Ansprache [in der Homiletischen Übung]
ANSPRACHE
[IN DER HOMILETISCHEN ÜBUNG]
Am Beginn der Sitzung seiner homiletischen Übung vom 30. Mai 1933 erläuterte
Wenige Tage zuvor war der Streit um die Verfassung der Reichskirche und die Person des Reichsbischofs eskaliert und hatte in den Auseinandersetzungen um die Wahl
Daneben war es aber auch eine konkrete Mitteilung, durch die Barth sich zu
diesem Schritt veranlasst sah: «Vor den letzten Übungen hat Karl eine lange, sehr bedächtige
und sehr eindrucksvolle kleine Ansprache an seine Studenten gehalten über die Pflichten des
Theologiestudenten (zu denen er durchaus auch sich selber rechne!) im Sommersemester 1933.
Den Anlass dazu bot uns die jetzt so naheliegende Zerstreuung durch die Ereignisse auf
politischem und kirchlichem Gebiet und eigentlich vor allem eine Bemerkung
Bemerkenswert ist die schon hier anzutreffende Rede von einer «Existenz als
Theologe», die um
keinen Preis aufzugeben sei zugunsten scheinbar dringlicherer Aufgaben. Hier wird der
Grundgedanke von
Die Ansprache ist erhalten als eineinhalbseitiges, zweizeilig geschriebenes
Typoskript.6 Es ist mit einem einleitenden,
handschriftlichen Satz versehen und wurde von stud. theol.
Ansprache
[in der Homiletischen Übung]
Am Beginn der Sitzung vom 30.5.33 nimmt Herr Prof.
In den gegenwärtigen erregten, belebten Zeiten, die unser aller Teilnahme so oder so erfordern, besteht die Gefahr für den
christlichen Menschen, den theologischen Menschen speziell,
aktuell, dass er seine eigene Existenz vergisst und vielleicht darüber verliert. Wir haben
aber unsere eigene Existenz nicht wahllos hier und da hinzugeben, sondern, wenn wir wissen,
was das heißt, Theologe sein, so müssen wir uns ja darüber klar sein, dass über unsere
Existenz verfügt ist! Es darf nicht geschehen, dass wir unsere Existenz als Theologen jetzt irgendwie verlieren!
Welches auch der Sinn dieser merkwürdigen Zeit sein mag – wir sind im Besonderen aufgerufen,
Kirche zu sein. Sinnvoll kann man Erwägungen über Kirche
nur anstellen in dem Bewusstsein, Kirche zu sein, den Ruf gehört zu haben.
Erwägungen über die Kirche gibt es nur von dieser in uns selbst zu konstituierenden Kirche
aus. An alle, wie sie auch die heutige Zeit erleben mögen, auch an die Bürger der Universität,
aber auch ganz besonders an uns Theologen ergeht der Ruf, auch wenn es Kirche
Christi gäbe: nun kommt es ganz darauf an, dass der Grund, der unbeweglich steht, sichtbar bleibe! Gerade wenn man mit ganzer Sorge an dem beteiligt ist, was
Volk und Vaterland jetzt bewegt, muss betont werden: es kommt darauf an, dass [in]
Wir tun der Kirche den besten Dienst, wenn wir auch jetzt still, gesammelt und redlich arbeiten! Jetzt gilt es sachlich [zu] sein, seine Bibel zu lesen, seine Dogmengeschichte, – seine Dogmatik zu treiben, was erst späterhin für Volk und Kirche wirksam wird, aber dann das Beste ist.
Die Lage der Studenten von 1933 ist ähnlich der Lage der Studenten von 1914! Sie wurden von der Arbeit zum Kriege aufgerufen,9 und doch ist die heutige Lage nicht die gleiche! Wir sind nicht aufgerufen, unsere Hefte wegzulegen, ein Verschieben der konkreten Arbeit gibt es nicht!
Jetzt gilt das Schlagwort des Krieges in unserem Sinne: Durchhalten!! als Theologen!!10 Nicht dürfen wir uns wiegen und treiben lassen |264 von den Meinungen. Es gibt ein Wort Gottes – das hat bestanden und wird bestehen [vgl.