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Die Gewerkschaftsbewegung

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DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG

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Barth hielt diesen Vortrag innerhalb einer Veranstaltungsreihe «Nationalerziehung auf Grund der Geschichte. Vorträge für Frauen», die von den progressiven «Berner Frauen-Konferenzen»,  die 1897 als «Symphonische Gesellschaft» von Helene von Mülinen und Emma Pieczýnska gegründet worden waren, im Winterhalbjahr 1915/16 ­abgehalten wurde. Laut Programm fanden sämtliche Vorträge an Samstagen von 16 bis 18 Uhr im Palmensaal des Evangelischen Vereinshauses an der Zeughausgasse in Bern statt. Den Titel der «Frauen-Konferenzen» ergänzte Barth auf seinem Programm der Vortragsreihe folgendermaßen:

Daniel in der Löwengrube oder: Nationalerziehung auf Grund der Geschichte. Vorträge für Frauen. Szenerie: Heimatboden. Motto: Das ists jetzt!1

Der Titel von Barths Vortrag lautete im Programm: «Arbeiterverbände einst und jetzt. Die Zünfte. Die Berufsgenossenschaften.» Informationen zur Arbeiterfrage hatte sich Barth im Winterhalbjahr 1913/14 in einer umfangreichen Sammlung zusammengestellt.2 Die Überschrift, die Barth selber dem Vortrag gab, und den Gedankenaufbau hat er einem Kapitel von P. Pflügers Schrift «Einführung in die soziale Frage» entnommen.3 Barth bemerkte im Rückblick auf seine Beschäftigung mit der Gewerkschaftsbewegung:

In Safenwil hat mich am Sozialismus vor allem das Problem der Gewerkschaftsbewegung interessiert. Ich habe es jahrelang studiert und habe auch mitgeholfen, daß in Safenwil (wo es solches vorher nicht gegeben hatte) drei blühende Gewerkschaften auf dem Plan blieben, als ich von dort wegging. Das war meine bescheidene Beschäftigung mit der Arbeiterfrage und mein sehr beschränktes, nämlich in der Hauptsache nur praktisches Interesse am Sozialismus.4

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Die Gewerkschaftsbewegung

Vortrag an der Berner Frauenkonferenz 18. März 1916

Ein sehr andres Bild als die Zünfte des Mittelalters.

An Stelle der Spezial- u. Qualitätsarbeit ist der Maschinenbetrieb und die Arbeitsteilung getreten, die den Arbeiter mehr oder weniger zum Handlanger od. Maschinenteil macht.

Aus dem Gesellen von einst, dem Berufsgenossen des Meisters, der das Meistertum vor sich hatte, ist der lebenslängliche um Lohn schaffende Fabrikarbeiter geworden

Aus dem Meister einer Kunst der Industrielle, der «Herr» scil. des Geldes und der Arbeitsmittel

Aus dem persönlichen u. sachlichen Dienstverhältnis von Meister u. Geselle ein reines Marktverhältnis: Arbeitsangebot u. Nachfrage

Dieses neue Verhältnis ist die Folge der «Errungenschaften» der Neuzeit: Kapitalismus, Technik, Gewerbefreiheit.

Der Industrialisierungsprocess ist noch nicht abgeschlossen. Von 1890–1911 hat sich in der Schweiz die Zahl der Fabr[ik-]Arb[eiter] um ca. 80 % vermehrt.5 1911 wurden 328841 F.A. gezählt, die ca. eine Million unsres Volkes repräsentieren.6 In Deutschland ca. ¼ der Gesamtbevölkerung.7 Der neue Menschentypus des Proletariers.[*]

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Die Regelung der Arbeitsbedingungen in diesem neuen Verhältnis ist zunächst eine Frage der Macht. Diese ist auf Seiten der Unternehmer: Der Arbeiter ist darauf angewiesen, unter allen Umständen seine Arbeit anzubieten. Und dabei kommt er sofort in Nachteil, indem er dabei sich selber (Zeit, Gesundheit, Seele) engagiert. Es entsteht aus diesem ungleichen Machtverhältnis der Gegensatz der Klassen u. bleibt bestehen, auch wenn persönl. Wohlwollen, staatl. Gesetzge|267bung und Selbsthilfe ihn einigermassen mildern kann. Die «Freiheit» der Neuzeit hat eine wachsende Zahl von Menschen in die stärkste Unfreiheit versetzt.

Diese schwächere Stellung des Arb[eiters] bedingt eine Reihe von Nachteilen für ihn: Der Unternehmer kann sich mit der Ausrichtung eines Minimums von Lohn begnügen, kann die Arbeitszeit nach seinem Ermessen verlängern, kann die Fabrikordnung (Bussen!) zu seinem Vorteil aufstellen [**], kann aus geschäftlichen Gründen die Arbeitsgelegenheit ganz oder teilweise aufheben, kann ältere Arbeiter ausschalten, kann durch Heranziehung billiger Arbeitskräfte (Frauen, Kinder, Italiener!) event. Ansprüchen entgegentreten. Er kann das Alles als «Herr im Hause»8 und tut es tatsächlich.

Es geht nicht an, dem gegenüber sich auf löbliche Ausnahmen zu berufen, in denen das Gute des alten Zunftverhältnisses noch fortlebt. Das Arbeitssystem als solches bedeutet: Ausbeutung der Arbeitskraft unter völliger Rücksichtslosigkeit gegen den Menschen. Das beweist die erste ungehemmte Phase der Industrialisierung und die prinzipielle Haltung des Unternehmertums bis heute.

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Eine Gewerkschaft9 ist eine Vereinigung solcher moderner Arbeiter mit dem Zweck, der Macht des Geldes die Macht eines gemeinsamen guten Willens entgegenzustellen

Es ist nicht blos das Interesse, sondern der gute Wille, der im Proletarier wieder erwacht. Er möchte dem System zum Trotz ein Mensch sein.

Darum vereinigt er sich mit seinesgleichen zur Vorbringung von Wünschen beim Unternehmer u. sammelt gleichzeitig Kräfte, um als verhandlungsfähige Macht aufzutreten.

Es vereinigen sich die Arbeiter des gleichen Berufes.

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268 Die Anfänge der G[ewerkschafts-]Bewegung fanden in England statt. Anfänglich als Verschwörungen unterdrückt, fanden die Trade Unions hier eine klassische Form: Streng berufsweise Organisation, sorgfältiger Ausbau des Unterstützungswesens, politische Neutralität[.] Ganz anders in Frankreich: hier ist der Syndikalismus eigentlich die Fortsetzung der Revolution: grosse Industrieverbände, Gleichgiltigkeit gegen die Gegenwartsaufgaben, beständige Massenstreiks, extremer Sozialismus. In Deutschland langezeit gehemmt durch den Doktrinarismus Lassalle’s und durch die Zersplitterung in liberale, katholische u. sozialdemokratische G[ewerkschaften,] umso mehr gefördert durch den deutschen Organisationsgeist. Bei uns in der Schweiz der deutsche u. der französische Typus vertreten.

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Organisation10: Nationale Verbände (mit Zentralisierungstendenz!) Zentralvorstand, der die Hauptkasse verwaltet. Lokalsektionen. Besoldete (schlecht!) Sekretäre zu Agitation, Verwaltung, Verhandlung mit Unternehmer. Nationale und Internationale Kongresse. Internat[ionales] Sekretariat (Legien in Berlin)11 Schweizer[ischer] Gewerkschaftsbund. Arbeiter-Unionen.

Aufnahme: In England Ausweis über eine Lehrzeit, in Deutschland über eine bestimmte Gesinnung

Pflichten: Wirken für Verband, Disziplin, Beiträge (oft in Klassen geordnet)

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Statistisches 1910 Deutschland: 2,7 Mill. ┐ 269
England: 2,3 Mill. │
U. S. A.: 1,7 Mill. ├ Total 10
Frankreich: 977 000 │ Mill.12
Italien: 783 000 │
Schweiz:  93 000 ┘
1912 Schweiz Metallarbeiter  15 238 ┐
(freie Uhrenarbeiter  14 518 │ Total
Gew.) Transportarbeiter  13 918 ├ 86 31313
Holzarbeiter   7 870 │
Textilarbeiter   5 963 ┘

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Unterstützungswesen14

Die Verbände hatten im Jahre 1912 insgesamt eine Gesamteinnahme von 2,049,071 Fr., der eine Gesamtausgabe von 1,614,899 Fr. gegenübersteht. Die Hauptposten der Einnahmen bewegten sich in den letzten drei Jahren wie folgt:

           Eintritts-Gelder Statutarische Beiträge Freiwillige und Extrabeiträge
1912    16,260 1,847,823 43,654
1911   6,435 1,599,419 46,677
1910 10,385 1,465,411 72,455

270 Die Ausgaben verteilen sich folgendermassen:

Arbeitslosenunterstützung   88,945 Fr.
Reiseunterstützung   42,712 Fr.
Umzugsunterstützung   10,453 Fr.
Krankenunterstützung 390,178 Fr.
Invaliden- und Sterbegeld 110,105 Fr.
Unterstützung in Notfällen     9,484 Fr.
Gemassregeltenunterstützung   14,714 Fr.
Rechtsschutz   13,446 Fr.
Agitation und Bildung   80,630 Fr.

Die Gewerkschaften sind hier eine moralisch u. materiell immer mehr anerkannte Ergänzung der Armenpflege. Speziell die staatl. Arbeitslosenfürsorge lehnt sich meist an diese Einrichtungen an (Genter System, England, Basel)15

Die entscheidende Tätigkeit der Gew. ist der Kampf um die Erringung besserer Arbeitsbedingungen gegenüber dem Unternehmertum.

«Streikvereine» sind die G. nicht, denn die Arbeiter wollen arbeiten, aber zu bessern Bedingungen: Lohnerhöhung, Arbeitsverkürzung, Werkstättenordnung etc. Es herrscht gerade in den gut ausgebildeten Organisationen die Tendenz, Streiks zu vermeiden. Aber ohne die Möglichkeit zu[m] Streiken hat die Koalition keinen Sinn. Die Einstellung der Arbeit ist die einzige Waffe des Proletariers. Um den Frieden, der damit gestört wird, ist es oft nicht schade. (Es sind darum die sog. «gelben» Gewerkschaften16, die allem Kampf ausweichen, eine bedauerliche Erscheinung, da sie nur dazu dienen, die Arbeiterschaft zu zersplittern) Zu verlangen ist nur, dass nicht mutwillig gestreikt werde. Dafür ist aber gesorgt:

Die deutschen G. haben von 1900–1910 ihre Mitgliederzahl verdreifacht, ihre Einnahmen versiebenfacht17, die Zahl der Streiks nur verdoppelt. 1905 sind 56,0 %, 1911 69,9 % aller Lohnbewegungen |271 «trocken» verlaufen.18 [***] Dies das Verdienst der Organisationen. Häufig u. mutwillig sind die Streiks[,] wo die O[rganisation] schlecht ausgebaut ist.

Der Zentralvorstand entscheidet[,] ob der Kampf ausbrechen darf. Disziplinlosigkeit würde Entziehung der Streikunterstützung nach sich ziehen. (Hamburg 1913)20

Er wird sich dabei zu fragen haben[,]

a) ob das Verlangen der betr. Arbeiter gerechtfertigt ist

b) ob Mittel genug vorhanden sind, moralisch u. materiell[,] den Kampf aufzunehmen

c) ob Aussicht ist[,] die Unternehmer wirksam zu bedrängen

Hilfsmittel im Kampf sind:

a) Förderung der Abreise von Arbeitern

b) Boykottierung der Waren der betr. Firma

c) Abhaltung von Zuzug

Hier entsteht das Problem der «Arbeitswilligen», die von den Streikern informiert resp. abgewehrt werden. Wer sind sie? Einzelne Egoisten? Berufsstreikbrecher? Ruhige Mehrheit der Arbeiter? Abhängige ältere Leute?

272 Prinzipiell verdient der Kampf der G. um Besserstellung die tiefere Sympathie. Der Staat wird wohl seine Rechtsordnung aufrecht erhalten müssen, soll sich aber hüten, durch Extragesetze den Schein zu erwecken, als diene seine Macht dem Kapital.

Direkte Aktion (Frankreich 1906)21 u. Sabotage werden bei uns u. in Deutschland mit Recht verschmäht, Generalstreik hat sich bis jetzt nicht als solides Mittel erwiesen.

Zur Abwehr der Streikbewegungen dienen die Arbeitgeberverbände[,] 1912 5,5 Mill. Arbeiter umfassend, gegen 3,03 in den Gewerkschaften (Deutschland)22 Unterstützen sich durch Arbeitsnachweise, schwarze Listen, Übernahme von Streikarbeit, Kundenschutz, Streikversicherung, Aussperrungen, Organisierung von gelben Gewerkschaften.

Das Risiko eines Streiks für beide Teile bringt das Verlangen mit sich nach Verständigungen: Tarifgemeinschaften.23 Wird möglich bei guter geschlossener Organisation beiderseits

Deutsche24 Buchdrucker hatten 1890 letzten grossen Streik[.]25 Seit 1896 Tarife: T[arif-]Ausschuss u. T. Amt, Kreisämter, Vertrauensleute, |273 52 Schiedsgerichte. Verbandsverkehr. 9 St[unden-]Tag, Löhne nach Alter[s]skala mit Lokalzuschlägen. Lehrlingsordnung

In Deutschland 1908 111 650 Firmen mit 974 564 Arb.
Im K[an]t[on] Zürich 1908    1 793 Firmen mit   11 150 Arb.26

Ob der Krieg im Sinne einer Verschärfung oder Milderung dieses Kampfes dienen wird, ist schwer zu sagen. Sicher bleibt dieser Kampf, solange die kapitalistische Ordnung bleibt. Moral Predigen nach unten u. oben hilft nicht viel, wohl aber ist ein neuer Geist nötig, der die neue Ordnung bringt.

In den Gew. betätigt sich jetzt schon etwas davon. Versuchen Sie, es zu würdigen: Die Demokratie soll einziehen in das Erwerbsleben. Je stärker die Gew. werden, desto würdiger treten sie auf dabei. Die Leistungsfähigkeit der Industrie nimmt nicht ab sondern zu. Der dumpfe Hass der Besitzlosen wird in fruchtbares vorwärtsführendes Klassenbewusstsein verwandelt. Das Gew.[-]Leben verlangt u. fördert persönl. Erziehung: Überwindung des Privategoismus durch Solidarität.

Probleme der G[ewerkschafts-]B[ewegung]

a) Grössere Ausdehnung  (in der Schweiz: 1/4, Deutschland 1/8,
        England 1/5 der Gesamtarbeiterschaft)27

b) Teilnahme der Frauen, der Hausindustriellen, der Ungelernten

c) Überwindung der polit[ischen] und konfess[ionellen] Spaltungen

Grenzen der G. B.28

a) Vermehrung blos des Lohn- nicht aber des Realeinkommens der Arbeiter

b) Unzugänglichkeit des Kapitalzinses, der Bodenrente, des Handelsprofits

274 c) Politische Hindernisse29

d) Gefahr der berufl. Engherzigkeit (England)30

So ruft die G. B. nach Ergänzung durch das Genossenschaftswesen u. durch die politische Sozialdemokratie

Literatur: Herkner, Arbeiterfrage31
Sombart, Gewerbl. Arb.frage32
Pflüger, Soziale Frage33
Gewerkschaftl. Rundschau34

Sachfußnoten

1
KBA 12080.↩
2
Vgl. Die Arbeiterfrage, V.u.kl.A. 1909-1914, S. 573–682 📖.↩
3
P. Pflüger, Einführung in die soziale Frage, Zürich 1910, S. 144–156 📖 (Kapitel «Die Gewerkschaftsbewegung»).↩
4
K. Barth, Letzte Zeugnisse, Zürich 1969, S. 44f. 📖; Gespräche 1964-1968, S. 550 📖.↩
5
Vgl. Pflüger, a.a.O., S. 19 📖.↩
6
Vgl. V.u.kl.A. 1909-1914, S. 580 📖.↩
7
Vgl. a.a.O., S. 580 📖.↩
[*]
[Bleistiftzusatz:] besitzloser zukunftsloser Handarbeiter↩
[**]
Gesundheitsverhältnisse↩
8
Vgl. V.u.kl.A. 1909-1914, S. 629f. 📖↩
9
Zum folgenden Abschnitt vgl. Pflüger, a.a.O., S. 144 📖.↩
10
Der folgende Absatz nach Pflüger, a.a.O., S. 144f. 📖↩
11
Carl Legien (1861–1920) war Vorsitzender der «Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands» mit Sitz in Berlin. Ihm wurde auch das «Internationale Sekretariat der Gewerkschaftsbewegung» übertragen.↩
12
Diese Zahlen entnimmt Barth dem TA, Jg. 11, Nr. 20 vom 16.5.1912, S. [1] 📖, der unter der Überschrift Die gewerkschaftliche Internationale im Jahr 1910 aus einem Bericht des internationalen Gewerkschaftssekretariats zitiert.↩
13
Diese Zahlen entstammen dem Bericht Die Schweizerischen Gewerkschaften im Jahr 1912, der in annähernd gleichem Wortlaut in dem TA, Jg. 12, Nr. 32 vom 7.8.1913, S. [1] 📖, und im «Freien Schweizer Arbeiter», Jg. 6, Nr. 45 vom 8.8.1913, S. [1f.] 📖, erschien.↩
14
Der folgende Absatz mit Einschluß der ganzen Statistik besteht im Mskr. aus einem dort eingehefteten Zeitungsausschnitt: ein Teil des in der vorangehenden Anmerkung genannten Artikels aus dem «Freien Schweizer Arbeiter 📖».↩
15
Das «Genter System» in der Arbeitslosenversicherung bestand darin, dass die Zuwendungen der öffentlichen Hand als Zuschüsse zu gewerkschaftlichen Zahlungen gegeben wurden. Dieses System aus der belgischen Stadt Gent wurde 1910 im Kanton Basel-Stadt auf freiwilliger Basis und in England 1911 als staatliche Zwangsversicherung eingeführt.↩
16
Vgl V.u.kl.A. 1909-1914, S. 640 📖.↩
17
Vgl. W. Sombart, Die gewerbliche Arbeiterfrage (Sammlung Göschen 209), Berlin 19122, S. 63 📖.↩
18
Vgl. W. Zimmermann, Das organisierte Ringen um die Arbeitsbedingungen in der deutschen Industrie, in: Soziale Praxis und Archiv für Volkswohlfahrt, Jg. 22 (1912/1913), Sp. 160–164.192–197, dort Sp. 195 📖.↩
19
TA, Jg. 13, Nr. 16 vom 16.4.1914, S. [1]: Die Lohnbewegungen und Streiks seit 1860. 📖 Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum von 1860 bis 1879 einerseits und von 1905 bis 1909 andererseits.↩
[***]
[Bleistiftzusatz:]19
Schweiz 1860 64,5 [%] Beweg[ungen] mit Streik
  190921,5 [%]Beweg[ungen] mit Streik
↩
20
Im Sommer 1913 gab es einen wilden Werftarbeiterstreik von etwa 15000 Arbeitern in der norddeutschen Schiffbauindustrie, der von der Gewerkschaftsführung nicht unterstützt wurde. Wegen der Disziplinlosigkeit des wilden Streikens und der damit drohenden Gefährdung der Einigkeit zwischen Arbeitern und Gewerkschaftsführung wurde keine Streikunterstützung gezahlt (H. Wachenheim, Die deutsche Arbeiterbewegung 1844-1914, Köln und Opladen 1967, S. 569 📖).↩
21
Vgl. H. Herkner, Die Arbeiterfrage. Eine Einführung, Berlin 19085, S. 182 📖: «[...] die Anhänger der ‹direkten Aktion›, d.h. diejenigen Gruppen, welche sich, die politische und gewerkschaftliche Betätigung verwerfend, die Verbesserung direkt [...] aneignen wollen. Der Achtstundentag wird einfach dadurch gewonnen, daß die Losung ausgegeben und befolgt wird, von einem bestimmten Tage [an] eben nicht mehr länger als acht Stunden zu arbeiten.» Auf diese Weise sollte nach dem Beschluss der französischen Gewerkschaften von 1904 am 1. Mai 1906 für ganz Frankreich der Achtstundentag eingeführt werden.↩
22
Vgl. V.u.kl.A. 1909-1914, S. 637 📖.↩
23
Dazu vgl. Pflüger, a.a.O. (s. oben S. 265, Anm. 3), S. 148–150 📖.↩
24
Der folgende Abschnitt nach Herkner, a.a.O., S. 241–243 📖.↩
25
Der 2. Internationale Arbeiterkongress, der vom 16. bis 22.8.1891 in Brüssel tagte, empfahl den Arbeitern Streiks zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und politischen Lage. Die unter besonders widrigen Bedingungen arbeitenden Buchdrucker streikten daraufhin in Deutschland vom 8.11.1891 bis zum 14.1.1892 in einer 10000 Personen umfassenden Aktion für Gehaltsaufbesserungen und den Neunstunden-Arbeitstag. Die Streikkosten von 2,5 Millionen Mark wurden durch Spenden aufgebracht, da die Polizei die Streikkasse beschlagnahmt hatte. Das Misslingen des Streiks wirkte sich für einige Jahre dämpfend aus auf den Ausbau der Gewerkschaften und die Durchführung von Streiks in Deutschland (vgl. Fr. Osterroth/D. Schuster, Chronik der deutschen Sozialdemokratie, Bd. 1, Berlin/Bonn 19752, S. 82.84 📖). Insgesamt aber wurden die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Aufstiegs der Gewerkschaften (vgl. H. Wachenheim, a.a.O. [s. oben Anm. 20], S. 277ff. 📖). Barths irrtümliche Datierung nach Herkner, a.a.O., S. 241 📖.↩
26
Vgl. Pflüger, a.a.O., S. 150 📖.↩
27
Vgl. W. Sombart, Die gewerbliche Arbeiterfrage (Sammlung Göschen 209), Berlin 19122, S. 69 📖.↩
28
Dieser Abschnitt nach Pflüger, a.a.O., S. 152–154 📖.↩
29
Pflüger, S. 153 📖: «Da die herrschenden Klassen die Staatsmacht zur Verfügung haben, kann – ohne politische Kämpfe und Erfolge – die Gewerkschaftsbewegung jederzeit durch die Staatsgewalt unterdrückt werden.»↩
30
Pflüger berichtet S. 153 📖 von der aristokratischen, exklusiven Haltung in den englischen Gewerkschaften gegenüber ungelernten Arbeitern.↩
31
H. Herkner, Die Arbeiterfrage. Eine Einführung, Berlin 1908 📖5.↩
32
W. Sombart, Die gewerbliche Arbeiterfrage (Sammlung Göschen 209), Berlin 19122 📖.↩
33
P. Pflüger, Einführung in die soziale Frage, Zürich 1910 📖.↩
34
Die Gewerkschaftliche Rundschau für die Schweiz. Publikationsorgan des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes erschien ab 1909 📖.↩