Bericht über die Grundsätze der Kirchenbewegung «Deutsche Christen» e. V. (Nationalkirchliche Bewegung, Sitz Weimar, Thüringen), erstattet an die Pfarrerschaft der lutherischen Kirche Reuß ä. L.
BERICHT ÜBER DIE GRUNDSÄTZE DER KIRCHENBEWEGUNG «DEUTSCHE CHRISTEN » E.V. (NATIONALKIRCHLICHE BEWEGUNG, SITZ WEIMAR, THÜRINGEN), ERSTATTET AN DIE PFARRERSCHAFT DER LUTHERISCHEN KIRCHE REUSS Ä.L.
Am
20. Januar 1934 hatte sich der Greizer Pfarrer
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Auch im Namen des leitenden Oberkirchenrats der reußischen Kirche,
Zehn Tage später schickte Barth «das gewünschte Memorandum» zurück und verband damit die Aufforderung: «Wehren Sie sich nur ja gegen die beabsichtigte Eingliederung in die allgemeine thüringische Kirche und für die gute Tradition, die Sie in Ihrer eigenen kleinen Kirche hinter sich haben! Es kommt jetzt Alles darauf an, dass im Großen und im Kleinen in ganz
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Bericht über die Grundsätze der Kirchenbewegung «Deutsche Christen » e. V. (Nationalkirchliche Bewegung, Sitz Weimar, Thüringen ) erstattet an die Pfarrerschaft der lutherischen Kirche Reuß ä. L. von Karl Barth
1. Wir deutschen Christen glauben an unseren Heiland Jesus Christus, an die Macht seines Kreuzes und seiner Auferstehung. Jesu Leben und Sterben lehrt uns, dass der Weg des Kampfes und der Passion zugleich der Weg der Liebe und der Weg zum Leben ist.
Wir sind durch Gottes Schöpfung hineingestellt in die Bluts- und Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes und sind als Träger seines Schicksals verantwortlich für seine Zukunft.
Deutschland ist unsere Aufgabe, Christus ist unsere Kraft!
ad 1)
Der Satz: «Jesu Leben und Sterben lehrt uns…» beruht auf der irrigen Ansicht, dass Gottes Offenbarung in Christus die Offenbarung einer allgemeinen Wahrheit («dass der Weg des Kampfes… der Weg zum Leben ist») sei. In Wirklichkeit ist der Inhalt der Offenbarung das |141 einmalige Sterben und Auferstehen Christi, das uns nicht als der von uns zu begehende, sondern als der von Gott für uns und zu uns begangene Weg vorgehalten wird.
Der Satz: «Wir sind durch Gottes Schöpfung…» ist an sich richtig, in dieser Isolierung aufgestellt unrichtig. Wer heute christlich bekennen will, was wir durch Gottes Schöpfung sind, müsste z. B. auch das bekennen, dass wir als Individuen geschaffen und in den Zusammenhang der Menschheit hineingestellt sind und Verantwortungen haben. Wer bei dem Begriff Schöpfung nur oder vornehmlich an das Volk (und etwa an Ehe und Familie) denkt, der verrät damit, dass er nicht von einem christlich-theologischen, sondern von einem bestimmten politisch-weltanschaulichen Anliegen geleitet ist.
Der Satz: «Deutschland ist unsere Aufgabe, Christus ist unsere Kraft» enthält bereits den in These 3 offenkundig werdenden Irrtum, als ob «wir» (die Kirche!) uns unsere «Aufgabe» eigenmächtig selbst stellen könnten bzw. dass sie uns von anderswoher als von Christus gestellt werde – und als ob Christus gerade gut genug sei, uns zur Bewältigung dieser nicht von ihm gestellten Aufgabe die nötige «Kraft» zu geben.
2. Quelle und Bestätigung unsres Glaubens sind die Gottesoffenbarung in der Bibel und die Glaubenszeugnisse der Väter.
Das neue Testament ist uns die heilige Urkunde vom Heiland, unserm Herrn, und seines Vaters Reich. Das alte Testament ist uns Beispiel göttlicher Volkserziehung. Für unsern Glauben ist es von Wert, soweit es uns das Verständnis für unsres Heilandes Leben, Kreuz und Auferstehung erschließt.
ad 2)
Die in der Bibel bezeugte Offenbarung ist wohl die Quelle (besser: der Grund und Gegenstand), aber keineswegs die «Bestätigung» unseres Glaubens.
Die «Glaubenszeugnisse der Väter» sind mit der Offenbarung nicht in einem Atem zu nennen. Sie sind weder Quelle noch Bestätigung unseres Glaubens, sondern Anleitungen zum rechten Verständnis der Bibel.
142 Der Begriff: «heilige Urkunde vom Heiland…» ist mindestens nicht klar abgegrenzt gegen den Irrtum, als sei das Neue Testament nur historisches Monument und nicht normatives Dokument der Offenbarung.
Der Satz über den Sinn des Alten Testamentes beruht auf dem (offenkundig auch auf das Verständnis des Neuen Testamentes sich erstreckenden!) Irrtum, als sei die Bibel ein Lehrbeispiel zur Veranschaulichung bestimmter allgemeiner, auch sonst erkennbarer Wahrheiten bzw. Wirklichkeiten («göttliche Volkserziehung»!).
Der Satz über den «Wert» des Alten Testamentes ist vieldeutig. Wenn er, worauf die Vokabeln «Wert» und «Verständnis» hinzudeuten scheinen, dies besagt: dass das Alte Testament als «Beispiel göttlicher Volkserziehung» die historisch-natürliche 2 Vorbereitung der Offenbarung Gottes in Christus sei, so enthält er den Irrtum, als gäbe es eine historisch-natürliche, neben Christus zu beachtende Uroffenbarung12, von der uns das Alte Testament eine «wertvolle» Probe bieten würde. Das Alte Testament ist aber nach der unzweideutigen Aussage des Neuen Testamentes mit diesem Zeugnis der einen Christusoffenbarung.
3. Wie jedem Volk, so hat auch unserm Volk der ewige Gott ein arteigenes Gesetz eingeschaffen. Es gewann Gestalt in dem Führer Adolf Hitler und in dem von ihm geformten nationalsozialistischen Staat. Dieses Gesetz spricht zu uns in der aus Blut und Boden erwachsenen Geschichte unsres Volkes. Die Treue zu diesem Gesetz fordert von uns den Kampf für Ehre und Freiheit.
ad 3)
Der Satz über das jedem Volk von Gott eingeschaffene «arteigene Gesetz», über dessen Gestaltwerdung in
4. Der Weg zur Erfüllung des deutschen Gesetzes ist die gläubige deutsche Gemeinde. In ihr regiert Christus, der Herr, als Gnade und Vergebung. In ihr brennt das Feuer heiliger Opferbereitschaft. In ihr allein begegnet der Heiland dem deutschen Volke und schenkt ihm die Kraft des Glaubens. Aus dieser Gemeinde der deutschen Christen soll im nationalsozialistischen Staate Adolf Hitlers die das ganze Volk umfassende «Deutsche Christliche Nationalkirche» wachsen.
Ein Volk! – Ein Gott! – Ein Reich! – Eine Kirche!
ad 4)
Im Blick auf These 3 kann These 4 nicht mehr in meliorem partem ausgelegt werden.
Die «deutsche Gemeinde» ist eben keine «gläubige» Gemeinde, wenn es ihr um die Erfüllung eines «deutschen Gesetzes» statt um das Halten der Gebote geht, die von Christus gegeben und in ihm erfüllt sind.
Christus ist eben nicht «der Herr», wenn er nur «als Gnade und Vergebung» und nicht, wie es in der Schrift bezeugt ist, auch als Gebieter regieren darf.
Der Satz über das «Feuer heiliger Opferbereitschaft» ist in diesem Zusammenhang eine optimistische Phrase.
Der Satz über die alleinige Begegnung des «Heilands» mit dem deutschen Volk auf dem Boden dieser Gemeinde ist eine bloße Be|144hauptung, die durch These 3 zum vornherein gebrochen ist und der die «Deutsche Glaubensbewegung»14 (
Die «Deutsche Christliche Nationalkirche», in der diese Gemeinde vielleicht einmal aufgehen wird, kann nur die siegreiche römisch-katholische Kirche deutscher Nation sein. Jene Gemeinde hat mit dieser schon jetzt mehr innere Verwandtschaft als mit der Reformationskirche lutherisch-reformierter Herkunft und Verantwortung.18
«Ein Volk! – Ein Gott!» usw.?? Man vergleiche dazu