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Gedanken über die Lage
1934
In diesem Text zieht Barth im Abstand von nur wenigen Tagen sein persönliches Resümee aus den Berliner Geschehnissen, die in der Sitzung vom 20./
21. November 1934 zu seinem Austritt aus dem Reichsbruderrat – und damit auch aus dem «Rat der Deutschen Evangelischen Kirche», der in Dahlem aus diesem gebildet worden war1
– und am folgenden Tag zur Bildung der Vorläufigen Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche (VKL) unter dem Vorsitz des Landesbischofs von Hannover, August Marahrens, führten.2
Barth hatte in den nur gut vier Wochen, in denen er sein kirchenleitendes Amt innehatte, dieses trotz seiner Semesterverpflichtungen in Bonn mit großem Einsatz ausgefüllt. Schon eine gute Woche nach der Dahlemer Synode war er wieder in Berlin, um am 28. und
29. Oktober 1934 mit dem Reichsbruderrat die Verordnung zur Ausführung der Beschlüsse der Bekenntnissynode und die Richtlinien für das Verhalten der bekennenden Gemeinden zu beraten und zu verabschieden.3 |580 Noch während dieser Zusammenkunft zeichnete sich jedoch eine neue kirchenpolitische Entwicklung ab, durch die der in Dahlem gefundenen Einheit zwischen den Bruderräten und den bischöflich geführten Landeskirchen ein erster Stoß versetzt wurde: Die Zwangsmaßnahmen gegen die bayrische und württembergische Landeskirche waren inzwischen rückgängig gemacht worden, Reichsbischof Müller schien nach dem abgesagten Empfang bei Hitler in Ungnade gefallen zu sein, sein «Rechtswalter» August Jäger war zurückgetreten und die soeben erst aus ihrem Hausarrest entlassenen Bischöfe Meiser und Wurm waren mit Marahrens für den folgenden Tag zu einem Empfang bei Hitler eingeladen worden. Nicht nur die drei Bischöfe erwarteten, dass nun in der evangelischen Kirche «eine Rückkehr zu den bekenntnismäßig und rechtlich geordneten Verhältnissen» möglich sei,4 auch Präses Koch stellte – sehr zum Missfallen Barths – schon am gleichen Tag «Überlegungen für einen möglichen Nachfolgekandidaten im Amt des Reichsbischofs» an.5
Den Diskussionsverlauf der folgenden Tage und Wochen schildert Barth aus seiner Perspektive im untenstehenden Editionstext. Zwar erbrachte der Empfang der drei Bischöfe – abgesehen von einem Gedankenspiel Hitlers mit der Drohung einer völligen Trennung von Staat und Kirche und seiner im weiteren Verlauf des Gesprächs demonstrierten Interesselosigkeit – kein wirkliches Ergebnis,6
so dass sich die «bruderrätliche» Linie innerhalb der Leitungsorgane der Beken|581nenden Kirche behaupten zu können schien. Doch hatten sich die lutherischen Bischöfe Hitler gegenüber nun auf einen alternativen Weg zum «Neubau der Reichskirche» festgelegt, indem sie in einem ihm übergebenen «Kirchenpapier» vorgeschlagen hatten, anstelle Müllers einen «Reichskirchenverweser» einzusetzen, der mit weiteren vier zu ernennenden Mitgliedern eine «vorläufige Reichskirchenregierung» bilden sollte.7
Beim nächsten Aufenthalt Barths in Berlin, am 4. und 5. November,8
und erst recht wenige Tage später, am 9. November,9
diskutierte man daher auch kaum noch darüber, ob es überhaupt notwendig oder sinnvoll sei, eine neue Kirchenleitung einzusetzen, sondern nur noch |582 darüber, wie eine solche und wie insbesondere das Spitzenamt zu besetzen sei.10
Dass Müller immer noch im Amt geblieben war und Hoffnung hatte, seine Stellung erneut zu konsolidieren, ließ es den lutherischen Bischöfen, aber dann zunehmend auch anderen Mitgliedern des Bruderrats geraten erscheinen, nun umso schneller eine neue Kirchenleitung zu installieren.11
Diese, so die Position der Bischöfe, der sich in den nächsten Tagen nach und nach auch andere Ratsmitglieder anschlossen, müsse an der Spitze mit einer repräsentativen Person besetzt sein, von der man annahm oder erfahren zu haben meinte, dass Hitler bzw. der nationalsozialistische Staat ihr gewogen seien: mit dem hannoverschen Landesbischof Marahrens.12
583
Schon die Nachricht, mit der das nächste Mal um Barths Kommen nach Berlin gebeten wurde, ließ die Dringlichkeit erkennen und auch, dass die wochenlangen Diskussionen sich einer Entscheidung zuneigten. Barth wurde erst am 19. November, 18 Uhr, per Telegramm für den nächsten Vormittag, 10 Uhr, nach Berlin gerufen.13
Die Situation hatte sich insofern zugespitzt, als die lutherischen Bischöfe nun offen damit drohten, eine eigene, lutherische Reichskirchenregierung zu bilden, falls man zu keiner Einigung käme.14
Nach einem weiteren langen Tag der Verhandlungen gewann Barth den Eindruck, es gehe vor allem darum, die Situation auszunutzen, um «die ‹Front zu verbreitern›, d. h. die Bekenntniskirche auch denjenigen annehmbar zu machen, die […] vom Rei[chs]bi[schof] genug haben, die Barmer Erklärung aber gerade in den entscheidenden Sätzen nicht mitmachen können».15
Als am späten Abend des 20. November auch die Bruderratsmitglieder aus der altpreußischen Union nachzugeben begannen und, so Barth zwei Tage später, die «Frage nach der Einheit […] gegenüber der nach der Wahrheit immer vordringlicher» wurde, entschieden sich – nicht mehr am 20., sondern schon am
21. November 193416
– Barth und mit ihm Hans Asmussen, Hermann Albert Hesse, |584 Karl Immer und Martin Niemöller aus dem Reichsbruderrat auszutreten, womit auch Barths «Tätigkeit im Kirchenregiment […] nach genau einmonatlicher Dauer zunächst beendigt» war.17
Barth wollte, dass seine Studenten, denen er seit seiner Suspendierung am
26. November 1934 keine Vorlesungen und Seminare mehr halten durfte, über die kirchliche Entwicklung aus erster Hand informiert werden. Er entschloss sich daher, seine Gedanken zur Lage am Samstag, 1. Dezember 1934, in einer abendlichen Versammlung der Bonner Bekenntnisstudenten18 vorzutragen. Ch. von Kirschbaum berichtete |585 zwei Tage später, dass ihn bei dieser «erste[n] Begegnung mit seinen Hörern seit dem jähen Abbruch» ein «nicht enden wollendes Trampeln» begrüßte.19 Von Barths Vortrag und vom Eindruck, den Barth ihm und den anderen Studenten gemacht hatte, gab Wolfgang Scherffig am folgenden Tag eine anschauliche Schilderung: «Weißt Du, als wir nach diesen zwei Stunden nach Hause gingen, hatten wir alle das Empfinden, solch ein großer Stein ist uns noch selten vom Herzen gefallen. […] Barth sprach so glänzend wie selten. Sein Vortrag war von einem Humor und Sarkasmus durchzogen, wie ich ihm nie zugetraut hätte. Wir haben fast unter den Bänken gelegen vor Lachen; vieles, was er sagte, war zwerchfellerschütternd. Und doch spürte man aus jedem Wort (und gerade aus seinen losen Scherzen) den ungeheuren Ernst, der hinter dem allen steckte.»20 Für Scherffig und seine Kommilitonen wirkte Barths Humor «in dieser Spannung […] wie eine Befreiung»: «Man mußte lachen können über dieses Spiel einer auf menschliche Klugheit bauenden Kirchenpolitik, bei der Nachrichten aus der Berliner Gerüchteküche zu Wirklichkeiten wurden».21 Er stellt aber auch fest: «Es gab in der Folgezeit auch aus Kreisen der B[ekennenden] K[irche] heftigen Widerspruch, nicht nur gegen den Inhalt, sondern auch gegen die Form» von Barths Vortrag.22
Solcher Widerspruch veranlasste Ernst Wolf, im Vorspann zu EvTh 2 (1935), S. VIIf.
📖, auf diesen Vortrag einzugehen. Anlass war |586 eine Bezugnahme durch Gerhard Kittel in seinem Offenen Brief an Rudolf Hermann (DTh 2 [1935], S. 104–115
📖). Kittel hatte dort ein «übles Zerrbild» Barths gezeichnet,23
und weil Wolf es ablehnte, darauf in einem eigenen Artikel einzugehen, stellte er – nach Rücksprache mit Barth und Kittel – nun klar, dass sich sein gegen Kittel erhobener Vorwurf des «Verstoßes gegen historische Tatsachen» auch auf dessen «Bemerkung über die ‹Leichtfertigkeit›» beziehe, «in der Karl Barth sich Bonner Studenten gegenüber ‹über die Bischöfe› geäußert» habe. Die weiteren Zeilen geben Aufschluss über die Verbreitung der Mitschrift dieses Vortrags: Kittel habe gewusst, «daß seine Quelle nicht authentisch sei, sondern die private (und unbefugt verbreitete) Nachschrift eines Vortrags K. Barths vor einem geschlossenen Kreis. Daß Barth einem Mitglied der VKL. gegenüber diese Nachschrift als ‹im wesentlichen zutreffend› (Kittel) bezeichnet hat», so Wolf, «vermag ihr gerade dort, wo über die Art des Redens geurteilt wird, keine für das Verdikt ‹Leichtfertigkeit› zureichende Bestätigung zu geben.»24
Barth gegenüber sprach Wolf, als er diesen um eine Stellungnahme zu Kittels Ausführungen bat, von jenem «DC-Bericht über Deinen Herbst-Vortrag zur VKL, der so verhängnisvoll umläuft und Dich zum Urheber eines sogenannten Zweifrontenkriegs macht, den der Erhabene von Hannover angeblich zu führen habe».25
Barth selbst erfuhr Ende Dezember 1934 davon, dass die Mitschrift bzw. ein Auszug daraus mit scharfen Angriffen gegen Landesbischof Marahrens innerhalb der hannoverschen Landeskirche von dortigen Anhängern der Deutschen Christen verschickt worden sei.26 Am
18. Februar 1935 erhielt er das von Otto Langmann27 in Abschrift |587 versandte Typoskript vom Rat der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union «mit der Bitte um Kenntnisnahme» zugeschickt,28 am
21. Februar 1935 fragte auch Fritz Schipper29 bei Ch. von Kirschbaum an, «ob und in welchem Kreise beiliegendes Referat von Barth gehalten» wurde. Schipper ergänzte: «Es ist nämlich in die Hände der D.C. gefallen, die es mit lautem Geschrei verbreiten und bei denen mit einem Mal Barth ein großer Mann geworden ist. Dass der Inhalt des Referates der Stellungnahme Barths entspricht, ist ja nicht schwer zu erkennen.»30
Es existieren mehrere Versionen dieser Mitschrift von Barths Ausführungen, die voneinander nur in Kleinigkeiten abweichen und daher mit großer Wahrscheinlichkeit auf nur eine, allerdings unbekannte Quelle zurückzuführen sind. Die erste Veröffentlichung einer solchen Mitschrift bei Prolingheuer, S. 261–264
📖, basiert auf einem Rundschreiben des mecklenburgischen DC-Gauobmanns Fritz Sager31
vom
14.1.1935;32
einem Schreiben Otto Langmanns vom
12.1.1935 lag die oben erwähnte Version der Mitschrift als Material für den «Informationsbrief an die Deutsch-Christlichen Pfarrer» bei.33
Im KBA liegen neben dem Barth am
18. Februar 1935 zugesandten zwei weitere Typoskripte mit unterschiedlichem Schriftbild vor, wobei es sich beim einen um das von Schipper zugesandte Exemplar handeln dürfte, während das andere eine verbesserte Abschrift ist, in der einige offensichtliche Fehler korrigiert worden sind.34
Außerdem findet sich das zwei|588seitige Manuskript Barths, das die Grundzüge des Vortrages wiedergibt.35
Eine Veröffentlichung dieses Vortrags oder eines auf ihm aufbauenden Textes scheint Barth zeitweise im Auge gehabt zu haben, denn im Brief an Eduard Thurneysen vom
3.12.1934 schrieb Ch. von Kirschbaum: «Karl selbst schreibt nebenan an einem nächsten Existenzheft, das die nun durch die veränderte Situation geschaffenen Probleme auf unserer Seite behandeln soll», und der Bezug zum Vortrag wird im folgenden Satz deutlich: «Er hat am Samstag über diese Dinge einen zweistündigen nächtlichen Vortrag im Kreise der hiesigen Bekenntnisstudenten gehalten».36
Ein solches Heft ist jedoch nicht erschienen, und auch Vorarbeiten dazu sind nicht erhalten.
Was Langmann zum von ihm versandten Exemplar der Mitschrift schrieb, gilt für alle Abschriften gleichermaßen: «Offenbar ist der Stenograph beim Mitschreiben nicht immer ganz mitgekommen».37
Sätze sind nicht immer ausgeschrieben und mitunter schwer verständlich, einzelne Worte sind – wohl nach dem Höreindruck – offensichtlich falsch wiedergegeben. Der Vergleich mit der Manuskript-Grundlage der Ausführungen Barths zeigt aber andererseits, dass die Mitschrift viel ausführlicher ist, und im Ganzen die im Manuskript angedeuteten Gedanken alle aufgenommen sind, auch wenn ihre Anordnung nicht immer identisch ist. Da somit weder die Mitschrift noch das Manuskript volle Authentizität für den tatsächlich gesprochenen Vortrag besitzen, sind im Folgenden sowohl die Barth am
18. Februar 1935 zugesandte Mitschrift (KBA 9335.209) als auch das Manuskript Barths (KBA 10587) wiedergegeben.
Hingewiesen sei zuletzt auf die besondere Schwierigkeit, die Aussagen Barths in diesem Text mit Hilfe der eingesehenen Mitschriften der betreffenden Sitzungen des Reichsbruderrats zu belegen. Aus mehreren Gründen ist dies nicht vollständig möglich: 1. handelt es sich in der Regel wohl nicht um wörtliche Zitate, 2. ist es fraglich, ob die Nach|589schrift, selbst wenn es sich um Zitate handeln sollte, diese korrekt wiedergibt, 3. liegen zu den Sitzungen des Reichsbruderrats keine Wortprotokolle vor,38
und auch eine Edition der vorliegenden Mitschriften und Protokolle fehlt bisher,39
4. werden Barths Anspielungen sich nicht nur auf Äußerungen beziehen, die während der eigentlichen Sitzungen gefallen sind, sondern auch auf solche, die in Gesprächen davor, währenddessen und danach gemacht wurden, möglicherweise auch auf solche, von denen Barth nur gehört hatte. Für diese weiteren Verhandlungen und Gespräche aber gilt, was Wilhelm Niemöller schon 1961 für die Tage nach dem
9. November 1934 feststellte: «Von nun an werden die Dokumente sparsam. Sicherlich wird viel verhandelt, geredet und telefoniert, auch konspiriert und agitiert. Aber es hat offenbar wenig Zweck gehabt, alle diese Dinge schriftlich zu fixieren, zumal am Tage nach der Versendung per Post wieder eine neue Lage eintreten mußte.»40
1. Barths Gedanken über die Lage in einer Bekenntnisversammlung evangelischer Studenten am 1. Dezember 1934
(Abschrift einer Mitschrift unbekannter Herkunft)
In diesem ernstesten Augenblick seit dem Sommer 1933 ist alles in Frage gestellt, wofür wir gestritten haben. Aber es ist nicht aus, sondern der Kampf geht weiter. Die Reihen werden sich lichten. Korn |590 wird gesondert werden müssen.41 Es gilt jetzt, in einer ganz neuen Weise ernst zu machen mit den Voraussetzungen, mit denen wir in den Kampf gezogen sind.
1. Die Tatsachen der neuen Lage.
Am 20. November hat in Berlin der Bruderrat, das größere von den beiden Organen der Bekenntniskirche,42 den Beschluss gefasst, gemeinsam mit den Bischöfen von Bayern, Württemberg und Hannover ein Notkirchenregiment herauszustellen. Die Meinung war dabei, dieses (Marahrens, Koch, Breit, Humburg, Flor43) solle die rechtmäßige D[eutsche] E[vangelische] K[irche] bleiben. Dieser Beschluss müsse aber der Synode unterliegen, die noch zu berufen sei. Diese Berufung einer dritten Synode ist nicht angenommen worden.44 Fünf haben widersprochen (Niemöller, Asmussen, Hesse, Immer, Barth) und ihren Austritt aus dem Bruderrat erklärt.45 Die Reformierten sollten Baumann, Stettin, stellen, der aber ablehnte. Dann hat Humburg angenommen. Dieser fragte den Reformierten Bund auf seiner Tagung in Detmold am 29. November,46 ob er mit dem Willen und Vertrauen des Bundes in dieses Kabinett eintreten könnte. Die Versammlung erklärte ihm, dass er auf eigene Verantwortung handele.47 Anstelle von Flor tritt vorläufig Fiedler48, da der Reichsjustizminister Flor nicht erlaubte, einen dementsprechenden Urlaub zu nehmen.
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2. Wie es dahin hat kommen können?
Ende Oktober – 10 Tage nach Dahlem – wurde ein Ausschuss einberufen zur Ausarbeitung der Vorschläge zur Synode. Diese Tage sind mir in sehr schöner Erinnerung wegen ihrer schlichten Arbeit, wie ich überhaupt viele Tage in diesen Kämpfen in Erinnerung habe. Dann trat eine böse Stunde ein; am Abend kam die Nachricht, dass der Reichskanzler die drei Bischöfe eingeladen habe.49 Es entstand die Frage, was bedeutet das? Zwei der Bischöfe gehören der Synode an, dagegen Marahrens nicht. Es zeigte sich dann, dass bei der Regierung die Absicht bestand, die Unordnung 2 in Bayern und Württemberg rückgängig zu machen, die Bischöfe wieder in ihr Amt einzusetzen. Von diesem Augenblick war der ganze Kreis von der Frage bewegt: Was soll geschehen? Es ist eine neue Lage entstanden. Man glaubt, die Tage Müllers seien gezählt. Was geschieht, wenn Müller von Hitler in die Wüste geschickt wird? Man sah sich schon im Gebäude der Kirchenregierung! Was mussten wir tun, um vertragsmäßige Partner des Staates zu sein? Jetzt gingen bezeichnenderweise die Gedanken in der Richtung Bischof. In Barmen und Dahlem kam der Bischof nur in der Unterschrift Meisers vor, da war nur von Brüdern die Rede. Jetzt glaubt man, unter einem Diktat zu stehen.50 Sind wir in der Verfassung von Dahlem geeignet für diese große Zukunft?51
592 Drei Bedenken hatte man:
1. Politische Bedenken. Präses Koch ist deutschnationaler Abgeordneter gewesen!52 Das eignet ihn nicht dazu. Es wurde sogar gesagt: Niemöller hat vom Grabenkrieg zu viel Schmutz an sich, jetzt kommen die Leute mit den roten Streifen53 an die Reihe;54 und ich erstmal – – na, Sie wissen ja!55 Gegen Asmussen bestehen die gleichen Bedenken, nur Breit ist frei davon. |
Auch hört man [2.] theologisches Raunen: nur nicht so einseitig! Das hieß nun: Man dürfe nicht meinen, die Barmer Erklärung sei geradezu ein Bekenntnis, wie das Nizänum oder die Augustana. Man könne auch die Dinge ein bisschen anders ansehen. Es sei doch zu viel Barth’sche Theologie hineingearbeitet. Es gebe auch noch andere Schulen und Richtungen, die nicht geradezu D[eutsche] C[hristen] wären und die doch auch zu hören wären. Sie wissen, dieser Wind kommt aus Althaus!56 Man hätte Angst, den ersten Satz von Barmen57 wörtlich zu nehmen.58
593 3. sagte man: Präses Koch ist kein Bischof. Außerdem ist er nur Unions-Lutheraner! Wir haben den Reibi59 auch nur deshalb bekämpft, weil er nur Unions-Lutheraner ist!60 (Auch dieser Wind wehte aus Bayern!)61
594 In den Verhandlungen stehen auf der einen Seite Bayern, Württemberg und Hannover. Diese drei wollen ihr Programm wahren, anschließend an die Restauration im Süden.62 Im Hinblick auf den Staat will man ein arbeitsfähiges Kabinett. Man sagt, unsere Gemeinden erwarten das! Die Gegenseite sagt das Gleiche. Die Interpretation dessen, was die Gemeinden wollen, ist sehr verschieden. Die einen wollten eine Reichskirche, die geeint war darin, dass man die Gewaltmethoden des Reibi und der DC nicht will. Die Verfassung von 193363 ist gültig. Man vergleiche dazu 3 das Kabinett vom Sommer 1933, das ja in derselben Weise aus fünf Leuten bestand!64 Die anderen, vor allem Preußen, sagen: Die Gemeinden warten auf die Fortsetzung des Aufbruchs, der seinen Ausdruck gefunden hat in Barmen und Dahlem, des Aufbruchs von Schrift und Bekenntnis her. Sie warten nicht auf eine Reichskirche, sondern auf einen Bund von bekenntnisbestimmten Kirchen (Dahlem65). Die erste Gruppe stellt Marahrens heraus, |595 der von vielen bis zur letzten Stunde leidenschaftlich abgelehnt wird. Die Zweiten sagen: Der Sechserrat mit Präses Koch!66 Im Laufe der Verhandlungen wird immer mehr sichtbar, dass das größere Sichanklammern auf Seiten der Süddeutschen ist. Man konnte fast Bewunderung dafür haben, wie sie jeden Tag wiederkamen mit derselben Ansicht. Die am längsten dastehen, haben immer gewonnen. Sie machen zuletzt formale Zugeständnisse: Marahrens (der nie bei der Bekenntnissynode war) soll nun gemäß Barmen und Dahlem regieren. Koch soll zur Leitung dazugehören. Marahrens soll dem Bruderrat verantwortlich sein. Die Synoden sollen weiter bestehen als Sicherungen und Ventile.67 Die Sachen wurden annehmbarer. Man fing an, weich zu werden. Bis zum 1. November hatte Preußen zusammengehalten wie ein Block, bis auf Schlesien.68 Dann fällt einer nach dem |596 anderen ab. Ich wurde zu einem Verfechter Preußens, Friedrichs des Großen und Bismarcks! Ich wäre beinahe schwarz-weiß geworden!69 Zu von Soden, dem Vertreter Hessen-Kassels, der bereits übergegangen ist, sagte ich: «Lieber Kollege, was denken Sie sich dabei, Preußen gegen Hannover, Hessen, Württemberg, Bayern. Woran erinnert Sie das? War das nicht 1866 so? Und nicht wahr, der Kurfürst von Hessen-Kassel war damals blind?»70 Aber dass wir recht hätten, aber er mahnt zum Frieden, zur Einigkeit und zur Seelsorge.71 Nun fielen die Leute ab, wie die reifen Äpfel vom Baum. Präses Koch selber sagt: Ich rate Euch, den Kampf aufzugeben.72 Lücking73, Beckmann |597 und alle gehen über. Man sah sich allein. Überzeugt war keiner, aber man sagte sich, das geht nicht anders. Die Nachtsitzung werde ich nie vergessen,74 wir stehen dann auf und sagen unsere Erklärung.75
3. Würdigung
Die Kirche war in eine Entscheidung gestellt, in der sie versagt hat. Es ist uns in diesen Jahren etwas geschenkt worden wie eine Reformation, wie eine junge Kirche. Was in Barmen und Dahlem gesprochen hatte, war die Erkenntnis, in die4ser Not der Kirche wird uns eine Erneuerung an Haupt und Gliedern76 geschenkt. War es nicht so? Haben wir nicht in der besten Stunde des Jahres etwas zu hören gemeint?
Die Bekenntnissynode hat Reformation verkündigt, Reformation heute eine Frage an uns. Marahrens und seine Leute aber wollen Restauration. Es hat einmal in Deutschland Befreiungskriege gegeben und einen Aufbruch des Volks, aber dann kam die Heilige Allianz und Metternich!77 Da kann man dann sagen: so endete eine Liebe!78 Man |598 könnte auch an das gefährliche Beispiel der Regierung erinnern! – – Waren Barmen und Dahlem nur starke Worte und Geschwätz? Um dieser Frage willen geht die Situation so auf die Nieren. Sind wir da gebunden worden durch Gottes Wort oder haben wir uns eigenmächtig an einen Bekenntnisort verfügt? Und siehe da, wir können jetzt auch anders. War Barmen nur ein erquickender Trunk aus goldenen Schalen? (Breit.)79 War die Vertretung von einer Bewegung mit Thesen, mit Bekenntnissen einer schönen Seele,80 so sagte man, man müsse unterscheiden zwischen einer Bekenntnisbewegung und zwischen einer Bekenntniskirche.81 Wenn das stimmen würde, dann allerdings Marahrens! Jetzt müsste vielmehr exerziert werden, was in Barmen gelernt war. So aber kam auf der innersten Linie der Bruch. Die Linie Barmen-Dahlem ist verlassen worden, dort wollten wir es mit dem |599 Glauben probieren, ganz kindlich, einfältig und freudig, wir wollten nicht auf das sehen, was herauskommen würde, sondern wir wollten schlicht ausmarschieren unter dem lieben Gott. Aber jetzt ist die andere Stimmung gekommen. Natürlich wollen wir glauben, natürlich Schrift und Bekenntnis – aber jetzt fängt die Wirklichkeit an, das Leben, die Praxis. Wir möchten eine breitere Front gewinnen, dem Staate gefallen!82 – Das alles kommt nicht aus dem Glauben [vgl. Röm. 14,23]. Nun ist man merkwürdig gescheit geworden, brüderlich, seelsorgerlich, aber nicht mehr kindlich; Einheit, nicht Wahrheit war die Parole, nicht Kirche Jesu Christi, sondern es muss doch Volkskirche bleiben.83 Wo steht das im Bekenntnis? Damit ist der entscheidende Punkt wieder aufgegriffen, Wiederkehr von den DC-Lehren, von den zwei Offenbarungen in neuer Auflage84 und noch nicht einmal in ver|600besserter. Wieder das gleiche Denken nach zwei Seiten, wo wir doch meinten, etwas verstanden zu haben von dem Wort: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon [Mt. 6,24]. Breit sagt: In den schönen Hallen der Theologie kann man nicht immer bleiben, sondern man muss ins Leben hinaus; wo dann einmal gesündigt werden muss. Das ist wohl eine verdammte Sache, aber es geht nicht anders.85 Ich dachte, wir hätten gelernt, 5 dass Theologie und Leben zusammengehören, dass auch in den schönen Hallen der Theologie Sünde geschieht, dass auch die Theologie von Gottes Vergebung lebt. Die Ausrede von der sündigen Welt gilt nicht mehr, weil wir selbst in der Kirche sind. Das ist wieder das Satanische in der Theologie.
Auch die äußere Ordnung von Barmen und Dahlem hat man verlassen. Was man der Gemeinde in Dahlem gesagt hatte, das wurde jetzt aufgehoben. Ohne eine neue Synode zu berufen,86 setzte man den Bruderrat sozusagen ab, Bischöfe tauchten plötzlich neben dem Bruderrat auf.87 Bei der Abfassung der Botschaft an die Gemeinden |601 stritt man sich sogar darum, ob zuerst die Bischöfe oder der Bruderrat zu nennen wäre!88 Damit wurde eine Unordnung aufgerichtet; weiter, der Schatten des Führers fällt auf die Menge. Jetzt heißt es: «Wie soll ich dich empfangen, und wie begegne ich Dir?»89 Jetzt fangen alle Leute an dreinzureden. Es findet ein Konvent in München statt, an dem die Bischöfe Schumann (??), Zänker und Marahrens teilnahmen.90 Man musste im Michael-Hospiz in Berlin sogar vorsichtig sein, |602 dass nicht etwa die überall sich herumtreibenden Journalisten ein Wörtchen mitredeten.91
Dazu kommt ein herzlich unpraktisches Verfahren; indem man Politiker sein wollte, wurde man politischer Dilettant. Man sieht die Fata Morgana auftauchen. Müller tritt ab! Und lässt sich ins Bockshorn92 jagen.93 Dabei haben wir keine Zeile von der Reichskirchenregierung bekommen! Was wir wussten, waren Gerüchte. Der eine hatte gute Beziehungen zu einem Ministerialdirektor, der andere kannte einen Standartenführer!! Das ist etwas von dem Peinlichsten, was ich in der Erinnerung habe. Und was ist nun geschehen? Der Reibi bleibt! Durch den glänzenden Streit94 der Legalität hat er sich noch befestigt, indem er sich auf die Verfassung von 1933 zurückzieht, auf der auch das Notkirchenregiment steht.95
603 Der Staat hat sich bei alledem nicht gerührt. Er denkt nicht daran, die Bekenntniskirche anzuerkennen. Man hat sich Illusionen gemacht, auch Marahrens würde nicht anerkannt, im Gegenteil, wieder ist Grabenkampf. Marahrens ist kein Grabenkämpfer. Wir haben einen Spatzen in der Hand (Sechserrat) gegen eine Taube von uns eingetauscht,96 und diese kann leicht wegfliegen. Lesen sie neben dem ersten Aufruf des neuen Regiments97 eine Predigt von Asmussen oder Niemöller oder auch ein Heft 6 der Theologischen Existenz. So hören sie schon einen seltsamen verschiedenen Klang heraus. Die erste Tat von Marahrens war, dass er Herrn Pastor Schirmacher98, den «Treuhänder»99 Jesu Christi bei der inneren Mission bestätigte.100
604
4. Was soll nun geschehen?
Wir haben allen Anlass, zu allem Nein zu sagen. Aber wir stehen noch Gewehr bei Fuß. Es gibt schon Leute, die sagen, man muss gegen Marahrens ebenso wie gegen Müller streiten.101 Diese Parole möchte ich noch nicht ausgeben. Wir wollen keinen Zweifrontenkrieg. Wir müssen erst deutlich sehen, wo die Wahrheit ist und wo die Lüge. Es kann die Zeit kommen, wo wir gegen zwei Fronten kämpfen müssen, ohne kirchenpolitische Rücksicht. Es gibt Leute, die sagen, der Sechserrat war Fanfare, das Notkirchenregiment ist Chamade.102 Man wird es an den Tatsachen sehen können. Aber nicht zu rasch sein! Auf |605 keinen Fall tumultare Schande! Es ist Aufgabe der theologischen Jugend, Disziplin zu halten, keine Pösfatie103 nach der einen oder anderen Seite. Es sind Männer genug da, die aufpassen. Die Verantwortung wird jetzt bei denen liegen,104 ohne innerlich überzeugt zu sein.
Warum bin ich nicht im Bruderrat geblieben? Es darf nicht so sein, dass im Bruderrat drei Gruppen sind, mit der milden Mitte Preußen. Denn das wäre der sicherste Weg zum Kirchenschlaf. Es würde dann nie etwas Radikales und Ernsthaftes geschehen. Von daher, wo wir früher standen, müssen die Preußen einen kalten Wind fühlen. Sie sollten keine Möglichkeit haben, sich einmal links und einmal rechts anzuschließen. Jetzt hat diese Mitte die Verantwortung. Für uns alle gilt, die Position Barmen-Dahlem zu beziehen. Die Preußen haben aus Bodelschwingh-Gründen105 nachgegeben. Sie haben unser Vertrauen weiterhin. Der Reformierte Bund hat nach seiner Tagung in Detmold in diesem schwierigen Augenblick sich für oder gegen die Bekenntnissynode entscheiden müssen. Er hat sich entschieden für das Werk von Barmen und Dahlem, für die Bekenntniskirche Marahrens.106 Das Ganze war noch zu früh, als dass es so einfach weitergehen könnte. Es war fast unheimlich, dass man sagen konnte, das ist ein DC und das ist ein Bekenntnismann. Die Fronten sind noch einmal tüchtig durcheinandergeworfen worden. Vielleicht erleben wir 7 jetzt die Sichtungszeit, wie die Brüdergemeinde sie bald nach ihrer Grün|606dung erlebte.107 Was uns in diesen zwei Jahren an Segen gegeben worden ist, das kann uns durch zehn Marahrens nicht genommen werden. Wir müssen die Hände wieder füllen lassen [vgl. Ex. 29,43] und bereit sein, aufzuteilen108 und weiterzugeben und weiter zu kämpfen.
2. Manuskript Barths
1. Tatbestand 2. Wie es dazu kam 3. Beurteilung 4. Folgerungen
Bekenntniskirche in Krisis: Lage, die Entscheidung über Sein u[nd] Nichtsein bedeutet. Alles Bisherige in Frage gestellt. – Trennung? Wünschte es anders! Es ist so: der Kampf muss in einer uns unerwarteten Weise weitergeführt werden. War er uns notwendig, so müssen wir auch jetzt bereit sein. An der Aufgabe und an den Voraussetzungen hat sich nichts verändert. Nun erst recht!
1. Die Tatsachen. Am 20. Nov[ember] Beschluss des Bruderrates der D.E.K. gemeinsam mit 3 Bischöfen: Herausstellung eines «Notkirchenregimentes» : Marahrens109, Koch, Breit, ?, Flor, das als Kollegium gemeinsam mit dem B[ruder]R[at] die rechtmässige D.E.K. leiten soll, «gemäss» den Beschlüssen Dahlem-Barmen.110 Berufung auf 3. Synode nicht angenommen.111 5 Widersprüche u[nd] Austritte. – Seither in Funktion: Aufruf.112 Beitritt von Humburg gegen Rat der |607 reform[ierten] Mitglieder und ohne Zustimmung des Ref[ormierten] Bundes.113
2. Der Hergang. Ende Oktober Bruderrat an der Arbeit: Richtlinien.114 Dann Hitlerempfang und Wiederherstellung der Ordnung in Bayern u[nd] Württemberg.115 Von da an Frage: Was tun, wenn Reibi fällt und Staat mit uns Frieden schliesst? Und Sorge: Rat (Koch, Asmussen, Fiedler, Niemöller, Breit, Barth)116 + Bruderrat werden dazu nicht genügen: a) Polit[ische] Bedenken[,] b) Theologisch zu einseitig[,] c) keine bischöfliche Spitze. – Votum von Bayern, Württemberg, Hannover: Anknüpfend an Restauration im Süden u[nd] im Hinblick auf den Staat ein «arbeitsfähiges Kabinett». «Die Gemeinden warten.» Auf was?
a) Auf ein gegen Reibi u[nd] D.C. gerichtetes, aber alle darin einigen Elemente vereinigendes, für den Staat Argloses, die künftige Reichskirche auf Grund der Verfassung von 1933 ankündigendes Kirchenregiment? Darum Marahrens! (oder Breit?) (So der Süden, Hannover, Oldenburg, Hessen-Kassel, Schlesien)
b) Auf die Fortsetzung des Kampfes von Barmen-Dahlem (Neuaufbau der D.E.K. als «Bund bekenntnisbestimmter Kirchen»117). Darum der Sechserrat von Dahlem oder Notregiment unter Koch (So Preussen, bes[onders] Brandenburg, Westfalen, Rheinland[)]. – Kampf mit wechselnden [?] Angängen. Zähigkeit u[nd] Zugeständnisse der Süddeutschen. Am 20. Nov[ember] Nachgeben der Preussen. Bodelschwingh! Koch selbst gibt auf. Böse Nachtsitzung.
3. Würdigung. Barmen-Dahlem hatten eine Reformation der Kirche verkündigt, dies ist Restauration der alten Kirche vor dem D.C. Einbruch. Frage: War Barmen-Dahlem blos[s] ein starkes Reden oder ist da etwas geschehen? Sind wir gebunden oder können wir auch anders? Haben wir als Verein (Bewegung?) oder als B[ruder]rat [?] von Kirche geredet? Antwort: Die Linie B[armen-]D[ahlem] ist verlas|608sen.118 119-Freikirche? Volkskirche? Entscheidende Quellen von B[armen-]D[ahlem] sind bedroht: «erquickender Trunk in goldenen Schalen»?! Dualismus von Theologie u[nd] Kirche, «Bewegung» und Kirche.119
a) Bruch auf der inneren Linie: Statt Glauben jetzt wieder: Glauben + ebenso ernste rühmbare [?] Motive (Staat, breite Front, luth[erisches] Kirchenideal). Seelsorgerlich, praktisch, brüderlich statt kindlich u[nd] gehorsam. Einheit statt Wahrheit. Erfolg statt W[ort] G[ottes]
b) Preisgabe der soeben anerkannten Ordnung: Bruderrat wieder Bischöfen gegenüber[,] deren Selbständigkeit nun durch Einschwenken des Reibi legitimiert war. Arbeit selbst gestört [?] durch einen Plan, von dem in Dahlem kein Mensch geredet. Hereinreden fremder Elemente (Zänker, Schumann, Marahrens) Unsicheres Selbstbewusstsein.
c) Personell: Chamade statt Fanfare120
d) Sieg eines unpraktischen Denkens: Lauschen auf Gerüchte u[nd] Gerede draussen! Reibi bleibt u[nd] befestigt sich. Staat rührt sich nicht bezw. steht auf der andern Seite. Spatz in der Hand, Taube auf dem Dach. Die ersten Taten nicht verheissungsvoll: Aufruf!121 Schirmacher!122
4. Was nun? Mitgehen = gutheissen? Nein! – Kampf wie gegen DC? Wegen «Einheit» nicht zu fürchten. Kommt vielleicht. Aber noch liegen Erklärungen vor. –
Also abwarten. Verantwortung zunächst bei der preussischen Mitte. (Darum Austritt!) Position B[armen]-D[ahlem] beziehen u[nd] halten. Dort rechtmässige D.E.K. Preussen im Ganzen gut. Westfalen u[nd] Rheinland! Überall weiter machen.
609 Lage war zu einfach[,] um schon endgültig weiter zu können. Bewegungskrieg. Sichtungszeit.123
Segen kann nicht verloren gehen, wenn wir bereit bleiben.