1934

Gottes Wille und unsere Wünsche

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GOTTES WILLE UND UNSERE WÜNSCHE

1934

Barth hat diesen Vortrag innerhalb kurzer Zeit an drei Orten gehalten: am 4. Januar 1934 zum Abschluss der Freien reformierten Synode in Wuppertal-Barmen, am 5. Januar 1934 in Bochum und am 6. Januar 1934 in Lübeck. Wie für die beiden anderen Texte, die er für die Freie Synode auszuarbeiten hatte, standen Barth auch für die Niederschrift dieses Vortrags anscheinend nur noch die Tage zwischen dem 30. Dezember und dem 3. Januar zur Verfügung.1

1. Wuppertal-Barmen, 4. Januar 1934

Der Wuppertaler Pfarrer Paul Humburg2 nahm die 450. Wiederkehr des Geburtstages von Ulrich Zwingli am Neujahrstag 1934 zum Anlass, Barth für den 4. Januar 1934 um einen Vortrag in der Kirche in Barmen-Gemarke zu bitten. Die genaue Wahl des Themas blieb Barth vorbehalten. In Humburgs Einladungsschreiben vom 7. November 1933 hieß es dazu: «Wir möchten gern das Gedächtnis von Zwingli in der Neujahrswoche irgendwie feiern, nicht in einem besonderen Vortrag über Zwingli selbst, sondern in einem Vortrag über den reformierten Beitrag zur Reformation der evangelischen Kirche. Sie verstehen, was ich meine.»3 Barth sagte am 10. November zu, bat aber darum, «das Thema noch einige Zeit offen zu lassen, da es in der heute so bewegten Situation sehr leicht sein könnte, dass der Augenblick andere Ansprüche stellt, als ich sie jetzt schon vorhersehen kann».4 Mitte Dezember muss Humburg dann das Thema erhalten haben, nachdem er am 12. Dezember bei Barth noch einmal nachgefragt hatte.5 nan

Kurz vor Weihnachten geriet die geplante Zwingli-Feier jedoch in den Schatten eines anderen, weitaus bedeutenderen Vorhabens. Am 22. Dezember 1933 wurde auf Initiative des Coetus reformierter Prediger die Einberufung einer Freien reformierten Synode für den 3. und 4. Januar 1934 nach Barmen beschlossen.6 Auch hierzu sollte Barth mit der Formulierung einer bekenntnishaften Erklärung und des Einbringungsvortrages einen entscheidenden Beitrag leisten. So wurde nun im Programm der Synode für den Vormittag des 4. Januar ein Vortrag Barths zum Thema «Bekenntnis einer freien Kirchensynode» angekündigt.7 Gleichzeitig hatte man aber auch an der mit Humburg getroffenen Verabredung festgehalten. Dieser nunmehr zweite Vortrag wurde im Programm der Synode so angekündigt: «8 Uhr abends: Feier zum Gedächtnis des 450. Geburtstages von Ulrich Zwingli in der Gemarker Kirche mit Vortrag von Professor D. Karl Barth aus Bonn: ‹Gottes Wille und unsere Wünsche›».8 Der Vortrag sollte sich dann als ein theologisches, geistliches und seelsorgerliches Wort zu den Beratungen und Entscheidungen der Synode erweisen.

Barth sprach nicht nur zu den Synodalen und zu den bereits zahlreich angereisten Mitgliedern der Hauptversammlung des Reformierten Bundes, die für den folgenden Tag angesetzt war.9 Vielmehr war die Öffentlichkeit einbezogen, und so strömten die Menschen in großen Scharen in die Veranstaltung. Nach Barths Bericht müssen es Tausende gewesen sein: Wegen der Überfüllung der Kirche wurde der Vortrag mit Lautsprechern in das benachbarte Evangelische Vereinshaus übertragen, «wo nochmals 1200 zuhörten».10 Bevor Barth sprach, |86 würdigte Pastor Harmannus Obendiek mit einem kurzen Vortrag Zwingli.11 Die Resonanz auf Barths Ausführungen war überwältigend. Der Bericht der «Reformierten Kirchenzeitung» hob eigens den Dank der Zuhörerschaft hervor, «daß es dem Vortragenden gegeben wurde, seine durchaus nicht immer einfachen Darlegungen in einer auch für Nichttheologen so faßlichen Sprache zum Ausdruck zu bringen».12 Barth selber fasste seinen Eindruck so zusammen: «[…] die Psalmen, die man dortzuland singt, klangen gut und gewaltig. Es geht schon so etwas wie ein allgemeiner Aufstand durch die deutsche Christenheit».13

2. Bochum, 5. Januar 1934

Die Einladung nach Bochum kam von Hans Ehrenberg14, mit dem Barth seit dem Tambacher Vortrag von 1919 gut bekannt war.15 Zeitweise war ihr unmittelbarer Gedankenaustausch unterbrochen gewesen, aber nach dem Erscheinen von Theologische Existenz heute!16 hatte Ehrenberg erneut das Gespräch mit Barth gesucht.17 Schließlich ging Barth am 13. November 1933 auf Ehrenbergs Wunsch nach einer Begegnung in Bochum ein und bot ihm an, den zuvor für Wuppertal |87 Barmen zugesagten Vortrag am 5. Januar 1934 in Bochum zu wiederholen.18 Der Terminvorschlag wurde angenommen. Als offizieller ­Veranstalter zeichnete Pastor Hermann Lohmeyer für den «Bekenntnisbund für Evangelium und Kirche im Kirchenkreis Bochum» verantwortlich.19

Barth sprach am Abend des 5. Januar, einem Freitag, im Saal des Bochumer «Parkhauses». Auch diese Veranstaltung war hoffnungslos überfüllt, so dass die Polizei schließlich den Zugang sperren musste.20 Vermutlich war Barth zu Gast in Ehrenbergs Haus und fand so auch die Zeit für das von jenem gewünschte Gespräch.21 Im Rückblick auf die Begegnung in Bochum schrieb er jedenfalls an Thurneysen: «Unter denen, die in dieser Zeit einfach gut geworden sind, befindet sich sicher unser alter Freund Ehrenberg.»22 Am folgenden Tag reiste er nach Lübeck weiter.

3. Lübeck, 6. Januar 1934

Ebenfalls am 13. November 1933, dem Tag seiner Antwort nach Bochum, gab Barth die Zusage für die Wiederholung des Barmer Vortrags in Lübeck. In diesem Fall entsprach er einer Bitte des Lübecker Hauptpastors Wilhelm Jannasch23 , der ihn schon einmal zehn Jahre |88 zuvor für einen Vortrag in Lübeck gewonnen hatte.24 Termin und Thema blieben Barths Entscheidung vorbehalten. In seinem Brief an Jannasch bezog sich Barth auf seine Zusage für den 4. Januar in Barmen und führte dann aus: «Ich möchte das Thema noch offen lassen, da ja kein Mensch weiß, wie es bis dahin in Welt und Kirche aussehen wird. Diesen Vortrag x werde ich vermutlich am 5. in Bochum zu wiederholen haben. Warum sollte ich dann nicht am 6. mit eben diesem Vortrag bei Ihnen in Lübeck eintreffen, wenn Sie meinen, dass damit für die dortige Situation etwas geschafft wäre. Ich hatte bisher nie die Neigung, Vorträge haltend im Lande herumzureisen. Gegenwärtig spüre ich etwas von dieser Neigung, obwohl meine Fähigkeit, in einiger Eile das dazu Nötige auf Kiel zu legen, keineswegs gewachsen ist».25

Mitte Dezember schlug Barth dann eine Vorverlegung des Termins auf den 3. Januar vor, worauf Jannasch gerne einging.26 So drohte eine Kollision mit dem Termin in Barmen. Als nämlich am 22. Dezember die Einberufung der Freien Synode nach Wuppertal-Barmen beschlossen wurde, sah sich Barth gezwungen, die Zusage für Lübeck rückgängig zu machen: «Lieber Herr Pastor! Katastrophe! Ich muss Ihnen den übernommenen Vortrag absagen. Es kommt eine Sache dazwischen, die ich unmöglich voraussehen konnte, der ich mich nun aber auch nicht entziehen kann, nämlich eine Art Synode aller reformierten Gemeinden in Deutschland […] mit […] wichtigsten Traktanden, darunter eine Bekenntnisformulierung, für die ich die entscheidende Verantwortlichkeit haben werde und die ich natürlich auch persönlich vertreten muss».27 Barth schloss zunächst auch aus, wieder auf den |89 6. Januar zu gehen, weil er zur Vorbereitung auf die Vorlesungen nach der Weihnachtspause noch unbedingt zwei ruhige Tage benötige: «Kurzum, ich kanns einfach nicht schaffen».28

Jannasch telegraphierte am 25. Dezember zurück und erbat nun Barths Kommen «angesichts schwieriger hiesiger Lage und getroffenen Vorbereitungen dringend» für den 2. Januar.29 Damit hatte er Erfolg. Es gelang ihm, Barth umzustimmen und am Ende doch noch für den ursprünglich ins Auge gefassten Abend am Samstag, dem 6. Januar, zu gewinnen. Auch in Lübeck sprach Barth in einer überfüllten Kirche, und auch hier musste die Polizei einschreiten «und die Türen sperren».30 Barth war sehr beeindruckt, hatten doch in Lübeck die Deutschen Christen alle entscheidenden kirchlichen Positionen besetzt. Ein Anonymus aus Württemberg hatte ihn sogar telegraphisch vor Lübeck gewarnt, aber, wie Barth dann schrieb: «Daniel ist auch dort von den Löwen nicht gefressen worden».31 Wie zuvor in Barmen und Bochum habe er auch «im lutherischen Lübeck» mit Freude feststellen können, dass «die evangelische Kirche wirklich, wirklich nicht tot ist. Aber es ist ein Meer von Arbeit, das überall wartet».32

Barth veröffentlichte den Vortrag in: K. Barth, Gottes Wille und unsere Wünsche (ThExh 7), München 1934, S. 16–30. 📖33 Von den Vorarbeiten ist ein beidseitig beschriebenes, aus einer Kladde herausgetrenntes Blatt des Manuskripts erhalten;34 aus den in diesem Fragment enthaltenen, unten ausgewiesenen Abweichungen geht hervor, dass Barth den Vortrag trotz der Kürze der Vorbereitungszeit mindestens einmal überarbeitet haben muss. Weiter ist erhalten ein 18seitiges Typoskript, das sich im Nachlass Nelly Barths befindet und in dem einige wenige, ebenfalls unten ausgewiesene Korrekturen angebracht sind, |90 die darauf hindeuten könnten, dass es sich um die Druckvorlage handelt. Der Vortrag wurde wieder abgedruckt in Th.Fr.u.A., S. 144–157. 📖 Die zwischen senkrechten Strichen im Text eingefügte Originalpaginierung folgt dem Wiederabdruck, nimmt jedoch die drei Leerzeilen aus dem Erstdruck auf, die Barth wohl eingefügt hatte, um die Gliederung des Textes deutlicher darzustellen, und von denen im Wiederabdruck nur die letzte erhalten blieb.

Gottes Wille und unsere Wünsche

Vortrag, gehalten in Barmen am 4. Januar, in Bochum am 5. Januar und in Lübeck am 6. Januar 1934a

Die Zeit großer Bedrängnis und Verwirrung, die im Gefolge der politischen Ereignisse des Jahres 1933 über unsere evangelische Kirche gekommen ist, hat neben viel Dunklem und Schmerzlichem, das sie uns gebracht hat und noch bringen kann, jedenfalls auch ein Gutes, für das wir nicht dankbar genug sein können: sie hat uns als Glieder dieser Kirche mit den ganz einfachen Fragen des Glaubens, der Ordnung und des Lebens, die sie uns gestellt hat, wieder einmal in die Möglichkeit versetzt, diesen Fragen entsprechend, ganz einfacheb Antworten, Ja- oder Nein-Antworten zu geben. Wie verwickelt und vieldeutig mussten unsere Väter und Großväter und mussten in den letzten Jahrzehnten noch wir selbst denken und reden, wenn es etwa galt, sich über das Verhältnis von Offenbarung und Vernunft, oder von Offenbarung und Geschichte, oder von sichtbarer und unsichtbarer Kirche, oder von Kirche und Staat Rechenschaft abzulegen. Wer konnte und wer durfte in den Zeiten, aus denen wir herkommen, in diesen Dingen eindeutig denken und reden? Wieviel Ja und Nein und wieviel Ja, das Nein meinte, und Nein, das Ja meinte, ist in der Kirche und Theologie der vergangenen zwei Jahrhunderte35 herrschend und |91 nahezu selbstverständlich gewesen. Obwohl es doch, so möchte man meinen, wenn anders es so etwas gibt wie Glaube und Glaubensbekenntnis, gewiss anders hätte sein müssen! Konnte es nicht anders sein? Es konnte wohl nicht anders sein, weil wir nicht anders konnten und die, die vor uns waren, in der besten Meinung und Absicht auch nicht. Aber es kann nicht unsere Sache sein, uns selbst oder Andere zu richten. Wie es auch gewesen sein mag, wir müssen heute anders. Abgründe hat es wohl immer gegeben mitten in der Kirche. Heute haben sie sich aufgetan. Und damit sind große Linien gezogen mit einem Hüben und Drüben, über das sich nicht mehr diskutieren, das durch kein Ja und Nein mehr zu überbrücken ist, das Entscheidung, Gehorsam und Bekenntnis verlangt und sonst gar nichts. Erinnern wir uns an einige von den Fragen, die uns heute gestellt sind: Ob wir Gottes Offenbarung wirklich auch noch anderswo als in der Heiligen Schrift zu suchen haben?36 Ob das Alte Testament wirklich weni145ger oder vielleicht gar nicht Heilige Schrift ist neben dem Neuen?37 Ob Rasse und Volkstum wirklich Faktoren sind, denen die Kirche maßgebenden Einfluss auf ihre Verkündigung und Ordnung zugestehen muss?38 Ob ein getaufter Jude wirklich ein «Christ anderer Art» und darum in einer deutschen Kirche nur geduldet und zur Verkündigung des Evangeliums in einer deutschen Kirche ungeeignet ist?39 Ob das innere Leben und die äußere Ordnung der Kirche wirk|92lich voneinander zu trennen und also die äußere Ordnung wirklich nach jeweiliger Willkür zu gestalten ist?40 Ob es in der Kirche wirklich nicht nur ein Amt des Dienstes, sondern auch ein Amt der Führung geben soll?41 Ob der Staat über den ihm nach Röm. 13 zugesprochenen Auftrag hinaus den ganzen Menschen in Anspruch nehmen und mit Beschlag belegen darf?42 Ob wir also wirklich zuerst Deutsche und erst dann und als solche Christen sind? So sind uns heute jene alten Fragen gestellt. Und so gestellt, sind sie auf einmal einfach geworden und auch einfach zu beantworten: vom gelehrten Theologen ebenso wie von jedem anderen Gemeindeglied, vom Lutheraner ebenso wie vom Reformierten, vom «Liberalen» ebenso wie vom «Positiven».43 Niemand kann hier im Ernst behaupten, dass er sich um seines besonderen Ortes und Standpunktes willen auf die Antwort lange besinnen oder dass er nun doch wieder eine Antwort mit allerlei Klauen und Hörnern44 geben müsse. Die Lage ist auf einmal wieder so schlicht geworden, wie es vielleicht seit den Tagen der Reformation |93 nicht mehr der Fall gewesen ist. Ist es nicht, als ob Josua seine Abschiedsworte heute vernehmlich auch zu uns spräche: «So fürchtet nun den Herrn und dienet ihm treulich und rechtschaffen… Gefällt es euch aber nicht, dass ihr dem Herrn dienet, so erwählet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter gedient haben jenseits dem Wasser, oder den Göttern der Amoriter, in welcher Land ihr wohnet. Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.» [Jos. 24,14f.] Das war eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Dass es das heute wieder gibt, das ist etwas Gutes mitten in dieser unguten Zeit der Kirche. Sie ist eine Zeit klarer Entscheidungen. Ist sie es wirklich? Doch nur dann und da, wo Josua wirklich gehört wird. Die Zeit – das sind ja immer wir und das uns gemachte göttliche Angebot. Das uns gemachte göttliche Angebot lautet: Klare Entscheidung.45 Wenn Josua nicht gehört wird, wenn wir die klare Entscheidung nicht wollen, dann fehlt unserer Zeit gewiss auch dieses Gute, und das könnte dann nicht nur für unsere Zeit verhängnisvoll sein. Die Zeiten, in denen es solche gött146lichenc Angebote gibt, pflegen kurze, vorübergehende Zeiten zu sein, maßgebend oft für lange folgende Zeiten ohne solches Angebot. Dass wir uns und wie wir uns heute entscheiden in der Einfachheit, in der uns das heute angeboten ist, das könnte leicht eine Sache von unermesslicher geschichtlicher Verantwortlichkeit sein. – Als Hinweis auf dieses uns gemachte Angebot habe ich das Thema, zu dem ich heute sprechen möchte, auf die einfachste Formel gebracht: «Gottes Wille und unsere Wünsche». Darum geht es in der kirchlichen Lage der Gegenwart. Es geht um die einfache Erkenntnis: Gottes Wille regiert, und unsere Wünsche sind in seiner Hand. Je nachdem, ob das gilt oder nicht gilt, muss in den uns bewegenden Fragen die Entscheidung fallen. Eben darum können wir jetzt von diesen Fragen einigen Abstand nehmen, um gemeinsam kurz zu prüfen, was dort gilt oder nicht gilt, von wo her-d die Entscheidung in diesen Fragen fallen muss.

94 Wenn wir nach Gottes Willen fragen, dann müssen wir nach seinem Wort fragen. Wenn Gott selbst es uns gesagt hat oder sagen wird, und wenn wir es uns von ihm sagen lassen, dann und nur dann wissen wir, was sein Wille ist. Ohne sein Wort ist uns Gottes Wille verborgener als das Verborgenste, was es sonst geben mag. Gottes Wille ist die Scheidung von Licht und Finsternis [vgl. Gen. 1,4], er ist die Gnade und das Gericht in seiner Offenbarunge. Darum hat Jesus seine Jünger beten gelehrt: «Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden!» [Mt. 6,10] Ist das Geschehen des Willens Gottes auf Erden, im Bereichef des Menschen, die Erhörung eines Gebetes, so ist es eine freie Tat Gottes an seinem Geschöpf. Um wieviel mehr die Erkenntnis dieser Tat! Und darum schreibt der Apostel Paulus (Röm. 12,2), es bedürfe beim Menschen einer Verwandlung in Erneuerung seiner Vernunft, um zu prüfen, «welches da sei der gute, der wohlgefällige und vollkommene Gotteswille». Ohne diese Verwandlung dürfen wir den Willen Gottes zu erkennen nicht erwarten. Wir werden ihn ohne sein Wort und also ohne Erneuerung unserer Vernunft gewiss nicht erkennen etwa in dem, was ohnehin und allgemein geschieht, aber auch nicht in den noch so außergewöhnlichsten Erfahrungen, deren wir uns vielleicht rühmen können. Gott ist ja nicht das Wesen und nicht das Prinzip der Welt oder unserer der Welt zugewandten Vernunft, so dass wir im Weltgeschehen auch das Geschehen seines Willens zu erkennen vermöchten. Sondern Gott ist der freie Herr der Welt. Und das Geschehen seines Willens ist das freie Hervortreten dieses Herrn mitten in der Welt, ein Hervortreten, bei 147 dem er die ganze übrige Welt sozusagen als Schatten hinter sich zurücklässt.

Indem die ganze übrige Welt in diesen zurückbleibenden Schatten seines Lichtes tritt, mögen wir dann wohl auch in ihr das Geschehen des Willens Gottes erkennen, aber eben nur so, nur kraft seines Hervortretens, nur in der Unterscheidung von seinem Lichte, nur durch sein Wort.-g «Wem ist |95 der Arm des Herrn offenbart?» (Jes. 53,1). Ja, wem? Wir können uns nicht etwa in unserer Welt umsehen mit der Frage nach der größten Macht, die es da geben möchte-h, um, wenn wir sie dai gefunden, in dem Wirken dieser größten Macht, in der Entfaltung der höchsten natürlichen oder geistigen Energien, in dem Marschtritt der stärksten Bataillone,46 das Geschehen des mächtigen Willens Gottes zu erblicken. Sondern-j wenn wir-kunwidersprechlichl die Urkraft aller Kräfte dieser Welt entdeckt hätten, würden wir noch immer, auch über sie hinausschauend-m, beten müssen: Dein Wille geschehe! Wir können uns wohl nach bestem Ermessen dessen, was nützlich und unnütz ist,-n fragen nach der Heilsamkeit des in unserer Welt wirklicheno Geschehens. Aber auch wenn wir nun wirklich ein unzweideutiges,-p über die Maßen Heilsames in Erfahrung gebracht oder unsq doch ausgedacht hätten, wäre esr noch keineswegs das Geschehen des heilsamens Willens Gottes, sondern aucht darüber hinaus würden wir beten |96 und flehen müssen: Dein Wille geschehe! Und so könnenu und müssen wir uns zwar nach bestem Wissen und Gewissen fragenv, was Recht zu heißen verdient im Geschehen unserer Welt im Unterschied zum Unrecht-w, um dann vielleicht in irgendeiner geschichtlichen Wirklichkeit oder auch in irgendeinem Vernunftideal auf ein nach unserer begründeten Überzeugung höchst berechtigtes Geschehen zu stoßen. Aber den gerechtenx Willen Gottes würden wir aus diesem Geschehen nicht ablesen dürfen, sondern auch dann und gerade dann würde uns nichts übrig bleiben als, hungernd und dürstend nach Gerechtigkeit [vgl. Mt. 5,6],-y zu beten und zu schreien: Dein Wille geschehe! So frei, so herrlich geschieht der Wille Gottes in seinem Wort inmitten alles dessen, was sonst geschieht-z. «Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; sondern so weit der Himmel höher ist denn die Erde, so sind auch meine Wege höher denn eure Wege und meine Gedanken denn eure Gedanken» (Jes. 55,8–9).

Aber inmitten alles dessen, was sonst geschieht, und so, im Schatten dieses Lichtes dann doch auch in all dem und durch all das, was sonst geschieht, geschieht der freie, herrliche Wille Gottes in seinem Wort:-aa 148 nicht nur im Himmel, sondern wie im Himmel alsoab auch auf Erden [vgl. Mt. 6,10].ac Denn Gott hat ein Wort gesprochen zum |97 Menschen inmitten seiner Welt und spricht es noch, und indem dieses Wort sich hören lässt und gehört wird, geschieht Gottes Wille am Menschen und in der ganzen Welt des Menschen, weil dieses Wort scheidet Licht und Finsternis [vgl. Gen. 1,4], weil es das Gericht verkündigt und die Gnade verheißt, weil in ihm das Alte vergeht und alles neu wird [vgl. 2.Kor. 5,17]. Gottes Wort ist die Offenbarung des freien herrlichen Gottes selbst, darum geschieht in ihm und wird in ihm offenbar der mächtige, der heilsame, der gerechte Gotteswille, um dessen Geschehen wir nur beten können. Kein Geschehen in der Welt liegt uns so unzugänglich ferne wie dieses und eben dieses tritt uns in Gottes Wort näher als alles andere Geschehen. Denn dieses Wort heißt Immanuel, «Gott mit uns» [vgl. Jes. 7,14; Mt. 1,23], der Mensch Jesus von Nazareth, der der Messias Israels ist, mächtig in Reden und Taten [vgl. Lk. 24,19], das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt [Joh. 1,29], der Herr: der Kyrios [vgl. 1.Kor. 12,3; Phil. 2,11 u. ö.], wie ihn das Neue Testament nicht ohne Gotteslästerung für jüdische und nicht ohne Majestätsbeleidigung für römische Ohren am häufigsten genannt hat. Weil das Wort der Herr ist, darum geschieht in ihm und durch es der Wille Gottes. Dies ist aber die Herrschaft, in der der Wille Gottes wirksam und erkennbar ist in seinem Wort und durch sein Wort:

98 Wer das Wort hört, der hört, wie es am Anfang des Evangeliums heißt, dass das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist [vgl. Mk. 1,15], das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit [vgl. Jes. 9,1–6], das ewige Reich [vgl. Ps. 145,13; Dan. 3,33], das stehen wird, wenn alle die vorläufigen und undurchführbaren Reiche dieser Welt gefallen sind. Weil er das hört, ist er ein wachsamer und hoffender Mensch, mitten in der durch den anklopfenden Gast [vgl. Lk. 12,36; Apk. 3,20] in ihren Grundfesten erschütterten Welt. Und indem er aufgerufen ist zum Wachen und zum Hoffen, geschieht an ihm der Wille Gottes.

Wer das Wort hört, der hört, dass alle Dinge eben durch dieses Wort geworden sind [vgl. Joh. 1,3; 1.Kor. 8,6], dass es das Wort des Schöpfers ist, dass es, indem es zu uns kommt, in sein Eigentum kommt [vgl. Joh. 1,11], dass man also vor ihm nicht fliehen kann in die Wirklichkeit, in die Welt eines besonderen Schöpfergottes, weil es selber das Wort, der Schöpfergott, ist. Der hört, dass wir ihm standhalten und [uns] vor ihm verantworten müssen auch und gerade in unserer geschöpflichen Wirklichkeit: mit unserem Blut und Leben, mit unserem Essen und Trinken, in unserer ganzen Geistigkeit und Leiblichkeit. Indem Einer das hört und sich sagen lässt, geschieht an ihm der Wille Gottes.

149 Wer das Wort hört, der hört: Dir sind deine Sünden vergeben [vgl. Mk. 2,5 u. ö.]! Deine Sünden? Ja, erst durch das Wort, erst mit der Vergebung hört er, dass er Gott und seinen Nächsten hasst,47 und das heißt eben: ein Sünder ist. Wie und woher sollte er das denn sonst wissen, wenn auch das die Wahrheit ist, in der er vor Gott steht? Dass das Gesetz uns als Übertreter tötet [vgl. Jak. 2,11f.], das wissen wir, wenn die Sünde und der Tod durch das Wort von uns genommen sind, wenn wir’s glauben, dass der gekreuzigte Herr, bedeckt mit unserer Schuld, uns wiederum bedeckt mit seiner Gerechtigkeit. Das Wort erst und allein, das Wort, das uns zu Begnadigten macht, macht uns zu Sündern. Wer zum Sünder wird dadurch, dass seine Sünde hinweggetragen ist durch das Wort, an dem geschieht der Wille Gottes.

Und wer das Wort hört, der hört: Folge mir nach [Mk. 2,14 u. ö.]! der ist nicht mehr sein eigen,48 der kommt unter jenen Befehl und |99 Anspruch des Wortes zu stehen, der wird noch einmal, nun auch des neuen, freien Gehorsams schuldig, des Gehorsams des Verlorenen, der sich nicht selbst rechtfertigen konnte, der nur von Barmherzigkeit leben muss, der nur noch dankbar sein kann. Er wird es gewiss nie betasten und vorweisen können, dass er nun gehorsam ist – ein Bettler vor Gott hat eben wirklich keine Mittel, seine Dankbarkeit zu beweisen – aber er wird noch weniger die Hand leugnen können, die auf ihn gelegt ist, die ihn ergriffen hat. Er wird ohne Beweis, ohne eigene Rechtfertigung der geheiligte, der gehorsame Mensch sein, der von dieser Hand ergriffen ist. Sein, indem er hört! Sein Hören ist sein Gehorsam. Und indem er hört, geschieht an ihm der Wille Gottes.

Und wer das Wort hört, der hört: «Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte» (Jer. 31,3). So spricht der Vater im Sohn durch den Geist zu seinem Kinde. Der Mensch Gottes Kind, also von neuem geboren, je und je geliebt von Gott, jetzt und hier schon zu ihm gezogen? Ja, im Wort der Verheißung, die doch schon in der Gegenwart als wahr zu hören ist, ist ihm auch dies gesagt, ist ihm also die Gewissheit, die Freude, der Friede, die Weisheit eines neuen Menschen als göttliches Wunder ins Herz gesprochen, die ganze Ewigkeit im Voraus. «Der ich in der Höhe und im Heiligtum wohne und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Herzens sind!» (Jes. 57,15). So groß ist die Herrschaft des Wortes, dass auch dieses sein Wohnen im Staub, in den Verlorenen und Todverfallenen Wahrheit ist: das Geschehen des Willens Gottes an denen, die es hören.

Weil das Wort der Herr ist, darum geschieht in ihm und durch es der 150 Wille Gottes. Das Wort ist aber der Herr, weil Jesus Christus der Sohn Gottes das Wort ist [vgl. Joh. 1,14]. Und das Wort bleibt der Herr und wird es immer wieder, weil es, als Leib des Herrn und unter seiner Regierung, eine heilige allgemeine Kirche gibt, eine Kirche des Wortes, das heißt eine Kirche, in der nicht der Mensch sein Wort führt, sondern in der durch Predigt und Sakrament das Wort Gottes verkündigt und gehört wird. Es gibt aber Kirche, und das Wort Gottes kann verkündigt und gehört werden, weil es Zeugnisse dieses Wortes gibt, Worte der Propheten und Apostel, die es gehört und weitergegeben haben. Nicht aus eigenem Erfinden und Ermessen kann man sagen, was der hört, der das Wort hört, und wie also auf Erden der |100 Wille Gottes geschieht. Nur im Blick auf seine Zeugnisse kann man das sagen. Und wer immer, wenn er nach dem Willen Gottes fragt, auf das Wort Gottes verwiesen, weiter fragen sollte: wo denn das Wort Gottes zu finden sei, der wäre schlicht auf diese seine Zeugnisse zu verweisen. Er sehe selbst zu, ob sie ihm ein anderes Wort als das Wort des freien Herrn des Gerichts und der Gnade und also einen anderen Willen Gottes bezeugen werden.

Unsere Wünsche liegen uns allen unendlich viel näher als der Wille Gottes. Es ist keine rednerische Übertreibung, wenn ich sage: «unendlich viel näher», sondern so ist es tatsächlich, dass auch zwischen unseren besten und reinsten Wünschen und dem Willen Gottes immer noch eine unendliche Ferne besteht, jene Ferne, die eben nur durch die Nähe des Wortes Gottes überwunden wird. Wir würden ja, wenn wir über Gottes Willen und unsere Wünsche nachdenken, gewiss nicht gut tun, zwischen unseren besten und reinsten Wünschen auf der einen und unseren weniger guten und hohen Wünschen auf der anderen Seite einen allzu großen Unterschied zu machen. Gewiss ist es nicht unwichtig, dass es rein geistige und rein sinnliche Wünsche gibt, die uns bewegen, selbstsüchtige und selbstlose Wünsche, leidenschaftliche und geläuterte, unerlaubte und erlaubte, private und politisch-sozial-völkische, gottlose und fromme Wünsche. Zwischen allen diesen Polen bewegt sich unser menschliches Leben, und wenn wir über unser menschliches Leben als solches nachdenken wollten, dann könnten wir diese Gegensätze nicht ernst genug nehmen. Aber wenn es gegenüber, an und in unserem Leben einen Willen Gottes gibt, dann rücken alle diese Gegensätze, ohne dass sie aufhörten, bedeutsam zu sein, doch auch wieder so nahe zusammen wie der von Berg und Tal neben dem von Himmel und Erde. Wir werden uns dann sagen 151 müssen, dass der Wille Gottes immer den ganzen Menschen angeht, dass seine Gnade unsere niedrigen und unguten Wünsche nicht weniger umfasst wie unsere edlen und schönen und dass andererseits sein Gericht unsere edlen und schönen Wünsche nicht weniger trifft als unsere niedrigen und unguten. Das haben sie jedenfalls alle miteinander gemein: dass wir, um sie zu erkennen, im Unterschied zu der Erkenntnis des Willens Gottes, keiner Offenbarung, nicht des Wortes Gottes bedürfen. Sondern mit unseren Wünschen, |101 vom höchsten bis zum niedrigsten, befinden wir uns sozusagen in unserem eigenen Hause, in jenem Raume unserer Welt und unserer dieser Welt zugewandten Vernunft, in welchem wir uns auskennen oder doch auskennen können. Gewiss gibt es gerade unter den geistigen höheren und sozialen Wünschen auch verborgene, unterdrückte, vernachlässigte, die dann oft unter Jubel, Schmerz und Erschütterung erst wieder entdeckt und zur Geltung gebracht werden müssen; wobei wir doch nicht vergessen wollen, dass es im Menschenleben oft genug auch zu Wiedererinnerungen nach unten, zu seltsamen Durchbrüchen unserer sehr animalischen Wünsche kommt. Aber so oder so: bei diesen Entdeckungen oder Wiederentdeckungen ist der Mensch bei sich selber. Er hört dann wohl auch Stimmen, aber es ist die Stimme seines Blutes oder seines Gewissens oder seines Genius, die Stimme der Vernunft oder die Stimme der Überlieferung, die Stimme der Idee oder die Stimme des Schicksals, die er hört. Wie sollte es solche Stimmen nicht geben? Sie sind gewaltige Stimmen. Sie bilden miteinander in der mannigfaltigsten Zusammenstellung, auch in dem mannigfaltigsten Wechsel von Symphonie und Kakophonie das seltsame Konzert der Welt- und Kulturgeschichte und doch auch jeder einzelnen menschlichen Lebensgeschichte. Aber täuschen wir uns nicht: diese Stimmen sind doch immer das Echo unserer eigenen Stimme. Wir haben, wenn wir jeweils, hörend auf eine dieser Stimmen, wieder einmal etwas Neues oder doch vermeintlich Neues gefunden haben, im tiefsten Grunde doch nur uns selber neu gefunden, uns selber in einer weiteren Wendung und Bewegung der allerdings erstaunlich reichen menschlichen Schöpfungs- und Gestaltungskraft, uns selber in irgendeinem neuen Versuch, uns selber zu helfen. Etwas Neues in einem anderen Sinnead gibt es nicht unter der Sonne [vgl. Pred. 1,9]. Das ist das, was unsere Wünsche, wie verschieden sie auch sein mögen, unter sich gemein haben. Und darum sage ich, dass unsere Wünsche (alle unsere Wünsche!) uns allen unendlich viel näher liegen als der Wille Gottes.

152 Aber hier meldet sich nun die Frage: Ob es nicht irgendwo und irgendwie doch eine Einheit oder doch Übereinstimmung geben möchte zwischen unseren uns so naheliegenden Wünschen und dem |102 uns so fern liegenden Willen Gottes? Wir hören, so sagt man uns, das Wort und also den Willen Gottes doch nicht nur und nicht erst in der Offenbarung, in der Gott uns, den Himmel zerreißend und zu uns herabfahrend [vgl. Jes. 63,1949], Gericht und Gnade übend, als ein Fremdling entgegentritt in Jesus Christus seinem Sohn, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt ist. Sondern wir hören sein Wort schon und auch, indem wir auf jenes mannigfaltige Echo unserer eigenen Stimme und letztlich also in der Tat auf unsere eigene Stimme lauschen. Schon und auch diese unsere eigene Stimme ist Offenbarung und sagt uns Gottes Wort, ist also, indem wir sie hören, das Geschehen des Willens Gottes an uns. In diesem Sinne redet man heute von einer Offenbarung Gottes besonders in der Stimme des Blutes50 und der Geschichte und darum von einem Geschehen des Willens Gottes in Deutschlands Erwachen zu seinem Volkstum und Staatswillen.51 Ähnlich hat man in früheren Zeiten von einer Offenbarung Gottes im Gewissen und in der Vernunft, von einem göttlichen Naturrecht ge|103redet und dementsprechend in der französischen Revolution und später auch im Sozialismus das Geschehen des Willens Gottes erkennen und feiern zu können geglaubt.52 Die Begründung dieser Lehre und ihrer Anwendung pflegt heutzutage in der Regel die zu sein, dass man auf die Schöpfung der Welt und des Menschen verweist, deren Güte und deren Ordnung doch durch die Sünde des Menschen nicht so völlig zerstört sein könnten, dass es nicht erlaubt und sogar geboten sein dürfte, Gottes Wort und also Gottes Willen auch einfach in unserem geschöpflichen Dasein in seiner geschichtlichen Wirklichkeit zu suchen und zu hören. Und man pflegt dann hinzuzufügen, dass es uns gewiss gar nicht möglich wäre, Gottes Wort in Jesus Christus zu hören und aufzunehmen, wenn wir es nicht in Gestalt von allerlei «Anknüpfungspunkten»53 und «Auffangsformen»54 schon irgendwie mit uns brächten und also in uns selbst trügen.

104

Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?55

153 Gibt es ein solches zweites oder vielmehr erstes Wort Gottes56, gibt es eine solche «natürliche Offenbarung»57, in welcher Gottes Wille und unsere Wünsche eins wären oder mindestens zusammenklingen würden, so dass seine Gedanken nun doch auch unsere Gedanken und unsere Wege nun doch auch seine Wege wären [vgl. Jes. 55,8]? – Das ist die eine Frage in den vielen Fragen der kirchlichen Gegenwart, die Frage, die uns heute in einer Schärfe gestellt ist, wie sie Luther und Calvin in dieser Schärfe noch nicht gestellt war, und auf die wir deshalb bei ihnen auch keine eindeutige Antwort finden, an der sich aber heute die Geister scheiden, aus deren verschiedener Beantwortung das |105 Ja oder das Nein zu den anfangs erwähnten Tagesfragen mit der Selbstverständlichkeit eines senkrecht abwärts fallenden Steines folgen muss.

Was sollen wir sagen zu dieser Lehre von der natürlichen Offenbarung, von dem Willen Gottes in unseren eigenen Wünschen? Fragen wir uns, ob es nicht möglich wäre, dass Gott es so mit uns gehalten haben könnte und hielte, wie diese Lehre es angibt, dann würden wir gewiss antworten müssen, dass dies – bei Gott ist kein Ding unmöglich [Lk. 1,37] – sehr wohl möglich sein könnte. Und fragen wir uns, ob es uns nicht fein und gut dünken würde [vgl. Jos. 9,25; Jer. 26,14], ob unser Bild von Gott, Welt und Mensch nicht ein sehr befriedigendes und harmonisches würde, wenn wir annehmen dürften, dass diese Lehre recht habe, dann würden wir gewiss auch dazu Ja sagen müssen. Aber es ist eine müßige Sache, statt uns an den wirklichen Gott zu halten, nach dem zu fragen, was Gott allenfalls möglich sein könnte. Und es ist – jedenfalls wenn es um die Wahrheit Gottes gehen soll – eine unsichere und vielleicht gefährliche Sache, nach dem zu fragen, was uns fein und gut deucht. Eben darum geht es ja, ob wir für unser noch so wohlbegründetes Dünken die Autorität des Wortes Gottes in Anspruch nehmen dürfen, ob es also mit seinem Willen geschieht, wenn wir im Blick auf ihn unser Dünken entscheiden lassen. Gibt es hier keine Sicherheit, dann wird es sich eben fragen, ob wir unserer Sache hinsichtlich jenes angeblich zweiten Wortes Gottes, also hinsichtlich unseres Glaubens an Jesus Christus, sicher genug sind, ob wir dem in diesem Wort erkennbaren Willen Gottes Respekt genug entgegenbringen, um die Entscheidung, ob es eine natürliche Offenbarung gibt, ihm zu überlassen und uns an seine Entscheidung als an die definitive dann auch zu halten. Angenommen, wir täten das, also angenommen, wir hörten jetzt, ohne links noch rechts zu sehen, das, was der Mensch hört, dem Gott in der Kirche Jesu Christi sein Wort 154 sagt – wie wären wir dann wohl dran? Kann man das Wort hören, das der Herr ist, kann man das hören: «Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen» [Mk. 1,15], «Durch ihn sind alle Dinge geworden» [vgl. Joh. 1,3; 1.Kor. 8,6], «Dir sind deine Sünden vergeben!» [Mk. 2,5 u. ö.], «Folge mir nach!» [Mk. 2,14 u. ö.], «Ich habe dich je und je geliebet» [Jer. 31,3] – kann man im Angesicht Jesu Christi das Alles hören und dann doch noch einmal einen Schritt zurücktreten und |106 geltend machen: Ja, das ist wohl Gottes Wort und Wille, aber auch in mir, in meinen Wünschen, ist irgendwie Gottes Wort und Wille, und nun lasst uns zusehen, wie sich Wort und Wort, Wille und Wille Gottes, Jesus Christus und die «Auffangsform», die ich ihm entgegentrage, auseinandersetzen und vertragen? Nun lasst uns nach dem «Und» ausschauen, mit dem wir oben und unten, Gott und Mensch, umsichtig verbinden mögen? Kann man das Wort, das der Herr ist, hören und dann geltend machen, dass man als Gottes Geschöpf in der Tiefe seiner eigenen Wünsche etwas Ähnliches doch schon längst gehört habe und nun bloß an etwas Vergessenes wieder erinnert werde? Kann man dieses Wort hören und dann kluge Betrachtungen darüber anstellen: dies zu hören sei uns doch nur darum möglich, weil wir einen Anknüpfungspunkt dafür in uns selbst hätten, weil «des Gottes eigene Kraft»58 auch irgendwie in unseren Wünschen liege? Ist der Mensch, der das Wort hört und an dem also der Wille Gottes geschieht, so dran, dass er das kann? Und ist der Mensch, der so dran ist, dass er das kann, ein Mensch, der das Wort hört? Wenn ja, dann hat die Lehre von der natürlichen Offenbarung recht. Wenn vor dem Wort, das der Herr ist, noch ein anderer Mensch übrig bleibt als der, der mitsamt der Stimme seines tiefsten Inwendigen und allen ihren Echos tot war und ist wieder lebendig geworden [vgl. Lk. 15,24.32], wenn vor diesem Wort übrig bleibt ein Mensch mit einem sonnenhaften Auge und mit einer Gottesstimme in seinem Blut oder in seinem Gewissen, ein Mensch, der schon von Gott herkam, als ihm Gott begegnete, ein Mensch, dem Gott ein alter Bekannter ist59 – wenn das wahr ist, dann gibt es jene Einheit oder Übereinstimmung zwischen dem Willen Gottes und unseren Wünschen. Wenn das nicht wahr ist – und ich sage jetzt kurz und ohne Beweis: das ist nicht wahr! – dann ist die |107 Lehre von der natürlichen Offenbarung falsch, dann stimmt es nicht mit jener Einheit oder Übereinstimmung, dann können wir Gottes Willen und unsere Wünsche auf keinen Fall in einem Atem nennen. «Ich glaube an Gott den Schöpfer» bekennen wir dann mit dem ersten Artikel, nicht: Ich glaube an die Göttlichkeit oder Gottbezogenheit des Menschen als seines Ge155schöpfes. Und ein Wunder werden wir dann darin erblicken, dass wir seinem Wort glauben dürfen, und also nach der Möglichkeit dieses Geschehens nicht fragen. Wir verstehen dann, dass Gottes Wille wirklich kein Warum? kennt, mit dem es sich vor unseren Wünschen rechtfertigen müsste. «Gottes Wille und unsere Wünsche» bezeichnet uns dann eine Begegnung, ein Gespräch, in welchem echt gefragt und echt geantwortet wird, eine Begegnung, in der es zu einer Entscheidung kommt, einen Kampf, in welchem es einen Sieger und einen Besiegten gibt, die Aufrichtung einer Ordnung, in welcher oben und unten nicht zu verbinden, sondern zu unterscheiden und so, in ihrer Unterschiedenheit, aufeinander zu beziehen sind. Gott ist und bleibt dann Gott, und der Mensch ist und bleibt dann der Mensch, im Bunde miteinander, aber in dem von Gott gestifteten und geordneten Bunde, kraft des Willens Gottes, nicht kraft der Wünsche des Menschen. Unsere Wünsche sind dann ganz und gar nur dies: unsere Wünsche.

Haben unsere Wünsche darum mit dem Willen Gottes nichts zu tun? Doch, sie haben alles mit ihm zu tun, das nämlich, dass sie in seiner Hand sind. Sie haben alles mit ihm zu tun, wenn anders es wahr ist, dass Gottes Wille Immanuel heißt: «Gott mit uns!» [Jes. 7,15; Mt. 1,23] Mit uns! Wir aber sind eben die, die alle jene großen und kleinen, guten und weniger guten Wünsche haben, deren Existenz in einem einzigen rastlosen, nach immer neuen Seiten ausbrechenden Wünschen besteht. Indem Gott sich dieses Menschen annimmt, und also gewiss auch und gerade seiner Wünsche annimmt, geschieht Gottes Wille. Wie wäre sein Wille Barmherzigkeit, wenn er sich ihrer nicht annähme? Indem er Menschheit angenommen hat in Jesus Christus, hat er sich aller unserer Wünsche angenommen. Wirklich angenommen. Es ist also nicht an dem, dass es Gottes Wille wäre, unsere Wünsche zu ignorieren, zu verachten oder gar zu töten. Sie sind nicht nichts vor ihm; sie sind vor ihm genau das, was sie vor ihm sein kön|108nen und sein dürfen: das Herrschaftsgebiet seines Willens,-ae die Lebensbewegung des von ihm geschaffenen, vor ihm sündigen, aber auch von ihm erlösten Volkes, zu dem er gesagt hat: Du bist mein! [Jes. 43,1] Unsere Wünsche, auch unsere geistigen oder frommen Wünsche, dürfen sich nicht rühmen, mit dem Willen Gottes eins zu sein oder aus ihm herauszuwachsen. Sie dürfen sich aber, wenn wir sein Wort hören und wenn also sein Wille an uns geschieht, dessen rühmen, vom Willen Gottes umschlossen zu sein 156 wie ein Haus von einer festen Mauer, behütet wie Schafe von einem guten Hirten [vgl. Joh. 10,11–16], gewiss auch gerichtet und regiert wie Untertanen von einem König, der weiß und will, was recht ist, aber auch gesegnet, wie Kinder von ihrem Vater gesegnet werden. Wir können nicht genug reihum denken, wenn wir in Wahrheit erkennen wollen, wie es steht zwischen Gottes Willen und unseren Wünschen. Ein Weg ist hier zu gehen, auf dem keine Station überschlagen werden, auf dem aber auch bei keiner Station Halt gemacht werden darf. Wir haben die Geduld zu bedenken, in der Gott weiß, was für ein Gemächte wir sind [vgl. Ps. 103,14], und in der er uns darum Zeit lässt, unsere Wünsche zu haben und ihnen nachzugehen, so gut wir es jeweilen verstehen. Alles Ding währtaf wirklich seine Zeit vor ihm [vgl. Pred. 3,1].60 Vor ihm, getragen durch sein kräftiges Wort, darf sie sein, die Weltgeschichte und die Lebensgeschichte eines Jeden von uns, mit dem Entzücken und Entsetzen, in das wir, unseren Wünschen folgend, immer wieder hineinlaufen. Aber wenn wir «Geduld» sagen, so sind wir schon daran erinnert, dass Zeit nicht Ewigkeit ist, dass unser Dürfen im Großen und Kleinen seine Grenze hat. «Tue, was dein Herz lüstet und deinen Augen gefällt, und wisse, dass dich Gott um dies alles wird vor Gericht führen» (Pred. 11,9). In der Tat: wir haben das Gericht Gottes zu bedenken, dem alle unsere Wünsche entgegenlaufen. Sind wir nicht Übertreter vor ihm auch in dem besten Leben?61 Und wer kann sich |109 denn etwa rühmen, mit seinen Wünschen dieses beste Leben zu leben? Wir werden einmal endgültig gefragt werden, wie wir es denn rechtfertigen wollen, dass wir in der uns gelassenen Zeit gerade diesen und diesen Wünschen so stürmisch unser Leben und unsere Kraft widmeten und dass wir ihnen gerade so und so nachgingen. Aber wenn wir «Gericht» sagen, so sind wir wieder schon daran erinnert, dass ja nur Gottes liebe Kinder wissen um die Waage, auf der wir alle gewogen und sicher zu leicht erfunden werden [vgl. Dan. 5,27]. Gerade in Erinnerung des wartenden Gerichtes haben wir Gottes Gnade zu bedenken, kraft deren der Zorn, die Strafe, der Tod, die uns freilich gelten und gelten müssen, weil unser Wünschen, unser Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf [vgl. Gen. 6,5; 8,21] (deren ungeheuren Schatten wir auch wahrlich beständig über uns und unserem ganzen Bereich liegen sehen)ag, nicht auf uns liegen, weil Gott selbst sie schon aufgehalten und zurückgenommen hat, weil sie nur so, als schon aufgehaltene und zurückgenommene, die finstere Wolke sind, die über uns steht. Über der Wolke aber – und die Wolke hat Ränder – scheint die Sonne der Barmherzigkeit: Gott will wirklich nicht den 157 Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe [vgl. Hes. 33,11]. Aber nun haben wir «Gnade» gesagt und konnten es nicht sagen, ohne nun doch auch wieder Gottes Gebot zu bedenken. Wer wüsste um die Barmherzigkeit, die die Verkehrtheit unserer Wünsche bedeckt und wegnimmt und gutmacht, der nicht eben damit, als einer, dem Barmherzigkeit widerfahren ist [vgl. 1.Tim. 1,16]62 um den Gebieter wissen müsste, der ihn nun bei all seinen Wünschen begleitet und leitet? Wird er nun nicht in allem seinem Tun dessen, wonach sein Herz begehrt, ständig in eine Sichtung, in eine Wahl, in eine Entscheidung geführt werden? Wird nun nicht sein ganzes Wünschen gemessen sein daran: es muss bestehen vor dem, der ihm Barmherzigkeit erwiesen? Ob es und wie es wirklich besteht? danach sind wir |110 nicht gefragt. Aber ob wir ihm gehorsam sein wollen, ob wir wirklich die sind, denen Barmherzigkeit widerfahren ist, danach sind wir gefragt durch das Gebot und darauf müssen wir antworten.

So sind unsere Wünsche in Gottes Hand, wenn wir sein Wort hören, wenn sein Wille an uns geschieht. Wenn esah erfüllt sein wird: «Siehe, ich mache alles neu!» [Apk. 21,5], wenn wir von Angesicht zu Angesicht sehen werden [vgl. 1.Kor. 13,12], was das heißt: «Ich bin die Auferstehung und das Leben!» [Joh. 11,25] – dann, dann werden unsere Wünsche noch in der unbegreiflich anderen Weise in Gottes Hand sein, dass man in Wahrheit sagen kann: sie sind mit dem Willen Gottes eins geworden.

Wir wollen nicht noch einmal zu den uns bewegenden Tagesfragen zurückkehren außer mit der Erinnerung: von hier aus sind sie zu beantworten, und wahrlich: alle miteinander einfach und eindeutig zu beantworten.

Textkritische Fußnoten

a
Die Titel-Unterzeile fehlt im Tskr. und in ThExh 7. 📖↩
b
Im Tskr. aus «einfach» korrigiert. ↩
c
Tskr. und ThExh 7 📖: «göttliche».↩
d-d
Im Tskr. nicht hervorgehoben. ↩
e
Im Tskr. jeweils nicht hervorgehoben.↩
f
Tskr. und ThExh 7 📖: «Bereich».↩
g-g
Hier beginnt das erhaltene Manuskript-Fragment, in dem es heißt: «ohnehin und allgemein geschieht, sondern er hebt sich aus dem, was über, in und kraft [?] uns Menschen ohnehin und allgemein geschieht, heraus: Gottes Wille geschieht, wo und wann und wie Gott es will – Gott, der nicht das Wesen und nicht das Prinzip der Welt, sondern ihr freier Herr ist, der nicht an sie, sondern an den sie, die Welt gebunden ist.»↩
h-h
Mskr.: «natürlichen oder geistigen Macht»↩
i
Mskr.: «da oder dort».↩
j-j
Mskr.: «in ihrem Wirken das Geschehen des Willens Gottes zu erblicken, sondern auch».↩
k-k
Mskr.: «diese Urkraft der Natur und der Geschichte unwidersprechlich».↩
l
Th.Fr.u.A.: «unwiderstehlich»; von den Hrsg. korrigiert nach Tskr. und ThExh 7. 📖↩
m-m
Mskr.: «immer noch, hinausschauend über alle Aufbrüche der Geister und Nationen und über alle physikalischen Energien».↩
n-n
Fehlt im Mskr.↩
o
Mskr.: «wirklichen oder möglichen».↩
p-p
Mskr.: «ein».↩
q
Fehlt im Mskr.↩
r
Mskr.: «dieses Heilsame».↩
s
Fehlt im Mskr.↩
t
Fehlt im Mskr. ↩
u
Mskr.: «können wir uns».↩
v
Th.Fr.u.A.: «Fragen»; korrigiert durch die Hrsg. nach Mskr., Tskr. und ThExh 7. 📖↩
w-w
Mskr.: «im Unterschied zum Unrecht in dem Geschehen unserer Welt».↩
x
Fehlt im Mskr.↩
y-y
Mskr.: «wir hätten auch dann und gerade dann».↩
z-z
Mskr.: «ist nach der Schrift das Geschehen dieses Willens über alles andere Geschehen».↩
aa-aa
Mskr.: «Aber eben in dieser Freiheit und Herrlichkeit geschieht der Wille Gottes auf Erden.»↩
ab
Mskr.: «so».↩
ac
Der Rest des erhaltenen Mskr.-Fragments wurde von Barth mit einem Querstrich durchgestrichen. Der noch erkennbare Text ist in anderer Anordnung in den weiteren Ausführungen zum Teil wieder aufgenommen: «Sein Geschehen heißt ‹Immanuel›, ‹Gott mit uns›. Denn das ist sein Geschehen – das bezeugt uns die Schrift als das Geschehen des Willens Gottes – dass im Bereich des Menschen Gottes eigene Gegenwart geschieht. Nicht nur darin ist eben dieses Geschehen so frei und herrlich, dass es allem andern wirklichen oder denkbaren Geschehen gegenüber ein Geheimnis bleibt, sondern noch viel mehr darin, dass es, mehr Geheimnis als alle Geheimnisse der Welt, auch offenkundiger wird als Alles, was in der Welt offenkundig ist. Nicht nur in seiner Majestät ist dieses Geschehen frei und herrlich, sondern noch viel mehr in seiner Herablassung. Denn wie kein Suchen und Entdecken des Menschen an dieses Geschehen herankommt, so und noch viel weniger irgend eine Gewissheit anderweitigen Findens. Kein Geschehen in der Welt liegt uns so ferne wie dieses, und dieses tritt uns näher als alles andere Geschehen. Warum? Eben darum, weil es nicht weniger als Gottes eigene Gegenwart ist, die geschieht. Der Name, den die Schrift diesem neuen, besonders außerordentlichen [?] Geschehen gibt, heißt Jesus Christus – der Messias Israels, mächtig in Reden und Taten – das Wort, das Fleisch ward – Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Dieser Name, der seinerseits eben das Geschehen des Willens Gottes be-». An dieser Stelle bricht das Mskr. ab. ↩
ad
Tskr. und ThExh 7 📖 jeweils: «Sinn». ↩
ae-ae
Fehlt im Tskr.↩
af
Tskr.: «hat». ↩
ag
Im Tskr. nicht eingeklammert.↩
ah
Im Tskr. korrigiert aus «das Wort». ↩

Sachfußnoten

1
Barth verbrachte die Tage vom 26. bis zum 30. Dezember 1933 in der Schweiz (s. oben, S. 5). Am 27. Dezember schrieb Ch. von Kirschbaum von Bonn aus an die Freundin Erica Küppers (1891–1968, seit 1926 Studienrätin in Droyssig/Zeitz): «Gleich nach seiner Rückkehr muß Karl an die Ausarbeitung eines Vortrages: ‹Gottes Wille und unsere Wünsche› gehen, den er in Barmen, Bochum und Lübeck halten wird» (KBA 9233.386). [01 – Bekenntnis] ↩
2
Paul Humburg (1878–1945), seit 1929 Pfarrer in Barmen-Gemarke. ↩
3
Brief Humburgs an Barth vom 7.11.1933 (KBA 9333.864). ↩
4
Brief Barths an Humburg vom 10.11.1933 (KBA 9233.315). ↩
5
Brief Humburgs an Barth vom 12.12.1933 (KBA 9333.1036). – Eine Antwort Barths ist im KBA nicht erhalten. ↩
6
Siehe oben, S. 3-5. ↩
7
RKZ 83 (1933), S. 410 (Ausgabe vom 31.12.1933) 📖. Dahinter verbarg sich das Einbringungsreferat zur Erklärung über das rechte Verständnis der reformatorischen Bekenntnisse in der Deutschen Evangelischen Kirche der Gegenwart (s. oben, S. 3-64 und S. 65-83). ↩
8
RKZ 83 (1933), S. 410. 📖 ↩
9
Vgl. W. Kolfhaus, Außerordentliche Hauptversammlung des Reformierten Bundes, in: RKZ 84 (1934), S. 14. 📖 Demnach haben neben den 320 Pfarrern und Ältesten, die schon zur Synode gekommen waren (s. oben, S. 82), auch die etwa 300 Prediger und Ältesten, die aus allen Teilen des Deutschen Reiches zur Hauptversammlung erschienen waren (vgl. Kolfhaus, S. 14; ­Lekebusch, S. 89, Anm. 76 📖), Barths Vortrag gehört. ↩
10
Brief Barths an E. Thurneysen vom 8.1.1934 (KBA 9270.613; Bw.Th. III, S. 572 📖) – Vgl. auch den Bericht von H. Graffmann, Die freie reformierte Synode in W.-Barmen, in: RKZ 84 (1934), S. 13f., dort bes. S. 14. 📖 ↩
11
Vgl. Graffmann, a.a.O., S. 14. 📖 – Harmannus Obendiek (1894–1954), Lic. theol., 1934 zum Mitglied des Moderamens des Reformierten Bundes gewählt, war seit 1931 Pfarrer in Barmen-Gemarke. ↩
12
Ebd. ↩
13
Brief Barths an Thurneysen vom 8.1.34 (Anm. 10), S. 572. ↩
14
Hans Ehrenberg (1883–1958), 1918 ao. Prof. der Philosophie in Heidelberg, von 1922 bis 1924 Theologiestudium in Münster, seit 1925 Pfarrer in Bochum, 1937 amtsenthoben, 1938 Emigration nach England. ↩
15
Zum ebenso freundschaftlichen wie komplizierten Verhältnis zwischen Ehrenberg und Barth vgl. G. Brakelmann, Hans Ehrenberg. Ein judenchristliches Schicksal in Deutschland, Bd. 1: Leben, Denken und Wirken 1883–1932, Waltrop 1997, S. 94-96. 299–310. 📖 ↩
16
V.u.kl.A. 1930–1933, S. 271–363. 📖 ↩
17
Vgl. Briefe Ehrenbergs vom 7.7. (KBA 9333.463), 22.10. (KBA 9333.793) und vom 10.11.1933 (KBA 9333.878). Im letzten bat er Barth um einen Vortrag in Bochum oder Dortmund. Vgl. dazu G. Brakelmann, Hans Ehrenberg. Ein judenchristliches Schicksal in Deutschland, Bd. 2: Widerstand, Verfolgung und Emigration 1933–1939, Waltrop 1999, S. 210–213. 📖 ↩
18
Vgl. Brief Barths an Ehrenberg vom 13.11.1933 (KBA 9233.321; Br. 1933, S. 502f. 📖). Barth akzentuierte in diesem Brief die theologischen Differenzen, aber auch seine Verbundenheit mit Ehrenberg. Im Blick auf den Vortrag vermerkte er: «In concreto habe ich z. B. vor einigen Tagen einen Vortrag in Barmen auf den 4. Januar angenommen, den in Bochum zu wiederholen wohl möglich wäre, wenn der 5. sich euch dazu eignen würde. Vorausgesetzt natürlich, dass ich bis dahin noch existiere! Du siehst also: ich bin gar nicht so! Und ich will dann gewiss auch Augen und Ohren auftun, um zu lernen, was dort zu lernen ist». ↩
19
Vgl. Brakelmann, Hans Ehrenberg, Bd. 2 (Anm. 17), S. 213. 📖 – Hermann Lohmeyer (1884–1951, seit 1927 Pfarrer in Bochum-Stiepel) bekräftigte noch einmal kurz vor Weihnachten Ehrenbergs Einladung (Brief Lohmeyers an Barth vom 22.12.1933 [KBA 9333.1092]). ↩
20
Vgl. Barths Brief an Thurneysen vom 8.1.1934 (Anm. 10), S. 572. Vgl. auch den Bericht des Bochumer Anzeigers, abgedruckt bei Brakelmann, Hans Ehrenberg, Bd. 2 (Anm. 17), S. 213f. 📖 Das Westfälische Pfarrerblatt, Jg. 34 (1934), S. 2, nannte «1500 Hörer». ↩
21
Einzelheiten darüber sind nicht bekannt; vgl. Brakelmann, a.a.O., S. 214. 📖 ↩
22
Brief Barths an Thurneysen vom 8.1.1934 (Anm. 10), S. 573. ↩
23
Wilhelm Jannasch (1888–1966; seit 1921 Hauptpastor an St. Aegidien in Lübeck, 11.4.1934 Zwangspensionierung, anschließend Dienst in der Bekennenden Kirche, 1939 Pfarrer der Bekenntnisgemeinde von Berlin-Friedenau, 1946 Prof. für Praktische Theologie in Mainz) hatte Barth angefragt, ob er «im Laufe dieses Winters» einen Vortrag in Lübeck halten könne (Brief Jannaschs an Barth vom 11.11.1933 [KBA 9333.884]). ↩
24
Vgl. K. Barth, Die Kirche und die Offenbarung (1923), in: V.u.kl.A. 1922–1925, S. 307–348. 📖 ↩
25
Brief Barths an Jannasch vom 13.11.1933 (KBA 9233.318; Br. 1933, S. 499f. 📖) ↩
26
Brief Jannaschs an Barth vom 16.12.1933 (KBA 9333.1058). Die Karte, mit der Barth um die Terminänderung bat, ist nicht erhalten. ↩
27
Brief an Jannasch vom 23.12.1933 (KBA 9233.380; Br. 1933, S. 580 📖). ↩
28
Ebd.; Br. 1933, S. 581. 📖 ↩
29
Telegramm Jannaschs an Barth vom 25.12.1933 (KBA 9333.1121). ↩
30
Brief Barths an Thurneysen vom 8.1.1934 (Anm. 10), S. 572. ↩
31
A.a.O., S. 574 (dort, Anm. 18, auch der Text des Telegramms [KBA 9334.23]). ↩
32
Brief Barths an H. A. Hesse vom 12.1.1934 (KBA 9234.10). ↩
33
Zum weiteren Inhalt des Heftes siehe unten, S. 125. 136. ↩
34
KBA 10574. Der Inhalt entspricht ThExh 7 📖, S. 19f., bzw. Th.Fr.u.A., S. 146–148.↩
35
Vgl. oben, S. 14, Anm. 31. ↩
36
Vgl. oben, S. 26-31: Bekenntnis der freien Kirchensynode 📖, zu These II.1. ↩
37
Vgl. oben, S. 30-33: Bekenntnis der freien Kirchensynode 📖, zu These II.2. – Vgl. z. B. Die 28 Thesen der sächsischen Volkskirche zum inneren Aufbau der Deutschen Evangelischen Kirche vom 10.12.1933 (Schmidt 📖), These 11: «Die entscheidende Offenbarung Gottes ist Jesus Christus. Urkunde dieser Offenbarung ist das Neue Testament. Deshalb hat es für alle Verkündigung der Kirche normgebende Bedeutung»; These 12: «Das Alte Testament hat nicht den gleichen Wert. Die spezifisch jüdische Volkssittlichkeit und Volksreligion ist überwunden. Wichtig bleibt das Alte Testament, weil es die Geschichte und den Verfall eines Volkes überliefert, das trotz Gottes Offenbarung sich immer wieder von ihm trennte» (Schmidt I, S. 100). ↩
38
Vgl. oben, S. 58-61: Bekenntnis der freien Kirchensynode 📖, zu These V. 3. ↩
39
Vgl. die dritte und vierte der 28 Thesen der sächsischen Volkskirche (Anm. 37): «3. Die Volkskirche bekennt sich zu Blut und Rasse, weil das Volk eine Bluts- und Wesensgemeinschaft ist. Mitglied der Volkskirche kann daher nur sein, wer nach dem Rechte des Staates Volksgenosse ist. Amtsträger der Volkskirche kann nur sein, wer nach dem Rechte des Staates Beamter sein kann (sogenannter Arier-Paragraph). – 4. Volkskirche bedeutet nicht Ausschluß von Christen anderer Rasse von Wort und Sakrament und von der großen christlichen Glaubensgemeinschaft. Der Christ anderer Rasse ist nicht ein Christ minderen Ranges, sondern ein Christ anderer Art […]» (Schmidt 📖). – Vgl. auch oben, S. 61: Bekenntnis der freien Kirchensynode, zu These V. 3. ↩
40
Vgl. oben, S. 52-55: Bekenntnis der freien Kirchensynode 📖, zu These V. 1. ↩
41
Vgl. oben, S. 56-59: Bekenntnis der freien Kirchensynode 📖, zu These V. 2. ↩
42
Vgl. oben, S. 60-63: Bekenntnis der freien Kirchensynode 📖, zu These V. 4. ↩
43
Anspielung auf die traditionellen Kirchenparteien, wie sie auch in der Generalsynode und in den Provinzialsynoden der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union vertreten waren: die konfessionell geprägten Gruppierungen der Evangelisch-Lutherischen und der Reformierten, die den Liberalismus vertretenden «Freunde der freien Volkskirche» und die mehr dem kirchlichen Konservatismus zuneigende «Positive Union» (vgl. E. Lessing, Zwischen Bekenntnis und Volkskirche. Der theologische Weg der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union [1922–1953] unter besonderer Berücksichtigung ihrer Synoden, ihrer Gruppen und der theologischen Begründungen [UnCo 17], Bielefeld 1992, bes. S. 40–50. 103–170 📖). ↩
44
Anspielung auf Luthers Verweigerung eines Widerrufs vor dem Kaiser auf dem Wormser Reichstag 1521: Einleitend formulierte Luther, er wolle, da eine schlichte Antwort verlangt sei, eine solche ohne Hörner und Zähne geben (WA 7, 838,2f. 📖: «Quando ergo S. Maiestas vestra dominationesque vestrae simplex responsum petunt, dabo illud neque cornutum neque dentatum in hunc modum […].»).↩
45
Zu Barths Verständnis von «Entscheidung», einem zentralen Begriff in seinen Texten aus diesen Monaten, vgl. K. Barth, Reformation als Entscheidung, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 516–552, dort bes. S. 532, Anm. 63. 📖↩
46
Wohl eine Anspielung auf die Redewendung, nach der Gott immer mit den stärksten Bataillonen sei, die durch einen Brief Friedrich des Großen vom 8.5.1760 an die Herzogin Luise-Dorothea von Sachsen-Gotha bekannt wurde: «[…] je ne saurois me desabusér du prejugé dans Le quel je suis qu’a la Guerre dieu est pour les Gros Escadrons» (Correspondance de Frédéric II avec Louise-Dorothée de Saxe-Gotha [1740–1767], hrsg. von M.-H. Cotoni, Oxford 1999 [Studies on Voltaire and the Eightteenth Century, 376], S. 170 📖), ähnlich aber auch schon im 17. Jahrhundert belegt ist (vgl. Büchmann, S. 433 📖).↩
47
Vgl. Heidelberger Katechismus, Frage 5 (BSRK, S. 684,2f. 📖; RefBS 2/2, S. 177,1f. 📖). ↩
48
Vgl. Heidelberger Katechismus, Frage 1 (BSRK, S. 682,22f. 📖; RefBS 2/2, S. 175,34f. 📖).↩
49
Verszählung nach BHS und Luthertext. ↩
50
Vgl. etwa I. B. Schairer, Volk – Blut – Gott. Ein Gruß des Evangeliums an die deutsche Freiheitsbewegung, Berlin 1933, S. 18f. 📖: «[…] das Blut geht uns doch in der Tat weit über eine chemische Betrachtung hinaus, führt uns an die Quelltiefe alles Lebens heran. […] So ist uns das Blut nicht ein Symbol bloß, sondern eine Verpflichtung […]. Irgend etwas, sei es Intellekt oder Vorteil oder Geld oder Grundsatz oder äußeren Zwang, über die Stimme des Blutes zu stellen, empfiehlt sich für den, der leben will und soll, nimmermehr.» A.a.O., S. 48: «Es ist nun einmal dies rote Strömen in uns ein Lebenssaft von unersetzlicher Art, ein Ausdruck unserer Naturgrundlage nicht nur, sondern auch unserer Verflochtenheit mit der Schöpfung aller Zeiten und Weiten. Aber auch mit ihrer Erlösung!» ↩
51
Vgl. z. B. die Einleitung zum Loccumer Manifest, der gemeinsamen Verlautbarung des Drei-Männer-Kollegiums und Ludwig Müllers zur Gründung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 20./ 27. Mai 1933 (vgl. dazu V.u.kl.A. 1930–1933, S. 242–246 📖): «Unser heißgeliebtes deutsches Vaterland hat durch Gottes Fügung eine gewaltige Erhebung erlebt. In dieser Wende der Geschichte hören wir als evangelische Christen den Ruf Gottes zur Einkehr und Umkehr, […]» (Schmidt 📖). – Auf der ersten Reichstagung der Deutschen Christen 1933 sprach SiegfriedNobiling von der «Wiederauferstehung der deutschen Volksseele durch Gottes gnädige Führung» und ergänzte: «Es ist uns diese Wiederauferstehung – eine Tat Gottes […]. Gott redet wieder mit dem deutschen Volke und das Volk findet wieder zu seinem Gott zurück» (S. Nobiling 📖, , in: [Schriftenreihe der «Deutschen Christen», Heft 4], Berlin 1933, S. 43–48, dort S. 43). ↩
52
Innerhalb des Protestantismus konnte die Französische Revolution entweder prophetisch als göttliches Strafgericht oder heilsgeschichtlich als Teil eines göttlichen Plans der zur Weltvollendung führenden Weltgeschichte gedeutet werden (vgl. R. E. Reichardt, Art. «Französische Revolution», in: TRE 11, S. 401–417, dort S. 412 📖). An einer theologischen Deutung des Sozialismus war in erster Linie der religiöse Sozialismus interessiert. ↩
53
Vgl. E. Brunner, Die Frage nach dem «Anknüpfungspunkt» als Problem der Theologie, in: ZZ 10 (1932), S. 505–532 📖. Zur Auseinandersetzung zwischen Barth und Brunner über das mit diesem Begriff Gemeinte s. oben, S. 37, Anm. 54. ↩
54
Vgl. E. Hirsch, Schöpfung und Sünde in der natürlich-geschichtlichen Wirklichkeit des einzelnen Menschen. Versuch einer Grundlegung christlicher Lebensweisung (BSTh 1), Tübingen 1931, S. 45 📖: «Neuer geistiger Gehalt wird von uns führend immer so verwirklicht, daß er unter den Gegensatz tritt, eine von ihm vorgefundne Auffangsform sie füllend durchzutiefen und doch zugleich sich als das ihr Inkommensurable zu erweisen.» A.a.O., S. 47: «Schon im allgemeinen Gottesverhältnisse kann Gott von dem Menschen […] nur so als die Wahrheit erkannt werden, daß Gott zugleich als uns in unsrer Innigkeit erleuchtendes Licht und uns im Übersprunge verzehrende Nacht empfangen und verstanden wird. […] So ist uns für das sich Erschließen der göttlichen Wahrheit durch die versöhnende Gnade ein Auffang gegeben […].» ↩
55
J. W. von Goethe, Zahme Xenien III (Berliner Ausgabe, Bd. 1, S. 661–670, dort S. 667) 📖. ↩
56
Vgl. dazu etwa E. Hirsch, Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen. Zur Beurteilung des Angriffs von Karl Barth, in: ders., Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen, Berlin-Charlottenburg 19332, S. 5–17, dort: S. 10 📖: «Welches ist das Wort Gottes, durch das Christus seine Kirche regiert, in dem er gegenwärtig ist? Allein das im Bibelbuch geschriebene? Nein, sondern jedes lebendige Wort des evangelischen Zeugnisses, das von Mund zu Ohr und, im Wunder des Geistes, von Herz zu Herzen geht. In diesem lebendgen Wort finden wir Christus, und finden ihn so, daß er im Geiste uns selber lebendiges Wort wird. Die heilige Schrift ist gewiß vornehmster Träger solchen lebendigen Worts, […]. Sie hält aber Christus und sein Evangelium nicht in sich gefangen, so daß es gar nicht anders zu finden wäre, denn in ihr.» Hirsch selbst bezeichnete ebd. das Ernstnehmen der hervorgehobenen Aussage als eine «Eigentümlichkeit» der Deutschen Christen «auf dem Gebiet theologischer Lehre». ↩
57
Zur altprotestantischen Unterscheidung zwischen allgemeiner oder natürlicher und besonderer oder übernatürlicher Offenbarung vgl. P. Althaus, Grundriß der Dogmatik, Teil I, Erlangen 1929, S. 10f. 📖, der selbst von der «Selbstbezeugung Gottes in der Wirklichkeit des Menschen und der Welt» spricht und a.a.O., S. 15 📖, ausführt: «So macht uns die Selbstbezeugung Gottes bereit für die Verkündigung seiner Offenbarung. […] So bestätigt, vertieft und klärt die Offenbarung die unter der Selbstbezeugung Gottes geschehende unsichere und nur ahnende Erkenntnis der Lage des Menschen.» Vgl. auch unten, Anm. 59. ↩
58
Siehe oben, S. 104 und Anm. 55. ↩
59
Unter Verwendung des Begriffs «Uroffenbarung»  schrieb Paul Althaus 1932: «Notwendig ist es nämlich, das biblische Gotteszeugnis, die in Christus gründende Gotteserkenntnis in ihrer Beziehung auf die Ur-Offenbarung darzustellen. Wir würden in Christus Gott nicht erkennen können, wenn wir nicht in der Ur-Bezogenheit unserer Existenz auf Gott zu Christus kämen, wenn uns nicht ‹zuvor› in unserem Dasein als solchem die Dimension ‹Gott› erschienen wäre. In diesem Sinne ist alles Erkennen Gottes in Christus ein Wieder-Erkennen» (P. Althaus, Grundriß der Dogmatik, 2. Teil, Erlangen 1932, S. 15 📖 [im Exemplar Barths ist der zweite Satz unterstrichen]).↩
60
Vgl. auch den Kehrreim des Liedes «Sollt ich meinem Gott nicht singen» von P. Gerhardt (EG 325; RG 724/725) 🎵: «Alles Ding währt seine Zeit, / Gottes Lieb in Ewigkeit». ↩
61
Vgl. Strophe 2 des Liedes «Aus tiefer Not schrei ich zu dir» von Martin Luther (EG 299; RG 83) 🎵:
«Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, / die Sünde zu vergeben; /
es ist doch unser Tun umsonst / auch in dem besten Leben […]».
↩
62
Vgl. auch den Titel des Liedes «Mir ist Erbarmung widerfahren» von Ph. Fr. Hiller (EG 355; RG 209) 🎵.↩