1933

Gegenthesen zu den Rengsdorfer Thesen

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GEGENTHESEN ZU DEN RENGSDORFER THESEN

1933

Barth war in der zweiten Oktoberhälfte 1933 angefragt worden, auf der Pfarrkonferenz der Kreissynode Bonn am Montag, dem 6. November 1933, zu den sogenannten «Rengsdorfer Thesen» Stellung zu nehmen.1

Diese Thesen waren auf der «Freizeit: Theologie der Glaubensbewegung d[er] deutschen Christen» vom 3. bis 5. Oktober 1933 in der kirchlichen Tagungsstätte Haus Hermann von Wied in Rengsdorf von führenden Köpfen der rheinischen Deutschen Christen erarbeitet worden.2 Der Anfang Oktober in das neu geschaffene rheinische Bischofsamt eingeführte Heinrich Oberheid 3 wollte diese theologische Positionsbestimmung zur Grundlage seiner Tätigkeit machen und hatte |559 deshalb veranlasst, dass die Thesen an alle evangelischen Pfarrer des Rheinlandes verschickt wurden.4 Begleitend schrieb Oberheid, dass die Thesen auf Kreissynodalebene «Verhandlungsgegenstand einer [...] möglichst bald festzusetzenden Pfarrkonferenz sein» sollten, und ließ den Pfarrern mitteilen, «daß schriftliche Äußerungen zu diesen Thesen, sofern sie von Belang sind, mit Interesse [...] entgegengenommen» würden.5

Oberheids Aufforderung löste ein erstaunliches Echo aus. Allein auf der Bonner Pfarrkonferenz gab es neben Barths Gegen-Thesen innerhalb eines Monats drei weitere Referate zum gleichen Thema.6 Aber auch im übrigen Rheinland fanden die Rengsdorfer Thesen und eine Anzahl von – in der Regel ablehnenden – Stellungnahmen zu ihnen großes Interesse, das sich in zahlreichen Abdrucken und Vervielfältigungen äußerte.7

560 Barth selbst bekam im Vorfeld der Niederschrift seiner Gegenthesen von Wilhelm Niesel Material zugesandt,8 das ihm offenbar sehr hilfreich war. Er antwortete Niesel: «Hier die Rengsdorfer Thesen zurück. Für sie sind außer Forsthoff und Oberheid, Van der Heyd [sic], Schäfer, Schmidt-Japing und Ruttenbeck verantwortlich. Ich habe am 6. Nov. in der Bonner Pfarrerkonferenz darüber zu sprechen. […] Die anderen Beilagen ihres Briefes behalte ich gerne noch als Material für den 6. Nov.»9

Den Vortrag und besonders die anschließende Aussprache behielt Barth in guter Erinnerung: «Vorgestern habe ich dann hier vor den Pfarrern der Synoden Köln und Bonn einen Vortrag über die Rengsdorfer Thesen gehalten und habe auch hier bei der Aussprache den Eindruck gehabt, dass der Höhepunkt – wenigstens der innere Höhepunkt der Sündflut vielleicht schon hinter uns liegt.»10

561 Die Entstehung des Textes lässt sich aus dem erhaltenen Material gut rekonstruieren. Neben einem dreiseitigen Manuskript in Barths Handschrift, in das einige Verbesserungen eingetragen sind,11 findet sich ein Stichwortzettel,12 auf dem Barth in sieben Punkten seine wohl spontanen Gedanken zu den Rengsdorfer Thesen notierte.13 Weiter ist ein zweiseitiges Typoskript des Textes erhalten, das einige Abweichungen vom Manuskript aufweist und offenbar im Zusammenhang mit Barths Vortrag für die Teilnehmer der Pfarrkonferenz angefertigt wurde.14 Ein erster Abdruck des Textes, für den Barth selbst die direkte Gegenüberstellung mit den Rengsdorfer Thesen vorgeschlagen hatte,15 erschien in RKZ 83 (1933), S. 353f. (Ausgabe vom 19.11.1933) 📖. Wohl auf Barths Wunsch nach größtmöglicher Verbreitung dieser Gegen-Thesenreihe16 hin wurde zusätzlich ein textgleicher Sonderdruck in Form eines Faltblattes angefertigt.17 Schließlich veranlasste Barth den Abdruck in Lutherfeier 1933 (ThExh 4), München 1933, S. 17–20. 📖18 Die verschiedenen Druckversionen weisen untereinander und im Vergleich mit Manuskript und Typoskript Barths Unterschiede auf, die unten ausgewiesen sind. Die eingefügte Originalpaginierung bezieht |562 sich auf den Abdruck in Lutherfeier 1933. Wie im Original sind im Folgenden die Rengsdorfer Thesen den Barthschen Thesen vorangestellt.

Gegenthesen zu den Rengsdorfer Thesen1)

1. Das «Deus dixit» (Gott hat gesprochen) gibt der Offenbarung Gottes einen nur formalen, daher nicht zutreffenden Ausdruck. Es verführt die Theologie zu einem «existenziellen Denken», das der Wirklichkeit nicht entspricht. Die Offenbarung Gottes liegt beschlossen in Deus creavit, salvavit, sanctificavit (Gott hat geschaffen, errettet, geheiligt). Gott ist Schöpfer und Erlöser, der der Welt den heiligen Geist gibt.19

1. Die Formel «Deus dixit» ist der Hinweis darauf, dass Gottes Offenbarung in Jesus Christus ein für allemal geschehen und in der Heiligenb Schrift ein für allemal bezeugt ist. Wir wissen nicht, was Schöpfung, Erlösung, Heiligung ist; wir müssen es uns durch Gottes Wort sagen lassen.

563 Wer heute diese Formel als «nur formal» bekämpft, ersetzt das freie Wort Gottes durch eine willkürliche Aussage menschlichen Selbstverständnisses und stellt sich außerhalb der evangelischen Kirche.

2. Ein «allgemeines Christentum» gibt es nicht. Christentum an sich ist wirklichkeitsferne Abstraktion. Für den deutschen Menschen kann es nur ein im deutschen Volkstum verwurzeltes Christentum geben.21

2. Die echte Besonderheit und Konkretheit des «Christentums» auf dem Boden des deutschen Volkstums ist nicht aus dem abzulesen, was wir über diesen Boden zu wissen meinen, sondern sie ist entgegenzunehmen als diejenige Gestalt, in der uns auf diesem Boden das eine Gebot und der eine Trost des Wortesc seiner eigenen Weisheit und seinem eigenen Willen gemäß offenbar wird.

Wer heute «ein im deutschen Volkstum verwurzeltes Christentum» predigt, bindet das Wort Gottes an eine eigenmächtig gebildete Weltanschauung, d-hebt es damit auf-d und stellt sich außerhalb der evangelischen Kirche.

18 3. Eine vorbehaltlose Stellung zum Evangelium einerseits und eine ebenso vorbehaltlose Stellung zum deutschen Volkstum andererseits (= nationalsozialistischer Staat) birgt keinen Gegensatz in sich.22

3. Das christliche Glaubensbekenntnis iste die einzigef «vorbehaltlose» Stellungg, die uns geboten h-und erlaubt-h ist. Von ihr aus sind alle |564 anderen Stellungnahmen (auch die zum deutschen Volkstum und diei zum nationalsozialistischen Staat) unter Vorbehalt gestellt.

Wer heute von zweij «vorbehaltlosen» Stellungenk redet, der meint Jahve und Baal, Gott und dem Mammon dienen zu können [vgl. 1.Kön. 18; Mt. 6,24] und stellt sich außerhalb der evangelischen Kirche.

4. Uns deutschen Menschen ist das Evangelium durch die Reformation dem deutschen Volkscharakter entsprechend nahegebracht worden. Die Geschichte bestätigt, dass diese Verkündigung des Evangeliums der germanischen Rasse angemessen ist.23

4. Die Reformation als Erneuerung der Kirche aus dem Wortl Gottes ist dem deutschen Menschenm nicht entsprechend seinem Charakter, sondern entsprechend der Weisheit und dem Willen der göttlichen Vorsehung «nahegebracht» worden. Sie war und ist der germanischen Rasse so angemessen und son unangemessen wie jeder anderen Rasse.

Wer heute die Reformation als eine spezifisch deutsche Angelegenheit behandelt, interpretiert sie profangeschichtlich und stellt sich außerhalb der evangelischen Kirche.

5. Die nationalsozialistische Revolution hat im deutschen Menschen eine einheitliche Haltung geprägt, die dem Glauben und dem Volkstum in gleicher Weise gerecht wird.24

5. Eine dem Glauben gerecht werdende «Haltung» des Menschen ist das Geheimnis seiner neuen Geburt durch Wort und Geist Gotteso. Sie kann weder durch die nationalsozialistische Revolution «geprägt» |565 werden noch mit der durch die nationalsozialistische Revolution geprägten völkischen «Haltung» direkt oder indirekt identisch sein.

Wer heute eine Prägung des Glaubens durch Ereignisse wie das der nationalsozialistischen Revolution verkündigt, macht den Glauben selbst zu einem vergänglichen Menschenwerk und stellt sich außerhalb der evangelischen Kirche.

19 6. Die Volksgemeinschaft gründet sich auf die Güter, für die der deutsche Mensch sein Leben einsetzt. Diese Güter sind ein gesundes Familienleben, Blut und Boden, Treue gegen Volk und Staat und in allem Gehorsamsstellung Gott gegenüber.25

6. Für die Gehorsamsstellung Gott gegenüber hat Jesus Christus allein, stellvertretend für unser aller Ungehorsam, sein Leben eingesetzt. Die Nachfolge Jesu Christip kann wohl den q-Einsatz des Lebens für-q die von Gott empfangenen Güter, sie kann aber auch den Verzicht auf sie bedeuten.

Wer heute den Lebenseinsatz für den Gehorsam gegen Gott und für die Güter des deutschen Volkesr ungeprüft in einem Atemzug nennt, der leugnet die Sünde, die Versöhnung durch Christus allein und die Freiheit des göttlichen Gebotes und stellt sich außerhalb der evangelischen Kirche.

7. Staat und Kirche sind beide gottgewollte Ordnungen. Deshalb können sie nicht in einen Widerstreit gegeneinander geraten. Tritt dieser Fall dennoch ein, so liegt ein Übergriff von der einen oder der anderen Seite vor. Die Kirche schuldet dem Staate Gehorsam in allen irdischen Dingen. Der Staat hat der Kirche Raum für die Ausrichtung ihres Auftrages zu gewähren.26

7. Nicht die göttlichen Ordnungen, wohl aber die menschlichen Wirklichkeiten der Kirche und des Staates s-müssen und-s werden sich |566 in der von der Sünde beherrschten Geschichte immer imt Widerstreit befinden. Worinu der Gehorsam in irdischen Dingen besteht, den die Kirche dem Staat schuldet, und welchesv der Raum ist, den der Staat der Kirche für die Ausrichtung ihres Auftrages zu gewähren hat, danach muss in gemeinsamem Aufmerken auf Gottes Wort von beiden Seiten immer wieder gefragt werden.

Wer heute das Verhältnis von Kirche und Staat auf Grund allgemeiner, vom Hören auf das lebendige Wortw abstrahierender Erwägungen endgültig meint ordnen zu können, denkt x-faktisch schon-x von einem als selbstherrlich verstandenen Staat statt von der der Kirche (für Kirche und Staat!) gegebenen Verheißung aus und stellt sich außerhalb der evangelischen Kirche.

Ergebnis: Die «Theologie» der Rengsdorfer Thesen ist eindeutig keine Theologie, sondern ein Spezimen der heute umgehenden, mit christlichen Begriffen arbeitenden Gnosis, die 20 weder den ersten noch den zweiten noch den dritten Artikel als Bekenntnis zum Worte Gottes, sondern alle drei als Explikationen des menschlichen Selbstverständnisses (in der heute üblicheny Betonung des nationalen Momentes) auffasst z-und behandelt-z und die sich überdies durch Usurpation27 in den Besitz der äußeren kirchlichen Gewalt gesetzt hat. Aus beiden Gründen ist sie als Gesamtanschauung nicht zu diskutieren, sondern aa-gerade um der christlichen Liebe willen-aa restlos abzulehnen und zu bekämpfen.

Originalfußnoten

1)
Die Rengsdorfer Thesen sind auf einer von Bischof Dr. Oberheid kürzlich einberufenen «Konferenz von zehn Geistlichen und Laien» «in einer tiefen, ernsten, einigen Aussprache erarbeitet» und «an alle evangelischen Pfarrhäuser des Rheinlandes versandt worden» (Ev. im 3. Reich, Nr. 4520).a↩

Textkritische Fußnoten

a
Die in ThExh 4 gesetzte Anmerkung fehlt in Mskr. und Tskr. – Sie wurde vermutlich auf die Anregung Barths hin in die Druckfassungen aufgenommen (vgl. oben, Anm. 15). In RKZ findet sich vor diesem Satz zusätzlich der Hinweis: «Um den Vergleich zu erleichtern, haben wir den Gegenthesen Karl Barths jeweils die Rengsdorfer Thesen im Kleindruck vorangestellt.»↩
b
Mskr. und Tskr.: «heiligen».↩
c
Mskr. und Tskr.: «Wortes Gottes».↩
d-d
Fehlt im Mskr.; Tskr.: «hebt es damit als Wort Gottes auf».↩
e
Tskr.: «ist für uns».↩
f
Mskr.: «eine einzige».↩
g
Mskr. und Tskr.: «Stellungnahme».↩
h-h
Fehlt im Mskr.↩
i
Fehlt im Mskr.↩
j
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
k
Tskr.: «Stellungnahmen».↩
l
Mskr. und Tskr.: «Worte». ↩
m
Mskr.: «Menschen (vgl. 2)».↩
n
Fehlt im Tskr.↩
o
Fehlt im Mskr.↩
p
Mskr., Tskr. und RKZ: «Christi aber».↩
q-q
Mskr.: «Einsatz für»; Tskr. und RKZ: «Einsatz durch».↩
r
Mskr. und Tskr.: «Volkstums».↩
s-s
Fehlt im Mskr.↩
t
Mskr. und Tskr.: «in».↩
u
In Mskr., Tskr. und RKZ nicht hervorgehoben.↩
v
In Mskr. und Tskr. nicht hervorgehoben.↩
w
Mskr. und Tskr.: «Wort Gottes».↩
x-x
Fehlt im Mskr.↩
y
Mskr.: «geläufigen».↩
z-z
Fehlt im Mskr.↩
aa-aa
Fehlt im Mskr.↩

Sachfußnoten

1
Die Pfarrkonferenz sollte um 15.00 Uhr im Gemeindehaus in der Rathausgasse 2 in Bonn beginnen (Einladung vom 31.10.1933 [KBA 227]). In einem Schreiben vom 2.11.1933 (KBA 9333.842 / KBA 10053) bedankte sich der Superintendent des Kirchenkreises Bonn, Ernst Rentrop (1868–1937), bei Barth für dessen Bereitschaft, die ihm durch Friedrich Frick (1880–1952, seit 1925 Pfarrer in Bonn) übermittelt worden war, und bat ihn, «etwa erst gegen 3½ Uhr im Gemeindehause zu sein, da das akademische Viertel noch immer von den Pfarrern eingehalten wird und ich auch vorher einige Mitteilungen zu machen habe.» – Im KBA ist keine schriftliche Anfrage bezüglich des Vortrags erhalten. Eingedenk auch des Weges, den Barth wählte, um seine Zusage mitzuteilen, könnte dies darauf hindeuten, dass ihn die Anfrage ebenfalls mündlich erreichte. Jedenfalls muss dies nach dem 14. Oktober (s. unten, Anm. 4) und vor dem 27. Oktober geschehen sein, denn an diesem Tage teilte Barth in einem Brief an Wilhelm Niesel mit, dass er über die Rengsdorfer Thesen in Bonn zu sprechen habe (s. unten, Anm. 9).↩
2
Vgl. G. van Norden, Der Kirchenkampf im Rheinland 1933 bis 1934, in: ders. (Hrsg.), Kirchenkampf im Rheinland. Die Entstehung der Bekennenden Kirche und die Theologische Erklärung von Barmen 1934 (SVRKG 76), Köln 1984, S. 1–188, dort S. 77f. und Anlage VIII (Auszug aus dem Gästebuch der Tagungsstätte, aus dem das Freizeit-Thema zitiert ist). 📖↩
3
Das «Kirchengesetz über die Errichtung des Landesbischofsamtes und von Bistümern» vom 6. September 1933 (s. oben S. 556, Anm. 17) sah in § 5 die Errichtung u. a. des Bistums Köln-Aachen vor. Zu Heinrich Oberheid (1895–1977), den Umständen seiner Amtseinführung und der kurzen Zeit seines Wirkens im Rheinland bis November 1933 vgl. H. Faulenbach, Ein Weg durch die Kirche. Heinrich Josef Oberheid (SVRKG 105), Köln 1992, dort S. 71–95. 📖↩
4
Vgl. unten, Barths Anmerkung zum Abdruck der Thesen. Die entsprechende Aufforderung ist im Schreiben Oberheids an die «Superintendenten seines Sprengels» vom 14.10.1933 enthalten, dem die Thesen beilagen (Abdruck in: R. Steiner, Die Anfänge des Kirchenkampfes in der Synode Braunfels. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1936 [SVRKG 57], Köln 1979, S. 51 📖). – Außerdem veröffentlichte man die Thesen in Tageszeitungen (z. B.: Die 7 Sätze von Rengsdorf, in: Öffentlicher Anzeiger [Bad Kreuznach], Nr. 240, 13.10.1933 📖 [KBA 10051]) und in EvDt 10 (1933), S. 394 📖. Ein Abdruck erfolgte im Zuge der Auseinandersetzung um die Thesen auch in RKZ 83 (1933), S. 349 📖.↩
5
Schreiben Oberheids an die Superintendenten (Anm. 4).↩
6
Am 30. Oktober 1933 hatte bereits Hans Emil Weber seine Gegenthesen vorgestellt, am 13. November referierte mit Georg Andreas Bickelhaupt (1884–1940, Pfarrer in Remscheid) ein Mitverfasser der Rengsdorfer Thesen, und am 30. November schließlich stellte der Bonner Pfarrer Herbert Hillert (1898–1969, seit 1932 in Bonn) seine Neugestaltung der Thesen vor, mit der er versuchte, eine in der ganzen Kreissynode konsensfähige und theologisch akzeptable Stellungnahme vorzulegen. Vgl. A. Hinz-Wessels, Die Evangelische Kirchengemeinde Bonn in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) (SVRKG 119), Köln 1996, S. 196–199. 📖 Typoskripte der Thesen von Weber und Hillert finden sich neben den Thesen Barths und den «Rengsdorfer Thesen» im StA Bonn, Slg. Evangelische Kirche im Nationalsozialismus (Slg. Mummenhoff), eine nach These 5 abbrechende Mitschrift des Referats von Bickelhaupt im KBA Basel (KBA 16175).↩
7
Neben Barths Gegenthesen wurden allein in der «Reformierten Kirchenzeitung» folgende Stellungnahmen abgedruckt: W. Bach, Erwiderung auf die Rengsdorfer Thesen (RKZ 83 [1933], S. 354f.) 📖; J. Beckmann, Noch ein Widerspruch gegen die Rengsdorfer Sätze (a.a.O., S. 374f.) 📖; O. Dilschneider, Kurze Nachlese zur ersten Rengsdorfer These (a.a.O., S. 380f.) 📖; H. E. Weber, Antithesen zu den «Rengsdorfer Thesen» (a.a.O., S. 381f.) 📖. Barth lagen außerdem noch Stellungnahmen von Pfr. Dr. Peter Johannes Kaiser aus Lobberich (Typoskript, 9 S. [KBA 16177] und 7 Thesen [KBA 16178]) und Pfr. Wilhelm Hermann (Manuskript, 2 S. [KBA 16179]) sowie ein nicht namentlich gezeichnetes Typoskript (4 S. [KBA 16176]) vor. Gegenthesen des Pfarrers Friedrich Winter (1902–1949) aus Kölschhausen/Braunfels sind abgedruckt in: Steiner (Anm. 4), S. 52f. 📖↩
8
Vgl. Brief Niesels an Barth vom 26.10.1933 (KBA 9333.818).↩
9
Brief vom 27.10.1933 (KBA 9233.299; Br. 1933, S. 480 📖). Walter Ruttenbeck (1890–1964), seit 1930 ao. Prof. für Systematische Theologie in Bonn, Friedrich Schäfer (1871–1953), seit 1899 Pfarrer in Remscheid, 1919 Superintendent, 1932 Präses der rheinischen Provinzialsynode, und Fritz von der Heydt (1884–1946), Pfarrer in Koblenz, 1933 Direktor des Evangelischen Bundes, waren in Rengsdorf anwesend. Die Grundgedanken der Thesen gingen zurück auf Oberheid, Heinrich Forsthoff (1871–1942), seit 1906 Pfarrer in Mülheim/Ruhr, 1934–1936 Propst und später stellvertretender Bischof des Bistums Köln-Aachen, und Barths Bonner Kollegen Johann Wilhelm Schmidt-Japing (1886–1960) als weiteren führenden Theologen der rheinischen Deutschen Christen. Neben ihnen war nach eigener Aussage auch Jakob Heep, Mitunterzeichner der Theologischen Erklärung zur Gestalt der Kirche (s. oben, S. 250, Anm. 10) und ebenfalls Teilnehmer in Rengsdorf, «führend mitbeteiligt» (vgl. Steiner [Anm. 4], S. 51 📖).↩
10
Brief Barths an Niesel vom 8.11.1933 (KBA 9233.310; Br. 1933, S. 491 📖).↩
11
KBA 10047.↩
12
KBA 10049.↩
13
Die Stichworte sind am Ende der jeweiligen Rengsdorfer These angemerkt.↩
14
Dafür spricht, dass dieses Typoskript sich neben denen mit den Thesen Webers und Hillerts in der Sammlung Mummenhoff (Anm. 6) befindet.↩
15
«Wo es sich auch um nicht-rheinische Leser handelt, wird es recht eindrucksvoll sein, wenn man die berühmten Rengsdorfer Thesen (vielleicht nicht ohne Andeutung, aus welcher Kirche sie stammten!) mitabdruckt, ev[entuell] das Ganze in Form einer kleinen Synopse!» (Postkarte Barths an Niesel vom 10.11.1933 [KBA 9233.314; Br. 1933, S. 495 📖]). – Niesel hatte einen Tag zuvor brieflich bei Barth um die Erlaubnis zum Druck der Thesen gebeten (vgl. KBA 9333.874).↩
16
Barths Karte an Niesel (Anm. 15) beginnt mit dem Satz: «Drucken Sie die Gegenthesen ab, wo Sie immer wollen.»↩
17
«Gedruckt bei F. W. Köhler G.m.b.H. in Wuppertal-Elberfeld» (ein Exemplar in: KBA 10050).↩
18
Auch hier wurden die Rengsdorfer Thesen mit abgedruckt. Dabei kam es zunächst zu dem kleinen «Unglück», dass im Druckbogen die nachstehenden Thesen Barths klein, die Rengsdorfer Thesen aber normal groß gedruckt waren (vgl. Brief Ch. von Kirschbaums an A. Lempp vom 24.11.1933 [KBA 9233.350; Br. 1933, S. 550 📖]).↩
20
Evangelium im Dritten Reich, Jg. 2 (1933), Nr. 45 (5.11.1933), S. 466. 📖↩
19
Stichwortzettel: «Formale Bestimmung schützt Off[enbarung] vor Verwechslung mit eigenmächtigem Wirklichkeitsverständnis (= Selbstverständnis)». – Nach Aussagen der Mitautoren Bickelhaupt und Heep richtete sich die erste These – angedeutet wird dies durch die hervorgehobene Stellung des «Deus dixit», eines prägenden Begriffes der Barthschen Theologie (vgl. oben, S. 536, Anm. 66) – explizit gegen die Theologie Barths. Vgl. Mitschrift des Bickelhaupt-Referats (Anm. 6) zu These 1; Steiner (Anm. 4), S. 51. 📖↩
21
Stichwortzettel: «Der theol[ogische] Begriff des Besonderen (Konkreten) ist nicht auf dem üblichen philosoph[ischen] Weg zu gewinnen. So wie die Thesen kann man (vielleicht) von Recht, Musik, Tanz sprechen[,] nicht vom Chr[isten]t[um]».↩
22
Stichwortzettel: «Doppelte Vorbehaltlosigkeit beruht auf Abstraktion zwischen sichtb[arer] u[nd] unsichtbarer Kirche, Gesetz u[nd] Evang[elium], Welt u[nd] R[eich] G[ottes]. In Wirklichkeit Konflikt, der Entscheidung nötig macht. Baal – Mammon: der Herr des Landes entsprechend dem[,] was der Mensch will. Ihr könnt nicht ... [vgl. Mt. 6,24]!»↩
23
Stichwortzettel: «Geschichtsphilosophie! Woher? Regierungsakt des Wortes, von daher zu verstehen».↩
24
Stichwortzettel: «Geschichtsphilosophie! Woher? Glaube nicht ‹geprägt› in seiner Gerechtigkeit».↩
25
Stichwortzettel: «Geschichtsphilosophie! Woher? Glaube keines von diesen Gütern! Und Glaube frei!»↩
26
Stichwortzettel: «Geschichtsphilosophie! Woher? Nur der autonome Staat kann so reden!»↩
27
Vgl. auch These 4 aus Barths Thesenreihe Kirchliche Opposition 1933 📖 vom 15. November 1933 (s. unten, S. 588).↩