Unsre Stellung zur Kirche
UNSRE STELLUNG ZUR KIRCHE
Laut Eintragung
Unsre Stellung zur Kirche.
Es ist nicht entscheidend, dass wir zur Kirche «Stellung» nehmen, positiv od. negativ. Wohl aber, dass wir auch in Bez[ug] auf die Kirche lebendige Menschen sind, in innerer Arbeit1a auf ein Ziel hin stehen. Das müsste ein Stärkerer als ich sagen! Von mir gesagt mag das klingen wie Auskneifen oder Prätension. Ich kann es nicht vermeiden u. muss doch, wenn denn geredet sein soll, diese Antwort geben.
I
Im Thema ist von «uns» die Rede. Dazu gehören Alle, denen Gott zur entscheidenden Realität ihres Lebens u. Denkens geworden ist u. zw. Gott[,] so wie er im N. T. uns entgegentritt, also der Gott[,] der nicht nur ruhende Macht, sondern wirkende Kraft ist, von dem wir etwas erwarten. Alle die in realer Weise von Gott beunruhigt u. getröstet werden. Ich denke dabei an uns Pfarrer insbesondre.
247 Andrerseits die «Kirche». Die wirkende Kraft Gottes hat in den Menschen u.A. die Form der «Religion», des subjektiven Verhältnisses der Verehrung, Liebe ... zu Gott angenommen. Die Kirche ist – zweiter Schritt! – die Organisation dieser abgeleiteten Wirklichkeit zwecks Pflege u. Verbreitung. Sie ist – drittens – eine bestimmte durch eine geschichtliche Tradition charakterisierte Organisation. Und diese Organisation ist für uns speziell ein Amt, ein Beruf
Die Frage würde sich also in eine ganze Reihe auflösen:
- Anerkennen wir unsern eigenen Beruf oder müssen wir ihn eigentlich als ein Unding betrachten?
- Sollen wir die kirch[liche] Tradition fortsetzen oder abbrechen?
- Ist die Organisation der «Religion» etwas Mögliches u. Wünschenswertes?
- Ist «Religion» etwas Berechtigtes oder muss sie durch ein realeres Verhältnis zu Gott überwunden werden?
II
Sobald jene eigentümliche reale Beunruhigung u. Tröstung durch Gott eintritt, legt sich auch die Negation nahe u. tritt stark in den Vordergrund: Propheten gegen Priester, Urchristentum (
«Unsre» Kritik an der Kirche ist bekannt: Das[,] worum es sich eigentlich handelt, wird veräusserlicht u. mechanisiert durch das Amt, wird verfälscht u. verweltlicht durch die Tradition u. Organisation, wird verinnerlicht u. verjenseitigt durch die Religion.
Ebenso «unsre» Postulate: statt Pfarrer freie Geistesträger, statt Tradition neue Formen (Sozialismus)[,] statt Organisation der Religion praktische Arbeit, statt Religion Erlebnis Gottes.
Wir kommen her von einer ganzen Woge von solchen Negationen. Ihre Resultate, von denen wir nicht weichen können, lauten:
- a) Kirche u. Gottesreich ist zweierlei
- b) Die Kirche ist {absolut/sehr oft} ein Hindernis des Gottesreiches.
248 Die praktische Folge, bei der wir ein weniger gutes Gewissen haben, ist die, dass wir nur noch widerstrebend u. wie an einem Faden mit der Kirche zusammenhängen, eigentlich nur insofern, als wir der Kirche (uns selbst, der Frömmigkeit u. Kirchlichkeit der Gemeinde, den andern Pfarrern) gegenüber sehr viel zu kritisieren u. zu postulieren haben. Wir sind die ewig Unzufriedenen u. die kühnen Schwärmer
III
Das naive Ja gegenüber jenen Fragen ist unmöglich. Es giebt zwar auch Beispiele; wir verstehen sie wohl. Aber es kann uns bei unserm Nein auch nicht lange wohl sein.
Wir machen die Erfahrung, dass wir mit unsern Kritiken u. Postulaten nicht erlösend wirken, wir müssen den Vorwurf der Ungerechtigkeit hören u. können nicht ganz widersprechen, wir machen den Eindruck einer neuen kirchlichen Partei oder Methode, wir kommen uns selber dürftig vor mit unsern Kritiken u. Idealismen.
Wir müssen uns aber auch sagen, dass die Negation der Kirche in der Geschichte immer aus einer tiefern Position hervorging, aus einer Indifferenz gegen Kirche-Nichtkirche.
Aus der Orientierung an Gott folgt zunächst weder Ja noch Nein, sondern ein stärkeres Leben mit Gott u. ein kräftigeres Leuchten seines Lichtes in uns
Von da aus dann mit gleicher Freiheit u. Kraft Position oder Negation.
IV
Die Haltung Jesu. Ihre unausgesprochenen Voraussetzungen: Dankbarkeit od. Ehrfurcht[.] Synagoge, Tempel, Schrift = die Stätte der Offenbarung. Gehts uns nicht auch so? (
249 Nimmt Schuld auf sich bis zur stärksten Identifikation (
Beides unbeschadet hier «mehr ist als der Tempel» [
Die Kirche wird ihm unwichtig[.] Brechet ab ... [
Die Kirche[,] wo sie hindert[,] wird scharf angegriffen: Wehereden [
Aber kein grundsätzl[icher] Gegensatz: sie sollen euch geisseln [
Er wirkt in der Kirche als der[,] der er ist (auch ausserhalb!) geht in die Synagoge, Tempel, zu d. Pharisäern
Heilungen: Wassersüchtiger [
Reden: mit Erfolg: Entsetzen etc.