Die Gerechtigkeit Gottes
DIE GERECHTIGKEIT GOTTES
Der Vortrag über «Die Gerechtigkeit Gottes» geht auf eine Einladung zurück, die Pfarrer
Den Vortrag hatte Barth in starker Spannung wegen der «großen Sauferei» niederzuschreiben, die der Safenwiler Fabrikant
An direkten Reaktionen auf den Vortrag ist neben den Zeilen eines Hörers, der «noch nie in einer Landeskirche solche Worte gehört» hatte, «welche so von Herzen kamen, aber auch zu Herzen gingen, die nicht ganz verschlossen sind»10, nur der Dank
«Für den packenden Weckruf an das Gewissen [...] u. die feine Durchführung des Turmbaumotivs sowie den erhebenden Hinweis am Schlusse auf Christus, dieses versöhnende Finale nach den vorausgegangenen Differenzen zwischen Menschenwillen u. Gotteswillen drücke ich Ihnen doppelt dankbar im Geiste die Hand.»11
Beide Hörer fragten nach einem Abdruck des Vortrags; Wernly schlug dafür u. a. die «
In der Tat sandte Barth seinen Text im Februar 1916 an
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Und wirklich stellte
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Die Edition gibt den Text des dem Erstdruck in den «
Die Gerechtigkeit Gottes
Es ist eine Stimmea eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Tale sollen erhöhet werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlicht werden, denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden! [
Du musst nicht mit der rechnenden Vernunftc an diese Tatsache herangehen wollen. Die Vernunft sieht, was klein und was größerd ist, aber nicht dase Große. Sie sieht das Vorläufige, aber nicht das Endgültige˹, das Abgeleitete, aber nicht das Ursprüngliche, das Komplizierte, aber nicht das Einfache˺. Sie sieht, was menschlich, nicht aber was göttlich ist [vgl.
229 Du musst dich nicht durch ˹die˺ Menschen über diese Tatsache belehren lassen wollen. Es kann ein Mensch dem Andern wohl das Wort sagen von der Gerechtigkeit Gottes. Es kann ein Mensch den Andern vielleicht zum Nachdenken über dieses Wort veranlassen. Es kann es aber kein Mensch dem andern zur eigenen, unmittelbaren˹, durchschlagenden˺ Gewissheit machen, f-was hinter dem Worte steht.-f Wir Menschen müssen es erst wieder lernen, mit Vollmacht miteinander zu reden und nicht wie die Schriftgelehrten [vgl.
Du musst das Gewissenh reden lassen. Es redet dir schon von Gottes Gerechtigkeit und so, dass sie dir zuri Gewissheit wird. Das Gewissen kann zwar bis zur fast völligen Lautlosigkeit beschwichtigt und zu Boden getreten, es kann bis zur Narrheit und bis zum 6 Verbrechen irregeführt werden, immer bleibt es die Stelle, die einzige Stelle zwischen Himmel und Erde, an der uns Gottes Gerechtigkeit offenbarj wird. Es unterbricht wie mit Posaunenschall aus einer andern Welt dein Nachdenken über dich selbst und über das Lebenk, deine Pflichterfüllung in Familie, Beruf und Staat, auch die Pflege deiner religiösen Gedanken und Gefühle. Es kommt mit seiner Botschaft über dich jetzt als bittere drängende Anklage, jetzt als ruhige feste Behauptung, jetzt als gebieterische Aufgabe für deinen Willen, jetzt als ein Hindernis, das dir ein unerbittliches Nein entgegensetzt, jetzt als Fluch und Verdammnis, die dich zu Boden drücken, jetzt als selige Freude, die dich über dich selbst und Alles, was ist, hinaushebt – aber im tiefsten Grundl immer im gleichen Sinne dich weckend und beunruhigend, in der gleichen Richtung dir Wege weisend. In allem Wechsel und Wandel deiner Erfahrungen bezeugt es dir, dass all dein Leben und Erfahren ein Ziel hat. In allem Hin und Her freudiger und schmerzlicher Empfindungen redet es dir von einem Sinn deines Daseins, der höher ist als die Freude und tiefer als der Schmerz. In allem |230 Auf und Ab auch in der Wahrhaftigkeit, Stärke und Reinheit unseres Willens redet uns das Gewissen von einem Willen, der sich selbst treu bleibt. Und das ist die Gerechtigkeit Gottes.
Wir freuen uns über Gerechtigkeit, da wo wir einen Willen wahrzunehmen meinen, der in sich selber klar und beständig, frei von Willkür und Wankelmut ist, einen Willen, der in sich selber eine Ordnung hatm, die gilt und nicht gebogen werden kann. Und nun sagt uns das Gewissen, dass das Letzte und Tiefste in Allem ein solcher Wille ist, dass Gott gerecht ist. Wir leben davonn, dass wir das wissen. Wir vergessen es zwar sehr oft, wir gehen darüber hinweg, wir treten es mit Füßen. o-Und wir könnten es doch gar-o nicht aushalten im Leben, wenn wir das nicht wüssten im tiefsten Grund: Gott ist gerecht!
Denn wir leidenp unter der Ungerechtigkeit. Es graut uns vor ihr. Alles in uns empört sich gegen sie. Wir wissen zwar mehr von ihr als von der Gerechtigkeitq. Wir haben beständig, in den kleinen und großen Vorgängen desr Lebens, in unserm eigenen Verhalten und in dem der Anderen und je schärfer wir zusehen, umso deutlicher, eine andere Art Willen vor uns, einen Willen, der keine gültige und unbeugbare Ordnung kennt, sondern der auf Willkür, Laune und Selbstsucht gegründet ist, einen Willen ohne Treue, in sich selbst uneinig und zerrissen, einen Willen ohne Logik und 7 Zusammenhang. So sind wir, so ist das Leben, so ist die Welt. Und die rechnende Vernunft will kommen und uns beweisen, dass es immer so gewesen sei und immer so sein müsse. Aber wir haben auch die Folgen dieses ungerechten Willens vor Augen. Sie heißen Unruhe, Unordnung, Unheil in feinern und gröbern, verhüllten und offenens Gestalten. Wir haben die Leidenschaft vor unst und das Verbrechen, die Teufeleien der geschäftlichen Konkurrenz und den Völkerkrieg, den Klassengegensatz und die sittliche Verlotterung in allen Klassen, die ökonomische Zwingherrschaft u-oben und den Sklavengeist unten.-u Wir können |231 über diese Dinge wohl räsonieren und schließlich uns selbst und Andern ganz gescheit beweisen, dass das alles seine notwendigen Gründe habe. ˹Wir können uns einbilden, wir könnten sie damit innerlich los werden.˺ Wir kommen ˹aber˺ doch nicht v-um die einfache Tatsache herum, dass wir darunter leiden.-v Wie eine schwere Last liegt das alles auf uns und ˹kann nicht ertragen werden. Es˺ verteufelt uns das Leben, ob wir’s gelten lassen oder nicht. Wir leben im Schatten. Das Leben will uns zur Sinnlosigkeit werden durch den ungerechten Willen, der es erfüllt und beherrscht. Wir mögen uns zeitweilig darüber hinwegtäuschen. Wir mögen uns zeitweilig damit abfinden. Natürlich und selbstverständlich wird esw uns nie. ˹Denn der ungerechte Weltwille ist das von Haus aus Unerträgliche, das Unmögliche.˺ Wir leben davon, dass wir wissen: es gibt eigentlich etwas Anderes als Ungerechtigkeit. – Und das ist die furchtbarste Angstx, die uns manchmal erfasst, es könnte am Ende doch die Ungerechtigkeit das letzte Wort haben. Der entsetzliche Gedanke legt sich uns nahe, es könnte der ungerechte Wille, der uns jetzt jagt und rädert, y-der einzige, der tiefste-y Wille im Leben sein. Und der unmögliche Entschluss ˹tut sich auf˺: mach deinen Frieden mit der Ungerechtigkeit! Ergib dich drein, z-daß die Welt-z eine Hölle ist und richte dich danach! Es ist einmal so.
Und nun in dieseaa Not und Angst mitten hineinab, unbeirrbar und konsequent wie das Thema einer Bachschenac Fuge die Versicherungad des Gewissens: nein, das ist nicht wahr!ae es gibt über deinem und meinem krummen und lahmen Willen, über dem absurden wahnwitzigen Weltwillen einen andern, der ist gerade und lauteraf und der muss, wenn er einmal zur Geltung kommt, auch andere, ganz andere Folgen haben als das, was uns jetzt vor Augen steht. Aus diesem Willen, wenn er zur Anerkennung kommt, muss ein anderes Leben wach|232sen. Aus diesem Willen, wenn er durchbricht, aufer8baut sich eine neue Welt. Wo dieser Wille gilt, da ist unsere Heimat; wir haben sie verloren, aber wir können sie wieder finden. Es gibt einen Gotteswillen, der gerecht ist. – Und wie ein Ertrinkender sich an einen Strohhalm klammertag, so streckt sich Alles in uns, was lebendig ist, aus nach dieser Versicherung, die uns das Gewissen gibt. Wir möchten doch diesem Andern, das da vor uns aufleuchtet, nicht unsicher gegenüberstehen, sondern mit Gewissheit. Wir möchten es nicht bloß ahnen als Hoffende und Wünschende, wir möchten es ruhig sehen, uns seiner freuen können. Wir möchten ihm nicht fern und fremd bleiben, sondern wir möchten es zu eigen haben. Aus der tiefsten ah-Not in uns wird die-ah tiefste Sehnsucht geboren: ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab! [
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Aber nun kommt eine merkwürdige Wendungai in unsern Erfahrungen mit der Gerechtigkeit Gottes. Die Posaune des Gewissens ist ertönt, wir fahren zusammen, wir fühlen uns heiligaj betroffen – aber zunächst denken wir gar nicht daran, uns ausak unserer Not und Angst wirklich helfen zu lassen. Sondern nun geschieht etwas ganz Anderes. Sie sprachen zu einander: wohlauf lasst uns Ziegel streichen und brennen! wohlauf lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze |233 bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen! denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder! [
Sollen wir’s ap-Hochmut nennen, dass wir’s so machten-ap? Es ist tatsächlich etwas von Hochmut dabei. Es widerstrebt uns innerlich, dass die Gerechtigkeit, nach der wir lechzen, Gottes Sache ist und nur von Gott her zu uns kommen kann. Wir würden ums Leben gern diese große Sache an die aq-Hand und in Betrieb nehmen, wie wir so manches Andere in Betrieb haben-aq. Es erscheint uns als höchst wünschenswert, dass die Gerechtigkeit, ohne die wir ja ar-nicht sein können, einfach von unserm Willen ins Programm genommen werde, unbesehen, was das eigentlich für ein Wille sei. Wir nehmen uns ungefragt das Recht, die tumultuarische Frage: was sollen wir tun? [
Man könnte es au-aber ebenso gut Verzagtheit-au nennen. Und es ist sonderbar, wie in unserm Verhältnis zu Gott diese beiden Gegensätze eigentlich immer beieinander sind. Wir haben eben im Grunde Angst vor dem Strom der Gerechtigkeit Gottes [vgl.
11 Und weil wir so hochmütig und so verzagt sind, darumbc bauen wir den
Ich denke an die Gerechtigkeit unserer Moralbf, an den guten Willen, den wir hoffentlich alle in gewissen tüchtigen Grundsätzen und Tugenden entwickeln und betätigen. O die Welt ist voll Moral, bg-aber wohin sind wir eigentlich mit ihr gekommen? Unsre Moral-bg ist immer ein Ausnahmezustand, fast hätte ich gesagt: eine künstliche Verrenkung unseres Willens, kein neuer Wille. bh-Du erhebst dich durch deine Moral, sagen wir einmal Sparsamkeit, Familiensinn, Berufstüchtigkeit, Vaterlandsliebe –-bh ab und zu oder in bestimmter Hinsicht vielleicht anhaltend über dein eigenes Niveau und über das deiner Mitmenschen. Du kannst dichbi von der allgemeinen Ungerechtigkeit losreißen und dir ein freundliches Gartenhäuslein abseits ˹– scheinbar abseits! –˺ errichten. Aber was ist eigentlich damit geschehen? Wird |237 eigentlich der ungerechte, selbstsüchtige, willkürliche bj-Weltwille damit getroffen, geschweige denn überwunden, dass du dich mit deiner Moral – scheinbar – ein wenig auf die Seite rettest?-bj ˹Hindert dich nicht gerade deine Moral an der Einsicht, dass du an hundert andern Punkten umso fester an ihn gefesselt bist? Macht sie dich nicht blind und verstockt gegen die wirklichen tiefen Nöte des Daseins?˺ Ist es nicht merkwürdig, dass gerade die größten bk-Scheußlichkeiten des Lebens, ich denke an die kapitalistische Gesellschaftsordnung und an den Krieg, sich mit lauter moralischen Grundsätzen rechtfertigen-bk können? Der Teufel kann die Moral auch brauchen und lacht über den
Die Gerechtigkeit des Staatesbl und der Juristen. Ein wundervoller Turm! Ein höchst nötiges und nützliches Ersatzmittelbm, um uns vor gewissen unangenehmen Folgen unseres ungerechten Willens einigermaßen zu schützen! bn-Sehr geeignet zur Beruhigung des Gewissens!-bn Aber was leistet der Staat uns eigentlich? Er kann die Laune und Willkür und Selbstsucht des menschlichen Willens ordnen und organisieren. Er kann ihm bo-durch seine Reglemente und Drohungen-bo gewisse Hemmungen entgegensetzen. Er kann gewisse Einrichtungen, bp-Schulen z.B. aufstellen zu seiner Verfeinerung und Veredlung. Eine Unsumme von respektabler Arbeit steckt in alledem, Millionen von wertvollen Existenzen wurden und werden einzig für diesen Turmbau des Staates innerlich verbraucht
12 und geopfert, wozu? Denn auch die Gerechtigkeit des Staates in allen ihren Formen rührt die innere Art des Weltwillens mit keinem Finger an. Ja sie wird vom Weltwillen beherrscht. Der Krieg ist da wieder das schlagende Beispiel dafür: weit entfernt, dass der Staat es auch nur versuchte, aus dem wilden Tier einen Menschen zu machen, muss er umgekehrt den |238 Menschen mit tausend Künsten zwingen, zum wilden Tier zu werden.-bp Der Teufel kann auch über diesen
Die religiösebq Gerechtigkeit! Es gibt leider Gottes kein sichereres Mittel, uns vor dem Alarmruf des Gewissens in Sicherheit zu bringen br-als Religion und Christentum. Ein wundervolles Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit stellt sich ein gegenüber der Ungerechtigkeit, deren Macht wir überall wittern, wenn die Religion uns die Möglichkeit gibt, neben und über den Widrigkeiten des Verkehrs mit uns selbst und den Mitmenschen, des-br Geschäfts und der Politik auch noch weihevolle Stunden der Andacht zu feiern, uns zum Christentum zu flüchten, als auf die ewig grüne Insel im grauen Meere des Alltags. Es ist eine wundervolle Illusion, wenn wir uns damit trösten können, dass in unserm Europa neben bs-Kapitalismus, Prostitution, Häuserspekulation, Alkoholismus, Steuerbetrug und Militarismus auch die kirchliche Verkündigung und Sitte, das «religiöse Leben» ihren unaufhaltsamen Gang gehen.-bs Noch sind wir Christen! Noch ist unser Volk ein christliches Volk! Eine wundervolle Illusion, aber eine Illusion, ein Selbstbetrug! Wir sollten hier zu allererst ehrlich werden und uns noch bt-ganz anders-bt offen fragen: was haben wir eigentlich davon? ˹Cui bono?˺ Was soll bu-all das Predigen, Taufen, Konfirmieren, Läuten und Orgeln? all die religiösen Stimmungen und Erbauungen, all die «sittlich-religiösen» Ratschläge «den Eheleuten |239 zum Geleite»25, die Gemeindehäuser mit und ohne Projektionsapparat, die Anstrengungen zur Belebung des Kirchengesanges, unsere unsäglich zahmen und nichtssagenden kirchlichen Monatsblättlein und was sonst noch zu dem Apparat moderner Kirchlichkeit gehören mag!-bu Wird denn dadurch etwas anders in unserm Verhältnis zurbv Gerechtigkeit Gottes? Erwarten wir auch nur, dass dadurch etwas anderesbw werde? ˹Wollen wir, dass damit etwas geschehe, oder wollen wir nicht vielmehr gerade damit aufs Raffinierteste verhüllen, dass das Entscheidende, das geschehen müsste, noch nicht geschehen ist und wahrscheinlich nie geschehen wird? Tun wir nicht auch mit unserer religiösen Gerechtigkeit, «als ob» – um das Reale nicht tun
13 zu müssen?˺ Ist nicht auch unsere religiöse Gerechtigkeit einbx Produkt unseres Hochmuts und unserer Verzagtheit, ein
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Und das ist nun die innere Lage, in der wir auf die völlig sinnlose Frageca kommen, ob Gott gerecht sei, in der uns die Gerechtigkeit Gottes |240 gänzlich ungereimterweise zu einem Problem ˹und Diskussionsgegenstand˺ wird. Durch den Krieg ist cb-ja diese sinnlose Frage wieder einmal «aktuell»-cb geworden. Es wird jetzt kaum eine Gemeinde geben im Land herum, in der cc-nicht laut oder leise, grob oder fein diese Frage rumort-cc, und sie rumort im Grunde in uns allen, die Frage: wenn Gott gerecht wäre, könnte er dann alles das «zulassen», was jetzt in der Welt geschieht?
Eine sinnlosecd Frage? Ja allerdings sinnlos, wenn dabei Gott, der lebendige Gott gemeint ist. Denn der lebendige Gott offenbart sich uns in unserm Gewissen keinen Augenblick anders denn als ein gerechter Gott. Und es ist sinnlos, ihn zu fragen: bist du gerecht? wo wir ihn sehen ˹können˺, wie er ist, und wo er uns fragt, ob wir ihn anerkennen und haben wollen, wie er ist.ce Aber eine sehr sinnreichecf und richtige und gewichtige Frage ist das, wenn wir sie an den Gott richten, dem wir in unserm Hochmut und in unserer Verzagtheit den
cn-Gott selber, der wirkliche, der lebendige Gott und seine Liebe, die zu Ehren kommt.-cn Das ist die Lösung. Wir haben ja noch gar nicht angefangen, ruhigco auf das zu hören, was das Gewissen von uns will, wenn es uns in unserer Not und Angst an die Gerechtigkeit Gottes erinnert. Wir waren viel zu gierig daraufcp, selber gleich etwas machen zu wollen. ˹Wir machten es uns viel zu schnell behaglich in allerhand Notbauten. Wir verwechselten das Zelt mit der Heimat, das Moratorium mit dem normalen Lauf der Dinge. Wir beteten: dein Wille geschehe! [
242 Es gibt einen grundsätzlich andern Weg, um zu der Gerechtigkeit Gottes in ein Verhältnis zu kommen.cs Diesen anderen Weg betreten wir damit, dass wir statt zu reden, zu reflektieren, zu räsonieren, stille werdenct und dafür das Gewissen nicht stillschweigen heißen, nachdem wir seine Stimme kaum erst gehört 15 haben. Wenn wir das Gewissen ˹zu Ende˺ reden lassen, dann sagt es uns nämlich nicht nur, dass es etwas Anderes gibt, eine Gerechtigkeit über der Ungerechtigkeit, sondern das noch viel Wichtigere, dass dies Andere, nach dem wir uns sehnen und das wir nötig haben, Gottes Sache ist. cu-Gott hat recht und nicht wir! Gottes Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit!-cu Das ist’s, was wir so leicht überhören. Es braucht etwas, bis wir so weit sind, das ˹wieder˺ zu hören. Wir machen gar ein Getöse mit unserer Moral und Kultur und Religion. Aber es kann dazu kommen, dass wir zum Schweigen gebracht werden und damit fängt dann unsere wirkliche Erlösung an.
Es wird sich dann vor cv-allem darum handeln, dass wir Gott überhaupt wieder als Gott anerkennen. Das ist schnell gesagt-cv: anerkennen. Aber das ist eine Sache, die nur in cw-heißem persönlichem innerem Kampf erstritten und gewonnen wird.-cw Das ist eine Aufgabe, neben der cx-alle kulturellen, sozialen und patriotischen Aufgaben, alle «sittlich-religiösen» Bemühungen-cx Kinderspiel sind. Denn es handelt sich dabei darum, dass wir uns selbst cy-aufgeben, um uns Gott zu übergeben und seinen Willen zu tun. Gottes Willen tun heißt aber mit Gott neu anfangen. Gottes Wille ist keine bessere Fortsetzung unseres Willens. Er steht unserem Willen gegenüber als ein gänzlich anderer26. Ihm gegenüber gibt es für unseren Willen nur ein radikales Neu|243werden. Kein Reformieren, ein Neuwachsen und-cy Neuwerden. Denn der Wille, der uns im Gewissen offenbar wird, cz-ist Reinheit, Güte, Wahrheit, Gemeinschaft als vollkommener Gotteswille.-cz Es ist ein Wille, der keine Ausreden und Vorbehalte ˹und vorläufige Kompromisse˺ kennt. Es ist ein da-durch und durch einseitiger Wille, ein von innen, von Grund aus heiliger und seliger-da Wille. Das ist die Gerechtigkeit Gottes. Ihr gegenüber muss Demut das Erste sein. ˹Haben wir in dieser Richtung etwa schon genug getan? Können wir diese Demut etwa als eine selbstverständliche Voraussetzung behandeln und über sie hinweg zu allerhand Turmbauten übergehen? Haben wir nur auch schon angefangen mit der Schaffung dieser Voraussetzung?˺
Und dann das zweite: an Stelle aller Verzagtheit ˹wird˺ eine kindliche Freudigkeitdb ˹treten:˺ Freude darüber, dass Gott so viel größer ist, als wir es uns dachten. Freude darüber, dass seine Gerechtigkeit eine ganz andere Tiefe und Bedeutung hat, als wir es uns träumen ließen. Freude darüber, dass von Gott für unser armes verworrenes belastetes Leben viel mehr zu erwarten ist, als 16 wir mit unseren Grundsätzen, mit unserm Idealismus, mit unserm dc-Christentum es uns träumen ließen. Mehr zu erwarten! Wir sollten unsere Gefühle nicht so zerstreuen nach allen Seiten. Wir sollten uns das Herz nicht immer wieder so töricht in Verwirrung bringen lassen durch immer neue Turm von Babel-Bauten. Wir sollten unseren Glauben nicht daran verschwenden, uns und andere von unserem Unglauben zu überzeugen. Wir sollten nicht immer wieder die fruchtbarsten Augenblicke deshalb ungenützt verstreichen lassen, weil wir es jedesmal für frömmer und weiser halten, menschlich als göttlich zu denken. Wir sollten uns dafür mit aller Kraft darauf legen, mehr von Gott zu erwarten, wachsen zu lassen, was von ihm her tatsächlich in uns wachsen will, anzunehmen, was er uns ja beständig anbietet, wachend und |244 betend seinem Schaffen zu folgen. Wie die Kinder uns über den großen Gott und seine Gerechtigkeit zu freuen und ihm Alles zuzutrauen. Haben wir etwa in dieser Richtung schon genug getan? Fließen denn etwa die Quellen so reichlich, die da fließen könnten? Stehen wir nicht auch in der rechten schöpferischen Freudigkeit Gott gegenüber noch ganz in den Anfängen?-dc
In der Bibel heißt diese Demut und dd-diese Freudigkeit – Glauben.-dd Wenn wir glauben, so heißt das, dass wir statt alles Rumors still werden und Gott mit uns reden lassen, den gerechten Gott, denn es gibt keinen anderen. Und dann wirkt Gott in uns. Dann fängt in uns das radikal Neue an, de-keimhaft aber wahrhaft, das die Ungerechtigkeit überwindet.-de Wo geglaubt wird, da fängt mitten in der alten Kriegswelt und Geldwelt und Todesweltdf der neue Geist an, aus dem eine neue Welt, die Welt der Gerechtigkeit Gottes wächst. Die Not und Angst, in denen wir ˹jetzt˺ sind, sind gebrochen, wo dieser neue Anfang ist. dg-Die alten Fesseln wollen zerreißen, die falschen Götzen beginnen zu wanken. Denn jetzt ist etwas Reales geschehen, das einzige Reale, das geschehen kann: Gott selbst hat nun seine Sache an die Hand genommen. «Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.» [
di-Dieser innere Weg, der Weg des einfachen Glaubens, ist der Weg Christi.-di Hier istdj mehr als