott recht ist, Vergebung der Sünde und Mut zur Umkehr[,] wenn es gefallen ist, Freudigkeit mitzuarbeiten am Kommen des Reiches Gottes und schließlich ein ewiges seliges vollkommenes Leben.

Und wir glauben an den heiligen Geist, den Gott in die Herzen seiner Kinder giebt. Er macht uns immer wieder gewiß, daß Gott uns nahe ist. Er tröstet uns in der Trübsal. Er stärkt uns in der Versuchung. Er lehrt uns beten und leitet uns in alle Wahrheit [vgl. Joh. 16,13]. Wir bitten heute Gott[,] er wolle auch unserm Kindlein einmal etwas ­zuteil werden lassen von diesem seinem guten u. h[ei]l[igen] Geist, daß es nie allein u. leer sein müsse, und daß das seines Lebens Freude werde, sich im rechten Glauben und in einem gehorsamen tapferen Leben zu ihm zu halten [vgl. Ps. 73,28].

Amen.

Sachfußnoten

1
KBA 9314.83.↩
2
Vgl. A. Augustinus, Confessiones I,1, CSEL 33,1,8f. 📖: «fecisti nos ad te, et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.»↩
3
Vgl. den Anfang der 3. Strophe des Chorals «In allen meinen Taten» von Paul Fleming: «Es kann mir nichts geschehen, / als was er hat ersehen / und was mir selig ist» (GERS [1891] 263; RG [1998] 676; EG 368) 🎵.↩