1920

Unerledigte Anfragen an die heutige Theologie

622

UNERLEDIGTE ANFRAGEN AN DIE HEUTIGE THEOLOGIE

1920

Zu Weihnachten 1919 bekam Karl Barth als Geschenk seines Bruders Heinrich die «Gedanken und Anmerkungen zur modernen Theologie», die C. A. Bernoulli unter dem Titel «Christentum und Kultur» aus dem Nachlass Franz Overbecks herausgegeben hatte1. Die anscheinend gleich begonnene Lektüre veranlasst Barth schon am 5. Januar 1920 zu der Meldung an Thurneysen: «Unser Melchisedek ist wahrscheinlich - Overbeck. Vielleicht verfasse ich etwas über ihn ins ‹Neue Werk›.»2 Offensichtlich kündigte er auch O. Herpel, dem Herausgeber der genannten Zeitschrift, einen Beitrag an, der ihm am 11. Januar antwortete: «Die in Aussicht gestellte ausführliche Besprechung über Overbeck  ist sehr erwünscht.»3 Am 16. Januar fasst Barth seinen Lektüre-Eindruck in einem Brief an seine Mutter knapp zusammen:

Das Gute u. das Böse an den Amsler, Pfister4 etc. interessiert mich gleich wenig; nur werde ich mir selbst immer problematischer in einer Kirche, in der diese Lichter leuchten. Da lobe ich mir Overbeck, dessen Buch ich eben mit Gewinn zu Ende gelesen. Der hat mit seinem «Atheismus» das Christentum 10mal besser verstanden, als unsre pausbackigen Mode-Theologen. Ich hoffe dazu zu kommen, eine schöne Rezension über das Buch zu schreiben.5

Ausführlicher nimmt Barth am 27. Januar wieder gegenüber seiner Mutter Stellung, indem er Stichworte und Namen aus deren Schreiben vom 21. Januar6 aufgreift:

Mit Overbeck ist die Sache durch die moralische Anklage auf «Unwahrhaftigkeit» wirklich auch nicht getan. Er hat eben den Dingen auf den Boden gesehen. Wenn er nicht lauter davon geredet hat, so mag |623 das seine persönliche Schuld und die seiner Zeit gewesen sein, das geht mich nichts an; jedenfalls hat es mit der «Steinwüste», die er hinter der Theologie erblickt hat, seine Richtigkeit. Johannes der Täufer sagte seine Sache auch in der Steinwüste. Und wenn Carl Albrecht [Bernoulli] infolgedessen Literat und Albert Barth Schulmeister geworden ist, so sehe ich meinesteils nicht ein, warum man nicht noch besser und gerade infolgedessen z’Trotz7 Pfarrer sein sollte, aber das will nur sagen, dass ich ein wenig mehr wage als diese Kinder der 90er Jahre. Dass von Overbeck ein wenig Furcht u. Zittern ausging, ein wenig Unterhöhlung der modernen Pfarrerherrlichkeit, das war nur normal. Wäre die Theologie beizeiten durch den Nullpunkt hindurchgegangen, auf den sie O[verbeck] hinwies, wir müssten heute nicht diese Geburtswehen erleiden.8

Am 2. Februar bestätigt Bernoulli, mit dem Thurneysen inzwischen Kontakt aufgenommen hatte9, in einem Brief an Barth: «Overbeck ist in der Tat dazu angetan die Augen zu öffnen, wenn modern-blinde Theologen sehend zu werden wünschen.»10 Anfang März liegt Barths Overbeck-Besprechung in einer ersten Fassung vor.11 Nun entsteht der Plan einer gemeinsamen Publikation mit Thurneysen: «Das Neueste ist», so Karl Barth am 5. März 1920 an seinen Bruder Peter, «dass Th[urneysen] und ich Overbeck auf den Schild erheben, als den Mann, der in der Wüste der 90er Jahre neben Blumhardt das wahre Israel war. Eine Publikation über diesen Fund steht in Aussicht u. auch mit C. A. Bernoulli habe wir beide schon Fühlung.»12 Thurneysen bearbeitet seine Predigt über Lk. 15,3–7 für den zweiten Teil der geplanten Broschüre, die nun nach Thurneysens Vorschlag – statt des zunächst vorgesehenen sensationelleren Titels «Finis christianismi»13 – den Titel «Zur innern Lage des Christentums» bekommen soll.14 Von Bernoulli informiert, erteilt Ida Overbeck am 23. April die Erlaubnis, «dass Sie |624 meinen Mann häufig in Ihrer Besprechung citiren».15 Einer der Theologen, die sehend zu werden wünschten, Pfarrer Arthur Jäggli in Beinwil im Aargau, formuliert in einem Brief an Barth am 10. Mai sehr genau das entscheidende Problem im Verständnis Overbecks:

Und nun Overbeck. Thurneysen will mir Euer Votum zuschicken. Er hat mich seinerzeit ermuntert, über das Buch in die «Neuen Wege» zu schreiben, ich hoffe, es noch ausführen zu können.16 Nur ist mir Overbeck selbst noch ein Problem. Ich habe zwar das Buch gelesen mit einer Spannung, wie ich selten noch ein wissenschaftliches Buch verarbeitet. […] Overbeck muß ein sonderbar feiner Mensch gewesen sein; ich würde fast sagen, er passte nicht in die Welt hinein, wenn ich nicht eben damit an das tiefste Problem berührte, das er selbst in s. Buche erörtert. Die Welt u. das Evangelium haben nie in der Art zusammengepasst, wie es die Theologen aller Zeiten darstellten. Kann man überhaupt von einer christlichen Kultur reden, wie es die Kirche d. Papstes tut? Nach Overbeck nicht, wenigstens jetzt noch nicht. Oder nicht mehr u. überhaupt nie? Ist das Großartige an Overbeck vielleicht dies, daß er das ganz andere des Evangeliums dartut gegenüber allem, was in der Welt groß ist u. gilt u. uns gegenüber jeder Position das Endgültige u. Jenseitige des Evangeliums vor die Augen rückt? Aber eben darin bin ich mir noch nicht eins; glaubt Overbeck überhaupt an dieses kommende Endgültige oder ist ihm diese Unerklärlichkeit des Evangeliums nicht eine Schrulle, mit der wir einstweilen nicht fertig werden u. weil wir nicht fertig werden, sie besser auf sich beruhen lassen. Es gibt freilich auch Stellen in dem Buch, die ihn als einen unter diesen Fragen schwer leidenden Menschen erkennen lassen. Wie tiefe Erkenntnisse sind denen gegeben, die abseits vom kirchlichen Treiben von jeher gestanden sind, allen jenen mühsam um die Wahrheit Ringenden.17

Mitte Juni erschien endlich das Heft. Barth kommentiert im Brief an Thurneysen vom 16. Juni: «Was wird diese Rakete für einen Lauf nehmen? Viele Freunde oder Doktorhüte wird sie uns jedenfalls nicht eintragen. Ich weiß gar nicht mehr genau, was eigentlich drinsteht und |625 bin so gespannt wie nur irgend einer aus dem Volk.»18 Thurneysen hatte die Bedeutung der Schrift und der «Todesweisheit», des «Jenseits der Kluft» und des «Hinter der engen Pforte» in der Geschichte ihrer theologischen Arbeit schon am 5. Mai prägnant herausgestellt:

Ich sehe immer klarer, daß wir erst mit der Einsicht in Overbecks Halt! und Nein! eine erste wichtige Stufe erreicht haben, die über das Religiössoziale und wohl auch über Kutter hinaus weiterführt, und auf der auch deine im Römerbrief 📖 erarbeitete und vertretene Erkenntnis erst ganz wahr wird und mit Nachdruck verteidigt werden kann.19

Unter dem Datum des 27. Juni 1920 erreichten Barth zwei bedeutsame Reaktionen: ein Brief seiner Mutter Anna Barth und ein Brief der Witwe Overbecks. 

Ida Overbeck, die die Schrift am 25. Juni erhalten hatte, schreibt in ihrer durch die Lektüre ausgelösten Bewegung und Erschütterung, die sich bis in die Syntax auswirkt:

Sehr geehrter Herr Pfarrer,

Ich sage Ihnen u. Ihrem Geistesgenossen den herzlichsten Dank für die Übersendung Ihres Büchelchens, das ich am Vorabend der 15. Wiederkehr des Todestages meines lieben Mannes empfing, ein mir unendlich schönes Zusammentreffen[,] das mir Wunsch, Worte meines lieben Mannes aus seiner letzten Zeit nahe brachte, die Erfüllung gefunden, freilich auch den eignen[,] irgend wie zu ihm eilen zu können, um ihm frohe Botschaft zu bringen. Er war bei schon sehr geschwächtem Körper stark genug gewesen[,] darauf zu hoffen[,] dass er doch einmal später gehört u. verstanden werde; erschütternd war es[,] wie dieser Hoffnung sich doch ein Zweifel beimischen musste, ein Schicksal im deutlichen Bewusstsein des Todes.

Ich hatte, nachdem ich Sie bei mir gesehen, öfter daran gedacht, dass nun vielleicht Ihre Schrift ausgegangen sei. Dass ich nicht bälder von der Thatsache hörte[,] beunruhigte mich nicht, auch nicht die Besorgnis[,] es könne aus meines Mannes Worten eine mir ganz fremde Gestalt entgegentreten, die seinem umfassenden Ernst, der Tiefe seiner Betrachtungsweise in’s Gesicht schlüge, nur gerade dadurch, dass sie eine Art Gewand meines Mannes trüge, noch beson|626ders widerwärtig sein könne. Wie sehr, sehr Recht hatten Sie[,] ihn selbst sprechen zu lassen. Gewiss ist nie ein Buch tiefsinniger gelesen worden[,] u. das bedeutet verdoppelten Werth. Ich werde öfter wiederlesen. Worin sollte ich Sie desavouiren wollen oder können? Sie selbst haben allem Rechnung getragen, nichts überhört oder geringer geschätzt. Der allein, der das kann, steht diesem Buche aufrecht gegenüber, ist es werth[,] an diesem Buche zu wachsen, bekundet die ächte Freiheit, der der Mensch oder Christenmensch nicht entrathen sollte u. mit der die Redebegabten Seelen aufrichten u. wohl thun können.

Meine besten Wünsche, sehr geehrter Herr Pfarrer, begleiten Sie u. Ihren Freund, Herrn Pfarrer Eduard Thurneysen[,] auf Ihrem weiteren Wege. Ein leichter Weg wäre kaum werth[,] gelebt zu werden, wenn es auch sicherlich Menschen gibt, die einen Weg leicht und mit Anmuth wandeln. Jedem das Seine.

Mit hochachtungsvollen Grüssen
bin ich Ihre ergebene
I. Overbeck20 

Anna Barth dankt für die Zusendung und bittet um Verständnis, wenn ich heute nicht eingehend darüber schreibe, obwohl ich deine Kritik schon zweimal gelesen u. mich heute beinahe den ganzen Tag mit Overbeck beschäftigt habe. Jedenfalls ist es gut daß die Predigt von Thurneysen dabei ist, denn sie ergänzt u. erklärt am besten was du sagen willst. Weil ich vor 30 Jahren jung war u. an den damaligen Problemen auch teil genommen, so geben mir deine Anklagen schon zu denken. Ich glaube zwar daß der Weltkrieg samt dem heutigen Zusammenbruch hauptsächlich Viele «an die Luft» gesetzt hat. Ob du vor 30 Jahren «no21 Boll» gegangen wärest u. den grämlichen Overbeck verstanden hättest?22

Der Bitte, ihr zu schreiben, «wenn Frau Prof. Overbeck sich äußert», entsprechend, schreibt Barth am 30. Juni an seine Mutter:

Aus den etwas dunklen u. überschwänglichen Worten von Frau Professor Overbeck geht mindestens soviel hervor, dass sie immer |627 noch ein gewisses Misstrauen hatte, dass sie nun aber zufrieden u. einverstanden ist. Carl Albrecht hat sich noch nicht geäussert, auch sonst bin ich noch ohne Kunde über den Erfolg u. Misserfolg unsres Signals.23

Am 8. Juli dankt Barth seinem Kollegen Gottfried Ludwig in Diessbach, der das «Büchlein» «mit viel Freude u. allseitiger Zustimmung gelesen» hatte24:

Ich bin sehr froh über Alles, was du sagst, denn das anfängliche Entsetzen Aller beim Lautwerden unsrer Absicht hat uns natürlich auch zu denken gegeben. Die Aufdeckung der Beziehung Blumhardt – Overbeck ist ja auf alle Fälle ein Wagnis – und wehe, wenns nur ein geistreicher Einfall wäre.25

Auf ein nochmaliges Echo Ludwigs, der inzwischen auch das Overbecksche Buch gelesen hatte26, reagierte Barth mit einer ausführlichen Erwägung der mit der Rezeption Overbecks erreichten Wegmarke:

Herzlichen Dank für deinen Brief. Ich bin froh, dass du vor Overbeck auch nicht zurückweichst, sondern in Furcht u. Zittern verharrst. Zurückweichen tun jetzt nämlich manche, die das Messer am Halse spüren, z.B. Emil Brunner, der verlegen erklärt, das S. 35 in Th’s Predigt27 Gesperrte doch «nicht mitmachen» (sic! mit - machen!) zu können.

Ich bin Overbeck unendlich dankbar dafür, dass er mir das was wir in den letzten Jahren so kühnlich als «Gott» verkündigten (du erin|628nerst dich wohl, dass mein Drucker einmal nicht mehr genug G im Setzkasten hatte – ein warnendes Symptom!) in einer in gewissem Sinn endgiltigen Weise entleert und mich auf seine wirkliche Füllung hingewiesen hat. Wir ahnten ja wohl Alle etwas Derartiges hinter Blumhardts u. Kutters Reden. Nur blieb da noch immer, ohne dass das jedenfalls Blumhardt belasten würde, ein gewisser romantischer, naturalistischer, «einfacher» Sinn übrig. Wir glaubten an etwas Kindleinhaftes in Raum u. Zeit, in welchem «Gott» dann doch wieder «gegeben» sein könnte. Der Aarauervortrag von Heiner28 hat dagegen schon gute Warnung erhoben (lies ihn noch einmal im Blick auf Overbeck). Nun ist der letzte Schleier zerrissen. Wir wissen nun soviel, dass wir nicht wissen, was wir sagen, wenn wir «Gott» sagen. Wir wissen um was es sich handelt bei dem Ja das das Nein unter dem wir stehen, tatsächlich überwindet. Wir wissen nun, dass wir nicht mehr blöterlen29 dürfen, wenn wir die Worte Tod u. Auferstehung in den Mund nehmen. Mehr wissen wir freilich nicht. Wir sehen dort wo wir auf Jesus zu verweisen pflegen, ein enormes Loch, das Alles in Frage stellt, wo man alle Augenblicke auf die Finger bekommt (Zitterrochen!) wenn man unbesonnen zugreifen und die Sache vermantschen will. Es wird sich zunächst nur darum handeln, ob wir es in dieser Situation aushalten. Die Glaubensfrage wird noch ganz anders akut als vorher. «Feldflüchtige werden erwürgt»30 wie Luther glatt gesagt hat. Von dem Ja, dessen Kehrseite uns jetzt erschreckt, sehe ich vorderhand nur soviel, dass mir das NT immer einleuchtender u. verständlicher wird und dass ich jeden Sonntag etwas Wichtiges u. Richtiges zu sagen hätte, wenn ich es sagen könnte, und dass wenigstens einige m. Zuhörer (und viele gerade durch ihr Nichtverstehen) wenigstens eine Ahnung zu bekommen scheinen von dem Mysterium, dem «Ausserhalb», das die kirchliche Gemeinschaft – innerhalb des Lebens eigentlich zu vertreten hätte. Was wollen wir «praktisch» Anderes als staunen und das Staunen der Andern wecken u. pflegen? Was können wir Anderes? Was für Perspektiven, wenn es auch nur einigermassen gelänge, das Bewusstsein dieses totaliter aliter in die Kir|629che, in die Theologie hineinzuwerfen? Eine Anzahl wenigstens all der munter klappernden Mühlen stillzustellen. Aber «wem wird der Arm des Herrn offenbart»? [Jes. 53,1; Joh. 12,38]. Das Gros unsrer deutschen Freunde ist bereits vorläufig abgeschwenkt und das Thema der – ohne uns abzuhaltenden Konferenz in Marburg31 wird nicht der Colosserbrief, sondern das tiefsinnige Problem: «Sollen wir Politik treiben?» bilden. Sie stehen ungefähr dort wo Ragaz 1908 war und wir müssen sie vorderhand in Freundschaft frei geben und uns auch da mit Einzelnen begnügen.32

In Briefen an seine Mutter setzt Barth diese Rechenschaft über seinen Weg und dessen Konsequenzen fort. Am 8. September:

Für uns kommt wohl eine Zeit von viel Streitigkeit oder auch – Einsamkeit, oder beides. […] Im Protestantenblatt drückt Hans Baur dem Eberhard Vischer (!) dankbar die Hand für seinen mutigen Angriff auf mich (im Kirchenblatt) und zweifelt an unsrer geistigen ­Gesundheit. Brunner will sich in Zürich habilitieren mit einer Dissertation, in der er die Möglichkeit der Offenbarung endgiltig wissenschaftlich beweisen will, macht aber vor Overbeck u. meinem Aarauervortrag33 drei Kreuze. Seltsame Zeichen wohin man blickt.34

Wie Barth hier andeutet, war das publizistische Echo auf die Veröffentlichung sonderbar-zwiespältig. Den Anfang machte der Kirchengeschichtler der Basler Fakultät Eberhard Vischer, den Barth durch die Bemerkung über die «vermeintlichen Overbeckkenner in Basel»35 herausgefordert hatte und der sich auch durch die vorbehaltlos zustimmende Besprechung von «Christentum und Kultur» im «Kirchenblatt für die reformierte Schweiz» durch Paul Walser36 zu einer Entgegnung veranlasst sah. Sie erschien im «Kirchenblatt» am 29. Juli und am 5. August unter dem Titel «Overbeck und die Theologen»37, der bereits anzeigt, dass Vischer sich «weniger wegen der von |630 Overbeck zur Theologie und den Theologen eingenommenen Stellung als um der Haltung der Theologen zu ihm und den in dem Buche vorgetragenen Gedanken willen»38 zu Worte meldet. Der Vorwurf, den Vischer erhebt, lässt sich in seiner rhetorischen Frage zusammenfassen: «Ja läßt sich, um mit Overbeck zu reden, etwas Dümmlings- und Parasitenhafteres denken, als nun nach alter Theologenweise schließlich auch den Mann, der aller Theologie den Krieg aufs Messer angesagt hat, für die eigene Theologie in Anspruch zu nehmen und gegen die Theologie der Andern auszuspielen?»39 Sich Barth zuwendend fügt Vischer an: «Noch viel besser als Walser, ja geradezu meisterhaft versteht jedoch Karl Barth diese wundervolle Theologenkunst und ist deshalb mit Recht der Mann des Tages.»40 Doch «angesichts der Bewunderer Overbecks unter den Theologen» müssten einem «die Augen aufgehen» für das Recht der Kritik Overbecks am Christentum und seinen Theologen, «denn eine glänzendere Rechtfertigung auch des Giftigsten, was er über die Theologen gesagt hat, konnte er sich nicht wünschen».41­

Ende August 1920 griff, wie Barth erwähnt, Hans Baur, Pfarrer an St. Leonhard in Basel, diese Polemik auf und dankte in einem «Selbstkritik oder Selbstzerfleischung?» überschriebenen Artikel E. Vischer «für sein mannhaftes Wort, das ihm erneut die Sympathien vieler junger Schwärmer entziehen wird […], das aber wie ein reinigendes Gewitter zu wirken berufen ist».42 Denn «die ganze Erscheinung» gehöre «in das Kapitel der allgemeinen Psychose, an der unsere Zeit krankt». Es handle sich um eine «krankhafte Selbstzerfleischung, die wie jede Raserei die besten Kräfte aufzehrt, das beste Wollen im Keim erstickt, endlosen unfruchtbaren Zank heraufbeschwört, immer neuen Hunger nach neuen Seltsamkeiten, Verstiegenheiten, Rücksichtslosigkeiten weckt, sie muß als Seuche erkannt und wie jede andere bekämpft, lokalisiert und ausgerottet werden. Es ist der theologische Golem, den |631 wir befehden.»43 Der Artikel schließt mit der Anmerkung: «Damit seien die uns zugestellten Broschüren des Münchner Verlags Kaiser angezeigt und besprochen: K. Barth und Ed. Thurneysen, Zur inneren Lage des Christentums, und K. Barth, Biblische Fragen, Einsichten und Ausblicke».44­

Wohlwollender und verständnisvoller besprach der Genfer Neutestamentler Jules Breitenstein in der Genfer «Semaine religieuse» vom 20.11.1920 die Overbeck-Broschüre. Zum Schluss zieht er aber doch etwas distanziert die Summe: «On a peut-être surfait l’importance de l’histoire et de la psychologie. MM. Barth et Thurneysen me semblent tomber dans l’exagération inverse. Quoi qu’il soit, ils donnent à réfléchir.»45

Am 7. Dezember brachten die «Münchner Neuesten Nachrichten» eine Rezension von «Christentum und Kultur» im Rahmen eines Hinweises auf Barths «höchst anziehende Besprechung» in der Overbeck-Broschüre und auf den Aarauer Vortrag, der «eine eigenartig starke Religiosität» atme, wie denn Barth übrigens auch als «der eigenartige Führer einer neureligiösen Bewegung» bezeichnet wird.46

Am 28. Dezember folgte in den «Basler Nachrichten» eine Besprechung der Broschüre durch «unsern Spezialfreund»47 Walther Köhler. Für ihn ist es «ein gründliches Mißverständnis, ja, ein böser Fehlgriff», «wenn nun hier Overbeck selbst geradezu wie ein Religiös-Sozialer erscheint, wie ein ‹kritischer Blumhardt›». «Nimmermehr hätte Overbeck einen Bund mit den Religiös-Sozialen geschlossen! Diese selbst aber sollten sich fragen, warum sie denn den letzten, von K. Barth am Schluß angedeuteten Schritt, ganz Eschatologie und damit ‹ein neues Christentum› zu werden, nicht tun? Das wäre doch Konsequenz! Aber vermutlich würden sie dann sehen, daß dann die Eschatologie sie äfft, weil wir nun einmal in der Zeit leben; vermutlich würden sie dann |632 erkennen, daß man auch die schönste Vergangenheit nicht repristinieren kann, und diese Erkenntnis würde sie dann Overbeck viel näher bringen, als sie ihm jetzt nahe zu sein glauben.»48

Im Januar 1921 erschien eine Besprechung der «begeisterten Empfehlung» von Overbecks Christentum und Kultur durch Barth, zu der der Verfasser anmerkt: «Gewiß ist radikale Kritik zur Selbstprüfung sehr notwendig. Ob aber aus den einseitigen und darum schiefen Behauptungen Overbecks […] irgendein Fortschritt für die weitere Arbeit erwachsen kann? Es ist auch eigenartig, daß die Religiös-Sozialen einen Rationalisten alten Schlags auf den Schild erheben.»49

Unter der Überschrift «Allerlei» behandelte Paul Wurster im Juni-Heft der Monatsschrift für Pastoraltheologie neben einer «Kritik des modernen Ehe-Ideals», einer Herder-Auslese und einer Neuauflage des «bekannte[n] Kompendium[s] der Religionsgeschichte von Tiele » Barths Overbeck-Aufsatz, in dem «der bekannte schweizerische Religiössoziale» die Forderung aufstelle, «daß man durch die enge Pforte» der «radikalen Kritik» Overbecks «zu einem eschatologisch-positiven Christentum in der Art Chr. Blumhardts kommen müsse».50

Bemerkenswerter ist jedoch eine Anfang Juli 1921 erschienene Rezension von Joseph Engert, Professor für Philosophie und Pädagogik an der (katholischen philosophisch-theologischen) Hochschule in Dillingen an der Donau, der sich später auch als einer der ersten katholischen Theologen zur zweiten Fassung der Römerbriefauslegung zu Worte gemeldet hat51. In der Overbeck-Anzeige Barths sieht Engert den «Führer der Schweizer Religiös-Sozialen» «mit der Schärfe und Begeisterung des Entdeckers von Neuland» fordern, dass «eine Theologie im echten Sinne des Christentums» «an den Anfang ihrer Untersuchungen das Unerforschliche, das absolut Transzendente» stellen müsse. «So poniert Barth mit unerhörter Schärfe dieses als Grund|633problem des Christentums, Ausgangspunkt der Theologie.» Engert bemerkt dazu: «Ein Anfang; denn wie nun dieses Problem selber ‹realisiert› werden soll im Sinne der realistischen Philosophie (z.B. Külpes), darüber sagt uns Barth nichts. Aber genug: Er stellt das absolut Transzendente an den Anfang aller christlichen Theologie, und das ist ein Gewinn. Ich stehe nicht an, in diesem Betracht das Buch für eine der bedeutsamsten Wendungen in der Methodologie der protest. Theologie zu erklären.»52

Barth wird sich durch die Erinnerung an diese Stimmen – die verständnisvollen wie die verständnislosen – in dem Entschluss zur Neubearbeitung des Römerbriefs, die wesentlich im Zeichen Overbecks stehen sollte, bestärkt gesehen haben. Am 14. November 1920 schreibt er über die Notwendigkeit dieser Neufassung an seine Mutter:

Was ich dir über den Römerbrief schrieb, war so gemeint: ich möchte ihn durchgängig in Einklang setzen mit dem, was ich in den 2 letzten Jahren hinzugelernt habe. […] Gerade weil ich mich verantwortlich fühle für das, was mein Buch anrichtet, muss ich die Einsicht von Paulus die es eröffnen will, auf einen zugespitzteren Ausdruck bringen. Ich weiss weit u. breit keinen Fall, dass Einer schon durch das in der 1ten Auflage enthaltene «Nein» irregeführt worden wäre, wohl aber hat das allzu harmlos aufgefasste Ja in Deutschland u. der Schweiz sehr seltsame Blüten gezeitigt, denen ich nun wehren muss, indem ich tiefer u. gründlicher schneide. Zweifellos habe ich dafür von Overbeck gelernt. Warum nicht. Im Römerbrief (des Paulus!) stehts ja wortwörtlich immer wieder (lies z.B. das 2te Kapitel) dass die Heiden den Juden plötzlich voran sein könnten vor Gott nämlich der das Verborgene der Menschen richtet. In diesem Lichte sehe ich Overbeck gegenüber den Vielen, die meinetwegen frömmer waren als er. Ich könnte aber das Gleiche, worum es sich handelt auch mit den Namen Jeremia, Hiob, Luther, Kierkegaard bezeichnen. Ich las vor 8 Tagen Luthers Schrift über den unfreien Willen und war erstaunt zu sehen, wie da (und auch da mit einem geradezu fürchterlichen Nein u. nochmals Nein!) die gleichen Grenzpfähle eingerammt werden, deren Notwendigkeit uns jetzt auch wieder aufzugehen beginnt. Lass mich |634 nur machen u. glaub mir, dass ich in bester Gesellschaft bin. Das Festwerden des Herzens, das du mir wünschest, geschieht bekanntlich aus Gnade [vgl. Hebr. 13,9], Gnade ist aber auf alle Fälle nur da, wo Distanz u. Respekt ist. Eben daran arbeite ich, das deutlicher, unüberhörbarer herauszubringen. Von einem Wechsel der Ansichten aber ist keine Rede, obwohl fast kein Wort gleich bleibt wie im alten Buch. Ich hebe sie gänzlich auf u. begründe sie gänzlich neu, soweit man da von «gänzlich» reden kann.53

Die Edition folgt dem Abdruck in K. Barth, Die Theologie und die Kirche, Gesammelte Vorträge, 2. Bd., München 1928 📖. Der erste Apparat teilt die Varianten des ersten Drucks in K. Barth/E. Thurneysen, Zur inneren Lage des Christentums. Eine Buchanzeige und eine Predigt, München 1920, S. 3–24 📖, mit.

Unerledigte Anfragen an die heutige Theologie*

Wie war es nur möglich, dass die heute am Ruder befindliche Theologie in ihrer Jugendzeit an einem Fachgenossen wie Overbeck und an den von ihm an sie gerichteten Fragen so gleichmütig und unangefochten vorbeikam? Wie war es nur möglich, dass man sich damit begnügen konnte, seine historische Gelehrsamkeit zu bewundern, über die Wirkungslosigkeit seiner «rein negativen Art» sich selbstzufrieden zu freuen und über die Tatsache, dass er, sich selbst und der Welt zum Trotz, Theologieprofessor war und blieb, immer wieder staunend und missbilligend den Kopf zu schütteln? – Einige von uns haben sich längst darüber gewundert, wie man es damals, vor rund 30 Jahren meine ich, in der Theologie fertig brachte, der Gedankenwelt des älteren und jüngeren Blumhardt und ihrer Freunde so gar keine |635 Aufmerksamkeit zu schenken. Aus den Büchern Friedrich Zündels z.B. wäre doch, wie die seitherige Entwicklung der Dinge beweist, einiges Entscheidende zu lernen gewesen, was uns allen allerlei Umwege und Irrwege erspart hätte, wenn man es sich damals hätte sagen lassen. Blumhardt und Zündel waren euch zu massiv, zu pietistisch, zu wenig wissenschaftlich und schulgerecht? Sei’s einmal zugegeben, so schwer es uns fällt, uns in das akademische Hochgefühl zurückzuversetzen, das für jene Zeit so bezeichnend war und das damals offenbar viele im übrigen 2 sehr aufmerksame Ohren nach dieser Seite verschlossen hat. Aber – möchten wir heute fragen – warum hörte man dann nicht auf Overbeck? Wollte man den allzu dunkeln Vorgängen von Möttlingen54 kein weiteres Nachdenken widmen, weil das Skandalon für das damalige Zeitbewusstsein allzu groß war, warum wendete man nicht um so größere Sorgfalt auf die Betrachtung des ebenso verheißungsvollen und näherliegenden Skandalons, das durch die «Christlichkeit der heutigen Theologie»55 geboten war? Unmittelbar nebeneinander standen sie doch, Blumhardt und Overbeck, Rücken an Rücken, wenn man so will, sehr verschieden im Habitus, in der Terminologie, in der Vorstellungswelt, im Erlebnis, aber zusammengehörig in der Sache, Blumhardt als der vorwärtsschauende hoffende Overbeck, Overbeck als der rückwärtsschauende kritische Blumhardt, Einer zum Zeugnis für die Sendung des Andern. Warum hörte man nicht auf Overbeck? Dieser war doch wohl kein Pietist, kein Mirakelgläubiger, kein Dunkelmann, sondern so fein, so vornehm, so voraussetzungslos, als man nur wünschen konnte! Oder wollte man überhaupt kein Skandalon, dass man sich auch durch den kritischen Blumhardt, den Senior der Basler Fakultät, so gar nicht zur Sache rufen ließ? Darf man, wenn man sich nur diesen einen Fall vor Augen hält, immer wieder den lieben Gott dafür verantwortlich machen, dass die Dinge in der christlichen Erkenntnis so langsam, so mäanderförmig vorwärtsgehen? Darf man sich, wenn man die damals verpassten Gelegenheiten überdenkt, verwundern darüber, dass die Zeichen der Zeit in Theologie und Kirche heute so stark auf Deroute |636 und Zersetzung deuten? Hätten nicht auch die, die heute immer noch auf den völlig überlebten Kampf gegen Orthodoxie u. dgl. eingestellt sind, Anlass, mit allem Ernst dort wieder einzusetzen, wo damals die fruchtbaren Möglichkeiten übergangen worden sind? Das waren die Fragen, die mich während der Lektüre des von C. A. Bernoulli herausgegebenen Overbeckschen Nachlassbandes unausgesetzt beschäftigt haben.

Das Buch ist eine vom Herausgeber betitelte und gegliederte 3 Sammlung von Fragmenten, «teils Material, teils Plan, halb Steinbruch, halb Fundament», wie es im Vorwort heißt (S. XXXVI56). Für das, was Overbeck zu sagen hatte, ist diese Form gerade die rechte. Die Sache war zu groß und die Lage zu verwickelt, als dass er mehr tun konnte als zum Schlage weit ausholen. Der Schlag wird einmal geführt werden, wer weiß wann? und von wem? Overbeck holte nur aus. In diesem fruchtbaren und den Sinn unseres hellenistischen oder vorreformatorischen Zeitalters durchaus erschöpfenden Augenblick muss er belauscht werden, um uns zu belehren, wenn wir Ohren und endlich einmal Zeit haben, zu hören. Ich bemerke noch, dass die Entstehung und Art des Buches es notwendig machen, es nicht nur kursorisch, sondern in verschiedenen Richtungen diametral zu lesen, wenn es seine Wirkung ausüben soll.

«Christentum und Kultur» betitelt Bernoulli. Er hätte ebenso gut «Einführung in das Studium der Theologie» schreiben können; denn darum handelt es sich im Grunde, wobei allerdings zu bemerken ist, dass diese Einführung sich unter Umständen alsbald zu einer energischen Ausführung Unberufener gestalten könnte. Ich möchte unsern Studenten dringend wünschen, sie möchten in diesem Buch Vorschau halten über das, worauf sie sich einzulassen oder auch hereinzufallen im Begriffe stehen. Wir Pfarrer aber sollten uns die Gelegenheit zu einer gründlichen Nachschau über das, was wir erworben haben, um es zu besitzen, noch weniger entgehen lassen. Immerhin sei gewarnt: Das Buch ist eine unerhört eindringliche Einschärfung des Gebots: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz führen! [Ex. 20,7; Dtn. 5,11]. Wenn es gelesen und verstanden wird, so müsste normalerweise die Wirkung die sein, dass etwa 99 Prozent von uns |637 allen in seinen Netzen hängen bleiben und die Entdeckung machen, dass man eigentlich so etwas wie Theologe gar nicht sein kann. Und die wenigen Entronnenen werden soviel trauten Kitsch, soviel liebe Illusionen und praktische, allzu praktische Naivitäten dahinten lassen müssen, dass sie nachher zunächst frierend nicht mehr aus noch ein wissen werden. Alle irgendwie Berufszufriedenen 4 unter uns werden das Buch mit demselben Missvergnügen gedruckt und gelesen sehen wie etwa ein normaler Mediziner Weressajews «Bekenntnisse eines Arztes»57. Denn es ist ein gefährliches Buch, ein Buch voll apokalyptischer Gerichtsluft, ein Bilanzbuch, ein Buch, das den verständigen Leser von allen Fleischtöpfen Ägyptens hinweg in die Wüste ruft, an einen Ort ihn hindrängt, wo er weder liegen noch sitzen, noch stehen, sondern unbedingt nur noch sich bewegen, wo er weder erwerben noch besitzen, noch schmausen, noch austeilen, sondern nur noch hungern und dürsten [vgl. Mt. 5,6], suchen, bitten und anklopfen [vgl. Mt. 7,7f. par.] kann, darin den beunruhigenden Sprüchen des «Cherubinischen Wandersmanns» nicht wenig vergleichbar. «Die Füchse haben Gruben und die Vögel des Himmels ihre Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege.» [Mt. 8,20 par.]. Wer diesen Ort zu vermeiden wünscht, lasse das Buch ungelesen. Aber vielleicht haben uns die Eindrücke und Erfahrungen der letzten Jahre darüber aufgeklärt, dass wir bis jetzt in einem Hause wohnten, das auf den Sand gebaut war [vgl. Mt. 7,26f.], und dass die Theologie, wenn es überhaupt fernerhin dieses Wagnis «Theologie» geben soll, zunächst besser täte, mit zusammengebissenen Zähnen den Weg in die Wüste anzutreten. Es würde sich das angesichts der allgemeinen Lage gerade für uns wahrlich besser schicken als die unverfrorene Zuversichtlichkeit, mit der man mancherorts immer noch Theologe sein zu können meint, als ob das nichts Besonderes wäre. Einige von uns sind durch die Overbeckschen Enthüllungen nicht eben überrascht. Wir freuen uns über dieses Buch. Wir begrüßen es in der Hoffnung, dass es uns Genossen unsrer Einsamkeit erwecken werde, weil es einigen Auf|638richtigen nicht ganz leicht werden wird, wider diesen Stachel zu löcken [vgl. Act. 9,5; 26,14]. Ein ernstes Wort hat es ausnahmslos uns allen zu sagen.

I.

Der Herausgeber überlässt es dem Leser, ob er Overbeck nach dem vorliegenden Material vorwiegend als Skeptiker oder als Enthusiasten auffassen will. Er steht in der Tat hart auf der 5 Grenze zwischen beiden, und die eine Seite seines Wesens, wenn man da überhaupt von zwei Seiten reden mag, wird immer nur durch die andre verständlich sein. Versteht man ihn, wie seine Zeitgenossen es getan haben und wozu auch Bernoulli mehr Neigung zeigt, vorwiegend als Zweifler, so wird man ihn mindestens mit dem letztern einen «frohen liebenden Zweifler» (S. XIX58) nennen müssen. Versteht man ihn, wovon wir unsrerseits mehr Belehrung erwarten, vorwiegend als Wächter «an der Schwelle metaphysischer Möglichkeiten» (S. XXXVI59), so wird man seinen Standpunkt als den eines kritischen Enthusiasten bezeichnen müssen. Man muss auf alle Fälle das Unvereinbare, den Tod und das Leben, die Welt und das Himmelreich scharf zu unterscheiden und dann auch wieder zusammen zu schauen im Stande sein, um die verhaltene Kraft dieses seltenen Geistes würdigen zu können. Denn «dieser ist ein Mensch gewesen und ein Mensch heißt Kämpfer sein»60.

Entscheidend für die Einsicht in die grundsätzliche Stellung Overbecks sind die Abschnitte S. 20–2861 («Über die Erforschung von Urgeschichte») und S. 287–30062 («Von mir selbst und vom Tode»). Von da aus ist dann vor allem das S. 1–7763 über Bibel und Urchristentum Gesagte zu erwägen. Alles übrige sind Anwendungen und Illustrationen. Zwei Punkte, die beide zugleich Ausgangs- und Endpunkte sind, bestimmen und charakterisieren nach Overbeck das Dasein des Menschen und der Menschheit. Mit dem Begriff der «Urgeschichte» oder |639 Entstehungsgeschichte bezeichnet er den einen, mit dem Begriff des Todes den andern. Von der überzeitlichen, unerforschlichen, unvergleichlichen Urgeschichte, die sich aus lauter Anfängen zusammensetzt, in der die Grenzen, die das Einzelne vom Ganzen abschließen, noch fließende sind, kommen wir her. Dem einzigen unausdenkbar bedeutenden Moment des Todes, in dem unser Leben in dieselbe Sphäre des Unbekannten tritt, in welcher für uns schon bei unsern Lebzeiten alles sich befindet, was jenseits der uns bekannten Welt liegt, gehen wir entgegen (S. 20–2164 und 29765). Wir haben vielleicht zu tief in den Grund der Dinge 6 geblickt, wir wissen zu viel von allen Dingen, auch von den verborgensten und unzugänglichsten, von den Dingen, von denen wir eigentlich nichts wissen können, von den letzten Dingen. «Von diesem Wissen ist uns nicht zu helfen und wir haben damit zu leben» (S. 29366 und 30067). Was zwischen diesen «letzten Dingen» liegt, das ist die Welt, unsre Welt, die uns gegebene, verständliche Welt. Was «historisch» ist oder werden kann, das ist eo ipso auch von dieser Welt. Denn «historisch» heißt «der Zeit unterworfen» (S. 24268). Was aber der Zeit unterworfen ist, das ist begrenzt, relativiert, als «Welt» erklärt durch die «letzten Dinge», von denen wir nun einmal wissen, ob wir wollen oder nicht. «Den Pharisäern kann auf keinen Fall das Zugeständnis eines schon unter ihnen erschienenen und rein diesseitigen Reiches Gottes gemacht werden» (zu Lk. 17,20-21 S. 4769). Freilich: Um diese Welt zu begreifen, solange und soweit es sich darum handeln soll, stellen wir uns besser nicht aus ihr heraus, vermeiden auch «den leisesten Duft von Theologie» (S. 570), sondern bleiben als Nachkommen der Aufklärer mit der «entschlossenen Besonnenheit des wahren Realisten» (S. XXVIII71) innerhalb ihrer Grenzen, der Grenzen der Menschheit (S. 24172). Können wir die |640 Dinge dieser Welt nicht verteidigen, kann keine der Beziehungen, in die wir zur Welt treten, der relativierenden Kritik standhalten, so können wir sie doch lieben, können auch unsre Kritik nicht ernster nehmen, als sie es verdient (S. 2973 und 24874). Aber diese (gebrochene!) Liebe zu den Dingen dieser Welt stammt nicht aus der Religion, beruht überhaupt zum allergeringsten Teil auf unserm Zutun. Ihre «natürliche Grundlage mag jemand, der darüber zu reden weiß, unter dem Namen Gott begreifen» (S. 24975). Denn der Rationalismus, mit dem sich Overbeck «als anonymer Glückspinsel» neben Kant, Goethe und Lichtenberg stellen möchte (S. 13676), wird «der Fähigkeit zur Ekstase als der eigentlichen Kraftquelle der Kultur» (S. XXVIII77) keineswegs uneingedenk. Bezeichnet der Begriff des Todes die Grenze der menschlichen Erkenntnis, so muss er auch ihren transzenden7 talen Ursprung bezeichnen. Kann er uns «als eiserner Besen dienlich sein, um allen Lug und Trug auszutilgen, der unser irdisches Leben belastet», kommt das recht verstandene memento mori unserm Leben zu Gute (S. 29778), so muss ihm zugleich eine positive, schöpferische, fruchtbare Bedeutung sondergleichen zugeschrieben werden. «Der Tod erzeugt ebenso gut, wie er vernichtet» (S. 24779). Ohne «ein Tröpfchen Schwärmerei» (S. 18280) wäre also der Rationalismus gar nicht das lebendige umfassende Prinzip, das Overbeck darunter versteht. Denn zufällig ist dieses «Tröpfchen» gerade die Quelle des Stroms, sind die beiden grossen Unbekannten: Urgeschichte und Tod, gerade die Angeln, in denen die «skeptische» Weltanschauung hängt! «Wir Menschen kommen überhaupt nur vorwärts, indem wir uns von Zeit zu Zeit in die Luft stellen, und unser Leben verläuft unter Bedingungen, die uns nicht gestatten, uns dieses Experiment zu ersparen» (S. 7781). «Wer sich in der Welt wirklich und |641 streng auf sich selbst stellt, muß auch den Mut haben, sich auf nichts zu stellen» (S. 28682). Aber es muss ernst gelten mit diesem «nichts», und das Tröpfchen Schwärmerei muss echt sein, mit Mystik, Romantik und Pietismus nicht zu verwechseln (obwohl «Pietismus für mich die einzige Form des Christentums, unter welcher mir ein persönliches Verhältnis zum Christentum noch möglich wäre!» S. 17983). Denn «das menschliche Individuum kann nicht daran denken, einen Ersatz für Gott jemals an sich selber vorzufinden. ... Sich selbst preisgeben ist kein sicherer Weg zu Gott, aber der (mystisch-romantisch-pietistische!) Gedanke, Gott in sich selbst wiederzufinden, ist noch hoffnungsloser» (S. 28684). «Das Wesentliche an Overbeck war nicht von intellektueller, sondern von elementarer Art. Wenn er in sich einen Übergang darstellt, so war er es nicht als Grenzlinie, nicht als Schnittfläche, er war es in aufprägender Weise – als Vorstoß, als Durchbruch. In seiner Kritik lassen die gezackten Eisränder des kahlen Denkens den Tiefblick frei in die darunter verborgenen Strecken aufgrünenden Frühjahrs», sagt Bernoulli sehr schön (S. XIX85). Schade nur, dass er 8 diese wichtige Einsicht durch die psychologistische Aufmachung, in der er sie vorträgt («ideologische Gegendosis»86), einigermaßen verdunkelt. Wir unsrerseits möchten Overbecks grundlegende kritische Lehre von Urgeschichte und Tod mit der tiefen Erkenntnis der Dialektik von Schöpfung und Erlösung, die darin ausgesprochen ist (vgl. z.B. S. 29–3187 und 248-24988), als eine Überwindung aller «Ideologie» auffassen und den Verfasser neben dem Sokrates des Phädon89 zu denjenigen «heidnischen Verkündigern der |642 Auferstehung» rechnen, von denen es heißt: «Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden» [Mt. 8,10 par.].

Von der unerhört schmalen und – soliden Basis dieser kritischen Grundstellung aus sind nun die drei polemischen Auseinandersetzungen zu begreifen, die in mannigfacher Verschlingung den eigentlichen Inhalt des Buches bilden. Es betrifft die erste das Dasein des Christentums in der Geschichte, die zweite das Wesen des modernen Christentums, die dritte die Christlichkeit aller und speziell der heutigen Theologie. Die unerledigte Frage Overbecks entfaltet sich so zu einer Mehrzahl.

II.

Über die Stellung und Aussichten des Christentums in der Geschichte ist in den letzten Jahrzehnten viel geredet worden. Wenn ich nicht irre, waren die Aufstellungen Troeltschs über die vorläufige soziologische Bedeutung der Kirche und sein düsterer Ausblick auf kommende Eiszeiten, in denen es dann auch damit vorüber sein könnte, das letzte bemerkenswerte Stadium, das diese Verhandlungen vor dem Kriege erreichten. Wir hörten ihm damals (in Aarau 191090) zu mit dem dunkeln Gefühl, dass es nun auch in der Sackgasse, in der wir verhältnismäßig getrost wandelten, nicht mehr weiter gehe. Eine ganz andre Frage, als die, die zuletzt derartige Antworten provozieren musste, ist die Frage, ob von einer Stellung und von Aussichten des Christentums in der Geschichte überhaupt die Rede sein kann.

Ist das Christentum einer Verwirklichung in der Geschichte, d.h. in der durch Dauer, Werden und Vergehen, Jugend und 9 Alter, Degeneration und Fortschritt charakterisierten Zeit fähig? Bekundet es selber den Willen, eine geschichtliche Größe zu werden? Ist es mög|643lich, als Historiker dem Christentum gerecht zu werden? Oder vom Standpunkt der Welt aus gefragt: Kann das Christentum als geschichtliche Größe Anspruch auf ernsthafte Bedeutung erheben? Kann man als Historiker das Christentum gegenüber der Kultur vertreten? Overbeck stellt das alles in Abrede. Unerbittlich stellt er uns vor das Dilemma: Wenn Christentum, dann nicht Geschichte; wenn Geschichte, dann nicht Christentum! «Historisches, d.h. der Zeit unterworfenes Christentum ist etwas Absurdes» (S. 24291). Gerade historisch lässt sich das Christentum nicht begründen; denn «weder Christus selbst noch der Glaube, den er gefunden hat, haben wenigstens unter dem Namen Christentum historisches Dasein gehabt» (S. 9–1092). «Die ersten Christen sind gar kein menschlicher Geschichtschreibung würdiges Objekt» (S. XXI93). «Die Geschichte ist ein Schlund, in den sich das Christentum nur ganz wider Willen gestürzt hat» (S. 794). «An der Apriorität unsres Zeitbegriffes hängt, daß das Christentum als Erscheinung der Geschichte unvertretbar geworden ist» (S. 24495). «Die beste Schule, um an dem Dasein eines Gottes als Weltlenkers zu zweifeln, ist die Kirchengeschichte, vorausgesetzt, diese sei die Geschichte der von Gott in die Welt gesetzten Religion des Christentums, und es werde demnach angenommen, er habe ihre Geschichte gelenkt. Augenscheinlich hat er dies nicht getan, in der Kirchengeschichte ist nichts wunderbar, in ihr erscheint das Christentum der Welt so unbedingt preisgegeben, wie nur irgend ein anderes Ding, das in ihr lebt» (S. 265–26696). «Die Kirchengeschichte lehrt, daß das Christentum, wie es auch mit der vermeintlichen Lenkung seiner Fata stehe, unfähig gewesen ist, sich der Folge auch nur einer einzigen Schwäche der menschlichen Dinge zu entziehen. Nicht ein Greuel der Geschichte, d.h. unter den Erfahrungen der Dinge, die in der Geschichte gelebt haben, fehlt in den Erfahrungen der Kirchengeschichte» (S. 1997). «Sofern dem Christentum auf dem Gebiet |644 des geschichtlichen Lebens auch nicht eine 10 der Korruptionen und Verirrungen erspart geblieben ist, denen die Dinge unterworfen sind, hält die Kirchengeschichte keine Vorstellung ferner als die eines besonderen, über der Kirche waltenden Schutzes. Gegen die Kirchengeschichte ist also das Dasein Gottes nur zu behaupten bei der Annahme, Gott habe seine Hand vom Christentum in seinem geschichtlichen Dasein abgezogen. Eine Annahme, die noch nichts die Gott oder dem, was wir Menschen so nennen, schuldige Ehrfurcht Verletzendes zu haben brauchte» (S. 26698). «Das Christentum unter den Begriff des Historischen zu stellen, heißt zugeben, daß es von dieser Welt ist und in ihr, wie alles Leben, nur gelebt hat, um sich auszuleben» (S. 799). «Rein historisch ist nichts möglich als der Nachweis, daß das Christentum abgebraucht sei und zu alt werde» (S. 71100). «Der Gedanke, das Christentum rein auf Historie zu stellen, kündigt nur den Anbruch des Zeitalters an, wo das Christentum zu seinem Ende kommt und davon Abschied zu nehmen ist» (S. 9101).

Der mögliche Ort des Christentums liegt eben, was die Vergangenheit betrifft, nicht in der Geschichte, sondern in der Geschichte vor der Geschichte, in der Urgeschichte. Und nur unhistorische Begriffe, Maßstäbe und Beobachtungsmöglichkeiten könnten uns in den Stand setzen, dieses Christentum, das noch gar nicht Christentum in irgend einem historischen Sinn ist, zu verstehen, davon zu reden, und gar, es zu vertreten. «Christentum heißt nichts Anderes als Christus und der Glaube seiner Anhänger an ihn; es ist etwas Überzeitliches, zu Lebzeiten Jesu war es noch gar nicht da» (S. 28102). «Urgeschichtliche Probleme zu betreiben ist nur Forschern erlaubt, die in diesem Licht zu sehen vermögen – also Forschern mit Katzenaugen, die im Dunkeln sich zurechtfinden» (S. 20103). – Unmöglich ist da das beliebte historische Abstrahieren zwischen den Dingen und dem, was sie ins Dasein gerufen. Ein Beispiel: Eine neutestamentliche Schrift ernst nehmen heißt neben ihr von ihrem Verfasser nichts weiter (nichts «Zeitge|645schichtliches!») wissen. Und unmittelbare Unterhaltung mit dem Verfasser macht das Buch als sol11ches überflüssig, streicht es aus seinem historischen Dasein. Verfasser und Buch fallen in eins zusammen (S. 21–23104). Ein anderes Beispiel: Das Urchristentum hatte mit der Welt überhaupt den Sozialismus in sich, während unsre heutigen nachträglichen oder voraus genommenen Kombinationen von Christentum und Sozialismus nur verraten, dass uns die umfassenden zwingenden Möglichkeiten der Urgeschichte fehlen (S. 26–28105). – Unmöglich werden da die kurzschlüssigen historischen Erwägungen über das Verhältnis der Anfänge zu den Fortsetzungen. «Kann eine so passive Menschengestalt wie Jesus als Stifter von irgend etwas in der Welt (in der Geschichte) betrachtet werden? Ist nicht das Christentum ein historisches Gebilde, zu dessen Dimensionen die Gestalt Jesu gar kein Verhältnis mehr hat?» (S. 39106). «Der nach dem Tode Jesu auflebende Glaube des Paulus ist kein geringeres Wunder als der Glaube Jesu an sich selbst» (S. 62107). – Unmöglich werden da die üblichen historisch-psychologischen Werturteile. Sind doch z.B. die Ungleichartigkeiten zwischen Jesus und Franz von Assisi viel bemerkenswerter als die berühmten conformitates108: Einerseits «stellt Franz den Frieden, den das Christentum verkündigt, noch vollkommener in sich dar, als Jesus selber. Dieser verlangt Glauben an sich – eine schon an sich alle Friedfertigkeit ausschließende Forderung, die Besitz und Gebrauch von Gewalt zur Voraussetzung hat. Franz bringt Glauben nur dar und zeigt einen Zug von Liebenswürdigkeit, der Christus gar sehr fehlt». Andrerseits hieß «Christus nachfolgen, wie es der hl. Franz verstand, ihm gerade in dem nachfolgen, was das Christentum auf das Höchste erhebt und preist, und ihm nicht darin nachfolgen, womit Christus selbst außerhalb der Ideale des Christentums steht» (S. 39109). Worüber unsre neufranziskanischen Freunde110 einmal nachdenken |646 sollten! – Unmöglich wird da vor allem ein den vermeintlichen historischen Begriffen meist folgendes allzu schnellbereites Nachempfinden- und Anwendenwollen gegenüber den urgeschichtlichen Erscheinungen. Wer darf z.B. behaupten, Jesus zu begreifen, der nicht 12 den Punkt in sich findet, wo er sich mit Gott schlechthin eins fühlt? Und wer darf es wagen, das von sich zu behaupten? Wer sieht nicht, dass Jesus von der Annahme beherrscht war, in einer andern Welt könnte Grundvoraussetzung sein, was in der wirklichen Welt unmöglich ist, und dass Jesus gerade in den Forderungen, die sich auf diese Annahme aufbauen, am allerwenigsten als ein unklarer weltunerfahrener Phantast erscheint? Aber wer wagt es, ihm in dieser Annahme, die allein ihn begreiflich machen würde, im Ernst und mit ganzer Konsequenz zu folgen? (S. 47–49111). «Der Widerspruch der altchristlichen Eschatologie und der Zukunftsstimmung der Gegenwart ist ein fundamentaler» (S. 66112). «Es hilft nichts, sich zum Christentum zu bekennen und selber gerade entgegengesetzte Wege zu gehen» (S. 67113). «Die Forderung Mt. 18,3 allein hebt entweder die Weltmöglichkeit des Christentums auf oder dann die Kirche in der Welt aus den Angeln» (S. 64114). Wer alle diese üblichen Unmöglichkeiten als solche erkennt und dennoch einen Weg zur Urgeschichte, zu Jesus findet, nun, der möge ihn gehen – aber nicht zu rasch und nicht zu sicher!

Mit dem Moment, wo die Dinge aus ihrer unmittelbaren Beziehung auf die letzten Dinge hervortreten, wo die schlichte Verbindung von Jenseits und Diesseits aufhört, wo für uns eine andere als die absolut kritische Betrachtung der Dinge möglich wird, mit diesem dem Tode nur zu ähnlichen Moment beginnt die Verfallsgeschichte, die Kirchengeschichte. Overbeck trifft mit Zündel auch in dem Urteil merkwürdig überein, dass Paulus bereits wesentlich in dieser zweiten Epoche stehe.115 Immerhin gelte auch von Paulus, dass niemand ihn wirklich |647 verstanden habe, der heute noch seiner Ansicht sein zu können meint (S. 54116), und dass wichtige Merkmale des Urgeschichtlichen auch ihm nicht ganz fehlen (S. 55–63117). Die Kirchengeschichte aber «steht tatsächlich zwischen Leben und Tod und sie überwiegend im Lichte des einen oder andern zu betrachten, hängt lediglich an der Anlage und Willkür des betrachtenden Subjekts. Die Geschichte setzt ebenso sehr das Leben fort als sie den Tod 13 vorbereitet» (S. 21118). Jedenfalls hat das Christentum, nachdem die Parusieerwartung ihre Aktualität verloren hat, mit seiner Jugend sich selbst verloren; es ist etwas ganz anderes, es ist zu einer Religion, zu einer «ideologischen Gegendosis», müssten wir jetzt mit Bernoulli sagen, geworden. Und «die Religion teilt ihre Herkunft aus der Menschenwelt mit der Welt überhaupt» (S. 74119). Das Christentum aber will nicht Religion, nicht «Gegendosis» in irgend einem Sinn sein, ganz abgesehen davon, dass der Mensch einer solchen «Gegendosis» keineswegs bedürftig ist, wohl aber lebt und leben muss von seinem Wissen von den «letzten Dingen». Und das ist zweierlei.

Die Parallele zwischen der Overbeckschen und der Blumhardtschen Anschauungsweise ist zu deutlich für alle, die sehen können, als dass ein Nachweis oder eine Abgrenzung nötig wäre. Möchte die von diesen Anfragen von links und rechts in die Mitte genommene Theologie («Gott in der Geschichte»120) sich endlich entschließen, Antwort zu geben.

III.

Nicht wie Kierkegaard als Vertreter eines wahren Christentums im Gegensatz zu einem falschen erhebt Overbeck seine Anklage gegen das moderne Christentum (S. 279121). Er kann nicht genug versichern, dass er zu allem Christentum ohne Verhältnis sei. Er beansprucht für sich keinerlei religiöse Sendung. Er hält vom Glauben so wenig, dass |648 er nicht einmal sich selbst unter seinen Gläubigen findet! (S. 255122). Er will nur von dem reden, was er weiß. Er erwartet aber auch abgesehen von sich selbst keine Reformation, sondern «ein sanftes Verlöschen» des Christentums (S. 68123). Auf die pathologische Betrachtung aller, auch der reformatorischen religiösen Bestrebungen ist er zum vornherein eingestellt, aber auch das «ohne den Stachel eines ernsten Christen- und Religionshasses» (S. 289124). Aber wir unsrerseits wissen es aus seinen eigenen Worten, was es zu bedeuten hat, wenn er sich in dieser Weise «in die Luft» stellt. Eine positivere Position als den Felsenpfad zwischen den beiden Ab14gründen, den er geht, kann es ja gar nicht geben. Das verhaltene, das unterdrückte Pathos, mit dem er, aus letzter Sachkenntnis heraus, warnend zwischen den Scheinbund von Christentum und moderner Welt hineintritt, die so ganz und gar nicht «skeptische» Einsicht und Ehrfurcht und Eindringlichkeit, mit der er von den Dingen redet, die das verdienen, der aussichtslose und vor lauter Respekt vor der Sache gar nicht recht zum Ausbruch gekommene Kampf seines ganzen Lebens können im letzten Grunde gar nicht anders als eben als – «christlich», als ein Stück «Urgeschichte» aufgefasst werden. Es ist über diesem durch und durch kritischen Buch etwas von dem Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft [vgl. Phil. 4,7], gerade darum wohl, weil sein Verfasser es so gar nicht beabsichtigte.

Man wird auch darüber streiten können, ob Overbeck mehr daran gelegen war, das Christentum gegen die moderne Welt oder die Welt gegen das moderne Christentum zu schützen. Bernoulli scheint das letztere unterstreichen zu wollen. Overbeck tut Beides. Aber gerade wenn die Schilderung der Orientierung Overbecks am Schluss des Vorworts zutrifft, in der Bernoulli ihn «an der Schwelle metaphysischer Möglichkeiten» Wache halten lässt (S. XXXVI125), vor sich die humanitäre Kultur, hinter sich das «in der Geschichte Alles in Frage stellende Problem von fundamental rätselhafter Natur»: das Christentum (S. 7126) – eine Schilderung, bei der man an das faustische: «So |649 bleibe denn die Sonne mir im Rücken!»127 denken muss – gerade dann möchte man versucht sein, anders zu betonen als Bernoulli. Es ist – nicht das Christentum, aber das Elementare, Primäre, Transzendentale, Unmittelbar-Weltliche, die Parusieerwartung, die hinter dem Christentum steht, und nicht die humanitäre Kultur, von der dieser Theologe, der keiner sein wollte (S. 291128), herkommt. Wir hören aus seinem Reden heraus einen jeremianischen Zwang [vgl. Jer. 20,9], eine in ihrer fast völligen Dämpfung nur um so ergreifendere Bewegtheit und Teilnahme, die nicht von dieser Welt [vgl. Joh. 18,36] ist. Es genügt uns aber auch die trockenere Feststellung, dass er die Grenze zwischen hüben und 15 drüben (den Ursprung!) jedenfalls nicht als Zuschauer gehütet hat.

Das Wesen des «modernen» Christentums (es wollte von jeher «modern» sein!) ist darum ein Unwesen, weil in ihm die Spannung der Gegensätze in ein Gewohnheitsverhältnis verwandelt ist, das beiden Teilen, der Menschheit und dem Christentum, zum Verderben werden muss (S. 68129). Das Christentum ist darum eine so problematische Größe geworden, weil mit der «Kraft seines Offensivstoßes», den es einst gegen die Welt führte, auch sein Sieg über die Welt verloren ging (S. 65–66130), nicht aber sein unmöglicher Anspruch, den Menschen über sich selbst hinaus zu verweisen, der, seitdem er aus seiner urgeschichtlichen Epoche mit ihren besonderen Möglichkeiten herausgetreten ist, nur noch als «Todesweisheit» wirken kann (S. 69131 und 279132). Christentum und Welt haben sich seit der Auflösung ihrer unmittelbaren Einheit, die in der Parusieerwartung gegeben war, nie mehr verstehen können und werden sich nie mehr verstehen können. Nichts will das Christentum weniger als eine Geschichte in der Welt haben. «Wirkungen Jesu in der Geschichte» nahm das Christentum eben nicht in Aussicht. Ihm war «Geist» etwas sehr Anderes! (S. 68133). |650 Und nichts liegt der Gegenwart ferner als der Glaube an ein nahes Weltende. Das Christentum der Gegenwart «hat für die ganze Vorstellung der Wiederkehr Christi so wenig Raum mehr, daß es sie nicht einmal historisch als Eigentum des Urchristentums konzipieren kann oder sie wenigstens als quantité négligeable betrachten zu können meint» (S. 68134). «Ein moderner Hut! à la bonne heure, das mag ein der Mode unterworfener sein, aber modernes Christentum, damit muss es doch anders stehen? ... Wir mit unserm Urteil sind bei Troste, aber die moderne (uns umgebende) Welt ist es wohl nicht, die von modernem und historischem Christentum als ernst zu nehmenden Dingen redet» (S. 245135). Historisches Christentum («die religiöse Gemeinschaft, welche sich aus dem Evangelium als ihrem prähistorischen Embryo zur christlichen Kirche auswächst» S. 63136) ist eben ein Widerspruch in sich selber. «Hat das 16 Christentum eine neue Zeit herbeigeführt und ist in dieser Tatsache die christliche Zeitrechnung realiter begründet? Nein, denn es hat von einer neuen Zeit selbst ursprünglich nur unter einer Voraussetzung geredet, die nicht eingetroffen ist, der, daß die bestehende Welt untergehen und einer neuen Platz machen sollte. Dies ist einen Moment lang eine ernste Erwartung gewesen und ist als solche Erwartung auch immer wieder, aber nur flüchtig, aufgetaucht, nie aber eine Tatsache von historischer Permanenz geworden, welche allein die reale Grundlage zu einer durchschlagenden und den Tatsachen der Wirklichkeit entsprechenden Zeitrechnung hätte abgeben können. Die Welt ist es, die sich behauptet hat, nicht die christliche Erwartung von ihr, und so ist die vermeintliche christliche Epoche in ihr stets nur ein Gedankending geblieben» (S. 72137). «Das Christentum aller Zeitalter hat sich gleich unfähig erwiesen, einer universellen Botschaft an die Menschenwelt genug zu tun. Nur einzelnen hilft es und hat anders noch nie geholfen; in der Gemeinschaft herrschte zu allen Zeiten Durchschnittschristentum» (S. 268138). «Ein Außen kann ein Innen entbehren, ... dagegen unerträglich ist es, daß ein Innen ein falsches Außen habe, und das ist |651 der Fall des heutigen Christentums. Man darf sich nicht gegen sein Außen auf sein Innen berufen, wenn man es auch ohne jenes könnte. Jedenfalls aber braucht niemand darauf zu hören. ... Die modernen Innerlichen unter den Vertretern des Christentums sind seine besten Verräter» (S. 71139). Denn «die innerste und reale Not des Christentums in der Gegenwart sitzt in der Praxis: was das Christentum vor allem bedarf, um sich in der Welt noch zu behaupten, ist der Erweis seiner praktischen Durchführbarkeit im Leben» (S. 274140). «Unser Leben aber wird vom Christentum augenscheinlich nicht beherrscht. Daneben hat es wenig Interesse, zu erkunden, wie weit es etwa noch unsre zu Papier gebrachten Gedanken beherrschen mag. Das moderne Christentum selbst verrichtet nur Totengräberarbeit, indem es im Schweiße seines Angesichts die Kluft, die hier zwischen Theorie und Praxis besteht, erweitert. Es glättet nach Kräften an der christlichen Dog17matik, indem es sie dem modernen Denken konformiert. Damit tilgt es aber nur die letzten Spuren, die das Christentum noch im Leben hat. Was es erreicht, läuft lediglich ad majorem gloriam moderni heraus, aber ad detrimentum Christianismi» (S. 67141). «Es ist kein Wunder, daß die moderne Welt so sehr nach Orthodoxie lechzt und sich so wenig aus dem Pietismus macht, daß eine Dogmatik wie die Ritschls solchen Erfolg hatte, während die Rothesche so kläglich Schiffbruch litt. .... Der Modernität ist es vor allem darum zu tun, sich möglichst in der Illusion des Christentums zu erhalten; dazu ist aber, wie leicht zu begreifen, die Orthodoxie viel brauchbarer als der Pietismus» (S. 274142). «Im modernen Leben dürstet das Christentum nach dem Leben und insofern nach Pietismus, im modernen Christentum die Modernität nach Orthodoxie, denn mit dem Leben hat sie sich schon voll getrunken. Und so erhält im modernen Christentum das Christentum nichts zu trinken. Denn der Sitz seines Durstes ist ein ganz anderer als bei der Modernität. .... Sollte diese Tragikomödie wirklich Aussicht haben, noch lange sich vor der Welt abzuspielen?» (S. 275143). Und so ist «am Christentum das Interessanteste seine Ohn|652macht, die Tatsache, daß es die Welt nicht beherrschen kann» (S. 279144). Man denke an sein Verhältnis zum Sozialismus (S. 26–28145). Man denke daran, als ein wie elender Schutzwall es sich gegen die Gefahr des Nationalismus erwiesen hat (S. 257146). Man denke an die festliche Miene, welche die Ritschlsche Theologie höchst unbesehenerweise bei der Behandlung des Berufsbegriffs aufzusetzen pflegt (S. 278147 und 288148). Man denke (und bei diesem Nachweis geht Overbeck nun seinerseits mit einer gewissen «festlichen» Aufmerksamkeit ans Werk!) an die Religion Bismarcks (S. 148–159149), der das großartigste Beispiel ist dafür, wie die Welt sich unter dem lauten Beifall der Vertreter der Religion mit ihr – a-abfindet. Eben darum ist Bismarck der-a berufenste Verkünder ihrer Entbehrlichkeit für alle irdische Wirksamkeit. Er hatte Religion lediglich, um sich die Hände frei zu machen für seine weltliche Aufgabe. Für das Rätsel, das sie lösen will, hatte er keine 18 Zeit. Was ihn beruhigte, war alles, was er verlangte. Seine Religion saß im Boden seines Selbstgefühls, im übrigen ein Ding, das er auf die Dimensionen eines Privatspielzeugs reduziert hatte und jederzeit beiseite legen konnte. Aber dass er damit noch spielen konnte und gelegentlich einen christlichen Einfall hatte, genügte, um ihn bei den modernen Advokaten des Christentums zum Christen, ja zum Musterchristen zu machen (ihn neben Jesus, Franziskus und Luther in die Galerie der «Klassiker unsrer Religion» zu hängen, könnten wir nach seitherigen Erfahrungen noch ergänzen!150). So ist das Christentum heute jedem Machthaber preisgege|653ben, selber zur Machtanbetung geworden! So billig ist heute die Kanonisierung im christlichen Himmel! Aber für die historische Existenz der modernen Theologie hat gerade dieser Mann mehr getan als Ritschl und Harnack! Und diesem Christentum sollte etwas anderes bevorstehen als ein «sanftes Verlöschen»?

Wieder erinnern wir uns des Angriffs auf die Christenheit, den einst die Männer von Möttlingen und Bad Boll151 unter den gleichen zentralen Gesichtspunkten (Wiederkunftserwartung, Frage nach den realen Kräften des Reiches Gottes, Überwindung des religiösen Subjektivismus) geführt haben. Wir übersehen die Differenzen nicht. Die historisch-psychologischen Wirklichkeitsfreunde und vermeintlichen Overbeckkenner152 in Basel mögen sich beruhigen. Der größern Schärfe der Beobachtung und des Gedankens auf Seiten Overbecks entspricht die größere Liebe, Begeisterung und Zeugnisfreudigkeit auf Seiten Blumhardts. Aber Overbeck war auch nicht ohne das heilige Feuer und Blumhardt war auch nicht ohne Erkenntnis. In der Sache, und das allein ist wichtig, ist der geführte Angriff derselbe hier und dort. Eben sachlich aber hat sich die Theologie mit diesem doppelten Angriff auf ihren Gegenstand noch nicht auseinandergesetzt.

IV.

Der dritte Protest Overbecks richtet sich direkt gegen sie selbst, gegen die heute noch in Deutschland und der Schweiz (und wo 19 nicht?) Kanzel und Katheder tatsächlich beherrschende Theologie positiver oder liberaler Färbung. Denn «modern» sind sie ja alle. Ich gestehe, dass ich nicht ganz mit mir einig bin über das, was ich stärker empfinde: das Gefühl schwer zu unterdrückenden Beifalls angesichts der kräftigen polemischen Speise, die da gebotenb wird – oder das andere Gefühl, es wäre um der Sache willen nützlicher gewesen, eine Anzahl von diesen köstlichen Sprüchen über Menschen und Zustände nicht |654 zu veröffentlichen. Der «mit alphabetischen Zeddeln prall gefüllte Trog»153 des Overbeckschen Nachlasses, von dem das Vorwort S. XX154 berichtet, soll ja nach zuverlässigen Nachrichten noch ganz andre Dinge in dieser Hinsicht enthalten. Bernoulli wird also zu seiner Rechtfertigung sagen können, dass er sich bereits in weitgehendem Maße Askese auferlegt habe. Ich denke aber an das, was Overbeck selbst (S. 3f.155) über die Misslichkeit, ja Unmöglichkeit aller Gegenwartsgeschichtsschreibung sagt. Ich denke an das vortreffliche Wort: «Zu jüngsten Richtern sind Menschen untereinander nicht berufen» (S. 250156). Nun, wenn z.B. das, was S. 159–180157 unter dem Titel «Albrecht Ritschl als theologisches Schulhaupt» oder S. 198–241158 unter dem Titel «Adolf Harnack. Ein Lexikon» zu lesen ist, keine jüngsten Gerichte sind, dann weiß ich nicht mehr, was noch so zu heißen verdient. Die Diana von Ephesus [vgl. Act. 19,24–40] wird ja doch nur durch Unterhöhlung von innen und von unten zu Fall gebracht werden, während solche Argumentationen ad hominem, in denen uns die Andern ja doch über sind, unserem psychologistischen Zeitalter allzu breite Angriffsflächen bieten, als dass die Belehrung, die man dabei beabsichtigt, durchdränge. Nach Erhebung dieses taktischen Bedenkens wenden wir uns noch einmal zur Sache.

Was heißt Theologie? «Der Satan der Religion» (S. 13159), «weltklug gewordenes Christentum» (S. 124160) antwortet Overbeck, «der ­Versuch, der Welt das Christentum unter der ausdrücklich heilig gesprochenen Hülle der modernen Kultur aufzudrängen unter Unsichtbarmachung, ja Verleugnung seines aske20tischen Grundcharakters» (S. 125161), «der zu Gunsten der Religion geführte aussichtslose |655 Ringkampf mit gewissen Urwahrheiten, welche die letzten Probleme unsres Daseins, die Schwierigkeiten der Bedingungen, unter denen die Menschen leben, uns gar zu rücksichtslos aufdecken» (S. 13162). Ihr Typus: der Abbé im französischen Salon des 18. Jahrhunderts (S. 125163 und 198164). Ihr schärfster Gegensatz: Blaise Pascal, der die Karikatur nicht scheuende, das Unmögliche unternehmende «Ritter der Wahrhaftigkeit» (S. 126–134165). Also ihr Wesen: Jesuitismus,  das klassische Erzeugnis der Notlage der Kirche (S. 122166). Nicht das ist das schlimmste Vergehen der Jesuiten, dass sie die Moral, dieses fragwürdigste aller unter Menschen bestehenden Gebilde, in Frage stellen, sondern die von ihnen unternommene Sublimierung und Raffinierung und Akkommodierung des Christentums, in der der katholische vom protestantischen Jesuitismus, insbesondere in Form der modernen Theologie, weit übertroffen worden ist (S. 123–125167). Durch dieses Tun sind die Theologen «die ausgezeichneten Verräter ihrer Sache» geworden (S. 236168). «Meinen die modernen Theologen wirklich, uns mit ihrem absurden Wahn, das Christentum habe an seiner grenzenlosen Wandelbarkeit die beste Gewähr seines Fortbestandes, noch länger hinhalten zu können?» (S. 138169). «Moses, Christus, Paulus und Luther bleiben auch bei diesen modernen Theologen und in ihrer Auffassung der Weltgeschichte die Dekorationsstücke, die bei öffentlichen Produktionen herauszustecken sich empfiehlt. Darin sind auch die modernen Theologen altgläubig geblieben. Aber im Grund ihres Herzens sind sie die besten Neugläubigen und ihr Meister ist Bismarck geworden» (S. 155170). «Man hat im Grunde mit dem Christentum wenig zu tun, aber eben darum doch einen beson|656deren Stachel dazu, etwas damit anzufangen» (S. 278171). «Der Zeus am Götterhimmel dieser Priestergesellschaft heißt die Gegenwart. Der moderne Mensch ist das Wesen, auf das die Blicke unverwandt gerichtet sind» (S. 218172). «Auf keinen Fall sind Theologen etwa einfache Christen, Menschen, deren Verhältnis zum Christentum ein einfaches, un21zweideutiges ist» (S. 273173). Zwar, sie meinen «Gott täglich im Sack zu haben» (S. 268174), sie erlauben sich, mit Gott und der Seele zu «spielen wie Kinder mit ihren Puppen, mit derselben Sicherheit über ihr Eigentums- und Verfügungsrecht darüber», sie leben der naiven Zuversicht, «es lasse sich für Menschen mit Gott und in seinem Namen Alles machen, mit ihm finde man sich vollkommen in der Welt zurecht, man fahre mit ihm am Besten» (S. 267175). Aber die bloße Existenz dieser Diener des Christentums hat ja die Existenz einer Welt neben und außer dem Christentum zur Voraussetzung. «Sie sind im günstigsten Fall Unterhändler des Christentums mit dieser Welt und eben darum traut ihnen auch niemand recht über den Weg... Immer bleibt es dabei, daß sie Unterhändler sind – eine Menschensorte, die ein begründetes Vorurteil gegen sich hat – dann aber auch dabei, daß das Christentum selbst Unterhändler verschmäht, und, da es in seinen Ansprüchen absolut ist, keine Welt neben sich anerkennt.» Und so müssen denn die Theologen die schmerzliche Erfahrung machen, dass man die Dienste, die sie anbieten zu können meinen, mit verbindlichstem Danke annimmt, «ohne darum den Grundschaden dieser Dienste zu übersehen, daß sie nämlich aus derselben Ecke einer nur relativen Schätzung des Christentums kommen, in der man gemeinhin selbst steht und aus der man sich heraushelfen lassen möchte. Daß uns aber diesen Dienst ein Anderer leistet, der in der allgemeinen Not nur unsres Gleichen ist, zieht begreiflicher Weise eine sehr gebrechliche Erkenntlichkeit nach sich. ... Man kann die Theologen die Figaros des Christentums nennen. Auf jeden Fall sind die modernen die höchst anstelligen und brauchbaren, aber auch höchst unzuverlässigen Faktoten desselben. Das ist’s, was im Grunde ihres Herzens |657 alle ehrlichen Pietisten von ihnen denken» (S. 273–274176). Und ebenso bedenklich ist ihre Stellung vom Standpunkt der Kultur aus betrachtet; denn «Bildungsphilister sind Menschen, die für Bildung wohl passioniert sind, aber keinen Beruf dazu haben, wohl gebildet sein möchten, der Bildung indessen nur mit halbem Herzen und gewissermaßen nur an22standshalber anhängen. Und eben darum sind Theologen die geborenen Bildungsphilister aller Zeiten, nicht nur des heutigen Tages. Am Christentum, mit dem sie geboren sind, oder das ihnen anerzogen ist, schleppen sie beständig den Dämpfer mit sich, der sich auf alle ihre Bildungsaspirationen legt. Ihre Bildung ist dabei die Bildung mit schlechtem Gewissen» (S. 270–271177). Offener könnten wohl unsre fatalsten Berufsgeheimnisse nicht ausgesprochen werden. Man braucht nur in Zündels Jesusbuch die Schilderungen der Pharisäer und Schriftgelehrten nachzulesen178, um der Parallele auch hier gewahr zu werden. Wie wuchtig Overbeck die Möglichkeit der heute dominierenden Theologie (und das heißt für ihn ihre Christlichkeit) in Frage stellt und mit welchem Ernst er sie, sich selbst fortwährend einbeziehend, verneint, wird aus den bisherigen Anführungen deutlich geworden sein. Ich habe mir dabei meinerseits Askese auferlegt. Die Theologie ist die Antwort auch auf diese Anfrage, die schon 1873179 an sie gestellt war, bis jetzt schuldig geblieben.

Man fragt sich natürlich zum Schluss, ob Overbeck allenfalls eine andere, bessere Theologie für möglich gehalten hat. Sein Herausgeber wird diese Frage rundweg verneinen und kann sich darauf berufen, dass Overbeck selbst jedenfalls für seine Person diese Möglichkeit auf das Resoluteste in Abrede gestellt hat: «Ich denke nicht daran, die Theologie zu reformieren. Ich bekenne ihre Nichtigkeit schon an und für sich und bestreite nicht nur ihre zeitweilige komplette Baufälligkeit und ihre Fundamente» (S. 291180). Finis christianismi! lautet ja die prophetische Drohung, um wie viel mehr finis theologiae! Aber der Mann, der vom Tode so tiefsinnig redete, muss auch mit diesem finis |658 irgendwie einen fruchtbaren, lebendigen, ursprünglichen Begriff verbunden haben. Jenseits der schlechthinigen Frage muss eine Antwort, jenseits der Nichtigkeit ein neuer Anfang, jenseits der Wüste, in die wir gewiesen werden, ein gelobtes Land sein. Schon die Tatsache, die den zuschauenden Zeitgenossen so viel zu reden gegeben hat und die in der Tat, wenigstens in 23 diesem Buch, weder Overbeck noch sein Herausgeber glaubwürdig zu deuten weiß, die banale Tatsache, dass Overbeck selbst nie etwas anderes gewesen ist als eben – Theologe, kann für die Deutung jener resoluten Abrede nicht ohne Bedeutung sein. Overbeck ihm selbst zum Trotz einen «Theologos zum Himmelreich und zur Welt gelehrt»181 zu nennen, wie das an seinem Grabe von einem weltlichen Kollegen geschehen ist, dürfte allerdings, historisch-psychologisch betrachtet, eine Prolepse sein, sachlich betrachtet, eine vielleicht nicht so üble Weissagung. Die Letzten könnten noch einmal die Ersten sein [vgl. Mt. 19,30; 20,16 par.]. Ein Theologe, der gerade nicht Theologe sein will, könnte möglicherweise, wenn das Unmögliche möglich werden sollte, ein sehr guter Theologe sein. Overbeck selbst schreibt einige Zeilen nach jener Abrede: «Theologie wird so gut wie sonst etwas, das besteht, zu etwas gut sein oder gewesen sein. Warum nicht z.B. zur Sicherstellung der Grenzen der Humanität, zu unsrer endgültigen und radikalen Befreiung von aller Deisidämonie, von aller transzendenten Überweltlichkeit» (S. 292182). Nun das sind, Wort für Wort gewichtig genommen, sehr zentrale und noch nicht ganz erledigte Dinge, angesichts derer man über das «gut gewesen sein» vielleicht hinweglesen darf. Einige weitere, dem Verfasser fast unwillkürlich entschlüpfende Äußerungen über eine allenfalls mögliche einsichtigere und umsichtigere Theologie sollen darum in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. «Die religiösen Probleme sind (gegenüber dem Antagonismus von |659 Katholizismus und Protestantismus) auf ganz neue Grundlagen zu stellen, eventuell auf Kosten dessen, was bisher Religion geheißen hat» (S. 270183). «Anders als mit Verwegenheit ist Theologie nicht wieder zu gründen» (S. 16184). «Das junge Christentum ist das der Erfahrung seines Alters noch entbehrende Christentum und eben darum auch durch keine Theologie mehr zu retten, die sich nicht entweder aller historischen, wissenschaftlichen oder aller theologischen Ansprüche begibt» (S. 8185). «Nur ein heroisches, jeder Zeit gegenüber sich auf sich selbst stellendes Christentum 24 kann dem Schicksal der Jesuitierung entgehen» (S. 126186). «Wer das Christentum zu vertreten hat, hat eben darum nicht ‹die Wahrheit› zu vertreten, er sei denn unerschütterlich überzeugt und zeige sich auch so, daß beides identisch» (S. 268187). Die bei der historischen Begründung des Christentums «beabsichtigte Darstellung wird sich nie anders als aus dem Herzen der Sache selbst, dem unhistorischen Christentum abfassen lassen» (S. 9–10188). Sollte es nicht der Mühe wert sein, der böswilligen Behauptung, die Theologen seien «die Dümmlinge der menschlichen Gesellschaft», ernstlicher als Ritschl es getan, nachzudenken, vielleicht mit dem Ergebnis, dass «die behauptete Dummheit gar kein so unbedingtes Unglück und die Theologen mit ihr ein notwendiger und als notwendig geschätzter Ballast in der menschlichen Gesellschaft seien»? (S. 173[f.]189). «Der ewige Bestand des Christentums läßt sich auch nur sub specie aeterni vertreten, d.h. von einem Standpunkt aus, der von Zeit und dem unter sie fallenden Gegensatz von Jugend und Alter nichts weiß» (S. 70190). ˹«Die Religion bringt uns weniger Kunde von Gott (wo haben wir die?) als daß sie uns dessen vergewissern will, Gott kenne uns. Auch könnte uns das Kennen Gottes unsrerseits an sich nichts helfen, soweit wir uns hilfsbedürftig fühlen; auf sein Bekanntsein mit uns käme dabei doch Alles an» (S. 266191).˺c

660 Wer solche Gesichtspunkte aufstellen kann, hat jedenfalls, auch wenn er selber sie nicht weiter verfolgte, als Theologe noch etwas Anderes gewollt, als «der Kultur über die Theologie Bescheid sagen», wie der Herausgeber sich S. X192 ausdrückt.

Aber wir möchten alle nach positiven Ergebnissen und Anweisungen Lüsternen eindringlich warnen, sie möchten in der Richtung der von Overbeck selbst aufgestellten, aber nicht benützten Gesichtspunkte nicht allzu eilfertig vorgehen, geschweige denn meinen, das gelobte Land werde morgen oder gar heute schon erreicht sein. Zunächst gilt es nun einmal die Wüstenwanderung wirklich anzutreten. Es könnte sonst neues Unheil und neue Enttäuschung entstehen. Denn um zu große Dinge 25 handelt es sich bei dem verwegenen Unternehmen, als Theologe durch die enge Pforte [vgl. Mt. 7,13 par.] der Overbeckschen Negation hindurch zu gehen, auch dann, wenn wir von dem Blumhardtschen Ja, das die andre Seite des Overbeckschen Nein ist, Einiges zu wissen meinen. Es hatte seine guten Gründe und wir sind Overbeck direkt dankbar dafür, dass er selbst auf den Versuch, hindurch zu gehen, verzichtet hat. Eine Theologie, die es wagen wollte – Eschatologie zu werden, wäre nicht nur eine neue Theologie, sondern zugleich ein neues Christentum, ja ein neues Wesen, selber schon ein Stück von den «letzten Dingen», turmhoch über der Reformation und allen «religiösen» Bewegungen. Wer es wagen wollte, an diesem Turm zu bauen, würde wohl daran tun, zuvor zu sitzen und die Kosten zu überschlagen [vgl. Lk. 14,28]. Zunächst wird es für uns alle, und je mehr wir uns unter dem Eindruck der Zeitereignisse zu Entscheidungen und Durchbrüchen gedrängt fühlen um so mehr, das Beste sein, vor jener engen Pforte einmal erschrocken und ehrfürchtig und ohne Geschrei nach positiven Vorschlägen stehen zu bleiben, zu begreifen, um was es sich handelt, einzusehen, dass uns aus dem Unmöglichen nur das Unmögliche retten kann. Die Frage nach der praktischen Bedeutung der «letzten Dinge», die Frage nach den Einsichten und Möglichkeiten, die niemand sich nehmen kann, sie werden ihm denn gegeben von oben [vgl. Joh. 3,27], die Frage nach den Voraussetzungen aufgeworfen und – wie es sich jetzt geziemt – nur leise beantwortet zu haben, ist das Verdienst Overbecks, für das wahrscheinlich im Himmel großes Verständnis vorhanden ist.

661 Wir aber lassen uns das gewaltige Halt!, das uns dieser Tote gebietet, gefallen und lassen es uns doch nicht nehmen, an das Unmögliche zu glauben, ohne zu schauen [vgl. 2.Kor. 5,7]: dass dieses Halt! das letzte Wort «an der Schwelle metaphysischer Möglichkeiten» nicht sein wird.

Σπείρεται ἐν φθορᾷ, ἐγείρεται ἐν ἀφθαρσίᾳ· σπείρεται ἐν ἀτιμίᾳ, ἐγείρεται ἐν δόξῃ· σπείρεται ἐν ἀσθενείᾳ, ἐγείρεται ἐν δυνάμει·

1.Kor. 15,42–43

Textkritische Fußnoten

a-a
1. Abdruck (1920) 📖: «abfindet, eben darum der».↩
b
1. Abdruck (1920) 📖: «da dem Volk in der Einöde (Ps. 74,14) geboten».↩
c
Zusatz des 2. Abdrucks (1928) 📖. ↩

Sachfußnoten

1
Fr. Overbeck: Christentum und Kultur. Gedanken und Anmerkungen zur modernen Theologie, aus dem Nachlass hrsg. von C. A. Bernoulli, Basel 1919 📖.↩
2
Bw.Th. I, S. 364. 📖↩
3
KBA 9320.11.↩
4
H. Fr. Amsler und B. Pfister waren Pfarrer in Bern.↩
5
KBA 9220.4.↩
6
KBA 9320.22.↩
7
= aus Trotz, erst recht.↩
8
KBA 9220.5.↩
9
Vgl. Bw.Th. I, S. 365 📖.↩
10
KBA 9320.33.↩
11
Bw.Th. I, S. 371f. 📖↩
12
KBA 9220.10↩
13
Bw.Th. I, S. 373. 📖↩
14
Bw.Th. I, S. 374.↩
15
KBA 9320.124.↩
16
In den «Neuen Wegen» erschien zu Overbeck kein Artikel von A. Jäggli, wohl aber eine mit H. B. (Hans Bader?) gezeichnete Rezension (Jg. 14 [1920], S. 369–372 📖).↩
17
KBA 9320.147.↩
18
Bw.Th. I, S. 399. 📖↩
19
Bw.Th. I, S. 388. 📖↩
20
KBA 9320.183. Vgl. V.u.kl.A. 1922-1925, S. 58–64, bes. S. 61f. 📖↩
21
= nach.↩
22
KBA 9320.184.↩
23
KBA 9220.33.↩
24
Brief vom 4.7.1920 (KBA 9320.195).↩
25
KBA 9220.34.↩
26
Brief vom 21.7.1920 (KBA 9320.213).↩
27
E. Thurneysen, Die enge Pforte, in: K. Barth/E. Thurneysen, Zur inneren Lage des Christentums. Eine Buchanzeige und eine Predigt, München 1920, S. 25–36, dort S. 35 📖: «Es braucht gerade das, was wir heute so tief beklagen möchten: den Bankerott der Kirche, das an die Wandgepreßtsein des ‹Christentums›, den Stillstand unserer Missions-, unserer Vereins- und Liebeswerke, den Zusammenbruch unsrer Lebensreformen, das Misslingen unsrer Weltallianzen, damit endlich wir selber stillestehen vor Gott, damit es endlich in unsre Ohren kommen kann, was er geredet hat: ‹Ich bins, der Gerechtigkeit lehrt und ein Meister ist, zu helfen. [Jes. 63,1] Ich trete die Kelter allein und ist niemand unter den Völkern mit mir.› [Jes. 63,3]» Dieses Zitat spielt auch sonst in der Kritik der Broschüre eine prominente Rolle.↩
28
Siehe H. Barth, Gotteserkenntnis, a.a.O. 📖 (s. oben S. 551, Anm. 29).↩
29
= ziellos, umständlich, wichtigtuerisch reden.↩
30
WA 45,396,1f. 📖; vgl. Römerbrief 2, S. 213, Anm. 17 📖.↩
31
Vgl. Bw.Th. I, S. 400–402.413f. 📖↩
32
Brief von K. Barth an G. Ludwig vom 23.7.1920 (KBA 9220.39).↩
33
Siehe unten S. 662–701↩
34
KBA 9220.45.↩
35
Siehe unten S. 653.↩
36
P. Walser, Franz Overbeck: Christentum und Kultur, in: KBRS, Jg. 35 (1920), S. 71f.75f. 📖↩
37
E. Vischer, Overbeck und die Theologen, in: KBRS, Jg. 35 (1920), S. 122–124.125–127 📖.↩
38
A.a.O., S. 122 📖.↩
39
A.a.O., S. 126 📖.↩
40
Ebd. 📖↩
41
A.a.O., S. 127 📖.↩
42
H. Baur, Selbstkritik oder Selbstzerfleischung?, in: Schweizerisches Protestantenblatt, Jg. 43 (1920), Nr. 35 vom 28.8.1920, S. 275–277, dort S. 277 📖.↩
43
A.a.O., S. 276f. 📖↩
44
A.a.O., S. 277 📖.↩
45
Dr. M-l (d.i. Lic. Dr. Franz Merkel, Halle), Religiöse Fragen der Gegenwart, in: Münchner Neueste Nachrichten vom 7.12.1920 📖.↩
46
J. Breitenstein, Rezension von K. Barth/E. Thurneysen: Zur inneren Lage des Christentums, in: La Semaine religieuse de Genève. Journal évangélique protestant, Jg. 68, Nr. 47 vom 20.11.1920, S. 194 📖.↩
47
So Barth in seiner ersten Reaktion auf die Rezension: Bw.Th. I, S. 455f. 📖↩
48
W. Köhler, Rezension von K. Barth/E. Thurneysen: Zur inneren Lage des Christentums, in: BN, Jg. 76, Nr. 555 vom 28.12.1920, S. [4] 📖.↩
49
Als Quelle ist auf dem Zeitungs- oder Zeitschriftenausschnitt in Barths Sammlung von Rezensionen (KBA 1780) «Prot. Bücherschau, Januar 1921» angegeben. Aus welcher Publikation er stammt, ist nicht geklärt.↩
50
Monatsschrift für Pastoraltheologie, Jg. 17 (1920/21), 9. Heft, Juni 1921, S. 236 📖.↩
51
Vgl. Römerbrief 2, S. 33 📖.↩
52
Deutsche Katholikenzeitung. Organ für Religion und Kirchenpolitik, Jg. 5 (1921), Nr. 27 vom 2.7.1921, S. [7f.] 📖.↩
53
KBA 9220.58.↩
*
Christentum und Kultur. Gedanken und Anmerkungen zur modernen Theologie von Franz Overbeck, weiland Doktor der Theologie und Professor der Kirchengeschichte an der Universität Basel. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Carl Albrecht Bernoulli. Basel, Benno Schwabe & Co., Verlag 1919. XXXVI und 300 S. 16 Fr. 📖↩
54
Vgl. K. Barth, Die protestantische Theologie im 19. Jahrhundert. Ihre Vorgeschichte und ihre Geschichte, Zürich 19946, S. 589f. 📖↩
55
Fr. Overbeck, Über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie. Streit- und Friedensschrift, Leipzig 1873; Leipzig 1903 📖2; OWN 1, S. 155–318 📖. ↩
56
OWN 6/1, S. 31 📖.↩
57
W. Weressajew, Bekenntnisse eines Arztes, übers. von H. Johannson, Stuttgart 1902 📖. Der russische Arzt Wikenti W. Smidowitsch veröffentlichte unter dem Namen «W. Weressajew» seine autobiographischen «Bekenntnisse eines Arztes». Die «Offenheit, alles zu verraten, was der Arzt durchlebe», riefen einen «Sturm der Entrüstung» hervor (a.a.O., S. 13).↩
58
OWN 6/1, S. 15 📖.↩
59
OWN 6/1, S. 31 📖.↩
60
Vgl. J. W. von Goethe, West-östlicher Divan, «Einlass» 📖: «Denn ich bin ein Mensch gewesen, / Und das heißt ein Kämpfer sein».↩
61
OWN 6/1, S. 52–60 📖.↩
62
OWN 6/1, S. 327–339 📖.↩
63
OWN 6/1, S. 33–110 📖.↩
64
OWN 6/1, S. 52–54 📖.↩
65
OWN 6/1, S. 336 📖.↩
66
OWN 6/1, S. 332 📖.↩
67
OWN 6/1, S. 339 📖.↩
68
OWN 6/1, S. 282 📖.↩
69
OWN 6/1, S. 80 📖.↩
70
OWN 6/1, S. 38 📖.↩
71
OWN 6/1, S. 24 📖.↩
72
OWN 6/1, S. 281 📖.↩
73
OWN 6/1, S. 62 📖.↩
74
OWN 6/1, S. 288 📖.↩
75
OWN 6/1, S. 289 📖.↩
76
OWN 6/1, S. 171 📖.↩
77
OWN 6/1, S. 24 📖.↩
78
OWN 6/1, S. 336 📖.↩
79
OWN 6/1, S. 287 📖.↩
80
OWN 6/1, S. 218 📖.↩
81
OWN 6/1, S. 110 📖.↩
82
OWN 6/1, S. 325 📖.↩
83
OWN 6/1, S. 215 📖.↩
84
OWN 6/1, S. 325 📖.↩
85
OWN 6/1, S. 15 📖.↩
86
S. XVIIf.; OWN 6/1, S. 15 📖.↩
87
OWN 6/1, S. 62–64 📖.↩
88
OWN 6/1, S. 288f. 📖↩
89
Vgl. die Darlegungen des Sokrates in Platons Phaedon (64a-68b) 📖 über das Verhältnis des Philosophen zum Tod und dazu die Ausführungen von Heinrich Barth, Die Seele in der Philosophie Platons, Tübingen 1921, S. 154–159, bes. S. 157 📖, wo H. Barth 1.Kor. 15,36 («Was du säest, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt») zitiert und dann fortfährt: «Diese Erkenntnis von dem ‹Stirb und Werde!› steht uns in enger Beziehung zur Unsterblichkeitslehre des Phaedo. Denn das Denken der Idee wird als ein Sterben erkannt, während die höchste Idee gleichzeitig die Idee des Lebens ist.»↩
90
Troeltsch hielt 1911 bei der Christlichen Studentenkonferenz in Aarau den Vortrag Die Bedeutung der Geschichtlichkeit Jesu für den Glauben, abgedruckt in: Die XV. Christliche Studenten-Konferenz. Aarau 1911. Den 13. bis 15. März, Bern 1911, S. 85–112 📖; separat Tübingen 1911 📖; wieder abgedruckt in: E. Troeltsch, Die Absolutheit des Christentums und zwei Schriften zur Theologie (Gütersloher Taschenbücher Siebenstern 138), Güterloh 19852, S. 132–162; vgl. bes. S. 88.93 (S. 6f.15f. bzw. S. 135f.141) 📖.↩
91
OWN 6/1, S. 282 📖.↩
92
OWN 6/1, S. 42 📖.↩
93
OWN 6/1, S. 17 📖; dort «Geschichtsschreibung» (wie im Erstdruck von Christentum und Kultur).↩
94
OWN 6/1, S. 39 📖.↩
95
OWN 6/1, S. 284 📖.↩
96
OWN 6/1, S. 305 📖.↩
97
OWN 6/1, S. 51 📖.↩
98
­OWN 6/1, S. 305f. 📖↩
99
­OWN 6/1, S. 40 📖.↩
100
OWN 6/1, S. 104 📖.↩
101
OWN 6/1, S. 41 📖.↩
102
OWN 6/1, S. 61 📖.↩
103
OWN 6/1, S. 53 📖.↩
104
OWN 6/1, S. 54f. 📖↩
105
OWN 6/1, S. 58–60 📖.↩
106
OWN 6/1, S. 71 📖.↩
107
OWN 6/1, S. 95 📖.↩
108
Vgl. Bartholomaeus de Pisa, De conformitate vitae B. Francisci ad vitam Domini Iesu (Analecta Franciscana 4 und 5), Quaracchi 1906 und 1912 📖.↩
109
OWN 6/1, S. 72 📖.↩
110
Barth denkt außer an die Leser von P. Sabatier (s. oben S. 127, Anm. 1) wohl vor allem an Eberhard Vischers Einführung zu Das Leben des heiligen Franziskus von Assisi beschrieben durch den Bruder Thomas von Celano, ­übersetzt von Ph. Schmidt, Basel 1919, S. V­-XV 📖.↩
111
OWN 6/1, S. 80 📖-82.↩
112
OWN 6/1, S. 99 📖.↩
113
OWN 6/1, S. 100 📖.↩
114
OWN 6/1, S. 97 📖.↩
115
Vgl. Fr. Zündel, Aus der Apostelzeit, Zürich 1886, bes. S. 214 📖: «hier beginnt im speziellen unsere Geschichte».↩
116
OWN 6/1, S. 87 📖.↩
117
OWN 6/1, S. 87–96 📖.↩
118
OWN 6/1, S. 54 📖.↩
119
OWN 6/1, S. 107 📖.↩
120
Vgl. S. 18; OWN 6/1, S. 50 📖.↩
121
OWN 6/1, S. 318 📖.↩
122
OWN 6/1, S. 295 📖.↩
123
OWN 6/1, S. 101 📖.↩
124
OWN 6/1, S. 328 📖.↩
125
OWN 6/1, S. 31 📖.↩
126
OWN 6/1, S. 39 📖.↩
127
J. W. von Goethe, Faust II, V. 4715 (1. Akt, Anmutige Gegend) 📖.↩
128
OWN 6/1, S. 330 📖.↩
129
OWN 6/1, S. 101 📖.↩
130
OWN 6/1, S. 98 📖.↩
131
Wahrscheinlich wollte Barth nicht auf S. 69, sondern auf S. 66 (OWN 6/1, S. 99 📖) verweisen, wie ein Vermerk in seinem Exemplar auf S. 279 zeigt.↩
132
OWN 6/1, S. 318 📖.↩
133
OWN 6/1, S. 101 📖.↩
134
OWN 6/1, S. 100 📖.↩
135
OWN 6/1, S. 285 📖.↩
136
OWN 6/1, S. 96 📖.↩
137
OWN 6/1, S. 105 📖.↩
138
OWN 6/1, S. 307 📖.↩
139
OWN 6/1, S. 104 📖.↩
140
OWN 6/1, S. 314 📖.↩
141
OWN 6/1, S. 100 📖.↩
142
OWN 6/1, S. 313f. 📖↩
143
OWN 6/1, S. 314 📖.↩
144
OWN 6/1, S. 318 📖.↩
145
OWN 6/1, S. 58–60 📖.↩
146
OWN 6/1, S. 297 📖.↩
147
OWN 6/1, S. 317 📖.↩
148
OWN 6/1, S. 327f. 📖↩
149
OWN 6/1, S. 183–194 📖.↩
150
In der Reihe «Klassiker der Religion» erschien 1922 als Band 16 O. Baumgarten, Bismarcks Religion. 📖 Vermutlich wusste Barth aus einer Anzeige des Verlages Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, in den die «Klassiker» 1919 mit Band 14/15 übergegangen waren, dass dieser Band für die Fortsetzung der Reihe geplant war, in der zuvor 1912 als Band 1 «Jesus» und 1917 als Band 10/11 «Luther» – jedoch kein «Franziskus» – erschienen war.↩
151
Scil. Johann Christoph und Christoph Blumhardt.↩
152
Eberhard Vischer und Ernst Staehelin, vgl. Römerbrief 2, S. 7 📖. Zu Vischers kritischer Beschäftigung mit Overbeck vgl. E. Vischer, Overbeck und die Theologen, in: KBRS, Jg. 35 (1920), S. 122–124.125–127, dort S. 127 📖.↩
153
Bernoulli schreibt «Zetteln». Barth setzt dafür die von ihm auch sonst gern gebrauchte mundartliche Form «Zeddeln».↩
154
OWN 6/1, S. 16 📖.↩
155
OWN 6/1, S. 35–42 📖.↩
156
OWN 6/1, S. 290 📖.↩
157
OWN 6/1, S. 194–215 📖.↩
158
OWN 6/1, S. 234–280 📖.↩
159
OWN 6/1, S. 46 📖.↩
160
OWN 6/1, S. 159 📖.↩
161
S. 125; OWN 6/1, S. 160 📖: «In ihr [scil. der modernen Theologie des Protestantismus] wird der absurde Gedanke verfolgt, das Christentum unter der ausdrücklich heilig gesprochenen Hülle der modernen Kultur der Welt aufzudrängen. Die moderne Welt soll den asketischen Grundcharakter des Christentums unsichtbar machen und zu diesem Zweck wird derselbe geradezu verleugnet.»↩
162
OWN 6/1, S. 45 📖.↩
163
OWN 6/1, S. 159 📖.↩
164
OWN 6/1, S. 235 📖.↩
165
OWN 6/1, S. 161–169 📖.↩
166
OWN 6/1, S. 157 📖.↩
167
OWN 6/1, S. 157 📖-160.↩
168
OWN 6/1, S. 275 📖.↩
169
OWN 6/1, S. 172 📖.↩
170
OWN 6/1, S. 190 📖.↩
171
S. 278; OWN 6/1, S. 317 📖: «dazu, ‹etwas damit anzufangen›.»↩
172
OWN 6/1, S. 255 📖.↩
173
OWN 6/1, S. 312 📖.↩
174
OWN 6/1, S. 307 📖.↩
175
OWN 6/1, S. 306f. 📖↩
176
OWN 6/1, S. 312f. 📖↩
177
OWN 6/1, S. 310 📖.↩
178
Fr. Zündel, Jesus in Bildern aus seinem Leben, Zürich 18852, bes. S. 159–177 📖.↩
179
Siehe oben S. 635, Anm. 55.↩
180
OWN 6/1, S. 330 📖.↩
181
Zur Erinnerung an Herrn Professor Dr. Franz Overbeck, geboren den 16. November 1837, gestorben den 26. Juni 1905, Privatdruck Basel 1905 📖. In den «Worten am Sarge, gesprochen von Herrn Professor Dr. Mez» (S. 5–7, dort S. 7), heißt es: «Mir jedenfalls wird dieser Theologos, zum Himmelreich und zur Welt gelehrt, der am Schluß wie ein unnützer Knecht zusammenpackt, mein ganzes Leben lang zum Segen sein.» Adam Mez (1869–1917) gilt als Begründer der Islamwissenschaft in Basel.↩
182
OWN 6/1, S. 331 📖.↩
183
OWN 6/1, S. 310 📖.↩
184
OWN 6/1, S. 48 📖.↩
185
OWN 6/1, S. 40 📖.↩
186
OWN 6/1, S. 160 📖.↩
187
OWN 6/1, S. 308 📖.↩
188
OWN 6/1, S. 42 📖.↩
189
OWN 6/1, S. 209 📖.↩
190
OWN 6/1, S. 103 📖.↩
191
OWN 6/1, S. 306 📖.↩
192
OWN 6/1, S. 7f. 📖↩