Vom Rechthaben und Unrechthaben
VOM RECHTHABEN UND UNRECHTHABEN
Die Novemberfeiern der
Am 29. November 1919 hielt Barth die Rede zur Novemberfeier in
Ich habe noch eine weitere Verlegenheit auf dem Buckel. Die Sozialdemokraten von Suhr haben ihren Häuptling zu mir gesandt, ich solle ihnen am 29. November eine Volksrede halten. Ich seufzte, bat, mahnte, wies darauf hin, daß es eine Predigt geben könnte, und konnte schließlich doch nicht ausweichen, weil der Mann dabei blieb, sie wollten gerade von mir hören, was gerade ich sagen könne und wolle. Nun muß ich gehen, im Kleinen wie du nach
600 Und am 25. November klagt er dem Freund, er habe «z. Z. sehr zu schaffen», u. a.
am Samstag die Volksrede in
Deine Suhrerrede war nichts weniger als ein Durchfall. Für mich hatte sie etwas durchaus Überzeugendes und Befreiendes. Es muß bei solchen Gelegenheiten irgendwie doch beim Gleichnis bleiben, wie es bei dir geschehen ist. Du hast uns den Sozialismus ausgelegt und zum Schluß auch noch die letzte Beziehung aufgedeckt, von der her alles Vorhergehende geredet war - für die, welche Ohren hatten zu hören. Das ist vorläufig sicher genug. Wer mehr sagen will, sagt weniger.8
Suhr. (Korr.) Bei vollbesetztem Saale hielt die sozialdemokratische Partei am letzten Samstag im Gasthof zum Bären ihre Novemberfeier ab. Der Andrang war fast zu groß, um alle Besucher aufzunehmen. Alles wickelte sich prompt ab. Dem Arbeiter-Männerchor von
Als Barth überlegt, ob er das «Suhrer Redlein» dem «
Hast du deine Suhrer Rede schon abgesendet? Tu’s doch. Mir ist sie hilfreich gewesen: das Nein der Sozialdemokraten zu allen Geistigkeiten, Kulturerhebungen, Verklärungen und steilen Ikarusflügen, das Verharrenwollen in der Unsicherheit, das darin Kindlichsein: das ist die Wahrheit und muß jetzt gesagt werden, so fraglich alle «Stellungen» dadurch werden.12
Als die Rede dann tatsächlich unter dem Titel «Vom Rechthaben und Unrechthaben» im «Neuen Werk»13 erschien, widerfuhr ihr ein geteiltes Echo.
Ich habe soeben im
Freilich empfand er «zwei Dinge» in Barths «Betrachtung noch als ‹Probleme›»:
1. Sie verlangen Treue zum Sozialismus von den Arbeitern. Machen Sie sie nicht manchmal allzu unsicher in bezug auf die Bedeutung ihrer praktischen Ziele, so daß sie diese Treue nicht mehr mit innerer Freudigkeit halten können? 2. Ist diese vollständige Bewußtheit des Narr- und Träumer-Seins nicht ein Herabgleiten vom Gipfel? Ist da der eigentliche Sinn unseres Seins nicht in Gefahr wenigstens verloren zu gehen.
Ganz ablehnend war die Reaktion
Seit mehreren Wochen liegen Ihre beiden letzten Zusendungen auf meinem Schreibtisch & ich habe Ihnen noch nicht einmal den Empfang angezeigt. Für die Freundlichkeit, die in dieser Zusendung liegt, danke ich Ihnen gern, für den Inhalt kann ich nicht recht danken, weil Sprache & Gedanken mir weder in Kopf noch Herz eingehen wollen & ich mich ernsthaft frage, ob denn die Zuhörer im
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Eine Anfrage, die nach
Wir dürfen nicht dort anfangen, wo die Schweizer angefangen haben und auch nicht dort, wo sie heute stehen; es ist auch nicht nötig, daß wir, wie einer der Schweizer in
Barth antwortet auf die Zusendung am 30. März 192019:
Sehr gut! Eben gerade das ists! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue endlich aus
Wie weit die Zustimmung ging, wird deutlich an der Liste von «Bekannten u. Korrespondenten, die Ihr Flugblatt unbedingt lesen müssen, z.T. zur Seligkeit, z.T. zum Ärgernis u. zur Thorheit», die Barth mit der Bitte anfügt, «es ihnen sofort» auf seine Kosten «zuzustellen». In einem Postscriptum fügt Barth noch an:
604 Die Stellung zum Sozialismus trennt uns nicht. Das vom Unrechthaben ist das Letzte u. Äußerste, was ich positiv dazu zu sagen habe u. was mich in der Partei festhält. Den Moment, wo die Soz.dem. recht haben wird (bei uns ist er noch nicht da!) sehe ich mit Schmerzen kommen. Dann ists in der Tat auch mit diesem Gleichnis vorbei. Ists bei Ihnen schon so weit?
Diese besondere Haltung zur Sozialdemokratie hatte
Die Edition folgt dem Abdruck in «
Vom Rechthaben und Unrechthaben
sozialdemokratischen Volksversammlung
Waruma sind wir Sozialisten? Sicher b-nicht darum, weil wir meinen-b, die Besseren und Gescheiteren zu sein vor anderen Leuten. c-Die Bürgerlichen, die etwa hier sind, brauchen keine Angst zu haben-c, heute wieder einmal, und jetzt d-gar noch-d von einem Pfarrer, |605 e-hören zu müssen-e, dass wir allein recht haben. Nicht wahr, Genossen, wir wollen ja gar nicht recht haben! Behüt uns Gott davor, dass wir je recht haben! f-Gerade darum sind wir ja Sozialisten, weil wir unrecht haben. Das große Unrecht der Welt, der Gesellschaft, der Menschen, wir haben es in uns. Es-f hat eines Tages in uns zu brennen begonnen wie ein Feuer. g-Es ist in uns hineingefahren und hat von uns Besitz genommen. Es wurde unsere Frage, unsere Sorge, unser Rätsel, unsere Unruhe.-g
h-Wisst ihr noch, wie ihr dazu gekommen seid-h, in die Gewerkschaft, in den Arbeiterverein einzutreten?ij-Sicher die Wenigsten aus großer Wissenschaft, wie sie in den Büchern und Zeitungen steht. Sicher die Wenigsten in der Meinung, eine besonders gute Tat zu tun. Nein, da ist nichts zu rühmen. Bei den allermeisten ging es wohl so zu, dass es ihnen bei irgend einer Erfahrung in der Fabrik oder in der Gemeinde blitzklar wurde: Also so steht’s in der Welt, so darf es stehen! So geht Macht vor Recht!21 So regiert das Geld die Welt!22 |606 Solch ein Lügner ist der Mensch! Seitdem könnt ihr nicht mehr zusehen. Seitdem seid ihr beteiligt am großen Unrecht. Unruhige, unbefriedigte Menschen seid ihr geworden; Menschen, die immer nach etwas fragen und suchen müssen, was es in der Welt offenbar gar nicht gibt; Menschen, die immer murren und klagen müssen gegen das, was jetzt ist.-j O, es geht nicht eben schön und ideal zu, wenn einer Sozialist wird. k-Murren und Klagen ist nun einmal nichts Schönes.-k Ihr wisst ja, was die anderen von uns sagen: Wir seien so gar nicht fein, so grob, so trotzig, so aufbegehrerisch, wir hätten so viel Nein in uns. l-Ach ja, nicht wahr, wir-l wissen es ja selbst, wir wären auch gern feiner, wir geben uns sogar alle Mühe, fein zu sein; m-aber es will fast nicht gelingen, es bleibt immer noch etwas übrig, das den anderen zu ihren Klagen Anlass gibt-m. Es gibt wirklich Leute, die feiner, ruhiger, verständiger sind als wir. Und das Schlimmste ist, dass wir das nicht einmal ändern können. n-Wer das Unrecht in sich hat, kann nicht recht haben, und wenn er noch so gern wollte. Ein Sozialist wird in den Augen aller vernünftigen Leute immer etwas Gefährliches und Unerfreuliches sein. Wir müssen es uns gefallen lassen.-n Wenn wir in ihrer Haut stecken würden, wir würden es o-auch so-o ansehen; aber wir stecken nun einmal, ich hätte fast gesagt unglücklicherweise, in unserer Haut und müssen sein, was wir sind: Nicht die guten, sondern die bösen Sozialisten.
Sop ist ja der Sozialismus q-auch im großen und ganzen immer dagestanden-q. Immer, wenn die Leute recht hatten und sich darüber freuen wollten, standen die Sozialisten daneben und hatten das große Unrecht in sich, und schon ihr Dasein war ein bitterer Tropfen in die Freude. Ich will nur ein paar Beispiele nennen. – Wie war’s denn vor dem Krieg, als noch jedermann an das Märlein glaubte, dass die so|607genannte moderne r-Kultur ein wirklicher Fortschritt sei-r, als sie in
af-Und wie ist’s weiter, wenn sie nun kommen und uns fragen: Ja, was wollt ihr denn eigentlich-af, ihr Sozialisten, die ihr immer Nein sagt, wo alle vernünftigen Leute Ja sagen? Den Achtstundentag? ag-Den habt ihr ja jetzt.33 Was geschieht nun in der freien Zeit, die gewonnen ist? Darf man eure Frauen fragen darüber? Lohnerhöhungen? Die kommen ja und sind schon da.34 Was tut ihr nun mit dem |611 größeren Zahltag? Billigere Preise?-ag Sozialisierung der Produktion und Konsumtion? Ja, aber wer von euch hat denn eine klare und mögliche Vorstellung davon, wie das alles gemacht werden soll? Nicht wahr, wenn wir da Auskunft geben sollenah, dann merken wir erst recht, was für Leute wir eigentlich sind, wir Sozialisten, ai-merken, was für eine harte, rätselhafte Sache es ist um das große Unrecht, das da in uns sitzt-ai, und dass es wirklich auch immer unser eigenes Unrecht ist. aj-Wir können ja auf alles doch-aj nur eines antworten: Ach was, geht uns doch mit eurem Achtstundentag, mit euren Lohnerhöhungenak und, wenn ihr wollt, mit dem ganzen Zukunftsstaat! Es handelt sich nicht um das. Wiral wissen wohl, dass über das alles noch sehr viel und z.T. auch gegen uns selbst zu sagen ist. Wir wissen, dass es mit dem allem nicht getan ist. am-Das Treiben und Jagen in den Fabriken, das seit dem |612 Achtstundentag eingesetzt hat, die Akkorddrückerei, der schlechte Wille der Besitzenden kann alle gemachten Fortschritte verderben und tut es schon. Und wir selbst verderben sie uns, indem wir nicht recht damit umzugehen wissen. Die Fortschritte könnten eine Schraube ohne Ende sein. Der ganze Zukunftsstaat könnte eine tote, unnütze Sache sein, bevor er-amda ist, ein Ding, das uns nicht bringt, was wir eigentlich meinen. Denn wir meinen ja eigentlich gar nicht das, an-was in den Forderungen unseres Programmes steht-an, wir meinen viel mehr als das. Unsereao sozialististischen Forderungen, über die ihr mit uns streitet und wir mit euch, sind ja nur die paar ersten Worteap einer fremden Sprache, die wir unablässig wiederholen müssen, weil wir die übrigen noch nicht wissen. Kein Wunder, dass sie dann oft nicht passen! Man versteht uns aber falsch, wenn man nicht merkt, dass wir viel mehr meinen, aq-als unsere Forderungen sagen können. Leben möchten wir, freie Menschen werden, hindurchbrechen durch die große Lüge, dass das Geld das Maß aller Dinge ist, hinein in die Wahrheit, dass der Mensch selbst das Erste und Wichtigste in der Welt ist. «Heilig ist das Eigentum, heilig ist die Macht!» verkündigen der heutige Staat, die heutige Kirche, die heutige Schule, die heutige Moral. Auch in uns ist immer noch dieser falsche Glaube. Aber wir glauben nicht mehr an diesen Glauben. Wir glauben nicht mehr an den heutigen Menschen. Wir glauben auch an uns selbst nicht mehr. Wir werden überhaupt an nichts mehr glauben, bis wir wieder an die Wahrheit glauben können, an die Wahrheit, dass das Leben selbst heilig ist. Wir glauben an einen neuen Menschen, der noch nicht |613 da ist und doch schon da, aber verborgen, verschüttet, gefangen in uns allen, den Sozialisten und Nicht-Sozialisten. Das-aq ist der Sinn des Sozialismus. – Aber, liebe Genossen, wie stehen wir damit da vor allen vernünftigen Menschen in der Welt! Was sollen wir ihnen antworten, wenn sie uns sagen, dann sei ja das Ziel unserer Politik ar-überhaupt kein politisches Ziel?-ar Solche neue, befreite, wahrhafte Menschen habe es noch nie gegeben, seit die Welt steht, und werde es bis zum Ende der Tage nie as-geben? Ob-as wir selbst denn etwa, wir Sozialisten, solche neue Menschen seien? Ich wollte den von uns sehen, der da im Ernst at-als Rechthaber dastehen wollte! Nein, auch-at da müssen wir eben einfach die sein, die Unrecht haben, die jedes Kind widerlegen kann mit ihren Hoffnungen. au-Es ist einfach wahr: Unsere politische Überzeugung ist im letzten Grund an keiner anderen zu messen-au; sie ist etwas ganz für sich; sie ist ein Glaube, und mit diesem Glauben an einen neuen Menschen müssen wir als die Narren dastehen vor aw-allen Rechthabern-aw. Nennt uns nur Narren, Schwärmer und Träumer, ihr anderen, dann versteht ihr uns recht! Gerade das meinen wir, was ihr Narrheit nennt. Wir Sozialisten sind die, die unrecht haben, und wir wollen gar nichts anderes sein.
ax-Wir können eben nichts anderes sein-ax. Wir können uns mit unserem Sozialismus nicht herausstreichenay gegen andere, die nicht Sozialisten sind. Wir möchten sie oft viel eher beneiden um ihre ruhige, sichere, immer gerechte Stellung. Wir möchten ihnen sagen, sie sollen froh sein, wenn sie von der Unruhe, von dem Protest, von der unmöglichen Hoffnung, die in uns sind, nichts wissen. Wir möchten sie warnen davor, es könnte einmal auch über sie kommen. Unterdessen können wir von uns nichts anderes sagen, als dass wir nicht anders können. Das große Unrecht steckt in uns und macht uns zu Sozialisten. Wir müssen sein, was wir sind.
614 Lasstaz mich von diesem Müssen35 noch etwas sagen. Ich habe vor zwei Monaten eine Reise nach
Warum sage ich euch das alles? Ich denke, ihr versteht mich. bp-Nicht Laune, nicht Zufall ist’s, dass wir Sozialisten sein müssen. Nicht irgend ein guter oder böser Geist ist die Unruhe, der Protest, die unmögliche Hoffnung, die in uns sind, sondern die Notwendigkeit der Stunde, die Gehorsam von uns verlangt.-bp Was heute im Ganzen der Menschheit steckt als dumpfe Frage und Sorge, wir müssen es zum Ausdruck bringen; man könnte auch sagen: Bei uns kommt es |617 zum Ausbruch wie eine Krankheit! bq-Mögen uns die anderen jetzt anstarren und kritisieren und bekämpfen als die bösen Sozialisten, sie wissen doch im Grunde genau so gut wie wir, was die Stunde geschlagen hat. Sie sind auch Menschen der heutigen Zeit, sie gehören viel näher zu uns, als sie denken und zugeben. Was in uns steckt, steckt auch in ihnen. Auch sie haben eben unrecht, aber sie möchten um jeden Preis immer noch recht haben. Das scheidet sie von uns. Darum müssen sie sich die Ohren verstopfen gegen uns. Und je mehr sie recht haben wollen, desto mehr wächst das Unrecht, desto mehr erschreckt und ängstigt es sie, desto mehr müssen sie ihre Furcht und ihren Groll auf – uns abladen, als ob wir es wären, «die
Undbs nun brauche ich nur noch weniges hinzuzufügen. Wir müssen uns selbst treu bleiben. Wir dürfen nicht aufhören, die zu sein, die immer unrecht haben. bt-Wir müssen Sozialisten bleiben. Wir dürfen nicht bürgerlich werden.-bt Ich sage das ohne allen Hass gegen das Bürgertum. Ich komme auchbu aus dem Bürgertum. Und ich weiß vor |619 allem, dass es im Bürgertum viel edle, feine und ernste Menschen gibt, bessere als wir alle. Aber ich weiß auch, was das Bürgertum in seinem Wesen ist. bv-Bürgertum ist Schweigen um des Friedens willen. Bürgertum ist Gleichgewicht um jeden Preis. Bürgertum ist: Nicht verantwortlich sein wollen, sich nicht stören lassen, nicht fragen, nicht zweifeln, nicht «grübeln», nicht anklagen. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.40 Bürgertum ist auch eine Art Glaube: der Glaube an den Menschen, wie er ist, der Glaube an einen Fortschritt, der von selbst kommt, vor allem der Glaube an alles, was dazu dienen kann, das große Unrecht zu verdecken, als nicht so schlimm hinzustellen. Bürgertum heißt recht haben wollen. Und darum dürfen wir nicht bürgerlich werden. Dürfen weder den Weg der deutschen Mehrheitssozialdemokratie gehen noch den Weg des russischen Sowjet-Sozialismus. Beider Wege sind bürgerliche Wege: Faule Friedensschlüsse, allzu nahe liegende praktische Mittel, allzu schnelles am Ziel sein wollen, recht haben wollen – hier wie dort. Die Gefahr, dass wir auf die eine oder andre, auf die deutsche oder auf die russische Art vergessen, was wir eigentlich meinen, ist riesengroß. Der Weg, der mitten hindurchführt zwischen den Profit-Sozialisten und den Krach-Sozialisten, ist heute unerhört schmal. Aber in dem Moment, wo wir das ganz andre vergessen, das wir eigentlich meinen, ist unser Sozialismus tot. Wir müssen den schmalen Weg immer wieder suchen und gehen. Nicht nur um unser selbst willen, sondern um des Ganzen willen, um des heutigen Menschen willen, dessen tiefster Not und Hoffnung wir Ausdruck geben müssen, weil denn niemand sonst es tun will. Um der Bürgerlichen selbst willen dürfen wir nicht bürgerlich werden, weder nach rechts noch nach links. Wir sind verantwortlich. Wir stehen auf einem Wächterposten. Wir sind die Unruhe in der Uhr. Wir dürfen nicht stillstehen. Die Welt hat es bitter nötig, dass ihr das immer wieder gesagt wird, was wir ihr zu sagen versuchen mit der ganzen Unrast, mit dem ganzen unerbittlichen Protest, mit dem ganzen Glauben an das Unmögliche, der in uns steckt und der das Wesen des Sozialismus ist. Die Welt verlangt es geradezu von uns, dass wir bei unserem bösen, trotzigen Nein bleiben, denn sie ahnt, dass hinter unserm Nein das größte umfassendste, lebendigste Ja steht. Es müssen sich aber |620 viele, viele durchringen dazu, Nein zu sagen, Nein zu sich selbst, Nein zu den Göttern, die wir bis jetzt angebetet haben, Nein zu der Welt, wie sie jetzt ist und von sich aus immer wieder sein möchte. Wir Sozialisten aber müssen den Posten halten, wo jetzt Nein gesagt wird, und wenn er oft uns selbst wie ein verlorener Posten erscheinen würde. Wir müssen das Opfer bringen, die zu sein, die immer unrecht haben. Denn erst wenn der Mensch weiß, dass er im Unrecht ist, kann der Tag des Rechtes anbrechen auf der Erde, der Tag des Advents, der Zukunft des neuen Menschen, des Menschensohnes [vgl.