1916

Die Gerechtigkeit Gottes

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DIE GERECHTIGKEIT GOTTES

1916

Der Vortrag über «Die Gerechtigkeit Gottes» geht auf eine Einladung zurück, die Pfarrer Rudolf Wernly aus Aarau am 12. Dezember 1915 an Karl Barth richtete1: Die Aarauer Kirchgemeinde habe «seit Jahrzehnten den guten Brauch von je 4 Sonntagabendvorträgen während der Winterzeit: Nov., Dez., Jan. u. Febr.», zu denen «jeweilen» auch «2 auswärtige Sprecher» eingeladen würden. Für den Januar 1916 – «womöglich am 16.I.» – bat er Barth um «einen Vortrag in unsrer Stadtkirche über irgendein Ihnen passendes Thema aus dem Gebiet der Geschichte oder des christlichen, kirchlichen od. sozialen Lebens». Vermutlich spielte bei der Anfrage eine Rolle, dass Wernly am 17. Oktober 1915 die Predigt Barths im Berner Münster gehört hatte.2 Barth war sich nach zwei Vorstößen, die er im nachhinein nicht als Durchbruch beurteilen konnte3, zwar nicht sicher, wie die Anfrage zu beurteilen war: «Ist das nun eine feurige Kohle auf mein Haupt [vgl. Spr. 25,22; Röm. 12,20] oder ein ‹Sieg der guten Sache› oder Beides?» Doch sagte er – «natürlich» – Ausführungen über «Die Gerechtigkeit Gottes» zu4, so dass Wernly ihm am 19. Dezember für «das ebenso interessante als sehr zeitgemäße Thema» danken und um «die Wahl des Chorals» bitten konnte5 – denn «die Abendvorträge werden bei uns, genau 8 Uhr beginnend, mit Orgelspiel u. Gemeindegesang eingerahmt»6.

Den Vortrag hatte Barth in starker Spannung wegen der «großen Sauferei» niederzuschreiben, die der Safenwiler Fabrikant Hochuli7 |226 «zur Feier der Verheiratung seiner Tochter [...] für seine 500 Angestellten und Arbeiter veranstaltet» hatte.8 Barth reagierte am Sonntag, dem 16. Januar 1916, mit einer strengen Predigt  «gegen die herrschende Mammonsmacht, der Alles unterworfen ist».9 In dem am Abend gehaltenen Aarauer Vortrag kann man den gleichen Ernst wahrnehmen.

An direkten Reaktionen auf den Vortrag ist neben den Zeilen eines Hörers, der «noch nie in einer Landeskirche solche Worte gehört» hatte, «welche so von Herzen kamen, aber auch zu Herzen gingen, die nicht ganz verschlossen sind»10, nur der Dank Wernlys vom 17. Januar 1916 «für die interessante, ernste u. tiefgehende Art» der Behandlung des Themas erhalten:

«Für den packenden Weckruf an das Gewissen [...] u. die feine Durchführung des Turmbaumotivs sowie den erhebenden Hinweis am Schlusse auf Christus, dieses versöhnende Finale nach den vorausgegangenen Differenzen zwischen Menschenwillen u. Gotteswillen drücke ich Ihnen doppelt dankbar im Geiste die Hand.»11

Beide Hörer fragten nach einem Abdruck des Vortrags; Wernly schlug dafür u. a. die «Neuen Wege» vor.

In der Tat sandte Barth seinen Text im Februar 1916 an Ragaz, dem er im Dezember 1915 versprochen hatte, «wieder einmal» eine Predigt für die «Neuen Wege» zu schicken.12 Ragaz dankte für den Vortrag, «der im Grunde alle Merkmale der Predigt hat». Er erklärte sich «im Hauptpunkt» «einverstanden», «ja eigentlich, da das Uebrige mit ihm so genau verbunden ist, mit Allem». Der Vortrag werde «wohl im Aprilheft erscheinen u. dann eine Art Antwort auf einen von Liechtenhan sein, der im Märzheft kommen wird».13

227 Und wirklich stellte Ragaz in einer Anmerkung zum Abdruck von Barths Vortrag einen Bezug her: «Vgl. in Nr. 3 den Aufsatz: ‹Können wir u.s.w.› von Liechtenhan.»14 Barth, der ja die Intention dieser Verknüpfung kannte, scheint sich deswegen besorgt bei seinem Vetter Liechtenhan erkundigt zu haben. Der antwortete aber beruhigend, ihm sei «nicht eingefallen, in der betr. Fußnote irgend eine Spitze von deiner Seite gegen meinen Artikel zu suchen», wie er «überhaupt nicht einen Gegensatz der Position, sondern einen solchen des Temperamentes zwischen den beiden Aufsätzen» sehe.15 Zunächst scheint es auch durchaus inhaltliche Übereinstimmungen zu geben: Barth nennt in seinem Vortrag die Gerechtigkeit Gottes «die tiefste innerste sicherste Tatsache unseres Lebens. Denn es gibt nichts Sichereres als das, was das Gewissen uns zu wissen gibt.»16 Dem scheint die Aussage Liechtenhans verwandt, daß das Ja zum Sinn und zum Ziel des Daseins zwar nicht «ein[e] Erkenntnis aus der Erfahrung» ist: «Es ist eine Stimme aus dem tiefsten Grund unserer Seele, etwas Verwandtes in uns, das dem Ruf Jesu antwortet», der «zu unserm Gewissen redet». Aber «es ist deshalb nicht weniger sicher. Im Gegenteil, es ist viel sicherer.»17 Methodisch jedoch unterscheidet sich Liechtenhans dialektisches Verfahren recht deutlich von Barths thetischer Darlegung. Liechtenhan führt im Versuch einer «Apologetik», wie er selber es in seinem Brief an Barth nennt, die Hörer zum Glauben: Denn «in seinem Glauben», so schließt Liechtenhan seinen Vortrag, hat der Gläubige «den Schlüssel dazu, daß ihn allenthalben aus Natur und Geschichte Offenbarungen des lebendigen Gottes grüßen, der durch seine sittliche Weltordnung die Welt zum Heil seiner Kinder leite».18 Dieser Gedankengang konnte wohl, wie Liechtenhan voraussah19, von einigen Lesern als der von Barth gerade abgelehnte Versuch verstanden werden, «mit der rechnenden Vernunft an diese Tatsache heran[zu]gehen».20 Auch Ragaz’ Bedenken gingen wohl in diese Richtung. 

228 Barth stellte den Text 1924 an die Spitze seiner ersten Vortragssammlung: offenbar ein Zeichen dafür, dass er – ungeachtet der ausdrücklich an den Beginn der Ausführungen von 1916 erinnernden kritischen Mahnung im Vorwort, die Sammlung «als Ganzes» zu lesen – hier wirklich den Anfang «einer inneren Linie» sah.21

Die Edition gibt den Text des dem Erstdruck in den «Neuen Wegen» entsprechenden Abdrucks in «Das Wort Gottes und die Theologie» wieder und notiert den abweichenden Wortlaut des Manuskripts.

Die Gerechtigkeit Gottes

Es ist eine Stimmea eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Tale sollen erhöhet werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlicht werden, denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden! [Jes. 40,3–5]. – Diese Stimme ist die Stimme unseres Gewissens. Sie sagt uns, dass Gott gerecht ist. Die Gerechtigkeit Gottes ist keine Frage, kein Rätsel, kein Problem. Sie ist eine Tatsache. Die tiefste innerste sicherste Tatsache unseres Lebens. Denn es gibt nichts Sichereresb als das, was das Gewissen uns zu wissen gibt. Aber das ist die Frage, wie wir uns zu dieser Tatsache stellen.

Du musst nicht mit der rechnenden Vernunftc an diese Tatsache herangehen wollen. Die Vernunft sieht, was klein und was größerd ist, aber nicht dase Große. Sie sieht das Vorläufige, aber nicht das Endgültige˹, das Abgeleitete, aber nicht das Ursprüngliche, das Komplizierte, aber nicht das Einfache˺. Sie sieht, was menschlich, nicht aber was göttlich ist [vgl. Mt. 16,23 par.].

229 Du musst dich nicht durch ˹die˺ Menschen über diese Tatsache belehren lassen wollen. Es kann ein Mensch dem Andern wohl das Wort sagen von der Gerechtigkeit Gottes. Es kann ein Mensch den Andern vielleicht zum Nachdenken über dieses Wort veranlassen. Es kann es aber kein Mensch dem andern zur eigenen, unmittelbaren˹, durchschlagenden˺ Gewissheit machen, f-was hinter dem Worte steht.-f Wir Menschen müssen es erst wieder lernen, mit Vollmacht miteinander zu reden und nicht wie die Schriftgelehrten [vgl. Mt. 7,29 par.]. Vorläufig sind wir alle ˹noch˺ viel zu künstlich und unkindlichg, als dass wir einander wirklich helfen könnten.

Du musst das Gewissenh reden lassen. Es redet dir schon von Gottes Gerechtigkeit und so, dass sie dir zuri Gewissheit wird. Das Gewissen kann zwar bis zur fast völligen Lautlosigkeit beschwichtigt und zu Boden getreten, es kann bis zur Narrheit und bis zum 6 Verbrechen irregeführt werden, immer bleibt es die Stelle, die einzige Stelle zwischen Himmel und Erde, an der uns Gottes Gerechtigkeit offenbarj wird. Es unterbricht wie mit Posaunenschall aus einer andern Welt dein Nachdenken über dich selbst und über das Lebenk, deine Pflichterfüllung in Familie, Beruf und Staat, auch die Pflege deiner religiösen Gedanken und Gefühle. Es kommt mit seiner Botschaft über dich jetzt als bittere drängende Anklage, jetzt als ruhige feste Behauptung, jetzt als gebieterische Aufgabe für deinen Willen, jetzt als ein Hindernis, das dir ein unerbittliches Nein entgegensetzt, jetzt als Fluch und Verdammnis, die dich zu Boden drücken, jetzt als selige Freude, die dich über dich selbst und Alles, was ist, hinaushebt – aber im tiefsten Grundl immer im gleichen Sinne dich weckend und beunruhigend, in der gleichen Richtung dir Wege weisend. In allem Wechsel und Wandel deiner Erfahrungen bezeugt es dir, dass all dein Leben und Erfahren ein Ziel hat. In allem Hin und Her freudiger und schmerzlicher Empfindungen redet es dir von einem Sinn deines Daseins, der höher ist als die Freude und tiefer als der Schmerz. In allem |230 Auf und Ab auch in der Wahrhaftigkeit, Stärke und Reinheit unseres Willens redet uns das Gewissen von einem Willen, der sich selbst treu bleibt. Und das ist die Gerechtigkeit Gottes.

Wir freuen uns über Gerechtigkeit, da wo wir einen Willen wahrzunehmen meinen, der in sich selber klar und beständig, frei von Willkür und Wankelmut ist, einen Willen, der in sich selber eine Ordnung hatm, die gilt und nicht gebogen werden kann. Und nun sagt uns das Gewissen, dass das Letzte und Tiefste in Allem ein solcher Wille ist, dass Gott gerecht ist. Wir leben davonn, dass wir das wissen. Wir vergessen es zwar sehr oft, wir gehen darüber hinweg, wir treten es mit Füßen. o-Und wir könnten es doch gar-o nicht aushalten im Leben, wenn wir das nicht wüssten im tiefsten Grund: Gott ist gerecht!

Denn wir leidenp unter der Ungerechtigkeit. Es graut uns vor ihr. Alles in uns empört sich gegen sie. Wir wissen zwar mehr von ihr als von der Gerechtigkeitq. Wir haben beständig, in den kleinen und großen Vorgängen desr Lebens, in unserm eigenen Verhalten und in dem der Anderen und je schärfer wir zusehen, umso deutlicher, eine andere Art Willen vor uns, einen Willen, der keine gültige und unbeugbare Ordnung kennt, sondern der auf Willkür, Laune und Selbstsucht gegründet ist, einen Willen ohne Treue, in sich selbst uneinig und zerrissen, einen Willen ohne Logik und 7 Zusammenhang. So sind wir, so ist das Leben, so ist die Welt. Und die rechnende Vernunft will kommen und uns beweisen, dass es immer so gewesen sei und immer so sein müsse. Aber wir haben auch die Folgen dieses ungerechten Willens vor Augen. Sie heißen Unruhe, Unordnung, Unheil in feinern und gröbern, verhüllten und offenens Gestalten. Wir haben die Leidenschaft vor unst und das Verbrechen, die Teufeleien der geschäftlichen Konkurrenz und den Völkerkrieg, den Klassengegensatz und die sittliche Verlotterung in allen Klassen, die ökonomische Zwingherrschaft u-oben und den Sklavengeist unten.-u Wir können |231 über diese Dinge wohl räsonieren und schließlich uns selbst und Andern ganz gescheit beweisen, dass das alles seine notwendigen Gründe habe. ˹Wir können uns einbilden, wir könnten sie damit innerlich los werden.˺ Wir kommen ˹aber˺ doch nicht v-um die einfache Tatsache herum, dass wir darunter leiden.-v Wie eine schwere Last liegt das alles auf uns und ˹kann nicht ertragen werden. Es˺ verteufelt uns das Leben, ob wir’s gelten lassen oder nicht. Wir leben im Schatten. Das Leben will uns zur Sinnlosigkeit werden durch den ungerechten Willen, der es erfüllt und beherrscht. Wir mögen uns zeitweilig darüber hinwegtäuschen. Wir mögen uns zeitweilig damit abfinden. Natürlich und selbstverständlich wird esw uns nie. ˹Denn der ungerechte Weltwille ist das von Haus aus Unerträgliche, das Unmögliche.˺ Wir leben davon, dass wir wissen: es gibt eigentlich etwas Anderes als Ungerechtigkeit. – Und das ist die furchtbarste Angstx, die uns manchmal erfasst, es könnte am Ende doch die Ungerechtigkeit das letzte Wort haben. Der entsetzliche Gedanke legt sich uns nahe, es könnte der ungerechte Wille, der uns jetzt jagt und rädert, y-der einzige, der tiefste-y Wille im Leben sein. Und der unmögliche Entschluss ˹tut sich auf˺: mach deinen Frieden mit der Ungerechtigkeit! Ergib dich drein, z-daß die Welt-z eine Hölle ist und richte dich danach! Es ist einmal so.

Und nun in dieseaa Not und Angst mitten hineinab, unbeirrbar und konsequent wie das Thema einer Bachschenac Fuge die Versicherungad des Gewissens: nein, das ist nicht wahr!ae es gibt über deinem und meinem krummen und lahmen Willen, über dem absurden wahnwitzigen Weltwillen einen andern, der ist gerade und lauteraf und der muss, wenn er einmal zur Geltung kommt, auch andere, ganz andere Folgen haben als das, was uns jetzt vor Augen steht. Aus diesem Willen, wenn er zur Anerkennung kommt, muss ein anderes Leben wach|232sen. Aus diesem Willen, wenn er durchbricht, aufer8baut sich eine neue Welt. Wo dieser Wille gilt, da ist unsere Heimat; wir haben sie verloren, aber wir können sie wieder finden. Es gibt einen Gotteswillen, der gerecht ist. – Und wie ein Ertrinkender sich an einen Strohhalm klammertag, so streckt sich Alles in uns, was lebendig ist, aus nach dieser Versicherung, die uns das Gewissen gibt. Wir möchten doch diesem Andern, das da vor uns aufleuchtet, nicht unsicher gegenüberstehen, sondern mit Gewissheit. Wir möchten es nicht bloß ahnen als Hoffende und Wünschende, wir möchten es ruhig sehen, uns seiner freuen können. Wir möchten ihm nicht fern und fremd bleiben, sondern wir möchten es zu eigen haben. Aus der tiefsten ah-Not in uns wird die-ah tiefste Sehnsucht geboren: ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab! [Jes. 64,1]. Das ist das Gewaltigste im Menschen, in jedem Menschen, wenn er bedrängt und bedrückt von eigener und fremder Ungerechtigkeit nach Gerechtigkeit, nach der Gerechtigkeit Gottes schreit. Wer ihn hier versteht, der versteht ihn ganz. Wer ihm hier die Hand reichen kann, der kann ihm helfen. Darum sind ein Mose, ein Jeremia, ein Johannes der Täufer unvergessliche Gestalten in der Erinnerung der Menschheit. Sie haben den Menschen ihre tiefste Not aufgedeckt, sie haben das Gewissen in ihnen zum Reden gebracht, sie haben die Sehnsucht nach der Gerechtigkeit Gottes in ihnen geweckt und wach gehalten. Sie haben dem Herrn den Weg bereitet [vgl. Jes. 40,3].

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Aber nun kommt eine merkwürdige Wendungai in unsern Erfahrungen mit der Gerechtigkeit Gottes. Die Posaune des Gewissens ist ertönt, wir fahren zusammen, wir fühlen uns heiligaj betroffen – aber zunächst denken wir gar nicht daran, uns ausak unserer Not und Angst wirklich helfen zu lassen. Sondern nun geschieht etwas ganz Anderes. Sie sprachen zu einander: wohlauf lasst uns Ziegel streichen und brennen! wohlauf lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze |233 bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen! denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder! [Gen. 11,3f.] – So helfen wir uns selber und bauen den Turm von Babel. O wir haben es sehr eilig, das stürmische Verlangen nach der Gerechtigkeit Gottes, das in uns ist, zu befriedigen. Und befriedigen heißt leider im Geheimen: zum Schweigen bringen. Es ist, als ob wir unser eigenes Schreien aus tiefsteral Not nicht lange ertragen könnten. Es ist, als ob wir uns 9 fürchteten vor einer allzu realen und vollen Erfüllung unserer Sehnsucht. Das Gewissen redet; wir hören: es muss etwas gehen! aber wir lassen das Gewissen nicht zu Ende reden. Wir sind alarmiert worden, aber schlaftrunken stürmen wir davon, bevor wir gemerkt haben, um was es sich denn eigentlich handelt und was geschehen müsste˹, damit wirklich etwas geschehe˺. Wir stehen hier vor dem tiefstenam, dem eigentlich tragischen Irrtum der Menschheit. Wir verlangen nach der Gerechtigkeit Gottes und wir lassen sie doch nicht hereinan in unser Leben, in unsere Welt˹, können sie nicht herein lassen, weil der Zugang längst verstopft ist˺. Wir wissen, was uns eigentlich ao-not täte [vgl. Lk. 10,42], und doch wird uns nicht geholfen, denn wir haben das Eine Notwendige längst auf die Seite geschoben oder auf spätere «bessere Zeiten»22 vertagt, um uns unterdessen mit Ersatzmitteln krank und kränker zu machen-ao. Wir gehen hin und erbauen den jämmerlichen Turm zu Babel unsrer Menschengerechtigkeiten˹, Menschenwichtigkeiten, Menschenernsthaftigkeiten. Unsere Antwort auf den Ruf des Gewissens ist ein großes über das ganze Leben sich erstreckendes Surrogat, ein einziges gigantisches «Als ob»!23 Und weil und |234 solange wir denken, reden und tun wollen «als ob» – als ob es Ernst sei, als ob etwas geschehe, als ob wir etwas täten im Gehorsam gegen das Gewissen – darum und solange entgeht uns die Realität der Gerechtigkeit, nach der wir hungern und dürsten [vgl. Mt. 5,6]˺.

Sollen wir’s ap-Hochmut nennen, dass wir’s so machten-ap? Es ist tatsächlich etwas von Hochmut dabei. Es widerstrebt uns innerlich, dass die Gerechtigkeit, nach der wir lechzen, Gottes Sache ist und nur von Gott her zu uns kommen kann. Wir würden ums Leben gern diese große Sache an die aq-Hand und in Betrieb nehmen, wie wir so manches Andere in Betrieb haben-aq. Es erscheint uns als höchst wünschenswert, dass die Gerechtigkeit, ohne die wir ja ar-nicht sein können, einfach von unserm Willen ins Programm genommen werde, unbesehen, was das eigentlich für ein Wille sei. Wir nehmen uns ungefragt das Recht, die tumultuarische Frage: was sollen wir tun? [Act. 2,37] aufzuwerfen, als ob das so wie so die erste und dringendste wäre. Nur möglichst schnell Hand angelegt an Reformen, Sanierungen, Methoden, Kultur- und Religionsbestrebungen von allen Sorten! Nur möglichst schnell «positive Arbeit» geleistet! Und siehe da, der Trompetenstoß des Gewissens hat eigentlich recht bald nichts Beunruhigendes mehr an sich. Die Angst, in der wir uns befanden angesichts des übermächtigen Weltwillens, ver10wandelt sich sachte in jenes beglückende Gefühl des Normalen, wenn wir wieder beim Reflektieren, Kritisieren, Konstruieren und Organisieren angelangt sind. Die Sehnsucht nach einer neuen Welt hat alle Bitterkeit, Schärfe und Unrast verloren, ist zur Fortschrittsfreude geworden und entladet sich sanft und sicher in-ar Festreden, Donatorentafeln, ˹Kommissionssitzungen, Rezensionen,˺ Jahresberichten˹, 25-­jährigen Jubiläen˺ und |235 unzähligen gegenseitigen Verbeugungen. Die Gerechtigkeit Gottes selber hat sich aus der sichersten Tatsache as-gemächlich in das höchste von verschiedenen hohen Idealen verwandelt und ist nun allerdings ganz und gar unsre eigene Sache geworden. Das zeigt sich schon darin, wie wir dies Ideal jetzt fröhlich zum Fenster hinaushängen und jetzt wieder zusammenrollen können-as, etwa wie eine Schützenfahne. Eritis sicut Deus! [Gen. 3,5]. at-Ihr könnt tun, «als ob» ihr Gott wäret-at, ihr könnt seine Gerechtigkeit ohne Mühe in eigenen Betrieb nehmen. Ja, das ist freilich Hochmut.

Man könnte es au-aber ebenso gut Verzagtheit-au nennen. Und es ist sonderbar, wie in unserm Verhältnis zu Gott diese beiden Gegensätze eigentlich immer beieinander sind. Wir haben eben im Grunde Angst vor dem Strom der Gerechtigkeit Gottes [vgl. Am. 5,24], der in unser Leben und unsre Welt hereinav will. Der sichere Bürger fährt wohl zusammen, wenn er von aw-Tuberkulose, Generalstreik24 und Krieg-aw hört, aber noch ganz anders peinlich ist es ihm, an die radikale Umkehrung des Lebens von Gott her zu denken, die kommen und solchenax Folgen der Ungerechtigkeit mit der Ungerechtigkeit selbst ein Ende machen könnte. Der gleiche heitere Kulturmensch, der heute so mutig in seinem Fortschrittswägelein einherkutschiert und so fröhlich ay-die Fähnlein seiner verschiedenen Ideale schwenkt, wird euch morgen, wenn’s drauf ankäme, ängstlich daran erinnern-ay, dass die |236 Menschen klein und unvollkommen sind und dass man ja nicht zu viel von ihnen verlangen und erwarten, ja nicht zu «einseitig» sein darf, sobald er einmal begriffen oder geahnt hat, dass es gegenüber der Gerechtigkeit Gottes nichts zu reflektieren, zu reformieren, zu erzielenaz gibt, dass da alle gescheiten Zeitungsartikel ba-und gut besuchten Delegiertenversammlungen vollkommen belanglos sind – dass es sich da um ein sehr einseitiges Ja oder Nein gegenüber einer ganzen neuen Lebenswelt-ba handelt. Wir haben Angst vor der Gerechtigkeit Gottes, weil wir uns für viel zu klein und zu menschlich halten, als bb-dass wirklich etwas Anderes-bb und Neues in uns und unter uns anfangen könnte. Das ist unsere Verzagtheit.

11 Und weil wir so hochmütig und so verzagt sind, darumbc bauen wir den Turm zu Babel. Darum wandeltbd sich die Gerechtigkeit Gottes, die wir schon gesehen und berührtbe hatten, unter unsern täppischen Händen in allerhand Menschengerechtigkeiten.

Ich denke an die Gerechtigkeit unserer Moralbf, an den guten Willen, den wir hoffentlich alle in gewissen tüchtigen Grundsätzen und Tugenden entwickeln und betätigen. O die Welt ist voll Moral, bg-aber wohin sind wir eigentlich mit ihr gekommen? Unsre Moral-bg ist immer ein Ausnahmezustand, fast hätte ich gesagt: eine künstliche Verrenkung unseres Willens, kein neuer Wille. bh-Du erhebst dich durch deine Moral, sagen wir einmal Sparsamkeit, Familiensinn, Berufstüchtigkeit, Vaterlandsliebe –-bh ab und zu oder in bestimmter Hinsicht vielleicht anhaltend über dein eigenes Niveau und über das deiner Mitmenschen. Du kannst dichbi von der allgemeinen Ungerechtigkeit losreißen und dir ein freundliches Gartenhäuslein abseits ˹– scheinbar abseits! –˺ errichten. Aber was ist eigentlich damit geschehen? Wird |237 eigentlich der ungerechte, selbstsüchtige, willkürliche bj-Weltwille damit getroffen, geschweige denn überwunden, dass du dich mit deiner Moral – scheinbar – ein wenig auf die Seite rettest?-bj ˹Hindert dich nicht gerade deine Moral an der Einsicht, dass du an hundert andern Punkten umso fester an ihn gefesselt bist? Macht sie dich nicht blind und verstockt gegen die wirklichen tiefen Nöte des Daseins?˺ Ist es nicht merkwürdig, dass gerade die größten bk-Scheußlichkeiten des Lebens, ich denke an die kapitalistische Gesellschaftsordnung und an den Krieg, sich mit lauter moralischen Grundsätzen rechtfertigen-bk können? Der Teufel kann die Moral auch brauchen und lacht über den Turm von Babel, den wir ihm da errichten.

Die Gerechtigkeit des Staatesbl und der Juristen. Ein wundervoller Turm! Ein höchst nötiges und nützliches Ersatzmittelbm, um uns vor gewissen unangenehmen Folgen unseres ungerechten Willens einigermaßen zu schützen! bn-Sehr geeignet zur Beruhigung des Gewissens!-bn Aber was leistet der Staat uns eigentlich? Er kann die Laune und Willkür und Selbstsucht des menschlichen Willens ordnen und organisieren. Er kann ihm bo-durch seine Reglemente und Drohungen-bo gewisse Hemmungen entgegensetzen. Er kann gewisse Einrichtungen, bp-Schulen z.B. aufstellen zu seiner Verfeinerung und Veredlung. Eine Unsumme von respektabler Arbeit steckt in alledem, Millionen von wertvollen Existenzen wurden und werden einzig für diesen Turmbau des Staates innerlich verbraucht 12 und geopfert, wozu? Denn auch die Gerechtigkeit des Staates in allen ihren Formen rührt die innere Art des Weltwillens mit keinem Finger an. Ja sie wird vom Weltwillen beherrscht. Der Krieg ist da wieder das schlagende Beispiel dafür: weit entfernt, dass der Staat es auch nur versuchte, aus dem wilden Tier einen Menschen zu machen, muss er umgekehrt den |238 Menschen mit tausend Künsten zwingen, zum wilden Tier zu werden.-bp Der Teufel kann auch über diesen Turm von Babel lachen.

Die religiösebq Gerechtigkeit! Es gibt leider Gottes kein sichereres Mittel, uns vor dem Alarmruf des Gewissens in Sicherheit zu bringen br-als Religion und Christentum. Ein wundervolles Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit stellt sich ein gegenüber der Ungerechtigkeit, deren Macht wir überall wittern, wenn die Religion uns die Möglichkeit gibt, neben und über den Widrigkeiten des Verkehrs mit uns selbst und den Mitmenschen, des-br Geschäfts und der Politik auch noch weihevolle Stunden der Andacht zu feiern, uns zum Christentum zu flüchten, als auf die ewig grüne Insel im grauen Meere des Alltags. Es ist eine wundervolle Illusion, wenn wir uns damit trösten können, dass in unserm Europa neben bs-Kapitalismus, Prostitution, Häuserspekulation, Alkoholismus, Steuerbetrug und Militarismus auch die kirchliche Verkündigung und Sitte, das «religiöse Leben» ihren unaufhaltsamen Gang gehen.-bs Noch sind wir Christen! Noch ist unser Volk ein christliches Volk! Eine wundervolle Illusion, aber eine Illusion, ein Selbstbetrug! Wir sollten hier zu allererst ehrlich werden und uns noch bt-ganz anders-bt offen fragen: was haben wir eigentlich davon? ˹Cui bono?˺ Was soll bu-all das Predigen, Taufen, Konfirmieren, Läuten und Orgeln? all die religiösen Stimmungen und Erbauungen, all die «sittlich-religiösen» Ratschläge «den Eheleuten |239 zum Geleite»25, die Gemeindehäuser mit und ohne Projektionsapparat, die Anstrengungen zur Belebung des Kirchengesanges, unsere unsäglich zahmen und nichtssagenden kirchlichen Monatsblättlein und was sonst noch zu dem Apparat moderner Kirchlichkeit gehören mag!-bu Wird denn dadurch etwas anders in unserm Verhältnis zurbv Gerechtigkeit Gottes? Erwarten wir auch nur, dass dadurch etwas anderesbw werde? ˹Wollen wir, dass damit etwas geschehe, oder wollen wir nicht vielmehr gerade damit aufs Raffinierteste verhüllen, dass das Entscheidende, das geschehen müsste, noch nicht geschehen ist und wahrscheinlich nie geschehen wird? Tun wir nicht auch mit unserer religiösen Gerechtigkeit, «als ob» – um das Reale nicht tun 13 zu müssen?˺ Ist nicht auch unsere religiöse Gerechtigkeit einbx Produkt unseres Hochmuts und unserer Verzagtheit, ein Turm von Babel, über den der Teufel lauter lacht als über alles Andere?! –by Wir stecken tiefbz, sehr tief in den Menschengerechtigkeiten drin. Wir sind alarmiert durch den Ruf des Gewissens, aber wir haben es nicht weiter gebracht als bis zu einem schlaftrunkenen Spiel mit den Schattenbildern der göttlichen Gerechtigkeit. Sie selber ist uns zu groß und zu hoch. Und darum sind auch die Not und die Angst, die wir um der Ungerechtigkeit willen leiden müssen, noch da. Das Gewissen in uns schreit weiter. Unsere tiefste Sehnsucht ist ungestillt.

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Und das ist nun die innere Lage, in der wir auf die völlig sinnlose Frageca kommen, ob Gott gerecht sei, in der uns die Gerechtigkeit Gottes |240 gänzlich ungereimterweise zu einem Problem ˹und Diskussionsgegenstand˺ wird. Durch den Krieg ist cb-ja diese sinnlose Frage wieder einmal «aktuell»-cb geworden. Es wird jetzt kaum eine Gemeinde geben im Land herum, in der cc-nicht laut oder leise, grob oder fein diese Frage rumort-cc, und sie rumort im Grunde in uns allen, die Frage: wenn Gott gerecht wäre, könnte er dann alles das «zulassen», was jetzt in der Welt geschieht?

Eine sinnlosecd Frage? Ja allerdings sinnlos, wenn dabei Gott, der lebendige Gott gemeint ist. Denn der lebendige Gott offenbart sich uns in unserm Gewissen keinen Augenblick anders denn als ein gerechter Gott. Und es ist sinnlos, ihn zu fragen: bist du gerecht? wo wir ihn sehen ˹können˺, wie er ist, und wo er uns fragt, ob wir ihn anerkennen und haben wollen, wie er ist.ce Aber eine sehr sinnreichecf und richtige und gewichtige Frage ist das, wenn wir sie an den Gott richten, dem wir in unserm Hochmut und in unserer Verzagtheit den Turm von Babel errichtet haben, an den großen persönlichen oder unpersönlichen˹, mystischen, philosophischen oder naiven˺ Hintergrund und Schutzpatron unserer Menschengerechtigkeiten, unserer Moral, unseres Staates, unserer Kultur, unserer Religion. Ja, wenn wir dencg meinen, dann haben wir sehr recht, zu fragen: ist Gott gerecht? dann ist die Antwort bald gegeben. Dasch ist unser Elend, ein Elend ohne Ausweg und Erlösung, dass wir uns mit tausend Künsten einen Gott gemacht haben nach unserem Bilde [vgl. Gen. 1,26f.] und dass wir diesen Gott nun haben müssen, einen Gott, an den man so trostlose Fragen stellen kann ˹und muss˺, auf 14 die es nur ˹so˺ trostlose Antworten gibt. In dieser Frage: ist Gott gerecht? bricht unser ganzer Turm von Babel zusammen. In dieser Frage, die uns jetzt wieder einmal brennt, wird es offenkundig, dass wir eine Gerechtigkeit haben möchten ohne Gott, ja dass wir Gott haben möchten ohne Gott und gegen Gott ˹–˺ und dass das eben nicht geht. Es zeigt sich, dass dieser |241 Gott keinci Gott ist. Er ist ja nicht einmal gerecht. Er kann escj nicht einmal verhindern, dass seine Gläubigen, all die ausgezeichneten europäischen ˹und amerikanischen˺ Kultur- und Wohlfahrts- und Fortschrittsmenschen, all die wackern ˹beflissenen˺ Staatsbürger und frommen Christen mit Brand und Mord übereinander herfallen ˹müssen˺ zur Verwunderung und zum Spott der armen Heiden in Indien und Afrika. Dieserck Gott ist wirklich ein ungerechter Gott und es ist hohe Zeit, diesemcl Gott gegenüber einmal gründlich Zweifler, Skeptiker, Spötter und schließlich Atheist zu werden. Es ist hohe Zeit, uns cm-offen und fröhlich zu gestehen: dieser Gott, dem wir den Turm von Babel gebaut haben, ist kein Gott. Er ist ein Götze. Er ist tot.-cm

cn-Gott selber, der wirkliche, der lebendige Gott und seine Liebe, die zu Ehren kommt.-cn Das ist die Lösung. Wir haben ja noch gar nicht angefangen, ruhigco auf das zu hören, was das Gewissen von uns will, wenn es uns in unserer Not und Angst an die Gerechtigkeit Gottes erinnert. Wir waren viel zu gierig daraufcp, selber gleich etwas machen zu wollen. ˹Wir machten es uns viel zu schnell behaglich in allerhand Notbauten. Wir verwechselten das Zelt mit der Heimat, das Moratorium mit dem normalen Lauf der Dinge. Wir beteten: dein Wille geschehe! [Mt. 6,10 par.] und meinten damit schließlich: dein Wille geschehe vorläufig nicht! Wir glaubten an ein ewiges Leben, aber das wirklich Ewige, in dem wir lebten und von dem wir uns sättigten, war das Provisorische.˺ Und darüber blieben wir die Gleichen, die wir waren. Und die Ungerechtigkeitcq blieb. Und die Gerechtigkeit Gottes verschwand wieder vor unseren Augen. Und Gott selber wurde uns zweifelhaft, cr-weil an seiner Stelle ja das fragwürdige Gemächte unserer Gedanken stand.-cr

242 Es gibt einen grundsätzlich andern Weg, um zu der Gerechtigkeit Gottes in ein Verhältnis zu kommen.cs Diesen anderen Weg betreten wir damit, dass wir statt zu reden, zu reflektieren, zu räsonieren, stille werdenct und dafür das Gewissen nicht stillschweigen heißen, nachdem wir seine Stimme kaum erst gehört 15 haben. Wenn wir das Gewissen ˹zu Ende˺ reden lassen, dann sagt es uns nämlich nicht nur, dass es etwas Anderes gibt, eine Gerechtigkeit über der Ungerechtigkeit, sondern das noch viel Wichtigere, dass dies Andere, nach dem wir uns sehnen und das wir nötig haben, Gottes Sache ist. cu-Gott hat recht und nicht wir! Gottes Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit!-cu Das ist’s, was wir so leicht überhören. Es braucht etwas, bis wir so weit sind, das ˹wieder˺ zu hören. Wir machen gar ein Getöse mit unserer Moral und Kultur und Religion. Aber es kann dazu kommen, dass wir zum Schweigen gebracht werden und damit fängt dann unsere wirkliche Erlösung an.

Es wird sich dann vor cv-allem darum handeln, dass wir Gott überhaupt wieder als Gott anerkennen. Das ist schnell gesagt-cv: anerkennen. Aber das ist eine Sache, die nur in cw-heißem persönlichem innerem Kampf erstritten und gewonnen wird.-cw Das ist eine Aufgabe, neben der cx-alle kulturellen, sozialen und patriotischen Aufgaben, alle «sittlich-religiösen» Bemühungen-cx Kinderspiel sind. Denn es handelt sich dabei darum, dass wir uns selbst cy-aufgeben, um uns Gott zu übergeben und seinen Willen zu tun. Gottes Willen tun heißt aber mit Gott neu anfangen. Gottes Wille ist keine bessere Fortsetzung unseres Willens. Er steht unserem Willen gegenüber als ein gänzlich anderer26. Ihm gegenüber gibt es für unseren Willen nur ein radikales Neu|243werden. Kein Reformieren, ein Neuwachsen und-cy Neuwerden. Denn der Wille, der uns im Gewissen offenbar wird, cz-ist Reinheit, Güte, Wahrheit, Gemeinschaft als vollkommener Gotteswille.-cz Es ist ein Wille, der keine Ausreden und Vorbehalte ˹und vorläufige Kompromisse˺ kennt. Es ist ein da-durch und durch einseitiger Wille, ein von innen, von Grund aus heiliger und seliger-da Wille. Das ist die Gerechtigkeit Gottes. Ihr gegenüber muss Demut das Erste sein. ˹Haben wir in dieser Richtung etwa schon genug getan? Können wir diese Demut etwa als eine selbstverständliche Voraussetzung behandeln und über sie hinweg zu allerhand Turmbauten übergehen? Haben wir nur auch schon angefangen mit der Schaffung dieser Voraussetzung?˺

Und dann das zweite: an Stelle aller Verzagtheit ˹wird˺ eine kindliche Freudigkeitdb ˹treten:˺ Freude darüber, dass Gott so viel größer ist, als wir es uns dachten. Freude darüber, dass seine Gerechtigkeit eine ganz andere Tiefe und Bedeutung hat, als wir es uns träumen ließen. Freude darüber, dass von Gott für unser armes verworrenes belastetes Leben viel mehr zu erwarten ist, als 16 wir mit unseren Grundsätzen, mit unserm Idealismus, mit unserm dc-Christentum es uns träumen ließen. Mehr zu erwarten! Wir sollten unsere Gefühle nicht so zerstreuen nach allen Seiten. Wir sollten uns das Herz nicht immer wieder so töricht in Verwirrung bringen lassen durch immer neue Turm von Babel-Bauten. Wir sollten unseren Glauben nicht daran verschwenden, uns und andere von unserem Unglauben zu überzeugen. Wir sollten nicht immer wieder die fruchtbarsten Augenblicke deshalb ungenützt verstreichen lassen, weil wir es jedesmal für frömmer und weiser halten, menschlich als göttlich zu denken. Wir sollten uns dafür mit aller Kraft darauf legen, mehr von Gott zu erwarten, wachsen zu lassen, was von ihm her tatsächlich in uns wachsen will, anzunehmen, was er uns ja beständig anbietet, wachend und |244 betend seinem Schaffen zu folgen. Wie die Kinder uns über den großen Gott und seine Gerechtigkeit zu freuen und ihm Alles zuzutrauen. Haben wir etwa in dieser Richtung schon genug getan? Fließen denn etwa die Quellen so reichlich, die da fließen könnten? Stehen wir nicht auch in der rechten schöpferischen Freudigkeit Gott gegenüber noch ganz in den Anfängen?-dc

In der Bibel heißt diese Demut und dd-diese Freudigkeit – Glauben.-dd Wenn wir glauben, so heißt das, dass wir statt alles Rumors still werden und Gott mit uns reden lassen, den gerechten Gott, denn es gibt keinen anderen. Und dann wirkt Gott in uns. Dann fängt in uns das radikal Neue an, de-keimhaft aber wahrhaft, das die Ungerechtigkeit überwindet.-de Wo geglaubt wird, da fängt mitten in der alten Kriegswelt und Geldwelt und Todesweltdf der neue Geist an, aus dem eine neue Welt, die Welt der Gerechtigkeit Gottes wächst. Die Not und Angst, in denen wir ˹jetzt˺ sind, sind gebrochen, wo dieser neue Anfang ist. dg-Die alten Fesseln wollen zerreißen, die falschen Götzen beginnen zu wanken. Denn jetzt ist etwas Reales geschehen, das einzige Reale, das geschehen kann: Gott selbst hat nun seine Sache an die Hand genommen. «Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.» [Lk. 10,18]. Das Leben bekommt seinen Sinn wieder, das Leben des Einzelnen und das Leben im Ganzen. Lichter Gottes gehen auf im Dunkeln und Kräfte Gottes werden wirksam in der Schwachheit [vgl. 2.Kor. 12,9]. Wirkliche Liebe, wirkliche Wahrhaftigkeit, wirklicher Fortschritt werden möglich, ja Moral und Kultur, Staat und Vaterland, sogar Religion und Kirche werden jetzt möglich, jetzt, erst jetzt! Eine weite Aussicht-dg tut sich auf für die Zukunft auf ein |245 Leben, ja auf eine Welt hier auf der Erde, in der 17 der gerechte Gotteswilledh hervorbricht und gilt und geschieht wie er im Himmel geschieht [vgl. Mt. 6,10 par.]. So wird die Gerechtigkeit Gottes, die ferne, fremde, hohe, unser Eigentum und unsere große Hoffnung.

di-Dieser innere Weg, der Weg des einfachen Glaubens, ist der Weg Christi.-di Hier istdj mehr als Mose und mehr als Johannes der Täufer [vgl. Mt. 12,41f. par.]. ˹Hier steht die Liebe Gottes ursprünglich und neu in Ehren.˺ Man kann nicht sagen, dass die Menschheit die dk-Möglichkeiten dieses Weges schon erschöpft-dk hat. Wir haben aus Jesus dl-schon vielerlei gemacht. Aber wir-dl haben das Einfachste noch am wenigsten begriffen, dass er der Sohn Gottes war und dass wir mit ihm den Weg gehen dürfen, auf dem man nichts tut, als glaubt, dass des Vaters Wille die Wahrheit ist und geschehen muss. dm-Man kann entgegenhalten, dass diese Auflösung der Quadratur des Zirkels kindlich und dürftig ist. Ich lasse es mir gefallen. dn-Aber in dieser kindlichen und dürftigen Auflösung steckt auch ein Programm!-dm-dn Es wird sich zeigendo, ob die Erschütterung des Turmes von Babel, die wir jetzt durchmachen, stark genug ist, um dp-uns dem Weg des Glaubens-dp ein klein wenig näher zu bringen. Eine Gelegenheit dazu ist jetzt da. Es kann sein, dass es geschieht. Es kann aber auch sein, dass es nicht geschieht. Früher oder später wird es geschehen. dq-Einen anderen Weg gibt es nicht.-dq

Textkritische Fußnoten

a
Mskr.: «Stimme».↩
b
Mskr. und 1. Abdruck (1916) 📖: «Sicheres».↩
c
Mskr.: «Vernunft».↩
d
Mskr.: «gross».↩
e
Mskr.: «das ganz».↩
f-f
Mskr.: «was mit dem Worte gemeint ist.»↩
g
Mskr.: «kompliziert».↩
h
Mskr.: «Gewissen».↩
i
Mskr.: «zur unmittelbaren».↩
j
Mskr.: «offenbart».↩
k
Mskr.: «über die Welt».↩
l
Mskr. und 1. Abdruck (1916) 📖: «Grunde».↩
m
Mskr.: «kennt».↩
n
Mskr.: «leben davon».↩
o-o
Mskr.: «Und doch könnten wir es gar».↩
p
Mskr.: «wir leiden».↩
q
Mskr.: «Gerechtigkeit Gottes».↩
r
Mskr.: «unseres».↩
s
Mskr.: «offenkundigen».↩
t
Mskr.: «Augen».↩
u-u
Mskr.: «hier und die Gedrücktheit und Abhängigkeit dort.»↩
v-v
Mskr.: «darum herum, dass wir tatsächlich unter diesen Dingen leiden.»↩
w
1. Abdruck (1916) 📖: «er».↩
x
Mskr.: «furchtbarste Angst».↩
y-y
Mskr.: «der einzige, der einzig mögliche».↩
z-z
Mskr.: «dass das Leben und die Welt nun einmal».↩
aa
Mskr.: «dieser».↩
ab
Mskr.: «drin».↩
ac
Mskr. und 1. Abdruck (1916) 📖: «Bachischen».↩
ad
Mskr.: «Versicherung».↩
ae
Mskr.: «wahr! Das kann nicht wahr sein! Es giebt etwas Anderes!»↩
af
Mskr.: «lauter und sich selber getreu».↩
ag
Mskr.: «klammert».↩
ah-ah
Mskr.: «Not wird in uns die».↩
ai
Mskr.: «Wendung».↩
aj
Mskr.: «schmerzlich».↩
ak
Mskr.: «in».↩
al
Mskr.: «tiefer».↩
am
Mskr.: «schmerzlichsten».↩
an
Mskr.: «hinein».↩
ao-ao
Mskr.: «not tut und greifen doch zu Ersatzmitteln und Surrogaten, die uns nicht helfen können».↩
ap-ap
Mskr.: «Hochmut nennen, dass wir’s so machen».↩
aq-aq
Mskr.: «Hand nehmen und betreiben, wie wir allerlei anderes betreiben».↩
ar-ar
Mskr.: «nicht leben können, einfach auf unseren im Übrigen ungerechten Willen aufgepfropft werde. Wir sind sehr gerne dafür zu haben, durch Verbesserungen, Reformen, Erziehungsmethoden, Kultur- und Religionsbestrebungen von allen Sorten, dabei Hand anzulegen. Der Trompetenstoss des Gewissens, der uns eben noch beunruhigte, hat nun auf einmal sehr angenehme Folgen für uns. Die Not und Angst in der wir uns befinden, verwandelt sich im Handkehrum in das wohltuende Gefühl, das wir immer haben, wenn wir glücklich wieder beim Reflektieren, Kritisieren, Konstruieren angelangt sind. Die Sehnsucht nach einer neuen Welt hat alle Bitterkeit u. Schärfe verloren u. ist im Nu zum sog. Fortschritt geworden mit».↩
as-as
Mskr.: «gemächlich in ein schönes Ideal verwandelt, das man selber fröhlich zum Fenster hinaushängt u. jetzt wieder zusammenrollt».↩
at-at
Mskr.: «Ihr werdet wie Gott sein».↩
au-au
Mskr.: «auch geradeso gut Verzagtheit».↩
av
Mskr.: «hinein».↩
aw-aw
Mskr.: «Tuberkulose und Generalstreik und Völkerkrieg».↩
ax
Mskr.: «diesen».↩
ay-ay
Mskr.: «das Fähnlein seiner Ideale schwenkt, ist der Gleiche, der euch ängstlich daran erinnern wird».↩
az
Mskr.: «erziehen».↩
ba-ba
Mskr.: «und Jahresberichte vollkommen überflüssig sind, dass es sich da um ein sehr einseitiges Ja oder Nein gegenüber einer ganzen neuen Welt».↩
bb-bb
Mskr.: «dass etwas wirklich Anderes».↩
bc
Mskr.: «darum».↩
bd
Mskr.: «verwandelt».↩
be
Mskr.: «ergriffen».↩
bf
Mskr.: «Moral».↩
bg-bg
Mskr.: «aber was hilft uns die Moral eigentlich? Moral».↩
bh-bh
Mskr.: «Durch deine Moral, wir wollen einmal sagen durch deine Sparsamkeit oder durch deine Abstinenz, oder durch deine Geschäftstüchtigkeit erhebst du dich».↩
bi
Mskr.: «dich in bestimmten Punkten».↩
bj-bj
Mskr.: «Wille der Welt damit getroffen, geschweige denn überwunden, dass du dich mit deiner Moral scheinbar ein wenig auf die Seite retten kannst?»↩
bk-bk
Mskr.: «Scheußlichkeiten unseres Lebens, ich denke an den Krieg und an die kapitalistische Gesellschaftsordnung, sich mit lauter moralischen Grundsätzen begründen und rechtfertigen».↩
bl
Mskr.: «Staates».↩
bm
Mskr.: «Instrument».↩
bn-bn
Mskr.: «Ein sehr geeignetes Mittel, das Gewissen zu beruhigen!»↩
bo-bo
Mskr.: «durch Paragaphen und Strafandrohungen».↩
bp-bp
Mskr.: «Schulen und Kirchen z.B. aufstellen zu seiner Verfeinerung und Veredelung. Alle Achtung! aber mit alldem schafft er sie nicht aus der Welt, ja er rührt sie mit keinem Finger an, ja er wird von ihnen beherrscht. Der Krieg ist da wieder das schlagende Beispiel dafür: weit entfernt, dass der Staat es vermöchte, aus dem wilden Tier einen Menschen zu machen, muss er umgekehrt den Menschen zwingen, zum wilden Tier zu werden, indem er ihn in die Uniform steckt und ihn zum Morden anhält.»↩
bq
Mskr.: «religiöse».↩
br-br
Mskr.: «als die Religion und das Christentum. Es gibt uns ein wundervolles Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit gegenüber der Ungerechtigkeit deren Macht wir überall wittern, wenn die Religion uns die Möglichkeit gibt neben und über der Widrigkeit des».↩
bs-bs
Mskr.: «Kapitalismus und Prostitution und Alkoholismus und Steuerbetrug und Krieg auch die kirchliche Sitte, religiöse Sitte und Verkündigung ihren unaufhaltsamen Gang geht.»↩
bt-bt
Mskr.: «einmal».↩
bu-bu
Mskr.: «eigentlich all das Predigen, Taufen, Konfirmieren, Orgelspielen? all die religiösen Stimmungen und Erbauungen und kirchlichen Liebestätigkeiten?»↩
bv
Mskr.: «zu der».↩
bw
Mskr.: «anders».↩
bx
Mskr.: «nur ein».↩
by
Mskr.: Absatz.↩
bz
Mskr.: «stecken tief».↩
ca
Mskr.: «Frage».↩
cb-cb
Mskr.: «diese sinnlose Frage auf einmal aktuell».↩
cc-cc
Mskr.: «nicht da und dort laut oder leise, grob oder fein diese Frage aufgeworfen wird».↩
cd
Mskr.: «sinnlose».↩
ce
Mskr.: Absatz.↩
cf
Mskr.: «sinnreiche».↩
cg
Mskr.: «den».↩
ch
Mskr.: «Seht das».↩
ci
Mskr.: «dieser Gott kein».↩
cj
Mskr.: «es ja».↩
ck
Mskr.: «Dieser».↩
cl
Mskr.: «diesem».↩
cm-cm
Mskr.: «offen zu gestehen: dieser Gott, dem wir den Turm von Babel gebaut haben, ist tot. Er ist kein Gott. Er ist Götze.»↩
cn-cn
Mskr.: «Gott selber, der wirkliche, der lebendige Gott muss zu Ehren kommen.»↩
co
Mskr.: «ruhig».↩
cp
Mskr.: «gierig darauf versessen».↩
cq
1. Abdruck (1916) 📖: «Gerechtigkeit».↩
cr-cr
Mskr.: «weil wir ihn mit dem Gemächte unserer Gedanken verwechselten.» Im Mskr. und im 1. Abdruck (1916) 📖 folgt kein Absatz.↩
cs
Mskr. und 1. Abdruck (1916) 📖: Absatz.↩
ct
Mskr.: «stille werden».↩
cu-cu
Mskr.: «Gott hat recht und nicht wir! Gottes Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit.»↩
cv-cv
Mskr.: «Allem darum handeln müssen, dass wir Gott überhaupt wieder als Gott anerkennen. Das ist bald gesagt».↩
cw-cw
Mskr.: «heissem Kampf in Geduld erstritten wird.»↩
cx-cx
Mskr.: «alle Kulturaufgaben und moralisch-religiösen Bemühungen».↩
cy-cy
Mskr.: «aufgeben und uns Gott übergeben und das will sagen: einem Willen der gänzlich anders ist als unser Wille und dem gegenüber es für unsern Willen nur ein radikales Neuwerden giebt. Kein Reformieren, kein Verbessern, ein».↩
cz-cz
Mskr.: «heisst völlige Reinheit, völlige Güte, völlige Liebe und Gemeinschaft.»↩
da-da
Mskr.: «von innen heraus heiliger seliger Wille, ein durch und durch einseitiger».↩
db
Mskr.: «Freudigkeit.»↩
dc-dc
Mskr.: «Christentum uns einbildeten. Mehr zu erwarten! O wenn wir doch statt unsre Gefühle so unnütz zu zerstreuen nach allen Seiten, statt unser Herz immer wieder so töricht in Verwirrung bringen zu lassen bei allerhand Turm von Babelbauten[,] mit aller Kraft uns darauf legen wollten mehr von Gott zu erwarten, von dem Gott[,] der soviel gewisser ist[,] als alle unsre Gedanken. Wie die Kinder uns über den grossen Gott und seine Gerechtigkeit zu freuen und ihm Alles zu zutrauen.»↩
dd-dd
Mskr.: «diese kindliche Freudigkeit Gott gegenüber Glauben.»↩
de-de
Mskr.: «der neue Wille.»↩
df
Mskr.: «Todeswelt der Ungerechtigkeit».↩
dg-dg
Mskr.: «Das Leben bekommt seinen Sinn wieder, das Leben des Einzelnen und das Leben im Ganzen. Lichter Gottes gehen auf im Dunkel und Kräfte Gottes werden wirksam in der Schwachheit. Wirkliche Liebe, wirkliche Wahrhaftigkeit, wirklicher Fortschritt werden möglich. Die falschen Götzen beginnen zu wanken, die alten Fesseln wollen zerreissen. Eine weite Perspektive».↩
dh
Mskr.: «Wille Gottes».↩
di-di
Mskr. und 1. Abdruck (1916) 📖: «Diesen inneren Weg, den Weg des einfachen Glaubens, ist Jesus gegangen.»↩
dj
Mskr.: «Und war eben darum».↩
dk-dk
Mskr.: «Möglichkeit, diesen Weg zu gehen, schon ausgenützt».↩
dl-dl
Mskr.: «schon Alles mögliche gemacht: einen hohen Moralprediger, einen eifernden Politiker, einen tiefsinnigen Religionsstifter, einen feierlichen Kirchenbegründer. Wir».↩
dm-dm
Mskr.: «Ich will nicht streiten mit denen, denen diese Auflösung der Quadratur des Zirkels vielleicht zu kindlich und dürftig ist. Ich kann darauf nur erwidern, dass in dieser kindlichen und dürftigen Auflösung ‹Gerechtigkeit durch den Glauben, alles durch den Glauben› ein Programm steckt, gross genug um ein Menschenleben reich und schön zu machen und mehr als das.»↩
dn-dn
1. Abdruck (1916) 📖: «Es wird doch in dieser kindlichen und dürftigen Auflösung ein Programm stecken, groß genug, um ein Menschenleben reich und schön zu machen und mehr als das.»↩
do
Mskr.: «dann zeigen müssen».↩
dp-dp
Mskr. und 1. Abdruck (1916) 📖: «uns diesen inneren Weg des Glaubens».↩
dq-dq
Mskr.: «Es ist meine feste Überzeugung, dass es keinen anderen Weg giebt.»↩

Sachfußnoten

1
KBA 9315.170.↩
2
K. Barth, Predigten 1915, hrsg. von H. Schmidt (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1996, S. 399–410 📖.↩
3
Zum einen der Antrag auf Abschaffung des Synodalgottesdienstes am 11.11.1915 in Aarau (s. oben S. 164–176; vgl. Bw.Th. I, S. 100f. 📖) und zum anderen der als «Generalabrechnung» gemeinte und dann doch nur wie «ein Schlag an die Wand» wirkende Vortrag «Kriegszeit und Gottesreich» am 15.11.1915 in Basel (s. oben S. 177–210; vgl. Bw.Th. I, S. 102).↩
4
Brief von K. Barth an E. Thurneysen vom 20.12.1915 (Bw.Th. I, S. 118 📖).↩
5
KBA 9315.174.↩
6
So die Mitteilung im Brief vom 12.12.1915.↩
7
Fritz Hochuli (1860–1934) gründete 1897 die Feinstrickerei Hochuli in Safenwil, für die 1917 ein neues großes Fabrikgebäude errichtet wurde. Zu den Auseinandersetzungen mit Hochuli vgl. auch unten S. 713f.↩
8
Brief von K. Barth an E. Thurneysen vom 10.1.1916 (Bw.Th. I, S. 123f. 📖).↩
9
K. Barth, Predigten 1916, hrsg. von H. Schmidt (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1998, S. 20–28, dort S. 23 📖.↩
10
Brief von G. Wild an K. Barth vom 17.1.1916 (KBA 9316.10).↩
11
KBA 9316.9.↩
12
Brief von K. Barth an L. Ragaz vom 10.12.1915 (KBA 9215.33).↩
13
Brief von L. Ragaz an K. Barth vom 26.2.1916 (KBA 9316.30).↩
14
NW, Jg. 10 (1916), S. 143–154, dort S. 143, Anm. 1 📖. Gemeint war der Aufsatz von R. Liechtenhan, Können wir an eine sittliche Weltordnung glauben?, in: NW, Jg. 10 (1916), S. 93–109 📖.↩
15
Brief von R. Liechtenhan an K. Barth vom 10.5.1916 (KBA 9316.60).↩
16
Siehe unten S. 228.↩
17
Können wir an eine sittliche Weltordnung glauben?, a.a.O., S. 108 📖.↩
18
A.a.O., S. 109 📖.↩
19
Im Brief an K. Barth vom 10.5.1916.↩
20
Siehe unten S. 228.↩
21
K. Barth, Vorwort, in: Das Wort Gottes und die Theologie, Gesammelte Vorträge [I], München 1924, S. 3 📖; V.u.kl.A. 1922-1925, S. 685 📖.↩
22
Vgl. D. Lloyd George, Better Times. Speeches, London 1910 📖; deutsch: Lloyd George, Bessere Zeiten, übersetzt von H. Simon, hrsg. von E. Bernstein (Politische Bibliothek), 1.-4. Tausend Jena 1911 📖 (vgl. V.u.kl.A. 1909-1914, S. 734–738 📖).↩
23
Vgl. H. Vaihinger, Die Philosophie des Als ob. System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche, Berlin 1911 📖.↩
24
Der Zürcher Generalstreik vom 12. Juli 1912 mit der nachfolgenden zweitägigen Aussperrung der Streikenden und der militärischen Besetzung des sozialdemokratischen Volkshauses in Zürich-Außersihl am zweiten Aussperrungstag blieb als Zeichen für den schmerzlichen Klassengegensatz in der Schweizer Gesellschaft in Erinnerung: «Es stehen sich heute zwei Welten gegenüber. Sie befinden sich im Kriegszustand.» (L. Ragaz, Der Zürcher Generalstreik, in: NW, Jg. 6 [1912], S. 291–301, dort S. 300 📖).↩
25
Vgl. Mein Haus meine Burg! Den Eheleuten zum Geleite! Hrsg. vom evang.-reform. Synodalrat in Verbindung mit der Ärztegesellschaft des Kantons Bern, Bern 1914 📖. Das «Ehebüchlein» enthält im I. Teil «Sittlich-religiöse Ratschläge» und im II. Teil «Ärztliche Ratschläge für Eheleute».↩
26
Später wurde das «ganz Andere» als «Moment des Numinosen» bekannt durch R. Otto, Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen (1917), Nachdruck München 2004, S. 28–37 📖.↩