1916

Sozialismus und Kirche

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SOZIALISMUS UND KIRCHE

1916[?]

Das Manuskript trägt weder Datum noch Ortsangabe. Das Textfragment auf der Rückseite ist ein verworfenes Stück aus Darlegungen, die an die Predigt über Mt. 18,10–14 vom 28.10.19191 erinnern. Danach war der Anlass dieser Notizen möglicherweise der «Diskussionsabend» im Arbeiterverein, den Barth in seinem Taschenkalender für den 18.11.1919 vermerkt hat. Doch spricht der thematische Bezug ebenso stark für einen Zusammenhang mit den Vorträgen von 1915 und 1916.

Sozialismus u. Kirche

Warum als Soz[ialist] Pfarrer?, mehr Pf[arrer] als Soz.!

Leben im Soz[ialismus] a) wen klagen wir ein [?]?N[euer] Mensch
b) mit was kämpfen wir?N[euer] Geist
c) was wollen wir?N[eue] Welt

Gerade das Unausgesprochene ist das Wesen d. Soz.: die große Not u. Sehnsucht d. M[enschen] dem Unendlichen gegenüber. Hinter u. über dem Programm2 wäre von der Bibel zu reden

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Warum als Pf[arrer] Soz[ialist]? auch Soz. wenigstens!

Weil die Bibel entleert worden ist

                 a) zu einseitig geistigLeiblichkeit
b) zu moralischGerechtigkeit G[otte]s
c) zu wenig radikal Jenseits

Die Kirche hat da viel versäumt, auch die Ref[ormation]. Hier ist mehr als Soz[ialismus] [vgl. Mt. 12,42 par.]. Christen gesucht, die für den Leib [?] empfinden

Sachfußnoten

1
K. Barth, Predigten 1919, hrsg. von H. Schmidt (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2003, S. 368–377 📖.↩
2
Konkret ist außer an die «Prinzipienerklärung» an das bestimmte politische Forderungen erhebende «Arbeitsprogramm der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz» von 1904 zu denken (in: Protokoll, a.a.O. [s. oben S. 161, Anm. 2], S. 77–84.85–88) 📖.↩